Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Fußball-WM vor einem Jahr: Erinnerungen und Zukunft

Deutschland schwelgt in diesen Tagen in Erinnerungen. Wahrscheinlich auch, weil man nie weiß, wann die glücklichen Sporttage wieder einmal zurückkommen. So ist es jetzt 30 Jahre her, dass ein damals unbekannter, 17jähriger Rotschopf überraschend Wimbledon gewann. Boris Becker wurde zu einem Idol der Deutschen, heute hat das Tennis hierzulande keine Idole mehr.

Das wird dem Fußball nicht passieren. Aber die Euphorie über den Gewinn des Weltmeister-Titels vor einem Jahr zeigte, wie eine ganze Nation nach dem großen Erfolg lechzte. Jetzt darf man wieder in Erinnerungen schwelgen: Vor genau 25 Jahren, am 8. Juli 1990, wurde Deutschland Fußball-Weltmeister in Italien, mit einem schmucklosen, aber verdienten 1:0 gegen Argentinien im Finale. Erinnerungen auch an den 8. Juli 2014, ein Tag, den sie in Brasilien lieber vergessen würden, das historische 7:1 im WM-Halbfinale von Belo Horizonte. Die logische Folge war dann der Titelgewinn Deutschlands am 13. Juli in Rio de Janeiro mit dem Kunstschuss von Mario Götze, der das Finale in der Verlängerung wieder gegen Argentinien, diesmal zugunsten von Deutschlands entschied. Damals war es ein Schuss in die Herzen der Fans, der Begeisterung auslöste und träumen ließ: Fußball-Deutschland steht vor einer großen Zukunft.

Gibt es einen WM-Fluch?

Und heute? Hat die große Zukunft bereits begonnen? Sie ist zweifelhaft geworden. Der Motor des Weltmeisters stottert, die Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 wird zu Qual und bietet keinen Fußball der Freude. Es scheint fast ein WM-Fluch über der Mannschaft zu liegen, gleich vier prominente Verbindungen der Spieler gingen in die Brüche: Sami Khedira trennte sich jetzt nach vier Jahren von dem Model Lena Gercke, einen Schlusspfiff gab es auch für Bastian Schweinsteiger und dem Model Sarah Brandner, Mesut Özil trennte sich von Sängerin Mandy Capristo und Manuel Neuer von seiner Jugendliebe Kathrin Gilch. Hat der WM-Pokal die Liebe getötet?

Keine Hoffnung auf Nachwuchs da und der Fußball-Nachwuchs dort hat seine Probleme und macht eher mit deftigen Niederlagen auf sich aufmerksam. Die U19 ist bei der Europameisterschaft schlecht gestartet (0:3 gegen Spanien), die U21 hat sich bei der EM blamiert (0:5) gegen Portugal, die U20 konnte nichts retten, ist bei der Weltmeisterschaft frühzeitig ausgeschieden. So sieht keine gute Zukunft aus. Da konnten auch die Frauen nichts mehr retten, nach Platz vier bei der Weltmeisterschaft in Kanada gibt es eher Streit als Zuversicht für die Zukunft. Schwelgen wir also lieber in Erinnerungen.

Die Rolle des 1:7 in Brasilien

Bei den Erinnerungen kommt also wieder Brasilien ins Spiel. Dort verarbeitet man das 1:7 auf eigene Art, es ist zu einem Synonym für schlechte Ereignisse geworden. Wie man hört, ist in Brasilien aber auch sonst Ernüchterung eingetreten, die Gewalt in den Favelas flammt wieder auf, die Korruption regiert nach wie vor und auch sonst ist die Lage unsicher geworden, selbst an der berühmten Copacabana ist man vor Überfällen nicht sicher. Da schwelgen die Brasilianer nicht Erinnerungen, aber ihr Blick geht gern in die Zukunft: Vom 5. bis 21. August 2016 finden die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro statt. Doch die Vorfreude ist gedämpft, Probleme gibt es an allen Ecken und Enden. Manche Bauten sind im Rückstand, Streiks fast an der Tagesordnung und der Umweltschutz wird mit Füßen getreten. Die Brasilianer würden auch gerne in Erinnerungen schwelgen. Aber da war dieses 1:7… Nun ja, sie können sich mit fünf WM-Titeln in der Vergangenheit trösten, Deutschland war bereits über den vierten Stern begeistert!

Was dem Sport-Grantler aufgefallen ist: Die entscheidenden Torschützen bei den WM-Finals von 1974 (Gerd Müller), 1990 (Andreas Brehme) und 2014 (Mario Götze) bleiben ewig in Erinnerung und sie haben eines gemeinsam: Sie spielten zur der Zeit jeweils für den FC Bayern München. Helmut Rahn war 1954 auch im Ruhrpott glücklich.

Sollte uns die Fußball-Zukunft enttäuschen (siehe Brasilien), so bleiben uns ja noch die Erinnerungen, die in diesen Tagen besonders stark sind.

Was ist mit Brasiliens Fußball los?

Was haben wir früher geschwärmt, vom Fußball in Brasilien! „Brasilianischer Ballzauber“ war der Inbegriff für hochklassigen Fußball. Hat einer neben den Ball getreten, so gab es als Trost die Bemerkung „bist halt kein Brasilianer“. Die Talente von der Copa Cabana, die im Sand den Ball besser beherrschten als wir auf der Straße oder im Gras, kamen uns vor wie höhere Wesen. Und seit dem Titelgewinn 1958, mit dem der Siegeszug der Mannschaft um den wohl noch heute besten Spieler aller Zeiten, Pelé, begann, wollte eigentlich jeder am liebsten ein Brasilianer sein. Immer noch ist Brasilien Rekord-Weltmeister mit den Titelgewinnen 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002.

Und heute? Heute ist die Frage, „was ist mit Brasiliens Fußball los?“. Große Hoffnung gab es durch die Titelkämpfe im eigenen Land vor einem Jahr. Diese Weltmeisterschaft sollte Brasilien den Fußball-Glanz zurückbringen, ein ganzes Land in Euphorie versetzen. Am Ende blieb Trauer zurück, ein Scherbenhaufen für den Fußball, die Schmach des 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland wirkt bis heute nach. Der nächste Rückschlag kam nämlich vor wenigen Tagen mit dem Aus gegen Paraguay mit 3:4 im Elfmeterschießen im Viertelfinale der Copa America in Chile. Auch Carlos Dunga, genannt „der Deutsche“, konnte es nicht richten. Brasilien musste zusehen, als am Samstag Erzfeind Argentinien und Gastgeber Chile das Finale bestritten. Es zeigte sich 2014 wie diesmal, dass Brasilien ohne den einzigen derzeitigen Superstar Neymar nicht gewinnen kann.

