Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Basketball auf den Spuren des Fußballs

Wenn man nach den drei beliebtesten Sportarten in Deutschland fragt, dann bekommt man oft die Antwort: Fußball, Fußball, Fußball. König Fußball regiert und dominiert auch die Einschaltquoten im Fernsehen. Insofern stimmt die dreifache Fußball-Antwort, denn nicht nur die Bundesliga, sondern auch die zweite und sogar die dritte Liga im Fußball ziehen mehr Zuschauer im TV an als die Basketball-Bundesliga. Aber das geht jeder Sportart so. Kein Wunder also, dass alle anderen Sportarten danach lechzen, einmal aus dem Schatten des Fußballs zu treten. Das sollte dem Basketball jetzt mit der Europameisterschaft in gleich vier Nationen ein wenig gelingen. Vielleicht auch deshalb, weil sich Basketball dabei auf den Spuren des Fußballs bewegt.

Wie stolz war doch UEFA-Präsident Michel Platini auf seine Idee, die Fußball-Europameisterschaft 2020 auf ganz Europa zu verteilen, zum Jubiläum eine echte „Europameisterschaft“. Zwangsläufig wird hier Basketball zum Vorreiter, denn der kriegerische Konflikt in der Ukraine verhinderte die geplante Austragung in dem Land. So sprang Frankreich als Hauptveranstalter ein, die Vorrunden vom 5. bis 10. September werden auch in Deutschland, Kroatien und Lettland gespielt. Die entscheidenden Spiele finden dann vom 12. bis 20. September in Lille statt. Sinnigerweise in einem Fußballstadion! Das Stade Pierre-Mauray verfügt über zwei Ebenen und kann in eine Halle verwandelt werden. 27.000 Zuschauer kamen da zum Tennis-Davis-Cup gegen die Schweiz, jetzt hoffen die Franzosen auch auf ein Basketball-Fieber. Das dann wohl ausbrechen wird, wenn Frankreich seiner Rolle als Favorit gerecht wird.

Neben Frankreich gelten vor allem Spanien und Serbien als Titelanwärter. Deutschland muss da kleinere Brötchen backen, das Augenmerk liegt auf der Olympia-Qualifikation. Die beiden Finalisten sind direkt dabei, die Teams auf den Rängen drei bis sieben müssen bzw. dürfen in ein vorolympisches Qualifikationsturnier. Da will Deutschland dabei sein!

Zunächst gilt es, die Vorrunde zu überstehen, vier Nationen kommen weiter. Deutschland genießt den Heimvorteil in Berlin, hat aber harte Brocken als Gegner. Außenseiter ist allein Island, die Favoriten Serbien und Spanien gelten als unschlagbar, gegen die Türkei und Italien geht es also um Rang drei. Hoffnung: Die Türken verzichten freiwillig auf ihren besten Spieler Canter, die Italiener gelten als routiniert, aber langsam.

Dirk Nowitzki und der Traum von Olympia

Wer bei der Europameisterschaft vorne mitspielen will, der muss Verstärkung aus Übersee in seinen Reihen haben, nämlich Stars aus der NBA. Die diktieren das Spiel und machen den Unterschied aus. Deutschland hat einen alten und neuen Superstar dabei, die NBA-Größe Dirk Nowitzki und die NBA-Hoffnung Dennis Schröder, dazu spielt auch Tibor Pleiß künftig bei den Profis. Nowitzki bewegte seine müden Knochen noch einmal Richtung Europa, weil er noch einen Olympia-Traum hat. Peking 2008, als er Fahnenträger der deutschen Mannschaft war, war auch für den hartgesottenen Profi ein Erlebnis, das will er in Rio 2016 wiederholen. Damit dies klappt, muss aber wirklich alles passen. Nowitzki selbst vor allem in Bestform sein. Danach sah es in der Vorbereitung allerdings nicht aus. Aber wir wissen seit Katja Ebstein und ihrem Hit: Wunder gibt es immer wieder. Schröder soll ihn in der Führungsrolle unterstützen.

Zumindest für ein paar Stunden wird Basketball in Europa aus dem Schatten des Fußballs treten können, auch wenn die Spiele um die EM-Qualifikation den Fußball natürlich in die Schlagzeilen bringen. Frankreichs Basketballer zumindest aber könnten den Fußballern im eigenen Land die Show stehlen, schließlich sind die schon für 2016 qualifiziert.

Die Vorrunden-Gruppen der Basketball-EM:

Gruppe A (in Montpellier/Frankreich): Polen, Bosnien-Herzegowina, Israel, Russland, Frankreich, Finnlan.

Gruppe B (in Berlin/Deutschland): Deutschland, Island, Spanien, Serbien, Italien, Türkei.

Gruppe C (in Zagreb/Kroatien): Georgien, Niederlande, Mazedonien, Griechenland, Kroatien, Slowenien.

Gruppe D (in Riga/Lettland): Tschechien, Estland, Belgien, Lettland, Litauen, Ukraine.

EM-Qualifikation: Probleme für den Weltmeister und andere Favoriten

Wie heißt es so schein im Fußball: Es gibt keine Kleinen mehr. Na gut, die ganz Kleinen können die ganz Großen mal ärgern, aber auf Dauer doch nicht wirklich Paroli bieten. Die nicht ganz so Kleinen, die aber begehren in der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft auf. Sie sorgen bisher dafür, dass selbst der Weltmeister und andere Favoriten so ihre Schwierigkeiten bekommen.

Erstmals in der neuen Saison steht wieder eine „Woche des Fußballs“ an. So nennen die Erfinder ihren Spielplan, der auseinandergezogen wurde, aber eigentlich auch für einen Spannungsverlust sorgt. Von Donnerstag, 3. September, bis Dienstag, 8. September, ziehen sich jetzt zahlreiche Qualifikationsspiele hin. Kompakte Spieltage mit allen Gruppen waren dem Sport-Grantler lieber. Spannend wird es dennoch, denn jetzt gelten keine Ausreden mehr, gibt es kein Pardon, jetzt tritt der Ernstfall ein im Kampf um die EM-Plätze. Als die Entscheidung fiel, dass erstmals 24 Nationen am Endturnier teilnehmen dürfen (bisher 16), da galt dies als Spannungstöter, weil die sogenannten Großen in der Qualifikation vor einem Spaziergang stehen würden. Doch dem ist nicht. Bisher haben allein England und die Slowakei (!) mit jeweils sechs Siegen die volle Punktzahl erreicht.

So sieht es in den Gruppen aus und manche Favoriten sind zum Siegen verdammt.

Gruppe A: Island (15 Punkte) führt vor Tschechien (13) und den Niederlanden (10). Bei den Holländern gab „Bondscoach“ Guus Hiddink auf, er brachte den „Oranje“ kein Glück. Gegen Island muss jetzt gewonnen werden und auch am Sonntag in der Türkei. Auch Tschechien erwarten die Niederländer noch zu Hause.

