Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Kategorie: Fußball

Bayern München und die Sache mit dem Nachwuchs

Stammleser werden jetzt sagen, „jetzt schreibt er schon wieder über Bayern München, war doch erst vor kurzem der Fall“. Stimmt schon, aber zuletzt ging es um die Profis und heute aus aktuellem Anlass um den Nachwuchs (aktuell ist natürlich auch der mögliche Bestechungsskandal um die WM 2006 in Deutschland, aber dazu nächste Woche mehr, erst mal abwarten, was noch aufkommt).

Der Nachwuchs beschäftigt die Bayern schon lange, weil in den letzten Jahren Mängel festgestellt wurden. Erfolge liegen schon einige Zeit zurück und wie sollen Talente den Sprung in die beste Mannschaft Deutschlands bzw. eine der besten der Welt schaffen, wenn sie schon in jungen Jahren nicht zu den Siegern gehören. Jetzt wurden Nägel mit Köpfen gemacht, wobei wieder einmal Uli Hoeneß eine entscheidende Rolle spielt. Der einstige erfolgreiche Manager und zuletzt Präsident hat seine „Auszeit“ der Gefängnisstrafe nach Steuerhinterziehung genutzt, um den Nachwuchsbereich umzukrempeln. Seine Arbeitsstelle im Freigang war die Nachwuchsabteilung der Bayern. Praktisch, denn die langgehegten Pläne wurden jetzt Wirklichkeit: Am Freitag war Grundsteinlegung des neuen Leistungszentrums für den Nachwuchs in Fröttmaning in der Nähe der Allianz Arena. Die Talente sollen wohl den „Tempel“ der Profis im Auge haben, nach dem Motto „da will ich auch mal hin“. Uli Hoeneß war der am meisten bestaunte Gast beim Festakt.

Wie bei den Bayern so üblich, wird das neue Nachwuchszentrum eine Anlage der Superlative die Seinesgleichen sucht. 50 bis 70 Millionen Euro (die Zahlen, die in der Öffentlichkeit bekannt werden schwanken) legt der Verein dafür hin. Neben acht Plätzen gibt es ein kleines Stadion mit bis zu 3000 überdachten Plätzen, eine Dreifeldhalle, Basketballcourt, Beachsoccerfeld, eine Rundlaufbahn, Vereinsheim, Akademie mit Internat sowie ein Restaurant und natürlich einen Fanshop. Ende 2017 soll die Anlage bezugsfertig sein. An der Säberner Straße, der traditionellen Bayern-Heimat, bleiben die Profis, die U21 und die Frauen, die auch weiterhin im Stadion an der Grünwalder Straße spielen. Der Platz an der Säberner Straße war für alle aber zu eng geworden. So gehen die Bayern jetzt also in die Offensive.

Die Nachwuchsoffensive ist aber auch dringend notwendig, schließlich fehlten zuletzt Nachfolger für Typen wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Holger Badstuber. Eine Überfremdung des Meisters wird befürchtet, wenn mehr Spanier als Einheimische im Bayern-Team stehen und das obligatorische „mia san mia“ vielleicht gar nicht mehr verstehen. Das es Zeit wird zu handeln, zeigt auch ein Blick auf die Auswahlmannschaften des DFB: Die U21 spielt die EM-Qualifikation, die U20 und U19 internationale Turniere um den Elite-Cup – ein Bayern-Spieler war nicht dabei!

Das soll in der Zukunft wieder anders sein. Die Bayern nehmen Geld in die Hand, um künftig im Hinblick auf Neuverpflichtungen und horrenden Preissteigerungen auf dem Spielermarkt Geld zu sparen!

Der Traum von der Weltliga

Träumen ist bekanntlich erlaubt und tut niemandem weh, der Träumer selbst kommt manchmal in gute Stimmung. Schlecht ist nur, wenn er Träume als Realität ansieht. Gut ist, wenn man versucht Träume Realität werden zu lassen. So wird auch im Sport, vor allem von Sportfunktionären, oft geträumt. Sie träumen von einer besseren Vermarktung ihrer Sportart, von mehr Bedeutung, Zuspruch und mehr Geld. In fast jeder Sportart wird nach Wegen gesucht, mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. In Mannschaftsportarten gibt es deshalb immer wieder den Traum von der Weltliga. Realität wurde er noch nicht.

Jetzt ist es im Handball wieder einmal so weit. Wie die Fachzeitung Sport-Bild enthüllte, gibt es diese Gedanken bei Trainern und Funktionären im deutschen Handball. Vereine in Kroatien, Ungarn, Polen und Frankreich stehen diesen Plänen angeblich offen gegenüber, das „Forum Club Handball“, ein Zusammenschluss wichtiger Handballvereine in Europa, denkt wohl schon länger über eine Weltliga nach und will bald beim europäischen Verband und beim Weltverband vorstellig werden. Es geht aber nicht nur um eine Europaliga, sondern um eine Weltliga, denn die Fühler wurden bereits zum Scheichtum Katar ausgestreckt, von dort soll das notwendige Geld kommen. Handball gilt in Katar als beliebte Sportart.

Die Handballer stehen mit solchen Plänen nicht allein da. Im Basketball und Volleyball wurde schon darüber geredet, im Eishockey gab es Gedanken, die Profi-Liga NHL mit den Spitzenklubs in Europa zu verzahnen. Aber gerade im Eishockey fristet selbst der europäische Wettbewerb ein Schattendasein. Auch im Fußball wurde bereits geredet, wurden Pläne geschmiedet, allerdings beschränken sich die Ideen auf Europa, schließlich wäre die Einbindung von Brasilien und Argentinien zum Beispiel mit großen Reisestrapazen verbunden.

