Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Bayern und Real: Umdenken!

Das Finale der Fußball-Champions-League findet erst am 6. Juni in Berlin statt, wer aber die Spiele im Halbfinale gesehen hat, der muss zugeben: Das eigentliche Finale hat es bereits gegeben! Der FC Barcelona und Bayern München waren die beiden besten Mannschaften, aber nur einer konnte die Fahrkarte nach Berlin lösen. Barcelona hat sie sich verdient. Verdient hat sie sich auch Juventus Turin, doch selbst den Spielern muss dies wie ein Wunder vorkommen, Real Madrid hat ihnen die Finalteilnahme fast auf dem Silbertablett serviert. Jetzt träumen die Fans der „alten Dame“ auch vom großen Coup, ganz nach dem Motto „Wunder gibt es immer wieder“.

Die Juve-Stars Gigi Buffon, Andrea Pirlo und Andrea Barzagli kehren dabei an den Ort ihres Triumphes zurück, als sie 2006 mit Italien fast ebenso überraschend Weltmeister wurden. In der Champions League gewann Turin zuletzt vor 19 Jahren! Dabei galt der Fußball in Italien als veraltet, am Ende, nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Juve hat dies widerlegt. Als Mannschaft war man stärker (und glücklicher) als die Stars aus Madrid, die zu keiner Einheit fanden. Trainer Max Allegri ist der Aufsteiger der Saison, er hat seinen Kollegen Carlo Ancelotti ausgetrickst, der nun um seinen Job bangen muss. Gegner FC Barcelona ist allerdings ein anderes Kaliber. Die „Tänzer“ Messi, Suarez und Neymar könnten die alten Herren aus Turin schwindlig tanzen…

Zuschauen müssen zwei Mitfavoriten. Bayern München träumte von einer „Berliner Festwoche“ mit Pokalfinale und Champions League (CL), es wird höchstens eine „Berliner Frustwoche“ beim Zuschauen. Viermal hintereinander im Halbfinale der CL gewesen zu sein, ist aller Ehren wert, aber warum man dreimal nicht den letzten Schritt machen konnte, sollte überdacht werden. Überhaupt, für die Bayern und Real gibt es ein gemeinsames Motto: Umdenken!

Fragen bleiben für Pep Guardiola

Bei Bayern München steht kein Trainerwechsel an, Pep Guardiola hat noch ein Jahr Vertrag und hat betont, dass er bleiben wird. Sogar von einer Vertragsverlängerung ist die Rede. Aber was die Zukunft angeht, dürfen die Bayern-Verantwortlichen nicht den Spanier machen lassen, sondern sie müssen die Richtung vorgeben. Sport-Vorstand Matthias Sammer muss mit dem Trainer die Mannschaft auch sportlich hinterfragen, es gibt nämlich genügend offene Fragen. Eines ist sicher: Der einst als weltbester Trainer gefeierte Guardiola hat Fehler gemacht. Er hat die einst weltbeste Mannschaft aus München nicht besser gemacht. Vielleicht hat sie attraktiver gespielt, aber nicht erfolgreicher als unter Vorgänger Jupp Heynckes. Barcelona hat den Bayern den Rang abgelaufen. Auffallend: In Bundesliga und international hatten die Bayern Probleme gegen starke Mannschaften!

Das muss hinterfragt werden:
Warum spielt Philipp Lahm nicht rechter Verteidiger, Rafinha genügt nicht den gehobenen internationalen Ansprüchen. Dagegen gibt es im Mittelfeld ein Überangebot an guten Spielern. Lahm muss sich notfalls fügen.
Für die Taktik mit der aufgerückten Abwehr fehlen die schnellen Spieler (Ausnahme Boateng). Benatia und Dante machen zu viele Fehler, da wurde Holger Badstuber vermisst. Guardiola muss da flexibler reagieren.
Beim CL-Triumph war das Mittelfeld mit Schweinsteiger und Javi Martinez das Herzstück. Martinez muss nach seiner Verletzungspause wieder dahin zurückkehren, auch er ist als Abwehrspieler zu langsam. Schweinsteiger sollte als „gestandener Bayernspieler“ einen Vorteil gegenüber Alonso haben.
David Alaba ist als Linksverteidiger noch besser und offensivstärker als Bernat, der dennoch ein Gewinner der Saison war. Alaba-Ribery ist das Glanzstück auf der linken Seite.
Was hat Pep Guardiola gegen Mario Götze und Thomas Müller? Der eine kommt kaum zum Einsatz, der andere wird unnötig (und falsch) ausgewechselt. Pep ist hier als Psychologe gefragt.
Die Bayern müssen Bayern bleiben, also ein Stopp der „Spanien-Welle“. Was ist, wenn Pep geht und die Spieler folgen? Verträge lösen sich dann in Schall und Rauch auf.
Was ist die Ursache der Verletzungsmisere? Beobachter haben festgestellt, dass bei den Bayern offensichtlich zu wenig intensiv trainiert wird. Das muss Sammer hinterfragen!

Andere Fragen bleiben offen, zum Beispiel die nach den Verstärkungen. Sind alle Mann an Bord, wird es schwer, die Mannschaft überhaupt zu verstärken. Ein Kevin de Bruyne wäre zwar willkommen, aber passt er ins System? Er ist ein Spieler, der den freien Raum liebt, den aber bekommen die Bayern selten. Starke rechte und linke Verteidiger sind da (Lahm und Alaba), sie müssen dort nur eingesetzt werden.

Zinedine Zidane für Ancelotti?

Pep Guardiola ist in einer guten Position, sein Stuhl wackelt nicht, wenn auch der Barcelona-Glanz ein bisschen abblättert. Er hat halt in München keinen Messi. Ganz anders geht es da dem Kollegen Carlo Ancelotti bei Real Madrid. Auch dort müsste es ein Umdenken geben, doch von Präsident Perez ist dies nicht zu erwarten. Er setzt auf Stars, aber eine Ansammlung von guten Spielern garantiert noch keinen Erfolg. Juventus zeigt, dass eine echte Mannschaft dagegen halten kann. Was Real braucht, ist mehr Ausgewogenheit im Kader und auf dem Feld.

Präsident Perez wird es bitter aufstoßen, dass Real wohl gänzlich ohne Titel bleibt (Barcelona dagegen nach dem Triple greift). Da muss sicherlich wieder ein Star her, deshalb ist auch Zinedine Zidane der große Favorit auf die Nachfolge von Ancelotti. Der einst weltbeste Fußballer hat sich zwar als Trainer noch keine Meriten erworben, doch das ist Perez egal. Da dürfte ein Jürgen Klopp keine Chance haben.

Mal sehen, wo das Umdenken wirklich stattfindet!

