Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Brasilien

Ist der Spitzensport nur noch Betrug?

 

Sport macht Spaß. Dann, wenn wir morgens das Haus oder die Wohnung verlassen und ein bisschen Joggen gehen können. Das macht munter für den Tag und den Kopf frei. Der Freizeit- und Gesundheitssport macht Spaß und hat positive Auswirkungen auf den Menschen selbst. Sport macht auch Spaß für die Fans, die ihre Mannschaft unterstützen, die mitzittern und mitjubeln, egal beim Profi- oder Amateursport. Was den Spitzensport angeht, da sollten sie allerdings die Hintergründe ausblenden und sich lieber keine Gedanken über den Sport machen.

Sport macht keinen Spaß, wenn es sich um den Spitzensport handelt und wir uns nicht vom reinen sportlichen Geschehen mitreißen lassen, sondern hinter die Kulissen schauen. Da müssen wir uns die Frage stellen: Ist der Spitzensport nur noch Betrug? Gerade die Ereignisse der letzten Wochen, u. a. im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro werfen diese Fragen auf, sie sind aktuell und alt zugleich. Alt ist nämlich die Dopingsucht im Sport, die jetzt nur wieder neu aufgetischt wird und mit neuen Untersuchungsmethoden und mit neuen Ermittlungen wurde ein besonders großer Dopingsumpf aufgedeckt. Staatsdoping ist sicherlich nichts Neues, das vermuteten viele schon früher zu Zeiten des großen Sozialismus, als der Sport als ein beliebtes Vehikel missbraucht wurde, um zu zeigen, wie großartig der Sozialismus ist. Erstaunlich, dass jetzt das Staatsdoping in Russland aufgedeckt werden konnte. Leider steht Russland keinesfalls alleine da, in vielen Fällen fehlen halt die Beweise.

Aber Doping ist es nicht allein, in den letzten Monaten hat uns die Korruption in den Fußball-Verbänden rund um Joseph Blatter und Michel Platini ebenso geärgert, wie zuvor schon viele Veröffentlichungen über Wettbetrug und Manipulationen. Ist es womöglich so, dass man im Profisport den ehrlichen Sport mit der Lupe suchen muss?

Die Leidtragenden sind die ehrlichen Sportler, die zahlreiche, manchmal entwürdigende Dopingkontrollen über sich ergehen lassen müssen und dennoch am Ende vielleicht um ihren Sieg betrogen werden. Leidtragende sind wir Fans und Zuschauer, wenn wir Siegern zujubeln, die den Erfolg eigentlich nicht verdient gehabt hätten. Leidtragende sind aber auch Sieger, deren große Leistung in Zweifel gezogen wird. Das aktuelle Beispiel ist derzeit wieder einmal die Tour de France. Der Brite Christopher Froome fährt allen davon, allein das ist verdächtig und nährt die Zweifel. „Ohne Doping geht das nicht“, sagen Experten und Laien gleichermaßen zur die Hetzjagd über die Berge.

Sport macht Geld, heißt, im Profisport kann man viel verdienen (muss aber nicht, in vielen Sportarten leben die Aktiven nur von Zuschüssen und Spenden), im Profisport wird viel Geld umgesetzt. Dort, wo der Sport für Popularität sorgt, fließen auch die Gelder und dort, wo das Geld fließt, ist der Betrug nah. Ein Teufelskreis, den ausblenden muss, wer den Sport genießen will. In diesem Sinne: Spaß beim Sport!

Hoffen wir, dass bald die Olympischen Spiele in Brasilien Spaß machen mit den richtigen, sauberen Siegern. Die nächsten Kolumnen werden sich mit Olympia beschäftigen. Nach dem Motto: Der Sport-Grantler macht Spaß (und ist frei vom Betrug)!

Fußball bei Olympia: Kein großes Turnier!

 

Nach dem Ende der Europameisterschaft fragte mancher, „und wann ist das nächste große Turnier?“, und gab sich manchmal selbst die Antwort: „Ach ja, jetzt kommt ja Olympia und da ist ja Fußball auch dabei.“ Genau, Fußball ist dabei, steht aber keineswegs im Mittelpunkt, sondern ist eher Mitläufer, denn der Weltverband will keine Konkurrenz zur FIFA-Weltmeisterschaft oder den kontinentalen Meisterschaften. Die Olympischen Spiele sind beim Fußball kein international gesperrter Termin, es herrscht für die Vereine deshalb auch keine Abstellungspflicht.

