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Neue Bayern + Neue Borussia = Neuer Meister?

Alle Rätsel um Torjäger Robert Lewandowski haben sich am Wochenende aufgelöst, der Wechsel vom FC Bayern München zum FC Barcelona wurde perfekt gemacht. Damit drängte der Pole die erfolgreiche Frauen-Nationalmannschaft aus den Schlagzeilen. Ein Schicksal, das die Fußballerinnen immer wieder hinnehmen müssen, dabei machen sie bei der Europameisterschaft doch beste Werbung für sich. Aber von den Millionen Euro, die bei den Männern umgesetzt werden, können sie nur träumen.

Das größte Wechseltheater ist zu Ende, die Fragezeichen aber bleiben. Es war eigentlich von Anfang an klar, dass das „Basta“ von Bayern-Boss Oliver Kahn nur ein taktisches „Basta“ war, um den Preis in die Höhe zu treiben. Alle spielten ihr Spielchen, Vereine, Berater und Lewandowski selbst, dem eine Rufschädigung schlichtweg egal war. Vom Verein mit Festgeldkonto wechselt er zum Schuldenclub, der durch finanzielle Winkelzüge Millionen locker macht. Der im August 34-jährige Pole erhält in Spanien einen Vertrag bis 2026, in München sollte er zunächst mal um ein Jahr bis 2024 verlängern. Die Bayern kassieren (bei Boni) die 50 Millionen Euro, die als Schmerzgrenze galten. Die Fans vom FCB (jetzt FC Barcelona, nicht mehr FC Bayern) schwärmen vom Neuzugang, der behauptet, er hätte schon immer in der „La Liga“ spielen wollen, als Garant für Erfolg. Wir werden sehen, auch ein fitter Torjäger merkt das Alter.

Bei den Bayern geht eine Ära zu Ende. Lewandowski hinterlässt eine Flut an Rekorden, wurde in seinen acht Jahren in München immer Meister, wurde dreimal Pokalsieger, gewann Champions League sowie Klub-WM und wurde zweimal Weltfußballer des Jahres. Erfolge, die er anstrebte, er blieb lange Zeit nur deshalb in München, weil er sah, dass er sie mit den Bayern erreichen konnte. Der Pole ist eine Ich-AG, ein Egoist, kein Mannschaftsspieler. So wurde er von den Fans geachtet, bewundert, aber nicht geliebt wie einst zum Beispiel Gerd Müller. Als er dessen Saison-Torrekord auslöschte erinnerte er an den „Bomber“, das kam nicht von Herzen, sondern war Kalkül. 312 Tore hat Lewandowski seit 2010 in der Bundesliga erzielt (vorher für Dortmund), da bleibt Gerd Müller immerhin der Rekord mit 365 Treffern, den wird jetzt endgültig niemand mehr erreichen. Aber für dieses Vorhaben wollte Lewandowski dann doch nicht bleiben. Der kicker listet für ihn fast schon sensationelle 14 Bundesliga-Rekorde auf. Allein dies zeigt, welche Lücke der Dauer-Meister schließen muss. Andererseits soll der Pole zuletzt ein Stimmungskiller im Team gewesen sein.

Dies ist jetzt die große Frage, wie geht es weiter in der Bundesliga, bei den Bayern und den anderen Klubs? „Alle gegen Bayern“ titelte der kicker in seinem Bundesliga-Sonderheft (bekanntlich ein Kult-Produkt für alle Fußball-Fans), aber nicht einmal eine handvoll kann sich wirklich Hoffnungen machen. Im Prinzip heißt die Frage: Neue Bayern + Neue Borussia = Neuer Meister?

Die Dortmunder gelten als großer Konkurrent und hatten schon vor Wochen zur Attacke aufgerufen und mit den Verpflichtungen von Süle, Haller, Adeyemi, Nico Schlotterbeck und Özcan bei den Fans Hoffnungen geweckt und die Bayern unter Druck gesetzt. Die ließen den Rivalen erst machen und konterten vor allem mit der Verpflichtung von Sadio Mané vom FC Liverpool, ein Weltklassestürmer als Absicherung gegen den Lewandowski-Abgang. Dazu kamen die Ajax-Spieler Grevenberch und Mazraoui und rechtzeitig zur Team-Vorstellung am Samstag die Vertragsverlängerung bis 2026 mit Serge Gnabry, der sich sogar die Lewandowski-Rolle in der Mitte vorstellen kann. Mit den Lewandowski-Millionen (und noch was draufgelegt) wurde zudem Abwehr-As de Ligt von Juventus Turin gekauft.

Insgesamt ruft Trainer Julian Nagelsmann eine neue Bayern-Ära aus, das Spiel soll schneller, beweglicher und schlechter durchschaubar werden. Nicht einer soll Tore schießen, sondern viele, die Meister-Ära soll fortgesetzt werden. Die Bayern sagen im „mia-san-mia“-Stil: „Auch Gerd Müller und Franz Beckenbauer mussten ersetzt werden, wir waren dennoch weiter erfolgreich“. Aber immerhin nicht immer Meister! Dortmund aber will seine Schwächen ausmerzen, Leverkusen und RB Leipzig wollen angreifen, ein neuer Meister ist für die neue Saison nicht unwahrscheinlich. Wobei sich erst zeigen muss, welcher Verein für die harten Wochen bis zum Beginn der Weltmeisterschaft Mitte November gut gerüstet ist. Dortmund holt sich den letzten Schliff derzeit im Trainingslager in Bad Ragaz, die Bayern haben eine etwas holprige Vorbereitung und gingen am Montag auf USA-Reise. Dort treffen sie am Donnerstag auf Washington United und am Sonntag vor dem Rückflug in Green Bay noch auf Manchester City mit ihrem ehemaligen Trainer Pep Guardiola. „Dazwischen müssen wir unser Spiel einstudieren,“ betont Nagelsmann. Der erste ernste Auftritt ist der Supercup am 30. Juli bei Pokalsieger RB Leipzig.

Die Bundesliga startet am 5. August, die zweite Liga legte bereits am vergangenen Wochenende los (siehe auch den nächsten Kommentar „Die Prominenz will weg: Bald wieder Alltag in der 2. Bundesliga?“) und mancher Favorit musste die erste Enttäuschung hinnehmen. So mussten die Absteiger Fürth (2:2 gegen Kiel) und Bielefeld (1:2 in Sandhausen) erkennen, dass das Unterhaus kein Zuckerschlecken wird. Auffallend: Die Bild am Sonntag rückte von der „Kult-Liga“ wieder ab – Alltag in der 2. Bundesliga. Gefeiert wurde aber dennoch, vor allem in Hamburg, St. Pauli besiegte den Club aus Nürnberg mit 3:2 und der HSV machte beim 2:0 in Braunschweig deutlich, dass er sich auf den Weg nach oben macht. Einiges Glück war dabei, aber ohne das geht es nicht.

Frauen träumen vom Finale

Drei Siege, 9:0 Tore, die Bilanz der deutschen Fußball-Frauen nach der Gruppenphase der Europameisterschaft in England kann sich sehen lassen. Es bewahrheitete sich der Eindruck, dass das Team wirklich eine echte Mannschaft und ausgeglichen besetzt ist. Trainerin Martina Voss-Tecklenburg hat inzwischen alle Feldspielerinnen eingesetzt! Und da sorgten vor allem die „Aushilfskräfte“ als Außenverteidigerinnen, Sophia Kleinherne und Nicole Anyomi, für Aufsehen mit ihren Leistungen und ersten EM-Toren. Nur der Corona-Ausfall von Lea Schüller tut weh, dafür lässt es Kapitänin Alexandra Popp krachen, als erste deutsche Spielerin traf sie in allen drei Gruppenspielen.

So kann es weitergehen, die Frauen träumen jetzt sogar vom Finale. Die nächste Hürde ist am Donnerstag Österreich, das sich überraschend gegen Norwegen durchgesetzt hat. Es ist quasi ein Bundesliga-Duell, denn 13 Mädchen aus dem Austria-Kader spielen in der Bundesliga. Österreich beeindruckte mit spielerischer Klasse und viel Kampfgeist, spielt ähnlich kompakt wie Deutschland. Das kann eine zähe Angelegenheit werden. Seltsam, bisher gab es nur zwei Länderspiele zwischen den beiden Nationen, Deutschland siegte 2016 mit 4:2 und 2018 mit 3:1. Das sollte sich am besten wiederholen. Aber Achtung: Österreich stellt mit Nicole Billa die Bundesliga-Torschützenkönigin der Saison 2020/21 und „Spielerin des Jahres 2021“. Wird Österreich gemeistert, baut sich voraussichtlich Frankreich als nächste große Hürde im Halbfinale auf.

