Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Bayern München und die Sache mit dem Nachwuchs

Stammleser werden jetzt sagen, „jetzt schreibt er schon wieder über Bayern München, war doch erst vor kurzem der Fall“. Stimmt schon, aber zuletzt ging es um die Profis und heute aus aktuellem Anlass um den Nachwuchs (aktuell ist natürlich auch der mögliche Bestechungsskandal um die WM 2006 in Deutschland, aber dazu nächste Woche mehr, erst mal abwarten, was noch aufkommt).

Der Nachwuchs beschäftigt die Bayern schon lange, weil in den letzten Jahren Mängel festgestellt wurden. Erfolge liegen schon einige Zeit zurück und wie sollen Talente den Sprung in die beste Mannschaft Deutschlands bzw. eine der besten der Welt schaffen, wenn sie schon in jungen Jahren nicht zu den Siegern gehören. Jetzt wurden Nägel mit Köpfen gemacht, wobei wieder einmal Uli Hoeneß eine entscheidende Rolle spielt. Der einstige erfolgreiche Manager und zuletzt Präsident hat seine „Auszeit“ der Gefängnisstrafe nach Steuerhinterziehung genutzt, um den Nachwuchsbereich umzukrempeln. Seine Arbeitsstelle im Freigang war die Nachwuchsabteilung der Bayern. Praktisch, denn die langgehegten Pläne wurden jetzt Wirklichkeit: Am Freitag war Grundsteinlegung des neuen Leistungszentrums für den Nachwuchs in Fröttmaning in der Nähe der Allianz Arena. Die Talente sollen wohl den „Tempel“ der Profis im Auge haben, nach dem Motto „da will ich auch mal hin“. Uli Hoeneß war der am meisten bestaunte Gast beim Festakt.

Wie bei den Bayern so üblich, wird das neue Nachwuchszentrum eine Anlage der Superlative die Seinesgleichen sucht. 50 bis 70 Millionen Euro (die Zahlen, die in der Öffentlichkeit bekannt werden schwanken) legt der Verein dafür hin. Neben acht Plätzen gibt es ein kleines Stadion mit bis zu 3000 überdachten Plätzen, eine Dreifeldhalle, Basketballcourt, Beachsoccerfeld, eine Rundlaufbahn, Vereinsheim, Akademie mit Internat sowie ein Restaurant und natürlich einen Fanshop. Ende 2017 soll die Anlage bezugsfertig sein. An der Säberner Straße, der traditionellen Bayern-Heimat, bleiben die Profis, die U21 und die Frauen, die auch weiterhin im Stadion an der Grünwalder Straße spielen. Der Platz an der Säberner Straße war für alle aber zu eng geworden. So gehen die Bayern jetzt also in die Offensive.

Die Nachwuchsoffensive ist aber auch dringend notwendig, schließlich fehlten zuletzt Nachfolger für Typen wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Holger Badstuber. Eine Überfremdung des Meisters wird befürchtet, wenn mehr Spanier als Einheimische im Bayern-Team stehen und das obligatorische „mia san mia“ vielleicht gar nicht mehr verstehen. Das es Zeit wird zu handeln, zeigt auch ein Blick auf die Auswahlmannschaften des DFB: Die U21 spielt die EM-Qualifikation, die U20 und U19 internationale Turniere um den Elite-Cup – ein Bayern-Spieler war nicht dabei!

Das soll in der Zukunft wieder anders sein. Die Bayern nehmen Geld in die Hand, um künftig im Hinblick auf Neuverpflichtungen und horrenden Preissteigerungen auf dem Spielermarkt Geld zu sparen!

Der Traum von der Weltliga

Träumen ist bekanntlich erlaubt und tut niemandem weh, der Träumer selbst kommt manchmal in gute Stimmung. Schlecht ist nur, wenn er Träume als Realität ansieht. Gut ist, wenn man versucht Träume Realität werden zu lassen. So wird auch im Sport, vor allem von Sportfunktionären, oft geträumt. Sie träumen von einer besseren Vermarktung ihrer Sportart, von mehr Bedeutung, Zuspruch und mehr Geld. In fast jeder Sportart wird nach Wegen gesucht, mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. In Mannschaftsportarten gibt es deshalb immer wieder den Traum von der Weltliga. Realität wurde er noch nicht.

Jetzt ist es im Handball wieder einmal so weit. Wie die Fachzeitung Sport-Bild enthüllte, gibt es diese Gedanken bei Trainern und Funktionären im deutschen Handball. Vereine in Kroatien, Ungarn, Polen und Frankreich stehen diesen Plänen angeblich offen gegenüber, das „Forum Club Handball“, ein Zusammenschluss wichtiger Handballvereine in Europa, denkt wohl schon länger über eine Weltliga nach und will bald beim europäischen Verband und beim Weltverband vorstellig werden. Es geht aber nicht nur um eine Europaliga, sondern um eine Weltliga, denn die Fühler wurden bereits zum Scheichtum Katar ausgestreckt, von dort soll das notwendige Geld kommen. Handball gilt in Katar als beliebte Sportart.

Die Handballer stehen mit solchen Plänen nicht allein da. Im Basketball und Volleyball wurde schon darüber geredet, im Eishockey gab es Gedanken, die Profi-Liga NHL mit den Spitzenklubs in Europa zu verzahnen. Aber gerade im Eishockey fristet selbst der europäische Wettbewerb ein Schattendasein. Auch im Fußball wurde bereits geredet, wurden Pläne geschmiedet, allerdings beschränken sich die Ideen auf Europa, schließlich wäre die Einbindung von Brasilien und Argentinien zum Beispiel mit großen Reisestrapazen verbunden.

Die Frage ist immer, gibt es eine Welt- oder Europaliga, was wird dann mit den nationalen Meisterschaften oder auch mit den europaweiten Wettbewerben wie der Champions League, die nicht nur im Fußball funktioniert, sondern auch im Handball und Basketball. Gerade im Fußball wird groß kassiert, insgesamt 1,64 Millionen Euro schüttet die UEFA in dieser Saison für Champions- und Europa League aus. Das Geld muss auch in einer Europaliga erst mal reinkommen. 12 Millionen Euro als Startgeld sind schon happig. Als zusätzlicher Wettbewerb für die Spitzenklubs ist sie kaum einführbar, weil einfach die Termine fehlen.