Schade eigentlich, denn nur für die Fußballer übt Olympia nicht den großen Reiz aus, wie für die anderen Sportler. Früher war es natürlich ein bisschen anders, da blieben die Olympischen Spiele den Amateuren vorbehalten und auch im Fußball traten Amateur-Nationalmannschaften an. Aber zwischen Amateur und Profi war bald schon nicht mehr richtig zu unterscheiden. Irgendwann war Olympia generell für die Profis offen. Aber, wie gesagt, das Olympia-Turnier durfte keine Konkurrenz zu WM oder EM werden, deshalb treten bei den Männern U23-Teams an, die durch drei ältere Spieler ergänzt, wenn möglich verstärkt, werden dürfen. Bei den Frauen ist das anders, die freuen sich über eine zusätzliches „großes Turnier“ neben Welt- und Europameisterschaft.

Zurück zu den Männern. Die Nominierung der deutschen Olympia-Mannschaft machte das Dilemma deutlich. Bei den Spielern und Verantwortlichen herrschte große Freude, als sich die U21 endlich wieder einmal für Olympia qualifizierte, doch es gab auch gleich warnende Stimmen, „was wird die Bundesliga sagen?“ Die zeigte sich sogar großzügig, verlegte den Bundesliga-Start um eine Woche nach hinten, verlangte aber Entgegenkommen. Spieler, die der Verein brauchte, durften nicht berücksichtigt werden, außerdem durften es nur zwei Spieler pro Verein sein. Die Auswahl wurde zum Puzzle-Spiel, es ging nicht mehr um Leistung, sondern um die Genehmigung. Heraus kam eine Auswahl, die keineswegs als Wunschaufgebot von Trainer Horst Hrubesch bezeichnet werden kann. Dennoch behaupten die Spieler: „Olympia wird ein Erlebnis, das ist für uns nicht nur ein Trostpflaster.“

Das ist in anderen Ländern nicht so, gerade in Afrika und Südamerika wird Olympia große Bedeutung beigemessen, das zeigt sich auch mit einem Blick auf die Siegerliste der letzten Jahre: 1996 Nigeria, 2000 Kamerun, 2004 Argentinien, 2008 Argentinien, 2012 Mexiko. Die deutsche Mannschaft war letztmals 1988 dabei und holte da Bronze. Spieler, die damals in Seoul dabei waren schwärmen noch davon. Bekannt sind heute noch Uwe Kamps, Jürgen Klinsmann, Thomas Häßler, Wolfram Wuttke, Frank Mill und Karl-Heinz Riedle. Trainer war der vor kurzem verstorbene Hannes Löhr. Im Gegensatz dazu wurde die frühere DDR 1976 in Montreal sogar Olympiasieger.

Ein großes Turnier werden die Spiele in Rio de Janeiro aber zweifellos für Gastgeber Brasilien. Da dreht sich alles um Superstürmer Neymar, der die Copa America ausgelassen hat, um Olympiasieger zu werden. Das war Brasilien noch nie, zuletzt 2012 gab es Silber und davor Bronze. Jetzt soll es eben Gold sein, was dem arg krisengeschüttelten Fußball in Brasilien vielleicht wieder auf die Beine helfen würde. Es wäre aber fast ein Wunder nach den vielen Enttäuschungen zuletzt bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land und der Copa America.

Bei den Frauen hat Brasilien vielleicht eher eine Chance, hier dominierte zuletzt allerdings die USA das Geschehen, die seit 1996 mit der Ausnahme von 2000 (Norwegen) immer Gold holte und ebenfalls wieder zum Favoritenkreis zählt. Gerechnet werden darf aber mit Brasilien mit Galionsfigur Marta und natürlich mit Deutschland. Die deutschen Frauen fehlten in London und holten 2000, 2004 und 2008 jeweils Bronze. Der mehrfache Weltmeister möchte gerne auch mal Gold.