Die Frage ist immer, gibt es eine Welt- oder Europaliga, was wird dann mit den nationalen Meisterschaften oder auch mit den europaweiten Wettbewerben wie der Champions League, die nicht nur im Fußball funktioniert, sondern auch im Handball und Basketball. Gerade im Fußball wird groß kassiert, insgesamt 1,64 Millionen Euro schüttet die UEFA in dieser Saison für Champions- und Europa League aus. Das Geld muss auch in einer Europaliga erst mal reinkommen. 12 Millionen Euro als Startgeld sind schon happig. Als zusätzlicher Wettbewerb für die Spitzenklubs ist sie kaum einführbar, weil einfach die Termine fehlen.

Sicherlich wäre es reizvoll, eine Europaliga zu sehen, in der es nur Schlagerspiele gibt. Den FC Barcelona, Real Madrid, Atletico Madrid, Bayern München, Chelsea London, Manchester City, Manchester United, Arsenal London, Paris St. Germain, FC Porto, Juventus Turin, AS Rom, Zenit St. Petersburg oder Galatasaray Istanbul zum Beispiel in ständigen Duellen zu erleben, würde bedeuten, dass jeder Spieltag zu einem Höhepunkt wird. In der Champions League haben wir das frühestens mit dem Viertelfinale.

Aber es gibt auch Nachteile. Wie gesagt, was wird mit den nationalen Meisterschaften? Gibt es auch einen Abstieg? Kann man die nicht so attraktiven Klubs der kleineren Verbände außen vor lassen? Und wie soll eine Europaliga terminlich gestaltet werden, wenn die Champions League nicht geopfert werden soll? Außerdem gäbe es dann zwei europäische Sieger!

So wird also immer wieder von einer Welt- oder Europaliga geträumt, die Euro-Noten tauchen in den Augen der Funktionäre auf, aber eigentlich ist der internationale Spielverkehr nicht nur im Fußball, sondern auch im Handball und Basketball an den Belastungsgrenzen der Aktiven angelangt. Schließlich müssen auch die Nationalmannschaften berücksichtigt werden und die sind im Bewusstsein der Öffentlichkeit immer noch das größte Aushängeschild.

Deshalb liebe Sportfunktionäre: Träumt mal schön!

Bayern München ist die Nummer 1!

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Die Gruppenspiele in der Fußball-Champions-League laufen, doch alle haben schon das Finale am 28. Mai 2016 in Mailand im Auge. Wer wird da im Endspiel stehen? Die Protagonisten kennen wir: Titelverteidiger FC Barcelona, der spanische Kontrahent Real Madrid sowie der FC Bayern München werden als die großen Favoriten gehandelt, dazu der letzte Final-Teilnehmer Juventus Turin, Frankreichs Meister Paris St. Germain und gleich drei oder vier englische Klubs. Seltsam aber: So richtig in Form ist jetzt im Herbst nur Bayern München. Aktuell sind die Bayern klar die Nummer 1!

Es ist wirklich erstaunlich, wie manche Klubs schwächeln. Der FC Barcelona hat in der Primera Division schon zwei Niederlagen hinnehmen müssen, Real Madrid kassierte bereits das dritte Unentschieden, die beiden Top-Klubs hecheln der Konkurrenz hinterher, Villarreal führt vor Celta Vigo. Von wegen, dass die Meisterschaft in Spanien nur eine Angelegenheit zwischen zwei Klubs ist. Ähnlich in England, wo Titelverteidiger Chelsea London nicht in die Gänge kommt und nach acht Spielen erst acht Punkte geholt hat. Trainer José Mourinho hat zwar nicht an Selbstbewusstsein verloren („Einen besseren Trainer bekommen sie nicht“), aber ratlos ist er trotzdem. Vorne tummeln sich mit Manchester City, Arsenal London und Manchester United zwar drei Favoriten, aber sie haben sich alle international in der Champions League bereits blamiert. Ähnlich sieht es in Italien aus, Titelverteidiger Juventus Turin ist wie Chelsea in England nur 16. und schaut sich den Titelkampf derzeit nur mit dem Fernglas an. Nur Paris marschiert in Frankreich vorne weg, zeigt aber keineswegs große Form.

Barcelona hat es doppelt schwer

Was ist also los? Gut, bei Barcelona ist Superstar Lionel Messi verletzt, Barca wurde quasi das Herz gestohlen. Aber das zeigt auch die Unwägbarkeiten im Sport, wenn es wirklich um die Entscheidung geht: Da spielen Verletzungen eine große Rolle, da darf das Glück nicht fehlen, da muss im entscheidenden Moment alles passen. Barcelona muss noch gegen den Fluch des Siegers ankämpfen: Noch nie wurde in der Champions League der Titel erfolgreich verteidigt!

Das spricht wiederum für den FC Bayern München. Der Deutsche Meister hat aus der Vergangenheit gelernt und seinen Kader noch breiter aufgestellt. Verletzungen sollen die Mannschaft nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Das zeigt sich derzeit deutlich: Einst waren die Flügelflitzer Arjen Robben und Franck Ribery unentbehrlich, jetzt wird ihr Fehlen gar nicht bemerkt, Douglas Costa und Kingsley Cowman flitzen auf den Flügeln, dass es eine Freude ist – nur für die Gegner nicht. Die Bayern sind in der Champions League noch ohne Gegentor und siegten in der Bundesliga in den ersten acht Spielen im Schnitt mit 3:5:0,5 Toren. Noch Fragen?