Sicherlich wäre es reizvoll, eine Europaliga zu sehen, in der es nur Schlagerspiele gibt. Den FC Barcelona, Real Madrid, Atletico Madrid, Bayern München, Chelsea London, Manchester City, Manchester United, Arsenal London, Paris St. Germain, FC Porto, Juventus Turin, AS Rom, Zenit St. Petersburg oder Galatasaray Istanbul zum Beispiel in ständigen Duellen zu erleben, würde bedeuten, dass jeder Spieltag zu einem Höhepunkt wird. In der Champions League haben wir das frühestens mit dem Viertelfinale.

Aber es gibt auch Nachteile. Wie gesagt, was wird mit den nationalen Meisterschaften? Gibt es auch einen Abstieg? Kann man die nicht so attraktiven Klubs der kleineren Verbände außen vor lassen? Und wie soll eine Europaliga terminlich gestaltet werden, wenn die Champions League nicht geopfert werden soll? Außerdem gäbe es dann zwei europäische Sieger!

So wird also immer wieder von einer Welt- oder Europaliga geträumt, die Euro-Noten tauchen in den Augen der Funktionäre auf, aber eigentlich ist der internationale Spielverkehr nicht nur im Fußball, sondern auch im Handball und Basketball an den Belastungsgrenzen der Aktiven angelangt. Schließlich müssen auch die Nationalmannschaften berücksichtigt werden und die sind im Bewusstsein der Öffentlichkeit immer noch das größte Aushängeschild.

Deshalb liebe Sportfunktionäre: Träumt mal schön!

Bayern München ist die Nummer 1!

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Die Gruppenspiele in der Fußball-Champions-League laufen, doch alle haben schon das Finale am 28. Mai 2016 in Mailand im Auge. Wer wird da im Endspiel stehen? Die Protagonisten kennen wir: Titelverteidiger FC Barcelona, der spanische Kontrahent Real Madrid sowie der FC Bayern München werden als die großen Favoriten gehandelt, dazu der letzte Final-Teilnehmer Juventus Turin, Frankreichs Meister Paris St. Germain und gleich drei oder vier englische Klubs. Seltsam aber: So richtig in Form ist jetzt im Herbst nur Bayern München. Aktuell sind die Bayern klar die Nummer 1!

Es ist wirklich erstaunlich, wie manche Klubs schwächeln. Der FC Barcelona hat in der Primera Division schon zwei Niederlagen hinnehmen müssen, Real Madrid kassierte bereits das dritte Unentschieden, die beiden Top-Klubs hecheln der Konkurrenz hinterher, Villarreal führt vor Celta Vigo. Von wegen, dass die Meisterschaft in Spanien nur eine Angelegenheit zwischen zwei Klubs ist. Ähnlich in England, wo Titelverteidiger Chelsea London nicht in die Gänge kommt und nach acht Spielen erst acht Punkte geholt hat. Trainer José Mourinho hat zwar nicht an Selbstbewusstsein verloren („Einen besseren Trainer bekommen sie nicht“), aber ratlos ist er trotzdem. Vorne tummeln sich mit Manchester City, Arsenal London und Manchester United zwar drei Favoriten, aber sie haben sich alle international in der Champions League bereits blamiert. Ähnlich sieht es in Italien aus, Titelverteidiger Juventus Turin ist wie Chelsea in England nur 16. und schaut sich den Titelkampf derzeit nur mit dem Fernglas an. Nur Paris marschiert in Frankreich vorne weg, zeigt aber keineswegs große Form.

Barcelona hat es doppelt schwer

Was ist also los? Gut, bei Barcelona ist Superstar Lionel Messi verletzt, Barca wurde quasi das Herz gestohlen. Aber das zeigt auch die Unwägbarkeiten im Sport, wenn es wirklich um die Entscheidung geht: Da spielen Verletzungen eine große Rolle, da darf das Glück nicht fehlen, da muss im entscheidenden Moment alles passen. Barcelona muss noch gegen den Fluch des Siegers ankämpfen: Noch nie wurde in der Champions League der Titel erfolgreich verteidigt!

Das spricht wiederum für den FC Bayern München. Der Deutsche Meister hat aus der Vergangenheit gelernt und seinen Kader noch breiter aufgestellt. Verletzungen sollen die Mannschaft nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Das zeigt sich derzeit deutlich: Einst waren die Flügelflitzer Arjen Robben und Franck Ribery unentbehrlich, jetzt wird ihr Fehlen gar nicht bemerkt, Douglas Costa und Kingsley Cowman flitzen auf den Flügeln, dass es eine Freude ist – nur für die Gegner nicht. Die Bayern sind in der Champions League noch ohne Gegentor und siegten in der Bundesliga in den ersten acht Spielen im Schnitt mit 3:5:0,5 Toren. Noch Fragen?

In München bleiben sie allerdings auf dem Teppich. Gut so, denn im Frühjahr kann es eben ganz anders ausschauen. Zuletzt hatte das Timing nicht gestimmt, im Herbst wurde gewonnen, im Frühling die Pokale verspielt. Das soll diesmal anders sein, Torjäger Thomas Müller macht seinen Mitspielern Beine: „Wir dürfen nicht nachlassen, wir müssen jedes Spiel gewinnen.“ Na ja, zumindest den entsprechenden Ehrgeiz entwickeln und Einsatz zeigen, um wirklich zu gewinnen. Eine Saison ohne Niederlage wird kaum möglich sein. Aber eins zeigt sich: Die Bayern haben keine Überfigur wie Messi in Barcelona oder Cristiano Ronaldo bei Madrid. Sie könnten höchstens Probleme bekommen, wenn der beste Torhüter der Welt ausfällt. Einzig für Manuel Neuer gibt es keinen adäquaten Ersatz.