Brasilien will im Fußball wieder das Brasilien von früher werden und deshalb soll eine Experten-Kommission „Strategische Entwicklung“ für eine gute Zukunft sorgen. Aufgabe: Den Zustand analysieren, einen Aktionsplan aufstellen. Frühere Nationaltrainer wie Carlos Alberto Parreira (Weltmeister 1994) und Sebastiao Lazaroni haben ihre Mitwirkung zugesagt. Carlos Dunga soll ebenso dabei sein wie Ex-Spieler, Journalisten und Sport-Wissenschaftler. Die Talente, die es in Brasilien immer noch zuhauf gibt, sollen wieder zu Starspielern werden und nicht irgendwo bei zweitklassigen Klubs im Ausland verkümmern, weil sie zu früh dem schnellen Geld nachlaufen, froh, den Slums entkommen zu sein.

Ob dies für die Weltmeisterschaft 2018 schon reicht? Dieser Plan muss wohl langfristig greifen. So schwärmen wir hierzulande eher noch von den Stars der Vergangenheit, vom „Wundersturm“ um Pelé mit Vava, Didi und Garrincha, von Ronaldo, Rivaldo, Socrates, Roberto Carlos und vielen anderen.

Olympische Spiele als Hoffnung

Die Frage „was ist mit Brasiliens Fußball los?“ gilt auch für die Frauen. Auch die Frauen um die mehrmalige Weltfußballerin Marta galten bei fast allen WM-Turnieren als Mitfavorit, doch Titel holten sie keine. In Kanada kam das Aus gleich im Achtelfinale ausgerechnet gegen Australien und nicht gegen eine große Mannschaft. Im nächsten Jahr soll es bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro besser werden, aber derzeit sieht es für Männer und Frauen eher nach Trauer wie bei der WM und nicht nach Euphorie aus. Auch bei Olympia konnten Männer und Frauen bisher nie Gold gewinnen, es blieb höchstens Silber oder Bronze (Deutschlands Männer und Frauen kamen übrigens nie über Bronze hinaus). Vielleicht wird aber auch alles anders und die Olympischen Spielen der Start zu einer neuen Hochzeit des Fußballs in Brasilien. Hoffentlich müssen wir als amtierender Weltmeister (Männer) nicht bald fragen, „was ist mit dem Fußball in Deutschland los?“

Ein Gruß von Pelé

Übrigens: Der Sport-Grantler ist stolz, dass er in seinem Trophäen-Keller ein T-Shirt mit der Original-Unterschrift von Pelé hängen hat, von dessen Abschiedsspiel 1977 bei Cosmos New York. Pelés große Karriere ging damals zu Ende. Schöne Erinnerungen bleiben, schöne Erinnerungen an den großen Fußball Brasiliens. Der Sport-Grantler würde sich über eine große Zukunft von Brasiliens Fußball freuen.

Olympia als Ziel, Olympia als Trost

Es laufen derzeit international große Turniere im Fußball, immer wieder im Gespräch sind aber auch die Olympischen Spiele. Es scheint so zu sein: An Olympia kommt niemand vorbei. Die Themen sind allerdings sehr unterschiedlich. Einmal ist Olympia das Ziel, dann wiederum gilt die Teilnahme an den Olympischen Spielen als Trost. Ein schöner Trost, könnte man sagen.

Nehmen wir zuerst einmal Olympia als Ziel. Vor wenigen Tagen hat die französische Hauptstadt Paris ihre Bewerbung für die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 kundgetan. 2024 hätte seinen Reiz, denn vor genau dann 100 Jahren war Paris zum letzten Mal Gastgeber. Für 1992, 2008 und 2012 scheiterten die Franzosen. Jetzt aber ist Paris eine starke Bewerbung mit der Unterstützung von über 60 Prozent der Bevölkerung (es gibt Umfragen, die sprechen sogar von über 70 Prozent). Gerade die Sommerspiele haben ihren Reiz nicht verloren, nach den Spielen in Südamerika (Rio de Janeiro 2016) und Aisen (Tokio 2020) kann man über die Bewerber-Städte aus Europa sagen, eine ist attraktiver als die andere: Hamburg, Rom, Paris, wahrscheinlich auch noch Budapest und Istanbul, als Klammer zwischen Europa und Asien. Als Favorit für die Austragung galt aber der amerikanische Kandidat, weil das IOC einen lukrativen Fernsehvertrag mit dem US-Sender NBC abgeschlossen hat. Das Rennen machte zur Überraschung der Fachwelt mit Boston vor San Francisco und Washington, angeblich der schwächste Kandidat. Aber die Granden vom IOC haben schon oft ähnliche seltsame Entscheidungen getroffen wie die der FIFA… Vernunft ist bei Funktionären manchmal ein Fremdwort.

Tatsache ist, dass die Sommerspiele attraktiv bleiben, im Gegensatz zu den Winterspielen, die zumindest in Europa zunehmend ins Visier der Umweltschützer geraten sind und es interessierten Städten nicht gerade leicht machen, Zustimmung zur Austragung der Spiele zu erhalten. Siehe das Beispiel München, als sich die Bevölkerung gegen Olympia aussprach. Hier könnte auf das IOC das Problem zukommen, dass nur noch – sagen wir mal – die weniger demokratischen Staaten die Winterspiele ausrichten wollen.

