Fußball bei Olympia: Kein großes Turnier!

von knospepeter

 

Nach dem Ende der Europameisterschaft fragte mancher, „und wann ist das nächste große Turnier?“, und gab sich manchmal selbst die Antwort: „Ach ja, jetzt kommt ja Olympia und da ist ja Fußball auch dabei.“ Genau, Fußball ist dabei, steht aber keineswegs im Mittelpunkt, sondern ist eher Mitläufer, denn der Weltverband will keine Konkurrenz zur FIFA-Weltmeisterschaft oder den kontinentalen Meisterschaften. Die Olympischen Spiele sind beim Fußball kein international gesperrter Termin, es herrscht für die Vereine deshalb auch keine Abstellungspflicht.

Schade eigentlich, denn nur für die Fußballer übt Olympia nicht den großen Reiz aus, wie für die anderen Sportler. Früher war es natürlich ein bisschen anders, da blieben die Olympischen Spiele den Amateuren vorbehalten und auch im Fußball traten Amateur-Nationalmannschaften an. Aber zwischen Amateur und Profi war bald schon nicht mehr richtig zu unterscheiden. Irgendwann war Olympia generell für die Profis offen. Aber, wie gesagt, das Olympia-Turnier durfte keine Konkurrenz zu WM oder EM werden, deshalb treten bei den Männern U23-Teams an, die durch drei ältere Spieler ergänzt, wenn möglich verstärkt, werden dürfen. Bei den Frauen ist das anders, die freuen sich über eine zusätzliches „großes Turnier“ neben Welt- und Europameisterschaft.

Zurück zu den Männern. Die Nominierung der deutschen Olympia-Mannschaft machte das Dilemma deutlich. Bei den Spielern und Verantwortlichen herrschte große Freude, als sich die U21 endlich wieder einmal für Olympia qualifizierte, doch es gab auch gleich warnende Stimmen, „was wird die Bundesliga sagen?“ Die zeigte sich sogar großzügig, verlegte den Bundesliga-Start um eine Woche nach hinten, verlangte aber Entgegenkommen. Spieler, die der Verein brauchte, durften nicht berücksichtigt werden, außerdem durften es nur zwei Spieler pro Verein sein. Die Auswahl wurde zum Puzzle-Spiel, es ging nicht mehr um Leistung, sondern um die Genehmigung. Heraus kam eine Auswahl, die keineswegs als Wunschaufgebot von Trainer Horst Hrubesch bezeichnet werden kann. Dennoch behaupten die Spieler: „Olympia wird ein Erlebnis, das ist für uns nicht nur ein Trostpflaster.“

Das ist in anderen Ländern nicht so, gerade in Afrika und Südamerika wird Olympia große Bedeutung beigemessen, das zeigt sich auch mit einem Blick auf die Siegerliste der letzten Jahre: 1996 Nigeria, 2000 Kamerun, 2004 Argentinien, 2008 Argentinien, 2012 Mexiko. Die deutsche Mannschaft war letztmals 1988 dabei und holte da Bronze. Spieler, die damals in Seoul dabei waren schwärmen noch davon. Bekannt sind heute noch Uwe Kamps, Jürgen Klinsmann, Thomas Häßler, Wolfram Wuttke, Frank Mill und Karl-Heinz Riedle. Trainer war der vor kurzem verstorbene Hannes Löhr. Im Gegensatz dazu wurde die frühere DDR 1976 in Montreal sogar Olympiasieger.

Ein großes Turnier werden die Spiele in Rio de Janeiro aber zweifellos für Gastgeber Brasilien. Da dreht sich alles um Superstürmer Neymar, der die Copa America ausgelassen hat, um Olympiasieger zu werden. Das war Brasilien noch nie, zuletzt 2012 gab es Silber und davor Bronze. Jetzt soll es eben Gold sein, was dem arg krisengeschüttelten Fußball in Brasilien vielleicht wieder auf die Beine helfen würde. Es wäre aber fast ein Wunder nach den vielen Enttäuschungen zuletzt bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land und der Copa America.

Bei den Frauen hat Brasilien vielleicht eher eine Chance, hier dominierte zuletzt allerdings die USA das Geschehen, die seit 1996 mit der Ausnahme von 2000 (Norwegen) immer Gold holte und ebenfalls wieder zum Favoritenkreis zählt. Gerechnet werden darf aber mit Brasilien mit Galionsfigur Marta und natürlich mit Deutschland. Die deutschen Frauen fehlten in London und holten 2000, 2004 und 2008 jeweils Bronze. Der mehrfache Weltmeister möchte gerne auch mal Gold.

Die Fußball-Turniere beginnen bereits vor dem offiziellen Start der Spiele und werden im ganzen Land in den WM-Stadien ausgetragen. Die Tragik der Fußballer ist es, dass sie erst mal Erfolg haben müssen, um überhaupt zu „echten“ Olympiateilnehmern zu werden, nämlich ins Olympische Dorf einziehen zu können. Dazu müssen die Entscheidungsrunden erreicht werden. Die deutschen Männer haben in der Gruppe C (vier Gruppen) „Titelverteidiger“ Mexiko (4.8., 22.00 Uhr MESZ in Salvador), Südkorea (7.8., 21.00 Uhr MESZ in Salvador) und die Fidschi Inseln (10.8., 21.00 Uhr MESZ in Belo Horizonte) als Gegner. Das Frauen-Turnier ist mit zwölf Nationen bestückt, Deutschland trifft in der Gruppe F auf Simbabwe (3.8., 23.00 Uhr MESZ in Sao Paulo), Australien (6.8., 23.00 MESZ in Sao Paulo) und Kanada (9.8., 21.00 Uhr in Brasilia). Die Mannschaften müssen auch Beschränkungen hinnehmen, denn die Kader dürfen nur eine Stärke von 18 Spielerinnen oder Spielern haben (sonst 23). Bei Verletzungspech steht allerdings Ersatz auf Abruf bereit.

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