In München bleiben sie allerdings auf dem Teppich. Gut so, denn im Frühjahr kann es eben ganz anders ausschauen. Zuletzt hatte das Timing nicht gestimmt, im Herbst wurde gewonnen, im Frühling die Pokale verspielt. Das soll diesmal anders sein, Torjäger Thomas Müller macht seinen Mitspielern Beine: „Wir dürfen nicht nachlassen, wir müssen jedes Spiel gewinnen.“ Na ja, zumindest den entsprechenden Ehrgeiz entwickeln und Einsatz zeigen, um wirklich zu gewinnen. Eine Saison ohne Niederlage wird kaum möglich sein. Aber eins zeigt sich: Die Bayern haben keine Überfigur wie Messi in Barcelona oder Cristiano Ronaldo bei Madrid. Sie könnten höchstens Probleme bekommen, wenn der beste Torhüter der Welt ausfällt. Einzig für Manuel Neuer gibt es keinen adäquaten Ersatz.

Aber noch ist ja Herbst. Schon heute allerdings wird die Spannung zusätzlich angeheizt. Bleibt Bayern auf der Siegesstraße, kommt die Konkurrenz endlich in Form? International bekommt die Saison einen zusätzlichen Reiz!

Bayern kassierte bereits 533,3 Millionen

Übrigens: Bayern München ist derzeit nicht nur sportlich die Nummer 1, sondern in der Champions League auch der Krösus. Das hat zumindest die Fachzeitung kicker ausgerechnet. Seit Einführung der Champions League gingen 10 Milliarden Euro aus der Vermarktung an 129 Klubs. 30 Vereine haben mehr als 100 Millionen Euro kassiert! Bayern München bekam am meisten, wobei hier auch die dominierende Rolle in Deutschland pures Geld wert ist. 533,3 Millionen Euro waren es für die Münchner, Manchester United ist mit 516,4 Millionen die Nummer 2, Real Madrid kassierte 507,3 und Barcelona 502,9 Millionen. Borussia Dortmund ist als Elfter der Geldliste die Nummer 2 in Deutschland und erhielt bisher 229,4 Millionen Euro, Schalke (17.) 172,3 und Leverkusen (19.) 163,9 Millionen. In der Champions League gibt es also offensichtlich wirklich die Lizenz zum Gelddrucken!

Die Justiz muss die FIFA retten

Man glaubt es kaum, es gab eine Zeit, da hatte der Fußball-Weltverband FIFA Schulden und lebte keineswegs in Saus und Braus. Heute hat die FIFA Millionen auf ihrem Konto, gilt als reich, aber auch geldgierig und korrupt. Geschafft hat dies unter anderem ihr derzeitiger Präsident Joseph Blatter. Er hat Millionen gescheffelt, gleichzeitig aber auch den Ruf des Weltverbandes ruiniert und so macht die FIFA heute eher den Eindruck eines Verbrechersyndikats. Nicht umsonst ermitteln die Justizbehörden in den USA und der Schweiz wegen dunkler Geschäfte. Eigentlich müssten sie die Funktionäre in Angst und Schrecken versetzen, denn wer von der Justiz verfolgt wird, schläft gemeinhin nicht mehr besonders gut. Das scheint in der Fußball-Welt anders zu sein. Viele sehen die Ermittlungen als Licht im Tunnel. Anders gesagt: Die Justiz muss die FIFA retten! Nur wenn korrupte Funktionäre aus dem Verkehr gezogen werden, kann sich der Weltverband erneuern.

Eine besondere Rolle spielt natürlich der Präsident auf Abruf, Joseph Blatter, gegen den jetzt die Schweizer Behörden auch ermitteln und dem schlimmstenfalls Gefängnis droht. Doch welche Gelder auch verschoben wurden, welche dubiosen Geschäfte auch getätigt wurden, der gute Sepp sieht sich als schuldlos an, er habe nichts Verbotenes getan. Bei Blatters Selbsteinschätzung ist man platt. Hält er Korruption für etwas Normales? Im Auftrag der FIFA war Korruption offensichtlich Alltag, übliches Geschäftsgebaren also. Oder leidet der 79jährige ganz einfach an einer Bewusstseinsstörung, die man alten Leuten ja manchmal nachsagt.

Schlecht für den Weltverband, auch der aussichtsreichste Kandidat als Nachfolger Blatters, UEFA-Präsident Michel Platini, ist jetzt im Visier der Ermittler. Eine Zahlung von zwei Millionen Euro gilt als dubios und eigentlich können es Blatter und Platini nicht richtig erklären, welch wertvolle Arbeiten zwei Millionen (verspätet und zu einem delikaten Zeitpunkt rund um eine Wahl gezahlt) Wert waren. Platini hat mit der WM-Vergabe nach Katar mit einem Posten im Scheichtum für seinen Sohn schon eine unrühmliche Rolle gespielt. Der Sport-Grantler hatte schon am 1. August erkannt: „Platini auf den Spuren von Sepp Blatter“. Viele in der FIFA wollen es vielleicht so: Mit Platini ändert sich nichts, auch bei Platini ist man platt!

Es ist die Crux beim Fußball-Weltverband, dass er dringend erneuert werden muss, dass aber die alten Strukturen der vielen unterschiedlichen Verbände und Interessen nicht so einfach aufgebrochen werden können. Der Sport-Grantler will keine Länder und keine Funktionäre unschuldig an den Pranger stellen, aber viele werden so reagieren, wie man es bei der FIFA gewohnt ist: „Natürlich bin ich für eine Veränderung, alles soll besser und ehrlicher werden. Ich bin dafür, wenn auch mein Verband davon profitiert, Gelder müssen schließlich weiterhin fließen…“ Das „mein Verband“ darf man gern auch mit „ich“ übersetzen.