Ohne Titel bleibt immer noch Rio

Aber bleiben wir bei den Sommerspielen und da steht Rio 2016 im Blickpunkt. So auch bei den deutschen Auswahlmannschaften. Die U21 bei der Europameisterschaft und die Frauen bei der Weltmeisterschaft kämpften um Titelehren. Aber einen Erfolg haben sie frühzeitig bereits errungen: Sie haben sich die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2016 erkämpft. Olympia also auf jeden Fall schon mal als Trost, sollte es mit dem Titel nicht klappen. Auch so wird Olympia attraktiv…

Bei den Fußball-Junioren der U21 ergibt sich allerdings eine seltsame Konstellation, die aufzeigt, dass beim Weltverband FIFA – wen überrascht das noch – nicht weitsichtig gedacht wird. Nachdem das Olympische Fußballturnier keine Konkurrenzveranstaltung zur Weltmeisterschaft sein soll, haben sich IOC und FIFA darauf geeinigt, dass nur Spieler unter 23 Jahren an Olympia teilnehmen dürfen. Eine Ausnahme: Drei Spieler dürfen älter sein. Der Fehler: Viele derjenigen Spieler, die jetzt bei der Europameisterschaft die Kastanien aus dem Feuer holen sollen, sind in einem Jahr für Olympia zu alt! Für die EM zählte als U21 der Start der Qualifikation 2013, Stichtag war der 1. Januar 1992, die Spieler mussten danach geboren sein. Zur EM-Runde sind viele logischerweise älter als 21. Warum weitet man dies gleich bis zu den Olympischen Spielen aus? FIFA-Funktionäre können wohl nicht von 2013 bis 2016 denken…

EM und Olympia: Zwei große Turniere im Sommer 2016

Die Olympia-Teilnahme 2016 bringt aber auch logistische Probleme mit sich. Spieler wie Torhüter Marc-André ter Stegen, Emre Can und Kevin Volland machen sich auch Hoffnung auf den Sprung in die A-Nationalmannschaft. Sie wollen bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich dabei sein, die vom 10. Juni bis 10. Juli ausgetragen wird. Das Fußballturnier in Rio läuft vom 3. bis 20. August. Für Olympia besteht keine Abstellungspflicht für die Vereine, beide Turniere wird kaum einer spielen können oder dürfen. Für den jungen Spieler, der den Sprung zur EM nicht schafft, bleibt also Olympia als Trost…

Übrigens: 1988 in Seoul war eine deutsche Fußballmannschaft zum letzten Mal bei Olympia dabei. Trainer war der Kölner Hannes Löhr, mit Jürgen Klinsmann, Frank Mill und Wolfram Wuttke waren drei Spieler dabei, die bei EM und Olympia auflaufen durften. Also, es geht doch! Deutschland holte Bronze.

Bronze gab es bisher nur für die deutschen Frauen, die ansonsten Welt- und Europameister wurden, aber nie Olympiasieger. 2000, 2004 und 2008 holten sie sich die Medaillen, 2012 fehlte Deutschland. Nächstes Jahr ist Deutschland wieder dabei und Bundestrainerin Silvia Neid darf sich auf einen zumindest attraktiven Abschluss ihrer sportlichen Karriere freuen. Olympia war ein erstes Ziel für die Weltmeisterschaft in Kanada (drei Starter aus Euorpa), Hauptziel bleibt allerdings der WM-Titel. Gelingt der große Erfolg nicht, bleibt immer noch Olympia als Trost… Und Altersbeschränkungen gibt es bei den Frauen nicht.

Beispiel Tiger Woods: Sport ist Kopfsache

Beispiel Tiger Woods: Sport ist Kopfsache

Für einen Sportler ist es das Schlimmste, wenn er Mitleid bekommt. Insofern ist der einstige Golf-König am Ende. Eldrick Tont Woods, genannt „Tiger“, hat am Donnerstag und Freitag von den Zuschauern bei den US Open nur noch Mitleid geerntet. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst, nach Runden von 82 und 74 auf dem Platz mit Par 70 musste er Chambers Bay in der Nähe von Seattle nach zwei Tagen wieder verlassen. Nur drei waren schlechter als Woods, der nur noch ein zahnloser Tiger ist.

Was ist los mit Tiger Woods? Er ist das beste Beispiel dafür, dass Sport vor allem auch eine Kopfsache ist. Die Karriere als Spitzenspieler endete wohl 2008 mit dem Kreuzbandriss, 2009 kamen private Probleme hinzu. Tiger schaffte es zwar nach seiner Rückkehr 2010 noch einmal die Nummer 1 der Welt zu werden, doch zu Konstanz fand er nicht mehr. Seine Bilanz ist quasi Erinnerung: 2000/2001 der sogenannte „Tiger Slam“, als er alle vier Majors hintereinander gewann, allerdings nicht in einem Jahr. 683 Wochen war er insgesamt die Nummer 1 der Welt, von 2005 bis 2010 überragende 281 Wochen ohne Unterbrechung. 14 Major-Siege stehen zu Buche, es schien nur noch eine Frage der Zeit, dass er den Rekord von der Golf-Legende Jack Nicklaus mit 18 Major-Erfolgen übertreffen würde. Inzwischen, so scheint es, läuft dem Tiger die Zeit davon. 2008 gewann er mit den US Open sein letztes Major, 2013 feierte er ein kleines Comeback mit dem Sieg bei den Players Championship. Es war sein 78. Sieg bei seinem 300. Turnierstart. Die Bilanz der letzten Jahre 2014 und bis jetzt 2015: 0 Siege. Kürzlich war er sogar einmal Letzter. Der Tiefpunkt.

Der Ehrgeiz hat den Tiger nicht verlassen, was auch schon wieder ein Handicap ist. Tiger will zurück an die Spitze, probierte es mit neuen (und alten) Trainern und Schwungumstellungen. Nichts brachte auf Dauer Erfolg. Der Körper spielt nicht mehr mit. Die Knie sind ebenso ein Problem wie der Rücken. Der extreme Schwung hat den Körper extrem beansprucht. Aber der fehlende Erfolg ist vor allem Kopfsache.

Der Blick zurück. Tiger galt als großes Talent. Unbeschwert und tatendurstig begann er 1996 seine Profi-Karriere, die ihn zu einem reichen Mann machte. 1997 gewann er bereits sein erstes Major, das Masters in Augusta mit 18 Schlägen unter Par, neuer Rekord. Er war der jüngste Major-Sieger aller Zeiten. Alles ging von allein, der junge Tiger dachte nicht viel nach, er spielte drauf los und gewann drauf los, die Welt bewunderte ihn.

Diese Leichtigkeit ist zusammen mit dem überbordenden Selbstvertrauen in den Krisenjahren von 2008 bis 2010 verloren gegangen. Der übermenschliche Seriensieger wurde menschlich und zu einem normalen Spieler. Seine Aura ist ungebrochen, wo er auftaucht, steht er im Mittelpunkt, der Tiger stiehlt seinen Kollegen noch immer die Show. Aber dort wo Tiger draufsteht, ist der echte Tiger nicht mehr drin. Heute gewinnt er mit seinem Spiel keine Millionen mehr, heute bekommt er nur noch Mitleid.

