Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

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Im Schatten des Fußballs

 

Die Fußball-Weltmeisterschaft hält uns im Bann. Man könnte in diesen Tagen wirklich meinen, Fußball bestimmt unser Leben. Die WM sorgt für Umsatz, jeder versucht vom WM-Kuchen ein Stückchen abzukommen. Kein Konsumzweig kommt ohne WM aus. Bei der WM interessieren sich plötzlich Leute für Fußball, die ansonsten gerade noch wissen, dass der Ball rund ist. Eine Nation versammelt sich vor dem Fernseher, auch wenn die 26,36 Millionen Zuschauer beim 4:0 der deutschen Mannschaft gegen Portugal noch nicht einmal Rekord für das erste WM-Spiel einer DFB-Elf waren. Der Fußball bringt die Menschen aber auch zusammen, Public Viewing wurde zum Kult, funktioniert so richtig aber auch nur bei der WM. 

Die TV-Einschaltquoten sagen alles über das Interesse. Keine andere Fernsehsendung kann mit WM-Spielen mithalten, selbst ein Match der Nobodys Iran und Nigeria sahen am Montag um 21 Uhr in Deutschland (!) 9,46 Millionen Zuschauer. Quoten, die höchstens noch der „Tatort“ erreicht oder früher „Wetten, dass…?“. Um Mitternacht schauten sich noch 3,61 Millionen die USA gegen Ghana an, verschenkten für so ein Spiel also eine große Mütze Schlaf. ARD und ZDF preisen ansonsten Shows wie von Silbereisen oder Carmen Nebel als „Knüller“ an, aber die haben oft nicht mehr Zuschauer. Wohlgemerkt an einem Samstagabend um 20.15 Uhr! 

Logisch eigentlich, dass auch die Bundeskanzlerin ein Stück vom Kuchen abhaben will und die WM besucht. Wer dies nicht verstehen kann, lebt nicht in der heutigen Zeit. Die Opposition wettert zwar pflichtgemäß, aber sie muss sich als von vorgestern schelten lassen. Ist doch klar, dass die Regierungschefin der deutschen Mannschaft den Rücken stärkt und „ihrem“ Volk zeigt, „ich bin eine von Euch“. Sie hätte allerdings mehr „Fans“ in ihrem Airbus mitnehmen können, angeblich waren nur 15 Personen dabei – auch von der Opposition. Aber Angela Merkel fliegt nicht nur als Fan, sammelt zwar Sympathiepunkte auf der Tribüne, traf sich aber auch mit Brasiliens Regierungschefin. Alles o. k. also. 

Im Licht des Fußballs gibt es aber auch viel Schatten. Die anderen Sportarten in Deutschland erleben wieder einmal, dass es sich nach Fußball, Fußball, Fußball nur schlecht leben lässt. Die WM füllt bei den Tageszeitungen Seiten, ein Sensationssieg wie von Golf-Profi Martin Kaymer bei den US Open ist manchen nur eine kleine Meldung wert, andere stoßen mit einem Drei-Spalter an ihre Grenzen. Für den Sport neben Fußball ist kaum Platz. 

Das merken vor allem die anderen Mannschaftssportarten wie Handball, Basketball, Hockey, Volleyball oder Eishockey. Sie können nicht einmal mit Erfolgen aus dem Schatten treten, aber leider bleiben derzeit die Erfolge auch noch aus. Wie wollen sie dann Schlagzeilen machen? Nur mit Streit? Die Handballer haben wieder einmal die WM-Qualifikation verpasst und versinken in der Zweitklassigkeit. Da nützen die Erfolge der Vereinsteams nichts, denn dort haben Ausländer das Sagen und sind so dafür verantwortlich, dass der deutsche Handball am Stock geht. Ähnlich sieht es im Basketball aus. Die Auswahlteams im Hockey waren bisher die große Ausnahme, jetzt aber haben sie sich aus der internationalen Spitze verabschiedet. Aber wer spricht auch schon – außerhalb von Olympischen Spielen – von Hockey? 

Da helfen auch Geldspritzen des Staates oder noch so gute Marketingkonzepte nichts – gegen den Fußball ist in Deutschland kein Kraut gewachsen. Alle zwei Jahre (EM und WM im Wechsel) kennt Deutschland im Sommer nur ein Thema – Fußball. Aber auch ansonsten ist Fußball zumindest im Sport Gesprächsthema Nummer 1. Alle anderen müssen im Schatten des Fußballs leben und versuchen zu überleben.

Chaos-Vorbereitung auf die Chaos-WM

 

Das passt doch wirklich zusammen: Chaotisch war die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die Fußball-Weltmeisterschaft mit zahlreichem Verletzungspech, organisatorischen Mängeln und einem schweren Unfall im Trainingslager. Chaotisch ging es auch im Vorfeld des Turniers in Brasilien zu, mit Stadien, die sehr spät oder auch gar nicht fertig gestellt wurden sowie mit Protesten statt WM-Vorfreude. Da kann am Ende eigentlich nur eines rauskommen: Der WM-Titel! 

Eigentlich waren die Fußball-Fans glücklich mit der WM-Vergabe nach Brasilien. Im Land des Fußballs musste das doch ein Fest werden. Aber der Weltverband FIFA ebenso wie der nationale Fußball-Verband sowie die Regierung in Brasilien haben alles getan, um die Freude auf das Turnier im Keim zu ersticken. Schon beim Confed-Cup vor einem Jahr haben Teile der Bevölkerung erkannt, dass Versprechungen für das Volk nicht eingehalten werden. Jetzt stehen zum Teil protzige Stadien in der Landschaft, aber weder Infrastruktur noch soziale Leistungen wurden verbessert. Die Kosten schnellten in die Höhe, dafür steht dann im Dschungel ein Stadion, das niemand mehr braucht. Dümmer geht es nimmer.

Unsicherheit aber auch im deutschen Team. Auffallend, dass Bundestrainer Joachim Löw immer mehr in die Schusslinie gerät. Das kann kein Zufall sein, dass gerade in diesen Tagen sowohl die Fachzeitschrift kicker, als auch die Süddeutsche Zeitung über Spannungen im Trainerteam des DFB berichten. Jogi Löw scheint die Bodenhaftung zu verlieren. So schreibt der kicker über Löw:„Seinen Führungsstil hat er gegenüber früheren Turnieren verändert, zum Leidwesen seines Funktionsteams. Dort reagiert man zunehmend mit Kopfschütteln auf die Sprunghaftigkeit des Sportlichen Leiters….Der, so heißt es aus seinem Umfeld, drohe allmählich die Bodenhaftung zu verlieren und in eine Parallelwelt abzugleiten.“ Die SZ titelte: „Zur Sphinx geworden. Joachim Löw strebt auf den Höhepunkt seiner Amtszeit zu – doch häufiger als früher erleben viele Begleiter den Bundestrainer als schwer durchschaubar und rätselhaft“. 

