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Corona bringt die Bayern aus dem Tritt – Wenn der Unter den Ober sticht

Davon träumen die Klubs der Bundesliga vor den Duellen mit dem Rekordmeister, dass sie selbst einen Sahnetag haben, die Bayern aber einen ihrer seltenen schlechten Tage. Der FC Augsburg durfte am Freitag jubeln und sich über seine beste Leistung in dieser Saison freuen. Die Bayern dagegen waren beim 1:2 sichtbar nicht in Form, aber nicht der FCA war der Hauptschuldige, sondern die Pandemie: Corona bringt die Bayern sichtbar aus dem Tritt.

„Die Niederlage können wir verschmerzen“, heißt es trotzig in München, obwohl Verfolger Borussia Dortmund mit dem mühsamen 2:1 gegen Stuttgart bis auf einen Punkt herangerückt ist (am 4. Dezember gibt es das direkte Duell). Was den Bayern Sorgen macht, ist das innerbetriebliche Klima. Aus Sonnenschein wurden Nebeltage, die Debatte um ungeimpfte Spieler in der Corona-Pandemie, um Erkrankungen und Quarantäne hat den Verein erschüttert und das bleibt auch auf dem Feld nicht außen vor. Im Mittelpunkt steht Joshua Kimmich, der jetzt schon zwei Wochen nicht gespielt und trainiert hat und als Mittelfeldmotor fehlte, zumal Vertreter Sabitzer einen ausgesprochen schlechten Tag erwischt hatte. Der FCA freute sich. Die Statistik beweist, ohne Kimmich holen die Bayern weniger Punkte.

Brisanter ist aber die Weigerung von gleich fünf Spielern, sich nicht impfen zu lassen. So mussten neben den zwar geimpften, aber dennoch infizierten Süle und Stanisic, neben Kimmich auch Gnabry, Musiala, Choupo-Moting und Cuisance erneut in Quarantäne. Die Bayern-Bosse haben aber gehandelt: Wer sich als ungeimpfter Spieler in Quarantäne begeben muss, dem wird das Gehalt entsprechend gekürzt. Bei Kimmich sollen bis jetzt rund 700.000 Euro eingespart worden sein. Rechtlich soll diese Maßnahme abgesichert sein, auch andere Arbeitgeber haben diese Sanktion bereits ergriffen. Die Bayern haben nun auch das Problem, dass sie nur mit einer Rumpftruppe am Dienstag in der Champions League in Kiew antreten können. Allerdings sind die Münchner bereits für das Achtelfinale qualifiziert.

Aber nicht nur der Meister leidet unter Corona-Problemen, eigentlich ganz Deutschland und damit auch der Sport allgemein. Wieder gibt es Einschränkungen, Absagen, Proteste und Geisterspiele, was von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt wird. Einen darüber hinaus außergewöhnlichen, wohl sogar kriminellen Fall gab es in Bremen, wo Werder-Trainer Markus Anfang beschuldigt wird, seinen Impfpass gefälscht zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat belastende Beweise und erhob Anklage, der Trainer sowie sein ebenfalls beschuldigter Assistent traten zurück. Werder hat im Kampf um den Wiederaufstieg ein Problem mehr.

Zurück zum Sport. In der Bundesliga gab es am vergangenen Wochenende eine seltsame Konstellation: Die neun Teams der oberen Tabellenhälfte duellierten sich mit den neun der unteren Region. Diesen Zufall gab es in der BL-Geschichte bisher zehnmal, zuletzt am 2. Spieltag 2013/14. Damals hatte das Oberhaus deutlicher triumphiert als diesmal, mit fünf Siegen, drei Niederlagen und einem Remis. Diesmal gab es nur vier Siege (Dortmund, Leverkusen, Gladbach, Union im Derby), zwei Unentschieden und Bayern, Leipzig sowie Freiburg mussten erleben, wie der Unter den Ober sticht. Das tut immer besonders weh. Das Unterhaus wehrte sich kräftig, Dortmund und Leverkusen mussten zittern, für Bielefeld und Köln waren die Remis eher unglücklich. Besonders weh taten die Niederlagen neben den Bayern auch Freiburg, das mit dem 0:2 gegen Frankfurt erstmals im neuen Stadion verlor und nach zehn ungeschlagenen Spielen jetzt zweimal in Folge unterlag. Umgekehrt die Eintracht, mit drei Siegen in Folge verabschiedete sie sich vom Abstiegskampf. Da sind die Augsburger noch mittendrin, allerdings haben sie mit dem Sensationssieg über die Bayern die Abstiegsränge verlassen. Doch nun warten weitere Anstrengungen, erstens der Kampf gegen den Bayern-Fluch (wer gegen die Bayern gewinnt, verliert die nächsten Spiele), was tragisch wäre, weil zweitens jetzt wichtige Spiele gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf anstehen, Hertha, Bochum und Köln sind die nächsten Gegner.

Vier sind schon weiter

In dieser Woche ruft Europa, zwei Runden stehen in diesem Jahr noch an. In der Champions League sind vier Teams bereits weiter, nämlich Liverpool (Gruppe B), Ajax Amsterdam (C), München (H) und Juventus Turin (J). Die Bayern können also trotz Ausfälle gelassen nach Kiew fliegen, doch es geht auch um Platz eins. Da duellieren sich am Mittwoch in der Gruppe A vor allem die beiden Scheich-Klubs Manchester City (9 Punkte) und Paris St. Germain (8). Im Hinspiel siegte Paris mit 2:0, der Verlierer wird ein gefürchteter Zweiter für einen Gruppensieger. RB Leipzig ist in dieser Gruppe bereits ausgeschieden. Für Dortmund steht dagegen ein echtes Endspiel an, nämlich beim punktgleichen Sporting Lissabon (beide 5) in der Gruppe C. Der VfL Wolfsburg steht in der Gruppe G sogar vor zwei Endspielen, erst beim FC Sevilla (zwei Punkte voraus) und am 8. Dezember gegen das derzeit punktgleiche Lille. Es ist die einzige Gruppe, in der alle vier Mannschaften noch Chancen haben. RB Salzburg ist der Vierte im Bunde und in Lille haben die Bullen die letzte Chance aufs Weiterkommen.

Apropos Champions League, da landeten die Bayern-Frauen am Mittwoch einen fast schon historischen Erfolg gegen Olympique Lyon, das bisher für die deutschen Teams schier unschlagbar war. Ausgerechnet die Japanerin Kumagei erzielte den Siegtreffer zum 1:0, sie war zuletzt die Stütze in Lyon. So öffneten die Bayern die Tür zum Viertelfinale, während der VfL Wolfsburg nach dem 0:2 gegen Juventus Turin als Dritter hinter Chelsea und Turin zittern muss und Hoffenheim nach dem 0:5 gegen Barcelona kaum noch Chancen hat. Auch in der Bundesliga verlor Hoffenheim mit dem 3:3 in Potsdam an Boden. Wolfsburg (5:1 gegen Essen) und die Bayern (3:0) gegen Jena ließen nichts anbrennen und führen die Bundesliga an. Jetzt gibt es aber erst einmal wieder eine Länderspielpause, zwei WM-Qualifikationsspiele gegen die Türkei (Freitag) und in Portugal (Dienstag) stehen an. Deutschlands Frauen wollen dabei ungeschlagen bleiben.

Auf dem Weg nach Katar

Apropos WM-Qualifikation, da gibt es in dieser Woche einen wichtigen Termin bei den Männern für die WM 2022 in Katar. Am Freitag, 26. November, werden die Play-Offs ausgelost. Die sechs besten Gruppenzweiten (Portugal, Schottland, Italien, Russland, Schweden, Wales) sind gesetzt und treffen im Halbfinale auf einen ungesetzten Zweiten (Türkei, Polen, Nordmazedonien, Ukraine) oder Österreich oder Tschechien, die sich über die Nations League qualifiziert haben. Die sechs Sieger spielen danach in Finals die drei Tickets für Katar aus. Gespielt wird im März, für die WM qualifiziert sind bisher Gastgeber Katar, Deutschland, Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Kroatien, Niederlande, Schweiz, Serbien, Spanien, Brasilien und Argentinien. In einem Jahr wird um diese Zeit in Katar bereits gespielt…

Der Olympia-Winter ist da: Mit Frust und Lust nach Peking

Es sind keine 100 Tage mehr bis zum Start der Olympischen Winterspiele 2022. Vom 4. bis 20. Februar wird in Peking und Umgebung um Medaillen gekämpft, doch die Grundlagen für einen möglichen Erfolg müssen bereits im Sommer oder jetzt in den verschiedenen Weltcup-Wettbewerben gelegt werden. Es wird ernst, nach einigen Vorgeplänkeln kann man sagen, der Olympia-Winter ist da, der Wintersport rückt wieder in den Mittelpunkt, die Athleten blicken aber mit Frust und Lust nach Peking.

Frust deshalb, weil kaum jemand mit Begeisterung nach Peking reist, wo wegen der Corona-Pandemie strikte Vorsichtsmaßnahmen gelten und Kontakte auf ein Minimum reduziert werden, andererseits aber zudem, weil die Diskussionen um die mangelnde Beachtung der Menschenrechte in China natürlich geführt werden müssen und für eine ablehnende Stimmung sorgen. Auf der anderen Seite bleibt natürlich die Lust auf Olympia bestehen, Olympische Spiele sind nun einmal der absolute Höhepunkt in einem Sportlerleben. Allerdings hat das IOC zuletzt wenig Rücksicht darauf genommen, dass die Athleten auch in einem demokratischen Umfeld antreten können bzw. in einem Land, das den Wintersport auch liebt. Skispringer Andreas Wellinger bringt es auf den Punkt, der sich nach Sotschi in Russland 2014, Pyeongchang in Südkorea 2018 (Gold und zweimal Silber) jetzt auch für Peking qualifizieren will: „Wenn ich mich qualifizieren würde, wären es meine dritten Olympischen Spiele und zum dritten Mal in einem Land, in dem die Wintersporttradition überschaubar ist. Es ist sehr schade und traurig, dass nicht mehr der Sport im Mittelpunkt steht.“

Zunächst also geht es um die Qualifikation, bei allen Wettbewerben leuchten im Hintergrund die Olympischen Ringe. Die Kriterien für die Nominierung haben sich im deutschen Team nicht geändert, einmal unter den besten Acht oder zweimal unter den besten Fünfzehn sind die erste Voraussetzung für das Flugticket, darüber hinaus stellen natürlich die Trainer die Mannschaft auf. Eigentlich bedeutet das, dass alle Frauen und Männer von der ersten Minute an in Form sein sollten, andererseits muss aber auch auf den Formaufbau geachtet werden, denn die Bestform soll schließlich in Peking erreicht werden. Dies kommt der Quadratur eines Kreises gleich, ist aber seit Jahren das Problem der Spitzensportler. In Südkorea war das Ergebnis mit 14 Goldmedaillen am Ende beachtlich. Lässt sich das in Peking wiederholen?

