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Skispringer als mündige Sportler

 

„Eklat in Klingenthal“ – der Sport-Grantler klickte natürlich die Seite vom Videotext an, um zu erfahren, was dort beim Skispringen passiert war. Wirklich etwas Ungeheuerliches: Die Weltklasse-Springer Gregor Schlierenzauer (Österreich) und Anders Bardal (Norwegen) verweigerten den Sprung von der Schanze. Sie hielten einen Sprung angesichts des starken und böigen Windes für zu gefährlich. Sie widersetzten sich der Jury und fuhren wieder mit dem Fahrstuhl nach unten.

Bravo! So möchte der Sport-Grantler den Sportlern zurufen, sie zeigten sich nämlich wirklich als mündige Sportler. Wie oft mussten wir schon erleben, dass Entscheidungen von Verbänden, Funktionären oder Jury-Mitgliedern gegen jede Vernunft des Sportes getroffen wurden. „Ausbaden“ müssen dies immer die Athleten, die in einer Art Gehorsam hinnehmen, was die Regeln vorgeben. Aber, siehe Klingenthal, wer oben auf der Schanze steht, der hat halt doch einen anderen Eindruck, als Jury-Mitglieder weiter unten. Freilich, wenn das Beispiel Schule macht, wird es kaum noch einen regulären Wettbewerb geben. Aber gerade beim Skispringen, das besonders wetter- und windanfällig ist, darf die Gefahr nicht unterschätzt werden. Für die Jury heißt dies, lieber früher absagen oder abbrechen als nur einen schweren Unfall zu spät. Schlierenzauer und Bardal haben wohl an ihre Gesundheit und die nächsten Wettbewerbe gedacht. Ein schwerer Sturz und Olympia wäre vielleicht nur noch eine Fata Morgana.

Da wären wir schon mittendrin im Wintersport, der uns jetzt bis Mitte oder Ende März im Bann halten wird. ARD und ZDF starten wieder ihre stundenlangen Übertragungen am Wochenende, sehr zum Leidwesen von denjenigen Zuschauern, die ihre Lieblingssendung gestrichen sehen. Aber offensichtlich sind die Einschaltquoten für die Sender so gut, dass sie am Skisport festhalten. Sie haben außerdem dafür bezahlt.

Ein Blick auf die Einschaltquoten am ersten Wochenende zeigt, dass die Sender offensichtlich richtig liegen und von Seiten der Zuschauer Interesse vorhanden ist. Vor allem Biathlon erwies sich sofort wieder als Magnet, 3,48 Millionen Interessierte sahen am Sonntag bei der nicht einmal so populären Mixed-Staffel zu, ein Zuschaueranteil von 19 Prozent. 2,10 Millionen waren es beim Skispringen, sogar noch 1,9 Millionen beim Rodeln. Am Samstag sahen gerade einmal 1,4 Millionen das Spiel der WM-Qualifikation der Fußball-Frauen in der Slowakei! Auch die Fußball-Frauen freuten sich schon über mehr als vier Millionen Zuschauer, eine Zahl, die auch Biathlon bei attraktiven Wettkämpfen und zuschauerfreundlichen Übertragungszeiten leicht erreicht.

Die letzten Winter haben gezeigt, dass Biathlon inzwischen die Wintersportart Nummer eins ist. Dafür sorgten wohl vor allem die Erfolge in den letzten Jahren, allen voran von Magdalena Neuner, aber auch Michael Greis, Kati Wilhelm und anderen. Der alpine Skisport hat ebenso verloren wie das Skispringen, das allein bei der Vier-Schanzen-Tournee noch eine wirklich hohe Einschaltquote erzielt.

Biathlon hat es anderen Sportarten vorgemacht, dass man seine Wettbewerbe neu gestalten muss, um für Zuschauer an der Strecke und im Fernsehen interessant zu sein. So wurde die Verfolgung vor einiger Zeit neu erfunden und dazu der Massenstart. Die Abwechslung von Laufen und Schießen sorgt fast in jedem Wettbewerb für ständige Führungswechsel und macht es spannend quasi bis zum letzten Schuss. Vor allem auch bei den genannten Wettbewerben, wenn es Frau gegen Frau oder Mann gegen Mann geht. Die hohen Einschaltquoten sind also kein Wunder.

Zudem sind Athletinnen wie Magdalena Neuner oder jetzt ihre designierte Nachfolgerin Miriam Gössner beste Werbeträger für ihren Sport. Ihnen schaut man einfach gerne zu. Bleiben allerdings die Erfolge aus, dann wird auch die Schar der Fans zunehmend kleiner werden. Wir werden sehen, was in diesem Jahr für Andrea Henkel, Miriam Gössner (nach einer schweren Verletzung beim Radfahren), der Umsteigerin Evi Sachenbacher-Stehle und der Nachwuchshoffnung Laura Dahlmeier möglich ist. Bei den Herren sollten vor allem Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer vorne mithalten können. Aber sowohl bei den Damen als auch bei den Herren ist die Konkurrenz aus Norwegen, Russland (besondere Anstrengungen durch Olympia in Sotschi), Schweden, Frankreich, aber auch Finnland, Österreich, Italien, Ukraine, Tschechien und anderen Nationen sehr groß. Podestplätze könnten dünn gesät sein.

Aber auch beim Biathlon spielt das Wetter oft eine große Rolle, Kälte, Wind und Nebel können die Wettbewerbe beeinträchtigen. Auch hier sind weise Entscheidungen der Jury gefragt. Die Verletzungsgefahr ist da freilich nicht so groß wie beim Skispringen. Doch mündige Athleten wünscht sich der Sport-Grantler überall.