Das lässt nichts Gutes für das Turnier aus deutscher Sicht erahnen. Zerbricht der Trainer am Druck, dass die Öffentlichkeit endlich einen Titel fordert? Weltmeister war Deutschland zuletzt 1990, also vor 24 Jahren. Löw, dessen Vertrag bewusst bis 2016 verlängert wurde, um Ruhe bei der WM zu haben, droht als der Trainer in die Geschichte des DFB einzugehen, der zwar eine der talentiertesten Mannschaften zur Verfügung hatte, aber nichts aus den Talente machte. Diese Angst sitzt bei ihm offensichtlich tief. Eins ist klar: Das Aus sogar in den Gruppenspielen oder im Achtelfinale beendet auch die Ära Löw beim DFB. Was danach kommt, ist alles offen. 

Man hat auch nicht den Eindruck, dass Jogi Löw wirklich weiß, wie er spielen lassen will. Vor dem WM-Start gleicht die DFB-Elf eher eine Baustelle. Für Kopfschütteln hat auch die Nachnominierung von Abwehrspieler Mustafi für den verletzten Stürmer Reus gesorgt. Auch hier ist die Verunsicherung von Löw zu spüren, der den geforderten Kießling, Kruse oder Lasogga die kalte Schulter zeigte. Verunsicherung auch bei der Aufstellung. Wohin mit Lahm? Vier Innenverteidiger bilden offenbar die Viererkette, Schweinsteiger überzählig im Mittelfeld, Özil eher ein Sorgenkind als ein Leitwolf – Löw verzweifelt an den Problemen. 

Was kann Deutschland dann noch erreichen? Trotzdem den Titel, wenn sich alles glücklich fügt. Favorit Nummer 1 bleibt natürlich Gastgeber Brasilien, aber die Tür steht für viele Nationen offen, es gibt derzeit keine überragende Mannschaft, die auch Titelverteidiger Spanien nicht stellt. Da könnte sich die Chaos-WM auch zu einer sportlich chaotischen WM entwickeln, nämlich insofern, dass viele vermeintliche Favoriten frühzeitig scheitern, dass Überraschungen an der Tagesordnung sind. Vielleicht erstmals mit einem Weltmeister aus Afrika! 

Es könnte also doch eine interessante WM werden und wenn die Brasilianer erst mal merken, hey, hier wird ja Fußball gespielt, vergessen wir unsere täglichen Sorgen, dann wird es vielleicht auch noch ein Fest.

Der Formcheck der deutschen WM-Auswahl

 

Bundestrainer Joachim Löw hat sich entscheiden und am Montag die 23 Spieler für die Fußball-Weltmeisterschaft nominiert. Große Überraschungen gab es keine, wenn man mal davon absieht, dass er bei dem Dortmunder Verteidiger Marcel Schmelzer nicht so großzügig verfuhr wie bei anderen Stammspieler und ihn wegen einer Verletzung zu Hause ließ. Derzeit sind Trainer und Spieler auf Heimaturlaub, zum Erholen, Abschalten und schließlich Koffer packen. Jogi Löw hat allerdings schlaflose Nächte, weil es rund um seine Auswahl zu viele Fragezeichen gibt. Kein Wunder deshalb, dass auch die deutschen Fußball-Fans im Hinblick auf den Gewinn der Weltmeisterschaft nicht mehr so zuversichtlich sind. Hier ein Formcheck der deutschen WM-Auswahl: 

Manuel Neuer: Der Bayern-Spieler gilt als bester Torhüter der Welt und ist deshalb auch die klare Nummer 1. Er steht normalerweise hinten wie eine Mauer, signalisiert dem Gegner, „an mir kommst Du nicht vorbei“. Manchmal leichtsinnig mit schlampigen Pässen. Genial, wie er Spielsituationen frühzeitig klärt. 

Roman Weidenfeller: Zuerst im Nationalteam links liegen gelassen, jetzt die Nummer 2. Profitierte von der Formschwäche von René Adler, zeigte aber selbst gute Form. Schwächen im Herauslaufen und in der Spielöffnung. Jederzeit aber ein guter Ersatz für Neuer, wenn der nicht rechtzeitig fit wird. 

Ron-Robert Zieler: Klar Torhüter Nummer drei, viele fragen sich, warum er den Vorzug vor Leno oder te Stegen erhielt. Wäre gut, wenn er nicht zeigen müsste, was er kann (oder nicht kann). 

Philipp Lahm: Schade, dass es den Kapitän nur einmal gibt, Löw hat verpasst ihn zu klonen. Doch wo stellt er ihn hin? Wird wohl rechter Verteidiger spielen, wenn Khedira fit ist. Immer eine feste Größe und der Anführer der Mannschaft. 

Per Mertesacker: An dem England-Legionär führt kein Weg vorbei, spielt solider als Boateng und Hummels, allerdings auch nicht frei von Schwächen. Die Innenverteidigung könnte dem Erfolg gemäß dem Motto „die Defensive gewinnt Titel“ im Wege stehen. 

Jerome Boateng: Bleibt wohl das schlampige Genie, schien auf einem guten Weg, endlich erwachsen und solide zu werden, doch er erlitt wieder einen Rückfall. Jetzt ist die Unsicherheit bei ihm und den Mitspielern wieder da. Könnte auch als rechter Verteidiger aushelfen (hat schon mal Ronaldo kalt gestellt). 

Mats Hummels: Auch er eher ein schlampiges Genie, gut im Aufbauspiel, oft leichtsinnig in der Abwehrarbeit. Hier braucht Löw bei der Auswahl ein glückliches Händchen. Könnte aber auch die große WM-Überraschung werden (oder Boateng!). 

Erik Durm: Der gelernte Stürmer wurde von Dortmunds Trainer Klopp zum Verteidiger umgeschult. Das macht alle glücklich, Dortmund, Durm und jetzt Löw. Nutzte die Schwächen der anderen (Schmelzer, Jansen) auf der linken Seite und erlebt ein Märchen. Hoffentlich spielt er auch märchenhaft. Solide hinten, mit Schwächen nach vorn. Hat aber noch Potential. Aufruf an viele Stürmer: Werdet Verteidiger! 