Gruppe B: Wales (14) führt vor dem Favoriten Belgien (11) und Zypern sowie Israel (je 9). Auch Bosnien-Herzegowina (8) hat noch Chancen. Wales ist die Überraschung, hier kann noch alles passieren.

Gruppe C: Die Slowakei (18) marschiert und profitiert vom 2:1-Überraschungssieg über Spanien (15). Das Rückspiel steht gleich für Samstag auf dem Plan, der Titelverteidiger muss aufpassen, dass er nichts Straucheln gerät.

Gruppe D: Natürlich war der Weltmeister der große Favorit, aber nach dem Titelgewinn in Brasilien fand Deutschland nicht in die Spur. Jetzt stehen die entscheidenden Spiele gleich zum Start der heißen Phase an. Am Freitag erwartet Deutschland (13) Tabellenführer Polen (14) und muss am Montag zum Dritten, Schottland (11). Bundestrainer Joachim Löw verspricht zwei Siege, die Spieler sind zuversichtlich („Wir werden uns durchsetzen“), doch die Realität sieht bisher anders aus. Löw muss seine Schützlinge sofort in Form bringen, bangt aber noch um Spielmacher Mesut Özil. Der Weltmeister nicht bei der Europameisterschaft dabei, das kann sich keiner vorstellen. Die Spieler sollten den Fokus nicht auf das Endturnier richten („Wir wollen Europameister werden“), sondern erst einmal die Qualifikation bestehen. Vorteil: Wenn es darauf ankam, war Deutschland immer stark.

Gruppe E: England (18) im Aufwind und klarer Tabellenführer, die Schweiz (12) ist erster Verfolger und muss sich Slowenien (9) vom Leib halten. Eine Vorentscheidung kann dabei im direkten Duell am Samstag fallen.

Gruppe F: Eine Gruppe ohne Favoriten, Rumänien (14) führt vor Nordirland (13) und Ungarn (11). Für die Ungarn, deren bisheriger Trainer Pal Dardai nun ganz Hertha BSC Berlin dient, steht das entscheidende Wochenende an: Rumänien und Nordirland sind die Gegner. Zwei Niederlagen würden das Aus bedeuten.

Gruppe G: Österreich (16) ist das Überraschungsteam und führt die Tabellen vor Schweden (12) an. Mehr hatte man von Russland (8) erwartet, wo Trainer Fabio Capello gehen musste. Ob da noch einmal die Wende gelingt?

Gruppe H: Kroatien (14) liegt vor dem Favoriten Italien (12) und Norwegen (10). Also auch hier ein Dreikampf um zwei Plätze. Das entscheidende Spiel könnte am letzten Spieltag sein, wenn Italien am 13. Oktober Norwegen erwartet.

Gruppe I: Portugal (12) führt in der Fünfer-Gruppe, aber Albanien hat Dänemark (beide 10) geschockt. Am Samstag steht das direkte Duell an (Hinspiel in Albanien 1:1).

Für die Europameisterschaft qualifizieren sich jeweils die Gruppensieger und Gruppenzweiten sowie der beste Gruppendritte. Die anderen Dritten ermitteln in Play-Offs mit Hin- und Rückspiel im November die vier weiteren EM-Teilnehmer, nur Gastgeber Frankreich ist direkt qualifiziert. Am 12. Dezember werden in Paris die sechs Vorrundengruppen der EM ausgelost, am 10. Juni 2016 bestreitet Frankreich im „Stade de France“ in Saint-Denis das Eröffnungsspiel. Dort findet am 10. Juli auch das Finale statt. Gespielt wird außerdem in Lens, Saint-Etienne, Toulouse und Marseille sowie in Bordeaux, Decines-Charpieu (bei Lyon), Nizza und Villeneuve-d’Ascq (bei Lille), wo jeweils neue Stadien gebaut wurden.

So gibt es bei den Sportfans in aller Welt sicherlich eine gewisse Vorfreude auf 2016 mit den Höhepunkten Fußball-Europameisterschaft und Olympische Sommerspiele in Rio de Janeiro im August.

Das ist los im Fußball Europas

Jetzt haben in Europa endgültig alle Ligen mit der Saison 2015/16 begonnen. Gleich zu Beginn gab es einige Überraschungen und überall auf dem Kontinent steigt damit die Lust auf Fußball. Der Sport-Grantler gibt einen Überblick, was in Europas Fußball so läuft. Diese Woche kann die Saison ganz entscheidend beeinflussen, denn die Auslosungen für Champions League und Europa League stehen bevor, außerdem werden Europas beste Fußballer bzw. Fußballerin gewählt.

Der Blick geht also nach Monte Carlo, dort finden die Wahlen und die Auslosungen statt. Zuerst ein Blick auf die Wahlen. Bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres haben eher Außenseiter eine Chance als bei der Wahl zum Weltfußballer. So siegte 2013 Franck Ribery (Bayern München) und 2012 Andres Iniesta (FC Barcelona). Titelverteidiger ist allerdings ein alter Bekannter, der Portugiese Cristiano Ronaldo, der nun zum fünften Mal in Folge unter den letzten drei Kandidaten rangiert. Favorit am Donnerstag ist allerdings sein Dauerrivale Lionel Messi, der ihm mit dem FC Barcelona alle Titel wegschnappte: Meisterschaft und Pokal in Spanien sowie die Champions League. Ihm zur Seite stand der Uruguayer Luiz Suarez, der Dritte im Bunde. Messi siegte bereits 2011 und 2009 und könnte gegenüber Ronaldo wieder einmal in Führung gehen (Sieger 2014 und 2008).

Bei den Frauen dominiert wieder einmal Deutschland, was nicht verwundert, denn in Europa ist Deutschlands Frauen-Fußball seit Jahren dominierend. Auch hier stehen die Sieger der Champions League im Mittelpunkt, nämlich Dzsenifer Marozsan und Celia Sasic vom 1. FFC Frankfurt. Sasic war auch Torschützenkönigin bei der Weltmeisterschaft in Kanada, als Deutschland Vierter wurde. Dritte im Bunde ist hier die Französin Amandine Henry von Olympique Lyon. Ihr Nachteil: Es gab für sie keine Pokale.

Neues in der Champions League

Gespannt schaut die Fußball-Welt aber vor allem auf die Auslosung der Champions League. Hier gibt es eine gravierende Neuerung: Nicht die besten Klubs der Rangliste werden in Topf 1 gesetzt, sondern die Meister der sieben Top-Nationen plus dem Titelverteidiger. So bilden am Donnerstag der FC Barcelona, Bayern München, Chelsea London, Juventus Turin, Benfica Lissabon, Paris St. Germain, Zenit St. Petersburg und der PSV Eindhoven Topf 1. Aus Topf 2 können ihnen schwere Gegner zugelost werden, Real Madrid, Atletico Madrid, FC Porto, Arsenal London und Manchester City sind darin. Ob es dadurch wirklich mehr Gerechtigkeit gibt? Nun gut, die Meister sollen vorne stehen, schließlich ist es die Champions League. Am 15./16. September geht es dann los, das Achtelfinale beginnt 23./24. Februar 2016. Die Europa League wird am Freitag ausgelost.