Boxen: The Show must go on

Wer außerhalb des Sports steht, der fragt schon einmal: „Ist Boxen eigentlich noch Sport?“ Die Frage ist sicherlich berechtigt, denn der Sport spielt bei den Profi-Kämpfen und den Machenschaften der Verbände keine Hauptrolle mehr, sondern ist nur noch der Mittel zum Zweck. Der Zweck heißt Aufmerksamkeit bekommen und Geld verdienen.

Typisches Beispiel war der sogenannte „Jahrhundertkampf“ zwischen Floyd „Money“ Mayweather und Manny Pacquiao am 2. Mai in Las Vegas, bei dem angeblich rund 300 Millionen Dollar umgesetzt worden sind. Komisch, nach dem Kampf hat man noch keine tatsächlichen Zahlen gehört. Vermutlich war die Summe wesentlich niedriger. Mayweather hat gewonnen, Pacquiao hat eine Schulterverletzung verheimlicht und prompt folgte bereits das Angebot eines Rückkampfes. Logisch, wenn man so gut verdienen kann…

Die wirklich großen Kämpfe sind rar geworden, das Boxen reißt einen kaum noch von den Sitzen und verzweifelt suchen die Verbände nach Attraktionen. Manchmal verkommt dies dann zu einer Kirmes-Show, zum Beispiel wenn sich der Amerikaner Shannon Briggs als Stalker von Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko betätigt, sich als Großmaul präsentiert und tönt: „Nur ich kann Klitschko schlagen“. Er macht das solange, bis er einen Kampf bekommt. Wetten, dass…? Nur einen sportlichen Wert hat dieser Kampf nicht, es zählt allein „The Show must go on“. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist entsprechend, also können alle Beteiligten auch Geld verdienen. Darum geht es.

Inflation der Weltmeister

Die verschiedenen Verbände machen sich auch lächerlich. Wer zählt die Verbände und kennt noch alle Verbände. Alles „Welt-Verbände“. Und weil Kämpfe interessanter sind, wenn es um eine Meisterschaft geht, am besten eine Weltmeisterschaft, dann werden eben Meister produziert. Dann gibt es Weltmeister, Interims-Weltmeister und notfalls auch Super-Champions. Eine Inflation der Titel. Typisch war das Spielchen vor dem Kampf von Felix Sturm gegen den Russen Fedor Tschudinow nach Version der World Boxing Association. Es sollte eine Interims-WM sein (was sowieso ein Mist ist) und wurde plötzlich eine WM. Typisch auch, dass sich Felix Sturm rühmt, dass er viermal Weltmeister geworden sei. Welch eine Leistung. Er hat seine Titel immer wieder sportlich verloren und wieder gewonnen. Neben ihm gibt es halt noch drei oder vier oder wer weiß wie viele „Weltmeister“.

Da erinnert sich der Sport-Grantler an seine Jugend, als er mit seinem Bruder im Kinderzimmer liebend gern geboxt hat und ihm dabei (aus Versehen natürlich) einen Zahn ausgeschlagen hat. Die Mutter hat quasi das Handtuch geworfen und den Kampf beendet, der Sport-Grantler war damit „Familien-Weltmeister“.

Verliert Wladimir Klitschko für die Show?

Boxen hat immer noch seine Anhänger, hat im Fernsehen beachtliche Einschaltquoten, die Hallen sind gefüllt, Kämpfer und Kämpfe werden sich also immer finden lassen. Es bleibt dabei, the Show must go on, auch wenn man zum Beispiel für Leute wie Wladimir Klitschko verzweifelt Gegner sucht. Vielleicht verliert Klitschko mal freiwillig, damit der nächste Kampf mehr Brisanz erhält. Könnte sein, dass in der Unterhaltungsindustrie Boxen so ein Drehbuch geschrieben wird.

Die Fußball-Bundesliga hat Angst vor der Provinz

Die Fußball-Saison geht in fast allen Ligen in Europa ihrem Ende entgegen. Jetzt geht es ans „Eingemachte“, um Meisterschaft, die Plätze in den europäischen Wettbewerben und gegen den Abstieg. Der vor allem ist bitter, denn es könnte sein, dass ein Verein über Jahre hinaus von der Bildfläche verschwindet. Kein Wunder also, dass die Angst umgeht. In Deutschland geht in der Fußball-Bundesliga allerdings noch eine andere Angst um: Die Angst vor der Provinz.

Die Konstellation ist schon seltsam. Im Oberhaus kämpfen Traditionsvereine wie der VfB Stuttgart und der Hamburger SV um den Klassenerhalt, im Unterhaus schicken sich Nobodys an, eine Etage höher zu klettern. Verliert die Bundesliga also an Bedeutung? Kommt der Zeitpunkt, dass die Vereine mit den großen Namen in der 2. Bundesliga spielen (Kaiserslautern, Nürnberg, 1860 München sind schon da)? Zur Erinnerung: Anfang des Jahres war sogar Borussia Dortmund, der Meister von 2011 und 2012, Tabellenletzter. Alles ist also möglich!

Sollten tatsächlich Stuttgart und Hamburg absteigen, was ja möglich ist, und zum Beispiel Ingolstadt und Darmstadt aufsteigen, dann würde dies zu einem eklatanten Zuschauerschwund führen. Rund 52.000 kommen im Schnitt in Hamburg zu den Spielen, knapp 50.000 sind es in Stuttgart. Ins Stadion am Böllenfalltor in Darmstadt passen gerade mal 16.500 Zuschauer, im Audi-Sportpark in Ingolstadt sind es sogar nur 15.000. Das sind keine Zahlen, mit denen ein Bundesligist protzen kann. Allerdings geht es nicht allein um die Heimspiele, sondern die Mannschaften aus der Provinz hätten bei ihren Gastspielen auch nicht die Zugkraft der Traditionsvereine wie Stuttgart und Hamburg. Provinzstädte mit 130.000 und 150.000 Einwohnern an Stelle von Großstädten. Die Bundesliga fürchtet um ihre Bedeutung.

England, Spanien, Italien, Frankreich als Vorbild

Kein Wunder also, dass sich die Manager Gedanken machen, wie man quasi dem Verfall der Bundesliga Einhalt gebieten kann. Sie vergessen dabei, dass bei den betroffenen Vereinen ganz einfach schlechte Arbeit geleistet wurde, sondern sie denken über ein „Rettungspaket“ nach. Christian Heidel, der Manager von Mainz 05, brachte jetzt wieder eine alte Idee auf den Tisch: In einem Interview regte er an, die Bundesliga von derzeit 18 auf 20 Vereine aufzustocken. Zwei Fliegen könnten mit einer Klappe geschlagen werden: Einerseits die großen Klubs in der Liga halten, andererseits sogar mehr Geld kassieren durch mehr Spiele.

