Der Deutschland-Cup und die Sehnsucht des Eishockeys

von knospepeter

Es ist wieder einmal so weit: Am kommenden Wochenende verlässt die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft ihr Schattendasein und tritt in der Öffentlichkeit auf. Grund ist der Deutschland-Cup, der von Freitag bis Sonntag im Curt-Frenzel-Stadion in Augsburg ausgetragen wird. Für drei Jahre hat das Turnier eine neue Heimat, nachdem es zuletzt sechs Jahre lang in München stattgefunden hat. Der Deutschland-Cup darf als Sinnbild für das deutsche Eishockey herhalten: Da die Sehnsucht nach mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, dort die Sehnsucht, endlich wieder einmal in die Weltspitze zu gelangen. Das allerdings wird ein weiter Weg, denn Deutschland ist derzeit gerade mal 13. in der Weltrangliste.

Ja, Sehnsucht prägt das Eishockey. Die Sehnsucht, im Kampf um die Nummer zwei hinter „König Fußball“ in den Mannschaftssportarten eine führende Rolle einzunehmen. Doch Handball und Basketball stehen mehr in der Öffentlichkeit, waren zuletzt allerdings, was die Nationalmannschaften angeht, keineswegs erfolgreicher. Ironie der Terminplanung: Ausgerechnet an diesem Wochenende tragen die Handballer auch ihr internationales Turnier aus. Der Supercup findet als Ausgleich im hohen Norden statt, Flensburg, Kiel und Hamburg sind die Austragungsorte, Serbien, Slowenien und Brasilien die Gegner Deutschlands. Mehr Zuschauer werden Handballer in den Hochburgen begrüßen können, in Augsburg müssen sie wohl froh sein, wenn rund 4000 Besucher an jedem Tag wie zu den Spielen der Augsburger Panther kommen.

Beim Deutschland-Cup treten alte Bekannte an, die Schweiz, USA und die Slowakei. Nicht unbedingt ein zugkräftiges Feld, zumal das Team USA ja von Spielern gebildet wird, die in Europa dem Puck nachjagen. Das hat mit der NHL zu tun, wo die Saison gerade begonnen hat und die Spitzenspieler der ganzen Welt vereinigt sind. Die haben keine Zeit für den Deutschland-Cup. So sind die Spiele der USA für die Amerikaner auch keine echten Länderspiele, werden aber von den Deutschen als solche gezählt. Auch eine Eigenart des Eishockeys.

Das Eishockey will in Deutschland kein Schattendasein führen, dem entkommen aber auch die Vereine in der Deutschen Eishockey Liga nur im beschränkten Maße. Die Spiele werden zwar im frei empfangbaren Fernsehen übertragen, doch der österreichische Sender ServusTV ist nicht gerade für eine große Reichweite bekannt. Um mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen, suchte der Deutsche Eishockey-Bund bzw. sein Präsident Franz Reindl einen Bundestrainer, der über die Grenzen des Eishockeys den deutschen Sportfans bekannt ist. Zuletzt waren der Italo-Kanadier Pat Cortina und der Schweizer Jakob Kölliker eher „graue Mäuse“ und zudem erfolglos. Wunschkandidat von Reindl war der frühere Stanley-Cup-Sieger Uwe Krupp, aber als Trainer der Eisbären Berlin war er unabkömmlich. So fiel nach langem Suchen die Wahl auf den ehemaligen Profi Marco Sturm, ein netter Kerl aus Landshut mit langer NHL-Erfahrung, aber ohne Trainer-Erfahrung. Die soll er sich jetzt ausgerechnet bei der Nationalmannschaft holen. Das Vorbild für diese Verpflichtung war prominent: Jürgen Klinsmann wurde bei den Fußballern auch ins kalte Wasser geworfen und war einer der großen Macher beim Sommermärchen 2006. Es wird für Marco Sturm allerdings schwer, ein Wintermärchen für das Eishockey zu kreieren.

Franz Reindl träumt zwar davon, Deutschland als Präsident an die Weltspitze zu führen, was er bekanntlich als Sportdirektor nicht geschafft hat, aber die Strukturen im deutschen Eishockey stimmen nach wie vor nicht. So fehlt neben Sturm ein festes Trainerteam, beim Deutschland-Cup assistieren ihm mit Christof Kreuzer und Tobias Abstreiter aus Düsseldorf und Serge Aubin von den Hamburg Freezers drei Vereinstrainer. Was fehlt, ist auch eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit, die vor allem durch Erfolge der Nationalmannschaft forciert werden könnte, dann nämlich, wenn internationale Erfolge Eishockey attraktiv machen. Und ein Star, wie ihn Basketball mit Dirk Nowitzki und jetzt auch Dennis Schröder hat, fehlt dem deutschen Eishockey gänzlich. Diesen Kult erreichten Uwe Krupp und Marco Sturm bei weitem nicht.

Was bleibt, ist für das deutsche Eishockey die Sehnsucht nach besseren Zeiten. Marco Sturm ist nett, lächelt viel und hatte jetzt die Idee, mit einer Erinnerung an alte, erfolgreiche Zeiten die Zukunft positiv zu beeinflussen. So wird er nach jedem Spiel den besten deutschen Spieler benennen und der darf als Belohnung den Original-Hut der Trainer-Legende Xaver Unsinn tragen. Spielchen, die wir eher aus dem Kindergarten kennen…

Doch der Deutschland-Cup ist die raue Männerwelt. Deutschland ist Titelverteidiger, siegte erstmals 1995, da war es noch eine Überraschung gegen starke Gegner. Zuletzt war das DEB-Team Seriensieger (2009, 2010, 2012, 2014), was aber weniger an der deutschen Stärke, sondern eher an der Schwäche der Gegner lag. Ein Sieg beim Deutschland-Cup lässt nicht auf ein erfolgreiches Abschneiden bei der Weltmeisterschaft im Frühjahr schließen. Das mussten die DEB-Funktionäre in den letzten Jahren schmerzlich erfahren. Andererseits ist der Deutschland-Cup für den neuen Bundestrainer auch der einzige echte Test für die Weltmeisterschaft vom 6. bis 22. Mai in Russland. Keine guten Voraussetzungen, um einen großen Aufwind vorherzusagen. Bleibt also nur die Sehnsucht…

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