Aber noch ist ja Herbst. Schon heute allerdings wird die Spannung zusätzlich angeheizt. Bleibt Bayern auf der Siegesstraße, kommt die Konkurrenz endlich in Form? International bekommt die Saison einen zusätzlichen Reiz!

Bayern kassierte bereits 533,3 Millionen

Übrigens: Bayern München ist derzeit nicht nur sportlich die Nummer 1, sondern in der Champions League auch der Krösus. Das hat zumindest die Fachzeitung kicker ausgerechnet. Seit Einführung der Champions League gingen 10 Milliarden Euro aus der Vermarktung an 129 Klubs. 30 Vereine haben mehr als 100 Millionen Euro kassiert! Bayern München bekam am meisten, wobei hier auch die dominierende Rolle in Deutschland pures Geld wert ist. 533,3 Millionen Euro waren es für die Münchner, Manchester United ist mit 516,4 Millionen die Nummer 2, Real Madrid kassierte 507,3 und Barcelona 502,9 Millionen. Borussia Dortmund ist als Elfter der Geldliste die Nummer 2 in Deutschland und erhielt bisher 229,4 Millionen Euro, Schalke (17.) 172,3 und Leverkusen (19.) 163,9 Millionen. In der Champions League gibt es also offensichtlich wirklich die Lizenz zum Gelddrucken!

Die Justiz muss die FIFA retten

Man glaubt es kaum, es gab eine Zeit, da hatte der Fußball-Weltverband FIFA Schulden und lebte keineswegs in Saus und Braus. Heute hat die FIFA Millionen auf ihrem Konto, gilt als reich, aber auch geldgierig und korrupt. Geschafft hat dies unter anderem ihr derzeitiger Präsident Joseph Blatter. Er hat Millionen gescheffelt, gleichzeitig aber auch den Ruf des Weltverbandes ruiniert und so macht die FIFA heute eher den Eindruck eines Verbrechersyndikats. Nicht umsonst ermitteln die Justizbehörden in den USA und der Schweiz wegen dunkler Geschäfte. Eigentlich müssten sie die Funktionäre in Angst und Schrecken versetzen, denn wer von der Justiz verfolgt wird, schläft gemeinhin nicht mehr besonders gut. Das scheint in der Fußball-Welt anders zu sein. Viele sehen die Ermittlungen als Licht im Tunnel. Anders gesagt: Die Justiz muss die FIFA retten! Nur wenn korrupte Funktionäre aus dem Verkehr gezogen werden, kann sich der Weltverband erneuern.

Eine besondere Rolle spielt natürlich der Präsident auf Abruf, Joseph Blatter, gegen den jetzt die Schweizer Behörden auch ermitteln und dem schlimmstenfalls Gefängnis droht. Doch welche Gelder auch verschoben wurden, welche dubiosen Geschäfte auch getätigt wurden, der gute Sepp sieht sich als schuldlos an, er habe nichts Verbotenes getan. Bei Blatters Selbsteinschätzung ist man platt. Hält er Korruption für etwas Normales? Im Auftrag der FIFA war Korruption offensichtlich Alltag, übliches Geschäftsgebaren also. Oder leidet der 79jährige ganz einfach an einer Bewusstseinsstörung, die man alten Leuten ja manchmal nachsagt.

Schlecht für den Weltverband, auch der aussichtsreichste Kandidat als Nachfolger Blatters, UEFA-Präsident Michel Platini, ist jetzt im Visier der Ermittler. Eine Zahlung von zwei Millionen Euro gilt als dubios und eigentlich können es Blatter und Platini nicht richtig erklären, welch wertvolle Arbeiten zwei Millionen (verspätet und zu einem delikaten Zeitpunkt rund um eine Wahl gezahlt) Wert waren. Platini hat mit der WM-Vergabe nach Katar mit einem Posten im Scheichtum für seinen Sohn schon eine unrühmliche Rolle gespielt. Der Sport-Grantler hatte schon am 1. August erkannt: „Platini auf den Spuren von Sepp Blatter“. Viele in der FIFA wollen es vielleicht so: Mit Platini ändert sich nichts, auch bei Platini ist man platt!

Es ist die Crux beim Fußball-Weltverband, dass er dringend erneuert werden muss, dass aber die alten Strukturen der vielen unterschiedlichen Verbände und Interessen nicht so einfach aufgebrochen werden können. Der Sport-Grantler will keine Länder und keine Funktionäre unschuldig an den Pranger stellen, aber viele werden so reagieren, wie man es bei der FIFA gewohnt ist: „Natürlich bin ich für eine Veränderung, alles soll besser und ehrlicher werden. Ich bin dafür, wenn auch mein Verband davon profitiert, Gelder müssen schließlich weiterhin fließen…“ Das „mein Verband“ darf man gern auch mit „ich“ übersetzen.

Schwachsinn am Rande der Diskussion ist die Einmischung von Politikern. Da hört man den tollen Rat, dass sich der DFB für einen neuen Weltverband einsetzen soll, für einen sauberen Fußball ohne FIFA. Wer glaubt hier an Märchen, wie soll das organisatorisch gehen? Das sind Äußerungen von Ahnungslosen und Laien. Ihnen kann man nur einen guten Rat geben: Schweigen. Natürlich kann man die FIFA nicht abschaffen, sie muss von innen heraus reformiert werden, aber ob das möglich ist, steht in den Sternen. Der gute Wille ist bei vielen noch nicht sichtbar. So fehlt auch der internationale Druck, um Joseph Blatter endlich zum sofortigen Rücktritt zu bewegen. Das wäre der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Wer auch immer neuer Präsident wird und es ehrlich meint, den Saustall aufzuräumen, steht vor einer Herkulesaufgabe, an der jeder eigentlich nur scheitern kann. Er wird zu viele Knüppel zwischen die Beine bekommen. Dem DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der als Kandidat gehandelt wird, kann man nur raten, sich diese Aufgabe nicht aufzuhalsen.