Die Sehnsucht nach einem Titel

 

Das Länderspieljahr 2013 der Fußball-Nationalmannschaft gehört bereits jetzt der Vergangenheit an, obwohl ein Höhepunkt noch bevorsteht: Die Auslosung der Gruppen für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien am 6. Dezember. Bundestrainer Joachim Löw hat danach noch eine Menge Arbeit mit der organisatorischen WM-Vorbereitung. So wird erst nach der Auslosung das WM-Quartier festgelegt. Sportlich allerdings ist „der Kas gegessen“, die Bilanz zweifellos positiv: In zwölf Spielen gab es bei neun Siegen und zwei Unentschieden nur eine Niederlage (3:4 in den USA mit einem C-Team). Wichtigster Fakt: Die reibungslose Qualifikation für die WM in Brasilien.

Beim Thema Nationalmannschaft dreht sich allerdings alles um einen Titelgewinn. Deutschland hat eine seit 1996 ungestillte Sehnsucht nach einem Titel. Vor allem die Medien machen dem Bundestrainer Druck: Wann gewinnt Jogi Löw endlich einen Titel. Nichts war es zuletzt sowohl bei der Europameisterschaft im Vorjahr als auch bei der Weltmeisterschaft 2010 trotz bester Voraussetzungen. Da hatte auch der Trainer taktische Fehler begangen!

Jetzt steht also Jogi Löw unter Zugzwang. Aber kann der Traum vom Titel überhaupt Realität werden? Die Spekulationen zu dieser Zeit sind eigentlich unsinnig. Die Verletzung von Stammspieler Sami Khedira hat deutlich gezeigt, wie schnell sich alles ändern kann. Zuletzt fielen alle Führungsspieler des Mittelfeldes aus – das kann auch vor dem WM-Turnier passieren! Deutschland könnte plötzlich von einem Favoriten zu einem Außenseiter werden!

Warten wir also die Auslosung ab, um dann erst die Chancen zu bewerten, wie das Turnier laufen könnte. Erst kurz vor der WM wird sich zeigen, welche Spieler fit sind und wer wirklich in Form ist. Tatsache ist allerdings, dass Löw einen Kader zur Verfügung hat, mit der Qualität Weltmeister zu werden. Dazu gehört neben dem Können auch eine Portion Glück und eben ein Trainer der taktisch alles richtig macht. Was die Qualität der Spieler angeht, lebt Löw von der Ausbildung in der Bundesliga und da hat er einen tüchtigen Kader. Was die Umsetzung in einem Turnier angeht, da muss Löw eben endlich seine Meisterprüfung ablegen.

Die Frage darf schon gestellt werden: Hat Löw die Mannschaft in den letzten Monaten wirklich weitergebracht? Seltsam sind manchmal seine Personalentscheidungen. So zeigt er Torjäger Stefan Kießling die kalte Schulter, weil der nicht ins Konzept passt, hält aber andererseits an Heiko Westermann fest, der letzte Vertreter des einstigen Rumpel-Fußballs. Auch hält er immer wieder an seinem „Hobby“ fest – die „falsche Neun“. Dies ist falsch, höchstens mal ein taktisches Stilmittel, um den Gegner zu verwirren. Außerdem hat sich Löw im Vorfeld des Duells der Bundesliga-Giganten Dortmund und Bayern taktisch falsch verhalten und für Unruhe gesorgt. Sein Pech auch, dass sich gerade Dortmunder Spieler in London verletzt hatten.

Es gibt aber positive Zeichen. Wie stark muss Deutschland sein, wenn Deutschland B sogar England A besiegt! Die Spitzenklubs Bayern München und Borussia Dortmund gehören zu den besten Klubs der Welt, was auch auf die Nationalmannschaft abfärbt. Die Stars sind erfolgreich, haben also das Siegen gelernt, tragen das Titel-Gen in sich! Löw sollte die Chance nutzen, die Spiele der U21-Nationalmannschaft zeigen auf, dass diesem „goldenen Jahrgang“ kein zweiter folgt. Das merken wohl auch die Fans und deshalb ist die Sehnsucht nach einem Titel so groß. Wenn möglich 2014, letzte Chance für diese Generation bei der EM 2016!

Die letzten Spiele der WM-Qualifikation standen übrigens auch im Zeichen der Wahl zum Weltfußballer des Jahres (im Januar). Die ersten Protagonisten sind natürlich Lionel Messi, Christiano Ronaldo und Europas Fußballer des Jahres Franck Ribery. Eigentlich müsste man auch Zlatan Ibrahimovic dazu zählen oder sollte ein Mann wie Philipp Lahm im engsten Kreis sein, obwohl er nicht als Torjäger glänzen kann. Die Kandidaten machten Werbung für sich: Ronaldo schoss Schweden ab, erzielte alle vier Tore in den Play-Offs, allerdings auch unter Mithilfe der schwedischen Abwehr und nach glänzender Vorarbeit seiner Nebenleute. Ibrahimovic konnte mit seinen Treffern das Blatt nicht wenden. Franck Ribery erzielte keinen Treffer, führte aber Frankreich zur WM und zeigte Nervenstärke: Nach dem 0:2 in der Ukraine wurde er in seinem Heimatland heftig kritisiert, zeigte sich aber unbeeindruckt und als echte Führungsfigur. Da hat er sich in Richtung Klasse-Fußballer entwickelt. Messi, zuletzt viermal in Folge vorn, dürfte keine Chance haben, er hatte ein „Seuchenjahr“ und blieb ohne Titel. Also bleibt eigentlich nur der Zweikampf Ronaldo gegen Ribery – und auch hier die Sehnsucht nach einem Titel!

Olympia ist immer ein Gewinn

 

Am Sonntag, 10. November, wird in Bayern wieder gewählt. Diesmal allerdings nur in einem Teil des Landes und keine Politiker stehen zur Wahl, sondern eine grundsätzliche Frage: Wollen wir Olympische Spiele – ja oder nein? Dies muss die Bevölkerung in München, Garmisch-Partenkirchen und den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden für ihre Region entscheiden. Die Frage: Soll sich München mit den Partnern für die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben oder nicht? Das Votum wird entscheidend sein. Bei einer Zustimmung wird sich München aber erst einmal bewerben, ob es den Zuschlag erhält, entscheidet sich erst 2015.