Die Fußball-Turniere beginnen bereits vor dem offiziellen Start der Spiele und werden im ganzen Land in den WM-Stadien ausgetragen. Die Tragik der Fußballer ist es, dass sie erst mal Erfolg haben müssen, um überhaupt zu „echten“ Olympiateilnehmern zu werden, nämlich ins Olympische Dorf einziehen zu können. Dazu müssen die Entscheidungsrunden erreicht werden. Die deutschen Männer haben in der Gruppe C (vier Gruppen) „Titelverteidiger“ Mexiko (4.8., 22.00 Uhr MESZ in Salvador), Südkorea (7.8., 21.00 Uhr MESZ in Salvador) und die Fidschi Inseln (10.8., 21.00 Uhr MESZ in Belo Horizonte) als Gegner. Das Frauen-Turnier ist mit zwölf Nationen bestückt, Deutschland trifft in der Gruppe F auf Simbabwe (3.8., 23.00 Uhr MESZ in Sao Paulo), Australien (6.8., 23.00 MESZ in Sao Paulo) und Kanada (9.8., 21.00 Uhr in Brasilia). Die Mannschaften müssen auch Beschränkungen hinnehmen, denn die Kader dürfen nur eine Stärke von 18 Spielerinnen oder Spielern haben (sonst 23). Bei Verletzungspech steht allerdings Ersatz auf Abruf bereit.

Copa America schlägt die EM!

 

Die Fußball-Europameisterschaft holt die Deutschen derzeit auf die Sofas, das Fernsehen feiert hohe Einschaltquoten. Aber die Begeisterung ist dennoch gedämpft, Public Viewing ist nicht mehr der große Renner, da spielt natürlich auch das Wetter eine Rolle. Angst vor Terror und Nässe ersticken ein mögliches Sommermärchen im Keim. Aber auch sportlich lässt die Europameisterschaft Wünsche offen. Und dies, obwohl die sogenannten „Kleinen“ wie Wales oder Island für Begeisterung sorgen. Erstickt wird auch der begeisternde Fußball, nämlich im taktischen Geplänkel. Diesbezüglich könnte die kürzlich beendete Copa America, die „Europameisterschaft“ in Südamerika, als Vorbild dienen. Dort, so beobachtete es Österreichs Ex-Nationalspieler Andreas Herzog als Co-Trainer der USA, „wird der offensivere und technisch feinere Fußball mit der besseren individuellen Klasse geboten“. Klare Aussage: Die Copa America schlägt die Europameisterschaft!

Zum 100-jährigen Jubiläum wurde die „Copa America Centenario 2016“ in den USA ausgetragen und so waren auch die USA ausnahmsweise dabei. Nach anfänglicher Zurückhaltung gab es große Begeisterung im Land des Gastgebers, Erinnerungen an die Weltmeisterschaft 1994 wurden wach und die USA darf diese Copa auch als Bewerbung für die WM 2026 einreichen. Die Copa hatte den Vorteil, dass 16 Nationen am Start waren, so wie bisher ebenfalls bei der EM. Die Aufstockung auf 24 Nationen tat der EM in Frankreich nicht gut, aber eine Reduzierung wird es nicht mehr geben. Bei der Copa fielen auch viel mehr Tore, die Spiele konnten begeistern. Mit dem Ausscheiden von Brasilien bereits nach der Gruppenphase gab es ebenfalls einen großen Favoritensturz. Die Copa bot alles!

Die USA unter Jürgen Klinsmann schaffte es sogar ins Halbfinale, hatte aber beim 0:4 gegen Argentinien keine Chance. Im zweiten Halbfinale trafen sich die Mannschaften, die neben Argentinien am meisten begeisterten, nämlich Kolumbien und Chile, der Titelverteidiger und erneute Meister. Wieder setzte sich Chile (angeführt vom Bayern-As Arturo Vidal) im Finale gegen Argentinien im Elfmeterschießen durch und unterstrich, dass es in Südamerika die Rolle der Fußball-Großmacht von Brasilien übernommen hat. Im Land vom einstigen Super-Star Pele ist die Trauer groß, aber auch Argentinien jammert, weil Lionel Messi nach Final-Niederlagen in Serie mit der Nationalmannschaft die Lust verloren hat und seinen Rücktritt erklärte. Die Copa bot also alles, Begeisterung und tiefe Niedergeschlagenheit.

Was wird am Ende der Europameisterschaft nach dem Finale am 10. Juli stehen? Welche Fußball-Größen haben danach die Niederlagen satt? Einige Trainer haben schon ihren Abschied verkündet, weil ihre Mannschaften die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Das Brasilien von Europa war wohl England, das mit einer vermeintlich hoffnungsvollen Mannschaft in Frankreich antrat und am Ende gegen Island hoffnungslos unterging. Was noch fehlt für die letzte Woche ist spektakulärer Fußball frei von taktischen Zwängen, getragen von Begeisterung. Doch ist das in Europa überhaupt möglich?