Die zwei Seiten des Fußballs: Lebenshilfe und Geldmaschine

In den letzten Monaten scheint zumindest zum Teil die Welt aus den Fugen geraten zu sein. Eine Horrormeldung jagt die andere, Kriege, Attentate, Schrecken überall, Menschen auf der Flucht. Dazwischen sicherlich die Kunst, vor allem aber der Sport als eine Oase der Glücksseligen. Vor allem der Fußball beherrscht weiterhin weltweit die Schlagzeilen. In diesen Tagen kommen aber auch mal andere Gedanken auf und da zeigen sich die zwei Seiten des Fußballs – nämlich zwischen Lebenshilfe und Geldmaschine.

Der Fußball an der Basis ist sicherlich eine Art Lebenshilfe. Das war er schon früher so, als der Fußball am Sonntag in einem Dorf auf dem Land das Ereignis der Woche war. Da traf sich die Dorfbevölkerung nach Kirche und Frühschoppen am Vormittag. Auch da schon zeigte sich der Fußball auch völkerverbindend, als die ersten Ausländer anfangs wohl zaghaft, aber dann immer mehr in die Vereine eintraten und bei entsprechenden Künsten auch zu Publikumslieblingen wurden. Diese Bedeutung hat der Fußball auf dem Land heute leider ein bisschen verloren. Es gibt zu viel andere Ablenkung.

Der Fußball verbindet aber auch heute noch und gibt zum Beispiel manchen Flüchtlingen Hoffnung oder zumindest Trost im grauen Alltag. Es braucht nicht mehr als einen Ball und schon steigt die Stimmung, da gibt es auch mal ein Lachen, wo sonst nur ernste Gesichter vorherrschen. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Flüchtlinge und einige organisieren auch ein Fußballtraining oder sogar ein Spiel. Die Vereine laden Flüchtlinge ein, sorgen so für ein bisschen Sonne im tristen Leben. Der Fußball schafft es, die Gedanken an schlimme Geschehnisse in der Vergangenheit zu verdrängen. Das ist die gute Seite des Fußballs.

Wir wissen: Der Fußball ist auch eine Geldmaschine. Der Profisport verbindet nicht, sondern trennt eher. Da die Fans des einen Klub, dort die des Konkurrenten, wir müssen schon froh sein, wenn solche Aufeinandertreffen nicht in Gewalt ausarten. Im Profi-Fußball geht es nur um zwei Dinge: Erfolg und Gewinn. Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt, der Spieler ist das Mittel zum Zweck, die Fans haben die Aufgabe für Stimmung zu sorgen. Sie sind – quasi unfreiwillig und zwangsläufig – ein Teil dieser Geldmaschine, die unbeirrt läuft. Der Fußball als weltweit populärster Sport zieht die Sponsoren an, zieht das Fernsehen an, zieht die Fans an und es darf kassiert werden: Von Vereinen, von Spielern und ihren Beratern. Millionen gehen über den Tisch und in die Taschen und der einfache Mensch fragt sich: Muss das sein? Muss nicht, aber so ist das Geschäft. Angebot und Nachfrage regeln bekanntlich den Markt. In England zum Beispiel fließen die Gelder vom Fernsehen und der Vermarktung, die Vereine sorgen für Durchfluss, vom TV zum Spieler, horrende Verträge sorgen für Aufsehen und Aufregung. Viele fragen sich: Wann platzt die Blase? Kein Wunder, dass dieses Geschäft auch zur Korruption animiert (die FIFA lässt grüßen).

Egal, ob Dorf-Fußball, Flüchtlingshilfe oder Profi-Fußball, es braucht nicht mehr als nur einen Ball und schon sind die Menschen elektrisiert. Der Sport-Grantler ist sich nicht sicher, ob die Geschichte mit Adam und Eva und dem Apfel so stimmt. Lockte nicht eher ein Fußball Adam aus dem Paradies…

Golfland Deutschland

Viele werden mit einem Blick auf die Überschrift sagen, „fehlt da nicht ein Fragezeichen?“ Nein, es fehlt nicht, denn in den nächsten Tagen präsentiert sich Deutschland wirklich als „Golfland“, obwohl der Deutsche Golf-Verband mit der Entwicklung des Golfs hierzulande beileibe nicht zufrieden ist. Golf wird in der Öffentlichkeit immer noch als elitärer Sport wahrgenommen, nicht als Breitensport und nicht als Spitzensport. Was fehlt sind positive Schlagzeilen und entsprechende Fernsehzeiten, damit Golf im Blickfeld der Öffentlichkeit wirklich existiert. Das sollte im September ein bisschen anders sein, aber ob Golf wirklich einen Sprung nach vorne macht? Wir werden sehen.

Drei Veranstaltungen sind es, die als Lokomotive für Golf in Deutschland herhalten sollen. Zunächst einmal der Solheim Cup, der Kontinentalvergleich zwischen den USA und Europa der Damen, also das Pendant zum bekannteren Ryder Cup der Herren. Der Solheim Cup wird vom 18. – 20. September auf dem Platz St. Leon-Rot in der Nähe von Heidelberg gespielt. Selbst Tiger Woods schlug dort schon ab. Danach sind die Herren dran, und zwar vom 24. – 27. September bei den Porsche European Open in Bad Griesbach. Zwei Veranstaltungen, die Hoffnung geben, eine dritte ist die größte Hoffnung, steht aber in den Sternen: Deutschland würde zu gern den Ryder Cup 2022 ausrichten. Die Bewerbung für 2018 scheiterte, aber die Stimmung ist heute eine andere. Dennoch: Der Ryder Cup ist eigentlich ein Weltereignis, wird als solches von der deutschen Öffentlichkeit aber nicht so gesehen.

