Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Eishockey lebt! Dafür mussten alle Opfer bringen

Kaum eine Sportart wurde so von der Corona-Pandemie gebeutelt wie das Eishockey. Im Frühjahr wurde die Saison kurzerhand beendet, weil die Spiele der Deutschen Eishockey Liga ohne Zuschauer einfach nicht zu finanzieren waren. Einen Meister gab es 2020 nicht. Die Adler Mannheim stehen als letzter Sieger für 2019 in der Titelliste. 2021 soll es allerdings wieder einen neuen Deutschen Meister geben. Eishockey lebt! Die DEL 2 und teilweise die unteren Klassen haben den Punktspielbetrieb vor längere Zeit bereits aufgenommen (weil sie nicht so von den Zuschauer-Einnahmen abhängig sind), am Donnerstag startete auch die DEL und zwar spektakulär mit dem Rhein-Derby, das die Düsseldorfer EG mit 5:4 nach Penaltyschießen bei den Kölner Haien gewann. Dafür, dass wieder gespielt werden kann, mussten allerdings alle Opfer bringen. Die Zuschauer als Haupteinnahmequelle müssen ja leider draußen bleiben.

Allgemein hieß es, den Gürtel enger schnallen. Das galt ebenso für die Vereine wie für die Spieler. Die zogen mit, weil sie sonst ihres Berufes beraubt worden wären und nahmen teilweise Gehaltseinbußen von bis zu 60 Prozent hin. Da hätten die Fußall-Profis ganz schön gemeutert. Die 14 Klubs der DEL halbierten ihre Etats von insgesamt 120 Millionen auf 60 Millionen Euro. Auch der Staat half mit beim Überlebenskampf, mit Ausnahme von Red Bull, weil im Besitz des Brause-Herstellers, kassierten die anderen 13 Klubs bis zu 800.000 Euro Unterstützung. Das war teilweise überlebenswichtig.

Es wird also gespielt, wobei das Eishockey ohne Zuschauer damit seine größte Attraktion verlor. Die tolle Stimmung in den Hallen lockt die Besucher, für das Fernsehen ist der Sport fast ungeeignet, weil der Puck schlecht zu sehen ist, Rasanz und Stimmung kommen nicht richtig rüber. Doch Fernsehen ist wichtig, nur dadurch kann sich eine Sportart der Öffentlichkeit präsentieren. Die DEL hat Glück, dass MagentaTV ein Herz fürs Eishockey hat und alle Spiele überträgt, außerdem ist Sport1 im Free-TV mit 26 Partien dabei.

Die Saison musste natürlich verkürzt werden, die Weltmeisterschaft vom 21. Mai bis 6. Juni 2021 in Minsk (Weißrussland, als Austragungsort bzw. Land umstritten) und Riga (Lettland) wartet. Die Saison der DEL wurde deshalb von 52 Spieltagen auf 38 verkürzt, die 14 Klubs sind aufgeteilt in zwei regionale Gruppen Süd und Nord, dort werden vier Begegnungen gegeneinander ausgetragen, dazu je zwei Duelle mit den Teams der anderen Gruppe. Die besten vier Mannschaften aus jeder Gruppe qualifizieren sich für die Play-Offs, die ab dem 19. März ebenfalls verkürzt ausgespielt werden, nämlich „Best of Three“ statt „Best of Seven“, es reichen also zwei Siege zum Weiterkommen. Weil es keine Zuschauer gibt und man so nicht auf die Anreise der Fans Rücksicht nehmen muss, spielt die DEL fast jeden Tag, damit sie bei MagentaTV präsent ist.

Durch die finanzielle Zwangsjacke werden die Leistungsunterschiede natürlich noch deutlicher werden, deshalb gibt es auch keinen Absteiger. Der Meister der DEL2 darf dennoch wie versprochen aufsteigen, so dass die DEL dann 21/22 mit 15 Klubs spielen würde. Die Favoriten sind die üblichen Verdächtigen, nämlich quasi Titelverteidiger Mannheim sowie der Meister von 2016 bis 2018, Red Bull München. Das „Aufwärmprogramm“, der Magenta-Cup im Vorfeld der Punktrunde, zeigte allerdings, dass es einige Herausforderer gibt, vor allem die Fischtown Pinguins in Bremerhaven.

So sind die Gruppen eingeteilt: Nord: Berlin, Bremerhaven, Düsseldorf, Krefeld, Köln, Iserlohn und Wolfsburg. Süd: Augsburg, Ingolstadt, Mannheim, München, Nürnberg, Schwenningen und Straubing.

Der Verband trübt die Stimmung

Erleichterung also bei den Vereinen, doch die gute Stimmung wurde in den letzten Tagen dennoch getrübt. Dafür sorgte wieder einmal der Verband, der Deutsche Eishockey-Bund bringt es immer wieder fertig, für negative Schlagzeilen zu sorgen, er bremst sich gern selbst aus. Diesmal wunderte sich die Sportwelt über die Entlassung von DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel, der maßgeblich für die Erfolge des DEB in den letzten Jahren verantwortlich war. „Unterschiedliche Auffassung über die künftige Ausrichtung des Verbandes“ wurden als Grund genannt. Beobachter sprechen auch von einem „internen Machtkampf“. Dabei wiederholen sich solche Trennungen, denn wer beim DEB gut arbeitet, wird keinesfalls mit Lob bedacht, sondern eher kritisch beäugt. Er könnte nämlich DEB-Präsident Franz Reindl in die Quere kommen. Viele Funktionäre sind neidisch, wenn jemand anderes in den Blickpunkt rückt, wenn das Licht doch auf sie selbst fallen soll. Das ist schon seit Jahrzehnten immer das gleiche Problem beim DEB. Nur einer hat diese Spielchen über Jahrzehnte hinweg überlebt: Präsident Franz Reindl, früher Sportdirektor und Geschäftsführer im Verband. Er hat ein besonderes Geschick darin, alle Skandale und Krisen unbeschadet zu überstehen und eigene Fehler von Kritik fernzuhalten.

Die Entlassung eines erfolgreichen Mitarbeiters ist umso unverständlicher, da bekannt ist, dass Franz Reindl nach noch mehr Macht und Aufmerksamkeit strebt, er will Präsident vom Weltverband IIHF werden, wenn der Schweizer Rene Fasel sein Amt abgibt. In Deutschland wird Reindl verbrannte Erde bzw. geschmolzenes Eis hinterlassen.

Corona und Mercedes dominieren die Formel 1

Eine verrückte Saison der Formel 1 ist am Sonntag in Abu Dhabi zu Ende gegangen. Eine Saison, die anfangs durch die Corona-Pandemie auf der Kippe stand, die mit vier Monaten Verspätung begann und in der nur 17 der vorgesehenen 22 Rennen absolviert wurden. Probleme über Probleme also und doch war es eine der interessantesten Jahre überhaupt. Einfach verrückt. Dominant war neben dem Virus vor allem Mercedes, der König der Königsklasse war Lewis Hamilton, der Bettler dagegen Sebastian Vettel und im Büßergewand des Formel-1-Märchens muss sich Ferrari kleiden. Am Ende ist alles gut ausgegangen, sogar der Feuerunfall von Romain Grosjean in Bahrein. Da wurde selbst der Hinterherfahrer zum Sieger.

Es war ein Kraftakt ohnegleichen, dass die Formel 1 eine reguläre Weltmeisterschaft über die Bühne brachte. Rennen wurden gestrichen, neue Rennstrecken gesucht und gefunden, so wurde doch wieder auf dem Nürburgring gefahren, in Imola, Istanbul und Mugello. Die Formel 1 lebte in einer Blase um Covid-19 abzuwehren, deshalb gab es zum Teil zwei Rennen an einem Standort. Erkrankungen blieben nicht aus, aber die Formel-1-Bosse brachten die Saison über die Bühne, organisierten mehr als die für die WM-Wertung erforderlichen 15 Rennen und konnten damit Fernsehen und Sponsoren vertragsgemäß bedienen.

Der Lohn waren viele interessante Rennen, wobei sich die Überholmanöver vor allem im Feld abspielten, es aber auch Überraschungen mit Außenseitersiegen gab. Pierre Gasly mit dem Alpha Tauri gewann in Monza, Sergio Perez mit Racing Point in Bahrein. Dennoch muss er gehen. So unlogisch kann die Formel 1 auch sein. Keiner kam allerdings an Mercedes und Lewis Hamilton heran. Die Stuttgarter dominierten das Geschehen und Lewis Hamilton schwang sich um Rekordhalter auf. Mit seinem siebten Titel holte der Brite Michael Schumacher ein und kürte sich zum gemeinsam Rekordchampion. Der überragende Fahrer im besten Auto ist einfach eine unschlagbare Kombination. Keiner hatte eine Chance, auch Teamkollege Valtteri Bottas nicht, aber für die Zukunft macht sich am ehesten Max Verstappen mit Red Bull Hoffnungen. Noch hat Hamilton seinen Vertrag bei Mercedes nicht verlängert (im Gegensatz zu Teamchef Toto Wolff), aber er wird sich die Chance, alleiniger Rekordmann zu werden, nicht entgehen lassen. Sollte er über ein Karriereende nachdenken, wird er es verschieben, siegen kann er nur mit Mercedes.