Gegenüber der Bewerbung für die Winterspiele 2018 haben es die Organisatoren diesmal geschickter angestellt, sie haben die Bevölkerung von Anfang an mit ins Boot genommen und in ihrem Konzept auch mehr auf die Umwelt geachtet. Deshalb sind nicht mehr so viele Wettbewerbe in Garmisch-Partenkirchen geplant, dafür ist das Biathlon- und Langlaufzentrum Ruhpolding mit dabei.

Aber München steht mit seiner Bewerbung nicht allein da, es gibt weitere interessante Aspiranten. So hat sich jetzt Peking gemeldet, mit dem 200 Kilometer entfernten Zhangijakou als Co-Gastgeber. Die Ukraine ist mit der Stadt Lemberg dabei, Polen schickt Krakau ins Rennen und will gemeinsam mit der Slowakei Olympia organisieren, aber der stärkste Gegner dürfte wohl Oslo sein, das norwegische Wintersport-Mekka.

Die Aussichten für München wären nicht schlecht, vor allem weil die Stadt schon für 2018 einen guten Eindruck gemacht hatte, wenn auch Südkorea mit Pyeongchang gewann. Aber 2014 ist Sotschi Gastgeber (Russland, aber fast schon Asien), 2018 Südkorea, 2016 Rio de Janeiro in Brasilien und 2020 Tokio Gastgeber der Sommerspiele, da ist, sagen wir mal Mittel-Europa also dran. Nachdem es in Sotschi Probleme gibt, Brasilien als unsicherer Kantonist gilt und selbst Japan nach der Reaktorkatastrophe mit Vorsicht zu genießen ist, sehnen sich die IOC-Mitglieder sicherlich wieder nach einem „ruhigen“ Austragungsort. Das wären sowohl München als auch Oslo, wobei München den Charme hat, als erste Stadt dann Sommer- und Winterspiele (1972 und mit 2022) zu beherbergen, also mit genau 50 Jahren Abstand!

Natürlich hat es bei der Bewerbung von München sofort wieder kritische Stimmen gegeben, die Olympische Spiele als „Monster“ sehen, als Steuergelder schluckendes Ungeheuer oder Umweltzerstörer. Diese engstirnigen Miesmacher übersehen, welche Chancen sportliche Großereignisse nicht nur für eine Region, sondern für das ganze Land haben. Bestes Beispiel ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, die zum Sommermärchen wurde und kräftig das Image der Deutschen verbesserte. München selbst war ja 1972  Beispiel dafür, dass Olympia ein Gewinn für die Stadt und Deutschland ist, trotz des Attentats auf israelische Sportler. Und München glänzt jetzt mit dem Konzept, weitgehend auf bestehende Sportanlagen zurückzugreifen. Besser geht es nicht.

Die Kritiker sollten wissen: Olympia ist immer ein Gewinn. Wer alles verhindern will, an dem wird am Ende der Fortschritt vorbeigehen. Und viele fordern, die Millionen für Olympia sollten lieber in die Schule oder Kunst gesteckt werden, dem sei gesagt, dass Olympische Spiele immer auch besondere Gelder flüssig machen.

Der Sport-Grantler hofft auf ein positives Votum und auf eine erfolgreiche Bewerbung.

Vettel und Red Bull töten die Formel 1

 

Er ist der jüngste Vierfach-Champion aller Zeiten, gerade mal 26 Jahre und 116 Tage alt und schon eine Legende. Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat das Zeug dazu, ein Held der modernen (Sport)Geschichte zu werden. Oder doch nicht? Als vor einigen Jahren Michael Schumacher die Konkurrenz in der Formel 1 in Grund und Boden fuhr, da herrschte Begeisterung unter den Fans. Die Triumphfahrten des Sebastian Vettel werden registriert – und gut ist es.

Warum ist das so? Schumacher brachte den Mythos Ferrari wieder auf Kurs, er war der erste deutsche Rennfahrer, der die Formel 1 beherrschte und die Massen begeisterte. Vettel bemüht sich zwar, möglichst sympathisch rüberzukommen, aber er hat keineswegs das Charisma eines Michael Schumacher. Und er sitzt in einer „Dose“. Der Rennstall Red Bull macht zwar eine hervorragende Arbeit, aber er ist ein künstlich geschaffenes Produkt, der Mythos fehlt. Viele trinken die Brause Red Bull, aber keiner mag den Rennstall Red Bull so richtig. Nicht Siege machen ihn sympathisch, sondern es wären eher Niederlagen. Das gilt auch für Vettel: Er ist der Konkurrenz zu überlegen, da sind seine Siege nichts Besonderes mehr, sondern alltäglich. So wird man kein Held. Siege im Ferrari oder Mercedes würden ihn zum Liebling der Massen machen. Außerdem wirken seine Siegesgesten nach den Rennen immer sehr gekünstelt. Er ist kein Mann des Volkes.

Andere Rennfahrer wechselten die Rennställe, nicht immer waren diese Entscheidungen glücklich. Scheut Vettel deshalb diesen Schritt? Schumacher brachte Ferrari auf die Siegesstraße zurück, das machte ihn unsterblich, nicht nur in Italien und Deutschland. Vettel mag zwar viel zur positiven Entwicklung des Red Bull beigetragen haben, aber der Hauptanteil an dem unschlagbaren Fahrzeug gilt wohl dem Technikchef, dem Genie Adrian Newey. Bleiben aber Red Bull und Sebastian Vettel unschlagbar, dann töten sie die Formel 1. Gleichzeitig wird ihnen der Spaß an den Siegen vergehen.