Gibt es noch einmal eine Rückkehr des alten Tigers? Das wäre eine Sensation. Tiger Woods wird wohl nie mehr zu der gebotenen Leichtigkeit finden. Je tiefer er sinkt (nicht einmal mehr unter den besten 200 der Welt), umso mehr zerfrisst ihn der Ehrgeiz – und das ist keine gute Basis für Erfolge. Nur wenn Tiger seinen Ehrgeiz besiegt, kann er auch auf dem Platz wieder Siegen – Kopfsache halt.

Der Tiger als Beweis, dass Sport Kopfsache ist. Alle anderen Sportler kennen es auch. Mannschaftssportler sprechen oft von einem „Lauf“. Sie haben eine Erfolgsserie und wissen eigentlich gar nicht so genau warum. Umgekehrt fehlt manchmal der beschworene „Lauf“ und keiner weiß warum. Die Leichtigkeit des Seins führt zur Leichtigkeit der Siege. Doch dies zu erreichen ist das Schwierige am Leistungssport. Darunter leiden auch Amateure, wenn sie zu ehrgeizig an den Start gehen. Ein guter Rat vom Sport-Grantler: Locker bleiben!

Löw und die Probleme mit seinen Weltmeistern

Weltmeister werden ist nicht schwer, Weltmeister sein dagegen sehr – so müssen sich derzeit Bundestrainer Joachim Löw und seine Schützlinge nach dem Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien fühlen. Die erste Saison der DFB-Elf mit dem vierten Stern auf der Brust war der eines Weltmeisters nicht würdig. Kurios: Nicht nur Brasilien leidet noch heute unter dem Schock des Ausscheidens mit der katastrophalen 1:7-Niederlage gegen Deutschland, der Weltmeister selbst leidet noch unter den Nachwehen des Kraftaktes bis zum Titelgewinn. Die Bilanz klingt nicht sehr erbaulich: Zehn Spiele, fünf Siege, drei Niederlagen, zwei Unentschieden, 22: 12 Tore. „Ein schweres Jahr“, meint Jogi Löw rückblickend.

Jetzt ist allerdings erst einmal wirklich Sommerpause, im August beginnt die neue Saison. Dann jedoch gilt es mit Blickrichtung auf die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Gefährlich ist, dass alle Beteiligten im deutschen Team davon sprechen, dass die Qualifikation dafür kein Problem sei. Ein Blick auf die Mannschaft zeigt allerdings, dass durchaus Probleme entstehen könnten. Siege gegen Polen (4. September, die nächste Aufgabe), in Schottland (7. September) und in Irland (8. Oktober) sind keine Selbstverständlichkeit, aber wichtig im Kampf um einen der beiden ersten Plätze in der Gruppe D. Den Abschluss der Qualifikation bildet das Match gegen Georgien am 31. Oktober. Es könnte sogar noch entscheidenden Charakter bekommen, Polen trifft dann auf Irland, Schottland darf sich auf Gibraltar freuen.

Frisches Blut durch die U21

Was wird sich bis dahin in der deutschen Mannschaft ändern, was muss sich ändern? Erst einmal muss Jogi Löw über seinen Schatten springen und für frisches Blut im Team sorgen. Er hat ja in letzter Zeit schon bewiesen, dass er durchaus bereit ist, einen Schnitt zu machen, siehe die Dortmunder Schmelzer und Großkreutz. Auf der Kippe steht vor allem sein Liebling Lukas Podolski, der in seiner derzeitigen Form keine Daseinsberechtigung im Team mehr hat. Torhüter Roman Weidenfeller hat wohl gegen Gibraltar seine Abschiedsvorstellung gegeben. Gesucht werden vor allem Außenverteidiger und ein Stürmer mit eingebauter Torgarantie. Doch dies geht nicht nur Löw so, sondern vielen Vereinen und Nationaltrainern auf der ganzen Welt. Wohl dem, der einen Messi, Cristiano Ronaldo, Neymar oder Ibrahimovic hat. Deutschland hat wenigstens noch Thomas Müller. Keine „echte Neun“, aber immer für Tore gut.

Hoffnungen setzt Jogi Löw für die Zukunft – und die beginnt im August – auf einige Akteure der U21, die ab Mittwoch bei der Europameisterschaft in Tschechien um den Titel und Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro kämpft. Da stehen zum Beispiel die Torhüter ter Stegen und Bernd Leno auf dem Sprung die Nachfolge von Roman Weidenfeller anzutreten oder sogar Ron-Robert Zieler zu verdrängen. In der Abwehr gibt es einige junge Spieler, doch vorerst sind wohl Boateng, Hummels, Höwedes und Badstuber (wenn er nur mal längere Zeit fit bleibt) nicht zu verdrängen. Ein Faible hat der Bundestrainer zudem für Mustafi und Rüdiger, der aber noch zuverlässiger werden muss. Im Mittelfeld herrscht fast kein Bedarf, Emre Can könnte aber auch eine Lösung für den rechten Außenposten sein. Im Angriff könnte Kevin Volland früher oder später eine Rolle spielen.

Fragezeichen um Kapitän Schweinsteiger

Die Stützen der Mannschaft werden auch in naher Zukunft die Weltmeister sein, wenn es auch bei dem einen oder anderen Fragezeichen gibt. In erster Linie gilt dies für den neuen Kapitän Bastian Schweinsteiger. Die Frage, die sich sowohl die Bayern als auch Jogi Löw stellen: Macht der auch im WM-Finale so geschundene Körper noch lange mit? Schweinsteiger müssen wohl öfters Pausen gegönnt werden, die Bayern haben dafür den Wechsel Alonso/Schweinsteiger im Visier. Bei beiden reicht die Kraft nur für eine gewisse Anzahl von Spielen. Löw muss aber auch abwarten, wie Khedira und Reus wieder in Form kommen und ob Andre Schürrle sich in Wolfsburg durchsetzen kann. Als dreifacher Torschütze gegen Gibraltar und Vorbereiter des entscheidenden WM-Tores hat er sicherlich einen Bonus. Ein Rätsel auch: Wohin mit Mario Götze? Er war übrigens als einziger in allen zehn Spielen dabei!