Erst nach der Gruppenauslosung sollte man sich Gedanken machen, wie es denn in der Champions League laufen kann. Die Favoriten stehen allerdings bereits vorher fest, es sind auch bei den Vereinen die alten Bekannten wie FC Barcelona, Real Madrid, Bayern München und die großen Herausforderern aus England zusammen mit Juventus Turin, dem ehrgeizigen Scheich-Klub Paris St. Germain und dem Außenseiter FC Porto. Eines ist gewiss, es gibt viel Geld zu verdienen, allein die Antrittsprämie beträgt 12 Millionen Euro, dazu gibt 1,5 Millionen für einen Sieg (zum Vergleich Europa League Antrittsgeld 2,4 Millionen, Sieg 360.000).

Anstrengungen in Italien

Kein Wunder, dass die Champions League bei den Vereinen begehrt ist. So kämpfen die einzelnen Ligen auch darum, in der Fünfjahreswertung Europas vorne dabei zu sein, denn nur die ersten drei Nationen stellen drei feste Teilnehmer plus einen für die Qualifikation. Für Deutschland gehen so neben Bayern München auch der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach an den Start, Bayern Leverkusen muss noch mit Lazio Rom (Hinspiel 0:1) um den Platz kämpfen. Dominierend sind die Klubs aus Spanien, mit dem FC Barcelona und FC Sevilla haben sie auch die beiden Pokale abgeräumt. Im Moment liegt England noch auf Rang zwei der Rangliste vor Deutschland, das aber im nächsten Jahr, das steht fest, vorbeiziehen wird. Im Hintergrund lauert vor allem Italien. Dort unternehmen die Spitzenklubs derzeit viel, um wieder zu Europas Spitze zu gehören. Juve ließ ja schon mit der Endspielteilnahme aufhorchen, bezeichnend, dass das Finale am 28. Mai 2016 in Mailand steigt.

Beim Start in die neue Saison haben allerdings einige Spitzenklubs Europas einen Dämpfer hinnehmen müssen. Juve kam gegen Udinese Calcio ebenso nicht über ein Unentschieden hinaus wie Real Madrid beim Neuling Sporting Gijon. In England schwächelt Meister FC Chelsea, hat nach drei Spielen erst vier Punkte. Vorne noch ohne Punktverlust Manchester City vor dem Überraschungsteam Leicester City und Manchester United. Genauso stark auch Paris St. Germain in Frankreich. Der Meister und Pokalsieger des Vorjahres ist mit dem neuen Torhüter Kevin Trapp (von Eintracht Frankfurt) sogar noch ohne Gegentor!

In der Bundesliga ist Borussia Dortmund die große Überraschung mit zwei 4:0-Siegen. Das bedeutet erstmals seit September 2013 wieder die Tabellenführung vor Bayern München und Bayer Leverkusen. Die negative Überraschung ist dagegen Borussia Mönchengladbach mit zwei Niederlagen am Tabellenende. Das lässt zum derzeitigen Zeitpunkt für die Champions League nichts Gutes ahnen…

Leichtathletik-WM: Doping-Schatten über dem Vogelnest

Einst wurde die Leichtathletik als die „Königin der Olympischen Sommerspiele“ geadelt. Doch inzwischen ist der Lack ab. Im internationalen Sport nimmt die Leichtathletik keine Spitzenstellung mehr ein, neue, moderne Sportarten haben ihr den Rang abgelaufen, auch wenn sie – allein schon vom Umfang her – ein Herzstück Olympias bleiben wird. Aber die Leichtathletik kämpft derzeit auch um ihren guten Ruf und es stehen entscheidende Tage an: Die Weltmeisterschaft in Peking vom 22. bis 30. August. Allerdings liegen Doping-Schatten über dem Vogelnest.

Laufen, Springen, Werfen – die Leichtathletik gehört zum Ursprung des Sports. Sie war populär, weil jedes Kind irgendeine Disziplin im eigenen Garten ausführen konnte. Laufen, Springen, Werfen gehören zu den normalen Bewegungsabläufen. Über Jahrzehnte hinweg gab es keine Nachwuchssorgen, doch das ist heute anders. Laufen, Springen, Werfen machen die Kids nicht mehr selbst, sondern höchstens noch am Computer. Folge zum Beispiel in Deutschland: Der Nachwuchs fehlt. Da hat die Leichtathletik die gleichen Sorgen wie alle anderen Sportarten mit Ausnahme des Fußballs.

Eine Weltmeisterschaft könnte wieder für Begeisterung sorgen, doch wenn solche Schatten wie diesmal über der WM von Peking liegen, dann kann von einer wirksamen PR nicht mehr gesprochen werden. Nicht nur der Smog Pekings liegt bleiern über dem Vogelnest genannten Olympiastadion von 2008, sondern vor allem der Doping-Schatten drückt auf die Stimmung. Deutsche und britische Journalisten haben einen Doping-Sumpf aufgedeckt, immer neue Vorwürfe kommen ans Tageslicht. Vor allem russische Sportlerinnen und Sportler scheinen betroffen zu sein, nach den Recherchen soll ungefähr ein Drittel aller WM- und Olympia-Medaillengewinner von 2001 bis 2012 dopingverdächtige Werte gehabt haben! Und der Weltverband IAAF schwieg dazu! Ähnlich wie beim Radsport heißt es wohl: Einmal kommt alles ans Tageslicht.

Zweikampf Coe gegen Bubka

Da passt es, dass in Peking auch eine neue Ära im Leichtathletik-Weltverband anbrechen soll. Der Senegalese Lamine Diack, immerhin schon 82 Jahre alt, tritt nach einer 16 Jahre dauernden und von Korruption und wenig Fortschritt geprägten Präsidentschaft endlich zurück. Kandidaten für seine Nachfolge, die am 19. August gewählt werden, sind zwei Ex-Weltrekordler: Der Brite Sebastian Coe (58 Jahre), einst der weltbeste Mittelstreckler, und Sergej Bubka (51), einst Überflieger im Stabhochsprung. Coe gilt als Favorit, aber sein Kontrahent aus der Ukraine hat einen perfiden, aber für Präsidentschaftskandidaten üblichen Plan offengelegt: Er verspricht vor allem den afrikanischen Staaten großzügige Unterstützung, unter anderem Neubauten für Verbände. Da sind ihm viele Stimmen sicher.