Die Fußball-Frauen haben es aber jetzt schon geschafft, dass die Sportfans in Deutschland auf sie aufmerksam wurden. Die EM-Spiele sind auch ein Quoten-Hit bei den deutschen Zuschauern im Fernsehen, so daß schon Hoffnung besteht, dass der Frauen-Fußball auf Dauer von diesem Turnier profitiert. Und Robert Lewandowski ist ja weg.

Die Prominenz will weg: Bald wieder Alltag in der 2. Bundesliga?

Die Europameisterschaft der Frauen steht derzeit im Blickpunkt der Sport-Öffentlichkeit, doch die Fußball-Fans in Deutschland haben auch schon die erste neue Punktrunde im Visier: Es hat sich in den letzten Jahren bewährt, dass die 2. Bundesliga früher beginnt als das Oberhaus und damit mehr Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Auch in diesem Jahr also ein Frühstart schon am kommenden Freitag, 15. Juli. Die Bundesliga beginnt erst am 5. August.

Die 2. Bundesliga startet natürlich wieder mit viel Hoffnung, aber auch ein bisschen Wehmut. Hoffnung bei vielen Klubs darauf, den Aufstieg in die 1. Bundesliga zu schaffen, bei anderen wiederum auf eine gute Saison, die keine finanziellen Schwierigkeiten bringt oder die Hoffnung, einfach die Klasse zu halten. Bei allen ist aber Wehmut dabei, weil sich die herausragende Saison 2021/22 nicht wiederholen wird: So prominent wie vor einem Jahr war die zweite Liga noch nie besetzt, sie wurde sogar als „Kult-Liga“ gefeiert. Die attraktiven Vereine Schalke 04 und Werder Bremen haben aber nur ein einjähriges Gastspiel gegeben (vorerst?), sie haben es geschafft, den Abstieg als Fehltritt abzutun. Die Prominenz will weg, sie will nach oben, so könnte in der 2. Bundesliga wieder der Alltag einkehren. Sie bietet guten Sport, doch der Großteil der Klubs ist nicht damit zufrieden.

Prominenz ist aber noch da, vorneweg natürlich der Hamburger SV. Der einstige Bundesliga-Dino krebst jetzt schon vier Jahre im Unterhaus herum, nach drei unglücklichen vierten Plätzen war man im Mai mit dem Einzug in die Relegation der Rückkehr so nahe wie nie. Nach einem 1:0-Sieg in Berlin scheiterte der HSV dennoch mit einem 0:2 im Rückspiel an Hertha BSC Berlin, das dafür den Retter-Trainer Felix Magath feierte. Aufgeschoben soll aber nicht aufgehoben sein. Trainer Tim Walter impfte seiner Mannschaft und dem Verein Selbstbewusstsein ein, die neue Saison steht unter dem Motto: Jetzt oder nie!

Die Hamburger wollen nicht als einzige nach oben, so prominent wie im Vorjahr sind die Absteiger aus dem Oberhaus mit Arminia Bielefeld und der SpVgg Greuther Fürth diesmal nicht. Ambitionen haben andere, so Darmstadt 98, im Vorjahr Vierter, oder der FC St. Pauli, vor allem aber auch die Ex-Bundesligisten 1. FC Nürnberg, Fortuna Düsseldorf und Hannover 96. Wie immer, wird es auch diesmal ein Überraschungsteam geben. Ein bisschen Prominenz kam auch durch die Aufsteiger in die 2. Bundesliga, der 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig und SC Magdeburg gelten immerhin als Traditionsklubs. Aber aktivieren sie auch das Publikum? Es sieht eher nach Alltag in der 2. Bundesliga aus.

Das ist der 1. Spieltag: Freitag, 20.30 Uhr: Kaiserslautern – Hannover. Samstag, 13.00 Uhr: Fürth – Kiel, St. Pauli – Nürnberg, Sandhausen – Bielefeld, Regensburg – Darmstadt. Samstag, 20,.30 Uhr: Magdeburg – Düsseldorf. Sonntag, 13.00 Uhr: Paderborn – Karlsruhe, Rostock – Heidenheim, Braunschweig – HSV.

Deutschland mit viel Spaß

Na, das war ja ein toller Auftakt der deutschen Frauen bei der Europameisterschaft in England. Gab es vorher bei den Beobachtern Zweifel über die Spielstärke der Mannschaft, so hat sie jetzt alle eines Besseren belehrt. Das 4:0 gegen den letzten Vize-Europameister Dänemark war ein Statement, vor allem das Auftreten der Mannschaft. Es war den Mädchen anzusehen, dass sie Spaß hatten, sie kämpften füreinander, sie machten Tempo. Bundestrainer Martina Voss-Tecklenburg durfte sich in allen Punkten bestätigt sehen. Besonders beeindruckend vor allem zwei Münchnerinnen, Lena Magull, als beste Spielerin überhaupt, und Giulia Gwinn, die Dänen-Star Harder zur Statistin machte.

Aber es gibt viele Geschichten rund um diesen geglückten EM-Start mit Spaß. Die Männer haben ihren Slogan „Die Mannschaft“, die Frauen leben ihn vor. Die Frauen setzten sich vor der Turnier-Vorbereitung auch zu einer reinigenden Aussprache zusammen, persönliche Dinge, taktische Fragen und das Verhältnis Spieler-Trainerteam wurden geklärt. Herausgekommen ist eine verschworene Gemeinschaft, die nach dem 7:0 im Test gegen die Schweiz nun beim 4:0 gegen Dänemark den Eindruck macht, als sei sie nicht zu stoppen. Das wird sich als Nächstes am Dienstag gegen einen der großen Favoriten Spanien zeigen (4:1 gegen Finnland).

Die Bundestrainerin hatte aber auch mit ihrer Einschätzung recht, dass der Mannschaft von der Bank immer neue Impulse gegeben werden können. Dies bewiesen vor allem Lena Lattwein und Alexandra Popp mit ihren Toren. Für die eigentliche Kapitänin Popp war eine EM bisher ein Flop, sie musste jeweils wegen Verletzungen passen. Jetzt bestritt sie nach einer Corona-Zwangspause ihre ersten EM-Minuten und krönte diese mit dem Treffer zum 4:0. Mehr Spaß kann nicht sein!

Ein Urteil gegen Infantino

Nicht nur die deutschen Frauen hatten ihren Spaß, zwei strahlende alte Männer gaben ebenfalls ein beeindruckendes Bild ab und innerhalb des Weltverbandes FIFA könnten diese lachenden Männer noch für viel Wirbel sorgen. Das Schweizer Bundesstrafgericht hat in Bellinzona ein Urteil gefällt, das andere bei der FIFA zittern lassen könnte. Der ehemalige Weltpräsident Sepp Blatter und ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini erhielten einen Freispruch, sie hätten sich bei einer umstrittenen Millionenzahlung nichts zu Schulden kommen lassen, man können ihnen zumindest nichts nachweisen. Platini war auf dem Sprung, Blatter in seinem Amt abzulösen, doch dies verhinderten Machenschaften von FIFA-Leuten mit Verbindungen zur Schweizer Justiz. Präsident wurde: Gianni Infantino.

Der müsste jetzt im Mittelpunkt der nächsten Schritte der Schweizer Justiz stehen und sollte eigentlich schon das Zittern bekommen haben. Platini kündigte gleich weitere juristische Schritte an und das nächste Verfahren ist im Blick, denn der damalige Chefermittler der Bundesanwaltschaft hat offensichtlich nicht einwandfrei gearbeitet, sondern in Infantinos Sinne, seine Einlassungen vor Gericht stimmen mit den Akten nicht überein und wurden von einem Zeugen zerpflückt. Deshalb auch der Freispruch für Blatter und Platini. Die Süddeutsche Zeitung sagt es genau richtig: „Das Urteil von Bellinzona dürfte noch Konsequenzen haben. Und es rückt endgültig jenen Mann in den Fokus, der vom durch schräge Ermittlungen und Behörden-Schmutzeleien bewirkten Sturz Platinis damals profitierte und der FIFA seit Amtsbeginn in üblere Verwerfungen und Skandale geführt hat, als es sein Vorgänger Blatter je vermochte: Gianni Infantino.

Klarheit bei den Bayern?

Die Bundesliga wollen wir nicht gänzlich außen vorlassen. Wenn man alle Spekulationen und Einschätzungen richtig deutet, wird es bei Bayern München eine spektakuläre Klärung im „Fall Lewandowski“ geben. Der Pole soll eigentlich am 12. Juli zum Training erscheinen, doch bis dahin gibt es vielleicht Klarheit, dass er doch nicht mehr für den Dauer-Meister spielen wird. Kassieren die Bayern nämlich eine dicke Ablöse für den Torjäger, so könnten sie den Toreverhinderer Matthijs de Ligt von Juventus Turin verpflichten. Der Holländer möchte gern zu den Bayern, diese wollen ihn, können aber die verlangte Ablösesumme (etwa 80 Millionen Euro) nicht zahlen. Es sei denn, es kommt Geld ins Haus. Bayern-Boss Oliver Kahn will einen Spieler für die Abwehr, der organisiert und redet, das sind weder Hernandez, Upamecano oder Pavard, der diese Rolle gern spielen würde. Möglich sogar, dass Pavard im Gegenzug nach Turin geht, damit die Ablöse niedriger wird. Das Spiel der Münchner würde sich ändern, für Tore könnte dann neben Mané auch noch Serge Gnabry sorgen. Bayern hätte etwas Neues (auch für Torhüter Neuer): Eine sichere Abwehr!