Kapitän Schweinsteiger gehört aber normal zur bestimmenden Achse im Team, die Torhüter Neuer, Abwehr-As Boateng, Schweinsteiger, Kroos, Özil und Thomas Müller bilden. Darum herum sollte sich eine Mannschaft formen lassen, die im Hinblick auf die Qualifikation zur Europameisterschaft nichts anbrennen lässt. Löw muss aber noch Schlüssel dazu finden, Abwehrbollwerke zu knacken und sich von tief stehenden Mannschaften nicht auskontern zu lassen. Diesbezüglich kann er sich auch mit Bayern-Trainer Pep Guardiola austauschen. Im Prinzip ist es auch so: Erfolgreiche Bayern werden für ein erfolgreiches DFB-Team sorgen.

Europaspiele: Keiner kennt sie, keiner braucht sie

Ein Jahr ohne sportliches Großereignis wie Fußball-Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele, geht das? Geht nicht, sagen sich die Organisatoren bzw. die Geldhaie der Welt. Schon lange geisterte in Europa der Gedanke umher, in Jahren, wenn es kein Olympia gibt, Spiele für Europa auszutragen. Der Hintergedanke: Damit muss doch Geld zu verdienen sein. Nach vielen Jahren des Zögerns, des Verhandelns, des Abwägens von Pro und Kontra ist es so weit: In Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, finden vom 12. bis 28. Juni die ersten Europaspiele statt! Schreit hier jemand „Hurra“?

Die Europaspiele 2015: Keiner kennt sie, keiner braucht sie, aber es gibt sie. Die Europäer guckten schon lange auf die anderen Kontinente, wo Asienspiele, Ozeanienspiele, Ostasienspiele oder die Panamerikanischen Spiele ausgetragen werden. Warum also nicht so etwas auch in Europa? Ein schönes Sportfest, das die Zuschauer, vor allem aber die Sponsoren anlocken soll. Viele Verbände wehrten ab, aus Verantwortungsbewusstsein den Athleten gegenüber, die sowieso schon über eine allzu große Belastung klagen. So sind zum Beispiel Leichtathleten und Schwimmer dagegen. Die Sportarten tauchen zwar in Baku auf, aber die Elite ist nicht am Start. Diese Verbände befürchten auch, dass ihre Meisterschaften durch ein zusätzliches globales Ereignis entwertet werden.

Qualifikationen für Olympia 2016 in Rio

Bezeichnend, dass Baku den Zuschlag erhielt, weil es gar keinen anderen Interessenten für die Europaspiele gab! Aserbaidschan scheiterte mit seinen Bewerbungen für die Olympischen Sommerspiele 2016 und 2020, als Ersatz also die Europaspiele 2015. Veranstalter sind die Europäischen Olympischen Komitees, 50 Nationen werden am Start sein, rund 6000 Sportlerinnen und Sportler werden erwarten, sie starten in 31 Disziplinen in 20 Sportarten, davon vier nichtolympische. In manchen Sportarten machen Qualifikationen für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro die Teilnahme attraktiv. Deutschland wird mit rund 260 Athleten vertreten sein, an der Spitze Stars wie Fabian Hambüchen (Turnen), Timo Boll (Tischtennis) und Britta Heidemann (Fechten). Basketball, Beachsoccer, Leichtathletik und Sambo werden nicht besetzt.

Aserbaidschan, ein Land, in dem Menschenrechte oft nichts gelten und Meinungsfreiheit ein Fremdwort ist, bemüht sich, die Werbetrommel für die Europaspiele zu rühren. In zahlreichen Ländern Europas wurde in Fernsehspots für das Sportereignis geworben. Der Sport-Grantler hat dagegen noch nie Werbung für Olympische Spiele gesehen! Die sind ein Selbstläufer, die Europaspiele müssen erst mal ins Laufen kommen. Immerhin gibt es Fernsehübertragungen in 33 europäische Ländern, vierzehn Nationen außerhalb Europas sind zudem auf Sendung. In Deutschland will der Spartensender Sport1 alle Wettbewerbe live übertragen, rund 100 Stunden Sendezeit sind veranschlagt. Auf dem Programm stehen dann u. a. Badminton, Karate, BMX, Sambo, Aerobic und anderes (nähere Informationen auf http://www.sport1.de).

Für den Sport-Grantler steht fest: Die Europaspiele sind kein Ereignis, sondern ein Lückenfüller. Spitzensportler werden sich diese zusätzliche Belastung nicht antun. Olympische Spiele sind ein Erlebnis, das jede Karriere krönt. Ein Start bei den Europaspielen ist für den einen oder anderen Athleten eher mit der Hoffnung verknüpft, durch ein gutes Ergebnis die Karriere in Schwung zu bringen. Die Europaspiele sind Bundesjugendspielen wohl näher als Olympischen Spielen. Besser wäre es gewesen, die Pläne in den Schubladen zu lassen. Bleibt die Frage, ob es überhaupt eine Neuauflage geben wird. Angeblich zeigen die Niederlande für 2019 Interesse.

WM und FIFA: Frauen im Mittelpunkt

„Fußball ist Männersache“ heißt es allgemein. Derzeit haben aber die Frauen im Fußball die Hosen an. Gibt es nicht? Gibt es doch. Loretta Lynch ist die Frau, die den FIFA-Funktionären Sorgen bereitet. Die US-Justizministerin hat die Korruption im Weltverband aufs Korn genommen und ist eigentlich ursächlich dafür verantwortlich, dass Präsident Sepp Blatter seinen Rücktritt angekündigt hat. Aber auch im Sport stehen die Frauen im Mittelpunkt: Mit ihrer Weltmeisterschaft vom 6. Juni bis 5. Juli in Kanada.

Beim Sport-Grantler steht der Sport im Mittelpunkt, also die Frauen-Weltmeisterschaft. Sie mobilisiert natürlich nicht die Massen in aller Welt wie die Männer alle vier Jahre, aber die Frauen haben sich auch im Fußball durchgesetzt und Respekt verschafft. Sind wir ehrlich: Manchmal sind Spiele der Frauen besser anzuschauen, weil vor allem die Technik im Vordergrund steht, als reine Kampfspiele im Männer-Fußball. Auch die Frauen haben in Sachen Kabinettstückchen einiges drauf, das zeigt die Brasilianerin Marta immer wieder, das ist auch bei Deutschlands Mittelfeldstrategin Dzsenifer Marozsan zu beobachten. Technisches Können wird auch bei der Weltmeisterschaft gefragt sein, denn Kunstrasen erfordert eine gute Ballbehandlung.

