Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Rangliste der besten Sturmreihen der Welt

 

Die Wettbewerbe in der Champions League und Europa League stehen in den nächsten Wochen im Mittelpunkt des Fußball-Geschehens. Die besten Teams Europas duellieren sich und entscheidend sind die Tore. Zwar heißt es, die Offensive gewinnt Spiele, aber die Defensive gewinnt Meisterschaften, doch die Würze im Spiel sind halt schöne Treffer. Der Sport-Grantler hat sich deshalb Gedanken gemacht, wer eigentlich die beste Sturmreihe der Welt besitzt. Dabei darf man davon ausgehen, dass die besten Sturmreihen in Europa zu finden sind, weil es ja die besten Spieler aus aller Welt an die großen Fleischtöpfe in Europa zieht. Der Sport-Grantler geht nicht davon aus, dass es in Südamerika oder Asien bessere Sturmreihen gibt. Vielleicht bald mal in China!

In seine persönliche Wertung hat er jeweils eine Dreier-Sturmreihe aufgenommen, wohl wissend, dass die Trainer natürlich taktisch variieren. Es muss ja ein einheitliches Kriterium geben. Wichtig sind auch die Leute dahinter, die einst „Spielmacher“ genannt wurden. Für die Sturmreihen ist es wichtig, dass sie auch gute „Zuarbeiter“ haben. Sie werden genannt. Hier also die „Top six“ der besten Sturmreihen der Welt:

  1. Messi-Suarez-Neymar: An dieser Kombination des FC Barcelona führt wohl kein Weg vorbei. Messi ist derzeit der beste Spieler der Welt, Neymar belegte bei der letzten Wahl Rang drei und „Beißer“ Suarez beeindruckt einmal als Vorbereiter, dann wieder als Torschütze. Eine Kombination, die kaum zu stoppen ist und „Barca“ zum Favoriten auf den Gewinn der Champions League macht, zumal dahinter mit Iniesta und Rakitic noch geniale Zuarbeiter stehen.
  2. Robben-Lewandowski-Douglas Costa/Ribery: Real oder Bayern? Der Sport-Grantler hat sich für den Münchner Angriff als Nummer 2 entschieden, weil hier alle drei (oder vier, Ribery war zuletzt verletzt) glänzen können und sie keine „One-Man-Show“ liefern. Dazu muss man vor allem noch den unorthodoxen Spieler Thomas Müller rechnen, der den Bayern-Angriff endgültig unberechenbar macht. Außerdem stehen dahinter weitere erstklassige Offensiv-Akteure wie Thiago, Götze, Vidal oder Alonso – die Bayern sind gut bestückt, haben derzeit im Gegensatz dazu Verletzungssorgen in der Abwehr.
  3. Bale/James-Benzema-Cristiano Ronaldo: Die „Königlichen“ nur auf Rang drei? Der Sport-Grantler hat es oben begründet, mögen auch Bale und Ronaldo mit die teuersten Spieler der Welt sein. Zudem zeigt Benzema keine Konstanz wie zum Beispiel Lewandowski. Federführend ist allein Ronaldo. Die Reihen dahinter sind mit Modric und Kroos ebenfalls gut besetzt.
  4. di Maria-Ibrahimovic-Cavani: Die Geldgeber von Paris Saint-Germain träumen vom Gewinn der Champions League, mit der Sturmreihe könnte es gelingen, aber im Gesamtkonstrukt fehlt halt noch ein bisschen was zur absoluten Top-Stellung.
  5. Mkhitaryan-Aubameyang-Reus: Die Dortmunder müssen sich bei der Auflisten der besten Sturmreihen nicht verstecken, sie haben national und international ihre Klasse bewiesen und haben mit Gündogan einen erstklassigen Mann dahinter. Kein Wunder, dass sie von anderen Klubs, vor allem in England, begehrt werden, vor allem der pfeilschnelle Torjäger Aubameyang macht wohl jeden Verein noch besser.
  6. Dybala-Mandzukic-Morata: Nach Startschwierigkeiten hat Juventus Turin zu alter Form gefunden und steht in Italien wieder an der Spitze. Der Angriff mit dem großen Talent Paulo Dybala (der sinnigerweise beim CL-Gegner Bayern im Gespräch ist), dem kantigen Mandzukic und Wirbler Morata hat eine hohe Qualität, zumal sich der talentierte Paul Pogba immer wieder mit vorne einschaltet und Sami Khedira die Lücken schließt. Die Italiener sind also gut besetzt.