Olympia: Russland ganz ausschließen!

 

 Die Fußball-Europameisterschaft bewegt hierzulande die Gemüter, aber auch die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro bringen sich ins Gespräch – und das gleich mehrfach. Im Mittelpunkt natürlich der Dopingskandal in Russland und die Suspendierung der russischen Leichtathleten. Das systematische Doping wurde (endlich) bestraft und die Sperre für den Leichtathletik-Verband Russlands verlängert. Das IOC hat schon verlauten lassen, dass Russlands Leichtathleten in Rio nicht starten dürfen (die endgültige Entscheidung fällt noch), doch es könnte auch Ausnahmen für saubere Athleten geben (gibt es die in Russland noch?). Dabei wäre eine noch härtere Strafe eher sinnvoller: Der totale Ausschluss Russlands für die Olympische Spiele in Brasilien!

Eines ist leider Tatsache: Der Dopingsumpf im Sport ist unüberschaubar und auf Dauer wohl kaum trockenzulegen. Nicht überall wird allerdings das Doping von Staatswegen verordnet und entsprechend verschleiert, wie es wohl in Russland der Fall war. Allein eine Zahl reicht für einen kompletten Ausschluss Russlands aus: 735 Dopingkontrollen konnten nicht durchgeführt werden, die Kontrolleure wurden massiv behindert und teilweise eingeschüchtert. Da reicht die Strafe für die Leichtathleten nicht!

Leider ist es so, dass der Kampf gegen das Doping vor allem von Journalisten und nur von wenigen Funktionären geführt wird. Selbst die Dopingagentur WADA gerät immer wieder ins Zwielicht. Informationen werden weitergegeben, Dopingkontrollen angekündigt. So erwischt man Sünder nicht. Innerhalb der Verbände wäscht oft eine Hand die andere, am Ende ist der saubere Sportler der Dumme. Deutschlands Athletinnen und Athleten müssen drei Monate im Voraus darlegen, wann sie wo sind, damit sie jederzeit für Dopingkontrolleure erreichbar sind, manchmal zu nachtschlafender Zeit. Nicht selten werden Trainingsabläufe gestört. Der Kontrast dazu: Doping über den Staat. Russland will in allen Bereichen gut dastehen und der Welt zeigen „wir sind die Nummer 1“, so der Wunsch von Präsident Putin. Bei Olympia in Sotschi ist ihm das gelungen, Russland war die Nummer 1 im Medaillenspiegel – und im Doping. In Brasilien wird Russland nicht die Nummer 1 sein, aber wer legt die Hand ins Feuer für andere russischen Sportler, die im Vorfeld von Olympia eben nicht kontrolliert werden konnten. Da bleibt nur der Ausschluss!

Im Übrigen müssen wir froh sein, wenn Olympia in Rio reibungslos über die Bühne geht. Wie gesagt, Olympia bringt sich ins Gespräch, leider nur mit negativen Schlagzeilen. Jetzt erschüttert auch die Meldung, dass die Provinz Rio de Janeiro pleite ist und Geld von der Regierung benötigt. Die Brasilianer leiden wie die Franzosen, bei denen bei der Europameisterschaft auch kein Jubel aufkommen will. Die Probleme im Land sind einfach zu groß, um sich an sportlichen Großereignissen zu erfreuen. Ganz im Gegenteil, sie werden als Last empfunden. Das haben sich UEFA und IOC eigentlich ganz anders vorgestellt. Wir müssen uns fragen, ob solche Mammutveranstaltungen überhaupt noch zeitgemäß sind. Und wenn, dann wollen wir zumindest sauberen Sport.

Fußball-WM vor einem Jahr: Erinnerungen und Zukunft

Deutschland schwelgt in diesen Tagen in Erinnerungen. Wahrscheinlich auch, weil man nie weiß, wann die glücklichen Sporttage wieder einmal zurückkommen. So ist es jetzt 30 Jahre her, dass ein damals unbekannter, 17jähriger Rotschopf überraschend Wimbledon gewann. Boris Becker wurde zu einem Idol der Deutschen, heute hat das Tennis hierzulande keine Idole mehr.