Streitfall Kunstrasen

Dieser Kunstrasen stand vor Austragung der WM im Mittelpunkt. Einige Spielerinnen klagten sogar dagegen, dass das Turnier auf Kunstrasen ausgetragen wird, sie fühlten sich gegenüber den Männern diskriminiert. Sie scheiterten allerdings vor Gericht und müssen nun in den sauren Apfel beißen, heißt, mit dem Kunstrasen leben. Diesbezüglich hat die FIFA die Frauen als Versuchskaninchen für die Männer missbraucht. Immer diese FIFA!

Ebenso müssen die Frauen mit dem Trend der alternden FIFA-Funktionäre leben, die möglichst vielen Nationen den Zugang zum Endturnier ermöglichen wollen. Sie nehmen es hin, dass der sportliche Wert verwässert wird, vor allem im Frauen-Fußball fehlt es noch an der Breite im Blick auf internationale Klasse. Ist aber egal, erstmals nehmen 24 Nationen statt bisher 16 teil. Bei den Männern sind es inzwischen 32 Nationen und viele reden bereits von 40. Mal sehen, ob künftig eine „neue FIFA“ diesen Trend beibehält.

Ein Turnier mit 24 Nationen macht aber ein Achtelfinale notwendig, es scheiden nach den Gruppenspielen also nur acht Mannschaften aus. Im Grunde genommen zunächst also keine Gefahr für die Favoriten, allein in der Gruppe D dürfte es mit den USA, Schweden und Nigeria ein bisschen spannend werden. Ansonsten ist Spannung erst ab den K.o.-Spielen angesagt und da wiederum gilt: In einem Spiel ist alles möglich.

Deshalb sind die Prognosen, wer die größten Titelchancen hat, mit Vorsicht zu genießen. Gegenüber den „üblichen Verdächtigen“ wie Deutschland, USA, Brasilien und Schweden sowie Titelverteidiger Japan haben sich zum Kreis der Titelanwärter auch das aufstrebende Frankreich und Gastgeber Kanada hinzugesellt. Vielleicht aber auch Norwegen oder Nigeria als die vermutlich stärkste afrikanische Mannschaft? Also ein bisschen Spannung gibt es schon.

Deutsche Erfolge immer mit Silvia Neid

Vor vier Jahren war bei der WM in Deutschland der Titel eigentlich für die Gastgeberinnen reserviert, sie scheiterten aber am großen Druck, der im eigenen Land immens wurde. Deutschland schied im Viertelfinale gegen Japan aus und die Asiatinnen nutzten ihre Chance. Jetzt können die deutschen Mädchen eher befreit aufspielen, allerdings haben sie auch mit Verletzungspech zu kämpfen, so fehlt vor allem die beste Spielerin der Welt von 2014, Mittelfeldmotor Nadine Kessler. Aber Bundestrainerin Silvia Neid hat wieder eine starke Truppe mit Torhüterin Nadine Angerer, Dzsenifer Marozsan und Torjägerin Celia Sasic als Stützen. Für Silvia Neid wird es das letzte WM-Turnier sein, Olympia könnte noch folgen. Die besten drei europäischen Mannschaften qualifizieren sich für Rio 2016. Doch die scheidende Bundestrainerin, die 2016 (normal nach Olympia) Steffi Jones Platz macht, sagt: „Im Fußball steht die Weltmeisterschaft im Vordergrund, bei Olympia ist Fußball nur eine Sportart unter vielen.“ Bemerkenswert: Silvia Neid war als Spielerin, Co-Trainer und letztlich Bundestrainerin an allen Medaillen- und Titelgewinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft beteiligt. Der WM-Titel in Kanada wäre die Krönung. In den Gruppenspielen sind die Elfenbeinküste, Norwegen und Thailand die ersten Hürden.

Die erste Weltmeisterschaft der Frauen wurde übrigens 1991 ausgetragen. Die bisherigen Sieger waren die USA (1991 und 1999), Norwegen (1995), Deutschland (2003 und 2007) sowie Japan (2011). Gibt es also einen neuen Namen?

Klare Worte von Loretta Lynch

Neue Namen sind bei der FIFA gefragt, gesucht wird ein Nachfolger für Joseph Blatter, der aber bis zur Neuwahl, die erst im Zeitraum Dezember bis März 2016 stattfinden soll, im Amt bleibt. Loretta Lynch hat es aber schon deutlich gesagt: „Die Namen ändern sich, das System bleibt das gleiche.“ Sprich: Nur mit einem Neuanfang kann die FIFA die Korruption in den eigenen Reihen besiegen.

Erfreuen wir uns lieber am Sport.

Der Fußball lebt, die FIFA ist am Ende

Ein kleiner Fußballplatz am Rande eines Dorfes. Wenig mehr als hundert Zuschauer feuern ihre „Stars“ an, trotzen dem Regen, bangen um den Aufstieg in die nächste Liga. Einmal Begeisterung, dann wieder Ärger, freuen, schreien, schimpfen – so geht es auf dem Fußballplatz zu. Der Fußball lebt. Ein Blick von der Basis an die Spitze: Die FIFA ist am Ende. Was sagt der kleine Mann in der Provinz: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“

Der Weltfußball hat seine schlimmsten Tage rund um den FIFA-Kongress in Zürich erlebt, Präsident Joseph S. Blatter mag sich ob seiner Wiederwahl bestätigt fühlen, aber es ist nicht mehr, wie es vorher war. Verhaftungen, Anschuldigungen rund um Korruption und Betrug um WM- und TV-Rechte-Vergaben haben den Verband zumindest in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert. Heute würde Bundeskanzlerin Angela Merkel beim FIFA-Boss nicht mehr das Bundesverdienstkreuz überreichen, sie würde für ihn eher eine Gefängniszelle suchen…

Das Erstaunlichste ist, dass Sepp Blatter seinem Namen als „Teflon-Präsident“ wieder alle Ehre gemacht hat. Alles prallt an ihm ab, er scheut sich nicht, mit blumigen Versprechungen in die Zukunft zu blicken. Korruption? Ein Vergehen Einzelner, Blatter spricht von einer guten Zukunft, will aufräumen. Was hat er in den bisherigen 17 Jahren seiner Präsidentschaft gemacht? Er hat vor allem die Fäden gezogen, hat sich um die Zustimmung der kleineren Verbände gekümmert und sich so eine Hausmacht gesichert. Die Seilschaften haben ihn jetzt bei der Wiederwahl nicht hängen lassen. „Die letzten vier Jahre“, hat er angekündigt – wie vor vier Jahren! Blatter hat vor allem im Geld gebadet, die FIFA besitzt ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar. Da darf man schon ein bisschen großzügig verteilen…