In der engeren Auswahl waren auch die Sturmreihen von Chelsea London (Willian-Diego Costa-Hazard) und Manchester City (Navas-Aguero-de Bruyne), aber ein bisschen etwas fehlt zu den „Top six“.

Stürmisch wird es am 26. Februar wohl auch beim Fußball-Weltverband FIFA. Dort wird aber gern aus der Hüfte geschossen und vor allem die Hand aufgehalten. Warten wir ab, ob der Verband wirklich zu einer Reform fähig ist. Der Sport-Grantler wird es beobachten.

Champions League: Ist Zidane der Heilsbringer?

 

Da können sich die Fans anderer Sportarten noch so ärgern: Das Frühjahr gehört dem Fußball. Die Champions League (CL) und auch ein bisschen die Europa League (EL) bestimmen in großem Masse die Schlagzeilen der Gazetten. Viele sagen „endlich geht es los“. Ab Dienstag, 16. Februar, wird wieder gespielt, schön aufgeteilt in jeweils zwei Begegnungen pro Spieltag dehnt sich das Achtelfinale der CL wie Kaugummi. Erst am Mittwoch, 16. März, sind alle Teilnehmer für das Viertelfinale perfekt, ausgelost wird dann am 18. März. Und so beschäftigen uns jeden Monat die einzelnen Runden bis zu den Finals im Mai.

Schlagerspiele gibt es bereits im Achtelfinale. Die Augen sind natürlich auf die (bekannten) Favoriten gerichtet und außerdem wird auf eine Antwort von einigen Fragen gewartet: Besiegt der FC Barcelona den Fluch des CL-Siegers? Keiner konnte bisher seinen Titel erfolgreich verteidigen. Es sieht so aus, als ob es „Barca“ wirklich schaffen könnte. Was passiert bei Real Madrid? Dort ist nach der Ablösung von Trainer Rafa Benitez der einstige Weltstar Zinedine Zidane der große Hoffnungsträger. Ist er der Heilsbringer? Hat der Trainer-Neuling das richtige Händchen für die Ansammlung von Stars, die aber keine Mannschaft sind? Neid und Eifersüchteleien machen Erfolge schwerer, schützen aber vor Siegen nicht.

Der Rest der 16 Mannschaften reiht sich nicht in die erste Reihe der Favoriten ein. Aufgrund seines unbeschreiblichen Verletzungspechs auch der FC Bayern München nicht. Es wäre ein Wunder, würde eine Mannschaft ohne Abwehr den Titel gewinnen, auch wenn die Offensive über alle Zweifel erhaben ist. Die neueste Verletzung von Nationalspieler Holger Badstuber war ein Schock für die Münchner, die ja schon auf Jerome Boateng für den Rest der Saison verzichten müssen und sehnsüchtig auf die Rückkehr von Benatia und Martinez warten. Die Spiele gegen Juventus Turin kommen wohl zu früh, da steht die „Zwergen-Abwehr“ mit relativ kleinen Spielern vor einer großen Bewährungsprobe gegen die ausgefuchsten Italiener, die nach schwachem Saisonbeginn zu ihrer alten Stärke zurückgefunden haben. Sahen viele bei der Auslosung noch kleine Vorteile bei den Bayern, so hat inzwischen wohl Juve die besseren Karten in der Hand.

Juventus Turin gehört aber zu den Teams, die für eine Überraschung sorgen können. Die Italiener waren im letzten Jahr im Finale und ein Endspiel im eigenen Land (28. Mai Mailand) lockt zusätzlich. Auf einer Stufe dürfte aber auch Paris Saint-Germain stehen. Die Franzosen beherrschen die eigene Liga, sind mit 24 Punkten Abstand vorn, doch das könnte auch ein Nachteil sein. Die Mannschaft wird zuwenig gefordert. Doch die Mannen um Trainer Laurent Blanc und Schwedens Torjäger Zlatan Ibrahimovic wünschen sich nichts mehr, als einen Triumph auf Europas Bühne. Sie stehen aber gleich vor einer großen Bewährungsprobe gegen Chelsea London, unter dem neuen Trainer Guus Hiddink noch ungeschlagen! Aber auch Titelverteidiger Barcelona (gegen AS Rom) und Real Madrid (gegen Arsenal London) haben keine leichten Aufgaben. Die Favoriten sind gefordert, im Viertelfinale werden große Namen fehlen, dafür Außenseiter vertreten sein:

Die Paarungen: Paris – Chelsea, Benfica Lissabon – St. Petersburg, Gent – Wolfsburg, AS Rom – Real Madrid, Juventus Turin – Bayern, Arsenal – FC Barcelona, Eindhoven – Atletico Madrid, Kiew – Manchester City.