Schwachsinn am Rande der Diskussion ist die Einmischung von Politikern. Da hört man den tollen Rat, dass sich der DFB für einen neuen Weltverband einsetzen soll, für einen sauberen Fußball ohne FIFA. Wer glaubt hier an Märchen, wie soll das organisatorisch gehen? Das sind Äußerungen von Ahnungslosen und Laien. Ihnen kann man nur einen guten Rat geben: Schweigen. Natürlich kann man die FIFA nicht abschaffen, sie muss von innen heraus reformiert werden, aber ob das möglich ist, steht in den Sternen. Der gute Wille ist bei vielen noch nicht sichtbar. So fehlt auch der internationale Druck, um Joseph Blatter endlich zum sofortigen Rücktritt zu bewegen. Das wäre der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Wer auch immer neuer Präsident wird und es ehrlich meint, den Saustall aufzuräumen, steht vor einer Herkulesaufgabe, an der jeder eigentlich nur scheitern kann. Er wird zu viele Knüppel zwischen die Beine bekommen. Dem DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der als Kandidat gehandelt wird, kann man nur raten, sich diese Aufgabe nicht aufzuhalsen.

Die zwei Seiten des Fußballs: Lebenshilfe und Geldmaschine

In den letzten Monaten scheint zumindest zum Teil die Welt aus den Fugen geraten zu sein. Eine Horrormeldung jagt die andere, Kriege, Attentate, Schrecken überall, Menschen auf der Flucht. Dazwischen sicherlich die Kunst, vor allem aber der Sport als eine Oase der Glücksseligen. Vor allem der Fußball beherrscht weiterhin weltweit die Schlagzeilen. In diesen Tagen kommen aber auch mal andere Gedanken auf und da zeigen sich die zwei Seiten des Fußballs – nämlich zwischen Lebenshilfe und Geldmaschine.

Der Fußball an der Basis ist sicherlich eine Art Lebenshilfe. Das war er schon früher so, als der Fußball am Sonntag in einem Dorf auf dem Land das Ereignis der Woche war. Da traf sich die Dorfbevölkerung nach Kirche und Frühschoppen am Vormittag. Auch da schon zeigte sich der Fußball auch völkerverbindend, als die ersten Ausländer anfangs wohl zaghaft, aber dann immer mehr in die Vereine eintraten und bei entsprechenden Künsten auch zu Publikumslieblingen wurden. Diese Bedeutung hat der Fußball auf dem Land heute leider ein bisschen verloren. Es gibt zu viel andere Ablenkung.

Der Fußball verbindet aber auch heute noch und gibt zum Beispiel manchen Flüchtlingen Hoffnung oder zumindest Trost im grauen Alltag. Es braucht nicht mehr als einen Ball und schon steigt die Stimmung, da gibt es auch mal ein Lachen, wo sonst nur ernste Gesichter vorherrschen. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Flüchtlinge und einige organisieren auch ein Fußballtraining oder sogar ein Spiel. Die Vereine laden Flüchtlinge ein, sorgen so für ein bisschen Sonne im tristen Leben. Der Fußball schafft es, die Gedanken an schlimme Geschehnisse in der Vergangenheit zu verdrängen. Das ist die gute Seite des Fußballs.

Wir wissen: Der Fußball ist auch eine Geldmaschine. Der Profisport verbindet nicht, sondern trennt eher. Da die Fans des einen Klub, dort die des Konkurrenten, wir müssen schon froh sein, wenn solche Aufeinandertreffen nicht in Gewalt ausarten. Im Profi-Fußball geht es nur um zwei Dinge: Erfolg und Gewinn. Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt, der Spieler ist das Mittel zum Zweck, die Fans haben die Aufgabe für Stimmung zu sorgen. Sie sind – quasi unfreiwillig und zwangsläufig – ein Teil dieser Geldmaschine, die unbeirrt läuft. Der Fußball als weltweit populärster Sport zieht die Sponsoren an, zieht das Fernsehen an, zieht die Fans an und es darf kassiert werden: Von Vereinen, von Spielern und ihren Beratern. Millionen gehen über den Tisch und in die Taschen und der einfache Mensch fragt sich: Muss das sein? Muss nicht, aber so ist das Geschäft. Angebot und Nachfrage regeln bekanntlich den Markt. In England zum Beispiel fließen die Gelder vom Fernsehen und der Vermarktung, die Vereine sorgen für Durchfluss, vom TV zum Spieler, horrende Verträge sorgen für Aufsehen und Aufregung. Viele fragen sich: Wann platzt die Blase? Kein Wunder, dass dieses Geschäft auch zur Korruption animiert (die FIFA lässt grüßen).

Egal, ob Dorf-Fußball, Flüchtlingshilfe oder Profi-Fußball, es braucht nicht mehr als nur einen Ball und schon sind die Menschen elektrisiert. Der Sport-Grantler ist sich nicht sicher, ob die Geschichte mit Adam und Eva und dem Apfel so stimmt. Lockte nicht eher ein Fußball Adam aus dem Paradies…

Basketball auf den Spuren des Fußballs

Wenn man nach den drei beliebtesten Sportarten in Deutschland fragt, dann bekommt man oft die Antwort: Fußball, Fußball, Fußball. König Fußball regiert und dominiert auch die Einschaltquoten im Fernsehen. Insofern stimmt die dreifache Fußball-Antwort, denn nicht nur die Bundesliga, sondern auch die zweite und sogar die dritte Liga im Fußball ziehen mehr Zuschauer im TV an als die Basketball-Bundesliga. Aber das geht jeder Sportart so. Kein Wunder also, dass alle anderen Sportarten danach lechzen, einmal aus dem Schatten des Fußballs zu treten. Das sollte dem Basketball jetzt mit der Europameisterschaft in gleich vier Nationen ein wenig gelingen. Vielleicht auch deshalb, weil sich Basketball dabei auf den Spuren des Fußballs bewegt.