Doping, Korruption, Smog – wo bleibt der Sport? Er gerät bekanntlich überall immer mehr ins Hintertreffen, ist nur noch ein Mittel zum Zweck. Das Geschäft zählt. Die Athleten werden sich nicht beeindrucken lassen und um Gold, Silber und Bronze kämpfen und hoffen, dass die Kontrahenten auch wirklich sauber sind. Der Sport-Grantler wartet auf ein Wunder, auf das Wunder, dass ein Sieger hinterher gesteht, „ich nehme die Medaille nicht an, ich habe mich gedopt. Ich wollte nur die Freude eines Sieges auskosten“. Kann es so etwas geben? Na gut, der Sport-Grantler glaubt ja auch an Märchen…

Auch die deutschen Athleten greifen nach Gold, Silber und Bronze, vor allem die Werfer tragen hier die Hoffnungen. Für sie kann man fast die Hand ins Feuer legen, denn in keinem anderen Land wird wohl so streng kontrolliert wie in Deutschland. Kein Wunder, dass die DLV-Athleten auch mangelnde Chancengleichheit beklagen.

Kann man dann bei einer Weltmeisterschaft wirklich noch von einem Fest reden?

Peking wird es egal sein. Die Erinnerungen an die Olympischen Spiele 2008 werden geweckt, das Vogelnest wieder einmal zum Leben erweckt und die Leichtathletik-WM ist ja jetzt nur noch ein Zwischenspiel auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking. Dann wird im Vogelnest bei der Eröffnungsfeier wohl vor allem getanzt… Für pure Freude gibt es im Bezug auf Peking zu viele Schatten.

Vor der neuen Saison: Der Bundesliga-Check

Es ist überall auf der Welt vor einer neuen Saison ein beliebtestes Spielchen der Fans, zu tippen, wer wird Meister, wer steigt ab und so weiter. Da hat sich der Sport-Grantler gedacht, dass er das Spielchen auch mitmacht und stellt deshalb einen Bundesliga-Check vor und tippt dabei gleich mal die Rangfolge der Fußball-Bundesliga wie es am Ende der Saison aussehen könnte. Schwierig ist dies allemal, wer kann schon wissen, wie sich Verletzungssorgen auswirken, welches Team einen sogenannten „Lauf“ bekommt und wie es überhaupt in der Mannschaft passt. Auffallend, dass die Trainer alle nach vorne spielen lassen wollen. Mal sehen, bei wem der Schuss dann nach hinten los geht. Jetzt geht’s aber mit der Rangliste los:

1.: FC Bayern München: Logisch, da führt kein Weg dran vorbei, der beste Kader, der beste Trainer, die Top-Platzierung soll es sein, der Rekord – der vierte Titel – wird es sein.

2.: VfL Wolfsburg: Das Duo Manager Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking hat es geschafft, mit Unterstützung von VW Stärke und Kontinuität in den Kader zu bringen. Der Vize-Meister des Vorjahres zeigte sich zuletzt als selbstbewusster erster Verfolger der Bayern. Die Münchner haben aber weniger Ausrutscher gegen kleinere Klubs.

3.: Borussia Dortmund: Der neue Trainer Thomas Tuchel sollte es schaffen, dass Dortmund wieder direkt in die Champions League einzieht. Dortmund findet wohl (fast) zur alten Klasse zurück. Die Basis dafür: Wichtige Spieler wie Hummels und Gündogan blieben.

4.: Borussia Mönchengladbach: Die zweite Borussia war mit Rang drei die Überraschung der letzten Saison, Rang vier wäre diesmal keine Überraschung mehr. Der schwungvolle Fußball sollte auch die nötigen Punkte bringen. Bravo Trainer Lucien Favre.

5.: Schalke 04: Rang sechs war zuletzt eine Enttäuschung, in diesem Jahr sind die Verantwortlichen vorsichtig, aber mit neuem Trainer und neuem Schwung sollte zumindest wieder die Europa League drin sein.

6.: Bayer Leverkusen: Die große Frage, Leverkusen vor Gladbach und Schalke oder dahinter? Alles ist möglich, aber Bayer wirkt für eine Top-Platzierung nicht stabil genug, hat einige wichtige Spieler (u. a. Castro) verloren.

7.: 1. FC Köln: Im letzten Jahr wirkte der damalige Aufsteiger sehr stabil, das Umfeld im Verein auffallend ruhig, da könnte mit den Verstärkungen sogar ein Sprung nach vorn gelingen. Hinter den „großen Sechs“ also „the best of the rest“. Platz sieben könnte bei guter Konstellation sogar für die Europa League reichen. Allerdings: Von Platz sieben bis zumindest zwölf kann man bei der Platzierung auch würfeln.

8.: Eintracht Frankfurt: Mit Trainer Armin Veh kehrt wieder Zuversicht zurück und die Hoffnung auf einen guten Mittelfeldplatz. Sollte möglich sein.

9.: TSG Hoffenheim: Mit Firmino wurde der beste Spieler verkauft, das schränkt die Aussichten auf dem Weg nach oben ein. Aber in Abstiegsgefahr sollte die Mannschaft nicht kommen.

10.: VfB Stuttgart:
Nach dem Seuchenjahr endlich wieder Ruhe. Klappt es mit dem neuen Trainer Alexander Zorniger nicht, werden die Fans wohl zornig. Erste Eindrücke deuten aber darauf hin, dass Besserung in Sicht ist. Bis Platz zehn oder sogar höher?

11.: FC Augsburg: Der Überraschungs-Fünfte des Vorjahres wird nicht wieder oben mitmischen, sollte aber stark genug sein, trotz Belastung in der Europa League nicht ganz nach unten durchgereicht zu werden. Da gibt es schwächere Mannschaften! Ein Plus ist die Ruhe im Verein.

12.: FSV Mainz 05: Ein Vermarktungsdeal bringt in den nächsten zehn Jahren 250 Millionen Euro, doch Mainz wird auch unter dem neuen Trainer Martin Schmidt ein Team zwischen Gut und Böse bleiben. Etabliert im Mittelfeld.

13.: Hertha BSC Berlin: Die Hauptstadt zitterte um den Bundesligisten, das könnte auch mit Trainer Pal Dardai in diesem Jahr passieren, die Tendenz zeigt eher nach unten als nach oben. Hier beginnen eigentlich die Abstiegskandidaten.

14.: Werder Bremen:
Mit Trainer Viktor Skripnik Stabilität gewonnen, mit di Santo und Selke aber die Torjäger verloren. Es könnte wieder ein schwieriges Jahr werden, zumal es Unruhe um die Vertragsverlängerung von Manager Eichin gibt. Keine guten Vorraussetzungen.

15.: Hannover 96: Alles ist möglich, elf Abgänge (darunter mit Lars Stindl das Herz des Teams), acht Neue, eine verjüngte Mannschaft unter „Retter“ Michael Frontzeck, die sich schnell finden muss, wenn es nicht zu Unsicherheiten kommen soll.