Glamour für die Europa League 

Die Mannschaften der Europa League bekommen weniger Geld und weniger Aufmerksamkeit. Aber von einem „Pokal der Verlierer“ hat sich die EL einigermaßen verabschiedet. Einige großen Namen bringen der EL ein großes Maß an Glamour und am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen attraktiven Sieger. Zuletzt triumphierte zweimal der FC Sevilla. Der EL-Sieger erhält seit Neuestem das Startrecht in der CL, aber die Spanier konnten dies nicht nutzen und kehrten als Dritter der Gruppe D (hinter Manchester City und Turin) in ihren „angestammten Wettbewerb“ zurück. Auf dem Weg ins Finale am 18. Mai in Basel sollten die Norweger von FK Molde den Titelverteidiger nicht aufhalten, aber ins Finale wollen auch andere Hochkaräter: FC Porto, AC Florenz, Tottenham Hotspurs, SSC Neapel, Manchester United oder der FC Liverpool.

Gleich vier deutsche Teams sind in der Zwischenrunde vertreten, so dass die Europa League fast zu einer deutschen Liga wird. Gerade Borussia Dortmund träumt von einem EL-Coup, aber Boss Watzke beteuert immer wieder, dass vor allem die Qualifikation für die Champions League entscheidet sei. Nun, die Dortmunder haben in der Bundesliga zwar acht Punkte Rückstand auf Tabellenführer München, aber auch 13 Punkte Vorsprung auf den Dritten Bayer Leverkusen und dürfen sich im Moment als „Bester Zweiter aller Zeiten“ der Bundesliga bezeichnen. Dortmund hat sicherlich die Qualität um die EL zu gewinnen, mit dem FC Porto aber gleich einen schweren Gegner. Dass so ein Titel sich gut auf dem Briefkopf macht, ist auch die Meinung bei Bayer Leverkusen (gegen Sporting Lissabon) und Schalke 04 (gegen Schachtor Donezk). Doch beide gehören eher zu den Außenseitern. Überraschungsgast in der Zwischenrunde ist der FC Augsburg. Spieler und vor allem Fans wollen beim Aufeinandertreffen mit dem FC Liverpool und Trainer Jürgen Klopp nur eins: Genießen.

Auffallend: Seit Einführung der Europa League in der Saison 2009/2010 gab es keinen deutschen Sieger (2x Atletico Madrid und FC Sevilla, FC Porto, FC Chelsea London). Schalke 04 gewann 1997 als letzter deutscher Verein den damaligen UEFA-Cup.

Ob Champions League und Europa League für die Fußball-Fans zu einem Genuss werden, wird sich zeigen. Spannung ist aber auf jeden Fall garantiert. Große Namen garantieren ja auch große Tragödien.

Bei der FIFA wird sich nichts ändern

 

Keine drei Wochen sind es noch, bis im Weltfußball die Weichen neu gestellt werden sollen. Ein neuer FIFA-Präsident wird gesucht und soll am 26. Februar gewählt werden. Doch kann ein neuer Präsident überhaupt gewählt werden? Die Angst geht um vor den Tricks des alten Präsidenten Joseph S. Blatter, der, so sagt er es selbst süffisant „nicht offiziell zurückgetreten ist. Ich bin immer noch der gültige Präsident, wenn auch das Amt zwangsläufig ruht“. Es droht eine Schlammschlacht.

Alle Anzeichen deuten sowieso darauf hin, dass sich beim Fußball-Weltverband nichts ändern wird. Siegchancen für eine mögliche Neuwahl werden allein noch Gianni Infantino, dem UEFA-Generalsekretär, und Scheich Salman bin Ibrahim Al-Khalifa (Bahrain), Mitglied der Königsfamilie und Verbandsboss in Asien, eingeräumt. Infantino weiß die Europäer auf seiner Seite, Al-Khalifa hat die Verbände von Asien und Afrika hinter sich, gilt als Favorit. Er will mehr als 100 Stimmen schon hinter sich haben, insgesamt 209 Verbände stimmen ab…