Tauschgeschäfte sind ja gar nicht so selten, so jetzt auch zwischen Freiburg und Augsburg praktiziert. Der Österreicher Michael Gregoritsch, zuletzt sogar so etwas wie die Lebensversicherung der Augsburger, wechselt nach Freiburg, dafür geben die Schwarzwälder ihren Stürmer Ermedin Demirovic zum FCA ab. Der Bosnier kam in Freiburg nicht so zum Zug wie gewollt. Mal sehen, welcher Verein mehr Spaß an seinem Stürmer hat. Spaß muss schließlich sein, wie die EM-Frauen beweisen!

Frauen-EM: Der Anfang soll nicht das Ende sein

Bühne frei für die Fußball-Frauen! Die Männer machen im Sommer Platz und so wird die Europameisterschaft der Frauen im Juli zum Fußball-Höhepunkt im Sommer. Da passt es, dass wegen Corona die EM um ein Jahr verschoben werden musste, da passt es, dass England der Ausrichter ist. Das Land nämlich, in dem der Frauen-Fußball eine immer bedeutendere Rolle spielt und viele Fans anzieht. Von 700.000 Karten sind bereits über 500.000 verkauft, das Finale am Sonntag, 31. Juli (18.00 Uhr), in Wembley wird zum besonderen Erlebnis. Im Gegensatz zur umstrittenen WM der Männer im Winter in Katar gibt es für die EM der Frauen nur positive Schlagzeilen.

Der Frauen-Fußball braucht die große Bühne (in Deutschland zum Beispiel viele Live-Übertragenen zur besten Sendezeit in ARD und ZDF), denn er kämpft nach wie vor weltweit um mehr Anerkennung. Teilerfolge wurden erzielt, wie in den USA und Spanien zum Beispiel, wo die Frauen genauso viel verdienen sollen wie die Männer. Andererseits geht es den Mädchen in erster Linie gar nicht ums Geld, sie wollen einfach mehr Anerkennung und in ihrer Organisation mehr Professionalität, dabei soll national auch die Männer-Bundesliga helfen. Die großen Vereine sollen sich auch um die Frauen kümmern.

1984 wurde erstmals eine Europameisterschaft der Frauen ausgetragen, Sieger war Schweden. Von 1987 bis 1997 wurde die EM alle zwei Jahre ausgetragen, ab da alle vier Jahre, jeweils im Jahr nach der EM der Männer, um im Zyklus den großen Turnieren der Männer aus dem Weg zu gehen. Bestimmt wurden die EM-Turniere von Deutschland, das acht Mal Europameister wurde und von 1995 bis 2009 immer siegte, dazu kamen die Titel 1989, 1991 und 2013. Norwegen gewann 1987 und 1993, die Niederlande überraschend 2017 und sind damit Titelverteidiger.

Die Dominanz hat Deutschland verloren, der Frauen-Fußball hat sich international sportlich stark entwickelt und da ist das DFB-Team leider nicht mehr ganz mitgekommen. Zuletzt verpasste der Olympiasieger von 2016 sogar die Qualifikation für Olympia und bei der letzten EM und WM kam das Aus im Viertelfinale. Der Spannung ist es allerdings dienlich, dass es inzwischen einen großen Kreis von Favoriten-Teams gibt. Von den 16 Nationen, aufgeteilt in vier Gruppen, wird der Hälfte der Titelgewinn zugetraut, vor allem England als Gastgeber und Spanien, das vielleicht die größten Fortschritte gemacht hat, aber auch Norwegen, Dänemark, Schweden, Frankreich, natürlich Titelverteidiger Niederlande und ein kleines bisschen auch Deutschland.

Ein Blick auf diese Mannschaften zeigt, dass es das DFB-Team in der Gruppe B mit Dänemark, Spanien und Finnland als Außenseiter schwer hat, nur zwei Mannschaften ziehen ins Viertelfinale ein. Erster Gegner ist am Freitag (21.00 Uhr/ZDF) ist Dänemark, gegen das Deutschland vor vier Jahren im Viertelfinale 1:2 unterlag. Jetzt muss aber ein Sieg her, denn Spanien (Dienstag, 12.7., 21.00 Uhr/ARD) gilt als noch stärker und zum Abschluss folgt Außenseiter Finnland (Samstag, 16.7., 21.00 Uhr/ZDF). Das erste Spiel, in einem Turnier eher gern als leichter Einstieg gesehen, muss also gewonnen werden, der Anfang soll schließlich nicht das Ende sein, die EM nach zwei Spielen nicht abgehakt. Wobei es mit den schweren Aufgaben weitergeht, denn im Viertelfinale droht Gastgeber England. Der eröffnet auch das Turnier am Mittwoch (21.00 Uhr/ARD) gegen Österreich.

Trotzdem ist die deutsche Mannschaft mit Optimismus nach England gereist. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, seit 2018 im Amt und als Spielerin vier Mal Europameister, sagt selbst, dass sie die Mannschaft jetzt besser kennt („Wir hatten praktisch drei Jahre Vorbereitungszeit“) und ihr Ziel ist klar: Sie will auch als Trainerin den Titel gewinnen. Die Mannschaft ist eine Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen, schmerzlich fehlen die verletzte Dszenifer Marozsan und die schwangere Melanie Leupolz. Aber auch mit Däbritz, Oberdorf und Magull gilt das Mittelfeld als Glanzstück, Schwächen sind eher in der Abwehr auszumachen, wo im Tor Merle Frohms die langjährige Stammkraft Almuth Schult nach deren langen Schwangerschafts- und Verletzungspause als Nummer 1 abgelöst hat. Ein Trumpf könnte eine starke Auswechselbank sein, eine Stärke die Frische und Energie der Mannschaft, die in drei Trainingslagern zu einer echten Einheit zusammengewachsen ist. In Herzogenaurach war man bestens untergebracht, am Sonntag bezog die DFB-Elf ein nobles Quartier im Londoner Stadtteil Brentford, in der Nähe, im Community Stadium, startet für Deutschland am Freitag das Turnier. Das könnte dabei die Startelf sein: Frohms – Gwinn, Hendrich, Hegering, Rauch – Däbritz, Oberdorf, Magull – Huth, Schüller (Popp), Bühl.

Das Aufgebot insgesamt: Tor: Merle Frohms (Frankfurt), Almuth Schult (Wolfsburg), Ann-Katrin Berger (Chelsea). – Abwehr: Sara Doorsoun, Sophia Kleinherne (beide Frankfurt), Giulia Gwinn, Marina Hegering (beide Bayern), Kathrin Hendrich, Felicitas Rauch (beide Wolfsburg). – Mittelfeld/Sturm: Svenja Huth, Lena Lattwein, Lena Oberdorf, Alexandra Popp, Tabea Waßmuth (alle Wolfsburg), Klara Bühl, Linda Dallmann, Sydney Lohmann, Lina Magull, Lea Schüller (alle Bayern), Nicole Anyomi, Laura Freigang (beide Frankfurt), Jule Brand (Hoffenheim), Sara Däbritz (Paris St. Germain).

Bayern und der Maulwurf

Am Montag hat als letzter Bundesligist auch Meister Bayern München das Training aufgenommen. Doch von den alten Stammspielern waren nur drei dabei, die strapazierten Nationalspieler haben je nach Einsätzen noch bis 8. oder 12. Juli Urlaub. Bei der Arbeit war aber Trainer Julian Nagelsmann, der in der letzten Woche für die Schlagzeilen sorgte und den „FC Hollywood“ wieder zum Leben erweckte. Er enthüllte im Urlaub auf Ibiza selbst das Geheimnis, dass er neuerdings neu liiert ist. Die Frau an seiner Seite sorgte allerdings für Aufregung: Bild-Reporterin Lena Wurzenberger mit dem Hauptaufgabengebiet – Bayern München. Bild verkündete „Julian Nagelsmann liebt Bild-Reporterin“ danach allerdings auch fettgedruckt, dass man die Reporterin „mit sofortiger Wirkung von der Berichterstattung über den FC Bayern entbunden habe“.