16.: FC Ingolstadt 04: Kann der Bundesliga-Debütant die Rolle des vorjährigen Aufsteigers Köln spielen? Wohl nicht. Der Zweitliga-Meister muss sich mit dem Abstiegskampf beschäftigen, Trainer Hasenhüttl verspricht: „Wir werden unangenehm sein.“ Die prognostizierte Relegation wäre vielleicht sogar angenehm.

17.: Hamburger SV: Das darf doch nicht wahr sein, Platz 17? Das Ende des Dino? Es wird ein schweres Jahr, alle Anzeichen mit der Pokalpleite gleich zum Auftakt deuten darauf hin, dass der HSV wieder zittern muss – das Glück ist aufgebraucht.

18.: Darmstadt 98: Wie eine Rakete schoss Darmstadt aus der vierten Liga bis in die Bundesliga. Irgendwann fällt jeder wieder zurück. Es wäre ein Wunder, würde der Neuling nicht die Rolle von Fürth, Braunschweig und Paderborn spielen: Mit Euphorie hoch und gleich wieder runter.

Mal sehen, wie es am Ende wirklich aussieht, jeder kann ja für sich die Spielerei betreiben. Das Ergebnis liegt am 14. Mai 2016 vor.

Die Bundesliga hat Angst vor England

Am kommenden Freitag, 14. August, geht die Fußball-Bundesliga in ihre 53. Saison. Eigentlich könnte die Liga vor Selbstbewusstsein strotzen, ist sie doch die Liga des Weltmeisters. Allerdings geht eher die Angst um. Da ist einmal die Angst davor, dass der FC Bayern München das Geschehen wieder dominieren könnte und der Kampf um den Titel erneut langweilig wird, andererseits zittert die Bundesliga vor dem Geldsegen in England. Langfristig fürchten die Klubs, dass sie international ins Hintertreffen geraten.

Zunächst wird am Freitag erst mal voller Hoffnung gefeiert werden. Der Titelverteidiger empfängt mit dem Hamburger SV einen alten Kontrahenten, ein Traditionsduell also. Allerdings liegen Welten zwischen beiden Klubs, die Bayern marschierten drei Jahre lang immer deutlich vorne weg, der HSV dagegen ließ sein Idol Uwe Seeler zittern und rettete sich zweimal erst in der Relegation vor dem Abstieg. Viele Bundesliga-Fans gönnten aber den Hamburgern den Klassenerhalt, schließlich ist der HSV der letzte Bundesliga-Dino, der zum Start 1963 an Bord war und nie absteigen musste (zuletzt grenzte das fast schon an ein Wunder). Zweiter in der Rangliste ist Werder Bremen mit 51 Jahren, die Bayern kamen erst 1965 hinzu und haben ebenso wie der VfB Stuttgart 50 Jahre auf dem Buckel, führen die „Ewige Tabelle“ aber mit großem Vorsprung an (nach Drei-Punkte-Regel 3355 Punkte vor Bremen mit 2646). Nur noch zehn Erfolge trennen die Münchner vor einer historischen Leistung: Der 1000. Sieg!

Skeptiker fürchten, dass es die Münchner mit dem 1000. Sieg nicht bewenden lassen, sondern die Bundesliga wieder dominieren. Früher war von spanischen Verhältnissen die Rede, weil Dortmund und München ähnlich überlegen waren wie Barcelona und Real Madrid, jetzt gibt es eher den Vergleich mit Schottland, dort Celtic Glasgow und nichts, da die Bayern und kein echter Verfolger. Oder begehrt die Konkurrenz doch auf? Als einzig ernsthafter Konkurrent gilt Vizemeister VfL Wolfsburg mit den VW-Millionen im Rücken, aber auch ein Comeback von Borussia Dortmund mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel ist möglich. Wie sagt Franz Beckenbauer: „Schaun mer mal.“

Milch und Honig in England

Die Verbindung Wolfsburg und VW wird immer kritisch betrachtet, aber mehr noch fürchtet sich die Bundesliga vor England. Dort fließen ab nächstem Jahr buchstäblich Milch und Honig, ein Schlaraffenland für die Klubs, die sich mit 3,2 Milliarden Euro als Jahresgage vom Fernsehen fast alle Wünsche erfüllen können. Dazu sorgen verschiedene Scheichs in England und Frankreich (Paris) sowie ehrgeizige Präsidenten in Barcelona, Madrid und Turin dafür, dass die Preise für die Spieler schwindelerregende Höhen erreichen. Liverpool machte es vor: 41 Millionen Euro für einen Bundesliga-Mitläufer wie den Brasilianer Firmino von Hoffenheim. Und wenn der Belgier Kevin de Bruyne 80 Millionen wert ist und für Thomas Müller 100 Millionen geboten werden, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Internationale Stars könnten künftig einen Bogen um die Weltmeister-Liga machen.

So schaut die Bundesliga auch eher in die Zukunft als auf die Gegenwart. Die Hoffnung ruht auf einem neuen Fernsehvertrag, der ab April 2016 neu verhandelt wird und wenigstens eine Steigerung der Einnahmen von jetzt rund 700 Millionen auf eine Milliarde Euro bringen soll. Dafür ist die Liga auch zu Gegenleistungen bereit, man kann sagen, sie prostituiert sich dafür, indem der Spielkalender noch mehr entzerrt wird, Stichwort „exklusive Spiele“ für den Anbieter. Als sicher gilt bereits, dass es auch Spiele am Montag geben wird. Allerdings ist der Fernsehmarkt von Deutschland nicht mit dem in England zu vergleichen, die Bundesliga gilt als „Kulturgut“ und muss im freien Fernsehen zu sehen sein. Allein schon damit sind die TV-Einnahmen begrenzt. Dennoch, Angst haben auch die Fans, die Bundesliga wird wohl teurer und noch unübersichtlicher, Auswärtsfahrten müssen noch zeitnaher geplant werden. Geld vor Fans – ob das gut geht? Derzeit ist die Bundesliga in Europa die Liga mit den meisten Zuschauern, rund 42.000 kommen durchschnittlich zu den Spielen. Das könnte bald Vergangenheit sein.