Platini der große Verlierer

Verlierer des FIFA-Kongresses in Zürich waren die Europäer. Sie kamen gegen Blatter nicht an und werden in Zukunft gegenüber den zahlenmäßig stärkeren Verbänden aus Afrika, Asien und Lateinamerika mit ihren Wünschen gegen eine Wand laufen. Das Sprichwort, „wer zahl, schafft an“ passt zwar zu Blatter, aber nicht zur UEFA. Sportlich ist Europa der Nabel der Fußball-Welt, von der Bedeutung her innerhalb des Funktionärsklüngels ist die UEFA ein Zwerg. Der große Verlierer heißt Michel Platini. Der UEFA-Präsident scheute sich, gegen Blatter anzutreten, jetzt hat er dennoch nur Niederlagen hinnehmen müssen. Selbst wenn Europa zusammen mit den starken Südamerikanern Brasilien und Argentinien zusammenstehen würde, kommen sie gegen die Masse der kleinen Verbände nicht an. An einen Boykott von Weltmeisterschaften als letztes Mittel sollte man lieber nicht denken. Aber die Idee liegt schon auf dem Tisch… Vielleicht muss Europa auch Geld in die Hand nehmen und mit Korruption gegen Korruption ankämpfen!

Der Sport-Grantler hat es schon einmal geschrieben, eine Gefahr droht Sepp Blatter höchstens von den Sponsoren. Wenn die ihre Macht des Geldes in die Waagschale werfen, kann die FIFA wirklich erschüttert werden. Die Weltkonzerne können es sich nicht leisten, dass der FIFA-Skandal an ihrem guten Ruf kratzt. Vielleicht liefern aber die Untersuchungen der Staatsanwaltschaften in den USA, England und der Schweiz doch noch Beweise, dass Blatter von den Machenschaften gewusst haben muss. Ein Wunder wäre das nicht, denn am Anfang seiner Regentschaft 1998 standen dubiose Briefumschläge mit Geld. Zahlungen von 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte. Blatter wies alle Vorwürfe immer zurück. Von allen Anschuldigungen, deren es in seiner Amtszeit viele gab, konnte er sich immer reinwaschen. Der „Persil-Blatter“ halt…

Die Bundesliga hat Spaß gemacht

Mit einem an Spannung nicht zu überbietenden Abstiegskampf ist die 52. Saison der Fußball-Bundesliga zu Ende gegangen. Am Schluss gab es Tränen: Bei den einen aus Freude, bei den anderen aus Trauer. Dennoch bleibt als Gesamtfazit fast für alle: Die Bundesliga hat Spaß gemacht. Der Sport-Grantler hat sich auf die Spurensuche der „Spaßvögel“ gemacht.

Bayern München: Logisch, die Bundesliga hat dem Meister Spaß gemacht, da war er der Dominator, hat teilweise Spaß-Fußball gezeigt und praktisch zu keiner Zeit um das Jubiläum bangen müssen, den 25. Titel! Weniger Spaß hatten Trainer Pep Guardiola und seine Jungs im Pokal und in der Champions League, da war jeweils im Halbfinale Endstation. Geblieben ist der Spaß in der Bundesliga und die Feier vor 20.000 Fans (so von den Bayern gezählt) auf dem Marienplatz. Dort gab es dennoch eine Double-Feier, weil sensationell auch die Bayern-Frauen Deutscher Meister wurden. Auch ihnen hat ihre Bundesliga Spaß gemacht.

VfL Wolfsburg: Die Konkurrenz beobachtet mit Argusaugen, was in Wolfsburg passiert. Wie weit kommt der VfL mit den Geldern von Volkswagen? Das Werksteam hat gezeigt: Weit. Die Vize-Meisterschaft war der erste Ertrag. Doch reicht es zum Erfolg auf Dauer? Auf jeden Fall hat die Saison den Wolfsburgern Spaß gemacht!

Borussia Mönchengladbach: Dem Dritten gebührt noch mehr Lob, Manager Eberl und Trainer Favre haben mit Geduld, guten Einkäufen und tollem Coaching aus einem Abstiegskandidaten ein Spitzenteam geformt. Die Borussia hat Spaß gemacht.

FC Augsburg: Das schwäbische Fußball-Wunder, als Fünfter noch vor Schalke und Dortmund, davon konnte man in der Fuggerstadt nicht einmal träumen. Der Klassenerhalt war das bescheidene und realistische Ziel, dann wurde der FCA von einer Erfolgswelle nach oben getragen, bis zur direkten Qualifikation zur Europa League. Vor fünf Jahren war der FCA in Deutschland ein kleines Licht, jetzt scherzen die Augsburger vor dem internationalen Debüt: In Europa kennt uns keine Sau. Sie haben ihren Spaß.

Jürgen Klopp: Es war ein schweres Jahr für Borussia Dortmund und seinen Trainer. Am 18. Spieltag noch Letzter, sprang am Ende wenigstens Rang sieben raus. Der Trainer nahm freiwillig zum Saisonschluss seinen Hut, wo er ihn wieder in den Ring werfen wird, ist derzeit unbekannt. Jürgen Klopp aber bei seinem wehmütigen Abschied in Dortmund: „Die Bundesliga hat Spaß gemacht“! Das Pokalfinale folgt noch, vielleicht mit einem krönenden Abschluss.

Huub Stevens: Der knorrige Holländer hat zum zweiten Mal den VfB Stuttgart gerettet, aber die Stuttgarter danken es ihrem Retter nicht, er muss gehen. Alexander Zorniger heißt sein Nachfolger, ein Nobody, der mit der Bundesliga Neuland betritt. Risiko für den VfB!!! Muss im Januar wieder Huub Stevens kommen? Er konnte nach der Rettung mit Fug und Recht behaupten: „Die Bundesliga hat Spaß gemacht“!

Roberto di Matteo: Ein großer Name auf dem Trainermarkt, schließlich hat er mit Chelsea London 2012 in München die Champions League gewonnen. Deshalb galt er bei Schalke 04 als Hoffnungsträger, sollte Wegbereiter für eine große Zukunft sein, doch es gab nur das große Jammern, Schalke und di Matteo, das passte nicht. Die Trennung wird prophezeit, denn so hat die Bundesliga keinen Spaß gemacht.