Es wäre zu früh, auf die Medaillenchancen einzugehen, aber ein kurzer Überblick kann nicht schaden. Eins ist sicher, der Eiskanal mit Rodeln, Bob und Skeleton soll zur Goldgrube werden. Vor allem Bobpilot Franceso Friedrich beherrschte in den vergangenen Jahren die Konkurrenz und er schürt bereits wieder die Hoffnung nach Testrennen auf der als schwierig bezeichneten, außergewöhnlichen Olympia-Bahn: „Ich habe ein gutes Gefühl.“ Er gewann die ersten Testrennen und vermutet: „Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass es bei Olympia keiner schafft, in allen vier Läufen komplett sauber runterzufahren.“ Auch die Rodler werden ihre Probleme haben, Olympiasieger Natalie Geisenberger klagte bei den Tests aber über die Bedingungen mit Abschottung und schlechtem Essen sowie wenig gemeinsamen Aktivitäten, was alles sportliche Bestleistungen erschwert. Zunächst wollen alle aber in den Weltcups erfolgreich sein und den Gegnern das Fürchten lehren. Vor Peking wissen wir mehr.

Ansonsten ist auf dem Eis nichts los, Medaillenaussichten erhoffen sich allein die Eishockey-Cracks, die sich im Aufwind befinden, eher unter einem skandalumwitterten Präsidenten leiden. Ansonsten sorgt höchstens die Eisschnelllauf-Oma (oder Zicke, wie man will) Claudia Pechstein für Schlagzeilen, die auch mit 49 Jahren nichts ans Aufhören denkt und in Deutschland immer noch Spitze ist – traurig genug. International läuft sie hinterher, beim ersten Weltcuprennen wurde sie Letzte.

Auf dem Schnee sieht es besser aus, vor allem die Könige der Lüfte machen sich Hoffnungen. Die Skispringer haben zweifellos eine starke Mannschaft, mit den „Vorspringern“ Karl Geiger und Markus Eisenbichler. Da ist nicht einmal mehr für den alten Recken Richard Freitag Platz. Am Wochenende geht es im russischen Nischni Tagil los, da werden erstmals die Karten aufgedeckt. Geiger war schon auf den Sommerschanzen mit vorn dabei. Die Skispringer haben aber vor Olympia zunächst die Vierschanzen-Tournee im Auge und träumen davon, dass endlich 20 Jahre nach Sven Hannawald wieder ein Deutscher die Tournee gewinnt. Der Tourneesieg ist für sie genauso wertvoll wie ein Olympiasieg. Die Frauen versuchen den Anschluss an die Spitze zu halten. Die Nordisch Kombinierer haben im Winter wieder die Norweger mit dem überragenden Jarl Magnus Riiber vor der Nase. Die Asse Vinzenz Geiger, Eric Frenzel und Fabian Rießle müssen sich vor allem im Springen verbessern, um Gold und Weltcup-Siege zu holen. In der Loipe darf man von Frauen und Männern nicht viel erwarten. Da ist eher der nächste Olympia-Winter 2026 im Visier.

Die alpine Mannschaft hat dagegen durchaus einige heiße Eisen im Feuer, die vorne mitfahren können. Ein bisschen mager vielleicht bei den Damen, wo allein die Speedläuferin Kira Weidle vorne mitfahren kann, während die Männer sowohl in den schnellen als auch in den technischen Diszplinen Chancen auf vordere Plätze haben, allerdings selten wirklich zu den Favoriten gehören. Thomas Dreßen, Andreas Sander oder Romed Baumann haben schon positiv überrascht, aber auch Linus und Stefan Luitz können durchaus vorne mitfahren.

Der Olympia-Winter ist da, deutsche Überraschungen sollen möglichst folgen. Über das, was sich im Biathlon tut, nächste Woche mehr. Es ist noch immer die beliebteste Winter-Disziplin, wenn man nach den TV-Einschaltquoten geht. Doch bleibt das so? Am 27. November geht es in Östersund/Schweden los.

Sieben auf einen Hansi Flick

Fast genau in einem Jahr beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Am Montag, den 21. November, startet um 13.00 Uhr Ortszeit (11.00 Uhr MEZ) in Doha das Eröffnungsspiel mit der Mannschaft des Gastgebers. Wer der Gegner sein wird, entscheidet sich ausgerechnet am 1. April, doch einen Aprilscherz wird es bei der Gruppenauslosung in Doha nicht geben. Neun von 32 Nationen haben Stand jetzt das Ticket für Doha bereits gelöst, neben dem Gastgeber sind dies Deutschland, Dänemark, Frankreich, Belgien, Kroatien, Serbien, Spanien und Brasilien. Einige davon haben das Zeug, am Sonntag, 18. Dezember, auch im Finale zu stehen. Gehört Deutschland dazu?

Die Stimmung im Land ist gegenüber der Fußball-Nationalmannschaft wieder positiv. „Sieben auf einen Streich“ sorgen für Optimismus. Es war nicht das tapfere Schneiderlein, das im Märchen sieben Fliegen auf einen Schlag erledigte, sondern es muss hier heißen „Sieben auf einen Hansi Flick“, der mit sieben Siegen in Folge für einen neuen Startrekord als Bundestrainer sorgte. Doch die Gegner waren nicht von dem Kaliber der qualifizierten Nationen, sondern sie hießen Liechtenstein (2:0 und 9:0), Armenien (6:0 und 4:1), Island (4:0), Rumänien (2:1) und Nordmazedonien (4:0). Deutschland hatte in der WM-Qualifikation die vielleicht leichteste Gruppe erwischt. Deshalb dämpft sogar der Bundestrainer selbst die Euphorie: „Wie stark die Mannschaft wirklich ist, wird sich erst gegen die starken Nationen zeigen.“ Fragezeichen bleiben, die Hoffnung lebt.

Das Verdienst von Hansi Flick ist, dass er der Mannschaft von Anfang eine eigene Handschrift verliehen hat. Er sorgte für neue Motivation nach dem Motto „Verlieren verboten“. Pressing, den Gegner unter Druck setzen, schnelles Spiel nach vorn, kein Zögern. So konnte das DFB-Team wieder begeistern, zumal Flick auch in der Besetzung für neuen Schwung sorgte. Die richtigen Tests vor der Weltmeisterschaft werden zwei Länderspiele im März sein (Länderspielpause vom 24. bis 29. März für die WM-Play-Offs), wo England, Südafrika oder Griechenland als Gegner in Frage kommen, oder eben die Nations League, die vor der WM 2022 ausgetragen und am 16. Dezember ausgelost wird.

Die Mannschaft hat sich unter Hansi Flick gegenüber seinem Vorgänger Jogi Löw verändert. Fest dabei und ein wichtiger Baustein ist wieder Thomas Müller. Neben Stammspielern wie Neuer, Süle, Rüdiger, Kimmich, Goretzka, Gnabry und Sané haben sich vor allem vielseitige Spieler wie Thilo Kehrer und Jonas Hofmann in den Vordergrund gespielt. Ihre Plätze sicher haben ter Stegen, Gündogan, Reus, Havertz, Werner, Ginter sowie die Talente Wirtz und Musiala, die wohl WM-Luft schnuppern dürfen, aber auch bewiesen haben, dass sie notfalls Schwung in den Laden bringen. Die Tür ist aber für keinen zu, Hansi Flick hat ja versprochen, dass er nach aktueller Leistung aufstellt, was dann wohl auch für den WM-Kader gilt. Ob das DFB-Team wirklich wieder zu Deutschlands Lieblingsmannschaft werden kann, wird sich erst bei der WM zeigen. Flick ist zumindest zuversichtlich und lobt: „Wie die Mannschaft mit Spaß und Freude miteinander umgeht und dies auch auf den Platz bringt, das ist schon klasse.“

Angst vor Corona in der Bundesliga

Für den Rest des Jahres stehen die Vereine wieder im Mittelpunkt, am kommenden Wochenende geht es wieder um die Bundesliga. Titelverteidiger Bayern München eröffnet den Neustart am Freitag in Augsburg und er hat die typischen Sorgen. Die Bundesliga hat Angst vor Corona. Eine sorgenfreie Durchführung der Punktrunde ist in Frage gestellt. Immer wieder fallen Spieler wegen Covid-19-Erkrankungen aus und Mitspieler müssen zudem in Quarantäne, der Kader wird ausgedünnt. Spielabsagen können noch folgen. Zudem ist offensichtlich, dass die Angst vor Corona auch die Fans beschäftigt, die Klubs müssen um die Zuschauer kämpfen. Bayern hofft für Freitag auf die Spieler, die in Quarantäne mussten, nämlich Süle, Kimmich, Gnabry, Musiala und Choupo-Moting. Das Ergebnis der neuesten Tests steht noch aus. Fehlen sie, wäre es eine wesentliche Schwächung.