Also noch einmal ein Jahr zum Genießen, Bangen, Zittern und Hoffen. Selbst bei Langeweile um die Meisterschaft bleibt der Kampf um die Plätze für Europa, zuletzt war es so, dass es fast kein Mittelfeld gab, die Klubs kämpften entweder um Europa oder gegen den Abstieg. Das deutet sich auch in diesem Jahr wieder an, für den einen oder anderen mit einer negativen Überraschung. Neugierig werden vor allem die Neulinge FC Ingolstadt 04 und SV Darmstadt 98 (immerhin schon 78/79 und 81/81 in der Bundesliga) sein. Für sie gilt in erster Linie: Das Oberhaus genießen. Darmstadt gilt als Abstiegskandidat Nummer 1, mit dem Schicksal der Auf- und dann Absteiger Braunschweig und Paderborn in den letzten Jahren. Schaun mer mal…

Platini auf den Spuren von Sepp Blatter

Er ist eigentlich der „natürliche“ Nachfolger: UEFA-Präsident Michel Platini hat sich erklärt, er will jetzt doch Nachfolger von Joseph „Sepp“ Blatter als FIFA-Präsident werden. Noch im Frühjahr hatte er sich nicht getraut, gegen den Amtsinhaber anzutreten. Platini sah sich ohne Chance, wir sehen ihn ohne Mut. Jetzt hat der Franzose offensichtlich genügend Stimmen hinter sich gebracht, neben Europa stehen angeblich auch Süd-, Nord- und Mittelamerika hinter ihm sowie Asien. Da haben Blatters Lieblinge aus Afrika keine Chance mehr.

Michel Platini auf den Spuren von Sepp Blatter – es wird sich nichts ändern! Der Franzose ist Teil des Korruptionssystems des Fußball-Weltverbandes, er ist eine Marionette der Strippenzieher. Blicken wir zurück und hinter die Kulissen. Wäre es nach Europas Verband gegangen, wäre Blatter nie an die Macht der FIFA gekommen. Doch Platini unterstützte damals seinen Vorgänger Lennart Johansson nicht, sondern stand auf der Seite Blatters, der dann auch FIFA-Präsident wurde! Schon 2002 gab es Anstrengungen der Züricher Justiz, Blatters Korruptionsspielchen abzupfeifen, denn elf FIFA-Vorstände stellten Strafantrag gegen Blatter. Die Sache verlief im Sande. Blatter hatte freie Bahn. Wohin das führte, wissen inzwischen alle.

Michel Platini auf den Spuren von Sepp Blatter – er hat in Europa nach Blatters Prinzip gehandelt, sichere dir die Stimmen. Der Franzose hat den kleinen Nationen die Wege zu den großen Fleischtöpfen geebnet, hat durchgesetzt, dass mehr Nationen am Endturnier der Europameisterschaft teilnehmen können und den Nationscup der Nationalmannschaften ins Leben gerufen. Motto: Mehr Spiele mehr Geld. Umstritten auch die Jubiläums-EM 2020 in ganz Europa. Bei allen Entscheidungen hat Platini nicht an die Fans gedacht.

Den Weg für Platini bereitete offensichtlich der angeblich größte Strippenzieher im internationalen Sport, der kuwaitische Scheich Ahmed Al-Sabah, vor. Er ist in vielen Ämtern im Weltsport aktiv und hat das Gros der Stimmen aus Asien und Afrika unter Kontrolle. Er soll schon dem Deutschen Dr. Thomas Bach den Weg zur Wahl als IOC-Präsident geebnet haben. Gewisse Entscheidungen verwundern angesichts dieser Konstellation nicht mehr.

Michel Platini hat nach Stand der Dinge nur einen ernsthaften Gegenkandidaten, den Südkoreaner Chung Mong-Joon, der der Autobauer-Dynastie Hyundai angehört. Auch er hat sich schon als Strippenzieher profiliert und war wohl entscheidend daran beteiligt, dass die Weltmeisterschaft 2002 nicht nur nach Japan vergeben wurde, sondern Südkorea noch als Co-Ausrichter auf den WM-Zug springen konnte. Chung wirbt für sich damit, dass nur er eine dringend notwendige Änderung im Weltverband bewerkstelligen kann. Doch Zweifel sind auch hier angebracht.

Die weiteren bisher bekannten Kandidaten spielen nur eine untergeordnete Rolle, wenn sie überhaupt bis zuletzt ihre Kandidatur aufrecht erhalten. Der seriöseste Kandidat ist noch der jordanische Prinz Ali bin Al-Hussein, vor Europa ins Rennen gegen Blatter geschickt. Ein unbeschriebenes Blatt ist der liberianische Verbandspräsident Musa Bility, höchstens zur Unterhaltung tragen die ehemaligen Stars Maradona und Zico bei. Sie haben keine Erfahrung im Verbandswesen und ohne Strippenzieher geht gleich gar nichts. Es gibt ja Stimmen, die meinen, nur jemand von außen könnte den „Stall“ FIFA ausmisten, aber jemand von außen hat keine Chance auf die nötigen Stimmen!

Asien hat ein Monopol auf Olympia

Wenn es um Strippenzieher geht, dann kann man sich auch den Olympischen Spielen zuwenden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich in eine Zwangsjacke stecken lassen und kommt da nicht mehr raus. War es früher so, dass Sommer- und Winterspielen ziemlich gleichmäßig zwischen den Kontinenten wechselten, so haben die IOC-Mitglieder diese sicherlich vernünftige Regelung aus den Augen verloren. Asien hat inzwischen ein Monopol auf Olympia! Nach den Spielen 2016 in Rio de Janeiro sind 2018 die Winterspiele in Pyeonchang in Südkorea, die Sommerspiele 2020 in Tokio und jetzt hat sich Peking die Winterspiele 2022 gesichert. Ein historisches Ereignis, weil Peking als erste Stadt nach den Sommerspielen 2008 auch Winterspiele ausrichtet. Die Entscheidung war mit 44:40 gegenüber Almaty (Kasachstan) knapp, aber es entschied der Kommerz gegen den Sport. Almaty präsentierte kompakte Spiele der kurzen Wege im Schnee, während es in Peking Spiele ohne natürlichen Schnee geben wird. Der wird künstlich erzeugt und alles wird weiß. Eine weiße Weste wird China allerdings nicht vorweisen können, schon jetzt gehen Menschenrechtler auf die Barrikaden, verweisen auf die Unterdrückung der Menschenrechte in China. Viel besser sieht es in Kasachstan auch nicht aus, so dass die Menschenrechte (leider) bei der Vergabe wohl keine oder höchstens eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Auch hier steckt das IOC in einer Zwangsjacke, da es zwar genug Kandidaten für die Sommerspiele, aber viel zu wenige für die Winterspiele gibt. Einer der ursprünglichen Interessenten, Oslo und München, wäre wohl zum Zug gekommen, dort aber lehnte sich die Bevölkerung gegen olympischen Kommerz und Belastung der Natur auf. Das IOC will diesbezüglich zwar eine Umkehr und verspricht Verbesserungen und weniger Gigantismus, aber für 2022 wurde dieser gute Wille noch nicht sichtbar. Die Strippenzieher haben auch hier gesiegt.