Dies ist Privatsache von Nagelsmann, doch die Frage stellt sich, ob da in der Vergangenheit der „Maulwurf“ zu finden ist, der den Bayern seit Jahren zu schaffen macht. Einzelheiten aus Verein und vor allem Mannschaft tauchen immer wieder im Boulevard-Blatt auf. Anschließend nämlich auch die Meldung über das Lewandowski-Theater mit dem Hinweis „Bild weiß, was Bayern zum neuen Barca-Angebot sagt“. Das Spielchen um Lewandowski geht übrigens weiter, in allen Medien. Der Barca-Präsident ruderte allerdings ein bisschen zurück und zeigte sich „geehrt“, dass der Pole nach Barcelona will. Es bleibt dabei, dass Barca erst die finanziellen Voraussetzungen schaffen muss, um überhaupt Verstärkungen zu verpflichten. Lewandowski könnte doch zu der Erkenntnis kommen, dass er noch ein Jahr lang in München besser aufgehoben ist.

Am Freitag steht übrigens nicht nur die deutsche Frauen-Nationalmannschaft im Fokus, sondern der Blick richtet sich auch in die Schweiz. Am Freitag soll im Verfahren Blatter/Platini von der Schweizer Justiz das Urteil gesprochen werden. Im Rahmen der Verhandlung und der Zeugenaussagen, erhärtete sich allerdings der Verdacht, dass es um Ränkespiele in der FIFA geht und Gianni Infantino nur zum Präsidenten gewählt werden konnte, weil die Schweizer Justiz mithalf, den Franzosen Michel Platini zu stoppen. Könnte sein, dass die Affäre jetzt erst richtig beginnt, mit seriösen Ermittlungen, weil die Schweizer Justiz wohl ihren Ruf retten will. Dies unabhängig davon, wie der Richterspruch lautet.

Im Sommer träumen alle von einer goldenen Zukunft

Am Ende einer Fußball-Saison gibt es wohl mehr enttäuschte Anhänger als solche, die feiern können. Von 14, 16, 18 oder mehr Vereinen, egal ob Amateure oder Profis, kann nur einer den Titel feiern, in manchen Ligen gibt es höchstens noch die Relegation. So sind doch eigentlich die Wochen zwischen den Spielzeiten, nämlich der Sommer, die schönste Zeit für Vereine und Fans. Da tut sich was in den Klubs (siehe Thema Wechsel vom 20. Juni: „Das Wechseltheater ist spannender als die Punktrunde“) und alle träumen von einer goldenen Zukunft, die soll nämlich meist besser und erfolgreicher werden (bei manchen geht schlechter oder chaotischer gar nicht mehr).

Bestes Beispiel für die Träume von einer goldenen Zukunft ist Hertha BSC Berlin. Dort gab es bei großer Hitze (wie fast überall in Deutschland) am Sonntag eine Außerordentliche Mitgliederversammlung, auf der es im CityCube im Messegelände noch hitziger zuging als draußen und die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt werden sollte. Ob das gelungen ist, wird sich zeigen, aber wie so oft, hat Hertha wieder einen besonderen Weg eingeschlagen. Der Aufstieg ist nämlich einmalig in der Bundesliga, von der Kurve an die Spitze des Vereins. Nachfolger des zuletzt ungeliebten Präsidenten Werner Gegenbauer, der 14 Jahre lang den Verein führte, wurde mit Kay Bernstein ein Mann der Fans. Er setzte sich mit 1670 zu 1280 Stimmen gegen seinen Hauptkonkurrenten Frank Steffel durch, früherer Bundestagsabgeordneter, Boss von Handball-Bundesligist Füchse Berlin und vom Aufsichtsrat vorgeschlagen. Ein Mann des Establishment halt, aber die Mehrheit wollte einen Neuanfang.

Für den steht Kay Bernstein, ein „Mann der Kurve“, wie er selbst sagt, Mitbegründer der Ultra-Gruppe „Harlekins ’98“, die später mit sozialen Projekten auf sich aufmerksam machte. Heute ist der 41-Jährige Event- und Kommunikationsmanager, er sollte zumindest das Handwerk des Verkaufens verstehen. Gut verkauft hat er sich den Mitgliedern gegenüber schon, analysierte „unsere Dame liegt auf der Intensivstation, wir können sie nur von innen gesund machen, eine Entgiftung von innen heraus“. Sein Ziel: „Wir müssen unsere blauweiße Seele zurückgewinnen.“ Er stand nicht im Anzug am Rednerpult, sondern in einer Hertha-Jacke. In seinem Zehn-Punkte-Programm als erste Maßnahmen steht u. a., dass die Profis für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle grillen. Motto: Es geht nur gemeinsam. Mit Geldgeber Lars Windhorst will er sich schnell zusammensetzen, noch wichtiger ist das Gespräch mit Manager Fredi Bobic.

Von einer goldenen Zukunft träumen sie alle, selbst bei Bayern München, dort ist der Gewinn der Champions League das Ziel. Eine bisschen bescheidener ist man in Dortmund, dort will man bald die Bayern an der Spitze der Bundesliga ablösen. Aber wer schon oben ist, bei dem sind die Wünsche nicht so ausgeprägt. Anders ist es wohl in Mönchengladbach, dort wird von Europa geträumt, zuletzt war man eher in der Abstiegszone zu finden. Jetzt wird wieder geträumt, der neue Trainer Daniel Farke hat frischen Schwung in den Verein gebracht, er ist einer der „jungen Wilden“, auf die derzeit viele Vereine setzen.

Da ist der FC Augsburg ein typisches Beispiel, Enrico Maaßen, erst 38, hat Markus Weinzierl abgelöst, der zwar die Hauptaufgabe erfüllt hat, weil die Bundesliga erhalten blieb, aber an internen Streitigkeiten scheiterte. Maaßen kommt von Dortmunds zweiter Mannschaft und sieht den FCA als Sprungbrett und weiß wie sich der Verein die Zukunft wünscht: „Wir wollen wieder eine klare Identität kreieren, etwas, wofür der Verein steht.“ Manager Stefan Reuter will endlich Ruhe auf dem Trainerposten, der Neuling bekam einen Drei-Jahres-Vertrag, weil er für Schwung, ein Miteinander und spielerischen Fortschritt steht. So etwas wünschen sich viele Vereine, eine goldene Zukunft eben.

Der 1. FC Köln spricht dagegen fast schon von einer goldenen Vergangenheit, der neuer Trainer Steffen Baumgart hat den Verein vom Tabellenende weg nach Europa geführt. Diese goldenen Tage sollen Bestand haben, sein Vertrag wurde vorzeitig von 2023 bis 2024 verlängert. Nach Freiburger Vorbild will es der neue Geschäftsführer Christian Keller auch so handhaben, frühzeitig reden, dann vorsichtig für ein Jahr verlängern. Mit Baumgart liegt er da auf einer Linie. Köln lebt also eine goldene Gegenwart.

Frauen lassen hoffen

Zuletzt hatte es bei den Fußball-Frauen ja ein bisschen gehapert, die Leistungen war nicht zufriedenstellend, gegen Serbien gab es in der WM-Qualifikation sogar eine Niederlage. Wie soll es dann gegen die Großen bei der Europameisterschaft aussehen? Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hatte allerdings den Optimismus nie verloren und versprach fast schon gebetsmühlenartig, dass die Nationalspielerinnen bis zur Europameisterschaft in England in Form kommen werden. Das Versprechen wurde fast schon eingelöst, der Schwung und die Begeisterung, mit der ihre Schützlinge die Schweiz mit 7:0 an die Wand spielten, lässt hoffen. Noch fehlt es vielleicht ein bisschen an Präzision, aber mit dem schnellen Spiel sollte auch Dänemark als erster Gegner am 8. Juli vor Probleme gestellt werden.

Vorteil Deutschland, Vorteil Voss-Tecklenburg: Der Kader ist sehr ausgeglichen, die Bundestrainerin kann nachlegen, wenn jemand nicht in Form ist. Die Auswechslungen gegen die Schweiz brachten keinen Bruch im Spiel, sondern eher noch mehr Schwung. Und Frankfurts Stürmerin Nicole Anyomi glänzte plötzlich als rechte Verteidigerin, nachdem Giulia Gwinn vom Feld ging. Dabei war die Außenverteidiger-Position als Schwachstelle ausgemacht worden, weil es für Gwinn und Felicitas Rauch keinen wirklich Ersatz im Kader gibt. Passende Notlösungen offensichtlich schon.

Angeführt wurde das Team gegen die Schweiz von Klara Bühl von Bayern München, der einfach alles gelang, an vier Toren war sie beteiligt. Als sie ging, kam Jule Brand (Hoffenheim) – und traf! Auch im Mittelfeld zeigten Oberdorf-Magull-Däbritz eine Harmonie, die hoffen lässt. Nicht geprüft wurde die Abwehr, die vielleicht ein Sorgenkind sein könnte. Noch sind es ja eineinhalb Wochen bis zum Start, die Mädchen träumen jedenfalls auch von einer (nahen) goldenen Zukunft.

Mehr zur Europameisterschaft der Frauen an dieser Stelle in einer Woche.