Vor der Länderspielpause gab es allerdings einen Spieltag ganz nach dem Geschmack der Münchner, die ihren Vorsprung vor Dortmund auf vier Punkte ausbauen konnten. Dieses Polster soll nicht so schnell schmelzen. Dortmund leidet weiter unter Ausfällen und trifft auf den stärksten Leidensgenossen diesbezüglich, nämlich auf den VfB Stuttgart, der dadurch in den Abstiegssog gezogen wurde. Gefährlich wird es dann, wenn Schlusslicht Fürth (in Gladbach, wartet noch auf den ersten Sieg), Bielefeld (gegen Wolfsburg) und Augsburg punkten (dort ist noch Manager Stefan Reuter in Quarantäne). Für die Teams, die auch in Europa beschäftigt sind, steht keine ruhige, sondern eine stressreiche Vorweihnachtszeit an, zumal es am 14./15. Dezember noch einen Wochenspieltag gibt.

Spannung bei den Frauen

Die Öffentlichkeit schaut bei Bayern München immer fasziniert auf die Siegesserie der Fußball-Profis, aber auch andere Bayern-Mannschaften sorgen für Erfolge und Titel. Jetzt hat der Verein allerdings ein Wochenende anderer Art hinter sich: Die Frauen haben mit einer Niederlagenserie zu kämpfen und verloren die Tabellenführung in der Bundesliga, die Bayern II wurde ebenfalls von Platz eins der Regionalliga Bayern gestürzt und die Basketballer flogen überraschend gegen Nobody Chemnitz aus dem Pokal (das haben sie mit den Fußballern gemeinsam).

Aber vor allem für die Frauen kommen die letzten Niederlagen in Lyon in der Champions League und in der Punktrunde gegen Verfolger Wolfsburg sehr ungelegen. Die Frauen-Bundesliga allerdings wird zum Vorbild, nachdem Hoffenheim gegen Leverkusen triumphierte (7:1), liegen jetzt die ersten fünf Mannschaften (Wolfsburg, Hoffenheim, Bayern, Frankfurt, Potsdam) nur einen Zähler auseinander. Die Bayern rutschten sogar auf Rang drei ab. Sie wurden beim 0:1 gegen Wolfsburg vor allem von der Nationaltorhüterin Almuth Schult gestoppt, die nach Verletzungs- und Babypause (Zwillinge) offensichtlich wieder ihre alte Form gefunden hat und sensationell hielt (und das vor den Augen der Bundestrainerin). Die Bayern hatten die besseren Chancen und unterlagen ähnlich unglücklich wie in Lyon (1:2 kurz vor Schluss). Am Mittwoch steht bereits wieder das Rückspiel gegen Lyon an, die Niederlagenserie könnte also weitergehen. Die Mannschaft hat strapazenreiche Wochen hinter sich, könnte sein, dass jetzt ein pschologischer Knacks dazu kommt. Sorgen, die man eigentlich bei Bayern München nicht kennt. Vielleicht ist dann der noch sieglose Bundesliga-Vorletzte Jena am Sonntag der richtige Aufbaugegner…

Endspurt: Alle wollen nach Katar

Es ist schon seltsam, das Emirat Katar in Vorderasien mit seinen 2,7 Millionen Einwohnern wird weltweit kritisiert für seine Menschenrechtsverletzungen und getadelt für Umweltvergehen. Katar will sich aber schon lange in der Welt als moderner Staat präsentieren und hat für eine bessere Reputation den Sport gewählt. Zahlreiche Weltmeisterschaften wurden bereits in die Hauptstadt Doha vergeben und als Höhepunkt steht die Fußball-Weltmeisterschaft vom 21. November bis 18. Dezember 2022 an. Vor allem in Europa wurde die Vergabe kritisiert, nicht nur, weil wohl Schmiergelder an die FIFA-Funktionäre geflossen sind, sondern vor allem, weil es die klimatischen Bedingungen notwendig machen, die WM im Winter auszutragen. Ab Donnerstag beginnt in Europa der Endspurt der Qualifikation für die Weltmeisterschaft und plötzlich wollen alle nach Katar. Keiner will zu Hause bleiben. Qualifiziert sind die Erstplatzierten der zehn Gruppen, die Zweitplatzierten kämpfen mit zwei Glücklichen aus der Nations League um die restlichen drei Fahrkarten.

Nach Katar fliegen werden auf jeden Deutschland und Dänemark, die sich als erste Nationen bereits qualifiziert haben und die ihre restlichen Qualifikationsspiele als Tests bestreiten können. Aber es gibt auch noch einige interessante Endkämpfe, es können sogar Endspiele werden, wenn sich die Bewerber direkt gegenüber stehen. So Spanien (13 Punkte) und Schweden (15) in der Gruppe B am Sonntag (beide sind noch Donnerstag im Einsatz), Italien und die Schweiz (beide 14) in der Gruppe C am Freitag, die Niederlande (19) und Norwegen (17) am Dienstag, 16.11., in der Gruppe G und Kroatien (17) und Russland (19) am Sonntag in der Gruppe H. So eine WM-Qualifikation kann also doch ganz interessant sein, auch wenn man erst nach Katar muss und dann will. In den restlichen Gruppen duellieren sich Serbien (17) und Portugal (16) in der Gruppe A, Frankreich (12) und die Ukraine (9) in der Gruppe D, Belgien (16) und Tschechien sowie Wales (beide 11) in der Gruppe E und England (20) und Polen (17) in der Gruppe I).

Um die umstrittene Nations League aufzuwerten, gibt es dort Startplätze für die Play-Offs für die Nationen, die Gruppensieger wurden, sich aber nicht direkt qualifiziert haben. Gute Aussichten hat dabei Österreich als Vierter der Gruppe F, aber auch Wales und Tschechien und eventuell sogar die Türkei hoffen aus diese Hintertür, durch die sie noch nach Katar kommen könnten. Dafür müssen 12 Nationen aber Zusatzaufgaben lösen, drei bekommen wie gesagt das Ticket.

Für Deutschland und Bundestrainer Hansi Flick ist der Endspurt eher ein Freizeitvergnügen. Der Coach hat für die letzten Spiele gegen Liechtenstein am Donnerstag in Wolfsburg und am Sonntag in Armenien ein großes Aufgebot nominiert und auch schon angekündigt, dass er auf die Belastung der Spieler in den Vereinen Rücksicht nehmen will. Als einziger Neuling wurde Lukas Nmecha nominiert, der in der U21 schon als Torjäger auffiel und Torschützenkönig der EM-Endrunde wurde. Zuletzt traf er auch regelmäßig beim VfL Wolfsburg und da sollte er doch in der Stadt seines Vereins eine Chance erhalten. Rückkehrer sind u. a. Julian Brandt und Julian Draxler, die Flick einmal im Kreis der Mannschaft sehen will. Von einem Einsatz hat er nichts gesagt. Aber gerade gegen Liechtenstein könnte er mal den Jungen und der zweite Garde eine Chance geben und dennoch weiter siegen, was sein Ziel ist.

Herr Flick, wie wäre es mit dieser Mannschaft gegen Liechtenstein: ter Stegen – Hofmann, Ginter, Schlotterbeck (der endlich zu seinem Debüt kommen sollte), Günter – Gündogan, Neuhaus – Gnabry, Wirtz, Musiala – Nmecha (Adeyemi). Mehr Rotation geht nicht.

Ein Spieltag für die Bayern

Bevor die Bundesliga in die Länderspielpause geht, hat es an der Spitze noch eine Weichenstellung für die Zukunft gegeben. Wieder einmal war es ein Spieltag für die Bayern. Gut, es sind erst 11 Runden ausgetragen, etwa ein Drittel der Saison, und die Bayern werden an Weihnachten auch noch nicht als Meister gefeiert werden. Aber der Vorsprung hat sich von einem auf vier Punkte vergrößert. Dazu haben die Bayern ihren Beitrag mit einem 2:1 über den SC Freiburg geleistet und Dortmund hat mit einer 1:2-Niederlage in Leipzig für Schützenhilfe gesorgt. Der Unterschied ist derzeit frappierend: Dort die Bayern, die den Schock des Pokal-Aus in Siege in den anderen Wettbewerben umgewandelt haben, dort die Dortmunder, die die Münchner endlich herausfordern wollen, aber vom Verletzungspech gebremst werden. Ohne Torjäger Erling Haaland halt auch kein Titel – so scheint es. So hoffen alle, dass der Norweger wenigstens bis zum großen direkten Duell am 4. Dezember wieder fit ist.

Die Freiburger haben sich in München tapfer gewehrt, aber sie mussten am Ende eingestehen, dass die Bayern einfach abgeklärter und cleverer waren. Da werden die Schwarzwälder auch ihre erste Saisonniederlage verkraften, sie bleiben weiter Dritter. Lustig, dass vorher von den Freiburgern als „unschlagbar“ gesprochen wurde, ein Etikett, für das eigentlich die Bayern ein Alleinstellungsmerkmal haben wollen. „Unschlagbar“, das hat angeblich Trainer Julian Nagelsmann seinen Mannen am Anfang der Saison mit auf den Weg gegeben. Vor Niederlagen sind die Bayern aber nicht gefeit und passiert das, geht das „unschlagbar“ wieder von vorne los. Auf jeden Fall hat der Meister jetzt eine fröhliche Länderspielpause, vor der letzten gab es eine Niederlage in Frankfurt!. Übrigens kommen die Münchner einem Rekord immer näher: 100 Tore haben sie jetzt 2021 erzielt, der Rekord in einem Jahr steht bei 101, gehalten vom 1. FC Köln. Der nächste Gegner ist der FC Augsburg am 19. November. Ob er den neuen Rekord verhindern kann?