Die Formel 1 befindet sich in der Krise. Boss Bernie Ecclestone hat eine Betrugsaffäre am Hals, vielen Veranstaltern werden die Rennen einfach zu teuer, die Expansion in Länder, die für die Konzerne in der Formel 1 attraktiv sind, hakt, weil die Begeisterung für den Rennsport dort fehlt. Siehe Indien. Die Formel 1 wird für die Ausrichter zum Verlustgeschäft. So hat Valencia aus finanziellen Gründen verzichtet, ist Indien 2014 nicht dabei, wird das Rennen in Bahrain von politischen Unruhen begleitet, sind die Rennen in den USA keine Offenbarung. Die Formel 1 in der Krise und dazu fehlt die sportliche Spannung. Teuer bezahlte Langeweile will sich keiner leisten und keiner anschauen.

Quasi die letzte Hoffnung ist das neue Reglement im nächsten Jahr. Die Turbomotoren kehren zurück, dazu gibt es große aerodynamische Veränderungen. Wenn da die Konkurrenz Red Bull nicht die Grenzen aufzeigt, hat die Formel 1 endgültig verloren. Die Fachwelt traut Sebastian Vettel zu, dass er Michael Schumachers Rekorde, die einst für die Ewigkeit vermutet wurden, pulverisiert. Die sieben WM-Titel Schumachers, die Vettel 2016 erreichen könnte, könnten allerdings doch als Rekord Bestand haben. Wenn es die Formel 1 bis 2016 nämlich gar nicht mehr gibt! Vielleicht haben Red Bull und Vettel die Formel 1 bis dahin getötet!

Raubbau mit den Kräften im Spitzensport

 

Egal, ob beim Film, in der Musik oder im Sport – die großen Stars werden umjubelt. Manchmal bricht allerdings ob ihrer hohen Gagen auch der Neid durch. Doch bemitleidet werden sie eigentlich nie. Dabei hätten zum Beispiel die Sportstars manchmal unser Mitleid durchaus verdient. Gut, die Spitzenleute verdienen zumindest in den populären Sportarten viel Geld, aber sie müssen auch mit einem Raubbau an ihrem Körper bezahlen. Oft ist es nach dem Karriere-Ende bis zur Invalidität nicht weit.

Die Athleten sind in der großen Unterhaltungsindustrie Sport zwar die Hauptdarsteller, andererseits allerdings auch der Teil, der nichts zu sagen hat, sondern nur funktionieren muss. Früher hat sich ein Terminplan nach den Möglichkeiten eines Verbandes und seiner Athleten gerichtet, heutzutage schaffen die Geldgeber an. Siehe zum Beispiel den alpinen Skisport. Seit einigen Jahren beginnt die Saison Ende Oktober auf dem Gletscher in Sölden, dann geht es nach einer Pause Ende November in Übersee weiter. Die Rennen in Sölden sind eine reine PR-Veranstaltung. Natürlich werden Weltcuppunkte vergeben, aber manche Sportler verzichten auf einen Start, weil der richtige Saisonaufbau gestört wird.

Immer mehr Termine, immer weniger Pausen, das ist das Los im Spitzensport. Beispiel Fußball-Bundesliga. Die Spieler der Spitzenclubs gehen am Stock. Erst ein Viertel der Saison ist vorbei, aber bei Borussia Dortmund und Bayern München häuft sich die Zahl der Verletzten in einem erschreckenden Ausmaß. Notwendige Ruhepausen fehlen und so holt sich der Körper sein Recht, sorgt für eine Zwangspause und stoppt so den Raubbau mit den Kräften. Dabei wollen die Verbände FIFA und UEFA den Terminkalender eher noch mehr füllen (Stichwort Nationscup für Nationalmannschaft), anstatt Termine zu streichen.

Ähnliches gilt auch für Handball und Basketball. Dem Sport-Grantler ist aufgefallen, dass zum Beispiel im Basketball die nächste Zeit für die Spitzenteams in jeder Woche ein Europacupspiel neben der Bundesliga ansteht. An Training ist da fast gar nicht mehr zu denken. Vom Handball-Bundestrainer kennen wir die Klage, dass die Spieler überfordert sind. Die Bundesliga will in den für sie lukrativsten Zeiten spielen, die Nationalmannschaft bekommt nur ein paar Tage zugestanden, in denen der Bundestrainer sein Team kaum richtig in Form bringen kann. Doch Niederlagen werden nicht akzeptiert, Erfolge werden erwartet, egal, wie schlecht die Voraussetzungen auch sind.

Auch im Tenns oder Golf hören wir immer mehr von den Spitzenspielern, dass es einfach nicht mehr möglich ist, alle Turniere wahrnehmen zu können. Die Verbände setzen aber immer mehr Pflichttermine an, weil sie merken, dass die Sportler immer mehr Pausen einlegen wollen. Bald könnten Interessenskonflikte in einem Streik enden.

Viele sagen „selbst schuld, dafür kassieren sie auch“, aber auch der Sportfan ist der Dumme, weil er nicht die Leistungen sieht, die er erwartet. Manchmal sieht er auch nicht die Spieler, die er erwartet. Nehmen wir wieder den Fußball als Beispiel. Da wird für viel Geld eine Karte für ein Spiel von Bayern München erworben, aber Trainer Pep Guardiola bringt nicht sein bestes Team aufs Feld, sondern will einige Stars lieber schonen. Contento statt Alaba, kein Ribery oder Robben auf dem Feld, das hat sich dann mancher anders vorgestellt. Aber eine Garantie auf Stars und gute Leistungen gibt es nicht.

Eines ist aber sicher: Der Sport stößt an seine Grenzen.

TV-Werbung bei Sportübertragungen nervt nur

 

Werbung im Fernsehen ist ja nicht neu, wir müssen damit leben, seit des die privaten Sender gibt. Für den Sport-Grantler war die Werbung schon immer ärgerlich, ist sie doch meist so platziert, dass der Zuschauer kaum ausweichen kann und der Kunde eben eine entsprechende Aufmerksamkeit bekommt. Zum Beispiel kurz vor Schluss eines spannenden Filmes, wenn alle auf das Ende warten.