Die Idee der Aufstockung ist nicht neu, wurde in der Vergangenheit allerdings immer wieder verworfen, weil hier auch einfach zu kurz gesprungen wird. Gut, die großen Ligen in Europa spielen mit Ausnahme der Bundesliga alle mit 20 Klubs, so in England, Spanien, Italien und Frankreich. Aber vergessen wird bei diesem Vorschlag, dass genau in diesen Ländern oft über den Stress der vielen Spiele geklagt wird und gerade nach der Weltmeisterschaft beneideten die anderen Nationen Deutschland und forderten für ihre Ligen auch nur 18 Klubs. Um Probleme zu beseitigen, würde man sich nur neue Probleme schaffen.

Der seltsame Trend bei den Aufsteigern

In der Tat ist der Trend bei den Aufsteigern schon seltsam. In den letzten Jahren gastierten Braunschweig und Paderborn im Oberhaus, was die Attraktivität keineswegs steigerte. Klubs mit großen Namen wie der 1. FC Nürnberg verabschiedeten sich dagegen. Ein Gründungsmitglied wie 1860 München befindet sich derzeit eher auf dem Weg in die 3. Liga als ins Oberhaus. Vor solch einem Durchmarsch nach unten haben alle Angst. Darmstadt dagegen könnte den Durchmarsch von unten nach oben schaffen, von der 3. Liga in die Bundesliga.

Besser als alle Verbesserungsvorschläge ist eins: Gute Arbeit in den Vereinen. Der Name allein schützt – wie man sieht – die Traditionsklubs nicht vor Abstürzen. Die Vereine aus der Provinz haben es allerdings schwer, sich auf Dauer im Oberhaus zu etablieren. Meist übersteigt das doch ihre Kräfte. Am Besten wird so ein Gastspiel einfach als Erlebnis gesehen. Die Bundesliga wird es verkraften. Die Angst vor der Provinz bleibt aber.

Pep, die Bayern und der Frust im Frühling

Im Frühling erwacht die Natur zu neuem Leben, im Herbst ist es dann wieder vorbei, die Blätter fallen. Beim Deutschen Fußball-Meister FC Bayern München gelten die Gesetze der Natur nicht. Die Bayern erblühen im Herbst und welken im Frühjahr. Gerade dann, wenn es um die Titel geht, welken sie dahin. Der Traum vom Triple, das 2013 unter Jupp Heynckes gelang, ist wieder ausgeträumt. Meisterschaft, Pokalsieg und den Pott der Champions League in den Trophäenschrank zu holen, ist ja auch eine besondere Leistung. Da muss alles passen. Und das tut es in diesem Jahr wieder nicht.

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr waren die Münchner frühzeitig Deutscher Meister und Trainer Pep Guardiola ließ sich zu der Bemerkung hinreißen, dass die Spiele der Bundesliga nur noch Nebensache seien. Die Spannung im Team ging verloren, eine gehörige Pleite gegen Real Madrid im Halbfinale der Champions League war die Folge. Das deutsche Double, der Sieg im Pokal, war da nicht mal mehr ein Trostpflaster.

Barcelona in Form, die Bayern im Krankenstand

Besserung im Frühjahr 2015? Nein. Eigentlich war dem Meister nach der Weltmeisterschaft ein schwieriger Herbst vorhergesagt worden, doch trumpften die Bayern auf, stellten die Weichen für eine erfolgreiche Titelverteidigung. Doch jetzt, im Frühjahr, geht die Mannschaft „am Stock“. Verletzungen am laufenden Band bringen alle Planungen durcheinander, von einer großzügigen und kräftesparenden Rotation kann keine Rede sein, ganz im Gegenteil, der Trainer muss froh sein, wenn er genügend erstklassige Spieler für die großen Aufgaben zur Verfügung hat. Der Gewinn der Champions League wäre unter diesen Voraussetzungen ein Wunder, zumal der Gegner diesmal FC Barcelona heißt und sich ganz im Gegensatz zu den Münchnern in Form zeigt. Wer soll Messi, Suarez und Neymar stoppen? Pep Guardiola war nach der Auslosung glücklich, wieder nach Barcelona zu kommen, er wird privat freudige Stunden erleben, aber sportlich wird er mit seiner neuen Mannschaft Bauchschmerzen bekommen.

In diesem Jahr ist es nicht gewollt, aber nach Lage der Dinge wird für den FC Bayern die Bundesliga wieder zur Nebensache. Einer nach dem anderen aus dem Luxuskader scheidet aus: Alaba und Ribery werden nicht rechtzeitig fit, Badstuber erneut verletzt, jetzt Robben wieder bis zum Ende der Saison draußen und ob der mit Gehirnerschütterung, Oberkiefer- und Nasenbeinbruch lädierte Torjäger Lewandowski noch helfen kann, steht in den Sternen. Wenn, dann geht er auf jeden Fall ein gesundheitliches Risiko ein. Spieler wie Lahm, Schweinsteiger und Martinez stehen zwar wieder zur Verfügung, aber in Bestform können sie nach unterschiedlich langen Pausen nicht sein.

Die Gesundheit! Sie spielt bei den Bayern eine besondere Rolle und ist unabhängig vom Rücktritt des Mannschaftsarztes Dr. Müller-Wohlfahrt zu sehen. Liegt es an den Ärzten oder nicht doch mehr an den Trainern? Die auffallend vielen Verletzungen müssen eigentlich Ursachen haben. Hier muss der Verein Ursachenforschung betreiben, um den Traum vom Triple für 2016 neu beleben zu können. So lange läuft auch der Vertrag von Guardiola.

Der Schiedsrichter half Dortmund

Spanier agiert allerdings auch in diesem Jahr äußerst unglücklich, zumindest was seine personellen Entscheidungen angeht. Beim Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund war nicht nur Pech dabei. Logisch, schon in der 55. Minute hätten die Bayern nach einem Handspiel von Schmelzer einen Elfmeter bekommen müssen und da war Topschütze Thomas Müller noch auf dem Platz. Als Torhüter Langerak Gegenspieler Lewandowski in Grund und Boden rammte, da war wieder ein Elfmeter fällig. Schiedsrichter Peter Gagelmann war also Wegbereiter für Dortmunds Sieg.