Benedikt Höwedes: Der Schalker ist die Allzweckwaffe Nummer 1 in den hinteren Reihen, kann in der Vierer-Kette alles mehr oder weniger gut spielen, notfalls sogar im defensiven Mittelfeld. Ein Mann auf der Warteliste, der selten enttäuschen wird. 

Kevin Großkreutz: Allzweckwaffe Nummer 2. Bei ihm ließ Löw Gnade vor Recht gelten, verwarnte ihn wegen der Pinkel-Affäre nur, aber Zweifel an seinem Charakter bleiben. Kann quasi alles spielen, sogar Torhüter. Hoffentlich fängt er nicht mitten auf dem Spielfeld zum pinkeln an… 

Bastian Schweinsteiger: Sorgenkind Nummer 1 im Mittelfeld. Er muss nicht nur rechtzeitig fit werden, sondern auch in Form kommen. Noch einmal kann ihn die Mannschaft nicht mitziehen. Großes Fragezeichen. 

Sami Khedira: Fast ein Wunder, wie schnell er wieder fit geworden ist, doch die Bestform ist noch nicht da, wird sich sicherlich steigern und könnte dann zu einem Trumpf werden. Könnte… 

Thomas Müller: An dem Mann mit den unorthodoxen Laufwegen führt kein Weg vorbei, immer für ein Tor gut, eine Wundertüte für den eigenen Trainer und den Gegner. Titelverteidiger als Torschützen-König. Mach’s noch mal Thomas! 

Mesut Özil: Kann alles, zeigt aber nicht immer alles, also auch eine Wundertüte. Es könnte sich zeigen, dass Löw besser fährt, wenn er auf Özil verzichtet! 

Marco Reus: Der Dortmunder Torjäger ist wohl links gesetzt, könnte aber in der Özil-Rolle sogar wertvoller sein. Hält er seine Form, könnte er Deutschlands WM-Star werden. 

Miroslav Klose: Der Torjäger steht als einziger Mittelstürmer im Aufgebot allein auf weiter Flur. Auch hier die Frage: Kommt der Routinier in Form? Wenn ja, kann er der ewige Torschützenkönig werden, zwei Treffer fehlen. Wenn nicht, muss eine „falsche Neun“ her (Müller, Schürrle, Götze). 

Toni Kroos: Pech für den Bayern-Spieler, dass er überall gut ist, aber immer einen noch wertvolleren Spieler vor sich hat. Könnte die Rolle von Schweinsteiger oder Özil übernehmen und Löw würde mit dieser Entscheidung nie schlecht fahren. 

Mario Götze: Technisch hoch veranlagt, aber leider ohne Schwung, ihm fehlt das letzte Quäntchen Durchsetzungsvermögen, um wirklich wertvoll zu sein. Wird über die Rolle als Einwechselspieler nicht hinauskommen. 

Lukas Podolski: Die Stimmungskanone im Team, sorgt immer für Schwung, wird also eine gute Alternative sein, wenn es im Vorwärtsgang hakt. Hat seine Stammposition verloren. 

André Schürrle: Steht Gewehr bei Fuß, kann Reus oder Klose ersetzten, ist leider nicht beständig, aber manchmal eben sehr wertvoll. Glückssache, ob er gerade in einem entscheidenden Spiel auch die entscheidenden Tore schießt. Er kann es zumindest. 

Christoph Kramer: Der Zufallstreffer im Team, steht nach den Ausfälle der Bender-Zwillinge Gewehr bei Fuß, wenn Khedira schwächelt. Das Laufwunder könnte in der Hitze von Brasilien zum Trumpf werden, denn das Tandem Kroos-Schweinsteiger wäre zu gefährlich. Für ihn wird ein Märchen wahr. 

Julian Draxler: Endlich darf der 20jährige Schalke dabei sein, gilt als großes Talent und Techniker, normalerweise aber eher zum Lernen in Brasilien. 

Matthias Ginter: Auch der Freiburger kann viele Rollen spielen und steht wohl deshalb im Aufgebot. Läuft alles normal, wird es hinterher heißen „auch Ginter war im Aufgebot“. Pech für Löw, wenn Ginter doch gebraucht wird. Nichtsdestotrotz ein Mann mit Zukunft (nicht umsonst wollen ihn Dortmund und Bayern). 

Die Weltmeisterschaft in Brasilien bringt viele Unwägbarkeiten mit sich, auf die sich jede Mannschaft erst einmal einstellen muss. Prognosen sind deshalb besonders schwer. Für die deutsche Mannschaft ist entscheidend – wie für alle Europäer –, wie die Spieler mit der Hitze zurechtkommen. 

Eine kleine WM-Vorschau nächste Woche: Chaos-Vorbereitung auf die Chaos-WM!

Altes Problem neu aufgelegt: Streit im Eishockey

 

Nostalgiker schwärmen von den alten Zeiten. Die fühlen sich sicherlich im deutschen Eishockey wohl, denn dort gibt es meist wenig Neues. Eine Weiterentwicklung ist nämlich kaum festzustellen, man macht heute noch die gleichen Fehler wie vielleicht vor 40 Jahren. Lernfähigkeit gleich Null. Und so darf es nicht verwundern, dass das deutsche Eishockey nur mit einem alten Leiden wieder in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird – mit Streit. Ein altes Problem wird neu aufgelegt. 

Den größten Streit gab es vor 20 Jahren, als die Deutsche Eishockey Liga (DEL) gegründet wurde und der Deutsche Eishockey-Bund sogar in seinem Bestand gefährdet war. Der Streit wurde vor Gericht ausgetragen und eskalierte derart, dass sich die Öffentlichkeit angewidert abwandte. Noch heute leidet das Eishockey darunter, auch wenn sich die DEL gut entwickelt hat und als attraktiv präsentiert. Ansonsten aber scheint die Zeit für den DEB und das Eishockey stehen geblieben zu sein. Nur eines bleibt immer aktuell: Streit. So zuletzt bei der Loslösung der Klubs der 2. Bundesliga vom DEB, die Klubs wollten lieber unter das Dach der DEL. Der DEB verliert immer mehr an Macht und sportlich hat man schon lange den Anschluss an die besten Nationen verloren. Vor allem auch im Nachwuchs. Eine positive Entwicklung ist nicht erkennbar. 