Beide Kandidaten stehen keineswegs für einen Neuanfang bei der FIFA. Wie man es den Scheichs so nachsagt, wird bei Al-Khalifa vor allem das Geld eine Rolle spielen, das Geld, das er großzügig vor allem an die kleinen Verbände verteilen wird und auf deren Stimmen er also hoffen kann. Dass ihm in Bahrain Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, spielt da fast keine Rolle. Der Scheich bestreitet dies, andere machen es nicht zum Thema. Der Schweizer Infantino schielt natürlich auch auf die Stimmen der kleinen Verbände und hat sich für die Stimmenfang etwas anderes ausgedacht: Aufstockung der WM auf 40 Nationen. Da dürfen weitere kleinere Verbände aus Afrika, Asien und Südamerika auf ein Festmenü an den WM-Fleischtöpfen hoffen. Vorschläge im Sinne des Sportes hat man bisher keine gehört. Mit 40 Teilnehmern würde die WM weiter verwässert. Ein Vorschlag, der wie ein verzweifelter Rettungsring aussieht.

Sollte Infantino nicht gewinnen können, wäre Europa einmal mehr auf der Weltbühne der große Verlierer. Die sportlich starken Verbände bringen es nicht fertig, den Weltfußball im Sinne des Fußballs zu verändern. Nicht Geld darf die Hauptrolle spielen, der Sport muss es tun. Aber die Funktionäre in allen Herren Ländern sind zwar für den Sport zuständig, aber sie treiben meist keinen Sport mehr, sondern sind eher am Geld für sich und die Verbände interessiert und da ist ihnen das Hemd näher als die Hose, heißt, erst das Geld, dann der Sport. Alles deutet darauf hin, dass es nach der Korruptionsära des Sepp Blatter auch weiterhin vor allem um das Geld gehen wird.

Aber vielleicht gibt es keine Neuwahl, wenn Blatter den Weg nicht freimacht, Rechtsexperten sagen, dass ohne wirksame und schriftliche Rücktrittserklärung und ohne ordnungsgemäß angekündigte formelle Abwahl des Präsidenten die Wahl eines Nachfolgers angefochten werden könnte. Blatter selbst kann aufgrund seiner Sperre am FIFA-Kongress nicht teilnehmen. Sein von ihm sehnlichst gewünschter großer Abgang muss wohl ausfallen. Wir wissen aber, Blatter gefällt sich in der Rolle des großen Spielers ohne Rücksicht darauf, ob der Ruf des Fußballs leidet oder nicht. Von einem Abpfiff seines Spiels will er nichts wissen.

Das Sportjahr 2016 fängt ja gut an

 

Es war das Super-Wochenende des deutschen Sports. Eigentlich sollte ja der Wintersport im Mittelpunkt stehen, aber Tennis und Handball haben ihm die Show gestohlen. Die Deutschen, denen nachgesagt wird, dass sie allein ein Faible für Fußball haben, wurden plötzlich Tennis- und Handball-Fans. Sportliche Erfolge lockten die Nation vor die Bildschirme. Die Fans feierten Angelique Kerber für ihren Sieg in Melbourne und die Handballer für den EM-Titel in Krakau.

Als Boris Becker und Steffi Graf in den 80er und 90er Jahren von Sieg zu Sieg eilten und die Tennis-Welt aus den Angeln hoben, da schwappte ein Tennisboom über das Land. Jeder wollte auch zum Racket greifen, jeder ein bisschen Boris und Steffi sein. Mit dem Abtreten der Stars ebbte auch der Boom ab, die Tennis-Klubs haben heute oft nicht mal mehr die Hälfte der Mitglieder. Vor allem der Tennis-Bund lechzte nach einem Nachfolger bzw. Nachfolgerin, doch alle verheißungsvollen Talente blieben irgendwann auf der Strecke. Auch Angelique Kerber wurde der Sieg in Melbourne nicht zugetraut, aber die 28jährige löste ein Versprechen ein. Sie hat ihr Training umgestellt, dazu eine neue Einstellung zu ihrem Sport und sie prophezeite: „Bei den großen Turnieren will ich es krachen lassen.“ Es wurde gleich beim ersten Versuch ein Paukenschlag! 

Kerber: Eintagsfliege oder Nummer 1?

Erstmals seit Steffi Graf 1999 in Paris gab es wieder einen deutschen Grand-Slam-Sieg, aber ein Tennisboom wird so schnell wohl nicht wieder entstehen. Da müsste auch die „Angie“ zur Seriensiegerin werden und selbst dann wird die Einmaligkeit von Boris und Steffi nicht zurückkehren. Für Angelique Kerber beginnt jetzt der Druck, dass sie beweisen muss, dass der Erfolg von Melbourne keine Eintagsfliege war. Stark genug hat sie ja beim 6:4, 3:6, 6:4 gegen Serena Williams gespielt und vielleicht kann sie sich irgendwann auch noch einmal den zweiten Traum erfüllen: Die Nummer 1 der Welt zu werden!