Das genau Gegenteil war die Kombination Ferrari und Vettel. Der Deutsche war (er hat es nur umschrieben, nie deutlich ausgesprochen) mit einer Schrottkiste unterwegs. Vettel wurde zum Jammerlappen („Das Auto funktioniert nicht“) und wurde nach sechs Jahren Zusammenarbeit humorlos abserviert. Bei der Vertragsunterzeichnung waren Titel die Hoffnung, am Ende blieb nur Enttäuschung. Singend verabschiedete sich Vettel bei seinem Team, dies war wohl Ausdruck der Erleichterung („Bin froh, dass es zu Ende ist“). Jetzt hofft er auf bessere Zeiten bei Racing Point, das nun Aston Martin heißen wird. Dort musste Perez gehen, der Sieger von Bahrein. Da werden die Bosse nachdenklich geworden sein, ob sie wirklich die richtige Entscheidung getroffen haben. Sebastian Vettel kann Erfahrung einbringen, aber leistungsmäßig steht er wohl nicht über dem Mexikaner.

Am Ende der Saison gelang der Formel 1 noch der Coup, dass nicht nur in Deutschland die Fans mit Spannung auf das Jahr 2021 schauen. Der frischgebackene Champion der Formel 2, Mick Schumacher, erhält ein Cockpit bei Haas, der Name Schumacher elektrisiert einfach die Branche. Es wird ein langer Weg werden, bis er in die Fußstapfen seines Vaters treten kann, wenn überhaupt einmal. Aber der 21-Jährige tritt zunächst einmal bescheiden auf. „Ich will lernen“, wehrt er ab, vielleicht kann er immer wieder mal Glanzlichter setzen, ansonsten gehört sein Rennstall zu den Kellerkindern. Bis Schumacher sich eingelebt hat, wird vielleicht auch Ferrari wieder auf die Füße kommen, aber das Ferrari-Talent könnte später dennoch bei Mercedes landen, wenn die Erfolgsserie der Dauersieger anhält. Zum siebten Mal beide WM-Titel sind schließlich eine Ansage.

Für die neue Saison gibt es einige Fahrerwechsel, auch das wird spannend werden. Auf ein Cockpit hofft immer noch Nico Hülkenberg, der als Ersatzfahrer für Furore sorgte. Er könnte vielleicht sogar noch den Thailänder Alex Albon, der enttäuschte, bei Red Bull ersetzen und plötzlich in einem möglichen Siegerauto sitzen. Spektakulär die Rückkehr von Ex-Weltmeister Fernando Alonso bei Renault. Die Formel 1 hat also einiges zu bieten, die Rekordzahl von 23 Rennen (ohne Deutschland) sind geplant, am 21. März soll es in Melbourne losgehen. Die Rechnung mit den Terminen wurde allerdings ohne Corona gemacht. Das Virus könnte, wie unser Leben, auch die Formel 1 erneut ausbremsen. Geisterrennen oder nicht, das ist die Frage.

Wachablösung in der Bundesliga?

Was viele Fußball-Fans in Deutschland seit Jahren herbeisehnen, ist im Zeichen der Corona-Pandemie jetzt wohl möglich: In der Bundesliga steht eine Wachablösung bevor, die Bayern könnten den Titel des „ewigen Meisters“ verlieren. Erstmals seit 2014 ist Bayer Leverkusen wieder Tabellenführer, RB Leipzig liegt mit den Bayern gleichauf und der VfL Wolfsburg ist wie Leverkusen immer noch ungeschlagen. Die Bayern haben dagegen müde Beine, haben von den letzten vier Spielen nur eins gewonnen und lagen in den letzten fünf Spielen jeweils mit 0:1 im Rückstand. Das ist keine Bilanz einer Mannschaft, die der Konkurrenz das Fürchten beibringen will. Union Berlin war einer der Nutznießer beim 1:1, das für den Titelverteidiger noch glücklich war. Die Kraft für ein Aufbäumen war wohl nicht vorhanden.

Ob es wirklich zur Wachablösung im Mai kommt, kann nach elf Spieltagen natürlich nicht endgültig beantwortet werden. Die Tücke des Spielplans will es so, dass noch Weihnachten die Weichen für die Bayern gestellt werden. Sie treffen ausgerechnet jetzt auf die beiden noch ungeschlagen Teams, könnten die Serien von Wolfsburg (Mittwoch) und Leverkusen (Samstag, Bayer am Mittwoch in Köln) beenden oder aber am Ende als der große Verlierer dastehen. Im Januar würden sie diese Bewährungsproben lieber angehen, nach einer kleinen Erholungspause und wieder mit dem Mittelfeldstrategen Joshua Kimmich, zumal jetzt vielleicht auch noch Leon Goretzka ausfällt. Das Fehlen des Mittelfeld.Duos Kimmich/Thiago (Wechsel nach Liverpool) wird deutlich. Eine Lösung für Trainer Hansi Flick bietet sich an: Abwehrchef David Alaba könnte er ins Mittelfeld vorziehen (da sieht sich Alaba sowieso), nachdem mit Boateng, Süle und Hernandez alle weiteren Innenverteidiger zur Verfügung stehen. Eine Aufholjagd im Frühjahr ist den Bayern immer zuzutrauen.

Die Erfolgswelle von Leverkusen und Wolfsburg ist schon erstaunlich, beide Klubs erlebten bisher noch kein Leistungstief, vor allem Bayer-Trainer Peter Bosz trotzte dem Verletzungspech und betätigte die Rotation virtuos und mit viel Glück. Wer auch immer zwangsläufig aufs Feld kam zeigte Bestform, so Torjäger Alario, der Neuzugang Schick ersetzen musste, wie auch Leon Bailey, der fast abgeschrieben war und ein erstaunliches Comeback hinlegte. Ähnliches in Leipzig, wo Trainer Julian Nagelsmann ein glückliches Händchen mit der jeweiligen Elf hat. Müdigkeit ist ein Fremdwort. In Wolfsburg gab es Knatsch mit Trainer Oliver Glasner, doch der ging spurlos am Team vorbei. So liest sich die Tabellenspitze mit Leverkusen, München, Leipzig, Wolfsburg im Moment ein bisschen seltsam. Wolfsburg bekommt es aber noch mit Dortmund und Leipzig zu tun.

Dortmund hofft auf Flick-Effekt

Die Parallelen sind ja unübersehbar: Vor einem Jahr verloren die Bayern 1:5 in Frankfurt – und Trainer Niko Kovac musste gehen. Es kam Co-Trainer Hansi Flick und eine Erfolgsstory begann. Jetzt verlor der selbsternannte Titelanwärter Borussia Dortmund 1:5 gegen den VfB Stuttgart – und Trainer Lucien Favre musste gehen. Dortmund hofft jetzt auf den Flick-Effekt und übergab das Kommando dem bisherigen Co-Trainer Edin Terzic. Favre stand schon länger in der Kritik, zu zögerlich sei, zu nachsichtig gegenüber den Spielern, die entsprechend zu oft einen allzu lässigen Auftritt hinlegten. Wie jetzt gegen Stuttgart. Der VfB übrigens hat eine seltsame Bilanz: Noch keinen Heimsieg, dafür noch keine Auswärtsniederlage! Ohne „Gelbe Wand“ der Fans schwächelt auch Dortmund zu Hause, verlor alle fünf Spiele ohne Zuschauer. Terzic soll das Gegenteil von Favre sein, energisch und lebhaft. So soll künftig auch wieder die Mannschaft sein. Noch kann Dortmund oben wieder angreifen.

Der Ruhr-Pott-Rivale Schalke 04 musste am Sonntag einen besonderen Schock hinnehmen. Die Negativerlebnisse reißen nicht ab. Führungsspieler Mark Uth lag in Augsburg nach zehn Minuten bereits bewusstlos am Boden. Ein Kopfballduell mit Uduokhai hatte schwerwiegende Folgen, Uth verlor schon in der Luft das Bewusstsein und knallte noch auf den Fuß von Augsburgs Khedira. Nach zehn Minuten Behandlung auf dem Feld wurde er ins Krankenhaus gebracht, wo er wieder zu Bewusstsein kam und die letzten Minuten sogar am TV anschauen konnte.

Was er sah, war der nächste Schock. Als Schiedsrichter Manuel Gräfe die Schalker befragte, ob sie weiterspielen wollten, bejahten sie und spielten weiter unter dem Motto: „Für Mark Uth“. Nach dem FCA-Führungstreffer, eingeleitet ausgerechnet vom Ex-Schalker Caligiuri, schafften sie die Wende zum 2:1 und in Überzahl sah alles danach aus, dass die Sieglosserie beendet werden könnte. Doch der nächste Schock folgte mit dem Ausgleich der Augsburger zum 2:2 in der Nachspielzeit. Die Beine waren schwer geworden, die Last, „nur kein Tor kriegen“ lähmte sichtlich. Die Sieglosserie bleibt bestehen, 27 Spiele, nur noch vier zum Rekord. Gibt es noch einen Sieg auf den Gabentisch zu Weihnachten? Zwei Heimspiele sind die Chance zur Wende, Freiburg und Bielefeld die Gegner. Im Abstiegskampf muss gegen diese Teams gepunktet werden, es ist doppelt wichtig auch für Trainer Manuel Baum, der in seiner alten Heimat Augsburg gerne glücklichere Momente gehabt hätte.