Die Formel 1 soll wieder eine echte Königsklasse werden

Die Formel 1 erlebte in den letzten Tagen Glück und Leid zugleich. Die Rennserie trauert um Jules Bianchi, der einen neun Monate langen Kampf um sein Leben verloren hat. Ein Unfall beim Großen Preis von Japan war ihm zum Verhängnis geworden. Seit 1994 hatte es keinen Toten mehr in der Formel 1 gegeben, entsprechend groß war der Schock. Der wich am Wochenende in Budapest aber einer neuen Hoffnung. Ein Chaos-Rennen sorgte dafür, dass Mercedes mal nicht auf dem Siegertreppchen stand und der zuletzt langweiligen Serie neues Leben eingehaucht wurde. Selbst Mercedes-Boss Niki Lauda freute sich als Verlierer: „Was für eine Show! Für die Formel 1 konnte es gar nicht besser laufen.“

Generell besser laufen soll es aber in der Zukunft. Die Formel 1 soll wieder eine echte Königsklasse werden. Zuletzt hatten andere Rennserien ihr fast den Rang abgelaufen. Jetzt geht die Formel 1 aber erst mal in Urlaub, es sind Sommerferien, am 23. August geht es in Spa weiter. Aber nicht nur in diesen Wochen, sondern spätestens bis zum Jahresende sollen die Weichen neu gestellt werden. Die Forderungen sind vielfältig, lassen sich aber kurz so zusammenfassen: Die Motoren sollen wieder lauter werden, die Fahrer wieder in den Mittelpunkt rücken und nicht die Technik, das Reglement transparenter werden und die Formel 1 insgesamt wieder näher an die Fans heranrücken. Doch das ist alles leichter gesagt, als getan.

Ecclestone: „Die Technik ist Mist“

Es gibt viele Köche, die im Brei rühren. Einer, der sich auskennt, ist sicherlich Ex-Teamchef Flavio Briatore. Er moniert: „Die Formel 1 ist heute zu clean, zu perfekt, zu brav. Wir haben keine Fahrer-WM, sondern eine Motoren-WM.“ Red-Bull-Teamchef Christian Horner liegt da auf seiner Linie: „Die Regeln sind zu kompliziert, die Autos nicht dramatisch genug, die Rennen zu langweilig.“ Selbst Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ließ sich zu einem drastischen Urteil hinreißen: „Diese ganze Technik ist Mist.“ Niki Laudas Aussagen können als Ergänzung gesehen werden: „Es müssen wieder echte Männer fahren und keine Jünglinge, die nur an Knöpfen am Lenkrad spielen.“ Fazit: Die Formel 1 soll wieder echten Rennsport auf der Straße bieten und keine Ähnlichkeit mit Spielekonsolen haben.

Bernie Ecclestone hat die Formel 1 zu einem großen Geschäft gemacht, dabei aber übersehen, dass nicht nur einige Konzerne kassieren und die kleineren Rennställe zu Handlangern degradieren können, sondern dass das Gesamtgebäude stimmen muss. Auch die kleinen Firmen tragen die Formel 1, brechen sie weg, ist die Königsklasse nicht mehr rennfähig. Es muss also auch ein finanzielles Umdenken geben. Außerdem müssen die Rennen zurück zu den Fans, die Eintrittspreise billiger werden, die Standorte attraktiver. Es ist ja sicherlich reizvoll, die Formel 1 überall in der Welt fahren zu lassen, aber die Attraktivität nimmt insgesamt ab. Die Formel 1 wieder beliebig.

Die Krankheit ist erkannt, die Frage ist, ob die Doktoren bereit zur Operation sind. Der Patient Formel 1 liegt auf dem Operationstisch, jetzt müssen die richtigen Schnitte zur Gesundung gemacht werden. Chaos gefällt nur in den Rennen selbst, nicht in der Organisation.

Hinweis: Die veröffentlichten Zitate sind den Zeitschriften kicker und Bild am Sonntag entnommen.

Machen Tour-Siege noch Spaß?

Bei einem Urteil vor Gericht gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Für eine Verurteilung muss die Beweislast schlüssig sein, ein Verdacht allein reicht nicht aus. Ähnlich sieht es im Sport aus, was das Doping betrifft: Im Zweifel für den Angeklagten. Aber genauso, wie die Öffentlichkeit oft einen Angeklagten, aber nicht Verurteilten, quasi aus ihrer Gemeinschaft ausschließt, weil sie ihm doch misstraut, so verhält es sich im Sport. Sieger werden nicht umjubelt, weil Zweifel bestehen. Kann das sein, dass er so schnell ist? Geht alles mit rechten Dingen zu, auch wenn er des Dopings nicht überführt ist? Sieger müssen mit den Zweifeln leben und gerade jetzt bei der Tour de France, die in ihre letzte Woche geht, fragt sich der Sport-Grantler: Machen Tour-Siege überhaupt noch Spaß?

Im Mittelpunkt steht wieder einmal der vermutliche Rundfahrt-Sieger. Diesmal ist es nicht der Amerikaner Lance Armstrong, der längst seine Siege verloren hat und des Dopings überführt wurde, sondern der Brite Christopher Froome. Er fährt allen davon und damit genau in die Verdächtigungen hinein. Einer seiner Konkurrenten hat einmal gesagt: „Hoffentlich zeigt er einmal Schwächen, dann kann man ihm eher glauben.“

In der Tat sind die Parallelen zu Armstrong verblüffend. Der Amerikaner erkrankte an Hodenkrebs, durfte dann Medikamente gegen seine Erkrankung nehmen und kehrte mit einer Leistungsexplosion auf die Radsportbühne zurück. Der in Kenia geborene und in Südafrika aufgewachsene Froome war ein „Mitfahrer“, ehe ihn eine Tropenkrankheit außer Gefecht setzte. Er durfte besondere Medikamente nehmen und danach begann sein Aufstieg. Diese Leistungsexplosion ist vielen suspekt, auch wenn Froome beteuert: „Ich bin sauber.“ Er ist für Dopingkontrollen, würde auch in der Nacht zur Verfügung stehen und tut alles, um Dopinggerüchte zu zerstreuen. Er macht nur einen Fehler: Er fährt zu schnell.

Nach vielen Doping-Fällen ist die Öffentlichkeit vorsichtig geworden. Vor allem die Armstrong-Affäre hat dem Radsport geschadet, aber gerade der Radsport spielt jetzt eine Vorreiterrolle auf der Jagd nach Dopingsündern. Doch die Zweifel bleiben und die Zweifler werden immer radikaler. Froome wurde bei der Tour bereits angepöbelt und sogar mit einem Urin-Becher beworfen. Machen ihm da Tour-Siege wirklich noch Spaß?

Unter den alten Sünden des Radsports leiden auch die deutschen Stars der Gegenwart. Die ARD überträgt zwar wieder die Tour, die Deutschen trumpfen gelegentlich auf und fahren Siege ein, aber der Jubel hält sich ebenso in Grenzen wie die Einschaltquoten. Tony Martin, der sogar das Gelbe Trikot trug, Sprinter-König André Greipel und John Degenkolb präsentieren sich als die saubere Generation, doch alle negativen Dopingproben und alle Beteuerungen nützen nichts, sie können den Zweifeln einfach nicht davon fahren.