Wie stolz war doch UEFA-Präsident Michel Platini auf seine Idee, die Fußball-Europameisterschaft 2020 auf ganz Europa zu verteilen, zum Jubiläum eine echte „Europameisterschaft“. Zwangsläufig wird hier Basketball zum Vorreiter, denn der kriegerische Konflikt in der Ukraine verhinderte die geplante Austragung in dem Land. So sprang Frankreich als Hauptveranstalter ein, die Vorrunden vom 5. bis 10. September werden auch in Deutschland, Kroatien und Lettland gespielt. Die entscheidenden Spiele finden dann vom 12. bis 20. September in Lille statt. Sinnigerweise in einem Fußballstadion! Das Stade Pierre-Mauray verfügt über zwei Ebenen und kann in eine Halle verwandelt werden. 27.000 Zuschauer kamen da zum Tennis-Davis-Cup gegen die Schweiz, jetzt hoffen die Franzosen auch auf ein Basketball-Fieber. Das dann wohl ausbrechen wird, wenn Frankreich seiner Rolle als Favorit gerecht wird.

Neben Frankreich gelten vor allem Spanien und Serbien als Titelanwärter. Deutschland muss da kleinere Brötchen backen, das Augenmerk liegt auf der Olympia-Qualifikation. Die beiden Finalisten sind direkt dabei, die Teams auf den Rängen drei bis sieben müssen bzw. dürfen in ein vorolympisches Qualifikationsturnier. Da will Deutschland dabei sein!

Zunächst gilt es, die Vorrunde zu überstehen, vier Nationen kommen weiter. Deutschland genießt den Heimvorteil in Berlin, hat aber harte Brocken als Gegner. Außenseiter ist allein Island, die Favoriten Serbien und Spanien gelten als unschlagbar, gegen die Türkei und Italien geht es also um Rang drei. Hoffnung: Die Türken verzichten freiwillig auf ihren besten Spieler Canter, die Italiener gelten als routiniert, aber langsam.

Dirk Nowitzki und der Traum von Olympia

Wer bei der Europameisterschaft vorne mitspielen will, der muss Verstärkung aus Übersee in seinen Reihen haben, nämlich Stars aus der NBA. Die diktieren das Spiel und machen den Unterschied aus. Deutschland hat einen alten und neuen Superstar dabei, die NBA-Größe Dirk Nowitzki und die NBA-Hoffnung Dennis Schröder, dazu spielt auch Tibor Pleiß künftig bei den Profis. Nowitzki bewegte seine müden Knochen noch einmal Richtung Europa, weil er noch einen Olympia-Traum hat. Peking 2008, als er Fahnenträger der deutschen Mannschaft war, war auch für den hartgesottenen Profi ein Erlebnis, das will er in Rio 2016 wiederholen. Damit dies klappt, muss aber wirklich alles passen. Nowitzki selbst vor allem in Bestform sein. Danach sah es in der Vorbereitung allerdings nicht aus. Aber wir wissen seit Katja Ebstein und ihrem Hit: Wunder gibt es immer wieder. Schröder soll ihn in der Führungsrolle unterstützen.

Zumindest für ein paar Stunden wird Basketball in Europa aus dem Schatten des Fußballs treten können, auch wenn die Spiele um die EM-Qualifikation den Fußball natürlich in die Schlagzeilen bringen. Frankreichs Basketballer zumindest aber könnten den Fußballern im eigenen Land die Show stehlen, schließlich sind die schon für 2016 qualifiziert.

Die Vorrunden-Gruppen der Basketball-EM:

Gruppe A (in Montpellier/Frankreich): Polen, Bosnien-Herzegowina, Israel, Russland, Frankreich, Finnlan.

Gruppe B (in Berlin/Deutschland): Deutschland, Island, Spanien, Serbien, Italien, Türkei.

Gruppe C (in Zagreb/Kroatien): Georgien, Niederlande, Mazedonien, Griechenland, Kroatien, Slowenien.

Gruppe D (in Riga/Lettland): Tschechien, Estland, Belgien, Lettland, Litauen, Ukraine.

Von Beckenbauer bis Marco Sturm: Bundestrainer – Nur der Name zählt!

Gemeinhin gilt der Posten eines Bundestrainers als Traumjob. Gut, je nach Sportart ist das ein bisschen verschieden. Besonders im Blickpunkt steht natürlich der Bundestrainer im Fußball und gerade dort wird der Traumjob schnell zur Belastung, weil eigentlich jeder Fußball-Fan ein potentieller Bundestrainer ist. Allerdings wird der Bundestrainer-Job auch als halbe Urlaubsbeschäftigung gesehen: Ein bisschen auf den Tribünen sitzen, die interessantesten Spiele angucken und ab und zu ein Lehrgang. So sieht es der gemeine Fan. Warum aber haben viele Verbände ein Problem, den richtigen Bundestrainer zu finden?

Aktuell war zuletzt der Deutsche Eishockey-Bund auf Trainersuche. Mit Pat Cortina war der neue DEB-Präsident Franz Reindl nicht zufrieden, es gab mehr Misserfolge als Erfolge. Reindls alter Freund Uwe Krupp sollte Nachfolger werden, doch da baute sich ein unüberwindbares Hindernis auf: Krupp ist Trainer bei den Eisbären Berlin, der ehemalige Stanley-Cup-Sieger, schon einmal als Bundestrainer erfolgreich, kann nicht zwei Herren gleichzeitig dienen.