Verwunderlich deshalb, dass es jetzt Streit um die Position des DEB-Präsidenten gibt. Im Juli wird gewählt, aber der Wahlkampf ist in vollem Gange. Gegen den amtierenden Präsidenten Uwe Harnos, einem Rechtsanwalt aus Kaufbeuren, will jetzt der langjährige DEB-Angestellte und Ex-Nationalspieler Franz Reindl kandidieren. Ihn unterstützt vor allem die DEL, doch bei der Wahl des DEB-Präsidenten hat die DEL kein Stimmrecht! Sie mischt sich also massiv von außen in die Belange des Verbandes ein. 

Uwe Harnos ist sicherlich kein glanzvoller Präsident und einer breiten Öffentlichkeit nicht bekannt. Diesbezüglich hat Reindl zumindest die größere Bekanntheit und eine gute Verbindung zu den Medien auf seiner Seite. Andererseits muss sich der 59jährige Garmischer fragen, was er denn in der Zeit seiner Funktionärstätigkeit Positives geleistet hat? Seit 1992 ist er u. a. Sportdirektor, Verwaltungsdirektor und Generalsekretär im Verband, doch vorangebracht hat er den DEB weder organisatorisch noch sportlich. Es herrscht Stillstand. Jetzt will er plötzlich als Präsident zum Wohle des Verbandes wirken. Warum dann nicht als Sportdirektor oder Generalsekretär? Keiner hätte ihn gebremst. 

Harnos oder Reindl, das entscheiden die Landesverbände und die kleinen Vereine. Lautstark zu Wort melden sich vor allem die großen Klubs und bekannte Persönlichkeiten, vor allem Nationalspieler. Sie stehen auf Seiten von Reindl, der die Publicity für sich hat, aber ob er auch die Stimmen für sich hat, dass muss sich zeigen. In der Vergangenheit haben vor allem die starken Landesverbände von Bayern und Nordrhein-Westfalen den Präsidenten „gekrönt“. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sie auf Seiten von Harnos stehen. Warum auch sollten sie einen Präsidenten installieren, der offensichtlich von der DEL fremdbestimmt wäre… 

So zeichnete sich Reindl in all seinen Jahren beim DEB vor allem auch dadurch aus, dass er sein Fähnchen immer nach dem Wind hängte. Er war für den, der für ihn nützlich war, er wollte vor allem seinen Posten retten. Nur so konnte er sich so lange in seinem Job halten. Bis ihn jetzt allerdings Uwe Harnos quasi vor die Tür setzte. Seine Zeit als Generalsekretär endet im Juni, Reindl soll sich dann ganz um die Weltmeisterschaft 2017 in Köln und Paris kümmern. Reindl muss den DEB quasi durch die Hintertür verlassen, will aber als Präsident durch das Eingangsportal zurückkehren. Keiner fragt allerdings danach, ob dies ein Gewinn für den DEB wäre. Zunächst aber gilt das alte Motto: Streitet mal schön! Eishockey ist wieder im Gespräch – natürlich negativ.

Matthäus und Schuster haben keine Chance

 

Sie waren große Fußballer, haben aber auch mit einem großen Mundwerk von sich reden gemacht und sich mit ihre Eskapaden außerhalb des Spielfeldes ins Abseits gestellt. Sie wären ja so gern Trainer in der Fußball-Bundesliga, aber die Vereine zeigen ihnen die kalte Schulter. Eine Verpflichtung ist allen zu heiß. Die Rede ist von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und dem „blonden Engel“ Bernd Schuster. Zwei Stars, die sich oft in den Schlagzeilen wiederfinden, aber nicht als Trainer in der Bundesliga. 

Die Trainersuche von Eintracht Frankfurt war jetzt wieder typisch. Als Nachfolger von Armin Veh wurde, wie immer, über verschiedene Namen spekuliert. Ganz vorn dabei der Italiener Roberto di Matteo, der einst Chelsea gegen die Bayern zum Champions-League-Sieg führte. Aber wer einmal die Krone errang, will wohl nicht in die Niederungen der Bundesliga wechseln. Dementsprechend hielt er die Eintracht hin (wird wohl noch was Besseres kommen). Anders sah die Sache bei Bernd Schuster aus. Der Augsburger drängte sich förmlich auf, seine Mission in Malaga war sowieso beendet und Schuster machte deutlich, „ich würde die Eintracht gern übernehmen“. Wäre doch zu schön gewesen, ein Augsbureger als Nachfolger eines Augsburgers. Doch hier zögerte Frankfurt nach dem Motto „vielleicht gibt es noch Besseres“. Der Trainer immer in den Schlagzeilen und nicht die Mannschaft, nein, das hätte nicht zur Eintracht gepasst. 

Die Medien spielten noch einen dritten Namen: Thorsten Fink, als Spieler mit den Bayern erfolgreich, als Trainer Meister mit dem FC Basel in der Schweiz, aber beim Hamburger SV nicht glücklich. War er in Frankfurt wirklich im Gespräch, dann ein Mann mit dem Etikett „Notnagel, nach dem Motto „wenn wir nichts Besseres finden“. 

Die Medien spekulierten und wahrscheinlich haben sich Frankfurts Macher, Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Bruno Hübner, ins Fäustchen gelacht. Sie zogen plötzlich einen ganz anderen Trainer aus dem Hut, das Gegenstück zu di Matteo und Bernd Schuster – den bodenständigen Thomas Schaaf, einst der Inbegriff von Werder Bremen nach 17 Spieler- und 14 Trainerjahren. Sein einstiger „Zwilling“ in Bremen, Manager Klaus Allofs, lobte bereits, „Frankfurt bekommt einen ausgezeichneten Trainer“. Thomas Schaaf erklärte schmunzelnd, er könne sich 14 Jahre auch in Frankfurt vorstellen. Vielleicht wird der Vereinsname von Eintracht auf Werder Frankfurt umbenannt… 

Die Show-Stars Matthäus und Schuster sind wieder leer ausgegangen, wobei seltsamerweise Matthäus gar nicht gehandelt wurde, er hat sich nicht einmal selbst ins Gespräch gebracht, was er ja gerne macht. Aber eins ist deutlich: In der Bundesliga sind einmal junge Trainer „in“, sind die nicht zu bekommen, dann sind eher gestandene, bodenständige Fußballlehrer gefragt, die für Ruhe im Verein garantieren sollen. 