Die Finals und der Kampf um mehr Aufmerksamkeit

Neidisch schauen die Sommersportarten im Schatten des Fußballs immer auf die Winterdisziplinen. Gut, früher war die Leichtathletik ein Knüller im Fernsehen und musste sich gegenüber Skispringen oder Biathlon nicht verstecken, doch heute können da nur noch Welt- und Europameisterschaften mithalten. Live-Übertragungen von sogenannten Randsportarten wie Tischtennis oder Turnen gab es aber gar nicht. Die Fernsehanstalten, die dem Fußball viel Geld bezahlen, forderten sogar Bezahlung von den Sportverbänden, um eine Übertragung zu ermöglichen. Der Winter dagegen boomt, von November bis März gehören die Nachmittage am Samstag und Sonntag bei ARD und ZDF dem Wintersport, von Ski alpin oder nordisch bis Rodeln und Bob wird alles gesendet und über zwei Millionen Zuschauer sind dabei, im Schnitt mehr als bei den normalen Programmen in den anderen Monaten. Die Sommersportarten hätten so etwas auch gern und haben zumindest in einem engen Rahmen einen Erfolg im Kampf um mehr Aufmerksamkeit erreicht. Vorhang auf: Die große Bühne für kleine Sportarten!

Die Idee war, dass sich mehrere Sportarten zusammen tun und ihre Deutschen Meisterschaften an nur einem Ort austragen. So entstanden „Die Finals“, die jetzt zum dritten Mal in Berlin veranstaltet werden. 14 Deutsche Meisterschaften werden in vier Tagen von Donnerstag bis Sonntag in Berlin ausgetragen, 190 Titel werden vergeben. Im Mittelpunkt steht sicherlich die Leichtathletik, aber auch Turnen, Kanu oder auch Exoten wie Polo sind dabei. Neu sind Fechten, Rudern und Trampolinturnen, welches das Angebot des Turnens komplettiert, denn nun sind neben Geräteturnen und Rhythmischer Sportgymnastik alle olympischen Turn-Disziplinen an Bord. Das Fernsehen ist mit 25 Stunden Sendezeit in ARD und ZDF dabei, wer damit nicht genug hat, kann 70 Stunden lang die verschiedenen Wettkämpfe im Live-Streaming verfolgen. Für den Sport also Winter-Feeling im Sommer.

Berlin im Banne des Sports, an neun Standorten wird gekämpft, unter anderem auch am Brandenburger Tor oder im Strandbad Wannsee, im Mittelpunkt natürlich das Olympiastadion und die Max-Schmeling-Halle. Ein Multisportevent mit einem Hauch von Olympia. Die Verbände haben richtig reagiert, dass sie nicht nur meckern, sondern etwas Neues kreieren. ARD und ZDF werden solange mitmachen, solange die Einschaltquoten stimmen, was im Sommer teilweise natürlich auch vom Wetter abhängig ist. Wer sitzt bei schönstem Sonnenschein schon vor dem Fernseher. Da haben es die Wintersportarten natürlich leichter, an manchen kalten Tagen werden es sich wohl nicht nur echte Sportfans vor dem Fernseher gemütlich machen.

In diesem Jahr folgt in Deutschland übrigens noch eine weitere Sport-Großveranstaltung mit gemeinsamen Meisterschaften. München feiert vom 11. bis 21. August vor allem im Olympiapark und auf vielen modernisierten Olympia-Anlagen die „European Championships Munich 2022“ in Erinnerung an die Olympischen Sommerspiele 1972 in München. 50 Jahre danach sind es in einem wesentlich kleinerem Rahmen neun Europameisterschaften unter anderem im Turnen und der Leichtathletik. Auch da werden ARD und ZDF wieder umfangreich berichten und sich etliche alte Sportfans an die heiteren Spiele mit traurigem Ausgang erinnern.

Das Wechseltheater ist spannender als die Punktrunde

Jetzt steht es fest: Die Fußball-Bundesliga beginnt am Freitag, 5. August, mit dem Knüller Eintracht Frankfurt (Champion in der Europa League) gegen Bayern München (zehn Jahre lang immer Meister). Warten die Fans jetzt voller Vorfreude auf die neue Saison? Nein, denn ihre Aufmerksamkeit liegt zur Zeit darauf, wie ihr Verein denn für die nahe Zukunft gerüstet ist. Die offizielle Wechselfrist beginnt zwar erst am 1. Juli, doch bereits jetzt beherrscht vor allem ein Thema die Medien und Fans: Wer kommt, wer geht? Das Wechseltheater ist spannender als die Punktrunde, denn da weiß (fast) jeder, Bayern wird Meister!

In der Bundesliga spielte bisher Borussia Dortmund die Hauptrolle im Wechseltheater. Neuer Trainer und neue Spieler mit nur einem Ziel: Endlich die Bayern stoppen. Der Coup bestand darin, den Münchnern Niklas Süle abgeluchst zu haben und dazu mit Nico Schlotterbeck das mögliche Abwehrduo der Nationalmannschaft in den eigenen Reihen zu platzieren. Dazu kommen bisher Karim Ademeyi aus Salzburg und Salih Özcan aus Köln, eine Investition von etwa 55 Millionen Euro, allein für Erling Haaland hat der BVB aber 75 Millionen kassiert.

Die Bayern backten bisher kleinere Brötchen, die Neuen von Ajax Amsterdam, Ryan Grevenberch (18,5 Millionen) und Noussair Mazroui (ablösefrei) rissen niemand von den Sitzen. Doch jetzt folgte der Befreiungsschlag: Mit Sadio Mané vom FC Liverpool holten die Münchner einen echten Weltstar in die Bundesliga. „Er bringt die Liga zum Leuchten“ urteilt das Fachblatt kicker. Der 30-jährige Senegalese hat den Bayern schon mal weh getan, nun soll er den Meister zu Erfolgen vor allem in der Champions League führen. Es ist der Coup, den die Bayern oft in der Vergangenheit gesetzt haben, wenn sie mit der Saison nicht ganz zufrieden waren. Ein Dreijahresvertrag soll in dieser Woche unterschrieben werden, die Ablösesumme beträgt als Basis 32 Millionen Euro, es könnten aber bei entsprechenden Erfolgen noch 41 Millionen werden. Fast ein Schnäppchen, denn als Mané 2016 von Southampton nach Liverpool wechselte, kostete er bereits 40 Millionen Euro.

Jetzt ist die große Frage, ob Mané Torjäger Robert Lewandowski ersetzen wird oder neben dem Polen wirbeln (Mané fühlt sich eher auf den Flügeln wohl). Könnte sein, dass Lewandowski seine Wechselgedanken zum FC Barcelona neu ordnet. Ist der von Schulden geplagte Verein wirklich eine gute und erfolgversprechende Lösung? Kann er vielleicht doch mit Mané seine sportlichen Ziele erreichen? Andererseits ist da Trainer Julian Nagelsmann, der auf ein bewegliches Angriffsspiel setzt, da fühlte sich der Pole zuletzt nicht so wohl bzw. zurückgesetzt. Mané wird aber vor allem Coman, Gnabry (so er bleibt) und Sané Beine machen.

Die Bayern haben zumindest vorgesorgt. Dortmund will sich allerdings nicht in den Hintergrund drängen lassen, sondern forciert seine Bemühungen um Verstärkungen, jetzt ist Ajax-Torjäger Sebastien Haller (in der Bundesliga schon erfolgreich) als Haaland-Ersatz im Gespräch. Ein Weltstar ist er aber nicht. Der FC Liverpool hat übrigens ebenfalls vorgesorgt, damit der Mané-Abgang nicht schmerzt. Während der Saison kam ja schon Flügelflitzer Luis Diaz, jetzt gibt der Klub von Jürgen Klopp noch viel Geld für Torjäger Darwin Nunez von Benfica Lissabon aus, der Uruguayer kostet rund 100 Millionen Euro. Im Wechseltheater ist also einiges los.

Angesichts dieser Aktivitäten verblassen die Rollen der Nebendarsteller, aber abgerechnet wird am Schluss, es ist noch viel Zeit. Einigen Wirbel gibt es in Frankfurt, da steht Dampfmacher Filip Kostic vor dem Absprung, Alario von Bayer Leverkusen wird als Neuzugang gehandelt und für einen Hammer sorgte die Eintracht auch: Sie habe Interesse an Mario Götze, heißt es, man stehe kurz vor dem Abschluss. Der WM-Held von 2014 ist nach einem Tief zuletzt in Eindhoven wieder aufgetaucht. Angeblich möchte er zurück in die Bundesliga und zudem in die Nationalmannschaft. Das passt zu einem tollen Theater. Theater gibt es aber auch um David Raum, dem neuen Star auf Links im Nationalteam, den Hoffenheim über kurz oder lang nicht halten kann. Auch da hat der BVB seine Finger im Spiel, aber das Geld könnte nicht reichen, wenn Klubs aus England zuschnappen. Die Neureichen aus Newcastle und West Ham sollen Interesse haben, 40 Millionen stehen bei David im Raum, wohl zu viel für Dortmund.