Für alle Vereine und Spieler gilt aber, noch einmal eine Stresswoche mit zwei Spielen bis Weihnachten, dann gibt es ein paar Tage frei, allerdings nur bis zum 2. Januar. Eine verkürzte Pause haben die Teilnehmer am DFB-Pokal, da steht für den 22./23. Dezember die nächste Runde an.

Nagelsmann trifft auf Klopp

Da hat der frühere Schweizer Torjäger Stephane Chapuisat als „Glücksfee“ bei der Auslosung des Achtelfinales der Champions League aber ein besonderes Händchen gehabt. Er brachte ausgerechnet den RB Leipzig mit dem FC Liverpool zusammen, damit gibt es das Duell der beiden angeblich besten deutschen Trainer Julian Nagelsmann und Jürgen Klopp. Allerdings: Nagelsmann gilt als Mann der Zukunft, Klopp ist der erfolgreiche Platzhirsch. Überhaupt hatte Chapuisat ein Händchen für besondere Paarungen: Borussia Mönchengladbach freut sich auf Pep Guardiola mit Manchester City, bei Bayern München gegen Lazio Rom trifft der beste Torhüter Manuel Neuer auf den besten Torjäger der letzten Saison, Ciro Immobile, bei Barcelona – Paris treffen die Spezls Messi und Neymar aufeinander, Dortmund bekommt es mit dem Champion der Europa League, FC Sevilla, zu tun und außerdem duellieren sich Atletico Madrid und Chelsea London, der FC Porto und Juventus Turin sowie Atalanta Bergamo und Real Madrid. Gespielt wird das Achtelfinale am 16./17. und 23./24 Februar sowie 9./10. und 16./17. März (es werden immer nur je zwei Spiele angesetzt).

In der Europa League dürfen die deutschen Vertreter ebenfalls vom Achtelfinale träumen. In der Zwischenrunde muss im Hinspiel am 18. Februar Bayer Leverkusen zum Schweizer Meister Young Boys Bern reisen, die TSG Hoffenheim nach Norwegen zum Molde FK (Rückspiele am 25. Februar). Beides sind machbare Lose für die Bundesligisten, so dass weiter die Hoffnung besteht, dass endlich mal ein deutscher Verein wieder in der Europa League für Furore sorgt.

Übrigens steht in dieser Woche am Donnerstag noch eine bedeutende Wahl an, der „Fußballer des Jahres“ wird gesucht (dazu auch die Trainer etc., auch bei den Frauen). Im Mittelpunkt steht aber die Frage, ob die Juroren (Spieler, Trainer, Journalisten) mal über ihren Schatten springen können und nicht die üblichen Verdächtigen Cristiano Ronaldo und Leonie Messi wählen, sondern Robert Lewandowski, der mit wichtigen Toren einer der Väter des Bayern-Triples war. Der Pole hätte es verdient.

Mehr zu Joachim Löw und die Rechtevergabe der Bundesliga steht in der nächsten Kolumne „DFB und DFL stellen keine Weichen für die Zukunft“. In dieser Woche folgen noch Blogs zur Formel 1 und dem Start der Deutschen Eishockey Liga.

DFB und DFL stellen keine Weichen für die Zukunft

Sie traten zur gleichen Zeit an die Öffentlichkeit, sie hatten unterschiedliche Themen, aber sie hatten eine Gemeinsamkeit: Der DFB mit Joachim Löw weiterhin als Bundestrainer und die DFL mit der Neuverteilung der Fernsehgelder für die Bundesliga stellten keine Weichen für die Zukunft. Es ändert sich fast nichts.

Als Bundestrainer Joachim Löw sich der Presse stellte, um das unsägliche 0:6 gegen Spanien aufzuarbeiten, da warteten alle auf Pläne für die Zukunft, nachdem ihm der DFB für die nächste Zeit das Vertrauen ausgesprochen hat. Doch der Bundes-Jogi kann nicht mehr aus seiner Haut. Die Anmerkungen wiederholen sich, man solle ihm vertrauen, bei der Europameisterschaft 2021 will man Erfolg haben und die junge Mannschaft brauche halt ihre Zeit. Innovation sieht anders aus, Begeisterung kann der 60-Jährige nicht mehr wecken. Nach dem Gewinn des WM-Titels 2014 ging es nur bergab, für das Bergauf fehlen ihm wohl Kraft und Ideen. Energischer wurde er nur dann, als es um den Verband ging, um interne Kritik, die nach außen getragen wurde. Das mag Löw gar nicht, er mag seine Ruhe und auch nach einem 0:6 Verständnis und keine Kritik. Kann ja mal passieren, wird nicht wieder passieren. Aber wer weiß…

In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar sollte dies nicht passieren. Eher umgekehrt, die Gegner gehören zur Sorte „keine Angst“, Rumänien und Island könnten zumindest unangenehm werden, Nordmazedonien, Armenien und Liechtenstein füllen die Gruppe J auf, welche die Fans nicht hinter dem Ofen hervorholen wird. Zwar kommt nur der Gruppensieger direkt weiter, doch Spannung ist nicht zu erwarten. Dass ist genau die Art von Pflichtspielen, die keinen Spaß machen, die auch der Aufblähung des WM-Teilnehmerfeldes geschuldet sind. Bei allem Verständnis für die Kleinen, die sich auch mal mit den Großen messen wollen, von einer Art Vorqualifikation hätte der Fußball-Fan mehr. Er will spannende Spiele sehen.

Joachim Löw müsste also in den Länderspielmonaten März, September, Oktober und November leichtes Spiel haben. Er kann zeigen, wie er es sich mit der Nationalmannschaft in Bestform vorstellt. Die beiden stärksten Konkurrenten stehen am Anfang: Am25. März Island und am 28. März Rumänien.

Den Weg des geringsten Widerstandes ging auch die Deutsche Fußball-Liga bei der Neuverteilung der Fernsehgelder für die Jahre 21/22 bis 24/25. Der Verteilerschlüssel wurde, wie es ein Vereinsvertreter ausdrückte, in „homöopathischen Dosen“ geändert. Unter dem Strich werden die Großen ein bisschen was verlieren, die Kleinen ein bisschen was gewinnen, die Schere bleibt aber weit auseinander. Die einzelnen Kriterien wurden geändert, die Gleichverteilung liegt bei 53 Prozent (ab 23/24 bei 50 %), Leistung zählt mit 42 % (43 %), der Nachwuchs (Einsatz von jungen Spielern, Ausbildung) wird gewichtet mit 3 bzw. 4 Prozent und das Interesse (Markt- und Werbeanalysen) mit 2 bzw. 3 %. Trotz der großen Diskussionen im Vorfeld gab es nach der Entscheidung des DFB-Präsidiums kaum ein Wehklagen.

Der Blick in die Zukunft sieht allerdings nicht rosig aus. So beklagte DFL-Boss Christian Seifert, dass die Vereine bei den Spielergehältern zu wenig gemacht hätten, die Kosten sind weiterhin zu hoch. Seifert rechnete auch vor, dass die Vereine der 1. und 2. Bundesliga durch die Corona-Pandemie von 2020 bis 2022 mit einem Verlust von insgesamt rund zwei Milliarden Euro rechnen müssten. Mindereinnahmen von 200 Millionen Euro musste die DFL jetzt schon bei der Neuverteilung einrechnen.

Manche Vereine, die sich ausgemalt hatten, mit mehr Geld könnten sie auch mal Deutscher Meister werden, müssen sich wohl umstellen. Sie müssen selbst die Voraussetzungen schaffen und können nicht auf dicke Zuschüsse hoffen, die ihnen andere präsentieren könnten. Frustriert erkannte da auch ein Vereinsvertreter: „Kleinere Vereine werden nicht morgen schon Deutscher Meister werden.“

Aber beim Geld hören die Probleme des Fußballs noch nicht auf. Immer mehr zeigt sich, dass die Geisterspiele im Fernsehen zwar den Betrieb am Laufen halten, aber die Begeisterung nimmt ab. Der Fußball ist dabei, an Interesse zu verlieren, die harten Fans bleiben zwar sicherlich treu, aber Interessierte drumherum stellen jetzt plötzlich fest, es gibt auch noch etwas anderes als Fußball am Samstag oder Sonntag. Die Fan-Gruppierungen haben zudem die Maßnahmen kritisiert, sie gehen ihnen nicht weit genug. Ihr Fazit: Es ändert sich nichts. Die Weichen für die Zukunft wurden nicht gestellt.

Die Bayern lassen der Konkurrenz eine Chance

Zu Beginn einer Saison sagen die Trainer immer, erst nach zehn Tagen werde eine Tendenz deutlich, wie denn das Spieljahr laufen werde. Jetzt sind zehn Runden gespielt, also wollen wir untersuchen, welche Tendenz sich in der Fußball-Bundesliga abzeichnet. Eines fällt auf den ersten Blick auf die Tabelle auf: Die Bayern haben sich noch nicht abgesetzt, sie lassen der Konkurrenz eine Chance. Der Kreis der Titelanwärter hat sich ebenso herauskristallisiert wie der Kreis der Abstiegskandidaten, wobei gerade in dieser Region die nächsten Spiele für einige Vereine von entscheidender Bedeutung sein können. Eines ist aber auch klar, die Corona-Pandemie nimmt entscheidenden Einfluss auf das Geschehen. Aber das Thema wurde oft genug behandelt.