Das wird dem Fußball nicht passieren. Aber die Euphorie über den Gewinn des Weltmeister-Titels vor einem Jahr zeigte, wie eine ganze Nation nach dem großen Erfolg lechzte. Jetzt darf man wieder in Erinnerungen schwelgen: Vor genau 25 Jahren, am 8. Juli 1990, wurde Deutschland Fußball-Weltmeister in Italien, mit einem schmucklosen, aber verdienten 1:0 gegen Argentinien im Finale. Erinnerungen auch an den 8. Juli 2014, ein Tag, den sie in Brasilien lieber vergessen würden, das historische 7:1 im WM-Halbfinale von Belo Horizonte. Die logische Folge war dann der Titelgewinn Deutschlands am 13. Juli in Rio de Janeiro mit dem Kunstschuss von Mario Götze, der das Finale in der Verlängerung wieder gegen Argentinien, diesmal zugunsten von Deutschlands entschied. Damals war es ein Schuss in die Herzen der Fans, der Begeisterung auslöste und träumen ließ: Fußball-Deutschland steht vor einer großen Zukunft.

Gibt es einen WM-Fluch?

Und heute? Hat die große Zukunft bereits begonnen? Sie ist zweifelhaft geworden. Der Motor des Weltmeisters stottert, die Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 wird zu Qual und bietet keinen Fußball der Freude. Es scheint fast ein WM-Fluch über der Mannschaft zu liegen, gleich vier prominente Verbindungen der Spieler gingen in die Brüche: Sami Khedira trennte sich jetzt nach vier Jahren von dem Model Lena Gercke, einen Schlusspfiff gab es auch für Bastian Schweinsteiger und dem Model Sarah Brandner, Mesut Özil trennte sich von Sängerin Mandy Capristo und Manuel Neuer von seiner Jugendliebe Kathrin Gilch. Hat der WM-Pokal die Liebe getötet?

Keine Hoffnung auf Nachwuchs da und der Fußball-Nachwuchs dort hat seine Probleme und macht eher mit deftigen Niederlagen auf sich aufmerksam. Die U19 ist bei der Europameisterschaft schlecht gestartet (0:3 gegen Spanien), die U21 hat sich bei der EM blamiert (0:5) gegen Portugal, die U20 konnte nichts retten, ist bei der Weltmeisterschaft frühzeitig ausgeschieden. So sieht keine gute Zukunft aus. Da konnten auch die Frauen nichts mehr retten, nach Platz vier bei der Weltmeisterschaft in Kanada gibt es eher Streit als Zuversicht für die Zukunft. Schwelgen wir also lieber in Erinnerungen.

Die Rolle des 1:7 in Brasilien

Bei den Erinnerungen kommt also wieder Brasilien ins Spiel. Dort verarbeitet man das 1:7 auf eigene Art, es ist zu einem Synonym für schlechte Ereignisse geworden. Wie man hört, ist in Brasilien aber auch sonst Ernüchterung eingetreten, die Gewalt in den Favelas flammt wieder auf, die Korruption regiert nach wie vor und auch sonst ist die Lage unsicher geworden, selbst an der berühmten Copacabana ist man vor Überfällen nicht sicher. Da schwelgen die Brasilianer nicht Erinnerungen, aber ihr Blick geht gern in die Zukunft: Vom 5. bis 21. August 2016 finden die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro statt. Doch die Vorfreude ist gedämpft, Probleme gibt es an allen Ecken und Enden. Manche Bauten sind im Rückstand, Streiks fast an der Tagesordnung und der Umweltschutz wird mit Füßen getreten. Die Brasilianer würden auch gerne in Erinnerungen schwelgen. Aber da war dieses 1:7… Nun ja, sie können sich mit fünf WM-Titeln in der Vergangenheit trösten, Deutschland war bereits über den vierten Stern begeistert!

Was dem Sport-Grantler aufgefallen ist: Die entscheidenden Torschützen bei den WM-Finals von 1974 (Gerd Müller), 1990 (Andreas Brehme) und 2014 (Mario Götze) bleiben ewig in Erinnerung und sie haben eines gemeinsam: Sie spielten zur der Zeit jeweils für den FC Bayern München. Helmut Rahn war 1954 auch im Ruhrpott glücklich.

Sollte uns die Fußball-Zukunft enttäuschen (siehe Brasilien), so bleiben uns ja noch die Erinnerungen, die in diesen Tagen besonders stark sind.

Was ist mit Brasiliens Fußball los?