Für RB Leipzig war der Sieg gegen Dortmund Balsam auf die Wunden (u. a. Ausscheiden in der Champions League), gleichzeitig sorgte er dafür, dass in der Bundesliga der Anschluss nach oben geschafft wurde. Dortmund wiederum erfährt einen Rückschlag nach dem anderen (Marco Reus: „Dumm von uns“). Besonders bitter nach dem Eklat in der Champions League. Da hat bekanntlich der englische Schiedsrichter Michael Oliver Abwehrchef Mats Hummels vollkommen widersinnig vom Platz gestellt. Beim 1:3 gegen Ajax Amsterdam grätschte Hummels vor Gegenspieler Antony ins Leere, doch der trat auf Hummels Bein und wälzte sich dann oscarreif auf dem Boden und mimte den toten Schwan. Referee Oliver zückte Rot und hielt es nicht einmal für notwendig, sich die Szene am Bildschirm anzuschauen, um festzustellen, was Millionen an den TV-Geräten in Zeitlupe sahen. Kein Rot! Der VAR schwieg und damit wurde wieder einmal die Frage aufgeworfen, ob der Videoschiedsrichter wirklich die große Errungenschaft ist. Er könnte es sein, wenn er richtig angewendet wird. Aber so wird er zur Lachnummer. Gut, in Dortmund haben sie natürlich nicht gelacht. Die Borussia hat aber in der Champions League noch alle Chancen und vier Punkte Rückstand zu Bayern München sind noch nicht das Ende aller Träume. Wir haben doch erst November.

Der Aufstand der Underdogs und Bayerns neue Aufgabe

Die Pokalpleite der Bayern in Mönchengladbach hat Fußball-Deutschland ganz schön durcheinander gebracht. 0:5 – da mussten sich einige erst mal zwicken, andere hielten es schlichtweg für unmöglich. Sportfans wissen aber, im Sport ist nichts unmöglich. Diese Sensation hatte aber auch Nebeneffekte, so warteten die Bundesliga-Fans wohl selten mit so einer Spannung auf das folgende Wochenende wie diesmal. Die Frage aller Fragen: Wie würden die Bayern diese Schmach verdauen. Zum anderen fiel auf, dass Lokalrivale 1860 München im Pokal mit einem überraschenden 1:0 gegen Schalke als einziger Drittligist das Achtelfinale im DFB-Pokal erreicht hat.

Und da richtet sich der Blick auf ein seltsames Phänomen im Fußball. Es gibt einen Aufstand der Underdogs, in Deutschlands Großstädten haben die Klubs aus der zweiten Reihe die Führung übernommen. Die Star-Klubs müssen kleinere Brötchen backen. Na ja, in München nicht ganz, denn vom Rekordmeister Bayern trennt die 60er als Drittligist doch eine ganze Menge, aber im Pokal sind sie schon mal vorn, obwohl ihnen vielleicht sogar ein Derby in der nächsten Runde noch lieber gewesen wäre. Das gibt es jetzt in Berlin, wo die Hertha Heimrecht gegen Union genießt, der Ostklub aber neuerdings die Nummer 1 in der Stadt ist. Diesen Wechsel hat es auch in Hamburg gegeben, wo der HSV Gefahr läuft, dass er in der zweiten Liga sitzen bleibt, Lokalrivale St. Pauli aber vielleicht in die Bundesliga aufsteigt. In Nürnberg ist dies schon passiert, der ehrwürdige Club ist Zweitligist, die SpVgg Fürth dagegen im Oberhaus. Das könnte sich aber bald ändern, die Nürnberger mischen in der zweiten Liga oben mit, für Fürth ist die erste Liga scheinbar doch eine Nummer zu groß. Die Fürther müssen aufpassen, dass sie die Saison nicht als schlechtester Verein aller Zeiten beenden und damit Tasmania Berlin ablösen.

Zurück zur Bundesliga, dort herrschte also Spannung, wie die Bayern die Pokalpleite verdauen würden, zumal das Gastspiel bei Union Berlin anstand, der Verein, den die Bayern im Vorjahr nicht schlagen konnten (zweimal 1:1), die Mannschaft, die zu Hause zuletzt in 21 Spielen ungeschlagen blieb. Jetzt aber war alles anders, für die Bayern gab es wieder fünf Tore, diesmal haben sie diese aber selbst erzielt, angeführt von einem überragenden Thomas Müller, der an vier Treffern beteiligt war und ein Tor selbst erzielte und damit gegen jeden aktuellen Bundesligisten getroffen hat. Gleichzeitig gab es wieder einen neuen Rekord mit 38 Toren in 10 Spielen. Die Abwehrschwächen lassen aber Zweifel aufkommen, ob die Bayern schon wieder gefestigt sind. Sie stehen jetzt vor einer neuen Aufgabe, sie müssen der Konkurrenz beweisen, dass sie doch unschlagbar sind, müssen sich den Respekt zurückholen, denn viele feixen schon insgeheim, „toll, die Bayern sind doch schlagbar“. Da kommt der nächsten Bundesliga-Aufgabe wieder eine große Bedeutung zu, wieder steigt die Spannung: Gegner ist der SC Freiburg, in dieser Saison noch ungeschlagen und sensationell Tabellendritter!

Ja, die Schwarzwälder erleben ein außergewöhnliches Jahr. Es ist, als hätte ihnen das neue Stadion einen besonderen Schub verliehen. Trainer Christian Streich wehrt zwar in gewohnter Weise ab, „wir haben halt 22 Punkte, prima im Kampf gegen den Abstieg“. Aber 22 Punkte bedeuten halt auch Rang drei hinter den Favoriten Bayern und Dortmund und ein Polster von fünf bzw. sechs Punkten zu den Verfolgern Leverkusen, Mainz, Union und Wolfsburg. Deshalb feierten die Fans im ausverkauften neuen Stadion bei toller Atmosphäre schon „Auf, auf, auf in die Champions League“ und fordern im Hinblick auf den Samstag „zieht den Bayern die Lederhosen aus“. Bei solcher Euphorie verblasst der zweite Schlager zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund, einfach deshalb, weil RB weiter hinterher hinkt. Gegen die Borussia, die nach wie vor ohne Haaland auskommen muss, können jetzt die Ambitionen auf einen Spitzenplatz neuen Auftrieb bekommen. Gladbach hat übrigens der Bayern-Fluch nicht erwischt, es gab keine Niederlage, sondern ein 2:1 gegen Bochum. Allerdings wurde aber die Aufgabe, eine Leistung wie gegen die Münchner öfters abzurufen, nicht erfüllt.

An der Tabellenspitze gibt es nach drei Klubs eine kleine Lücke, am Tabellenende drohen Bielefeld (5 Punkte) und Fürth (1) den Anschluss zu verlieren. Einen Befreiungsschlag landete der FC Augsburg mit einem 4:1 gegen den von Verletzungen gebeutelten VfB Stuttgart, bleibt aber auf dem Relegationsrang, jetzt aber punktgleich mit Eintracht Frankfurt und der Anschluss zu Bochum und Stuttgart ist hergestellt. Allerdings haben es die nächsten Aufgaben in sich (in Wolfsburg und gegen die Bayern). Nach zehn Spieltagen ist die Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme gekommen, die Tabelle gibt bereits deutliche Hinweise.

Im Pokal gibt es im Achtelfinale am 18./19. Januar 2022 übrigens interessante Duelle, so dass uns wieder tolle Pokalabende bevorstehen können. Die Paarungen: Hoffenheim – Freiburg, St. Pauli – Dortmund, 1860 München – Karlsruhe, Hannover – Gladbach, Hertha – Union, Leipzig – Rostock, Bochum – Mainz. Es könnte also wieder beste Werbung für den Pokal geben.

Revanche in der Champions League

Zunächst ruft erst mal wieder Europa in dieser Woche. Mit Ausnahme der Bayern ist in der Champions League für die Bundesligisten die Zeit der Revanche gekommen. Leipzig und Wolfsburg zieren in ihren Gruppen sogar das Tabellenende. Vor allem für RB ist es bekanntlich ein schweres Jahr, nun kommt der Star-Klub Paris St. Germain, allerdings sollte das Hinspiel trotz 2:3-Niederlage Mut machen. Wolfsburg muss gegen Salzburg nach der 1:3-Hinspielniederlage die letzte Chance für das Weiterkommen wahrnehmen. Da war es gut, dass der Einstand vom neuen Trainer Florian Kohfeldt in Leverkusen gelang. Dortmund muss fast eine Schmach wie die Bayern tilgen, wenn auch das 0:4 bei Ajax Amsterdam nicht ganz so spektakulär war. Eine Revanche sollte aber sein.

Von Revanche kann diesmal bei den Bayern keine Rede sein, schließlich gewannen sie bereits in Lissabon mit 4:0, da war die Welt noch in Ordnung. Ist es auch noch in der Champions League, schließlich bedeuten 12:0 Tore und drei Siege Rekord in der CL, außerdem sind die Bayern seit 25 Gruppenspielen ungeschlagen und mussten bisher gegen Benfica nie eine Niederlage einstecken. Benfica hat zudem seit drei Jahren auswärts in der CL nicht gewonnen! Aber ist die Mannschaft wirklich gefestigt? Erfreulich, dass sich die angeschlagenen Hernandez und Gorotzka einsatzbereit melden. Mit einem Sieg wäre sogar schon der Einzug ins Achtelfinale perfekt!