Besonders ärgerlich ist aber die TV-Werbung bei Sportübertragungen. Das ist dem Sport-Grantler wieder einmal am Sonntag bei der Übertragung der Formel 1 in RTL bewusst geworden. Normalerweise schaut der Sport-Grantler beim Bezahlsender Sky zu, weil dort das Rennen nicht durch Werbung zeitweise ausgeblendet wird. Diesmal war es ausnahmsweise RTL – und es war ärgerlich. Kaum hatte der Sport-Grantler verspätet eingeschaltet, um sich über den Stand des Rennens zu informieren, sah er – Werbung. Gut, dafür gibt es neben dem Internet auch den Videotext. Aber jetzt wartete er auf die ersten Bilder, die nach einiger Zeit kamen. Doch lange konnte er sich nicht an diesen erfreuen, dann wurde der Bildschirm für Werbung wieder unterteilt. Die Bilder vom Rennen waren allerdings so klein, dass nichts zu erkennen war. Der Reporter verhöhnte anschließend die Zuschauer: „Das Überholmanöver haben sie ja verkleinert gesehen.“ Nichts habe ich gesehen!

Schon oft hat RTL an der falschen Stelle ausgeblendet und musste entscheidende Szenen des Rennens nachliefern. Fast schon peinlich die Zwischendurch-Verabschiedung des Reporters: „Es ist weiter spannend, bleiben sie dran!“ Aber bitte, wenn es spannend ist, möchte ich auch Bilder sehen. Kaum ist das Rennen vorbei, gibt es – Werbung. Auf das endgültige Ergebnis muss der Zuschauer warten. Guter Service sieht anders aus. Besonders fies auch die unterschiedliche Länge der Werbeblöcke. Mal acht Minuten, mal nur vier, der Zuschauer kann sich nicht orientieren, muss quasi auf Sendung bleiben, damit er nichts verpasst. Unter anderem deshalb schaut der Sport-Grantler auch lieber bei Sky zu.

Werbung bei den Privaten nervt zum Beispiel auch beim Boxen. Gut, ARD und ZDF würden auch gern auf die Bilder in den Ringpausen verzichten und lieber Geld kassieren. Aber zu einem Boxkampf gehört halt auch dazu, wie die Boxer in den Pausen betreut werden, was der Trainer zu sagen hat. Der Zuschauer kann selbst sehen, in welchem Zustand sich der Kämpfer befindet. Bei den Privaten gibt es nur Werbung zu sehen, manchmal sogar zu lange, da stehen die Boxer nämlich schon wieder im Ring.

Die Werbung nervt aber auch bei Fußball-Übertragungen. Das Zuschauen wird fast zur Tortur, so oft gibt es bei manchen Sendern Werbeeinblendungen bzw. Hinweise auf weitere Sendungen bzw. Aktivitäten des Senders. Das Spiel selbst scheint nur Nebensache zu sein, dient allein zum Geldverdienen und um Zuschauer anzulocken. Für Zufriedenheit sorgt so eine Gehabe nicht.

Mit Schrecken denkt der Sport-Grantler schon daran, dass sich RTL die Übertragungsrechte für die künftigen EM- und WM-Qualifikationsspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gesichert hat. Wir „müssen“ zuschauen, weil es uns halt interessiert. RTL wird dafür sorgen, dass wir „gefoltert“ werden. Selbst der Pay-TV-Sender Sky (einst hieß es, Fernsehen ohne Werbung) muss sich u. a. über Werbung finanzieren, aber noch sorgt er nicht für Unterbrechungen von Spielen oder Rennen.

Es gibt immer wieder Kritik an den Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender. Zumindest der Sportfan weiß es zu schätzen, wenn er an den Abenden nicht von Werbung traktiert wird. Auch an den Sport-Nachmittagen ist die Werbe-Folter bei weitem nicht so groß wie bei den privaten Sendern.

Ob ein Zuschauer-Boykott helfen könnte? Das Problem: Interessante Spiele wollen wir halt einfach sehen.

Jogi Löw in der Medien-Falle

 

„Zauber-Fußball“ der Bayern und Erfolge der deutschen Klubs in der Champions League, Spannung in der Bundesliga und jetzt kommt auch noch die Nationalmannschaft hinzu, die wieder einmal für zwei Spiele die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Allerdings wird nicht über die Mannschaft als solche diskutiert, sondern vor allem über Spieler, die gar nicht dabei sind. Besonders Stefan Kießling hat es den Medien angetan. „Löw in der Kießling-Falle“ hieß eine Schlagzeile im kicker, aber eigentlich befindet sich Bundestrainer Joachim Löw in der „Medien-Falle“.

Erinnern wir uns: Das hat es schon immer gegeben, dass Bundesliga-Torjäger in der Nationalmannschaft keinen Fuß auf den Boden gebracht haben. Oder wurde nicht einst auch Sepp Herberger kritisiert, weil er an den Spieler aus Kaiserslautern festgehalten hat? Die Fans wollen Siege sehen, wollen Tore sehen und erfreuen sich an einem schönen Spiel. Siehe Bayern, das geht auch ohne einen echten Mittelstürmer, mit der im Fußball neu kreierten „falschen Neun“. Das müssen wir Jogi Löw zugute halten: Er hat sein Konzept und da passt eben Stefan Kießling nicht hinein. Steht die Mannschaft auf dem Platz, fallen Tore, ruft keiner (außer den Medien) nach dem Leverkusener Torjäger. Aber wehe, es fallen keine Tore…

Jogi Löw steht unter Druck, ein Bundestrainer steht immer unter Druck, aber der Freiburger derzeit besonders. Er hat viele talentierte Spieler zur Verfügung, die Vereine sorgen international für Furore, also warum die Nationalmannschaft nicht. Die Fans, aber vor allem die Medien, lechzen nach dem großen Wurf, ein Titel muss her. Bei der Europameisterschaft klappte es nicht, also bitteschön dann eben bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Da wird in den entsprechenden Fernsehsendungen und in den Zeitungen gern ausgeblendet, dass noch niemals eine europäische Mannschaft in Südamerika gewinnen konnte! Da wird ausgeblendet, dass es mit Gastgeber Brasilien, Titelverteidiger Spanien, Argentinien und Italien zumindest vier Teams gibt, die mit Deutschland auf eine Stufe gestellt werden können. Der Weg könnte auch für einen Außenseiter frei sein, bei einem Turnier braucht man auch viel Glück. Das kann Jogi Löw nicht beeinflussen.