Ein Wechsel ist noch mehr als nur eine Randnotiz: Miroslav Klose, Weltmeister 2014, 137-facher Nationalspieler und mit 71 Treffern bester Torschütze der DFB-Auswahl, startet jetzt seine Karriere als Profi-Trainer. Den ersten Versuch darf der 44-Jährige beim österreichischen Erstligisten SCR Altach machen. Der kleine Verein in Vorarlberg hat gerade noch die Klasse erhalten, jetzt soll es mit Klose nach oben gehen. Klose hat zum Anfang seiner Trainer-Karriere ein Praktikum beim DFB gemacht unter Bundestrainer Joachim Löw, war zwei Jahre lang Coach der U17 bei Bayern München und danach Assistent von Cheftrainer Hansi Flick mit dem Gewinn des Triple 2020. Jetzt löst er in Altach den Schweizer Ludovic Magnin ab, der früher in Bremen und Stuttgart gespielt hat. Klose nimmt als Assistent Slaven Skeledzic mit, mit dem er bei der U17 gearbeitet hat. Mit Ballbesitz, spielerischen Momenten und offensivem Ansatz will der einstige Torjäger Altach nach oben führen. Gewöhnen muss er sich an ein kleines Stadion, Altach hat 7000 Einwohner, 4130 sind durchschnittlich bei den Spielen dabei. Viel Glück, Miro!

Frauen im EM-Fieber

Ein Wechseltheater gibt bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen nicht, aber ein bisschen Theater schon rund um den Kader für die bevorstehende Europameisterschaft. Zuerst wollte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg den Kader von 28 auf 23 frühzeitig reduzieren, dann nicht, nun tat sie es doch und sorgte damit für ein bisschen Verwunderung. Nicht dabei sind die Torhüterin Tufekovic (Hoffenheim) sowie Nüsken (Frankfurt), Rall (Bayern) und überraschend Jana Feldkamp (Hoffenheim). Mit der Nominierung des Abwehrtalents durfte gerechnet werden, jetzt erhielt jedoch Sara Doorsoun (Frankfurt) den Vorzug, aber gerade sie zeigte in der Vergangenheit große Schwächen. Mit Kapitänin Alexandra Popp, die positiv auf Corona getestet wurde, rechnet die Trainerin, belässt aber zur Sicherheit Chantal Hagel (Hoffenheim) als 24. Spielerin im Team. Verzichten muss sie ja sowieso auf Melanie Leupolz, die Mutterfreuden entgegen sieht, und die verletzte Maroszan.

Nach zwei Trainingslagern fiebert die Mannschaft jetzt der Europameisterschaft in England entgegen. Start für das deutsche Team ist am 8. Juli gegen Dänemark, dann folgen Spanien (12.) und Finnland (16.) als Gruppengegner. Der einzige Test findet am Freitag (17.00 Uhr) gegen die Schweiz statt.

Welches ist das wahre Gesicht der DFB-Elf?

Ende gut, alles gut? Nein, Ende gut, aber nicht alles gut bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Zum Abschluss des Viererpacks in der Nations League haben die Flick-Schützlinge beim 5:2 gegen Italien geglänzt, haben mit viel Schwung agiert und den Gegner fast an die Wand gespielt. Ein Befreiungsschlag nach viermal 1:1. Doch war Italien an diesem Abend ein großer Gegner? „Der Borussia-Park wurde zum Vergnügungspark für die Deutschland“ ätzte die Presse in Italien über die eigene Mannschaft und urteilte „kleines Italien“. Ende gut, alles gut? Das Urteilt kann erst im November/Dezember bei der Weltmeisterschaft in Katar gefällt werden. Bis dahin bleiben Zweifel: Welches ist das wahre Gesicht der DFB-Elf?

Hansi Flick betont immer die „Entwicklung“, die seine Mannschaft mache. Einmal ist sie zu sehen, dann wieder nicht, dann fragen wir uns, „wo ist die Entwicklung?“ „Schritt für Schritt müssen wir voran gehen,“ bittet der Bundestrainer um Geduld und muss sich manchmal selbst fragen, „wo ist die Entwicklung?“ Er betont vor der Sommerpause „wir sind auf dem richtigen Weg, wir spielen guten Fußball. Ich bin voller Zuversicht.“ Also, die Zuversicht ist uns ein bisschen abhanden gekommen, aber die Spiele in der Nations League brachten auch nur bedingt die Wahrheit ans Licht. Das gilt fast für alle Nationen. Was ist von dem 4:0 von Ungarn gegen England zu halten? England ist in der deutschen Gruppe ebenso Letzter wie Frankreich hinter Dänemark, Kroatien und Österreich! Wir kennen alle das Potential dieser Nationen, Frankreich kann mit Mbappé, Benzema, Griezmann und Coman auftrumpfen und hat auch noch Nkunku – welche Sturmkraft!

Auf die kann Hansi Flick nicht zurückgreifen. Er will den seltsamen PR-Slogan „Die Mannschaft“ zum Leben erwecken, die Mannschaft muss es richten. Dann hält er an einem Timo Werner halt solange fest, bis der wirklich Tore schießt. Und wenn wir Aufstellung und Spiel gegen Italien ansehen, dann stand da wohl die mögliche WM-Elf anfangs auf dem Feld: Neuer – Klostermann, Süle, Rüdiger, Raum – Gündogan, Kimmich – Hofmann, Müller, Sané – Werner.

Aber der Weg bis zum WM-Auftakt im November ist noch lang, gespickt mit einem strapaziösem Programm für alle Nationalspieler. Verletzungen werden für Aufregung und Bangen sorgen, der eine oder andere WM-Kandidat erfüllt vielleicht nicht einmal Flicks Grundvoraussetzung: „Jeder muss in seinem Verein genügend Spielpraxis bekommen.“ Das war bei Werner zuletzt bei Chelsea London nicht der Fall, auch Gündogan war oft nur Ersatz bei Manchester City, wenn auch dann wieder ein wichtiger Faktor. Knapp dahinter sind sowieso Spieler wie Schlotterbeck, Goretzka, Musiala, Havertz und Gnabry. Auch der ewig verletzte Marco Reus ist natürlich nicht abgeschrieben und Hoffnungen machen sich u. a. noch Marcel Halstenberg, Matthias Ginter, Robin Goosens, Florian Neuhaus oder Talent Florian Wirtz, die jetzt nicht zum Kader zählten. Wer ist im Herbst in Form? Der WM-Kader könnte am Ende doch noch ein wenig anders aussehen.

Am 5. August beginnt erst einmal wieder die Bundesliga, die nächste Aufgabe der Nationalmannschaft heißt am Freitag, 23. September (20.45 Uhr) Ungarn (in Leipzig) , dann geht es ebenso im Nations Cup am Montag, 26. September (20.45 Uhr) nach England. Der WM-Kader soll am 10. oder 11. November nominiert werden, das WM-Trainingslager beginnt am 14. November, ein Testspiel ist noch vorgesehen. Die WM-Gruppenspiele stehen fest: Mittwoch, 23.11. (14.00 Uhr) Japan, Sonntag, 27.11. (20.00 Uhr) Spanien, Donnerstag, 1.12. (20.00 Uhr) Costa Rica. Dann gilt es, dann sollte die Entwicklung zu sehen sein.

Die Konkurrenz wird mutig: Das Ende der Bayern-Ära?

Die Sommer-Belustigung Nations League geht zu Ende, dann bekommen auch die Nationalspieler ihren verdienten Urlaub. Die Klubs der Fußball-Bundesliga beginnen allerdings noch im Juni mit der Vorbereitung auf die neue Saison, die am Freitag, 5. August, eingeläutet wird (am Freitag stellt die DFL den Spielplan vor). Frühstarter sind Schalke 04 und der VfL Bochum am 20. Juni. Spätstarter ist Bayern München am 4. Juli, die Nationalspieler bekommen sogar bis zum 8. Juli frei. Der Meister kann es sich wohl leisten, aber auf die kommende Saison sollte er sich eigentlich besonders gewissenhaft vorbereiten. Von zehn Bayern-Titeln in Folge hat die Konkurrenz die Nase voll und sie wird mutig, rüstet auf. Dagegen gibt es bei den Münchnern eher Krach und auf einen Transferknüller warten die Fans noch. Steht das Ende der Bayern-Ära bevor?

Die Medien sind sich einig: Die Verfolger blasen endgültig zur Bayern-Jagd, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und RB Leipzig werden mutiger und haben den Titelgewinn in ihre Agenda aufgenommen. Bisher war ihnen immer vorgeworfen worden, dass sie schon vor der Saison nur schauen, wer denn nun Zweiter wird und allein die Teilnahme an der Champions League als Ziel ausgeben. Das hat sich offensichtlich geändert.