Das ist das Problem, einen guten Mann für den Traumjob zu finden: Die besten Leute stehen meist unter Vertrag, sind kurzfristig nicht zu bekommen. Viele arbeiten lieber im Verein („Ich brauche die tägliche Arbeit mit den Spielern“), als nur von Zeit zu Zeit in den Mittelpunkt zu rücken und eigentlich nur beschränkt eine Mannschaft entwickeln zu können. So stieß auch der DEB an Grenzen und zauberte dann einen Neuling aus dem Hut: Der frühere NHL-Star Marco Sturm wird der neue Krupp. Er kann Erfolge als Spieler vorweisen, hat einen guten Namen und soll sogar in der Doppel-Funktion als Bundestrainer und Generalmanager das Eishockey in der Öffentlichkeit gut verkaufen. Sturm ist Neuling, hat zwar die Trainerscheine gemacht, aber ihm fehlt die Erfahrung am Rande der Bande. Doch das rückt in den Hintergrund. Für den Job als Bundestrainer zählt vor allem der Name! Der Verband hofft auf eins: Dass die Spieler bei einem Bundestrainer Marco Sturm wieder gern zur Nationalmannschaft kommen, zuletzt hatte es eher Absagen gehagelt, warum auch immer.

Früher war es undenkbar, dass ein Neuling quasi die wichtigste Mannschaft eines Verbandes coachen könnte. Noch heute gilt, dass die Nationalmannschaft das Aushängeschild einer Sportart ist. Entsprechend ist der Bundestrainer aber auch das Gesicht der Mannschaft, im Fall Sturm wird der Trainer vor allem das bekannteste Gesicht der Mannschaft sein (Wer kennt die aktuellen Eishockey-Cracks?). Das allein ist Qualifikation genug!

Der Teamchef war die Lösung

Vorbild für diese Art der Trainerfindung war Fußball-„Kaiser“ Franz Beckenbauer. Es war eine Revolution, als Beckenbauer 1984 bei der Nationalmannschaft den unglücklichen Jupp Derwall ablöste. Die erforderliche Trainerlizenz hatte Beckenbauer nicht, deshalb machte ihn der Deutsche Fußball-Bund kurzerhand zum „Teamchef“. Ihm zur Seite standen zunächst Horst Köppel und dann Holger Osieck, beide mit entsprechender Lizenz. Zumindest wurden damit die Regeln eingehalten. Beckenbauer war ein echter Teamchef, nicht der Trainer. Mit Osieck bildete ein kongeniales Gespann, da der versierte Trainer auf dem Feld, dort der Motivator, der Verkäufer, die Lichtgestalt, zu der die Spieler aufschauten und dem sie alles glaubten. Legendär seine Aufforderung, „geht’s raus und gewinnt“ – gesagt, getan. Die Krönung war bekanntlich der WM-Titel 1990, danach verabschiedete sich Beckenbauer wieder. Aber er hatte eine neue Art von Bundestrainer geschaffen. Nicht der Schein zählt, sondern der Name.

Ähnliches wiederholt der DFB bei den Frauen, denn der Verband hat Steffi Jones als Neuling zur Nachfolgerin von Silvia Neid bestimmt, die 2016 nach den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro die Leitung der Frauen-Nationalmannschaft abgibt. Der Verband bekam Kritik vor allem von den gestandenen Trainern der Spitzenvereine, die um die Fortsetzung der guten Arbeit von Silvia Neid fürchten (auch wenn es nach der letzten WM Kritik an ihr gab!). In der Tat, ist es auch hier seltsam, dass ein Neuling sich ausgerechnet beim Aushängeschild des Verbandes versuchen darf. Immerhin kann Steffi Jones etwas vorweisen: Sie hat sich als Funktionärin beim DFB bewährt, war das „Gesicht“ der WM 2011 in Deutschland und hat eine gewinnende Art, gilt also als guter Verkäufer in der Öffentlichkeit. Den entsprechenden Trainerschein hat sie übrigens, Erfahrung aber nicht. Es gilt also auch hier: Bundestrainer – der Name zählt!

Fußball-WM vor einem Jahr: Erinnerungen und Zukunft

Deutschland schwelgt in diesen Tagen in Erinnerungen. Wahrscheinlich auch, weil man nie weiß, wann die glücklichen Sporttage wieder einmal zurückkommen. So ist es jetzt 30 Jahre her, dass ein damals unbekannter, 17jähriger Rotschopf überraschend Wimbledon gewann. Boris Becker wurde zu einem Idol der Deutschen, heute hat das Tennis hierzulande keine Idole mehr.

Das wird dem Fußball nicht passieren. Aber die Euphorie über den Gewinn des Weltmeister-Titels vor einem Jahr zeigte, wie eine ganze Nation nach dem großen Erfolg lechzte. Jetzt darf man wieder in Erinnerungen schwelgen: Vor genau 25 Jahren, am 8. Juli 1990, wurde Deutschland Fußball-Weltmeister in Italien, mit einem schmucklosen, aber verdienten 1:0 gegen Argentinien im Finale. Erinnerungen auch an den 8. Juli 2014, ein Tag, den sie in Brasilien lieber vergessen würden, das historische 7:1 im WM-Halbfinale von Belo Horizonte. Die logische Folge war dann der Titelgewinn Deutschlands am 13. Juli in Rio de Janeiro mit dem Kunstschuss von Mario Götze, der das Finale in der Verlängerung wieder gegen Argentinien, diesmal zugunsten von Deutschlands entschied. Damals war es ein Schuss in die Herzen der Fans, der Begeisterung auslöste und träumen ließ: Fußball-Deutschland steht vor einer großen Zukunft.

Gibt es einen WM-Fluch?

Und heute? Hat die große Zukunft bereits begonnen? Sie ist zweifelhaft geworden. Der Motor des Weltmeisters stottert, die Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 wird zu Qual und bietet keinen Fußball der Freude. Es scheint fast ein WM-Fluch über der Mannschaft zu liegen, gleich vier prominente Verbindungen der Spieler gingen in die Brüche: Sami Khedira trennte sich jetzt nach vier Jahren von dem Model Lena Gercke, einen Schlusspfiff gab es auch für Bastian Schweinsteiger und dem Model Sarah Brandner, Mesut Özil trennte sich von Sängerin Mandy Capristo und Manuel Neuer von seiner Jugendliebe Kathrin Gilch. Hat der WM-Pokal die Liebe getötet?