Kleiner Rückblick. Vor einem Jahr war Borussia Mönchengladbach Tabellenführer mit 22 Punkten vor Dortmund (19), Leipzig (18) und Bayern (18). Die Bayern verloren am 10. Spieltag 1:5 in Frankfurt, das war das Aus für Trainer Niko Kovac, Hansi Flick übernahm und startete eine aufsehenerregende Erfolgsserie. Er begann mit einem 4:0-Sieg gegen Dortmund. Als Flick übernahm, hatten die Bayern ebenso 16 Gegentore kassiert wie jetzt auch (24 geschossen, jetzt 34), nur die Einflüsse von außen sind auch anders. Trainer und Spieler sind damit zufrieden, dass sie Tabellenführer sind (23 Punkte) vor Leverkusen (22), Leipzig (21) und Dortmund (19). Es geht also eng zu. Julian Nagelsmann verspielte den Sprung auf Platz eins mit Leipzig fast bewusst, er sagte vorher schon, die Champions League mit dem „Endspiel“ gegen Manchester United am Dienstag wäre im Moment wichtiger („Die Bundesliga läuft länger“) und er wechselte dementsprechend nach rund 60 Minuten zur Schonung aus und kassierte den 3:3-Ausgleich.

Bayer Leverkusen ist einer der Gewinner der ersten zehn Spieltage und wie Wolfsburg immer noch ungeschlagen. Für die Wölfe ein neuer Vereinsrekord, die Bayern halten überhaupt den Rekord mit 26 Spieltagen (unter Pep Guardiola). Zu den Gewinnern bisher dürfen sich auch Union Berlin (jetzt allerdings mehrere Wochen ohne Max Kruse), Wolfsburg und vor allem Aufsteiger VfB Stuttgart zählen. „Wir können mit der jungen Mannschaft mithalten“, hatte der Neuling getönt, aber eigentlich hat es ihm keiner geglaubt. Die Klubs im Mittelfeld könnten eigentlich zufrieden sein, aber das tun sie in Frankfurt, Gladbach, Hoffenheim und vor allem Hertha BSC weniger als in Augsburg oder Bremen, wo man zwischen Zufriedenheit und Zweifeln schwankt.

Bei Freiburg beginnt die Abstiegszone, wobei die Badener nicht ernsthaft in Gefahr raten sollten. Dahinter wird es problematisch und wegweisende Spiele stehen jetzt nach dem 10. Spieltag an, involviert sind vor allem auch Augsburg und Freiburg, die sich dann den Abstiegskampf vom Hals halten könnten – oder reinrutschen. Verzweiflung herrscht vor allem auf Schalke, dem Schlusslicht mit nur drei Zählern. Vor einem Jahr trug der SC Paderborn die „Rote Laterne“ mit vier Punkten – und stieg am Ende ab (gemeinsam mit Düsseldorf, zu der Zeit 13. mit zehn Zählern). Auf einem Abstiegsplatz auch Mainz 05 (im Vereinsnamen stecken die fünf Punkte), wo die Hoffnung wieder einen Dämpfer erlitt, dagegen sehen sich Bielefeld und Köln (je 7) im Aufwind. Ob das stimmt, wird sich zeigen. Bielefeld hat die Wochen der Wahrheit in Freiburg, gegen Augsburg und auf Schalke. Wann endet die Schalker Sieglosserie? Nächster Versuch Sonntag (15.30 Uhr) in Augsburg, danach kommen Freiburg und Bielefeld. Wenn es bis dahin nicht geklappt hat, dann gute Nacht!

Nicht nur Siege und Niederlagen standen im Blickpunkt, sondern auch zwei Jungtalente. Dabei fällt auf, dass sich in den letzten Wochen alles um Dortmunds 16-Jährigen Youssoufa Moukoko drehte, der als Stern am Bundesliga-Himmel erschien, bisher aber erst einmal lernen musste. Nach dem Ausfall von Torjäger Erling Haaland ist er der Hoffnungsträger bei der Borussia als Mittelstürmer. Schon eher etabliert hat sich heimlich, still und leise Bayerns Talent Jamal Musiala. Heimlich und still bei den Bayern ist ebenso erstaunlich wie die Leistung des 17-Jährigen Deutsch-Engländers, der im Spitzenspiel gegen Leipzig für den verletzten Javi Martinez (fällt für den Rest des Jahres aus) ins Spiel kam, für Schwung sorgte und gleich noch das zwischenzeitliche 1:1 erzielte. „Er ist im Team absolut etabliert“, heißt es über den jungen Mann, ebenfalls ein Hoffnungsträger im von Verletzungen gebeutelten Bayern-Kader.

Finale in Europa

Viele Vorentscheidungen sind in der Champions League und Europa League schon gefallen, doch es gibt an den letzten Spieltagen von Dienstag bis Donnerstag noch richtige Endspiele. So wie gesagt für RB Leipzig gegen ManU, Dritter im Bunde ist Paris St. Germain (alle 9 Punkte), das mit einem Sieg gegen Basaksehir Istanbul zuschauen kann, was die anderen beiden machen. Ein Endspiel hat auch Borussia Mönchengladbach, das mit viel Schwung, aber leider auch Pech mit Gegentoren in den letzten Minuten, noch bangen muss. Bei Real Madrid muss nicht nur die Tabellenführung, sondern auch das Weiterkommen erkämpft werden, aber auch Donezk und Inter Mailand mischen noch mit. Trostpflaster für beide deutschen Klubs: Zumindest die Europa League ist sicher und damit das Überwintern auf Europas Bühnen.

Leichter haben es München und Dortmund. Die Bayern sind wie bekannt sogar schon Gruppensieger und Hansi Flick wird gegen Lokomotive Moskau auf die Spieler verzichten, die Schonung brauchen. Dortmund (neun Ausfälle!) muss bei Zenit St. Petersburg noch den attraktiven Gruppensieg sichern, den Lazio Rom gegen Brügge streitig machen könnte. Schonung ist da weniger angesagt. Vielleicht wurde deshalb Marco Reus beim 1:1 in Frankfurt geschont, was viele nicht verstanden haben. in der Euroopa League haben die deutschen Kandidaten Bayer Leverkusen und Hoffenheim schon die nächste Runde erreicht. Hier werden doch nicht Bundesliga-Vereine plötzlich erfolgreich sein? Die Auslosungen für die nächste Runden finden am 14. Dezember statt.

Erfolgreich sein wünscht sich auch Bundestrainer Joachim Löw mit seiner Nationalmannschaft. Er bestimmt zuletzt die Schlagzeile und die wenigsten verstanden, dass sich der DFB so demonstrativ hinter den Coach gestellt hat. Er genießt ein „Vertrauen“ (so der Wortlaut), das er eigentlich in der Öffentlichkeit nicht hat. Auch zu Aussagen in der Öffentlichkeit muss er fast schon gezwungen werden.

Der 7. Dezember ist oder war überhaupt ein wichtiger Tag im Fußball, die Auslosung der Qualifikationsgruppen für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar ist ein Blick in die Zukunft. In der Bundesliga wird um Geld gestritten, in der Sitzung der DFL geht es um die Verteilung der TV-Gelder. Streit war vorprogrammiert. Dabei sollten sich die Vereinsvertreter an ein Sprichwort erinnern: Über Geld spricht man nicht, Geld hat man. Vielleicht gibt es den Streit deshalb, weil das Geld weniger bei den Klubs landet, sondern mehr bei den Spielern und Betreuern. Und über Geld, das man nicht hat, streitet man eben. Peinlich nur, dass sich wieder Politiker in eine Debatte einmischen, die sie wirklich gar nichts angeht. Aber wie auch immer, die Bundesliga kann in diesem Verteilungskampf nur verlieren.

Durchhalteparolen beherrschen Europas Fußball

Was für eine Woche im Fußball. Die Welt war schockiert, die Fußball-Welt trauert, Argentinien weint. „Weine nicht, Argentinien“ möchte man den Südamerikanern zurufen nach dem Tod von Diego Maradona. Die Frage nach dem größten Fußballer der Welt wird nie endgültig beantwortet werden können, doch Maradona ist immer im Kreis der Kandidaten. Dazu war er vielleicht die schillerndste Figur und trotz aller Eskapaden fast ein Nationalheiligtum in Argentinien, die drei Tage Staatstrauer bestätigen dies. Maradona wurde bereits beerdigt, das Nachspiel folgt. Sein Tod nach einer Gehirn-Operation wird untersucht, die Anschuldigung der falschen medizinischen Behandlung ist gravierend. Maradona, der einst mit Hilfe der „Hand Gottes“ ein Tor erzielte, wird jetzt von oben herab beobachten, was sich im Fußball tut. Eine Lücke wird er hinterlassen, eine Lücke, die Argentiniens zweiter Fußball-Star Leonie Messi gerne füllen würde, aber trotz aller Qualitäten als Idol nicht füllen kann. Er würdigte den Fußball-Helden auf besondere Art: Schoss ein Tor aus 20 Meter in den Torwinkel wie Maradona und jubelte im Maradona-Trikot wie einst Diego.