Der Ryder Cup ist ein Phantom, der Solheim Cup ist Tatsache. Die Organisatoren wollen 100.000 Menschen mobilisieren, die an den drei Veranstaltungstagen nach St. Leon-Rot pilgern sollen. 20 Stunden Fernsehübertragung im Hauptprogramm der ARD bzw. bei SWR und EinsPlus sind für den Golfsport fast schon so etwas wie ein Weihnachtsgeschenk, denn Golf findet ansonsten nur im Bezahlfernsehen statt. Ein Glücksfall auch, dass sich mit Sandra Gal (sportlich qualifiziert) und Caroline Masson (per Wild Card, wohl als Verbeugung vor dem deutschen Ausrichter) zwei deutsche Spielerinnen im Team Europa befinden. In der Weltrangliste sind sie nur auf den Plätzen 41 bzw. 76 zu finden. Sie haben aber das Zeug, Europa zu helfen, den Titel erfolgreich zu verteidigen, Favorit sind allerdings die USA mit Stacy Lewis an der Spitze, die Nummer 3 der Welt.

Starke Auftritte der deutschen Spielerinnen würden dem Golf in Deutschland helfen. Starke Auftritte der deutschen Herren sind in diesem Jahr leider selten. Zuletzt hatte am meisten noch Senior Bernhard Langer für Aufsehen gesorgt, als er zwei Jahren hintereinander Senior-Champion war. Sein Nachfolger Martin Kaymer war zwar mal die Nummer 1 der Welt, konnte in diesem Jahr aber selten an frühere Erfolge anknüpfen. Es begann schon damit, dass er beim Masters den Cut verpasste. Zweimal geteilter Zwölfter bei den British Open und PGA Championship reißen von den Sportfans in Deutschland keinen von den Sitzen. Sportfans wollen Helden feiern.

Noch also ist Deutschland kein Golfland. Die Zuwachsrate der neuen Spieler wurde in den letzten Jahren auch geringer, etwa 650.000 spielen in Deutschland derzeit Golf, sie können das auf 742 Anlagen. Die Basis wäre da, aber der Boom fehlt. Nur internationale Erfolge können Deutschland zum Golfland machen, können die Jugend zum Griff nach dem Golfschläger animieren. Die Aufforderung an Gal, Kaymer und Co.: Gewinnt mal schön! Prognose vom Sport-Grantler: Ein Golfland wird Deutschland leider nie.

Basketball auf den Spuren des Fußballs

Wenn man nach den drei beliebtesten Sportarten in Deutschland fragt, dann bekommt man oft die Antwort: Fußball, Fußball, Fußball. König Fußball regiert und dominiert auch die Einschaltquoten im Fernsehen. Insofern stimmt die dreifache Fußball-Antwort, denn nicht nur die Bundesliga, sondern auch die zweite und sogar die dritte Liga im Fußball ziehen mehr Zuschauer im TV an als die Basketball-Bundesliga. Aber das geht jeder Sportart so. Kein Wunder also, dass alle anderen Sportarten danach lechzen, einmal aus dem Schatten des Fußballs zu treten. Das sollte dem Basketball jetzt mit der Europameisterschaft in gleich vier Nationen ein wenig gelingen. Vielleicht auch deshalb, weil sich Basketball dabei auf den Spuren des Fußballs bewegt.

Wie stolz war doch UEFA-Präsident Michel Platini auf seine Idee, die Fußball-Europameisterschaft 2020 auf ganz Europa zu verteilen, zum Jubiläum eine echte „Europameisterschaft“. Zwangsläufig wird hier Basketball zum Vorreiter, denn der kriegerische Konflikt in der Ukraine verhinderte die geplante Austragung in dem Land. So sprang Frankreich als Hauptveranstalter ein, die Vorrunden vom 5. bis 10. September werden auch in Deutschland, Kroatien und Lettland gespielt. Die entscheidenden Spiele finden dann vom 12. bis 20. September in Lille statt. Sinnigerweise in einem Fußballstadion! Das Stade Pierre-Mauray verfügt über zwei Ebenen und kann in eine Halle verwandelt werden. 27.000 Zuschauer kamen da zum Tennis-Davis-Cup gegen die Schweiz, jetzt hoffen die Franzosen auch auf ein Basketball-Fieber. Das dann wohl ausbrechen wird, wenn Frankreich seiner Rolle als Favorit gerecht wird.

Neben Frankreich gelten vor allem Spanien und Serbien als Titelanwärter. Deutschland muss da kleinere Brötchen backen, das Augenmerk liegt auf der Olympia-Qualifikation. Die beiden Finalisten sind direkt dabei, die Teams auf den Rängen drei bis sieben müssen bzw. dürfen in ein vorolympisches Qualifikationsturnier. Da will Deutschland dabei sein!

Zunächst gilt es, die Vorrunde zu überstehen, vier Nationen kommen weiter. Deutschland genießt den Heimvorteil in Berlin, hat aber harte Brocken als Gegner. Außenseiter ist allein Island, die Favoriten Serbien und Spanien gelten als unschlagbar, gegen die Türkei und Italien geht es also um Rang drei. Hoffnung: Die Türken verzichten freiwillig auf ihren besten Spieler Canter, die Italiener gelten als routiniert, aber langsam.

Dirk Nowitzki und der Traum von Olympia

Wer bei der Europameisterschaft vorne mitspielen will, der muss Verstärkung aus Übersee in seinen Reihen haben, nämlich Stars aus der NBA. Die diktieren das Spiel und machen den Unterschied aus. Deutschland hat einen alten und neuen Superstar dabei, die NBA-Größe Dirk Nowitzki und die NBA-Hoffnung Dennis Schröder, dazu spielt auch Tibor Pleiß künftig bei den Profis. Nowitzki bewegte seine müden Knochen noch einmal Richtung Europa, weil er noch einen Olympia-Traum hat. Peking 2008, als er Fahnenträger der deutschen Mannschaft war, war auch für den hartgesottenen Profi ein Erlebnis, das will er in Rio 2016 wiederholen. Damit dies klappt, muss aber wirklich alles passen. Nowitzki selbst vor allem in Bestform sein. Danach sah es in der Vorbereitung allerdings nicht aus. Aber wir wissen seit Katja Ebstein und ihrem Hit: Wunder gibt es immer wieder. Schröder soll ihn in der Führungsrolle unterstützen.