Was haben wir früher geschwärmt, vom Fußball in Brasilien! „Brasilianischer Ballzauber“ war der Inbegriff für hochklassigen Fußball. Hat einer neben den Ball getreten, so gab es als Trost die Bemerkung „bist halt kein Brasilianer“. Die Talente von der Copa Cabana, die im Sand den Ball besser beherrschten als wir auf der Straße oder im Gras, kamen uns vor wie höhere Wesen. Und seit dem Titelgewinn 1958, mit dem der Siegeszug der Mannschaft um den wohl noch heute besten Spieler aller Zeiten, Pelé, begann, wollte eigentlich jeder am liebsten ein Brasilianer sein. Immer noch ist Brasilien Rekord-Weltmeister mit den Titelgewinnen 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002.

Und heute? Heute ist die Frage, „was ist mit Brasiliens Fußball los?“. Große Hoffnung gab es durch die Titelkämpfe im eigenen Land vor einem Jahr. Diese Weltmeisterschaft sollte Brasilien den Fußball-Glanz zurückbringen, ein ganzes Land in Euphorie versetzen. Am Ende blieb Trauer zurück, ein Scherbenhaufen für den Fußball, die Schmach des 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland wirkt bis heute nach. Der nächste Rückschlag kam nämlich vor wenigen Tagen mit dem Aus gegen Paraguay mit 3:4 im Elfmeterschießen im Viertelfinale der Copa America in Chile. Auch Carlos Dunga, genannt „der Deutsche“, konnte es nicht richten. Brasilien musste zusehen, als am Samstag Erzfeind Argentinien und Gastgeber Chile das Finale bestritten. Es zeigte sich 2014 wie diesmal, dass Brasilien ohne den einzigen derzeitigen Superstar Neymar nicht gewinnen kann.

Brasilien will im Fußball wieder das Brasilien von früher werden und deshalb soll eine Experten-Kommission „Strategische Entwicklung“ für eine gute Zukunft sorgen. Aufgabe: Den Zustand analysieren, einen Aktionsplan aufstellen. Frühere Nationaltrainer wie Carlos Alberto Parreira (Weltmeister 1994) und Sebastiao Lazaroni haben ihre Mitwirkung zugesagt. Carlos Dunga soll ebenso dabei sein wie Ex-Spieler, Journalisten und Sport-Wissenschaftler. Die Talente, die es in Brasilien immer noch zuhauf gibt, sollen wieder zu Starspielern werden und nicht irgendwo bei zweitklassigen Klubs im Ausland verkümmern, weil sie zu früh dem schnellen Geld nachlaufen, froh, den Slums entkommen zu sein.

Ob dies für die Weltmeisterschaft 2018 schon reicht? Dieser Plan muss wohl langfristig greifen. So schwärmen wir hierzulande eher noch von den Stars der Vergangenheit, vom „Wundersturm“ um Pelé mit Vava, Didi und Garrincha, von Ronaldo, Rivaldo, Socrates, Roberto Carlos und vielen anderen.

Olympische Spiele als Hoffnung

Die Frage „was ist mit Brasiliens Fußball los?“ gilt auch für die Frauen. Auch die Frauen um die mehrmalige Weltfußballerin Marta galten bei fast allen WM-Turnieren als Mitfavorit, doch Titel holten sie keine. In Kanada kam das Aus gleich im Achtelfinale ausgerechnet gegen Australien und nicht gegen eine große Mannschaft. Im nächsten Jahr soll es bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro besser werden, aber derzeit sieht es für Männer und Frauen eher nach Trauer wie bei der WM und nicht nach Euphorie aus. Auch bei Olympia konnten Männer und Frauen bisher nie Gold gewinnen, es blieb höchstens Silber oder Bronze (Deutschlands Männer und Frauen kamen übrigens nie über Bronze hinaus). Vielleicht wird aber auch alles anders und die Olympischen Spielen der Start zu einer neuen Hochzeit des Fußballs in Brasilien. Hoffentlich müssen wir als amtierender Weltmeister (Männer) nicht bald fragen, „was ist mit dem Fußball in Deutschland los?“

Ein Gruß von Pelé

Übrigens: Der Sport-Grantler ist stolz, dass er in seinem Trophäen-Keller ein T-Shirt mit der Original-Unterschrift von Pelé hängen hat, von dessen Abschiedsspiel 1977 bei Cosmos New York. Pelés große Karriere ging damals zu Ende. Schöne Erinnerungen bleiben, schöne Erinnerungen an den großen Fußball Brasiliens. Der Sport-Grantler würde sich über eine große Zukunft von Brasiliens Fußball freuen.