Den aber dennoch Guardiola hätte verhindern können. Warum nahm er Thiago nach 68 Minuten vom Platz? Warum Müller nach 76 Minuten? Gut, Thiago war leicht angeschlagen, Nachfolger Robben nach wenigen Minuten aber ganz kaputt. Das Pech konnte nicht größer sein. Der sprichwörtliche Bayern-Dusel blieb aus. Schweinsteiger, der für Müller kam, vergab dann die größten Chancen. Verzockt hatte sich Pep Guardiola auch mit dem Einsatz von Talent Mitchell Weiser. Der hatte ein Glanzsolo in der Bundesliga gegen Hertha BSC hingelegt, doch das war wohl mehr Zufall. Gegen Dortmund konnte er den Nachweis nicht erbringen, besser zu sein als Weltmeister Mario Götze. Pep Guardiola lag da falsch! Und alle sicheren Elfmeterschützen waren nicht mehr auf dem Platz!

Dortmunds schlechter Stil

Da passten die Slapstick-Elfmeter, als Lahm und Alonso beim Schuss ausrutschten, zum gesamten Ganzen. Kein Bayern-Dusel, sondern Bayern-Pech. Die Dortmunder feixten, fühlten eine gewisse Wiedergutmachung, nachdem ihnen im letzten Pokalfinale ein eindeutiger Treffer nicht gegeben wurde. Dass sie aber hinterher die Bayern verhöhnten, war nicht die feine Art, zumal die bessere Mannschaft ausschied. Dortmunds Spieler hatten keinen Grund, sich aufs hohe Ross zu setzen! Doch wer am Abgrund stand, feiert die Wiederbelebung vielleicht besonders euphorisch. 37 Punkte liegt Dortmund in der Bundesliga hinter den Bayern! Schlechter Stil Dortmund!

Die Bayern aber können gegen Barcelona nur auf ein Wunder hoffen. Die Meisterschaft als alleiniger Titel reicht bei den Münchnern nicht für eine erfolgreiche Saison. Da ist gefühlter Herbst im Frühling.

Traum und Wirklichkeit im deutschen Eishockey

Im deutschen Eishockey wird wieder einmal geträumt, was natürlich schöner ist als die harte Realität. „Bis 2020 wollen wir den Weg an die Weltspitze finden“, hat der neue Verbandspräsident Franz Reindl vollmundig verkündet. Derzeit muss die Eishockey-Nationalmannschaft aber eher nach unten schauen als nach oben. Nummer 13 in der Weltrangliste, das ist nicht berauschend, früher war man Stammgast unter den besten acht.

Nach unten muss auch der Verband schauen. Sportlich läuft es nicht (Junioren und Damen sind zweitklassig), finanziell pfeift der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) aus dem letzten Loch, die öffentliche Wahrnehmung ist eher bescheiden. Eigentlich verbietet es sich da, von rosigen Zeiten zu träumen. Eher geht es schon ums Überleben. Seltsam ist, dass der DEB-Präsident jetzt ein Ziel ins Auge gefasst hat, dass er in 22 Jahren an verantwortlicher Position, u. a. als Sportdirektor und Generalsekretär, nicht verwirklichen konnte.

Vor kurzem wurden bei der Mitgliederversammlung die Weichen für eine bessere, vor allem aber ruhigere Zukunft gestellt. Die Klubs der Deutschen Eishockey Liga, die sich 1994 abgesondert hatten und schon damals den Verband an den Rand des Ruins gebracht hatten, kehrten in den Schoß des Verbandes zurück. Sie sind willens einen finanziellen Beitrag zur Rettung beizusteuern. Reindl nutzte seinen guten Draht zur DEL um die Wogen zu glätten.

Ein Fragezeichen bleibt allerdings, denn die Landesverbände müssen Macht abgeben und da steht die endgültige Zustimmung noch in den Sternen. Der Kampf um die Macht fällt nur dann aus, wenn auch die Landesverbände nicht den finanziellen Kollaps des Dachverbandes riskieren wollen. Eine gute Zukunft schaut anders aus.

Auch sportlich ist es eigentlich nicht die Zeit, um in Optimismus zu machen. Auch bei der Nationalmannschaft ging es zuletzt nur abwärts. Bei der WM ist der DEB gerade noch erstklassig geblieben, die Olympischen Spiele hat man erstmals verpasst. Bei der anstehenden Weltmeisterschaft in Tschechien vom 2. bis 17. Mai geht es vor allem darum, den Abstieg zu vermeiden und in der Weltrangliste möglichst ein bisschen nach oben zu klettern. Manche träumen auch vom Viertelfinale, doch da müsste Deutschland als Nummer 13 der Welt schon über sich hinauswachsen.

Sorgen vor der Weltmeisterschaft

Seit 2012 wird ja die Eishockey-WM mit 16 Nationen in zwei Gruppen gespielt, die vier besten Teams jeder Gruppe qualifizieren sich für das Viertelfinale. Gegner des DEB-Teams sind Schweden (Nummer 1 der Welt), Kanada (4), Tschechien(5), die Schweiz (7), Lettland (9), Frankreich (12)und Österreich (16). Vier Siege müssen also her, um Vierter zu werden. Und dabei hat Bundestrainer Pat Cortina keineswegs seine beste Mannschaft zur Verfügung. Der umstrittene Italo-Kanadier, der dringend ein Erfolgserlebnis braucht, um seinen Posten zu retten, muss auf viele verletzte Spieler und einige Stars aus der NHL verzichten. Die Vorbereitung war holprig, im Mittelpunkt standen die Play-Offs um die Deutsche Meisterschaft, die Spieler vom Meister Mannheim und Vize Ingolstadt sind müde. Ob da wirklich der erste Schritt in Richtung Weltspitze getan werden kann…

Uwe Krupp für Pat Cortina?

Beobachter glauben, dass die Ablösung von Pat Cortina nach Ablauf seines Vertrages sowieso schon feststeht. Über seiner Arbeit hängt der Schatten von Uwe Krupp, der einst als Bundestrainer Erfolge feierte und als Freund von Präsident Franz Reindl gilt. Allerdings hat Krupp bei den Eisbären Berlin einen Job. Doch was sagt dies schon aus in der heutigen Zeit. Krupp ist auch eine der letzten Galionsfiguren der heutigen Zeit des Eishockeys. Ihn kennt man in der Öffentlichkeit, die jetzigen deutschen Cracks aus der NHL sind einem breiten Publikum nicht geläufig. Es ist unter anderem das Problem des Eishockeys, das es im deutschen Sport eher ein Schattendasein führt. Und auch jetzt wird die Weltmeisterschaft nicht die große Aufmerksamkeit bekommen. Eishockey dann, wenn die Temperaturen steigen? Ist Eishockey wirklich noch eine Wintersportart?

Titelverteidiger in Prag und Ostrava ist übrigens Russland, das zusammen mit Finnland, der USA, Slowakei, Norwegen, Weißrussland, Slowenien und Dänemark die Gruppe B bildet.