Die Frage wird allerdings sein, ob Thomas Schaaf in Frankfurt wirklich glücklich wird, weil er bei den Hessen eine neue Mannschaft aufbauen muss. Das kennt er zwar aus Bremen, aber das Umfeld des Vereins hofft natürlich auf eine Saison ohne Abstiegssorgen und langfristig ist Europa wieder im Blick. Zunächst aber müssen die Abgänge der Mannschaftsstützen Jung, Rode, Schwegler und wohl auch Torjäger Joselu verkraftet werden. Dazu war auch Barnetta (Schalke) nur ausgeliehen. Da brauchen Hübner und Schaaf jetzt erst mal ein glückliches Händchen oder Bernd Schuster kommt zur Weihnachtszeit doch noch nach Hessen…

Löw ohne Linie – so wird das nichts mit dem WM-Titel

  

Es ist schon seltsam, viele Spieler sind verletzt oder nicht in Form, aber Deutschland wird die Rolle als Mitfavorit bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien nicht los. Beobachter in allen Ländern glauben offenbar daran, dass Deutschland zur rechten Zeit in Form ist, schließlich gilt das DFB-Team ja als Turnier-Mannschaft. Der Sport-Grantler glaubt nicht mehr an den Titelgewinn. Bundestrainer Joachim Löw zeigt sich verunsichert und ohne Linie – so wird das nichts mit dem WM-Titel! 

Die Nominierung des WM-Kaders und das „Länderspiel“ gegen Polen sind der Beweis. Das 0:0 gegen Polen war ein Muster ohne Wert, es hat höchstens die Zuschauer verärgert, die 80 Euro für die teuersten Plätze zahlen mussten, nur um ein Nachwuchsteam zu sehen, dass als Nationalmannschaft firmierte. Entsprechend laut fiel das Pfeifkonzert aus. Lachhaft, dass Löw einen neuen Debütanten-Rekord aufstellte. Den alten hielt – logisch – die Mannschaft beim ersten Länderspiel 1908, da standen naturgemäß elf Neulinge auf dem Platz. Damals durfte man noch nicht wechseln, also blieb es bei den elf, Löw setzte aber zwölf Neulinge ein. Sein einziger Gewinn: Die Entdeckung von Gladbachs Mittelfeldarbeiter Christoph Kramer, der auf sich aufmerksam machen konnte. Prompt hievte ihn Löw in den endgültigen 30erKader für die WM und schmiss Flügelflitzer André Hahn vom FC Augsburg raus. „Positionsbezogen“, wie es Löw nannte. 

Hatte Löw sich vorher keine Gedanken gemacht? Oder war einfach seine Beobachtung in den Bundesligaspielen mangelhaft? Löw wirkt verunsichert ob der vielen Verletzungen. Zuerst wollte er 25 Spieler mit ins Trainingslager ab 21. Mai nach Südtirol nehmen, jetzt sind es 27. Ein zaudernder und unsicherer Bundestrainer lässt für Brasilien nicht viel erhoffen. Außerdem scheint er an Wahrnehmungstrübungen zu leiden, denn das schwache und ereignisarme Spiel gegen Polen „habe ihm Spaß gemacht“. Dieses Urteil hat er exklusiv für sich. 

Allein das Beispiel Marcell Jansen zeigt, dass Löw an einem Tag so und am anderen Tag anders denkt. Erst nominiert er den Hamburger Verteidiger für das WM-Aufgebot, um ihn wenige Tage später doch zu streichen, mit der Erkenntnis, er sei noch nicht ganz fit. Die Erkenntnis gab es auch schon eine Woche vorher. Dennoch ist diese Entscheidung zweifellos richtig, denn Jansen wäre angesichts mangelnder Fitness ein doppeltes Sicherheitsrisiko, angesichts seines wenig kontrollierten Spiels. Marcel Schmelzer gilt jetzt als Platzhirsch auf der linken Seite, sein Mannschaftskollege Erik Durm als Hoffnung, er darf wie im Verein den Mann dahinter spielen und wird wohl als Überraschung in den WM-Kader rutschen. Gleichwohl bleibt die Position des linken Verteidigers eine Schwachstelle. 

Die deutsche Mannschaft weist vor der WM zwei Schwachstellen auf: Die des linken Verteidigers und des Mittelstürmers. Dort genügt allein ein fitter Miro Klose höheren Ansprüchen. Was aber, wenn er ausfällt. Egal, welche taktische Variante, alles bleibt nur eine Notlösung. Es ist schon kurios, dass der deutsche Fußball hier eine große Mängelliste aufweist. Beim Bolz auf der Wiese wollte früher jeder nur Tore schießen, Stürmer und Spielmacher waren die Idole. Jetzt gibt es für junge Fußballer nur einen Rat: Werdet Verteidiger, dann wird der Weg nach oben ein leichter sein (Torjäger verpflichten die Vereine gerne aus dem Ausland, aber nicht Verteidiger. Dies derzeit allerdings notgedrungen). 

Bleibt die Erkenntnis, dass wir vom WM-Titel nicht mehr träumen sollten. Hoffen dürfen wir schon noch, schließlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Sommermärchen im Eishockey?

 

Der Winter fiel in diesem Jahr in Deutschland aus, deshalb ist es egal, zu welchem Zeitpunkt die Eishockey-Weltmeisterschaft stattfindet. Nach dem Motto: Warm ist es immer. Seit über 30 Jahren hat es sich so eingespielt, dass die Eishockey-WM erst dann stattfindet, wenn es schön warm ist. Von wegen Wintersportart… Die Eishockey-Funktionäre gehen darüber hinweg, obwohl jedes Jahr aufs Neue diskutiert wird, welcher Unsinn es denn sei, erst im Mai mit einer Eishockey-WM zu beginnen. Noch ein bisschen später und Eishockey würde mit der Fußball-Weltmeisterschaft kollidieren… 

Sport-Bild hat das Thema, wie andere Medien auch, wieder einmal aufgegriffen und fordert: Eishockey-WM an Weihnachten! Das fordert der Sport-Grantler, der natürlich weiß, welche Argumente die Funktionäre haben, schon lange. Die Profi-Liga in Übersee ist wichtig, dort sind die besten Spieler beschäftigt und die sollen dabei sein. Deshalb wird das WM-Turnier möglichst lang hinaus gezögert, nach dem Motto, umso später, umso mehr Stars bei der WM. In diesem Jahr kommt hinzu, dass auch Olympischen Winterspiele stattfanden. Unsinn hoch drei, dass es in Olympia-Jahren eine Weltmeisterschaft gibt. Einige Zeit wurde in diesen Jahren die WM ausgesetzt, doch die Funktionäre wollen auf ihre schönen Reisen nicht verzichten (deshalb werden Verbandstage im Sommer in schönen Gegenden abgehalten, z. B. Hawaii oder Florida oder die Kanaren). Überhaupt ist es Unsinn, jedes Jahr eine WM durchzuführen. Alle zwei Jahre würden reichen und das Turnier zudem aufwerten. Die Funktionäre aber jammern, „uns fehlt sonst uns Geld, die Sponsoren wollen sich präsentieren“. Geld regiert bekanntlich die Welt, natürlich auch den Sport. Alles eine der Abmachung. Ist ein Titel mehr wert, können höhere Preise verlangt werden. 