Die Fußball-Welt trauert, aber der Fußball rollt weiter. In Europa stehen derzeit die Durchhalteparolen im Mittelpunkt, die bösen Vorahnungen angesichts des Terminplans ohne Pausen bestätigen sich immer mehr. Die Trainer haben vorher geschimpft und jetzt werden sie immer lauter (am lautesten wohl Jürgen Klopp in Liverpool), angesichts der großen Zahl von Verletzungen. Spitzenteams müssen manchmal auf die halbe Mannschaft verzichten, für alle das Problem, das der Sport-Grantler schon vor einer Woche angesprochen hat, es gilt nicht nur für Hansi Flick den gordischen Knoten zu lösen. Der Bayern-Trainer versucht es aber auf seine Art, er will den Gedanken an eine Überlastung bei seinen Spielern gar nicht aufkommen lassen („Wir müssen das annehmen“), auch wenn zum Beispiel Leon Goretzka gesteht: „Ich fühle mich müde“. Also ist klar, es geht darum, irgendwie Erfolg zu haben und die Punkte einzufahren. „Wir holen keinen Schönheitspreis, aber liefern Ergebnisse“, ist Flick deshalb zufrieden.

Die Belastungen gehen weiter, einen Vorteil haben die Bayern, sie stehen in der Champions League bereits vorzeitig als Gruppensieger fest. Die Aufgabe am Dienstag bei Atletico Madrid ist also kein Schlagerspiel mehr für die Münchner, sondern eher ein Testspiel. Die wichtigere Aufgabe wartet am Samstag (18.30 Uhr) mit Verfolger RB Leipzig, da geht es um die Tabellenführung in der Bundesliga (im Vorjahr 0:0 und 1:1). Die Rekordjagd in der CL gerät also in den Hintergrund, andererseits ist eine Siegprämie von 2,7 Millionen Euro auch nicht zu verachten. Dennoch steht für Hansi Flick Schonung im Vordergrund, Dauerspieler wie Torhüter Manuel Neuer (!, das CL-Debüt von Alexander Nübel steht bevor), Torjäger Robert Lewandowski und Dauerläufer Leon Goretzka müssen den Trip nach Madrid nicht mitmachen. Der Fußball-Wahnsinn geht jedoch weiter, bis Weihnachten warten in der Bundesliga nur Spitzenteams, nach Leipzig noch Union Berlin, VfL Wolfsburg und zum Abschluss Bayer Leverkusen. Zu beachten ist: Wolfsburg und Leverkusen sind nach wie vor die einzigen Klubs ohne Niederlage!

Fast möchte man sagen, die übliche Niederlage hat sich Borussia Dortmund geholt. Der Blick geht zwar Richtung Meisterschaft, aber Aussetzer wie jetzt beim 1:2 gegen den 1. FC Köln passieren immer wieder. Es ist wohl doch eine Frage der Konzentration und Mentalität, das „mia san mia“ der Bayern lässt sich nicht implantieren. Peinlich: Zwei Gegentore nach Ecken nach gleichem Muster. Und das ausgerechnet gegen Köln, das 18 sieglose Spiele zu beklagen hatte.

Anders als bei Mainz und Köln gehen die sieglosen Spiele bei Schalke 04 weiter. Erstaunlich, das 1:4 gegen Gladbach wird als „Fortschritt“ gewertet. Die Woche war turbulent, Kaderplaner Michael Reschke musste gehen, mit Stürmer Ibisevic hat man den Vertrag aufgelöst, Bentaleb und Harit wurden zu Einzeltraining verdonnert, damit sie quasi zur Besinnung kommen. Der Zusammenhalt wird gesucht, Fremdkörper soll eliminiert werden. Ob es reicht, um dem traurigen Rekord als schlechteste Mannschaft der Bundesliga-Geschichte zu entgehen?. 31 Spiele ohne Sieg musste Tasmania Berlin in der Saison 1965/66 erleiden, fehlen noch sechs. Die Gegner: Leverkusen, Augsburg, Freiburg, Bielefeld, Hertha und Hoffenheim – wer erbarmt sich? Kurios: Schalke hat nach neun Spieltagen 28 Gegentreffer, das hatte Tasmania damals aufs Tor genau ebenso! Und: Die Verantwortlichen von Tasmania wären traurig, wenn ihnen Schalke den Rekord raubt. „Damit geraten wir nicht in Vergessenheit, wir bleiben im Gespräch, das ist Werbung für uns“, heißt es aus dem Klub. Wie aber denkt Schalke? Punkte und der gute Ruf wären wohl wichtiger. Noch ist ja der Anschluss ans ähnlich schwache Vorderfeld da.

Es geht turbulent zu im Fußball und das bleibt auch so, es stehen in nächster Zeit wichtige Tagungen an. Dabei gibt es auch Durchhalteparolen, nämlich beim DFB und der Frage, ob Joachim Löw Bundestrainer bleiben soll oder nicht. Zunächst trifft sich ein kleiner Kreis u. a. mit Präsident Fritz Keller und Team-Manager Oliver Bierhoff um mit Joachim Löw die 0:6-Pleite aufzuarbeiten und ein Konzept für die Zukunft aufzustellen. Über die Zukunft des Bundestrainers entscheidet aber allein der Präsidiumsausschuss des DFB. der aus 13 Männern und einer Frau besteht. Er wird auch auf die Basis achten müssen, denn die Fans fordern die Ablösung von Joachim Löw, der angeblich zuletzt allein mit Kurzarbeitergeld zufrieden gewesen sein soll. Wie die Entscheidung ausfallen wird, dürfte auch davon abhängen, ob ein Nachfolger (Ralf Rangnick?) in Sicht ist oder nicht.

Um die Zukunft geht es am 7. Dezember auch bei der FIFA, da werden nämlich die Gruppen für die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar ausgelost. Deutschland hat sich immerhin unter den zehn besten Nationen in Europa gehalten und ist damit einer der Gruppenköpfe, kann also zunächst nicht auf eine Top-Nation wie Frankreich, England oder Spanien treffen. In Topf zwei sind dann Teams der Kategorie Polen oder Schweden zu finden. Mal sehen, ob Jogi Löw bei der Auslosung noch Deutschland repräsentiert.

An diesem Tag findet zudem eine wichtige Sitzung der DFL statt, denn es geht um die zukünftige Verteilung der Fernsehgelder, die Diskussion sind ja bekannt. Bleibt es wie bisher oder soll eine andere Verteilung stattfinden zugunsten der kleineren bzw. schwächeren Vereine. Es geht um viel Geld, Bayern München kassierte zuletzt 105 Millionen Euro an TV-Gelder national und international. Die einen verteidigen die gut gefüllten Töpfe, die anderen lechzen nach mehr Euro. Das wird nicht einfach.

Der Wintersport kämpft an zwei Fronten

Einige Vorgeplänkel haben schon stattgefunden, aber jetzt geht es im Wintersport der Saison 2020/21 erst richtig los. Eine besondere Saison steht an, wobei dabei jeder wahrscheinlich zuerst an die Corona-Pandemie denkt. Nein, die besonderen Höhepunkte sind die Weltmeisterschaften, die dem Virus trotzen wollen und über die Bühne gehen sollen. Für Deutschland im Mittelpunkt dabei die Nordische Ski-WM vom 22. Februar bis 7. März 2021 in Oberstdorf, im Blickpunkt außerdem die Alpine Ski-WM vom 8. bis 21. Febuar 2021 in Cortina d’Ampezzo und die Biathlon-WM vom 9. bis 21. Februar in Pokljuka/Slowenien. Aber zunächst stand der Sport nicht im Vordergrund, sondern die Organisation, der Kampf um das Fortbestehen des Wintersports, der jetzt an zwei Fronten zu kämpfen hat: Zum Klimawandel mit den Unbillen der Natur (Schnee fehlt, das Wetter wechselhaft, der Wind macht manche Wettbewerbe oft zum Lotteriespiel) kommt eben aktuell Corona dazu. Auch der Skisport lebt mehr oder weniger in einer Blase, die Zuschauer fehlen größtenteils und die ersten Erkrankungen unter den Sportlern gibt es ebenfalls schon.

Corona sorgte im Vorfeld der Wettkämpfe schon für einiges Durcheinander. Teilweise wurden terminierte Veranstaltungen abgesagt, Weltmeisterschaften sogar in andere Orte verlegt. Besondere Maßnahmen auch bei den Reisen, Charterflüge sollen für Sicherheit vor Infektionen sorgen und wo es geht, soll auf Reisen verzichtet werden. Besonders krass im Biathlon, wo es Doppelveranstaltungen gibt, um nicht laufend von Wettkampfort zu Wettkampfort reisen zu müssen. Alle eint ein Wunsch: Der Wintersport will sich präsentieren, alle Wettkämpfe sollen einigermaßen über die Bühne gehen, die Zuschauer wieder an die Bildschirme locken und die Sponsoren zufriedenstellen. Es geht mehr oder weniger ums Überleben. Auch die Wintersportorten brauchen den Wintersport als PR-Lokomotive, doch die bleibt im Bahnhof, wenn keiner Skifahren darf!