Zumindest für ein paar Stunden wird Basketball in Europa aus dem Schatten des Fußballs treten können, auch wenn die Spiele um die EM-Qualifikation den Fußball natürlich in die Schlagzeilen bringen. Frankreichs Basketballer zumindest aber könnten den Fußballern im eigenen Land die Show stehlen, schließlich sind die schon für 2016 qualifiziert.

Die Vorrunden-Gruppen der Basketball-EM:

Gruppe A (in Montpellier/Frankreich): Polen, Bosnien-Herzegowina, Israel, Russland, Frankreich, Finnlan.

Gruppe B (in Berlin/Deutschland): Deutschland, Island, Spanien, Serbien, Italien, Türkei.

Gruppe C (in Zagreb/Kroatien): Georgien, Niederlande, Mazedonien, Griechenland, Kroatien, Slowenien.

Gruppe D (in Riga/Lettland): Tschechien, Estland, Belgien, Lettland, Litauen, Ukraine.

EM-Qualifikation: Probleme für den Weltmeister und andere Favoriten

Wie heißt es so schein im Fußball: Es gibt keine Kleinen mehr. Na gut, die ganz Kleinen können die ganz Großen mal ärgern, aber auf Dauer doch nicht wirklich Paroli bieten. Die nicht ganz so Kleinen, die aber begehren in der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft auf. Sie sorgen bisher dafür, dass selbst der Weltmeister und andere Favoriten so ihre Schwierigkeiten bekommen.

Erstmals in der neuen Saison steht wieder eine „Woche des Fußballs“ an. So nennen die Erfinder ihren Spielplan, der auseinandergezogen wurde, aber eigentlich auch für einen Spannungsverlust sorgt. Von Donnerstag, 3. September, bis Dienstag, 8. September, ziehen sich jetzt zahlreiche Qualifikationsspiele hin. Kompakte Spieltage mit allen Gruppen waren dem Sport-Grantler lieber. Spannend wird es dennoch, denn jetzt gelten keine Ausreden mehr, gibt es kein Pardon, jetzt tritt der Ernstfall ein im Kampf um die EM-Plätze. Als die Entscheidung fiel, dass erstmals 24 Nationen am Endturnier teilnehmen dürfen (bisher 16), da galt dies als Spannungstöter, weil die sogenannten Großen in der Qualifikation vor einem Spaziergang stehen würden. Doch dem ist nicht. Bisher haben allein England und die Slowakei (!) mit jeweils sechs Siegen die volle Punktzahl erreicht.

So sieht es in den Gruppen aus und manche Favoriten sind zum Siegen verdammt.

Gruppe A: Island (15 Punkte) führt vor Tschechien (13) und den Niederlanden (10). Bei den Holländern gab „Bondscoach“ Guus Hiddink auf, er brachte den „Oranje“ kein Glück. Gegen Island muss jetzt gewonnen werden und auch am Sonntag in der Türkei. Auch Tschechien erwarten die Niederländer noch zu Hause.

Gruppe B: Wales (14) führt vor dem Favoriten Belgien (11) und Zypern sowie Israel (je 9). Auch Bosnien-Herzegowina (8) hat noch Chancen. Wales ist die Überraschung, hier kann noch alles passieren.

Gruppe C: Die Slowakei (18) marschiert und profitiert vom 2:1-Überraschungssieg über Spanien (15). Das Rückspiel steht gleich für Samstag auf dem Plan, der Titelverteidiger muss aufpassen, dass er nichts Straucheln gerät.

Gruppe D: Natürlich war der Weltmeister der große Favorit, aber nach dem Titelgewinn in Brasilien fand Deutschland nicht in die Spur. Jetzt stehen die entscheidenden Spiele gleich zum Start der heißen Phase an. Am Freitag erwartet Deutschland (13) Tabellenführer Polen (14) und muss am Montag zum Dritten, Schottland (11). Bundestrainer Joachim Löw verspricht zwei Siege, die Spieler sind zuversichtlich („Wir werden uns durchsetzen“), doch die Realität sieht bisher anders aus. Löw muss seine Schützlinge sofort in Form bringen, bangt aber noch um Spielmacher Mesut Özil. Der Weltmeister nicht bei der Europameisterschaft dabei, das kann sich keiner vorstellen. Die Spieler sollten den Fokus nicht auf das Endturnier richten („Wir wollen Europameister werden“), sondern erst einmal die Qualifikation bestehen. Vorteil: Wenn es darauf ankam, war Deutschland immer stark.

Gruppe E: England (18) im Aufwind und klarer Tabellenführer, die Schweiz (12) ist erster Verfolger und muss sich Slowenien (9) vom Leib halten. Eine Vorentscheidung kann dabei im direkten Duell am Samstag fallen.

Gruppe F: Eine Gruppe ohne Favoriten, Rumänien (14) führt vor Nordirland (13) und Ungarn (11). Für die Ungarn, deren bisheriger Trainer Pal Dardai nun ganz Hertha BSC Berlin dient, steht das entscheidende Wochenende an: Rumänien und Nordirland sind die Gegner. Zwei Niederlagen würden das Aus bedeuten.

Gruppe G: Österreich (16) ist das Überraschungsteam und führt die Tabellen vor Schweden (12) an. Mehr hatte man von Russland (8) erwartet, wo Trainer Fabio Capello gehen musste. Ob da noch einmal die Wende gelingt?

Gruppe H: Kroatien (14) liegt vor dem Favoriten Italien (12) und Norwegen (10). Also auch hier ein Dreikampf um zwei Plätze. Das entscheidende Spiel könnte am letzten Spieltag sein, wenn Italien am 13. Oktober Norwegen erwartet.

Gruppe I: Portugal (12) führt in der Fünfer-Gruppe, aber Albanien hat Dänemark (beide 10) geschockt. Am Samstag steht das direkte Duell an (Hinspiel in Albanien 1:1).