Auch in der Leichtathletik läuft der Verdacht mit

Ähnlich sieht es in anderen Sportarten aus. In der Leichtathletik laufen die Sprint-Stars Powell, Gay und Gatlin der Konkurrenz davon, aber bei ihnen läuft der Dopingverdacht mit. Sie sind so schnell, dass schnell Zweifel kommen. Und was ist mit der neuen Weltrekordlerin über 1500 m, Genzebe Dibaba? Sie pulverisierte den Weltrekord der Chinesin Qu Yunixa aus dem Jahr 1993. Ein Fabelweltrekord unter Dopingverdacht, der als uneinnehmbar galt, die Chinesin gehörte schließlich zu einer umstrittenen Trainingsgruppe, die ihre großartigen Leistungen mit Schildkrötenblut begründete. Sie haben es wohl getrunken, um sich einen dicken Panzer gegen alle Verdächtigungen zuzulegen…

Im Zweifel für die Angeklagten, aber die ertappten „schwarzen Schafe“ schaden ihrem Sport über Jahrzehnte hinaus und sorgen dafür, dass der Jubel für die Sieger gedämpft ausfällt. Sie haben den anderen siegreichen Sportlern die Siegesfreude verdorben. Sollte Chris Froome am kommenden Sonntag in Gelb in Paris stehen, so wird dieses Gelb nicht sauber strahlen. Wer genau hinsieht, wird schmutzige Flecken entdecken…

Von Beckenbauer bis Marco Sturm: Bundestrainer – Nur der Name zählt!

Gemeinhin gilt der Posten eines Bundestrainers als Traumjob. Gut, je nach Sportart ist das ein bisschen verschieden. Besonders im Blickpunkt steht natürlich der Bundestrainer im Fußball und gerade dort wird der Traumjob schnell zur Belastung, weil eigentlich jeder Fußball-Fan ein potentieller Bundestrainer ist. Allerdings wird der Bundestrainer-Job auch als halbe Urlaubsbeschäftigung gesehen: Ein bisschen auf den Tribünen sitzen, die interessantesten Spiele angucken und ab und zu ein Lehrgang. So sieht es der gemeine Fan. Warum aber haben viele Verbände ein Problem, den richtigen Bundestrainer zu finden?

Aktuell war zuletzt der Deutsche Eishockey-Bund auf Trainersuche. Mit Pat Cortina war der neue DEB-Präsident Franz Reindl nicht zufrieden, es gab mehr Misserfolge als Erfolge. Reindls alter Freund Uwe Krupp sollte Nachfolger werden, doch da baute sich ein unüberwindbares Hindernis auf: Krupp ist Trainer bei den Eisbären Berlin, der ehemalige Stanley-Cup-Sieger, schon einmal als Bundestrainer erfolgreich, kann nicht zwei Herren gleichzeitig dienen.

Das ist das Problem, einen guten Mann für den Traumjob zu finden: Die besten Leute stehen meist unter Vertrag, sind kurzfristig nicht zu bekommen. Viele arbeiten lieber im Verein („Ich brauche die tägliche Arbeit mit den Spielern“), als nur von Zeit zu Zeit in den Mittelpunkt zu rücken und eigentlich nur beschränkt eine Mannschaft entwickeln zu können. So stieß auch der DEB an Grenzen und zauberte dann einen Neuling aus dem Hut: Der frühere NHL-Star Marco Sturm wird der neue Krupp. Er kann Erfolge als Spieler vorweisen, hat einen guten Namen und soll sogar in der Doppel-Funktion als Bundestrainer und Generalmanager das Eishockey in der Öffentlichkeit gut verkaufen. Sturm ist Neuling, hat zwar die Trainerscheine gemacht, aber ihm fehlt die Erfahrung am Rande der Bande. Doch das rückt in den Hintergrund. Für den Job als Bundestrainer zählt vor allem der Name! Der Verband hofft auf eins: Dass die Spieler bei einem Bundestrainer Marco Sturm wieder gern zur Nationalmannschaft kommen, zuletzt hatte es eher Absagen gehagelt, warum auch immer.

Früher war es undenkbar, dass ein Neuling quasi die wichtigste Mannschaft eines Verbandes coachen könnte. Noch heute gilt, dass die Nationalmannschaft das Aushängeschild einer Sportart ist. Entsprechend ist der Bundestrainer aber auch das Gesicht der Mannschaft, im Fall Sturm wird der Trainer vor allem das bekannteste Gesicht der Mannschaft sein (Wer kennt die aktuellen Eishockey-Cracks?). Das allein ist Qualifikation genug!

Der Teamchef war die Lösung

Vorbild für diese Art der Trainerfindung war Fußball-„Kaiser“ Franz Beckenbauer. Es war eine Revolution, als Beckenbauer 1984 bei der Nationalmannschaft den unglücklichen Jupp Derwall ablöste. Die erforderliche Trainerlizenz hatte Beckenbauer nicht, deshalb machte ihn der Deutsche Fußball-Bund kurzerhand zum „Teamchef“. Ihm zur Seite standen zunächst Horst Köppel und dann Holger Osieck, beide mit entsprechender Lizenz. Zumindest wurden damit die Regeln eingehalten. Beckenbauer war ein echter Teamchef, nicht der Trainer. Mit Osieck bildete ein kongeniales Gespann, da der versierte Trainer auf dem Feld, dort der Motivator, der Verkäufer, die Lichtgestalt, zu der die Spieler aufschauten und dem sie alles glaubten. Legendär seine Aufforderung, „geht’s raus und gewinnt“ – gesagt, getan. Die Krönung war bekanntlich der WM-Titel 1990, danach verabschiedete sich Beckenbauer wieder. Aber er hatte eine neue Art von Bundestrainer geschaffen. Nicht der Schein zählt, sondern der Name.

Ähnliches wiederholt der DFB bei den Frauen, denn der Verband hat Steffi Jones als Neuling zur Nachfolgerin von Silvia Neid bestimmt, die 2016 nach den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro die Leitung der Frauen-Nationalmannschaft abgibt. Der Verband bekam Kritik vor allem von den gestandenen Trainern der Spitzenvereine, die um die Fortsetzung der guten Arbeit von Silvia Neid fürchten (auch wenn es nach der letzten WM Kritik an ihr gab!). In der Tat, ist es auch hier seltsam, dass ein Neuling sich ausgerechnet beim Aushängeschild des Verbandes versuchen darf. Immerhin kann Steffi Jones etwas vorweisen: Sie hat sich als Funktionärin beim DFB bewährt, war das „Gesicht“ der WM 2011 in Deutschland und hat eine gewinnende Art, gilt also als guter Verkäufer in der Öffentlichkeit. Den entsprechenden Trainerschein hat sie übrigens, Erfahrung aber nicht. Es gilt also auch hier: Bundestrainer – der Name zählt!