Was den Sport angeht, so haben die deutschen Wintersportler in den ersten Wettkämpfen schon für die beste Werbung gesorgt, die Skispringer mit einem Doppelsieg von Markus Eisenbichler und Karl Geiger in Wisla in Polen, die Bobs mit Siegen von Mariama Jamanka und Francesco Friedrich beim Weltcup-Auftakt in Sigulda in Lettland. So kann es weitergehen. Gerade die Bobs sind erfolgsverwöhnt und sie werden deshalb bei der heimischen WM vom 1. bis 14. Februar in Altenberg auf Medaillenjagd gehen. In der Eisrinne beherrschten auch die Rodler in den letzten Jahren die Konkurrenz, doch die letzte Saison brachte den einen oder anderen Einbruch. Jetzt herrscht wieder Optimismus vor, die schnellen Mamas sind zurück, Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger haben Nachwuchs zur Welt gebracht und sind wieder rasant unterwegs, ihre Lücke hat Talent Julia Taubitz mit dem Weltcup-Gesamtsieg aber bestes ausgefüllt. Eine gute Nachricht aber auch, dass der einstige Dominator Felix Loch wieder gut in Form sein soll.

Die Skispringer könnten von ihrem frühen Aufwind profitieren, bei den Fliegern ist es so, dass oft ein gutes Fluggefühl am Anfang gleich über die ganze Saison entscheidet. Da kommt Hoffnung auf. Gelegenheiten zu glänzen gibt es genug, zuerst steht die Skiflug-WM in Planica in wenigenTagen vom 11. bis 13. Dezember an, die wegen Corona im Frühjahr verschoben wurde. Dann folgt wie immer die Vierschanzen-Tournee zwischen dem 29. Dezember und 6. Januar und dann schließlich die WM in Oberstdorf. Die deutsche Mannschaft scheint stark und ausgeglichen besetzt zu sein, auch Severin Freund ist nach langer Pause wieder dabei.

Die alpinen Skisportler haben weniger Hoffnung, bei den Damen tut sich nach dem Rücktritt von Viktoria Rebensburg eine große Lücke auf, bei den Herren sieht es besser aus, doch Siege dürften Mangelware sein, zumal sich der beste Abfahrer Thomas Dreßen einer Operation an der Hüfte unterziehen musste. Die Langläufer kämpfen um den Anschluss, Bundestrainer Peter Schlickenrieder hofft auf eine WM-Medaille in der Mannschaft, schränkt aber ein „das wäre ein Jahrhundert-Ereignis“. Besser sieht es in der Nordischen Kombination aus, wo die zuletzt dominierenden Norweger angegriffen werden sollen. Vinzenz Geiger und Eric Frenzel wollen vorne dabei sein, nach dem Abgang von Trainer Ronny Ackermann sollen unter Anleitung des Österreichers Heinz Kuttin vor allem die Sprungleistungen wieder besser werden.

Auffallend, dass zu Saisonbeginn sich die nordischen Skisportler und Biathleten zunächst mal nach Finnland zurückgezogen haben. Bei den Biathleten gibt es in Kontiolahti gleich eine Doppelveranstaltung. Die Damen und Herren mit dem Gewehr sind die Fernsehlieblinge in Deutschland mit den höchsten Einschaltquoten, doch die Fans wollen Erfolge sehen. Die sind vor allem wieder Denise Herrmann zuzutrauen, die Weltcup-Dritte des Vorjahres, die unter dem neuen Schießtrainer Engelbert Sklorz ihre Schießschwäche ausmerzen will und nach dem Gesamtweltcup greift. Sieben Damen gehören zur ersten Leistungsgruppe, dabei stehen auch Franziska Preuß und Vanessa Hinz vorne dran, Maren Hammerschmidt kehrt zurück. Dafür beginnen Franziska Hildebrand und Karolin Horchler die Saison im B-Team. Bei den Herren sind die bekannten Namen dabei. Simon Schempp will nach Krankheit wieder angreifen, Benedikt Doll und Arnd Peiffer vervollständigen das Führungstrio. Erik Lesser hat auf den letzten Drücker die Qualifikation ins A-Team geschafft, das zehn Herren bilden. Eine starke Basis ist also vorhanden, die Konkurrenz aber mit den überragenden Athleten Johannes Tignes Bö und Martin Fourcade riesengroß.

Der Wintersport startet, der Winter darf also kommen, der Schnee darf kommen und die Medaillen sollten kommen. Dann heißt es wirklich „viel Spaß beim Wintersport“. Ob allerdings die Freizeitsportler auch ihren gewohnten Spaß auf Pisten und Loipen haben können, das steht in Corona-Zeiten doch in den Sternen. Wer zu Hause bleiben muss, sorgt dann zumindest für gute Einschaltquoten im Fernsehen.

Hansi Flick und der gordische Knoten

Na bitte, die Kritiker der Fußball-Bundesliga bzw. des FC Bayern München können jetzt beruhigt sein. Die Bundesliga ist auch an der Spitze wieder spannend und der Serien-Meister der letzten Jahre macht derzeit keine Anstalten wieder einen Alleingang zu starten. Das ist allerdings keine Reaktion auf die Kritiken, sondern der Corona-Pandemie und dem engen Terminplan geschuldet. Acht Spiele in vier Wochen stehen auf dem Programm. Dass es Probleme geben würde, konnte jeder ahnen und jetzt sind sie da. Bayern-Trainer Hansi Flick sieht sich dabei in der schwierigen Aufgabe, einen gordischen Knoten zu lösen. Stellt er seine beste Elf auf, um mit Sicherheit die Punkte einzufahren und riskiert dabei eine Übermüdung seiner Stammspieler oder riskiert zur Erholung des Stammpersonals den Einsatz der zweiten Reihe und damit mögliche Punktverluste. Das kann, muss aber nicht gutgehen. Dies machte das 1:1 gegen Werder Bremen deutlich. Das waren nicht die Meister-Bayern, sondern eher ein von Müdigkeit und Verletzungspech gebeutelter Tabellenführer. So riss die Serie von 19 Siegen in Folge gegen die Bremer, die sich tapfer wehrten und den Punktgewinn verdient hatten. Es war sogar mehr drin, doch Bayern-Kapitän Manuel Neuer hielt wieder einmal Unhaltbare. Er sollte sich nicht auch noch verletzen.

Die Konkurrenz schaut keineswegs mit dem Fernrohr nach München, sondern befindet sich in Lauerstellung. RB Leipzig hätte aufschließen können, doch das verhinderte ebenfalls ein 1:1, nämlich beim Angstgegner Frankfurt. Dortmund meldete aber gleich doppelt Ansprüche an, Boss Watzke betonte in dieser Woche selbstbewusst „wir haben die Meisterschaft immer im Visier“, was Torjäger Erling Haaland mit vier Treffern bei Hertha BSC Berlin unterstrich. Dortmund trumpfte wieder einmal auf, dass selbst die Bayern aufhorchen müssen. Allerdings folgten bei den Borussen solchen Glanztagen oft wieder unverständliche Schwächen. Bleibt es bei Glanztagen könnte auch die Meisterschale glänzen.

Aber nicht der Kampf um die Meisterschaft beherrschte die Schlagzeilen, sondern das Debüt des erst 16-Jährigen Youssoufa Moukoko, der am Freitag Geburtstag feierte und am Samstag um 22.16 Uhr neuer jüngster Rekordspieler der Bundesliga wurde. In der 85. Minute eingewechselt, durfte er noch ein paar Minuten Bundesliga-Luft schnuppern. Der U20-Nationalspieler (!) gehört ab sofort fest zum Bundesliga-Kader der Dortmunder. Es scheint ja ein Kampf um die jungen Spieler bei den Spitzenteams im Gang zu sein. Bei Dortmund etabliert haben sich bereits der 17-Jährige Bellingham und der 18-Jährige Reina. Hansi Flick brachte den erst 17-Jährigen Jarmal Musiala von Anfang an und bald wird wohl der 18-Jährige Nianzou sein Saison-Debüt feiern. In Leverkusen gilt der 17-Jährige Wirtz nach dem Abgang von Havertz als Mann der Zukunft. Bald werden die Klubs ihren Nachwuchs schon im Kindergarten verpflichten.

Die Klubs am Tabellenende müssen erst mal die Gegenwart meistern, die nahe Zukunft sieht zum Teil düster aus. Vor allem bei Schalke 04. Mannschaft und Verein scheinen am Ende, es gibt kein Aufbäumen und keine Lösungen, Trainer Manuel Baum bringt die Probleme nicht in den Griff, es scheint, die gestandenen Bundesliga-Profis haben das Fußballspielen verlernt. 24 sieglose Spiele in Folge können nicht aus dem Kleidern geschüttelt werden, im Hintergrund lauert der „Rekord“ von Tasmania Berlin mit 31 sieglosen Spielen. Gladbach und Leverkusen sind übrigens die nächsten Gegner. Schalke ist Schlusslicht, Schalke verzweifelt, Schalke zerbricht, die zweite Liga droht. Bereits nach acht Spieltagen ist eine Tendenz sichtbar: Die fünf Klubs am Tabellenende, angefangen von Freiburg (das seltsam schwächelt) über Mainz, Bielefeld (der Neuling ist noch nicht angekommen) und Köln bis eben Schalke, werden die Absteiger unter sich ausmachen. Hoffnung darf aktuell allein Mainz haben nach dem 3:1-Sieg in Freiburg.

Im Advent zählt vor allem der Fußball

Vor Weihnachten beginnt normalerweise die stade, die ruhige Zeit, doch von Ruhe kann im Fußball keine Rede sein. Ganz im Gegenteil, auf Europas Bühnen geht der Stress wieder los, im Advent zählt vor allem der Fußball. Drei Wochen hintereinander wird das Restprogramm von Champions League und Europa League durchgepeitscht. Erfolgreich ist, wer durchhält.