Für die Europameisterschaft qualifizieren sich jeweils die Gruppensieger und Gruppenzweiten sowie der beste Gruppendritte. Die anderen Dritten ermitteln in Play-Offs mit Hin- und Rückspiel im November die vier weiteren EM-Teilnehmer, nur Gastgeber Frankreich ist direkt qualifiziert. Am 12. Dezember werden in Paris die sechs Vorrundengruppen der EM ausgelost, am 10. Juni 2016 bestreitet Frankreich im „Stade de France“ in Saint-Denis das Eröffnungsspiel. Dort findet am 10. Juli auch das Finale statt. Gespielt wird außerdem in Lens, Saint-Etienne, Toulouse und Marseille sowie in Bordeaux, Decines-Charpieu (bei Lyon), Nizza und Villeneuve-d’Ascq (bei Lille), wo jeweils neue Stadien gebaut wurden.

So gibt es bei den Sportfans in aller Welt sicherlich eine gewisse Vorfreude auf 2016 mit den Höhepunkten Fußball-Europameisterschaft und Olympische Sommerspiele in Rio de Janeiro im August.

Das ist los im Fußball Europas

Jetzt haben in Europa endgültig alle Ligen mit der Saison 2015/16 begonnen. Gleich zu Beginn gab es einige Überraschungen und überall auf dem Kontinent steigt damit die Lust auf Fußball. Der Sport-Grantler gibt einen Überblick, was in Europas Fußball so läuft. Diese Woche kann die Saison ganz entscheidend beeinflussen, denn die Auslosungen für Champions League und Europa League stehen bevor, außerdem werden Europas beste Fußballer bzw. Fußballerin gewählt.

Der Blick geht also nach Monte Carlo, dort finden die Wahlen und die Auslosungen statt. Zuerst ein Blick auf die Wahlen. Bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres haben eher Außenseiter eine Chance als bei der Wahl zum Weltfußballer. So siegte 2013 Franck Ribery (Bayern München) und 2012 Andres Iniesta (FC Barcelona). Titelverteidiger ist allerdings ein alter Bekannter, der Portugiese Cristiano Ronaldo, der nun zum fünften Mal in Folge unter den letzten drei Kandidaten rangiert. Favorit am Donnerstag ist allerdings sein Dauerrivale Lionel Messi, der ihm mit dem FC Barcelona alle Titel wegschnappte: Meisterschaft und Pokal in Spanien sowie die Champions League. Ihm zur Seite stand der Uruguayer Luiz Suarez, der Dritte im Bunde. Messi siegte bereits 2011 und 2009 und könnte gegenüber Ronaldo wieder einmal in Führung gehen (Sieger 2014 und 2008).

Bei den Frauen dominiert wieder einmal Deutschland, was nicht verwundert, denn in Europa ist Deutschlands Frauen-Fußball seit Jahren dominierend. Auch hier stehen die Sieger der Champions League im Mittelpunkt, nämlich Dzsenifer Marozsan und Celia Sasic vom 1. FFC Frankfurt. Sasic war auch Torschützenkönigin bei der Weltmeisterschaft in Kanada, als Deutschland Vierter wurde. Dritte im Bunde ist hier die Französin Amandine Henry von Olympique Lyon. Ihr Nachteil: Es gab für sie keine Pokale.

Neues in der Champions League

Gespannt schaut die Fußball-Welt aber vor allem auf die Auslosung der Champions League. Hier gibt es eine gravierende Neuerung: Nicht die besten Klubs der Rangliste werden in Topf 1 gesetzt, sondern die Meister der sieben Top-Nationen plus dem Titelverteidiger. So bilden am Donnerstag der FC Barcelona, Bayern München, Chelsea London, Juventus Turin, Benfica Lissabon, Paris St. Germain, Zenit St. Petersburg und der PSV Eindhoven Topf 1. Aus Topf 2 können ihnen schwere Gegner zugelost werden, Real Madrid, Atletico Madrid, FC Porto, Arsenal London und Manchester City sind darin. Ob es dadurch wirklich mehr Gerechtigkeit gibt? Nun gut, die Meister sollen vorne stehen, schließlich ist es die Champions League. Am 15./16. September geht es dann los, das Achtelfinale beginnt 23./24. Februar 2016. Die Europa League wird am Freitag ausgelost.

Erst nach der Gruppenauslosung sollte man sich Gedanken machen, wie es denn in der Champions League laufen kann. Die Favoriten stehen allerdings bereits vorher fest, es sind auch bei den Vereinen die alten Bekannten wie FC Barcelona, Real Madrid, Bayern München und die großen Herausforderern aus England zusammen mit Juventus Turin, dem ehrgeizigen Scheich-Klub Paris St. Germain und dem Außenseiter FC Porto. Eines ist gewiss, es gibt viel Geld zu verdienen, allein die Antrittsprämie beträgt 12 Millionen Euro, dazu gibt 1,5 Millionen für einen Sieg (zum Vergleich Europa League Antrittsgeld 2,4 Millionen, Sieg 360.000).

Anstrengungen in Italien

Kein Wunder, dass die Champions League bei den Vereinen begehrt ist. So kämpfen die einzelnen Ligen auch darum, in der Fünfjahreswertung Europas vorne dabei zu sein, denn nur die ersten drei Nationen stellen drei feste Teilnehmer plus einen für die Qualifikation. Für Deutschland gehen so neben Bayern München auch der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach an den Start, Bayern Leverkusen muss noch mit Lazio Rom (Hinspiel 0:1) um den Platz kämpfen. Dominierend sind die Klubs aus Spanien, mit dem FC Barcelona und FC Sevilla haben sie auch die beiden Pokale abgeräumt. Im Moment liegt England noch auf Rang zwei der Rangliste vor Deutschland, das aber im nächsten Jahr, das steht fest, vorbeiziehen wird. Im Hintergrund lauert vor allem Italien. Dort unternehmen die Spitzenklubs derzeit viel, um wieder zu Europas Spitze zu gehören. Juve ließ ja schon mit der Endspielteilnahme aufhorchen, bezeichnend, dass das Finale am 28. Mai 2016 in Mailand steigt.