In der Fußball-Bundesliga geht bereits die Angst um

Die Fußball-Bundesliga hat erst neun Spieltage hinter sich, da herrscht bereits große Unruhe bei vielen Vereinen, vor allem bei den Klubs am Tabellenende geht die Angst um. Der Abstiegskampf hat begonnen. Kurioserweise traf die erste Trainer-Entlassung der Saison allerdings keinen Abstiegskandidaten, sondern die erfolgreichste Mannschaft zu Saisonbeginn. Und dennoch war es nicht überraschend, dass Mark van Bommel beim VfL Wolfsburg gehen musste. Acht Pflichtspiele ohne Sieg beweisen einen Abwärtstrend, Manager Jörg Schmadtke hadert insgesamt: „Es gibt mehr trennende als verbindende Faktoren.“

Mark van Bommel, schon als Spieler eine starke Persönlichkeit, wurde frühzeitig das Talent für den Trainerjob bescheinigt, in Wolfsburg war er als Nachfolger von Oliver Glasner ausgesprochener Wunschkandidat. Seine Arbeit stand allerdings unter keinem guten Stern, die Vorbereitung verlief nicht erfolgreich, im DFB-Pokal wechselte er in Münster gleich sechs Spieler ein und Wolfsburg schied am grünen Tisch aus. Da war der gute Ruf des Holländers angekratzt. Wie ein Wunder wirkte dann der Saisonstart mit vier Siegen und Platz eins in der Bundesliga. Die teils glücklichen Erfolge verdeckten jedoch nur Spannungen im Team und im Umfeld, weil van Bommel nicht auf dem erfolgreichen Weg von Glasner weitermachen wollte, sondern eigene Vorstellungen hatte. Es ging abwärts und zuletzt klagten selbst die Spieler „wir sind keine Mannschaft mehr“. Eine Entwicklung, die aber nicht nur dem Trainer angelastet werden darf. Wie immer, wird die Trainersuche jetzt mit Spannung verfolgt, interessante Kandidaten sind mit Lucien Favre, Florian Kohfeldt, Domenico Tedesco, Ole Werner und vielleicht sogar Edin Terzic (in Dortmund nicht mehr Trainer) auf dem Markt. Assistent Michael Frontzeck übernimmt zunächst als Interimslösung.

Eine Entlassung nach neun Spieltage ist keineswegs besonders früh für die Bundesliga, es gab schon Entlassungen vor dem Saisonstart oder nach zwei erfolglosen Spieltagen. Kein Wunder also, dass schon viel Unruhe herrscht und bei einigen Vereinen die Angst umgeht. Relativ ruhig bleibt es überraschend noch bei den Teams auf den Abstiegsplätzen, die noch auf ihren ersten Sieg warten. Bei Schlusslicht Greuther Fürth hatte man fast nichts anderes erwartet, beim Neuling steht Stefan Leitl nicht in Frage. Andere Ambitionen hat zweifellos Arminia Bielefeld, doch Frank Kramer hat nach der Rettung in der letzten Saison noch Kredit, deshalb herrscht Ruhe. Die Arminia hofft jetzt gegen Mainz auf den ersten Saisonsieg, Fürth dagegen fährt nur mit geringer Hoffnung zu den bisher als einzige Mannschaft noch ungeschlagenen Freiburgern.

Unruhe dagegen beim FC Augsburg, wo von einem Betriebsfrieden keine Rede sein kann. Das 1:4 in Mainz war fast peinlich, Vereinsboss Klaus Hofmann schimpfte bei der Jahreshauptversammlung, „der FCA hat sich zuletzt das Fußballspielen systematisch abgewöhnt.“ Eine Kritik vor allem an den Vorgängern von Markus Weinzierl, nämlich Heiko Herrlich und Martin Schmidt. Noch bleibt Weinzierl eine Art Hoffnungsträger, weil er den FCA schon einmal vom Tabellenende in obere Regionen und sogar nach Europa geführt hatte. Dagegen wird die Kritik an Manager Stefan Reuter immer lauter, da könnte es eine andere Art der Entlassung geben. In der Tat, ist bei Misserfolgen der Manager sicher nicht unschuldig, auch in Wolfsburg nicht. Reuter hatte vor allem bei der Zusammenstellung der Mannschaft kein glückliches Händchen. Bezeichnend, dass der abgegebene Marc Richter am Samstag Siegtorschütze für Hertha war und dort für Trainer Pal Dardai und im Verein für Ruhe sorgte. Beim FCA wird ein Nachfolger für Reuter schon gehandelt, der in seiner Heimatstadt hoch angesehene Ex-Spieler und -Trainer Armin Veh. Die nächsten Aufgaben können wieder einmal eine Art Weichenstellung bewirken, sind aber nicht leicht: Sonntag gegen Stuttgart und in Wolfsburg (jetzt mit Aufwind?).

Unruhe herrschte auch beim Rekordmeister, doch hatte das natürlich keine sportlichen Gründe. Corona sorgte für Unruhe. Trainer Julian Nagelsmann wurde positiv getestet und musste in häusliche Quarantäne, von wo aus er die Mannschaft erfolgreich coachte. Dino Toppmöller machte die Arbeit an der Seitenlinie. Corona war auch das Thema für Joshua Kimmich, der als einer von fünf ungeimpften Spielern bei den Bayern „enttarnt“ wurde. Da geriet in den Hintergrund, dass die Münchner auch ohne Trainer erfolgreich ballern – 4:0 in Lissabon, 4:0 gegen Hoffenheim. 33 Tore nach 9 Spieltagen sind neuer Bundesligarekord! Unruhe auch in Dortmund, dort aber eher durch Verletzungssorgen, vor allem weil Torjäger Erling Haaland länger ausfällt. Das könnte die Bayern-Jäger stoppen. In Bielefeld gelang dennoch ein 3:1-Sieg, weil Hummels und Bellingham Torjägerqualitäten zeigten.

Pokalschlager in Gladbach

Die Bayern präsentierten sich international wieder als Vorzeigeklub der Bundesliga. In der Champions League waren nur sie erfolgreich, für Dortmund gab es mit dem 0:4 in Amsterdam sogar eine Blamage, Wolfsburg war mit dem 1:3 in Salzburg nicht weit davon entfernt (ein Argument mehr für die van-Bommel-Entlassung), Leipzig konnte das 2:3 in Paris zumindest als Achtungserfolg bezeichnen. Die Bundesliga hat sich also nicht mit Ruhm bekleckert. Das ging in der Europa League und Conference League ähnlich weiter, nur Eintracht Frankfurt konnte mit dem 3:1 über Piräus ein Erfolgserlebnis verbuchen, was für Trainer Oliver Glasner wohl wichtig war, sonst wäre das folgende 0:2 in Bochum vielleicht von einem Paukenschlag begleitet worden. Union Berlin musste bei Feyenoord Rotterdam Lehrgeld bezahlen, Bayer Leverkusen darf dagegen das 1:1 bei Betis Sevilla als kleinen Erfolg ansehen.

Der Stress mit den englischen Wochen geht für die Spitzenklubs weiter, als Zwischenspiel ist jetzt am Dienstag und Mittwoch der DFB-Pokal angesagt, 15 Bundesligisten sind noch beteiligt, mit Preußen Münster (profitierte vom Wolfsburger Wechselfehler, gegen Hertha) und SV Babelsberg (gegen Leipzig) sind auch zwei Regionalligisten dabei. Das Spitzenspiel findet zweifellos in Mönchengladbach statt, wenn wieder einmal die Bayern gastieren. Da gibt es die Erinnerung an das Eröffnungsspiel der Bundesliga, als die Borussia den Bayern ein 1:1 abtrotzte. Jetzt haben sich die Kräfteverhältnisse aber verändert, doch im Pokal ist bekanntlich alles möglich. Die Statistik spricht einerseits eindeutig für die Bayern, die in sechs Vergleichen im Pokal bisher immer weiterkamen, allerdings fünfmal erst nach Verlängerung und zweimal gab es auch ein Elfmeterschießen, einmal ein Wiederholungsspiel. Andererseits sind die Bayern abseits vom Pokal bei den letzten fünf Auftritten in Gladbach ohne Sieg geblieben. Außerdem gibt es mit den Partien Mainz – Bielefeld (Samstag Bielefeld – Mainz in der Bundesliga!), Bochum – Augsburg und Stuttgart – Köln drei weitere Bundesliga-Paarungen. Besonders interessant vielleicht noch die Duelle von vier Traditionsklubs, nämlich Nürnberg gegen den HSV und 1860 München gegen Schalke 04. Das waren früher ebenfalls Bundesligaspiele. Da werden einige Fans wehmütig werden. Schön, dass es den DFB-Pokal noch gibt.

So verrückt ist der Profi-Fußball

In der ganzen Welt laufen die Fußballspiele in geordneten Bahnen, dank guter Organisation der kleinen und großen Verbände, dank der Arbeit von vielen hauptamtlichen, vor allem aber auch ehrenamtlichen Helfer. Ohne sie ginge gar nichts. Die schöne Idylle wird nur von oben getrübt. Ohne die Ehrenamtlichen geht nichts, ohne den Weltpräsidenten ginge es wahrscheinlich besser. FIFA-Boss Gianni Infantino ist das beste Beispiel dafür, wie ein machtbesessener und geldgieriger Funktionär, der eigentlich das Wohl seiner Sportart im Auge haben sollte, dabei ist, seinen Sport von der Basis zu entfernen und aus ihm vor allem eine reine Geldmaschine zu machen. Infantino wird unterstellt, dass er korrupt ist, Gerichtsverhandlungen sind am Laufen, ein Stückchen weit ist er wohl auch verrückt. Das färbt ab, zahlreiche Gedanken und Intrigenspiele sind im Gange und deshalb soll hier zu einem kleinen Teil einmal aufgezeigt werden, wie verrückt der Profi-Fußball ist.

Wie verlogen Infantino ist, zeigt sich an seinen Gedanken, den Fußball als Geldmaschine zu missbrauchen, und an seinen Äußerungen, die als reine Lüge aus seinem Mund kommen: „Wir wollen mehr wichtige Wettbewerbe für die Fans, ohne mehr Spiele.“ Dabei will er immer mehr Nationen bei den verschiedenen Turnieren und auch die Klub-WM ausweiten. Seine neuesten Pläne, die er ehrgeizig und mit Unterstützung von Scheichs der arabischen Welt vorantreibt, sehen eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre vor. Es gab einen Aufschrei in der Fußballwelt und vor allem UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte nur die einzige gültige Antwort parat: „Wir lehnen diesen Plan ab, er schadet eher dem Fußball, als dass er nützt.“ Europa droht sogar mit Boykott, Südamerika schloss sich an und vor allem die skandinavischen Verbände gehen inzwischen einen Schritt weiter: Sollte Infantino durch seine gekonnten Ränkespiele über kleinere Verbände weltweit, den WM-Rhythmus ändern können, drohen sie, die FIFA zu verlassen! Wer macht dabei noch mit? Bilden Europa und Südamerika einen eigenen „Weltverband“? Verrückt.