Müller-Wohlfahrt und Co.: Ärzte haben die Macht

Der Abgang des Mannschaftsarztes sorgte beim FC Bayern München für mehr Wirbel als die peinliche 1:3-Niederlage gegen den FC Porto in der Champions League. Was lange gärte, kam zum Ausbruch. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Mann mit den „Goldenen Händen“, legte sein Amt nieder, als von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die Kritik erneuert wurde, dass wohl die Ärzte für die Verletzungsmisere der Münchner verantwortlich seien. Dies war eine Majestätsbeleidigung. Für „Mull“, so wird er von Freunden und Spielern genannt, war das „Müll“, er fühlte sich mit Dreck beworfen.

Seit Pep Guardiola Trainer in München ist gab es Spannungen mit dem Ärzteteam. So war der Spanier verwundert, dass kein Arzt beim Training anwesend war, die Spieler erst in die Praxis in die Stadt fahren mussten. Dieser Missstand wurde behoben. Nicht behoben werden konnten die unterschiedlichen Auffassungen über die Schnelligkeit der Heilung. Müller-Wohlfahrt vertraut auf eine langfristige Heilung und nimmt dafür einen längeren Ausfall in Kauf, der Trainer möchte den Spieler am liebsten sofort wieder zur Verfügung haben. Zwei Alphatiere standen sich gegenüber, zwei Koryphäen von Weltruf. Wer hat jetzt gewonnen? Pep Guardiola wird dann verlieren, wenn die Bayern in der Champions League scheitern. Müller-Wohlfahrt kann im Prinzip nicht verlieren. Er bleibt Arzt der Nationalmannschaft und Vertrauensmann der Spieler, die weiter bei ihm in Behandlung bleiben wollen.

Dies wirft die Frage auf, welche Macht denn die Ärzte haben. Genau betrachtet, liegt alle Macht bei den Ärzten. Welcher Trainer wird denn einen Spieler „gesundschreiben“, wenn der Arzt einen Einsatz ablehnt. Welcher Sportler wird dem Arzt widersprechen, wenn der ihm ein Mittelchen zur Heilung verschreibt. Nur so waren auch die diversen Dopingskandale möglich, weil Sportler verbotene Mittel verabreicht bekommen haben und gar nicht daran gedacht haben, zu hinterfragen. Der Wunsch, „mach mich schnell wieder fit“, ist für die Ärzte Befehl. Oder muss man heute sagen „war“? Das ist wohl nicht immer so.

Die Macht der Ärzte zeigte sich auch bei den früher renommierten Freiburger Professoren Joseph Keul und Armin Klümper, die weltweit den besten Ruf hatten. Heute wissen wir, sie waren in Doping-Skandale verstrickt. Sie hatten die Macht über Verbände und Sportler. Oder der Skandal um den spanischen Arzt Fuentes, der den Radsport (und nicht nur diesen) erschütterte. Fuentes hatte lange Zeit die Macht, ja, man kann sogar sagen, er machte Sieger.

Wer stellt die Mannschaft auf? Natürlich der Trainer, wird jeder sagen. Aber wie oft haben wir schon gehört, dass die Trainer seufzen und angesichts von vielen verletzten Spielern stöhnen, „die Mannschaft stellt der Arzt auf“. So war es zuletzt auch bei den Bayern, als ein Star nach dem anderen fehlte und sich die Mannschaft quasi allein aufstellte. In den entscheidenden Wochen der Saison konnte Pep Guardiola nicht rotieren und anfangs avisierte kurze Ausfälle erwiesen sich als Langzeitverletzte (siehe Franck Ribery). Kein Wunder, dass der Trainer auf den Arzt nicht gut zu sprechen war. Kein Wunder, dass ein Müller-Wohlfahrt mit Kritik nicht leben kann, schließlich schicken Klubs aus ganz Deutschland ihre Spieler zu ihm nach München, wenn sie nicht mehr weiterwissen.

Das Schweigen der Bayern

Unverständlich, dass für Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt 40 Jahre FC Bayern mit einer kurzen Presseerklärung – ohne vorher den Verein zu unterrichten – so stillos beendet werden. Unverständlich aber auch die Krisenbewältigung der Bayern, bei denen die Verantwortlichen hilflos wirkten. Sport-Vorstand Matthias Sammer zum Beispiel hätte hier eingreifen müssen, aber er schwieg. So sorgte eine peinliche Niederlage im schlechtesten Spiel des Jahres für eine Krise bei einem erfolgsverwöhnten Verein, der bis dahin noch auf Wolke sieben schwebte. Mal sehen, ob durch dieses Erdbeben am Ende die ganze Saison trotz Meistertitel als misslungen angesehen werden muss. Ob dann am Ende auch Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt glücklich ist?

Jürgen Klopp läuft vor den Problemen in Dortmund davon

Er ist 47 Jahre alt und eigentlich ein „gestandenes Mannsbild“, wie man in Bayern sagt. Doch das notwendige Rückgrat, um auch Krisen durchzustehen, hat Jürgen Klopp offensichtlich nicht. In der Krise nimmt er seinen Hut. Bei Borussia Dortmund läuft es nicht und Jürgen Klopp läuft den Problemen davon. Zum Saisonende wird der Trainer den Deutschen Meister von 2011 und 2012 verlassen.

Die Meldung von der Trennung überraschte einige nicht mehr und schlug doch wie eine Bombe in Fußball-Deutschland ein. Borussia Dortmund und Jürgen Klopp, das war zunächst mal eine Erfolgsstory wie sie es so schnell wohl nicht mehr geben wird. Als Klopp 2008 begann, da war Dortmund in den Niederungen der Bundesliga zu finden. Der von Mainz 05 gekommene Coach baute kontinuierlich eine Mannschaft nach seinem Gusto auf und hatte offensichtlich auch das Glück auf seiner Seite. Alles gelang, das Puzzle Mannschaft passte, die Erfolge stellten sich ein. Klopp war der „Macher“, stand im Mittelpunkt und gebärdete sich am Spielfeldrand als „Springteufel“ und furchteinflößende „Bestie“ zu gleichen Teilen. Seine Gesichtsausdrücke waren eines Frankensteins würdig. Bayern München zwei Jahre hintereinander den Titel gestohlen zu haben (2012 zudem das Double mit dem Pokalsieg) machte ihn im Ruhrpott unsterblich. Nur die Krönung fehlte: Das Finale der Champions League 2013 verlor Dortmund gegen die Bayern, die sogar das legendäre Triple schafften. Von da an ging es bergab.