Das spannendste Projekt tut sich wohl in Dortmund auf. Die Borussia wandelt auf den Spuren, die eigentlich Bayern hinterlassen wollte. Uli Hoeneß hat vor einiger Zeit als Manager die Devise ausgegeben, das Herz der deutschen Nationalmannschaft muss in München schlagen. Das könnte sich ändern, Dortmund verstärkt sich mit deutschen Nationalspielern, die Bayern vertrauen vor allem auf die französische Klasse, da schlägt eher das Herz Frankreichs in München. Aber ein Abwehrchef fehlt. Die Borussia hat dagegen den Bayern Abwehr-As Niklas Süle weggeschnappt und zudem Talent Nico Schlotterbeck aus Freiburg an seine Seite gestellt (und Mats Hummels ist ja auch noch da!). Auch wenn es im DFB-Team noch nicht so geklappt, ein Duo der Zukunft. Dazu kommt Nationalspieler Karim Adeyemi aus Salzburg und für das Mittelfeld Salih Özcan aus Köln, der zuletzt auf sich aufmerksam machte. Dazu kehrt Edin Terzic als Trainer zurück, der Mann, der Dortmund vor einem Jahr Beine gemacht und zum Pokalsieg geführt hat. Interessant also, auch wenn Torjäger Erling Haaland vermisst werden wird, sein Wechsel zu Manchester City ist perfekt. Leverkusen und Leipzig setzen auf bewährte Teams, wobei Bayer vor allem einen Erfolg damit verbuchen konnte, dass Torjäger Patrik Schick seinen Vertrag bis 2027 verlängert hat.

Die Bayern liegen dagegen mit ihrem Torjäger im Clinch, Robert Lewandowski, einer der Meister-Macher, hat mit seinem Verein trotz Vertrag bis 2023 abgeschlossen. Er wurde zwar hier Weltfußballer und Europas bester Torjäger, doch der finanziell marode FC Barcelona lockt ihn trotzdem, bietet einen Vertrag über drei Jahre (Bayern nur jährliche Verlängerung) und mehr Geld, das eigentlich nicht da ist. Der Pole hat scheinbar keine Angst, dass Zahlungen ausbleiben könnten… Die Bayern tun sich dagegen schwer, adäquaten Ersatz zu finden, mit Sadio Mané ist zwar ein Weltklasse-Mann im Gespräch (zu Lewandowski oder als Ersatz), aber der FC Liverpool will weit mehr Geld, als die Bayern geboten haben, nämlich 45 Millionen Euro statt nur 32. Ausgang offen. Als Notlösung (oder vielleicht sogar mehr) bieten sich Talent Sasa Kalajdzic vom VfB Stuttgart oder auch Jonas Hofmann an, der Mönchengladbach verlassen möchte und im Nationalteam beste Werbung für sich betrieb.

Es ist ja nicht so, dass Hasan Salihamdzic und Oliver Kahn untätig geblieben sind, aber die Talente Ryan Gravenberch (20) und Noussair Mazraoui (24) von Ajax Amsterdam sind eher Optionen für die Zukunft. Dazu kommen ausgeliehene Talente wie Joshua Zirkzee oder Chris Richards wieder zurück. Sind das Meister-Spieler? Wäre der Verein stolz auf die Schlagzeile „Bayerns Talentschuppen mischt Europa auf“? Könnte sein, dass auf Trainer Julian Nagelsmann eine diffizile Aufgabe zukommt. Er ist mit seinem Trainer-Team schon in Klausur gegangen und hat erkannt, dass er die Spieler mit seinen Lernzielen wohl überfrachtet und verunsichert hat. Auch Lewandowski moniert, dass die Spielstruktur nicht mehr auf ihn zugeschnitten sei. Majestät ist also beleidigt. Aber Warnungen gibt es für die Titel-Verwöhnten: 77 Punkte sind die schwächste Ausbeute der Titel-Orgie, in der Rückrunde waren die Münchner mit 34 Punkten nur Vierter hinter Leipzig (36), Leverkusen (36) und Dortmund (35). Da sagt sich die Konkurrenz „na, geht doch!“ Die Bayern sollten also gewarnt sein.

Nationalteam: Keine Entwicklung

Im Vorfeld hatten Verbände und viele Trainer zwar die Wichtigkeit der Nations League betont, doch ein Knüller war der unfreiwillige Wettbewerb zur ungünstigsten Zeit nicht. Die Trainer setzten eher auf Experimente und achteten darauf, keinen Spieler zum Ende der Saison zu überfordern (dabei können sie sich jetzt ja ausruhen!). Das führte zu der Tatsache, dass zur Halbzeit führende Nationen wie Frankreich und England in der Liga A als Schlusslichter grüßen und Deutschland nach einer 1:1-Serie zwar noch ohne Niederlage, aber auch ohne Sieg ist. Was Hansi Flick gar nicht gefällt. Er wollte in den Spielen gegen Italien, England und Ungarn eine Entwicklung sehen, doch die hat nicht stattgefunden und der Bundestrainer selbst sagt enttäuscht nach dem weiteren 1:1 in Ungarn: „Ein Rückschritt.“ Eine endgültige Bilanz kann man erst nach dem Spiel gegen Italien am Dienstag in Mönchengladbach ziehen, das tut dann auch der Sport-Grantler.

Für einen Fortschritt ist allein Hansi Flick zuständig, aber in seinen Rotationen war er zum Teil zu zurückhaltend. Bisher gab es keine echte Chance für Tah in der wackligen Abwehr (enttäuschend Kehrer, mit Schwächen Raum und Schlotterbeck) oder im Angriff, Brandt, Adeyemi und Nmecha hätte man gern mal länger gesehen. Auch der Schwung fehlte vielfach und so können Aussagen, dass man bei der Weltmeisterschaft in Katar um den Titel mitspielen wolle, nur als Selbstüberschätzung eingestuft werden. Vielleicht gelingt gegen Italien ein Befreiungsschlag dahingehend, dass die Mannschaft mit einem guten Gefühl in die Sommerpause gehen kann und nicht verunsichert den Endspurt der Nations League im September angeht.

Hansi Flick und die halbe Wahrheit

Als „Die Spiele der Wahrheit“ hat der Sport-Grantler den Viererpack der Nations League für die Fußball-Nationalmannschaft und Hansi Flick ausgerufen. Jetzt haben wir Halbzeit und der Bundestrainer wird mit einer geteilten Gefühlswelt leben müssen. Da die Erkenntnisse über einzelne Spieler mit Höhen und Tiefen, dort die bittere Tatsache, dass bis zur absoluten Weltspitze noch ein ganzes Stückchen fehlt. Hansi Flick bleibt als Bundestrainer zwar weiter ungeschlagen, aber ein Sieg gegen einen sogenannten Großen gelang immer noch nicht, da ist das 1:1 das Standard-Ergebnis. Nach dem 1:1 gegen die Niederlande diesmal ein 1:1 gegen Italien und eins gegen England. Kein Erfolgserlebnis also, aber zumindest die erfreuliche Erkenntnis, dass es aufwärts geht.

Genauso zwiespältig wie sich der Bundestrainer fühlen muss, ist die Beobachtung der Spiele in der Nations League. Da Nationen, die mit vollem Ehrgeiz zu Werke gehen, dort Trainer, die vor allem ihren Kader sichten wollen, kein Ernstfall, sondern Tests. Bezeichnend Italien, als Coach Roberto Mancini nach dem WM-Aus und dem 0:3 gegen Argentinien gegen Deutschland eine fast völlig neue und junge Elf aufstellte. Ähnlich Hansi Flick, der gegenüber dem Remis gegen Italien mit sieben Änderungen gegen England aufwartete. Und die Engländer selbst, die waren bei der Niederlage in Ungarn lustlos, gegen den alten Rivalen Deutschland natürlich voller Ehrgeiz. Fazit: Das 1:1 gegen England zählt mehr als das 1:1 gegen die „Junioren“ Italiens. Jetzt stehen noch die Spiele in Ungarn und das Rückspiel gegen Italien aus. Es wird Zeit für einen Sieg, trotz aller Experimente.

Hansi Flick hat aber sicherlich schon einige Erkenntnisse gewinnen können. Kein Wunder, dass auf Manuel Neuer Verlass ist, dies bewies er gegen die Engländer mit Weltklasseparaden. Gegen England stellten auf den Außenbahnen Lukas Klostermann und David Raum defensiv, sowie Jonas Hofmann und Jamal Musiala offensiv ihre Konkurrenten aus dem Italien-Spiel in den Schatten. Benjamin Henrichs und Thilo Kehrer sowie Serge Gnabry und Leroy Sané konnten da keineswegs überzeugen. Vor allem die linke Seite mit Raum und Musiala sorgte für die Belebung, die Flick gegen Italien vermisst hatte.