Die deutschen Klubs hatten ja bisher eine gute Saison, auch hier gilt durchhalten. Die Bayern, Gladbach und Dortmund grüßen als Tabellenführer, Leipzig ist punktgleich mit Spitzenreiter Manchester United. Hier gibt es noch ein hartes Programm, am Dienstag steht das Rückspiel in Paris bevor. Thomas Tuchel und seine Stars brennen auf Revanche für die 1:2-Niederlage im Hinspiel, sie ist auch ihre letzte Chance auf das Weiterkommen. Die Überraschungsmannschaft ist Borussia Mönchengladbach, das mit Unentschieden nach späten Gegentreffern gegen Mailand und Madrid eine noch bessere Ausgangsposition sogar verspielt hat. Hoffentlich droht kein „Remis-Traum“, denn auch in der Bundesliga gegen Augsburg gab es eine unglückliche wie unnötige Punkteteilung. Am Mittwoch sollte es kein Remis geben, da kommt Donezk, das im Hinspiel mit 0:6 unterging, aber keineswegs so schlecht ist, wie das Ergebnis aussagt. Die Bayern wiederum wollen Unentschieden auch nicht zur Gewohnheit werden lassen und können mit einem erneuten Sieg über RB Salzburg (Hinspiel 6:2) das Achtelfinale buchen. Die Bayern wollen vor allem ihre Rekord-Erfolgsserie ausbauen, die bisher bei 14 Siegen steht, haben aber personelle Probleme, Tolisso und Hernandez sind neben den Langzeitverletzten fraglich.

Nach der Länderspielpause geht es also wieder rund, wobei es in Deutschland nach dem 0:6 in Spanien noch erhebliche Nachwehen gibt. Bezeichnend: Bundestrainer Joachim Löw baute auf Bayerns Abwehr-Ass Niklas Süle, Vereinscoach Hansi Flick verbannte ihn auf die Tribüne, weil er nicht in Form sei. Er sie wohl beim Nationalteam endgültig verloren. Erhebliche Nachwehen hat vor allem Jogi Löw, über den das DFB-Präsidium am 4. Dezember diskutieren oder sogar richten will. Löw wiederum macht deutlich, dass seine Zeit wohl vorbei ist. Seine Lösung sieht so aus: „Wir müssen alles hinterfragen, wir müssen uns auch selbst hinterfragen.“ Das kommt uns bekannt vor, er hat es schon nach der WM-Pleite 2018 gesagt. Lösungen hat er offensichtlich nicht gefunden. Vielleicht sollte er sich ein Beispiel an Andreas Möller nehmen. Der sagte einst, „ich bin selbstkritisch, sogar mir selbst gegenüber“. Es mehren sich die Stimmen, die Ralf Rangnick als adäquaten Nachfolger von Jogi Löw sehen. Der Aufbau einer starken EM-Mannschaft ist dem Weltmeister-Coach nicht mehr zuzutrauen. Mehr zumThema Löw in der nächsten Kolumne „Jogi Löw und DFB-Elf haben sich demaskiert“.

Immer ist von Rekorden die Rede, ein Blick zu Nachbar Frankreich. Dort ist eine beeindruckende Serie zu Ende gegangen. Nach 73 Spielen ohne Niederlage und zahlreichen Titeln haben die Frauen von Olympique Lyon um Dzsenifer Marozsan erstmals wieder verloren. Doppelte Duplizität der Ereignisse: Zuletzt verlor Lyon am 31. Mai 2018 das französische Pokalfinale mit 0:1 gegen Paris St. Germain, am 20. November 2020 gab es jetzt wieder ein 0:1 gegen Paris, den Verein von Sara Däbritz, diesmal in der Punktrunde. Die Torschützin bei beiden 0:1 heißt Marie-Antoiniette Katolo! In der Liga war Lyon sogar 80 Spiele ungeschlagen! Alles hat einmal ein Ende…

Jogi Löw und die DFB-Elf haben sich demaskiert

Deutschland ist erschüttert. Offensichtlich hat die Fußball-Nationalmannschaft doch noch einen hohen Stellenwert im Land, wenn das 0:6 von Sevilla so hohe Wellen schlägt. Es ist ja auch ein historisches Ergebnis, eins, auf das man gerne verzichtet hätte. Bastian Schweinsteiger als ARD-Experte hatte nur ein Wort dafür: „Entsetzlich!“. Jetzt wissen wir, wie sich die Brasilianer 2014 nach dem 1:7 gegen Deutschland gefühlt haben. Komisch, bei beiden Spielen war Joachim Löw der Bundestrainer. Aber der inzwischen 60-Jährige Löw ist nicht mehr der Jogi vom Titelgewinn 2014, eher der von der WM-Pleite 2018 in Russland. Auf jeden Fall bleibt festzuhalten: Jogi Löw und die DFB-Elf haben sich demaskiert. 0:6 verlor eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft zuletzt 1931 gegen Österreich. Was Hoffnung macht, damals sorgte diese Blamage im Rahmen der brisanten Diskussionen um die Einführung des Profi-Fußballs für eine Initialzündung. So eine könnte der DFB jetzt gebrauchen. Motto: Es kann nur besser werden.

Aber jetzt: Maske ab. Jogi Löw hat sich vor und während dieser Pleite gegen Spanien demaskiert. Unverständnis rief schon die Ausbootung der altgedienten Hummels, Müller und Boateng hervor. Die Begründung war sogar nachvollziehbar, dass er nun eine neue, junge Mannschaft aufbauen wolle, doch gerade die brauchen eigentlich erfahrene Stützen. Sein Pech: Inzwischen sind die drei viel besser in Form als zur Zeit seiner Entscheidung. Was in diesem Zusammenhang noch mehr irritiert, ist die Tatsache, dass der Bundestrainer an einige Kandidaten festhält, die in ihren Vereinen nur noch zweite Wahl sind. Nico Schulz und Julian Brandt zum Beispiel in Dortmund, Jonathan Tah in Leverkusen. Ausgerechnet Tah wurde in Sevilla in der zweiten Halbzeit aufs Feld geschickt, um Stabilität zu bringen. Er brachte noch mehr Unsicherheit – Maske ab!

Der Bundestrainer aber saß draußen, zerknirscht, sichtbar ohnmächtig, ohne Regung. Er hätte von außen einwirken müssen, umstellen, versuchen, den Spielern auf dem Feld Sicherheit zu geben. Nichts von alledem geschah. Kein Wunder, dass die Zweifel an Löw wachsen. Maske ab! Bei einer kicker-Umfrage stimmten 94 Prozent der Fans für eine Ablösung von Löw. Der Verband will die Zweifel zerstreuen und an ihm festhalten. Vielleicht nur vorerst, weil ein Schnellschuss auch nicht das richtige Mittel ist. Vielleicht nur deshalb, weil es an geeigneten Kandidaten fehlt. Christoph Daum oder Peter Neururer werden es kaum sein, Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann stehen nicht zur Verfügung. Einer wäre frei: Ralf Rangnick, einst als „Fußball-Professor“ verspottet, eher ein „Macher“. Sogar Löws früherer Assistent Hansi Flick wird genannt, doch der schwimmt derzeit bestimmt lieber auf der Bayern-Erfolgswelle. Die Bayern gewinnen lieber 6:0…

Von draußen kam keine Hilfe, auf dem Rasen fehlten allerdings auch Führungsfiguren. Einzig Manuel Neuer brachte seine normale Leistung, schimpfte wie ein Rohrspatz, versucht verzweifelt aufzurütteln und anzutreiben. Schade für ihn, er erlebte mit seinem 96. Länderspiel ein trauriges Rekordspiel. Ansonsten tauchten alle ab, die sonst genannten Stützen erweisen sich immer mehr als Schönwetter-Fußballer. Läuft es, läuft es bei ihnen auch, aber Halt geben sie einem Ertrinkenden nicht. Maske ab bei Toni Kroos und Ilkay Gündogan vor allem, sie sind keine Führungsfiguren. Leon Goretzka mag sich gedacht haben, „hätte ich nur Jos Kimmich neben mir“. Die Stürmer talentiert, aber schwankend in den Leistungen, auch sie brauchen Halt. Die Abwehr oft eine Katastrophe, Matthias Ginter als Rechtsverteidiger hilflos, Niklas Süle im Moment kein Chef, er sucht nach seiner Form, Robin Koch und Philipp Max noch unerfahren, alle gingen unter. Gerade Max wird sich grämen, „ausgerechnet zur größten Pleite holt Löw mich erstmals in die Auswahl“. Es ist wie in den Vereinen, eine Mannschaft kann man nicht gänzlich austauschen, aber ein besserer Trainer könnte mit diesen Talenten und einigen Stützen viel erreichen. Es tut weh, aber manchmal müssen auch Weltmeister erkennen, wenn ihre Zeit vorbei ist. Die Zeit von Müller, Hummels und Boateng ist vielleicht noch nicht vorbei.