Alexander Meier: Mit 19 Treffern wurde der Frankfurter Torschützen-König, was erstaunlich ist, denn lange war er verletzt und fand sich anfangs auf der Ersatzbank wieder. Doch dann traf und traf er und am Ende schwächelte auch die Konkurrenz mit Verletzungen, also siegte Alex Meier vor den Münchnern Arjen Robben und Robert Lewandowski (beide 17 Treffer). Ihm hat die Bundesliga besonders viel Spaß gemacht.

Absteiger: Was? Kann das sein? Natürlich, am Ende werden auch die Absteiger mal zu dem Urteil kommen, „die Bundesliga hat Spaß gemacht“. Dann nämlich, wenn sie sich an die großen Zeiten erinnern. Neuling SC Paderborn ereilte das Schicksal, dass alle dem Aufsteiger prophezeit hatten, der SC Freiburg wehrte sich jahrelang erfolgreich, in diesem Jahr klappte es nicht. Auf baldige Rückkehr, denn wir wissen, die Bundesliga macht Spaß.

Aufsteiger: Sie feiern erst einmal und wir wissen, der nächste Kater kommt bestimmt. Die Aufsteiger jubeln und freuen sich, denn die Bundesliga macht Spaß. Ob der FC Ingolstadt und Darmstadt 98 in der Punktrunde dann noch Spaß haben, wird sich zeigen. Wenig Spaß werden die Gäste in Darmstadt haben: Ein veraltetes Stadion mit heruntergekommenen Kabinen. Dabei ist die Bundesliga ansonsten so stolz auf ihre modernen Stadien. Aber kann man deshalb dem Aufsteiger den Spaß Bundesliga verbieten?

Die Saison ist noch nicht ganz beendet, eine Reihe von Relegationsspielen steht an, es wird noch einmal Tränen der Freude und Trauer geben. Doch eines ist gewiss: Die Fans freuen sich schon auf den Neustart der Saison 2015/16 am 14. August (mit einem Heimspiel des Meisters). Denn sie wissen: Die Bundesliga macht Spaß!

Heißes Eis in Kanada, kaltes Eis in Deutschland

Die Eishockey-Weltmeisterschaft 2015 ist Vergangenheit, der Sommer kann kommen. Tschechien sah in Prag und Ostrau das wahrscheinlich beste Turnier seit vielen Jahren. Es gab eine große Zahl von begeisternden Spielen, vor allem aber einen souveränen Auftritt vom neuen Weltmeister Kanada. „Eishockey von einem anderen Stern“, urteilten manche Kritiker. Kanada nahm mit dem 6:1 im Finale Revanche an Russland, gegen das man 2008 und 2009 im Endspiel verloren hatte. Der letzte Titelgewinn gelang 2007 ausgerechnet in Moskau.

Sidney Crosby im „Triple Gold Club“

Jetzt der Jubiläumstitel, die 25. Meisterschaft in Tschechien. Für Kanada war das Eis heiß. Trainer Todd McLellan gelang es, die NHL-Stars zu einer echten Mannschaft zusammen zu fügen. Sie waren diesmal nicht auf Sightseeingtour in Europa, sondern konzentrierten sich auf den Sport. Allen voran Superstar Sidney Crosby, der Aufnahme in den „Triple Gold Club“ fand. Crosby schaffte den „Eishockey-Grand-Slam“, gewann nun nach Olympia-Gold und den Stanley-Cup auch die Weltmeisterschaft. Er ist allerdings der erste Spieler, der bei allen Pokalgewinnen Kapitän war!

In Tschechien erlebten wir eine Weltmeisterschaft der Begeisterung, der Stars und der Rekorde. Crosby war ja nicht allein, im gegenüber stand der russische Superstar Alexander Ovechkin, der allerdings erst zu den letzten Spielen einfliegen konnte und Russland nicht mehr entscheidend helfen konnte. Zum Superstar wurde aber auch Finnlands Torhüter Pekka Rinne, der 237 Minuten ohne Gegentor blieb und einen neuen WM-Rekord aufstellte. Für einen Rekord sorgten zudem die Zuschauer, 741.690 Besucher gab es noch nie. Sie sorgten vor allem aber auch für beste Stimmung bei einem der besten Turniere überhaupt.

Olympia-Qualifikation in Riga

Heißes Eis in Kanada, kaltes Eis in Deutschland. Das DEB-Team schlug sich wacker, konnte aber nur das Minimalziel erreichen, nämlich den Abstieg verhindern. Dabei wollte der neue DEB-Präsident Franz Reindl nach den Sternen greifen und fabulierte von der „Weltspitze“, die man erreichen wolle. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Deutschland war am Ende Zehnter und konnte sich in der Weltrangliste nicht verbessern. Bleibt also weiter Platz 13 und ein schwerer Weg zu den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea. Bei der Olympia-Qualifikation vom 1. bis 4. September in Riga sind neben einem Qualifikanten Gastgeber Lettland und Dauerrivale Österreich die Gegner. Keine leichte Aufgabe.

Keine leichte Aufgabe wird es auch, Deutschland wirklich in die Weltspitze zu führen. Die endet, sagen wir mal, bei Platz acht. Dort ist derzeit die Slowakei platziert und da muss Deutschland erst einmal Dauergast im Viertelfinale werden, um vozurücken. Franz Reindl beklagt in einem Interview mit http://www.hockeyweb.de dass der Deutsche Eishockey-Bund zuletzt vier Jahre Zeit verloren habe, weil es keinen Sportdirektor gab. Reindl war dies über viele Jahre hinweg und war zuletzt als Generalsekretär in entscheidender Position – also mitverantwortlich!

Kein Abstieg in Russland

Eishockey-Fans in Deutschland hoffen darauf, dass den großen Worten auch mal große Taten folgen. Als erstes wird der neue Bundestrainer erwartet, denn Pat Cortina, der in Prag mit vielen Absagen leben musste, hat wohl keine Zukunft im Verband. Mit Ruhe kann vor allem die nächste Weltmeisterschaft 2016 in Russland angegangen werden. Kanada, Finnland, die USA, die Slowakei, Weißrussland, Frankreich und Aufsteiger Ungarn sind in St. Petersburg zwar starke Gegner, aber vor einem Abstieg muss man nicht zittern: Deutschland und Frankreich sind als Gastgeber 2017 (Köln und Paris) gesetzt. Schlecht für Ungarn.