Keine Hoffnung auf Nachwuchs da und der Fußball-Nachwuchs dort hat seine Probleme und macht eher mit deftigen Niederlagen auf sich aufmerksam. Die U19 ist bei der Europameisterschaft schlecht gestartet (0:3 gegen Spanien), die U21 hat sich bei der EM blamiert (0:5) gegen Portugal, die U20 konnte nichts retten, ist bei der Weltmeisterschaft frühzeitig ausgeschieden. So sieht keine gute Zukunft aus. Da konnten auch die Frauen nichts mehr retten, nach Platz vier bei der Weltmeisterschaft in Kanada gibt es eher Streit als Zuversicht für die Zukunft. Schwelgen wir also lieber in Erinnerungen.

Die Rolle des 1:7 in Brasilien

Bei den Erinnerungen kommt also wieder Brasilien ins Spiel. Dort verarbeitet man das 1:7 auf eigene Art, es ist zu einem Synonym für schlechte Ereignisse geworden. Wie man hört, ist in Brasilien aber auch sonst Ernüchterung eingetreten, die Gewalt in den Favelas flammt wieder auf, die Korruption regiert nach wie vor und auch sonst ist die Lage unsicher geworden, selbst an der berühmten Copacabana ist man vor Überfällen nicht sicher. Da schwelgen die Brasilianer nicht Erinnerungen, aber ihr Blick geht gern in die Zukunft: Vom 5. bis 21. August 2016 finden die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro statt. Doch die Vorfreude ist gedämpft, Probleme gibt es an allen Ecken und Enden. Manche Bauten sind im Rückstand, Streiks fast an der Tagesordnung und der Umweltschutz wird mit Füßen getreten. Die Brasilianer würden auch gerne in Erinnerungen schwelgen. Aber da war dieses 1:7… Nun ja, sie können sich mit fünf WM-Titeln in der Vergangenheit trösten, Deutschland war bereits über den vierten Stern begeistert!

Was dem Sport-Grantler aufgefallen ist: Die entscheidenden Torschützen bei den WM-Finals von 1974 (Gerd Müller), 1990 (Andreas Brehme) und 2014 (Mario Götze) bleiben ewig in Erinnerung und sie haben eines gemeinsam: Sie spielten zur der Zeit jeweils für den FC Bayern München. Helmut Rahn war 1954 auch im Ruhrpott glücklich.

Sollte uns die Fußball-Zukunft enttäuschen (siehe Brasilien), so bleiben uns ja noch die Erinnerungen, die in diesen Tagen besonders stark sind.

Was ist mit Brasiliens Fußball los?

Was haben wir früher geschwärmt, vom Fußball in Brasilien! „Brasilianischer Ballzauber“ war der Inbegriff für hochklassigen Fußball. Hat einer neben den Ball getreten, so gab es als Trost die Bemerkung „bist halt kein Brasilianer“. Die Talente von der Copa Cabana, die im Sand den Ball besser beherrschten als wir auf der Straße oder im Gras, kamen uns vor wie höhere Wesen. Und seit dem Titelgewinn 1958, mit dem der Siegeszug der Mannschaft um den wohl noch heute besten Spieler aller Zeiten, Pelé, begann, wollte eigentlich jeder am liebsten ein Brasilianer sein. Immer noch ist Brasilien Rekord-Weltmeister mit den Titelgewinnen 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002.

Und heute? Heute ist die Frage, „was ist mit Brasiliens Fußball los?“. Große Hoffnung gab es durch die Titelkämpfe im eigenen Land vor einem Jahr. Diese Weltmeisterschaft sollte Brasilien den Fußball-Glanz zurückbringen, ein ganzes Land in Euphorie versetzen. Am Ende blieb Trauer zurück, ein Scherbenhaufen für den Fußball, die Schmach des 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland wirkt bis heute nach. Der nächste Rückschlag kam nämlich vor wenigen Tagen mit dem Aus gegen Paraguay mit 3:4 im Elfmeterschießen im Viertelfinale der Copa America in Chile. Auch Carlos Dunga, genannt „der Deutsche“, konnte es nicht richten. Brasilien musste zusehen, als am Samstag Erzfeind Argentinien und Gastgeber Chile das Finale bestritten. Es zeigte sich 2014 wie diesmal, dass Brasilien ohne den einzigen derzeitigen Superstar Neymar nicht gewinnen kann.

Brasilien will im Fußball wieder das Brasilien von früher werden und deshalb soll eine Experten-Kommission „Strategische Entwicklung“ für eine gute Zukunft sorgen. Aufgabe: Den Zustand analysieren, einen Aktionsplan aufstellen. Frühere Nationaltrainer wie Carlos Alberto Parreira (Weltmeister 1994) und Sebastiao Lazaroni haben ihre Mitwirkung zugesagt. Carlos Dunga soll ebenso dabei sein wie Ex-Spieler, Journalisten und Sport-Wissenschaftler. Die Talente, die es in Brasilien immer noch zuhauf gibt, sollen wieder zu Starspielern werden und nicht irgendwo bei zweitklassigen Klubs im Ausland verkümmern, weil sie zu früh dem schnellen Geld nachlaufen, froh, den Slums entkommen zu sein.

Ob dies für die Weltmeisterschaft 2018 schon reicht? Dieser Plan muss wohl langfristig greifen. So schwärmen wir hierzulande eher noch von den Stars der Vergangenheit, vom „Wundersturm“ um Pelé mit Vava, Didi und Garrincha, von Ronaldo, Rivaldo, Socrates, Roberto Carlos und vielen anderen.