Auffallend, dass vor dem Spiel gerade bei den Spaniern geschimpft wurde, während im deutschen Lager Zuversicht herrschte. „Wir holen den Gruppensieg“, hieß es unisono, ein Unentschieden hätte gereicht, die Nations League wurde plötzlich zum attraktiven Wettbewerb. Bei Spanien geriet ausgerechnet Trainer Luis Enrique unter Druck, die letzten Leistungen waren schwach, Torchancen wurden reihenweise vergeben, die Ergebnisse 0:0 gegen Portugal, 0:1 Ukraine, 1:1 Niederlande und 1:0 sowie 1:1 gegen die Schweiz waren keine Lichtblicke. Die Stammelf war es dann nicht, die für Deutschlands Debakel sorgte, es war eine verjüngte Mannschaft. Es geht also doch mit jungen Spielern. Ob das Bierhoff und Co. Hoffnung macht?

Jetzt ist erst einmal Pause bis Ende März 2021. Aber Jogi Löw kann nicht in Ruhe seinen Espresso schlürfen, er wird wachen Auges die Verbandsbosse um Präsident Fritz Keller und Sportdirektor Oliver Bierhoff beobachten, ob die Pause nicht doch zu einer Wachablösung genutzt wird. Nichts nutzen wird dem Bundestrainer wenn er darauf verweist, dass seine Mannschaft in den sieben Spielen vorher ungeschlagen blieb. Begeisterung weckte sie nämlich 2020 nie, die Ergebnisse (1:1 Spanien, 1:1 und 3:3 Schweiz, 2:1 und 3:1 Ukraine, 3:3 Türkei, 1:0 Tschechien) wurden eher mit dem Hinweis versehen, früher hat die Mannschaft besser gespielt. Vielleicht wird es künftig so gut wie früher. Möglich wäre es schon, so ein 0:6 kann aufrütteln.

Sport und Corona: Der Ritt auf der Rasierklinge

Jeder wünscht sich in diesen Pandemie-Zeiten eine Rückkehr zur Normalität. Doch die Welt wird noch einige Zeit mit Covid-19 leben müssen, der Sieg über Corona und damit wieder ein unbeschwerter Alltag steht in Sternen. Einschränkungen müssen alle hinnehmen, natürlich auch der Sport. Aber gerade der Profi-Sport versucht in seinem Spielbetrieb ein Stückchen Normalität zu erreichen, um seine Spiele durchzubringen. Es zeigt sich aber immer mehr, dass dies ein Ritt auf der Rasierklinge ist.

Der Fußball steht natürlich im Mittelpunkt, in diesen Tagen nicht durch die nationalen Punktrunden, sondern in Europa durch die Nations League, in Südamerika durch die WM-Qualifikation und ansonsten international durch Länderspiele. Wo auch immer, es wird munter herumgereist und zu selten werden die Hygiene-Bestimmungen beachtet oder sogar streng eingehalten. Corona hätte auch fast das Spiel der Deutschen gegen die Ukraine verhindert, nachdem fünf Teammitglieder des Gegners positiv getestet wurden. Das Gesundheitsamt in Leipzig zeigte sich großzügig, glaubte den eher schöngefärbten Aussagen der Ukrainer, wohl, um keine Absage festlegen zu müssen. Fragwürdig. Strenger waren die Norweger, die ihre Fußballer wegen Corona nicht nach Rumänien reisen ließen. Aber auch Handballer, Basketballer und andere reisen munter durch die Welt, gerade im Basketball herrscht eine Terminenge ohnegleichen, es geht von Ort zu Ort. Dabei mehren sich im Sport die positiven Corona-Tests – ein Warnzeichen. Aber der Streit im Handball, ob die Weltmeisterschaft im Januar 2021 in Ägypten zu spielen tragbar ist oder nicht, zeigt, wie unterschiedlich mit Corona umgegangen wird. Da der Kampf ums Geld, um Aufmerksamkeit und vielleicht sogar Fortbestand einer Sportart, der Verbände und Vereine, dort die Angst vor Infektion und der Wille zur Einschränkung, weil die Gesundheit im Vordergrund steht.

Bleiben wir beim Fußball, es wird gespielt. Sportlich sendete die deutsche Nationalmannschaft positive Signale, beim 3:1 gegen die (geschwächte) Ukraine war nicht alles Gold was glänzt, aber es zeigte sich deutlich, dass das DFB-Team, wenn fast in Bestbesetzung (Kroos und Kimmich fehlten), schon ein Hoffnungsträger auf bessere Zeiten sein kann. Gerade vor einem Turnier hat es Bundestrainer Joachim Löw meist fertiggebracht, die Mannschaft in Form zu bringen. Jetzt fehlt ihm jegliche Vorbereitung. Jogi Löw beendete mehr oder weniger auch die Testphase, er machte deutlich, dass es jetztt um die Plätze im Team geht. Dabei dürfen sich drei aus dem erweiterten Kreis bzw. Neulinge EM-Hoffnungen machen: Robin Koch als defensiver Stratege, Philipp Max als Alternative als Linksverteidiger und Florian Neuhaus im Mittelfeld machten auf sich aufmerksam.

„Unbedeutender Wettbewerb“, so setzen viele Kritiker die Nations League herunter, doch es gibt eindeutige Beweise, dass die Idee, die dahinter steckt, zu akzeptieren ist. Das Testspiel der DFB-Elf gegen Tschechien sahen nur 5,42 Millionen Zuschauer im Fernsehen, für die Kritiker der Beweis, dass die Nationalmannschaft an Zustimmung verloren hat. Die Ukraine war bestimmt kein attraktiverer Gegner, aber es ging wenigstens ein bisschen um was, so dass sich 8,16 Millionen am Samstag im ZDF für das Spiel interessierten, das waren mehr Zuschauer als der „Tatort“, immerhin eine Kultsendung, am Sonntag hatte (7,85 Millionen). Ganz so leicht lassen die Fußball-Fans Deutschlands einst liebstes Kind halt doch nicht fallen. Und sportlich gibt es auch eine gute Nachricht: Mit dem Sieg sind die Löw-Schützlinge in der WM-Qualifikation als Gruppenkopf gesetzt, werden also nicht auf die stärksten Nationen als Gegner treffen. Mit einem Unentschieden am Dienstag in Sevilla gegen Spanien wäre sogar der Gruppensieg in der Nations League geschafft (Finalrunde im Oktober 21), letzte Saison war Deutschland eigentlich Absteiger, blieb durch eine Aufstockung aber in der Liga A der besten Nationen.

Bundesliga: Sechs Spieltage bis Weihnachten

Wegen der Corona-Krise wird derzeit unter anderem diskutiert, wie das Weihnachtfest in diesen verrückten Zeiten ausschauen wird. Für Fußball-Fans gibt es zumindest das passende Geschenk: Fußball ohne Ende. Die Bundesliga startet am kommenden Wochenende mit ihrem Endspurt für dieses Jahr und der sieht noch sechs Spieltage bis Weihnachten vor. Am 20. Dezember wird noch gespielt (am 22. und 23. 12. ist noch Pokal), am 2. Januar geht es schon weiter. Weihnachten so richtig entspannt feiern, ist für die Fußball-Profis nicht drin. Wer auf Europas Bühnen beschäftigt ist, hat zusätzlich noch drei Spieltage unter der Woche zu absolvieren. Die Hetzjagd geht also weiter (siehe auch die nachfolgende Kolumne „Hetzjagd hinterlässt Spuren beim Fußball Europas“).

Mit dem Schlagerspiel Dortmund – Bayern verabschiedete sich die Bundesliga in die Länderspielpause, zum Neustart hat die Liga ähnliches nicht zu bieten. Aber inzwischen haben sich ja die Fronten einigermaßen geklärt und die Augen sind vielleicht sowieso eher auf das Tabellenende gerichtet und auf die Frage, wann denn Mainz, Schalke und Köln erstmals gewinnen und ihre Sieglosserien beenden. Ob das in Freiburg (Mainz), gegen Union Berlin (Köln) oder Wolfsburg (Schalke) gelingt? An der Tabellenspitze gibt es das nächste Schlagerspiel am Samstag, 5. Dezember (18.30 Uhr), da erwarten die Bayern RB Leipzig. Passend rund um den Nikolaustag quasi ein Nikolausgeschenk der Bundesliga für die Fans, deren größtes Geschenk in diesem Jahr wohl nicht mehr kommt, nämlich endlich wieder in die Stadien zu dürfen.

Die Bayern-Frauen haben es übrigens den Männern nachgemacht, sie haben auch das Schlagerspiel gewonnen und sind nach dem überraschend deutlichen 4:1 gegen den VfL Wolfsburg, dem Meister der letzten vier Jahre, auf dem besten Weg ihr Ziel zu erreichen, nämlich die Dominanz der Wölfinnen zu brechen. Dabei wird deutlich, dass die Einkaufspolitik der Bayern-Mädchen sehr erfolgreich war. Die Neuzugänge Viviane Asseyi (Torjägerin aus Frankreich/Bordeaux) und Marina Hegering (Essen) gehörten neben Lineth Beerenstyn zu den Torschützinnen, Clara Bühl (Freiburg) glänzte als Vorbereiterin und auch die Schwedin Hanna Glas (Paris) zeigt sich als wertvolle Verstärkung. Der Ehrentreffer per Elfmeter von Lena Goeßling war der erste Gegentreffer der Bayern in dieser Saison – am 9. Spieltag! Aber alle wehren ab: Noch ist nichts entschieden.