Also werden wir in diesem Jahr im Eishockey zwei weltbeste Teams haben, es sei denn, Olympiasieger Kanada ist auch in Minsk vorne. Erstmals in Weißrussland trifft sich vom 9. bis 25. Mai die Kufen-Elite der Welt. Titelverteidiger ist Schweden, in Sotschi Kanada im Finale mit 0:3 unterlegen. Vor einem Jahr hatten die Skandinavier im WM-Finale ihrerseits leichtes Spiel beim 5:1 gegen Nobody Schweiz. Davon träumen auch die Deutschen, dass sie einmal ins Finale einziehen oder wenigstens um die Medaillen kämpfen können. Gut, 2010 war Deutschland Vierter, aber das gehört schon in die Kategorie der Wunder! 

Oder gibt es in Minsk auch ein deutsches Sommermärchen im Eishockey? Im Fußball feierte Deutschland mit der WM im eigenen Land das Sommermärchen 2006. Deutschland wurde aber nur Dritter. Bronze reicht also für ein Sommermärchen. Allerdings muss es in Minsk nicht so heiß sein wie damals in Deutschland, sonst schmilzt das Eis. 

Wie stark die deutsche Mannschaft einzuschätzen ist, das lassen die Testspiele vor der WM offen. Immerhin wurden Russland und die Schweiz geschlagen, aber wie ernst haben die Gegner den Test genommen? Auflösung in Minsk. Tatsache ist, dass Bundestrainer Pat Cortina lieber eine eingespielte Mannschaft hat, als einen Haufen Stars. Er hatte allerdings auch mit einer Reihe von Absagen zu kämpfen. So ist kein Spieler aus der NHL dabei, auch keiner vom Überraschungsmeister Ingolstadt, dafür vier Cracks vom Verlierer Köln. Immerhin 13 Spieler sind aus dem letztjährigen WM-Aufgebot übrig geblieben. 

Die Gegner in der Gruppe B sind der Reihe nach Neuling Kasachstan (am Samstag zum Mittagessen ab 11.45 Uhr, guten Appetit), Lettland, Finnland, Schweiz, Gastgeber Weißrussland, Russland und die USA. Das DEB-Team muss also für eine Überraschung sorgen, um in das Viertelfinale einzuziehen. Das darf man schon eher Russland, Finnland, der USA, der Schweiz und dem Gastgeber zutrauen, andererseits ist ein Start mit zwei Siegen möglich und mit der entsprechenden Euphorie können vielleicht Berge versetzt werden…

In Deutschland wird die Öffentlichkeit über die Eishockey-Fans hinaus nur dann von den Puckjägern Notiz nehmen, wenn sie außergewöhnliche Erfolge vorweisen können. Das ist ja auch die Crux einer WM als Sommermärchen, weil die Werbewirkung bis zum Start der neuen Saison im September verpufft. Diesbezüglich wäre eine WM in der Winterpause des Fußballs nach Weihnachten von doppeltem Vorteil. Aber wahrscheinlich haben die Eishockey-Funktionäre Angst, dass sie dann zu sehr frieren. Es könnte ja einen richtigen Winter geben…

Jetzt muss Pep zeigen, was er wirklich kann

 

Gerade wurden in Rom zwei Päpste heilig gesprochen. Beim FC Bayern haben sie ihren Trainer Pep Guardiola schon lange in den Stand eines Heiligen gehoben, aber der Heiligenschein ist verblasst, erste Zweifel werden laut, ob Guardiola wirklich ein Alleskönner ist oder doch nur den FC Barcelona trainieren kann. In München hat er jedenfalls Fehler gemacht. Nach dem Aus in der Champions League gegen Real Madrid muss Pep jetzt zeigen, was er wirklich kann. 

Die Bayern sind nach dem blamablen 0:4 gegen Real wieder in der Realität angekommen. Sie wähnten sich im Fußball-Himmel und wollten nie mehr da wieder raus, jetzt ist ihnen plötzlich die Hölle wieder ziemlich nahe. Erstaunlich, wie schnell sich alles drehen kann. 

2013 war das Glücksjahr der Bayern, sie gewannen alle bedeutenden Titel, endlich auch die Champions League. Das Triple war historisch und Trainer Jupp Heynckes der erste Heilige. Als seinen Nachfolger hatte man ausgerechnet den Mann verpflichten können, der mit Barcelona Titel en masse hamsterte und als bester Trainer der Welt galt. Das erneute Triple war der Traum, aber jeder rund um die Mannschaft schwächte ab, wir können es schaffen, aber es wird kaum möglich sein. Aber die Bayern spielten lange Zeit so schwungvoll auf, dass sie schier als unschlagbar galten und es in der Bundesliga auch lange Zeit blieben. Die Deutsche Meisterschaft galt als wichtigster Titel, gleichzeitig allerdings auch als Minimum. Sie war so schnell eingefahren, dass im Verein wohl alle erschraken und aus dem Gleichgewicht kamen. Bevor man sich über diesen Titel richtig freuen konnte, kehrte Traurigkeit ein. Die Blamage gegen Real Madrid zerstörte alles! Statt Selbstbewusstsein machen sich nun Selbstzweifel breit. 

Es ehrt Pep Guardiola wenn er die Gründe für das Ausscheiden auf seine Schultern lädt und gesteht: „Ich habe Fehler gemacht.“ Ja, hat er. Er hat nicht die richtigen Mittel gegen Real gefunden und noch schlimmer, Kollege Carlo Ancelotti auf der Gegenseite hat ihm eine Lehrstunde in Sachen Taktik verpasst. Erster Fehler von Pep war, dass er seinen Landsmann Javi Martinez zunächst auf die Bank setzte und dem Mittelfeldpaar Schweinsteiger-Kroos vertraute. Das ging gegen starke Gegner noch nie gut. Auch diesmal nicht, weil ein echter Kämpfer im Mittelfeld fehlte. Dazu spielten die Bayern zu langsam, zu statisch und einfallslos. Ironie des Schicksals: Nicht die gefürchteten Konter über Ronaldo und Bale waren entscheidend, sondern die Standards. „Die haben wir extra trainiert“, verriet Carlo Ancelotti. Ähnlich gute Standards hat man von den Bayern noch nicht gesehen. Es war am Schluss schier eine Demütigung, dass Ronaldo das 4:0 mit einem Schuss unter die hochspringende Mauer hindurch machte. 