In der Medien-Falle steckt Löw auch im Bezug auf die Dortmunder Spieler. Immer wieder werden Torhüter Roman Weidenfeller und Allrounder Kevin Großkreutz gefordert. Wetten, dass beide am Ende im WM-Aufgebot auftauchen? Für Löw sollte es eine Frage der Form sein (Torhüter) oder Verwendbarkeit bei einem Turnier (Allrounder), nicht eine Frage der Medien.

Eines muss der Sport-Grantler allerdings Jogi Löw ankreiden: Im Krisen-Management hat er sich nicht geschickt angestellt. Gespräche mit Kießling und in Dortmund hätten schon viel früher stattfinden müssen, eine klare Linie hätte festgelegt werden müssen, damit auch in den Medien alle Spekulationen nur noch Schall und Rauch sind.

Was viele vergessen: Noch ist Deutschland nicht in Brasilien. Mit einem Sieg am Freitag gegen Irland wäre die Fahrkarte gelöst. Wehe nicht! Es gibt zwar noch eine letzte Chance am 15. Oktober gegen Schweden, aber darauf sollte es das DFB-Team nicht ankommen lassen. Kein Tor gegen Irland – den Medien-Rummel möchte der Sport-Grantler sehen!

Basketball-Bundesliga: NIcht glücklich über den Glücksfall Bayern

 

Am Mittwoch, 2. Oktober, beginnt die neue Saison der Basketball-Bundesliga. Natürlich gibt es hier kein Ballyhoo wie im Fußball, aber gegenüber den Konkurrenten Handball und Eishockey hat sich Basketball hierzulande ziemlich sicher als Nummer zwei der Ballsportarten etabliert. Mitgeholfen hat dazu eine Galionsfigur wie Dirk Nowitzki, aber zuletzt auch das Engagement des FC Bayern München. Wo die Bayern dabei sind, sind auch Schlagzeilen garantiert, die Basketball-Bundesliga ist also im Gespräch.

Die Bayern haben zwar aktuell noch nichts gewonnen, aber sie sind bereits ein Zugpferd der Liga. Die Konkurrenz ist aber nicht nur glücklich über den Glücksfall. Die Bayern haben nämlich damit angefangen, bei den Konkurrenten zu wildern. So kamen allein vier Spieler von Alba Berlin, einst ungekrönter König im Basketball. Jetzt mussten die Berliner eine neue Mannschaft aufbauen (zwölf Spieler neu!) und Geschäftsführer Marco Baldi lästert Richtung München: „Das Scouting ist nicht sehr einfallsreich.“ Mit John Bryant aus Ulm haben die Bayern außerdem den besten Spieler der letzten Saison geholt und damit zählen sie fast schon logisch zum Favoritenkreis. Allein Titelverteidiger Brose Baskets Bamberg traut man zu, die Bayern zu stoppen. Schon im vergangenen Jahr lieferten sich die beiden bayerischen Konkurrenten heftige und reizvolle Duelle.

Beobachter fragen sich, ob das Engagement der Bayern aufgeht. Präsident Uli Hoeneß outete sich als Basketball-Fan, also sollte Basketball nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden wie einst Eishockey aus der Bayern-Familie vor Jahrzehnten unter Wilhelm Neudecker. Uli Hoeneß will Basketball in München nachhaltig etablieren und die Bayern haben es auch geschafft, dass die alte Rudi-Sedlmayr-Halle, heute Audi Dome, fast immer ausverkauft ist. Rund 6700 Zuschauer reichen allerdings nicht und die Bayern setzen diesbezüglich auf Red-Bull-Besitzer Mateschitz. Der Brause-König hat sich im Eishockey eingekauft und will im Olympiapark eine Mehrzweckhalle für 10.000 Zuschauer bauen – mit Bayern-Basketball als Untermieter.

Die Konkurrenz im Basketball beklagt, dass die Bayern viel Geld ins Basketball stecken, dass der Profi-Fußball hier als Geldgeber fungiert. Uli Hoeneß bestreitet dies: „Von den Profis gibt es keinen Euro, Basketball muss sich selbst tragen.“ Fakt ist, dass sich die Bayern auch Verluste beim Basketball leisten könnten. Fakt ist allerdings auch, dass Erfolge im Basketball für die Bayern notwendig sind, sollte der Namen keinen Schaden nehmen. Fakt ist auch, dass die Bundesliga von den Bayern profitiert. Sichtbar wird dies auch beim Fernsehen. Sport1 ist Partner der BBL und hat sich für den ersten Spieltag für Donnerstag gleich die Partie Bonn – Bayern ausgesucht. Es ist wie immer: Der Name Bayern garantiert hohe Einschaltquoten. Und ein Anreiz bleibt für die Konkurrenz: „Für uns gibt es nichts Schöneres, als solche Großen zu ärgern“, freut sich Ulms Geschäftsführer Stoll. Da befinden sich die Bayern-Basketballer also schon auf den Spuren der Fußball-Profis.