In der Abwehr scheint Antonio Rüdiger der Platzhirsch zu sein, neben ihm streiten Routinier Niklas Süle und Jungspund Nico Schlotterbeck um den Platz. Er könnte dem Noch-Freiburger (und Bald-Dortmunder) gehören, wenn er zuverlässiger wird. Immer wieder streut er Schlampigkeiten ein, der Elfmeter gegen Kane kann ihm allerdings kaum angelastet werden, der war hart. Und Kane nutzte ihn sogar, die Engländer können also doch Elfmeter schießen. Schlotterbeck verursachte aber schon den zweiten Elfer im dritten Spiel. Dennoch lobt Flick: „Er ist eine Bereicherung.“

Im Mittelfeld ist Leon Gorotzka dabei, seine gefühlte Stammposition neben Joshua Kimmich zu verspielen, mit Ilkay Gündogan kam mehr Sicherheit ins Team und je nach Gegner wäre ja auch Musiala eine Option. Gegen Italien zeigte sich übrigens, dass der Bayern-Block (sieben Akteure) da weiter machte wie vorher in der Bundesliga: Die Meister-Spieler konnten nicht überzeugen! Vor allem Gnabry und Sané blieben blass (Sané spielte sich fast aus dem Team, wenn nicht Flick auf sein großes Talent bauen würde), aber auch Thomas Müller irrte eher orientierungslos herum, als dass er der Mannschaft Halt gab. Und ganz vorne hat Flick auch ein Problem, egal ob Timo Werner als Mittelstürmer oder Kai Havertz, ein echter Torjäger fehlt. Da spricht viel dafür, dass vor allem gegen Ungarn Lukas Nmecha oder Karim Adeyemi ihre Chance bekommen. Ohne echten Torjäger wird es öfters ein 1:1 geben…

Positiv aufgefallen ist die Stimmung rund um die Mannschaft und im Team selbst. Die Spieler lobten und pushten sich gegenseitig, das lässt auf ein gutes Betriebsklima schließen, wie es von den Akteuren betont wird. Das färbt auch nach außen ab, die Allianz Arena war ausverkauft (viell. weil der DFB beim Sport-Grantler auf den Ticketkauf hinwies?), im Fernsehen sahen fast neun Millionen Zuschauer zu (das ZDF lockt mehr Zuschauer als RTL!).

Nach den restlichen zwei Spielen des Viererpacks am Samstag in Budapest gegen Ungarn und am Dienstag in Mönchengladbach gegen Italien will der Bundestrainer also einigermaßen Klarheit haben. Die heiße Phase beginnt aber erst im September, dann gibt es am 23. und 26. September die beiden restlichen Gruppenspiele gegen Ungarn und England. „Dann geht es um den Feinschliff“, kündigt Hansi Flick schon jetzt an, heißt also, der WM-Kader ist dann schon ziemlich konkret. Unwägbarkeiten gibt es aber noch viele, vor allem, wie es mit der Belastung der Spieler aussieht. Zwischen Ende Juli und Mitte November stehen für die Spitzenspieler etwa 25 Spiele in 15 Wochen an, Verletzungen sind fast schon vorprogrammiert, die Belastungssteuerung wird vor allem in den Vereinen wichtig sein. Hansi Flick kann fast ohne Einflussnahme nur auf die richtigen Dosierungen hoffen. Und dann muss er selbst entscheiden, wer fit ist und wer ins Team passt für eine erfolgreiche Weltmeisterschaft in Katar. Zumindest das Halbfinale ist schließlich im Visier.

Die Spiele der Wahrheit

Man glaubt es kaum: Die bei der Einführung kritisierte Nations League wird plötzlich zu einem attraktiven Wettbewerb. Wortführer dieser Wende ist DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff: „International ist die Nations League enorm wichtig. Sie hat an Bedeutung und Prestige gewonnen, es ist ein interessanter Wettbewerb, der für uns unter mehreren Aspekten wichtig ist.“ Na ja, vielleicht will er auch nur Zuschauer locken. In diesem Jahr heißt es aber im Sommer Nations League statt Weltmeisterschaft, die bekanntlich diesmal im Winter in Katar stattfindet.

So machen viele Trainer aus einem einst unbeliebten Wettbewerb einen wertvollen Härtetest. Dies gilt vor allem für Bundestrainer Hansi Flick, der trotz einer Erfolgsserie in der WM-Qualifikation endlich sehen will, wie stark seine Mannschaft wirklich ist. Siege über zweitklassige Gegner können nämlich blenden. Und so werden die vier Begegnungen in der Nations League gegen Italien (am Samstag in Bologna und am 14. Juni), England (7. Juni) und Ungarn (11. Juni) zu Spielen der Wahrheit. Flick will wissen, wer seiner Schützlinge wirklich das Zeug zur WM-Teilnahme hat.

Entsprechend muss der Bundestrainer auch keine Angst haben, dass sich seine Kandidaten hängen lassen. Keiner ist mit Belgiens Star Kevin de Bruyne auf einer Linie, der sagt, „die Nations League interessiert mich nicht“. Im DFB-Team werden in den nächsten Spiele die Plätze vergeben und Hansi Flick schürt den Wettbewerb: „Keiner darf sich sicher sein“. Sicher ist sich der Bundestrainer nur, dass er an seinem erprobten 4-2-3-1-System festhalten will und er fragt, „warum soll ich eine Offensivkraft für einen Innenverteidiger opfern?“ Was nicht heißt, dass er doch einmal umstellt…

Aber seine WM-Kandidaten können sich darauf einstellen, um welche Positionen es geht. Eigentlich hat nur einer seinen Platz sicher, nämlich Kapitän Manuel Neuer im Tor. Marc-Andre ter Stegen bleibt Zweiter und darf sich jetzt sogar ausruhen, Europa-League-Held Kevin Trapp und Hoffenheims Oliver Baumann sind diesmal seine Vertreter. Es gibt natürlich einige Favoriten, so Niklas Süle und Antonio Rüdiger in der Innenverteidigung, das Mittelfeld-Duo Joshua Kimmich und Leon Goretzka, dazu die Bayern-Dreier-Reihe davor mit Gnabry-Müller-Sané. Schwächen könnte die Konkurrenz sofort ausnutzen, schließlich drängen mit Kai Havertz und Ilkay Gündogan Spieler in die erste Elf, die internationale Bewährungsproben in ihren Vereinen in England bestanden haben. Bayern-Youngster Jamal Musiala ist auf vielen Positionen einsetzbar und immer für eine Einwechslung gut und vergessen wir nicht, dass Flick in Katar wohl auch auf Leverkusens Talent Florian Wirtz bauen kann.

Die größten Fragezeichen gibt es bei den Außenverteidigern und beim Mittelstürmer, wo Timo Werner von Flick gestützt wird, aber nicht schwächeln darf, Lukas Nmecha und Karim Adeyemi sind mit unterschiedlichen Spielanlagen adäquate Vertreter. Auf den Außenbahnen aber heißt die Frage defensiv oder offensiv. Mit Thilo Kehrer meldet hier noch ein Flick-Schützling Ansprüche an, wenn es um die Defensive geht. Die offensiven Varianten heißen Jonas Hofmann und David Raum, der Flankenkönig der Bundesliga. Im Hintergrund lauern Benjamin Henrichs und Lukas Klostermann als solide Vertreter und ohne besondere Stärken in Offensive und Defensive.

26 Spieler hat der Bundestrainer für die Nations League nominiert, Marco Reus fehlt vorerst wegen Erkrankung. 23 werden im November nach Katar fliegen können, jetzt gilt es für einige, sich auch im Training anzubieten. Hansi Flick betont, dass die Tür (natürlich) geöffnet bleibt, diesmal sind u. a. Matthias Ginter, Christian Günter, Robin Goosens, Florian Neuhaus und Emre Can nicht dabei, andere wie Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah, Julian Brandt oder Anton Stach dürfen sich dagegen zeigen. Die Nations League kann für sie zum Sprungbrett werden. Im Zweifelsfall hat der Kandidat einen Vorteil, der auf mehreren Positionen einsetzbar ist.

Die Frage ist, ob Italien wirklich zum Härtetest wird, schließlich findet die WM ohne sie statt. Auch die Generalprobe ging verloren, im „Finalissima“, dem Duell zwischen Europameister und Südamerika-Champion unterlag Italien Gegner Argentinien (mit einem starken Messi) mit 0:3. Traurig war vor allem Abwehrikone Chiellini, der sich mit diesem Spiel aus der Nationalmannschaft verabschiedet hat. Deutschland so stark wie Argentinien, da liegt die Messlatte hoch. Aber wie ist der Tipp von „Dauerschwätzer“ Lothar Matthäus: „Deutschland zählt zu den WM-Favoriten.“ Wenn er da nicht zu voreilig ist. Warten wir erst mal die Spiele der Wahrheit ab!