Klopp und Dortmund hatten die Bayern gereizt, die holten mit Mario Götze und Robert Lewandowski nach und nach zwei Schlüsselspieler. Dortmund konnte sie nicht adäquat ersetzen. Außerdem hatten die Gegner das „System Klopp“ durchschaut und boten dem Hochgeschwindigkeitsfußball Paroli. In dieser Saison landete Dortmund statt an der Spitze am Tabellenende. Nicht nur die Bayern waren ihnen davongelaufen. In der Mannschaft wurden Auflösungserscheinungen erkennbar. Obwohl der Trainer seine Schützlinge wieder ins Mittelfeld der Tabelle führte, fühlte Klopp wohl, dass er dieses Team nicht mehr zu einer wirklichen Spitzenmannschaft formen konnte. Er wirkte in der Zeit der Krise auch seltsam teilnahmslos an der Seitenlinie, nichts mehr mit dem Springteufel, keine verzerrten Gesichter mehr, Klopp hatte wohl resigniert. Diesbezüglich eigentlich nur logisch, dass er von sich zum Saisonende den Hut nimmt.

Klopps Ziele: Italien, Spanien oder England?

Jürgen Klopp hat zwar einiges von seiner Reputation eingebüßt, aber begehrt bleibt er als Trainer über die Grenzen Deutschlands hinaus. Zunächst werden vor allem die Gerüchte kein Ende nehmen. In Deutschland gibt es keinen Verein für ihn, der so zu ihm passt wie Borussia Dortmund. Der Ruhr-Rivale Schalke scheidet von vornherein aus, für Bayern München müsste er sein Auftreten ändern, Klubs aus der zweiten Reihe werden für ihn nicht attraktiv sein. In Italien sehen sie ihn beim SSC Neapel oder AC Mailand, in Spanien ist sogar Real Madrid im Gespräch, obwohl es seltsam anmutet, dass er vom „Kumpel des Potts“ zum „Königlichen“ werden soll. Manchester City gilt als Favorit, hat Klopp angeblich schon lange im Auge, doch jetzt heißt es in England, dass City auf Pep Guardiola wartet, wenn dessen Vertrag 2016 in München ausläuft. Hat Klopp am Ende doch nicht die Qual der Wahl?

In Dortmund wird Thomas Tuchel als doppelter Klopp-Nachfolger gehandelt. Er beerbte Klopp in Mainz, verließ den Verein aber im Vorjahr, weil er sich mit der Mannschaft am Ende der Entwicklung sah. Parallelen zu Klopp in Dortmund. Jetzt könnte der 41jährige in Dortmund wieder Nachfolger von Jürgen Klopp werden und dort eine neue Entwicklung einleiten. Der Sport schreibt manchmal wirklich seltsame Geschichten.

Formcheck Champions League

Im europäischen Fußball beginnen die entscheidenden Wochen. Es geht nicht nur in den nationalen Meisterschaften um die Titel oder gegen den Abstieg, es geht vor allem um die Krone: Den Sieg in der Champions League. Das Viertelfinale steht an (ebenfalls in der Europa League), die besten Klubs Europas sind unter sich, jetzt ist jedes Spiel ein Schlagerspiel. Echte Nobodys gibt es nicht mehr, wer es unter die besten acht Vereine geschafft hat, muss einfach gewisse Qualitäten haben. Die große Frage: Geht der Fluch für den Titelverteidiger weiter oder schafft es Real Madrid das „Gesetz der Serie“ zu durchbrechen? Bisher schaffte es noch niemand, den Titel erfolgreich zu verteidigen. Mit dem Lokalrivalen Atletico wartet ein gefährlicher Gegner. Der Sport-Grantler macht einen Formcheck für die Champions League.

Atletico Madrid – Real Madrid: Die Wiederholung des Finales vom Vorjahr, das Real nach zähem Kampf und Verlängerung mit 4:1 für sich entschied. Seitdem scheint Atletico eher schwächer geworden zu sein, doch der direkte Vergleich seit diesem Duell muss Real Angst und Schrecken einjagen: In sechs Derbys gewann Atletico viermal bei zwei Remis! Im Februar wurde Real mit 0:4 gedemütigt. Dem Kampfgeist von Atletico setzt Real spielerische Kunst entgegen, mit Modric-Kroos-James im Mittelfeld und „BBC“ im Angriff, nämlich Bale-Benzema-Cristiano Ronaldo. Die Schwächen hat Real in der Abwehr. Diese könnten in der nächsten Runde eher die anderen sturmstarken Mitfavoriten aufdecken. In zwei Spielen spricht mehr für Real, das sich zuletzt wieder in guter Form zeigte. Nur der Fluch des Titelverteidigers spricht gegen Real.

Juventus Turin – AS Monaco: Juve will die Ehre Italiens retten, Monaco ist der Überraschungsgast im Viertelfinale. Turin beherrscht die Meisterschaft in Italien, aber das will nichts heißen, das Niveau ist da nicht mehr so hoch wie früher. Monaco ist in Frankreich derzeit Dritter und hat sich mit knappen Siegen und Ergebnisse in der Champions League bisher als Minimalist gezeigt. Das dürfte also eine zähe Angelegenheit werden, aber die alte Dame Juve aus Italien kann auf ihre erfahrenen Stützen Buffon, Pirlo, Vidal und Tevez bauen und gilt deshalb als Favorit.

Paris St. Germain – FC Barcelona: Zweifellos das Schlagerspiel im Viertelfinale. Beide standen sich schon in den Gruppenspielen gegenüber, Barca siegte im letzten Spiel mit 3:1 (nach einem 2:3 im Hinspiel) und sicherte sich damit den Gruppensieg, was zum Vorteil des Rückspiels zu Hause führte. Ein Vorteil für die Spanier ist wohl auch, das Paris buchstäblich am Stock geht, mit David Luiz und Motta sind zwei Mannschaftsstützen verletzt, Ibrahimovic und Verratti fehlen im Hinspiel gesperrt. Nur Schadensbegrenzung wäre im Hinblick auf das Rückspiel für Paris aber zu wenig. Barcelona setzt vor allem auf den Angriff der Stars mit Messi-Suarez-Neymar. Gespannt sind wir in Deutschland, ob Marc-Andre ter Stegen weiterhin im Tor stehen darf, in der Torhüter-Rotation gehören Claudio Bravo ja die Ligaspiele, ter Stegen darf in Pokal und Champions League ran. Da aber griff er in Paris daneben… Wie auch immer, der Vorteil liegt bei Barcelona.