Olympische Spiele als Hoffnung

Die Frage „was ist mit Brasiliens Fußball los?“ gilt auch für die Frauen. Auch die Frauen um die mehrmalige Weltfußballerin Marta galten bei fast allen WM-Turnieren als Mitfavorit, doch Titel holten sie keine. In Kanada kam das Aus gleich im Achtelfinale ausgerechnet gegen Australien und nicht gegen eine große Mannschaft. Im nächsten Jahr soll es bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro besser werden, aber derzeit sieht es für Männer und Frauen eher nach Trauer wie bei der WM und nicht nach Euphorie aus. Auch bei Olympia konnten Männer und Frauen bisher nie Gold gewinnen, es blieb höchstens Silber oder Bronze (Deutschlands Männer und Frauen kamen übrigens nie über Bronze hinaus). Vielleicht wird aber auch alles anders und die Olympischen Spielen der Start zu einer neuen Hochzeit des Fußballs in Brasilien. Hoffentlich müssen wir als amtierender Weltmeister (Männer) nicht bald fragen, „was ist mit dem Fußball in Deutschland los?“

Ein Gruß von Pelé

Übrigens: Der Sport-Grantler ist stolz, dass er in seinem Trophäen-Keller ein T-Shirt mit der Original-Unterschrift von Pelé hängen hat, von dessen Abschiedsspiel 1977 bei Cosmos New York. Pelés große Karriere ging damals zu Ende. Schöne Erinnerungen bleiben, schöne Erinnerungen an den großen Fußball Brasiliens. Der Sport-Grantler würde sich über eine große Zukunft von Brasiliens Fußball freuen.

Der Fußball lebt, die FIFA ist am Ende

Ein kleiner Fußballplatz am Rande eines Dorfes. Wenig mehr als hundert Zuschauer feuern ihre „Stars“ an, trotzen dem Regen, bangen um den Aufstieg in die nächste Liga. Einmal Begeisterung, dann wieder Ärger, freuen, schreien, schimpfen – so geht es auf dem Fußballplatz zu. Der Fußball lebt. Ein Blick von der Basis an die Spitze: Die FIFA ist am Ende. Was sagt der kleine Mann in der Provinz: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“

Der Weltfußball hat seine schlimmsten Tage rund um den FIFA-Kongress in Zürich erlebt, Präsident Joseph S. Blatter mag sich ob seiner Wiederwahl bestätigt fühlen, aber es ist nicht mehr, wie es vorher war. Verhaftungen, Anschuldigungen rund um Korruption und Betrug um WM- und TV-Rechte-Vergaben haben den Verband zumindest in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert. Heute würde Bundeskanzlerin Angela Merkel beim FIFA-Boss nicht mehr das Bundesverdienstkreuz überreichen, sie würde für ihn eher eine Gefängniszelle suchen…

Das Erstaunlichste ist, dass Sepp Blatter seinem Namen als „Teflon-Präsident“ wieder alle Ehre gemacht hat. Alles prallt an ihm ab, er scheut sich nicht, mit blumigen Versprechungen in die Zukunft zu blicken. Korruption? Ein Vergehen Einzelner, Blatter spricht von einer guten Zukunft, will aufräumen. Was hat er in den bisherigen 17 Jahren seiner Präsidentschaft gemacht? Er hat vor allem die Fäden gezogen, hat sich um die Zustimmung der kleineren Verbände gekümmert und sich so eine Hausmacht gesichert. Die Seilschaften haben ihn jetzt bei der Wiederwahl nicht hängen lassen. „Die letzten vier Jahre“, hat er angekündigt – wie vor vier Jahren! Blatter hat vor allem im Geld gebadet, die FIFA besitzt ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar. Da darf man schon ein bisschen großzügig verteilen…

Platini der große Verlierer

Verlierer des FIFA-Kongresses in Zürich waren die Europäer. Sie kamen gegen Blatter nicht an und werden in Zukunft gegenüber den zahlenmäßig stärkeren Verbänden aus Afrika, Asien und Lateinamerika mit ihren Wünschen gegen eine Wand laufen. Das Sprichwort, „wer zahl, schafft an“ passt zwar zu Blatter, aber nicht zur UEFA. Sportlich ist Europa der Nabel der Fußball-Welt, von der Bedeutung her innerhalb des Funktionärsklüngels ist die UEFA ein Zwerg. Der große Verlierer heißt Michel Platini. Der UEFA-Präsident scheute sich, gegen Blatter anzutreten, jetzt hat er dennoch nur Niederlagen hinnehmen müssen. Selbst wenn Europa zusammen mit den starken Südamerikanern Brasilien und Argentinien zusammenstehen würde, kommen sie gegen die Masse der kleinen Verbände nicht an. An einen Boykott von Weltmeisterschaften als letztes Mittel sollte man lieber nicht denken. Aber die Idee liegt schon auf dem Tisch… Vielleicht muss Europa auch Geld in die Hand nehmen und mit Korruption gegen Korruption ankämpfen!

Der Sport-Grantler hat es schon einmal geschrieben, eine Gefahr droht Sepp Blatter höchstens von den Sponsoren. Wenn die ihre Macht des Geldes in die Waagschale werfen, kann die FIFA wirklich erschüttert werden. Die Weltkonzerne können es sich nicht leisten, dass der FIFA-Skandal an ihrem guten Ruf kratzt. Vielleicht liefern aber die Untersuchungen der Staatsanwaltschaften in den USA, England und der Schweiz doch noch Beweise, dass Blatter von den Machenschaften gewusst haben muss. Ein Wunder wäre das nicht, denn am Anfang seiner Regentschaft 1998 standen dubiose Briefumschläge mit Geld. Zahlungen von 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte. Blatter wies alle Vorwürfe immer zurück. Von allen Anschuldigungen, deren es in seiner Amtszeit viele gab, konnte er sich immer reinwaschen. Der „Persil-Blatter“ halt…