Jetzt heißt es für Pep Guardiola das Bayern-Spiel schnell wieder zu entwickeln. Ballbesitz allein kann es nicht sein, das Spiel muss variantenreicher werden, schnelles Umschalten muss geübt werden. Real hat die teuerste Mannschaft der Welt, die Bayern immer noch eine der besten – in Bestform. Der größte Fehler von Pep war es, die Bundesliga nach der Meisterschaft abzuhaken. Er brachte seine eigene Mannschaft aus dem Tritt. Nun gilt es, die Bestform bis zum 17. Mai wieder zu finden, dann steht das Pokalfinale in Berlin gegen Borussia Dortmund an. Peps Gegenspieler Jürgen Klopp hat es ähnlich wie Carlo Ancelotti (gegen den die Bayern nie gewinnen konnten) meist geschafft, die Münchner erfolgreich zu stoppen, zuletzt gab es ja auch eine Demütigung in München und das letzte Pokalfinale der beiden Teams 2012 gewannen die Dortmunder mit 5:2. Da darf sich Pep was einfallen lassen. 

Es ist schon erstaunlich, verlieren die Bayern das Finale, wird es eine verkorkste Saison sein, trotz der frühesten Meisterschaft aller Zeiten. Gewinnen sie, dann so Sport-Vorstand Matthias Sammer „können wir aus einer guten eine sehr gute Saison machen“. Nach all den Lobeshymnen vor dem Leistungseinbruch wäre eine Niederlage die nächste Blamage. 

Beim Finale der Champions League schauen die Deutschen diesmal zu. Auch hier ein Erwachen nach dem Traum des deutschen Finales in Wembley 2013. Jetzt erstmals ein Stadt-Duell zwischen Atletico und Real Madrid. Auch im zweiten Halbfinale musste „The Special One“, Jose Mourinho mit Chelsea London erkennen, dass er eben nicht der Einzige ist, ähnlich wie Pep Guardiola wurde er von einem Nobody in Sachen Taktik in die Schranken verwiesen. Solche Ereignisse sind gut für den Sport. Mourinho aber wird sich verflucht vorkommen, viermal hintereinander im Halbfinale, viermal ausgeschieden. Die Bayern waren übrigens in den letzten fünf Jahren viermal im Halbfinale und dreimal im Finale, davon einmal Sieger. 

Im Finale gilt Real Madrid keineswegs als Favorit, sondern hat ganz im Gegenteil die eher schlechteren Karten. Atletico ist bisher in der Champions League noch ungeschlagen, führt die Tabelle in Spanien sensationell an und hat in der Liga Real einmal geschlagen und einmal unentschieden gespielt. 40 Jahre nach dem letzten Finale (gegen Bayern München verloren!), kann sich für Atletico der Traum von dem größten Titel erfüllen. Oder schafft Real doch die „La Decima“, den erträumten zehnten Titel in Champions League bzw. dem Vorgänger Europapokal der Landesmeister? Auch Real hat schon einen Titel, den im Pokal mit einem Sieg über den FC Barcelona.

Der Offenbarungseid des Herrn Vettel

 

Eigentlich ist es ja gemein, die Formel-1-Fans hatten sich vor der Saison nichts anderes gewünscht, als dass der Vierfach-Champion Sebastian Vettel nicht mehr gewinnt. Sie wollten ein Ende der Langeweile. Und was haben sie bekommen: Wieder Langeweile. Zwar triumphieren nicht mehr der Deutsche und Red Bull, sondern Mercedes mit seinen Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton – und das schon in einer erschreckenden Art und Weise. Pech für Sebastian Vettel: Er muss das Verlieren lernen. 

Aber es sind nicht nur die Niederlagen allein, die den Heppenheimer zu schaffen machen. Er hat nicht nur Probleme mit seinem Auto („Ich komme mit dem Bock nicht klar“, er spricht also nicht liebevoll von „Suzie“, wie er den Red Bull genannt hat), sondern auch mit seinem Team-Kollegen. Der junge Australier Daniel Ricciardo war zuletzt schneller als er. Das ist fast schon ein Offenbarungseid des Herrn Vettel. 

Jetzt muss Sebastian Vettel zeigen, was er wirklich kann. In den letzten Jahren ging es angesichts seiner Serien-Siege vor allem darum, wo denn der Weltmeister in der Rangliste der besten Fahrer aller Zeiten einzuordnen sei. Ist er sogar der Beste oder zumindest besser als Michael Schumacher? Ist er das größte Talent, das es jemals gegeben hat, besser als Senna? Wer Vettel nicht gleich in den Himmel heben wollte, wies darauf hin, dass der Heppenheimer eben das beste Auto habe und man gerade zuverlässig sagen könne, dass Vettel besser als Mark Webber sei, der Australier, der Vettel nicht fordern konnte. Ricciardo überraschte jetzt alle, vor allem den vierfachen Weltmeister. 

Sebastian Vettel darf man aber noch nicht abschreiben. Der Deutsche und Red Bull werden in den nächsten Wochen an allen Schrauben arbeiten rund um das Auto. Erster Lichtblick: Neues Benzin, das ein paar Zehntel bringen soll. Red Bull hatte in den letzten Jahren das beste Auto auf die Straße gebracht, da weiß man sicherlich, wo der Hebel anzusetzen ist. Vettel aber muss nicht allein sein technisches Verständnis beweisen, sondern auch sein fahrerisches Können, er muss zeigen, dass er auch mit einem schlechteren Auto vorne mitfahren kann. Das hat zum Beispiel Michael Schumacher geschafft, deshalb rangiert Vettel noch ein ganzes Stück unter seinem deutschen Kollegen. Und das hat jetzt auch Fernando Alonso bewiesen, der mit der „lahmen Ente“ Ferrari in China auf Rang drei fuhr. Beantwortete Alonso damit die Frage, ob er oder Vettel der bessere Fahrer sei? 