Beim Start in die neue Saison haben allerdings einige Spitzenklubs Europas einen Dämpfer hinnehmen müssen. Juve kam gegen Udinese Calcio ebenso nicht über ein Unentschieden hinaus wie Real Madrid beim Neuling Sporting Gijon. In England schwächelt Meister FC Chelsea, hat nach drei Spielen erst vier Punkte. Vorne noch ohne Punktverlust Manchester City vor dem Überraschungsteam Leicester City und Manchester United. Genauso stark auch Paris St. Germain in Frankreich. Der Meister und Pokalsieger des Vorjahres ist mit dem neuen Torhüter Kevin Trapp (von Eintracht Frankfurt) sogar noch ohne Gegentor!

In der Bundesliga ist Borussia Dortmund die große Überraschung mit zwei 4:0-Siegen. Das bedeutet erstmals seit September 2013 wieder die Tabellenführung vor Bayern München und Bayer Leverkusen. Die negative Überraschung ist dagegen Borussia Mönchengladbach mit zwei Niederlagen am Tabellenende. Das lässt zum derzeitigen Zeitpunkt für die Champions League nichts Gutes ahnen…

Leichtathletik-WM: Doping-Schatten über dem Vogelnest

Einst wurde die Leichtathletik als die „Königin der Olympischen Sommerspiele“ geadelt. Doch inzwischen ist der Lack ab. Im internationalen Sport nimmt die Leichtathletik keine Spitzenstellung mehr ein, neue, moderne Sportarten haben ihr den Rang abgelaufen, auch wenn sie – allein schon vom Umfang her – ein Herzstück Olympias bleiben wird. Aber die Leichtathletik kämpft derzeit auch um ihren guten Ruf und es stehen entscheidende Tage an: Die Weltmeisterschaft in Peking vom 22. bis 30. August. Allerdings liegen Doping-Schatten über dem Vogelnest.

Laufen, Springen, Werfen – die Leichtathletik gehört zum Ursprung des Sports. Sie war populär, weil jedes Kind irgendeine Disziplin im eigenen Garten ausführen konnte. Laufen, Springen, Werfen gehören zu den normalen Bewegungsabläufen. Über Jahrzehnte hinweg gab es keine Nachwuchssorgen, doch das ist heute anders. Laufen, Springen, Werfen machen die Kids nicht mehr selbst, sondern höchstens noch am Computer. Folge zum Beispiel in Deutschland: Der Nachwuchs fehlt. Da hat die Leichtathletik die gleichen Sorgen wie alle anderen Sportarten mit Ausnahme des Fußballs.

Eine Weltmeisterschaft könnte wieder für Begeisterung sorgen, doch wenn solche Schatten wie diesmal über der WM von Peking liegen, dann kann von einer wirksamen PR nicht mehr gesprochen werden. Nicht nur der Smog Pekings liegt bleiern über dem Vogelnest genannten Olympiastadion von 2008, sondern vor allem der Doping-Schatten drückt auf die Stimmung. Deutsche und britische Journalisten haben einen Doping-Sumpf aufgedeckt, immer neue Vorwürfe kommen ans Tageslicht. Vor allem russische Sportlerinnen und Sportler scheinen betroffen zu sein, nach den Recherchen soll ungefähr ein Drittel aller WM- und Olympia-Medaillengewinner von 2001 bis 2012 dopingverdächtige Werte gehabt haben! Und der Weltverband IAAF schwieg dazu! Ähnlich wie beim Radsport heißt es wohl: Einmal kommt alles ans Tageslicht.

Zweikampf Coe gegen Bubka

Da passt es, dass in Peking auch eine neue Ära im Leichtathletik-Weltverband anbrechen soll. Der Senegalese Lamine Diack, immerhin schon 82 Jahre alt, tritt nach einer 16 Jahre dauernden und von Korruption und wenig Fortschritt geprägten Präsidentschaft endlich zurück. Kandidaten für seine Nachfolge, die am 19. August gewählt werden, sind zwei Ex-Weltrekordler: Der Brite Sebastian Coe (58 Jahre), einst der weltbeste Mittelstreckler, und Sergej Bubka (51), einst Überflieger im Stabhochsprung. Coe gilt als Favorit, aber sein Kontrahent aus der Ukraine hat einen perfiden, aber für Präsidentschaftskandidaten üblichen Plan offengelegt: Er verspricht vor allem den afrikanischen Staaten großzügige Unterstützung, unter anderem Neubauten für Verbände. Da sind ihm viele Stimmen sicher.

Doping, Korruption, Smog – wo bleibt der Sport? Er gerät bekanntlich überall immer mehr ins Hintertreffen, ist nur noch ein Mittel zum Zweck. Das Geschäft zählt. Die Athleten werden sich nicht beeindrucken lassen und um Gold, Silber und Bronze kämpfen und hoffen, dass die Kontrahenten auch wirklich sauber sind. Der Sport-Grantler wartet auf ein Wunder, auf das Wunder, dass ein Sieger hinterher gesteht, „ich nehme die Medaille nicht an, ich habe mich gedopt. Ich wollte nur die Freude eines Sieges auskosten“. Kann es so etwas geben? Na gut, der Sport-Grantler glaubt ja auch an Märchen…

Auch die deutschen Athleten greifen nach Gold, Silber und Bronze, vor allem die Werfer tragen hier die Hoffnungen. Für sie kann man fast die Hand ins Feuer legen, denn in keinem anderen Land wird wohl so streng kontrolliert wie in Deutschland. Kein Wunder, dass die DLV-Athleten auch mangelnde Chancengleichheit beklagen.

Kann man dann bei einer Weltmeisterschaft wirklich noch von einem Fest reden?

Peking wird es egal sein. Die Erinnerungen an die Olympischen Spiele 2008 werden geweckt, das Vogelnest wieder einmal zum Leben erweckt und die Leichtathletik-WM ist ja jetzt nur noch ein Zwischenspiel auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking. Dann wird im Vogelnest bei der Eröffnungsfeier wohl vor allem getanzt… Für pure Freude gibt es im Bezug auf Peking zu viele Schatten.