Eins ist klar, entgegen der Worthülsen von Infantino ergeben mehr Turniere mehr Spiele und damit mehr Stress für die Spieler, die jetzt schon an der Grenze der Belastbarkeit angekommen sind. Infantino will dem Fußball noch mehr Macht verleihen, aber der internationale Sport wehrt sich, doch welche Mittel hat er? Die Europäische Kommission merkte schon an, dass sie die Pläne stoppen will, weil sie den restlichen Sport in seiner Existenz beeinträchtigt, sogar gefährdet sieht. IOC-Präsident Dr. Thomas Bach ging auf die Barrikaden, weil eine Fußball-WM alle zwei Jahre auch die Olympischen Spiele in den Hintergrund drängt. Was Infantino nicht bedenkt: Die Gelder von Sponsoren und Fernsehen sind endlich. Fließen sie wirklich ganz dem Fußball zu oder werden es pro Turnier weniger? Das könnte zum Bumerang werden. Ganz zu schweigen, dass die Dauerschleifen-WM auch dem Amateur-Fußball Probleme bereitet. Infantino sollte mit dem Hirn und nicht mit dem Geldbeutel denken.

Die Fans werden sich nie daran gewöhnen, dass es im Profi-Fußball vermehrt immer nur um Geld geht. Das ist ja auch bei den Plänen für die Super League so, die keineswegs bereits in der Schublade verschwunden sind. Die Initiatoren Florentino Perez (Real Madrid), Andrea Agnelli (Juventus Turin) und Joan Laporta (FC Barcelona) wollen jetzt über Gerichte das Wettbewerbsmonopol der UEFA aushebeln. Auch hier Scheinheiligkeit: „Wir wollen den Fußball besser machen.“ Jetzt soll es zwei Ligen mit je 20 Vereinen geben, sie wollen den Kreis der Teilnehmer vergrößern, das Interesse steigern. Motto: Mehr kassieren und dafür die Champions League zu Fall bringen. Dort sind ja die Pläne auch schon gereift, für mehr Spiele und Geld. Doch das genügt den großen Klubs nicht, weil vor allem die Spanier inzwischen eher Pleiteklubs sind. Ihnen ist es egal, ob die Masse der Vereine leidet, der Fußball liegt ihnen nicht wirklich am Herzen, Hauptsache ihrem Verein geht es besser. Verrückt.

Verrückt auch die Investitionen in der Premiere League in England. Es scheint, dass sich die Scheichs bald überbieten, wer den besten Klub der Welt zusammenkaufen kann. Saudi Arabien ist jetzt bei Newcastle United eingestiegen, rund 300 Millionen Euro wurden angeblich für 80 Prozent der Anteile bezahlt. Nicht der Staat taucht auf, sondern ein Privat Fonds, der dem mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman unterstellt ist. Die Saudis stehen in der Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen, bin Salman gilt als Auftraggeber am Mord des Journalisten Khashoggi. Verstörend, dass die Fans in Newcastle die Saudis als Retter feiern und von Titeln träumen. Newcastle ist derzeit Vorletzter in der Premiere League, es wäre endgültig verrückt, wenn der Verein am Ende auch absteigen würde! Allerdings darf man gespannt sein auf die Einkaufstour in der nächsten Transferzeit nach Weihnachten.

Komisch, dass sich Fachleute und solche, die es gern sein wollen, immer wieder Gedanken machen, wie man den Fußball noch attraktiver machen kann. Er ist doch beliebt genug. Zum Teil steht dabei ebenfalls der Drang nach mehr Einnahmen dahinter, zum Beispeil beim Vorschlag der Südamerikaner, die Halbzeitpause von 15 auf mindestens 25 Minuten zu verlängern, damit man als Abwechselung mehr Show bieten kann. Diese wäre ein Anreiz für das Publikum wie im US-Sport. Den Fans, die wegen dem Sport kommen, gefällt das weniger. Könnte sein, dass die Zuschauerzahlen dann eher zurückgehen. Seltsam oder sogar absurd auch die Idee, die Entscheidungen über Abseits künftig nicht mehr den Schiedsrichtern an der Linie zu überlassen, sondern einem Computer, da ja u. a. schon die Torlinie überwacht. Es reicht schon jetzt, wie lange es dauert, bis Abseitsentscheidungen auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Wenn es künftig diese Unterbrechungen bei jedem Abseits geben würde, na dann gute Nacht. Seltsam ist, dass viele dieser Ideen vom einst erfolgreichen Trainer Arsene Wenger in die Welt gesetzt werden, der von Infantino als Chef einer Fachkommission berufen wurde, um den Fußball attraktiver zu machen. Anscheinend hat Wenger die Ideen seines Chefs als seine übernommen. Verrückte Ideen.

Das Schlusswort gehört Bayern-Präsident Herbert Hainer, der eine WM alle zwei Jahre strikt ablehnt und warnt: „Natürlich spielt Geld im Profisport eine wichtige Rolle, aber man darf den Fußball niemals auf dem Altar der finanziellen Interessen opfern.“ Alles andere wäre verrückt.

Nur Dortmund empfiehlt sich als Bayern-Jäger

Vizekusen bleibt halt Vizekusen! Wieder einmal hat es Bayer Leverkusen versäumt, den Ruf des ewigen Zweiten, der keine Titel gewinnen kann, oder sogar des ewigen Verlierers in entscheidenden Spielen loszuwerden. Es war wie immer, möchte man urteilen, es war wie im Vorjahr, als Leverkusen am 13. Spieltag als Tabellenführer auf die Bayern traf und 1:2 verlor. Auch diesmal wieder ein Treffen auf Augenhöhe, beide punktgleich, dies allerdings nur vor dem Anpfiff. Dann legten die Münchner los und Bayer schaute zu. Ein Torfestival hatte der Sport-Grantler erwartet, aber nicht so einseitig beim 1:5-Desaster der Leverkusener. Vier Treffer in sieben Minuten sagen alles.

Bayern aber erschreckte einmal mehr die Bundesliga. Sind die Münchner wieder nicht zu packen? Die 1:2-Niederlage gegen Frankfurt machte Hoffnung, doch die zerstob mit dem Angriffswirbel in Leverkusen, ein Schock für die Konkurrenz. Eins wird deutlich, es bleibt wieder nur Borussia Dortmund als ernsthafter Bayern-Jäger. Das 3:1 gegen Mainz versprühte nicht den Glanz der Bayern-Gala, aber es war ein Sieg, den man erringen muss, um Titelambitionen zu untermauern, nämlich Spiele auch dann zu gewinnen, wenn man nicht gut spielt. Auffallend: Dortmunds Erfolgsgaranten sind Torjäger Erling Haaland und Marco Reus, bei den Bayern das Duo Lewandowski/Müller, doch daneben sorgt das Mittelfeld mit Kimmich und Goretzka für Sicherheit, das Gegenstück ist Jude Bellingham, aber ohne die Konstanz. Bayerns Offensiv-Joker: Leroy Sane bekam besondere Aufgaben im Team und viel Lob von Trainer Julian Nagelsmann. Dazu kommt der unaufhaltsame Tempomacher Davies. Die Bayern sind zweifellos breiter aufgestellt. Interessant: Am Samstag folgt das Duell der Fünfer-Schützen, Bayern gegen Hoffenheim, das mit 5:0 Steffen Baumgarts Köln entzauberte.

Dortmund bleibt also der einzige ernsthafte Bayern-Jäger, auch wenn Leverkusen und Freiburg nur drei Punkte zurückliegen, doch auf Dauer werden sie nicht mithalten können. Freiburg ist nach der Premiere im neuen Stadion mit dem 1:1 gegen Leipzig immer noch ungeschlagen, doch der Blick geht eher nach unten. Auch Union Berlin dahinter ist eher erstaunt über Platz 5, als ein Titelkonkurrent. Leipzig kommt nicht in die Form eines Spitzenteams und Wolfsburg ist zurück im Alltag. Nach vier Spieltagen waren die Wölfe noch Erster, jetzt gab es mit 0:2 bei Union die dritte Niederlage und das sechste sieglose Pflichtspiel in Folge. Auch Gladbach kann sich nicht als Spitzenteam empfehlen. Was ist los mit den ambitionierten Klubs? Vollmundige Versprechungen vor der Saison, doch allein das Ziel, einen Platz für Europa zu ergattern, kann es doch nicht sein.

Weichenstellung auch im Abstiegskampf. Fürth segelt schon nach acht Spieltagen wieder zurück in Richtung zweite Liga. Nicht einmal gegen den Mitaufsteiger Bochum reichte es zum ersten Heimsieg. Auch Augsburg gelang beim 1:1 gegen Bielefeld kein Befreiungsschlag, wenn auch der Sieg bei zwei um Zentimeter aberkannte Abseitstore denkbar knapp verfehlt wurde. Was aber bleibt, sind fehlende Punkte und Abstiegskampf pur, der in Mainz fortgesetzt wird. Rätsel gibt Eintracht Frankfurt auf, dem 2:1 bei den Bayern folgte ein 1:2 gegen Hertha BSC. Nur der Bayern-Fluch? Wer die Bayern schlägt, muss bekanntlich anschließend Niederlagen erleiden. Irgendwie ist die Mannschaft nicht in der richtigen Form. Eine Wundertüte bleibt Hertha oder ist es der Durchbruch nach oben? Es könnte eine Weichenstellung gewesen sein. Zumindest sorgt es für Ruhe im Verein, nachdem CEO Schmidt seinen Rückzug aus privaten Gründen verkündet hat.