Übrigens hätten es die Bayern mit einer anderen Mannschaft im Verein leichter gehabt Titel zu holen: Das Team der Damen in der Frauen-Bundesliga aufzupäppeln wäre sicher billiger gewesen. Der VfL Wolfsburg hat es vorgemacht und innerhalb kürzester Zeit bei den Frauen das „Triple“ geholt. Die Bayern-Mädchen müssen da mit einem vergleichsweise geringen Etat leben. Aber Basketball schien den Bayern-Bossen reizvoller zu sein und findet wohl auch international mehr Beachtung. Auch der FC Barcelona und Real Madrid haben erfolgreiche Basketball-Abteilungen. Und zu den Klubs schielen die Bayern immer. Dass der Name Bayern auch international zieht, zeigt sich daran, dass die Bayern eine Wild Card für die Champions League im Basketball erhielten. Auch international erweisen sich die Bayern-Basketballer als Glücksfall. Mal sehen, wann der erste Titel fällig ist.

Gibt es bald keine Schiedsrichter mehr?

 

Nach dem Ausraster von Dortmunds Trainer Jürgen Klopp beim Champions-League-Spiel in Neapel sollte die Fußball-Welt nicht zum Alltag übergehen. Seine Bedrohung vom vierten Offiziellen in „Werwolf-Manier“ muss entsprechend geahndet werden und vor allem sollte Wiederholungen vorgebeugt werden. Allerdings ist fraglich, ob Jürgen Klopp wirklich eine harte Strafe erhält und damit ruhiger wird. Die UEFA hat ihn vorläufig mal für ein Spiel gesperrt und will das endgültige Urteil in der nächsten Woche fällen. Ein halbes Jahr Sperre wäre angebracht.

„Warum so hart?“, werden sich manche fragen. Ein Blick auf die Fußballplätze in Deutschland, auf den Spielbetrieb am Wochenende in den Dörfern gibt die Antwort: Sollte so eine Bedrohung eines Schiedsrichters nicht entsprechend geahndet werden, werden die Auswüchse auf den Dorfplätzen immer schlimmer. Schon heute müssen sich die Schiedsrichter dort oft wie Freiwild vorkommen, es ist ein Wunder, dass es noch genügend Unparteiische gibt. Es wäre kein Wunder, wenn es bald keine Schiedsrichter mehr gibt. Wer will sich denn freiwillig Beschimpfungen aussetzen, wer setzt schon freiwillig seine Gesundheit aufs Spiel? Das muss noch nicht einmal so weit gehen wie in den Niederlanden, als ein Unparteiischer zu Tode geprügelt wurde.

Wir sind nicht mehr weit davon entfernt. Schon heute haben viele Verbände Probleme, alle Spiele mit Unparteiischen zu besetzen. In Jugendligen ist man schon zu einer – auf den ersten Blick – abenteuerlichen, aber effektiven Regel gekommen: Die Jugendlichen entscheiden selbst, wann es ein Foul ist oder nicht. Meistens scheint das gut zu klappen, Probleme bereitet nur eine besondere Spezies – die Eltern! Sie versuchen von außen Einfluss zu nehmen. Da wären wir bei einem besonderen Problem der Gesellschaft: Die Erziehung und außerdem der Respekt.

Wer in der Öffentlichkeit steht, so wie Jürgen Klopp, der muss sich auch seiner besonderen Vorbildfunktion bewusst sein. Millionen sitzen an den Bildschirmen, darunter viele Kinder, und sie sehen einen beliebten Trainer, der einen Schiedsrichter bedroht. Schönes Vorbild! DFB-Abteilungsleiter Lutz-Michael Fröhlich sagt es deutlich: „Das Verhalten, das da zum Teil an den Tag gelegt wird, hat so ein aggressives Potential, dass daraus gewaltsame Exzesse entstehen können.“ Traurig darüber hinaus, dass es offensichtlich in Dortmund heißt, ohne diese Exzesse des Trainers könne auch die Mannschaft nicht ihr Potential abrufen, nicht ihr aggressives Spiel zeigen.

Ob in der Bundesliga oder international, solche Auswüchse müssen gestoppt werden, notfalls müssten die Trainer sogar ihre Lizenz verlieren. In Sachen Klopp wäre zumindest ein halbes Jahr Sperre für internationale Wettbewerbe angemessen. Außerdem sollte ihm eine Art „Zwangsjacke“ verpasst werden: Noch einmal, dann nie wieder Trainer!

Das es auch anders geht, zeigte Jürgen Klopp danach in Nürnberg, als er auch nach einer umstrittenen Entscheidung gegen Dortmund ruhig blieb. Außerdem hat er sich wieder einmal den Bart abrasiert, damit der Vergleich mit dem Werwolf zumindest nicht zutrifft. Bemerkenswert auch, dass Beobachter aufgefallen ist, dass sich Klopp vor allem dann so aufführt, wenn Dortmund zurückliegt. Andererseits hat sogar sein Torjubel ein großes Maß an Aggressivität. Die Losung aber muss lauten: Stoppt die Aggressivität! Der Respekt vor dem Gegenspieler oder dem Unparteiischen muss gefördert werden.

Das wäre doch mal einen Versuch wert: Sollen doch die Trainer in die Rolle des Schiedsrichters schlüpfen und entscheiden… Wäre wohl lustig anzuschauen!

Champions League: Die Bayern gegen den Fluch

 

Jetzt geht es wieder richtig los! Spieler und Mannschaften beklagen in den nächsten Wochen und Monaten die „englischen Wochen“, die Fußball-Fans freuen sich, es gibt kaum Tage ohne Fußball und Spannung ohne Ende. Am Dienstag und Mittwoch beginnt die Champions League, die große Geldmaschine des Sports, am Donnerstag zieht die Europa League nach.