Vier von 19 Rennen sind erst gefahren, es ist noch ein langer Weg bis zum Ziel und damit genügend Zeit für Red Bull und Sebastian Vettel an die Spitze zurückzukehren. Mercedes darf sich nach dem dreifachen Doppelsieg nicht zu sicher sein. Das Auto wird nicht in dem Maße zu verbessern sein, wie es die Konkurrenz zwangsläufig in den nächsten Rennen schaffen kann bzw. muss. Mercedes bestätigte die Favoritenrolle, die man den Stuttgartern vorher schon zugeschrieben hatte. Die Rennen wiederum sind besser und spannender, als es viele Kritiker nach der Neuorientierung der Formel 1 erwartet hatten. Und ob die Autos zu leise oder laut genug sind, ist der Masse der Zuschauer an den Fernsehschirmen egal. Sie wollen spannendes Racing mit Überholmanövern sehen. Die wurden geliefert, wenn auch nicht gerade an der Spitze, es sei denn, Rosberg und Hamilton lieferten sich einen internen Harakiri-Zweikampf. Und ob Rosberg seinen Kollegen noch lange den Sprung an die Spitze der WM-Wertung verwehren kann, ist auch eine spannende Frage. Sie wird am 11. Mai in Barcelona beantwortet. Bisher jedenfalls hat die Formel 1 positiv überrascht, so hat sie eine Zukunft.

Bayern und Dortmund: Wann ist es eine fantastische Saison?

 

Es ist vollbracht, die Fußball-Fans haben erneut ihr Traum-Finale: Diesmal stehen sich Bayern München und Borussia Dortmund allerdings nicht im Endspiel um die Champions League gegenüber, sondern „nur“ im DFB-Pokalfinale. Dennoch birgt dieses Finale jede Menge Brisanz, vor allem, weil die Dortmunder zuletzt arg am Selbstbewusstsein der Münchner gekratzt haben. Und nach Aussagen von beiden Seiten stellt sich auch die Frage: Wann ist es denn eine fantastische Saison? 

Die Dortmunder üben sich wieder einmal in ihrer übertriebenen, manchmal schon ärgerlichen Bescheidenheit. Borussia-Boss Hans-Joachim Watzke bescheinigte seinen Mannen mit dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League und ins Pokal-Finale eine „fantastische Arbeit“. Trainer Jürgen Klopp zollte seinem Team Respekt, weil es „auf der Felge“ Wolfsburg geschlagen habe und prahlte „eigentlich unfassbar“. Gehört das aber nicht zum täglichen Brot einer Spitzenmannschaft? Noch ist Dortmund ohne Titel in dieser Saison, aber schon zufrieden. Zu viel der Bescheidenheit! 

Bescheiden sind sie in München nicht. In Dortmund wollen sie Titel holen, die Bayern müssen sie Titel holen. Die Deutsche Meisterschaft wurde quasi „nebenher“ gewonnen, das Triple ist wieder im Visier, aber der Motor ins Stottern gekommen. Der Sport-Grantler selbst hatte zu Jahresbeginn den Bayern bescheinigt, mit Meisterschaft und Halbfinale Champions League ist es eine erfolgreiche Saison. Nach den Leistungen der Guardiola-Schützlinge im bisherigen Verlauf der Saison erwarten jetzt Spieler, Bosse und Fans mehr: Rufen die Bayern ihre beste Leistung ab, sind sie überall Favorit und können den Fluch des Champions-League-Siegers bannen, denn es gab noch nie eine erfolgreiche Titelverteidigung! 

Trainer Pep Guardiola hat jetzt aber ein Problem. Er hat offensichtlich nach dem frühzeitigen Gewinn der Meisterschaft die Zügel schleifen lassen. Beobachter sprachen u. a. von einem laschen Training. Vorgänger Jupp Heynckes hatte gewarnt, „es ist nie gut, so früh Meister zu sein, da lässt die Konzentration nach“. Pep hatte dem selbst Vorschub geleistet und die Bundesliga abgehakt. Mit dem Ergebnis, dass seine Mannschaft aus dem Rhythmus kam. Jetzt heißt es vor den heißen Duellen mit Real Madrid vor allem wieder die spielerische Leichtigkeit finden. Der Pokalerfolg über Kaiserslautern war ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber es lief noch nicht alles rund. Auffallend die vielen Fehlpässe und Fehler, die zuvor nicht passiert waren. Die alte Sicherheit ist noch nicht zurück. Plötzlich hat die Bundesliga wieder Bedeutung bekommen, sie dient als Vorbereitung für den Gewinn weiterer Titel. 

Warnung für die Bayern muss auch sein, dass sich Real Madrid mit dem 2:1 über den FC Barcelona im Pokalfinale in Spanien entsprechend Selbstvertrauen holte. Dies noch ohne Christiano Ronaldo. Dafür sprang der Engländer Gareth Bale in die Bresche mit einem überzeugenden Solo. Beide „Sprinter“ können auch der Abwehr der Bayern sehr weh tun! Da muss sich Pep Guardiola etwas einfallen lassen. Seine Grundregel ist richtig, „haben wir den Ball, kann der Gegner kein Tor schießen“, aber er wird nicht verhindern können, dass Ronaldo oder Bale eben doch mal auf und davon gehen… Aber die Bayern haben es im Kreuz, erneut ins Finale einzuziehen. Eigentlich gilt Real als „mitspielende Mannschaft“ gegenüber den anderen Kontrahenten Atletico Madrid und Chelsea London, die sich im zweiten Halbfinale gegenüberstehen, als einfacherer Gegner. Bei Atletico und Chelsea warten Beobachter gespannt darauf, wer von den „Maurermeistern“ sich nach vorne traut. 

Den Bayern sind also zwei Finals zuzutrauen – und beide haben erhebliche Brisanz. Am 17. Mai ist Dortmund der neue und alte Gegner, das steht fest. Zuletzt demütigte Klopp mit seinen Jungs die Bayern im Pokalfinale 2012 mit 5:2 und zuletzt in der Bundesliga mit 3:0. Den wichtigsten Sieg holten sich freilich die Münchner mit 2:1 in der Champions League. Aber sie tun sich gegen die Dortmunder immer schwer. Auch hier also die Aufgabe für Pep Guardiola: Er muss sich etwas einfallen lassen. 

Und sollte es am 24. Mai in Lissabon noch ein Finale geben, dann wird es wieder schwierig, sich gleich zweimal auf einen letzten Saison-Höhepunkt zu konzentrieren. Man sieht, die Bayern haben es wesentlich schwerer als Borussia Dortmund, die auch ohne Titel schon von einer „fantastischen Saison“ sprechen. Welchen Superlativ gibt es bei einem Titelgewinn? Die Bayern wiederum würden sich mit der Meisterschaft allein wohl nicht so richtig freuen können. Nur das erneute Triple würde wieder für eine fantastische Saison sorgen.