Die Bundesliga sorgt sich um Spannung, ein Vorbild kann da ausgerechnet die Frauen-Bundesliga sein. Im Gegensatz zu den Männern war es bei den Mädchen ein Spieltag der Verfolger, Eintracht Frankfurt stoppte Titelverteidiger Bayern, Hoffenheim bremste Mitfavorit Wolfsburg. Das Resultat: Mit Bayern, Leverkusen (Platz zwei!) und Frankfurt liegen nach sechs Spieltagen drei Teams mit je 15 Punkten gleichauf, nur durch die Tordifferenz getrennt. Dahinter folgen Wolfsburg, Hoffenheim (je 13) und Turbine Potsdam (12), die oben mitmischen und im Titelkampf für Spannung sorgen. Die Frauen-Bundesliga ist also zweigeteilt, die restlichen sechs Teams des Zwölfer-Feldes kämpfen gegen den Abstieg. Ganz so wünschen sich die Männer das dann auch wieder nicht.

Wer punktet auswärts?

Das ist ja kurios, in den europäischen Wettbewerben werden in dieser Woche die Bundesligisten bis auf eine Ausnahme auswärts geprüft. Die deutschen Fans gucken im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre. Die Ausnahme ist Eintracht Frankfurt, das am Donnerstag in der Europa League Olympiakus Piräus erwartet. Bayer Leverkusen muss dagegen wie alle anderen auswärts antreten, nämlich bei Betis Sevilla. Union Berlin hat in der Conference League mit Feyenoord Rotterdam einen attraktiven Gastgeber. Schwere Aufgaben für die deutschen Teams.

Im Mittelpunkt aber natürlich die Champions League am Dienstag und Mittwoch mit jeweils attraktiven Spielen der Bundesligisten. RB Leipzig wird sich allerdings über die Reise nach Paris nicht freuen, die bisher punktlosen Sachsen holen sich beim Star-Ensemble, das wieder mit Messi und Neymar antreten wird, wohl die nächste Niederlage ab. Da fährt Borussia Dortmund schon mit anderen Ambitionen zu Ajax Amsterdam, es ist das Spitzenspiel der punktgleichen Tabellenführer und eine Vorentscheidung darüber, wer am Ende Gruppensieger werden kann.

Zwei deutliche Siege hat bisher Bayern München gegen Barcelona und Kiew zu verzeichnen, jetzt stellt sich vielleicht Benfica Lissabon als schwerste Aufgabe heraus. Benfica gab in Kiew einen Zähler ab, siegte aber auch gegen Barca mit 3:0. Für die Münchner geht es darum, in Portugal nicht den Schwung zu verlieren. Die Frage in den nächsten Spielen wird sein, wie es Trainer Julian Nagelsmann mit der Kräfteschonung der Stammspieler hält. Der VfL Wolfsburg hat eine andere Blickrichtung, da geht es für Trainer Mark van Bommel und seine Jungs vor allem darum, endlich wieder ein Erfolgserlebnis zu haben. Ob das aber ausgerechnet bei RB Salzburg passiert? Der Bundesligist tritt nicht als Favorit an. Sucht man nach einem Spitzenspiel, dann dürfte dies wohl das Duell Atletico Madrid gegen den FC Liverpool in der Gruppe B sein.

Einen weiteren Blick über die Grenzen gibt es beim Sport-Grantler in dieser Woche in der nächsten Kolumne mit dem brisanten Thema: So verrückt ist der Profi-Fußball.

Deutschland ist die Nummer 1!

Die Pflichtaufgabe war teilweise ein Ärgernis, wurde am Ende aber zur Kür und schließlich heißt es vorzeitig: Aufgabe erfüllt. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft darf sich jetzt sogar rühmen, als erste Nation (nach Gastgeber Katar natürlich, der ein Freilos hat) die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 geschafft zu haben. Das sah zwischendurch nicht danach aus, aber die Gegner Nordmazedonien, Rumänien, Armenien, Island und Liechtenstein gehörten alle nicht zu den besten 40 Nationen der Weltrangliste. Dort rangiert Deutschland allerdings auch nur auf Platz 14 und wird deshalb wohl nicht zu den gesetzten Teams bei der Gruppenauslosung im Frühjahr gehören. Da droht in der Vorrunde ein dicker Brocken als Gegner.

Das ist ja überhaupt die Frage: Wie stark ist Deutschland wirklich? Gegen die mit Verlaub zweitklassigen Gegner war am Ende leicht Toreschießen. Allerdings zeigte Hansi Flicks Vorgänger Joachim Löw mit Rumpelfußball das es auch anders sein kann. Der neue Bundestrainer hat ungeachtet der Gegner das Nationalteam auf Vordermann gebracht, hat einen neuen Geist entstehen lassen, Schwung und Offensive dem Team eingeimpft. Das Pressing zeigte auch beim 4:0 in Nordmazedonien Erfolg und dürfte auch stärkeren Gegnern Probleme bereiten. Zur Erinnerung: Im Hinspiel hatte Deutschland noch 1:2 verloren. Jetzt zeigte sich, dass die neue Power irgendwann den Gegner auspowert, dann fallen auch die Tore, dann trifft sogar der viel gescholtene Timo Werner. Die Abwehr lässt allerdings Fragen offen. Am Ende durften auch die Youngster aufs Feld, so dass Jamal Musiala, nach effektivem Pressing zusammen mit Adeyemi, zum zweitjüngsten Torschützen des DFB-Teams aller Zeiten avancierte. Musiala ist 18 Jahre und 227 Tage alt, Nummer 1 bleibt ein Marius Hiller, der bereits 1910 beim 3:2 in der Schweiz zum 1:0 traf und da 17 Jahre, 241 Tage alt war. Vergangenheit. Musiala, Adeyemi, Wirtz und Havartz gehört die (offensive) Zukunft.

Die Spiele in der WM-Qualifikation waren nicht das reine Vergnügen, da hatte das Finalturnier der kritisierten Nations League eine andere Qualität. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass die Nations League eingeführt wurde als Ersatz für bedeutungslose Länderspiele, um mehr Aufmerksamkeit und Einnahmen zu erzielen. Es sollten eigentlich nicht mehr Spiele werden, führte aber durch die Corona-Pandemie dennoch zu Terminstress. Nach dem Premierensieger Portugal 2019 trug sich jetzt Frankreich mit einem 2:1 über Spanien in die Siegerliste ein, die Spieler feierten ausgelassen und die Franzosen holten sich nach Welt- und Europameisterschaft den nächsten Titel. Ist doch was. Dritter wurde übrigens Italien mit einem 2:1 über Belgien. Erfreulich: Alle Spiele waren gut anzuschauen. Das Spiel um Platz drei ist aber sinnlos. So kritisierte Belgiens Torhüter Thibaut Courtois hinterher die Terminhatz, zielte aber vor allem auf die aberwitzigen FIFA-Pläne, alle zwei Jahre eine Weltmeisterschaft austragen zu wollen. Courtois über die zu große Belastung für die Spieler: „Wir sind doch keine Roboter!“

In der Bundesliga werden die Weichen gestellt

Jetzt stehen wieder die Vereine und Punktspiele im Mittelpunkt. Bis zur nächsten Länderspielpause Mitte November stehen in der Bundesliga vier Spieltage an, dazu der DFB-Pokal am 26./27. Oktober und zwei Spieltage auf Europas Bühne. Stress pur für die Teams, die überall vertreten sind, überall erfolgt eine Weichenstellung, besonders aber in der Bundesliga. Da hat es schon der 8. Spieltag am kommenden Wochenende in sich.

Besonders ins Auge sticht der Abstiegskampf am Tabellenende, denn die vier letzten Mannschaften treffen aufeinander. Im Duell der Neulinge erwartet Schlusslicht Fürth (ein Punkt), das in der Bundesliga noch kein Heimspiel gewonnen hat, den Vorletzten Bochum (4). Auch Bielefeld hat nur vier Zähler und muss am Sonntag (17.30 Uhr) in Augsburg antreten. Die Arminia war mit dem Gedanken Abstiegskampf in die Saison gegangen, nicht so die Schwaben. Der FCA träumte eigentlich von einem Mittelfeldplatz, legte aber einen Fehlstart hin. Und ausgerechnet jetzt herrscht Torjäger-Not, obwohl sowieso erst drei Treffer erzielt wurden. Dennoch wären Niederlechner und Finnbogason Hoffnungsträger, aber beide sind verletzt. Kein Wunder, dass auch der FCA humpelt, ausgerechnet jetzt geht es dann nach Mainz und gegen Stuttgart. Weichenstellungen also.

Weichenstellung auch an der Spitze beim absoluten Schlagerspiel: Der Zweite, Leverkusen, erwartet am Sonntag (15.30 Uhr) den punktgleichen Tabellenführer Bayern (beide 16). Die Münchner müssen ihre erste Niederlage (1:2 gegen Frankfurt) verdauen, eine zweite gleich hinterher würde für Magenbeschwerden sorgen. Nicht nur bei Trainer Julian Nagelsmann. Bayer zeigt unter dem neuen Trainer Gerardo Seoane eine erstaunliche Konstanz und schwungvolles Spiel. Die schnellen Stürmer dürften Gift für die Bayern-Abwehr sein, andererseits wird die Bayer-Abwehr von Lewandowski und Co. wohl ziemlich geprüft – ein Torfestival zeichnet sich ab.

Interessant aber auch das Aufeinandertreffen von Freiburg und Leipzig im neuen Freiburger Stadion. Da der Überraschungsvierte, dort der Achte, der nur zeitweise in Schwung gekommen ist. Noch wackelt Trainer Jesse Marsch nicht. Freiburg hofft auf einen Traum-Einstand im Europa-Park Stadion, verlor aber im letzten Jahr beide Spiele gegen RB mit 0:3. Brisant auch das Duell Eintracht Frankfurt gegen Hertha BSC Berlin. Zwei Tabellennachbarn auf den Rängen 13 und 14, die sich eigentlich weiter oben sehen. Die Eintracht hofft auf den Schwung vom Bayern-Sieg (allerdings rutschten Bayern-Sieger danach oft in ein Tief!), bei Hertha kämpft Trainer Pal Dardai um seinen Job. Eine Weichenstellung also. Herthas weitere Gegner in dieser Phase sind Gladbach, Hoffenheim und Leverkusen. Leicht wird es nicht, den unteren Tabellenregionen zu entfliehen.