Die Unterschiede könnten nicht krasser sein: Da die Champions League, die ja bei weitem nicht mehr ein Wettbewerb der Meister ist, sondern eine Ansammlung von prominenten Klubs. Dort die Europa League, die Franz Beckenbauer einmal respektlos den „Cup der Verlierer“ genannt hat. Was auch stimmt, schließlich finden da Mannschaften ihren Platz, die jetzt in der Qualifikation zur Champions League gescheitert sind, später Teams, die in der CL-Gruppenphase ausgeschieden sind. Die einzigen Sieger im Wettbewerb sind die nationalen Pokalsieger. Aber da kann es zum Beispiel sein, dass zweitklassige Vereine antreten. Attraktivität sieht anders aus.

Seltsam ist, dass sich im nationalen Wettbewerb die Vereine u. a. so positionieren, dass sie die internationalen Plätze als Ziel ausgeben. Ist das Ziel allerdings erreicht, beginnt auch schon das Klagen. Zum Beispiel darüber, dass die Belastung zu hoch sei oder, dass in der Europa League nicht so viel verdient werden kann, ja, dass sogar ein Verlust drohen kann. Der Unterschied ist frappierend: 8,6 Millionen Euro erhält in der Champions League allein jeder Klub bereits als Startgeld! So viel können die deutschen Vereine in der Europa League meist insgesamt nicht kassieren!

Erfreulich: In diesem Jahr sind wieder einmal vier deutsche Mannschaften in der CL dabei und sie sind alle nicht chancenlos die Gruppenphase zu überstehen. Allen voran natürlich Titelverteidiger Bayern München, der am Dienstag gegen ZSKA Moskau startet, außerdem Manchester City und Viktoria Pilsen als Gegner hat. Aber die Bayern kämpfen vor allem gegen den Sieger-Fluch: Kein Verein, nicht einmal der FC Barcelona, konnte bisher in der CL seinen Titel erfolgreich verteidigen. Der FC Chelsea schaffte im Vorjahr sogar ein Novum, als erster Cup-Inhaber die Gruppenphase nicht zu überstehen. Immerhin hielten sich die Londoner danach in der Europa League schadlos (Cup der Verlierer!) und holten dort den Pokal (im Supercup unterlagen sie Ende August bekanntlich den Bayern). Also, die Gruppenphase sollten die Bayern überstehen. Als Nahziel gilt das Halbfinale.

Wer könnte die Bayern ablösen? Der Kreis der Favoriten ist groß, es sind die üblichen Verdächtigen. Der FC Barcelona natürlich und Real Madrid, das wieder einmal Millionen für Spieler ausgegeben hat. Die englischen Teams wollen zurückschlagen, in vorderster Front Chelsea, Manchester United und Manchester City, das endlich mal über die Gruppenphase hinauskommen will. Sie alle haben neue Trainer und damit auch neue Hoffnung. Zu diesen Klubs gesellt sich noch Juventus Turin, als letzter italienischer Vertreter mit internationaler Klasse und das neureiche Paris Saint-Germain, wobei man hier erst mal warten muss, ob aus den teuren Stars auch eine Mannschaft wird.

Zu den Favoriten darf man aber auch Borussia Dortmund zählen. Logisch eigentlich als Finalteilnehmer des Vorjahres. Die Frage ist, welche Ziele Trainer Jürgen Klopp mit seinen Mannen angeht, bisher gelang es der Mannschaft nämlich nicht, Meisterschaft, Pokal und Champions League unter einen Hut zu bringen. Das Team scheint gut aufgestellt zu sein, ist bereits gut in Schwung (fünf Startsiege in der Bundesliga ist Vereinsrekord) und sollte sich auch in der zugegeben schweren Gruppe durchsetzen. Ein wichtiger Fingerzeig ergibt sich schon am Mittwoch beim SC Neapel, außerdem sind der FC Arsenal (mit Özil!) und Olympique Marseille die Gegner. Ein ausgeglichenes Feld, wo jeder jeden schlagen kann. Aber Vorteil Dortmund!

Bayer Leverkusen und Schalke 04 haben je ein englisches Top-Team als Gegner, die anderen Mannschaften sind zwar mit Vorsicht zu genießen, aber schlagbar. Leverkusen trifft auf Manchester United und muss auf Schachtor Donezk aufpassen, Real Sociaded San Sebastian ist immer für eine Überraschung gut. Schalke sollte sich hinter Chelsea einreihen, aber den FC Basel und Steaua Bukarest auf Distanz halten können. Es sei denn, der neue Hoffnungsträger Kevin Prince Boateng verletzt sich…

In der Europa League fehlen die großen Namen, ein bisschen Glanz verbreiten allenfalls der AC Florenz, Lazio Rom, Tottenham Hotspurs, FC Valencia, Olympique Lyon und Dynamo Kiew. Große Gegner haben auch die deutschen Vertreter nicht. Frankfurt trifft auf Bordeaux, Nikosia und Maccabi Tel Aviv, Freiburg auf Estoril, Liberec und FC Sevilla.

Die Ausgangspositionen der beiden deutschen Klubs sind sehr unterschiedlich. In Freiburg geht fast ein bisschen die Angst um, Trainer Christian Streich spricht von „einem Abenteuer“. Logisch, die Mannschaft hat eher an Substanz verloren und muss nun noch eine doppelte Belastung verkraften. Eintracht Frankfurt ist da anders aufgestellt, Trainer Armin Veh auch optimistischer, „wir wollen weit kommen“. Mal sehen, ob die Klubs was für die Länderwertung beitragen können oder früh scheitern. Es war schon lange kein deutscher Verein mehr vorne dabei.

Wie auch immer, der deutsche Fußball war im Vorjahr auf Europas Bühne überaus erfolgreich, ein deutsches Finale wird sich sicher nicht wiederholen. Aber die Fußball-Fans dürfen darauf hoffen, dass sie recht lange zumindest eine deutsche Mannschaft im europäischen Wettbewerb verfolgen können. Schöne Fußball-Abende stehen bevor!