FC Porto – Bayern München: In Porto wird vor allem die Vergangenheit bemüht, um sich Mut zu machen. 1987 besiegte der FC Porto die Bayern im Finale mit 2:1 durch ein legendäres, düpierendes Hackentor. Porto träumt aber auch von 2004, als die Portugiesen sensationell den Titel gewannen. Doch auch Porto hat Verletzungsprobleme, Schaltstelle Tello fällt ebenso aus wie Torjäger Jackson. Die Bayern haben natürlich wesentlich mehr Ausfälle zu verzeichnen, neben Robben und Alaba werden wohl auch Ribery und Schweinsteiger zumindest für das Hinspiel nicht rechtzeitig fit. Das Häuflein der letzten, zuletzt in der Bundesliga nur 15 Aufrechten muss es wohl richten. Gefordert wird wieder Trainer Pep Guardiola, der ein Mittel gegen die konterstarken Portugiesen finden muss. Wir wissen, da haben die Bayern ihre Schwächen. Insofern kann sich der Außenseiter aus Porto als gefährlicher Gegner entpuppen.

Gespielt wird am 14./15. und 21./22. April. Halbfinale 5./6. und 12./13. Mai, Finale am 6. Juni in Berlin. Da träumen die Bayern von einer „Berliner Woche“, nachdem das deutsche Pokalfinale am 30. Mai in Berlin stattfindet.

Im Schatten der Champions League steht naturgemäß die Europa League. Auch hier steht das Viertelfinale am 16. und 23. April an. Letzter deutscher Vertreter ist der VfL Wolfsburg, der endlich wieder einmal dafür sorgen will, dass die Bundesliga auch in den entscheidenden Spielen noch vertreten ist. Nachdem die VW-Städter Inter Mailand rausgeworfen haben, steht die nächste italienische Hürde bevor, der SSC Neapel. Die Hürde dürfte auch ein bisschen höher sein, aber der Bundesliga-Zweite sollte gegen den Vierten der Serie A durchaus gute Chancen haben. Die ganz großen Namen sind in der Europa League nicht mehr dabei, Titelverteidiger FC Sevilla will wieder ins Finale, unmöglich ist da auch für Wolfsburg nicht. Das Finale findet am 27. Mai in Warschau statt.

Das Viertelfinale: FC Sevilla – St. Petersburg, Brügge – Dnipropetrowsk, Kiew – Florenz, Wolfsburg – Neapel.

Ein hausgemachter Abstieg beim Hamburger SV

Er ist der Dino, das heißt, seit Start der Fußball-Bundesliga 1963 ist der Hamburger SV als einziger Überlebender noch dabei und noch nie abgestiegen. 52 Jahre wird der HSV nach Ende der Saison im Oberhaus verbracht haben. Doch es könnte am Ende der Saison das Ende der Herrlichkeit sein. In der ewigen Tabelle ist der HSV nach 51 Jahren mit 2588 Punkten noch Dritter hinter Bayern München (49 Jahre/3276) und Werder Bremen (50/2603). Die aktuelle Bilanz schaut dürftiger aus: Drittletzter mit 25 Punkten und gerade mal 16 Toren in 27 Spielen. Das sieht nach Abstieg aus.

Kommt es tatsächlich so weit, wird es ein hausgemachter Abstieg des Hamburger SV sein. Der HSV als typisches Beispiel des Ausdrucks „der Fisch stinkt vom Kopf her“. Seit Jahren schafft es die Vereinsführung nicht, den Klub in ruhiges Fahrwasser zu bringen und eine Mannschaft für die Zukunft aufzubauen. Vor einem Jahr ist man dem Tod (sprich Abstieg) gerade noch von der Schippe gesprungen, hat in der Relegation gerade mal mit zwei Unentschieden (0:0 zu Hause, 1:1 in Fürth, gewertet nach Europacupregel) gegen die SpVgg Greuther Fürth den Klassenerhalt geschafft. In der neuen Saison sollte alles besser werden. Zumindest sportlich ist nichts besser geworden.

Die letzten Jahre spielte sich zu Beginn einer Saison immer das Gleiche ab: Hoffnung, die Mannschaft angeblich verstärkt, der Europacup das Ziel. Am Ende Enttäuschung. Ein scheinbarer Aufbruch zu neuen Ufern auch in diesem Jahr, zumal die Organisationsstruktur verändert wurde: Die Fußball-Abteilung ausgegliedert, mit Dietmar Beiersdorfer ein neuer Kapitän, ein Hoffnungsträger, auf dem sinkenden Schiff. Geradezu tragisch, dass zuletzt wieder einmal eine hoffnungsvolle Zukunft an die Wand gemalt wurde: Millionen durch einen Sponsor sind avisiert, als neuer Trainer geistert das „Phantom“ Thomas Tuchel durch die Medien. Alle Welt reißt sich um ihn, RB Leipzig hat er abgesagt, Tuchel will nach seinem Sabbat-Jahr nicht in die 2. Liga. Es wäre ein Wunder, könnte er den HSV in der Bundesliga übernehmen.

15 Trainer in 10 Jahren

Zu oft griffen die HSV-Verantwortlichen in der Vergangenheit zum Allheilmittel der Vereine bei Misserfolg, dem Trainerwechsel. 15 Trainer waren es in den vergangenen zehn Jahren. In dieser Saison durften sich schon Mirko Slomka, Josef Zinnbauer und jetzt Sportdirektor Peter Knäbel als Trainer versuchen. Besserung? Fehlanzeige. Zinnbauer stabilisierte die Abwehr, aber es fehlten Tore und Punkte. Knäbel wollte jetzt das spielerische Element stärken und führte das Team beim 0:4 in Leverkusen ins Verderben. Die Mannschaft ist keine Mannschaft: Kampflos, willenlos, führungslos. Zuvor waren einige Spieler für die kommende Saison bereits ausgemustert worden, jetzt sollen sie die Kastanien aus dem Feuer holen. Ein grober Fehler von Beiersdorfer und Knäbel. Da hat auch der Klubboss erkannt: „Wenn wir uns so präsentieren wie am Samstag, werden wir keine Chance haben, die Klasse zu erhalten.“ Da winkt nicht mal die Relegation als letzte Rettung.

Das Restprogramm des HSV hat es in sich: Wolfsburg (zu Hause), Bremen (A), Augsburg (H), Mainz (A), Freiburg (H), Stuttgart (A) und Schalke (H) sind die letzten Gegner. Immerhin sind zwei direkte Rivalen im Abstiegskampf dabei, aber auch Gegner, die nach Europa schielen. In einer Umfrage der Fachzeitung kicker sahen 83,7 Prozent der Leser Neuling SC Paderborn wieder als Absteiger, dahinter aber schon 43,2 Prozent den HSV und den VfB Stuttgart (42,6 Prozent) in der Relegation. Sie könnten Fachwissen bewiesen haben.