Einige Teams haben oft Probleme, nach der Länderspielpause wieder in Tritt zu kommen. Manche leiden vor allem unter Ausfällen, so wird besonders Dortmund vom Verletzungspech gebeutelt. Diese Konstellationen sorgen zusätzlich für Spannung. Die Fans dürfen sich also auf die Bundesliga freuen.

Fluch und Segen der Länderspielpause

Länderspielpause. Die einen fürchten sie, die anderen nutzen sie, wollen zur Ruhe kommen, ihre Wunden zu lecken, neuen Mut und Kraft schöpfen. Die Nationalspieler verstreuen sich in die ganze Welt, die Angst reist mit. Die Angst vor Verletzungen und die Angst vor Corona, vor Infektionen und Quarantäne. Länderspielpausen waren bei den Vereinen noch nie beliebt, derzeit rangieren sie in der Beliebtheitsskala ganz unten. Die Spieler sind unterwegs, die Aufarbeitung von Fehlentwicklungen muss warten. Bei Bayern München sind insgesamt 18 Spieler aus dem Profikader weg. Ausgerechnet jetzt.

Die Bayern verabschiedeten sich mit der ersten Saison-Niederlage in die Pause. Sie stehen nicht allein, seltsam, gerade an den letzten Spieltagen haben Europas Spitzenklubs in ihren Ligen Federn lassen müssen. Wie die Bayern, so haben auch die Millionäre von Paris St. Germain (0:2 in Rennes) das erste Mal verloren. Real Madrid (immer noch Tabellenführer in Spanien) verlor nach der Pleite in der Champions League auch bei Espanyol Barcelona mit 1:2, der FC Barcelona bei Atletico Madrid 0:2. In England teilten sich die Spitzenteams Liverpool und Manchester City die Punkte (2:2). Sieger gab es also keine.

Vor allem in München werden sie jetzt nach den Ursachen der Pleite suchen. Das 1:2 gegen Eintracht Frankfurt freute zwar die Konkurrenz, wurmte aber natürlich den Rekordmeister, der sich bisher so dominant durch die Saison gesiegt hatte. Dominant waren die Bayern diesmal auch, doch die notwendigen Tore wollten nicht fallen, unter anderem, weil Eintracht-Torhüter Kevin Trapp einen Sahnetag erwischt hatte, die Bayern-Stürmer aber nicht. So war mit der ersten Niederlage für den neuen Trainer Julian Nagelsmann die Serie von neun Siegen in Pflichtspielen beendet. Es war die erste Heimniederlage seit dem 30. November 2019, damals ein 1:2 gegen Bayer Leverkusen. Das passt: Bayer ist der erste Gegner nach der Länderspielpause, allerdings in Leverkusen, und liegt mit dem Tabellenführer punktemäßig gleichauf, nur um vier Tore schlechter. Gegen Frankfurt unterlagen die Bayern übrigens zuletzt vor 20 Jahren zu Hause, damals noch im Olympiastadion! Auffallend auch: Torjäger Robert Lewandowski traf nach dem Ende seiner Serie von 15 Spielen mit Torerfolg zum zweiten Mal hintereinander nicht. Nennt man das schon Krise?

In der Länderspielpause wird wohl eine erste Bilanz gezogen, von den Spitzenklubs hat RB Leipzig noch Nachholbedarf (Rang 8), im Gegensatz dazu ist der SC Freiburg Vierter und der einzige Verein noch ohne Niederlage! Spannung pur, da die ersten vier Klubs München, Leverkusen, Dortmund und Freiburg nur einen Punkt getrennt sind. Brisant: Freiburg erwartet am nächsten Spieltag RB Leipzig zum ersten Match im neuen Stadion.

Am Tabellenende zeichnet sich der Kreis der gefährdeten Mannschaften ab. Die Neulinge Fürth (ein Zähler) und Bochum (4) zieren das Tabellenende, noch nie sind beide Neulinge so schlecht gestartet! Schlechte Stimmung auch in Bielefeld, Augsburg und bei Hertha. Das könnte ein Dauer-Zittern werden. Beim FCA ist man um die Pause froh, man will Trainingsrückstände aufholen, viele Spieler seien nicht in der besten Verfassung. Haben sie vielleicht den Saison-Start verschlafen? Trainer Pal Dardai macht bei Hertha auf Optimismus, bis Weihnachten, also zum Ende der Vorrunde, will er 20 Punkte gesammelt haben. Nach sieben Runden sind es sechs. Stellt sich die Frage: Wird der Ungar Weihnachten noch Hertha-Trainer sein? Vor diesen Klubs liegen Frankfurt, Stuttgart und Hoffenheim, ihnen darf man zutrauen, mit dem Abstiegskampf auf Dauer nichts zu tun zu haben.

WM-Qualifikation schon möglich

Jetzt ist erst einmal Länderspielpause. Dank Hansi Flick werden die Fußball-Fans nicht stöhnen, „was sollen wir mit der Nationalmannschaft?“ Das Interesse könnte nach den Siegen gegen Liechtenstein und Island durch die erfreuliche Konstellation noch gesteigert werden, dass Deutschland mit Siegen über Rumänien (Freitag in Hamburg) und Nordmazedonien (Montag, 11. Oktober, in Skopje) bereits die WM-Qualifikation für Katar 2022 schaffen könnte, wenn Verfolger Armenien in Island oder Rumänien Federn lässt. Aber aufgepasst, vor den Gruppenspielen galt gerade Rumänien als stärkster Gegner, liegt jetzt aber fünf Punkte zurück. Im Hinspiel siegte Deutschland 1:0 – und das mit Jogi Löw. Also, dass müsste Hansi Flick dann doch auch schaffen. Und dann muss er natürlich die Schmach gegen Nordmazedonien tilgen, als die DFB-Elf 1:2 unterlag. Ein Tiefschlag für Fußball-Deutschland und Jogi Löw. Damals rutschte „die Mannschaft“ auf Rang drei ab, jetzt ist man Erster mit 15 Punkten vor Armenien (11) und Rumänien (10). Mit zwei Erfolgen könnte Flick übrigens den Startrekord von Jogi Löw mit fünf Siegen aus dem Jahr 2006 einstellen. Und dann weiter ausbauen.

Hansi Flick will die WM-Qualifikation „so schnell wie möglich“ schaffen, vertraut wieder seinem ersten Kader, muss allerdings Ausfälle verkraften, Gosens und Gündogan mussten verletzt absagen, Hummels ist noch kein Thema. Auch Kevin Trapp fehlt im Aufgebot, der Frankfurter ist in der Rangfolge der Torhüter nur Nummer vier, da kam die Glanzleistung in München zu spät. „Der Bundestrainer wird wohl jetzt nicht mehr anrufen“, vermutet Trapp. Gespannt sein darf man, wie Flick auf die Formkurven reagiert, zum Beispiel auf das Hoch von Florian Wirtz und das Tief von Kai Havertz.

Neben den Spielen der WM-Qualifikation bringt sich auch die Nations League in Erinnerung. Manche haben diesen Wettbewerb vielleicht schon vergessen, aber in dieser Woche steht das Finalturnier der Gruppensieger in Turin und Mailand an. Am Mittwoch stehen sich Italien und Spanien gegenüber, am Donnerstag Belgien und Frankreich. Vier neue Finalteilnehmer, 2019 waren in Portugal der Gastgeber sowie England, die Niederlande und die Schweiz dabei. Im Finale bezwang Portugal die Niederlande mit 1:0. Alle Spiele des Final Four werden vom Streamingdienst DAZN übertragen. Das Spiel um Platz drei und das Finale sind am Sonntag.

Frauen feiern eine Premiere

Schlagzeilen machte der Frauen-Fußball am Wochenende durch einen Sex-Skandal in den USA, gleich mehrere Trainer sollen Spielerinnen sexuell und emotional misshandelt haben. Zwei Ex-Profis haben ausgesagt und vor allem den früheren Trainer Paul Riley beschuldigt, der allerdings alles abstreitet. Die Spielerinnenvereinigung spricht von „systemischen Missbrauch über viele Jahre“, der US-Verband haben nie gehandelt. Als Folge der Anschuldigungen trat die Liga-Chefin Lisa Baird zurück.

Erfreulicher sieht es sportlich in Europa für die Fußball-Frauen aus, sie feiern nämlich die Premiere der Gruppenphase der Champions League. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung mit den Männern. Auch die finanzielle Ausstattung wurde aufgestockt, von 6 auf 24 Millionen Euro für den gesamten Wettbewerb. Der Streamingdienst DAZN überträgt alle Spiele live.

Von den deutschen Mannschaften war Meister Bayern München direkt für die Gruppenphase qualifiziert und startet am Dienstag in der Gruppe D bei Benfica Lissabon, außerdem spielt HäckenFF gegen Olympique Lyon. Der VfL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim haben sich über Ausscheidungsrunden ebenfalls für die Gruppenphase qualifiziert. Hoffenheim erwartet ebenfalls am Dienstag die Mannschaft aus Köge, außerdem spielt in der Gruppe C der FC Barcelona gegen Arsenal London, die beiden Favoriten. Wolfsburg wird in der Gruppe A gleich bei Chelsea London geprüft, stark ist auch Juventus Turin einzuschätzen, das erst zu Servette CF muss. Weitere Spieltage sind der 13./14. Oktober, 9./10. November, 8./9. Dezember sowie 15./16. Dezember. Die vier Gruppensieger und vier Gruppenzweiten ziehen ins Viertelfinale ein. Die weiteren Runden werden im März und April 2022 gespielt, das Finale ist im Mai in Turin.