Ein hausgemachter Abstieg müsste nicht das Ende des HSV bedeuten. Er bedeutete einen Einschnitt in der Bundesliga-Geschichte, dass dann keiner der Gründervereine ewig die Klasse erhalten hätte. Viele kamen zurück, aber nicht alle. Es zeigt sich auch in diesem Jahr, dass der sofortige Weg zurück der Absteiger mit vielen Stolpersteinen bepflastert ist. Eintracht Braunschweig hat nur geringe, der 1. FC Nürnberg gar keine Chance mehr. Auf den Aufstiegsplätzen Ingolstadt und Kaiserslautern, der SV Darmstadt 98 ginge in die Relegation. Der HSV wäre glücklich, dürfte er da Gegner sein. Der Rettungsanker wird aber noch gesucht, der Abstieg wäre keine Überraschung mehr.

Golf in Deutschland kämpft um Anerkennung

Die Leute sollen über Golf reden, sie sollen sich an sportlichen Erfolgen im Golf freuen und sie sollen vor allem Golf spielen. So sieht die Wunschliste des Deutschen Golf-Verbandes aus, der zwar seit Jahren eine Zuwachsrate an neuen Spielern zu verzeichnen hat, aber Golf noch nicht aus dem Schatten einer Nischensportart führen konnte. 640.000 Spieler zählt der DGV, 728 Anlagen stehen zur Verfügung. Golf gilt in Deutschland aber noch als elitär, als teurer Sport und nicht als Breitensport. Die Vorurteile sind groß, das Interesse gering, das Wissen winzig. Bei einer Umfrage nach dem bekanntesten Golfspieler in Deutschland wurde Franz Beckenbauer genannt, der „Kaiser“, die Lichtgestalt des Fußballs.

So eine Lichtgestalt braucht Golf auch, um stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu gelangen. Bernhard Langer ist zwar eine Ikone, aber zu seiner Zeit stand Golf quasi erst am Anfang. Martin Kaymer könnte in seine Fußstapfen treten, war wie Langer sogar die Nummer 1 der Welt, gewann im letzten Jahr sensationell die US Open, aber zum Publikumsliebling reicht es nicht. Da müsste er schon jede Woche gewinnen. Das macht Bayern München im Fußball, der Welt-Klub, das hat im Golf nicht mal Tiger Woods geschafft. Aber so einen wie den amerikanischen Star wünscht sich das deutsche Golf.

Im Golf-Verband ist man andererseits schon glücklich, dass die Zahl der Spitzenspieler langsam größer wird. Alex Cejka ist zuletzt wieder aus der Versenkung aufgetaucht und hat sein erstes PGA-Turnier gewonnen, Marcel Siem lässt immer wieder mit spektakulären Turnieren aufhorchen. Dazu wollen einige Jungspunde auf europäischer Ebene angreifen, mit Maximilian Kieffer, Moritz Lampert, Florian Fritsch und Dominik Foos ist in absehbarer Zeit zu rechnen. Es sah schon einmal schlechter aus.

Der Ryder Cup als Hoffnung

In diesem Jahr könnten im deutschen Golf die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt werden. Es ist ein Jahr der Chancen. Aktuell stehen die Damen im Mittelpunkt, denn Deutschland, genauer der GC St. Leon-Rot, ist Gastgeber des Solheim Cup, dem weiblichen Pendant des Ryder Cup, einem Vergleich zwischen Europa und den USA. Vom 18. bis 20. September sollen nicht nur die Golfer ein Fest feiern. Mit Sandra Gal und Caro Masson machen sich auch die beiden deutschen Spitzenspielerinnen Hoffnungen zum Team Europa zu gehören und das Lokalkolorit zu stärken. Notfalls sollte ihnen die Kapitänin Carin Koch (Schweden) eine Wild Card zugestehen.

Der Solheim Cup lief also in Deutschland dem Ryder Cup den Rang ab, denn die deutsche Bewerbung für 2018 scheiterte. Doch jetzt gilt der Ryder Cup wieder als Hoffnung. Die Stimmung hat sich geändert, zumindest bei der Politik hat Golf an Bedeutung gewonnen, sind die Politiker zu Zugeständnissen bereit. So macht sich Deutschland Hoffnung auf das Turnier 2022, das in Bad Saarow in der Nähe von Berlin ausgetragen werden soll. Dieses Weltereignis könnte Golf in Deutschland endgültig zum Durchbruch verhelfen. Golf würde endlich als Spitzensport wahrgenommen werden.

Da könnten auch die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro helfen. Golf hat ja das Olympia-Comeback geschafft. Doch um hierzulande wirklich Aufmerksamkeit zu erfahren, müssten Kaymer, Gal oder Masson um die Medaillen kämpfen. Das würde einen erheblichen Rückenwind bedeuten.

Alle Augen auf Tiger Woods, nicht auf Kaymer

Doch zunächst steht einmal vom 9. – 12 April das erste Major-Turnier des Jahres an. Das Masters in Augusta (Georgia) ist die Mutter aller großen Turniere. Alle Augen sind dabei auf Tiger Woods gerichtet, denn der Star der Szene hat seine Teilnahme kundgetan. Die Spannung ist groß, sein Leistungsvermögen ein Rätsel. Zuletzt hat er krankheitsbedingt wieder pausiert, davor ließ sein malader Körper kein gutes Golf zu. Er wollte erst wieder in Erscheinung treten, wenn er sein bestes Golf zeigen kann. Kann er wirklich?

Über Tiger Woods reden alle, dagegen ist Martin Kaymer der Nobody. Die deutsche Hoffnung ließ im letzten Jahr mit großen Erfolgen aufhorchen, doch 2015 ist er noch nicht in Schwung gekommen. Es muss ihm einen Knacks gegeben haben, als er ein Turnier mit zehn Schlägen Vorsprung anführte – und verlor. Zuletzt schaffte er zweimal den Cut nicht, Kaymer ist nicht in Form und in Augusta konnte er noch nie glänzen. Ginge es nicht um Golf, bei dem die These gilt, alles ist möglich, würde man zu Kaymer sagen, nichts ist möglich.

Da macht sich Altmeister Bernhard Langer schon eher Hoffnungen auf eine gute Platzierung. Der zweimalige Masters-Sieger spielt im Alter fast noch besser als in den früheren Jahren. Er dominierte zuletzt die Champions Tour der Senioren und war im letzten Jahr in Augusta im Vorderfeld zu finden. Doch wenn es um eine gute Zukunft des deutschen Golfs geht, dann kann die nicht mehr mit Bernhard Langer verbunden werden. Das müssen schon Kaymer und Co. richten. Gesucht wird eine Lichtgestalt.

Die weiteren Major des Jahres: US Open 18. – 21. Juni in University Place/USA, British Open 16. – 19. Juli in Fife/GBR, PGA Championship 13. – 16. August in Kohler/USA.

Deutschland hat zu bieten: BMW Open 25. – 28. Juni in München-Eichenried, European Open 24. – 27. September in Bad Griesbach, Senior Open 10. – 12. Juni in Schwerin.