Der Europa-Titel der Handballer war wohl noch sensationeller, wenn man die Vorgeschichte beachtet. Früher war Deutschland eine Handball-Nation, aber da wurde noch Feldhandball gespielt. Aber auch in der Halle waren die Deutschen erfolgreich, umso schmerzlicher der Niedergang in den letzten Jahren. Nach der Europameisterschaft 2007 und dem WM-Wintermärchen 2008 ging es nur noch abwärts. Bei der letzten WM durfte Deutschland quasi nur gnadenhalber starten. 

Handball: Glücksgriff Sigurdsson

Der Umschwung kam mit der Verpflichtung des Isländers Dagur Sigurdsson als Bundestrainer. Der Mann mit dem Händchen für den Nachwuchs und gute Stimmung im Team brachte die Wende. Vor der Europameisterschaft wurde die Mannschaft von Verletzungsausfällen gebeutelt, aber Sigurdsson zauberte immer wieder neue Asse aus dem Hut. Einer fiel aus, der nächste war noch besser und schoss entscheidende Tore. Fürwahr ein Handball-Wunder.

Eigentlich war das „Projekt Sigurdsson“ langfristig angelegt, Gold bei Olympia 2020 war das große Ziel. Vier Jahre zu früh gelang der Überraschungscoup und jetzt ergibt sich die Chance, das Gold auch vier Jahre früher zu holen. Schließlich war der EM-Titel auch die Eintrittskarte für die Weltmeisterschaft 2017 und die Olympischen Spiele im August. Da wird Deutschland die Konkurrenz allerdings nicht mehr überraschen können. Spanien zum Beispiel wird nach dem 17:24 auf Revanche sinnen. Der Favorit, in der Vorrunde noch Sieger, war zuerst überrascht, dann aus dem Tritt und am Ende nur noch frustriert. Die Deutschen dagegen schon zehn Minuten vor dem Abpfiff des Finales in Feierlaune. Und in der Heimat saßen rund 13 Millionen vor den Bildschirmen. Die Fußball-Nation wurde plötzlich Handball-Fan.

Deutschland ein Land der Rodler

Aber auch der Wintersport ließ sich nicht lumpen, ging allerdings angesichts der Sensationen ein bisschen unter. So gewannen die Rodler bei ihrer Heim-WM am Königssee in Berchtesgaden sechs von sieben möglichen Gold-Medaillen und untermauerten, dass Deutschland auch ein Land der Rodler ist. Eric Frenzel schaffte mit einer fast schon unmenschlichen Aufholjagd in der Nordischen Kombination von Seefeld das „Triple-Triple“, er gewann in allen drei Jahren alle drei Wettbewerbe und machte sich quasi unsterblich. Jetzt wird vielleicht sogar eine Straße in Seefeld nach ihm benannt. Viktoria Rebensburg rundete die Erfolgsserie mit einem Sieg beim Riesenslalom in Maribor ab.

Fürwahr, das Sportjahr 2016 fängt gut an. Jetzt hoffen die deutschen Sportfans, dass sie auch im August bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro jubeln und feiern dürfen. Dafür könnten auch Angelique Kerber und die Handballer sorgen!

Der alpine Skisport braucht die Show

 

Kitzbühel hat die Sportfans wieder einmal elektrisiert. Die Abfahrt auf der Streif gilt als die schwerste der Welt – spektakuläre und leider meist auch folgenschwere Stürze inbegriffen. Die Moralisten fordern, dass da nicht mehr gefahren wird, zu gefährlich. Die Sportler selbst gehen offenen Auges die große Herausforderung an und das Publikum ist begeistert. Am Ende sind beide Seiten froh, wenn ein Fahrer gesund wieder unten ist. Hier ist der alpine Skisport auch Show – und die Show braucht der alpine Skisport um sich gegen die Konkurrenz als Wintersport Nummer 1 zu behaupten. In Deutschland zumindest haben die Alpinen ihre Vormachtstellung schon lange gegen Biathlon verloren. Und Biathlon gilt auch als Vorbild, denn dort wurden die Wettbewerbe fernsehgerechter und zuschauerfreundlicher. Biathlon ist spannend, man könnte sagen, dort ist jeder Schuss ein Treffer.

Kitzbühel ist bei den Alpinen eine Ausnahme, ist ein Event, dort tauchen auch die Schönen und Reichen des Showbusiness auf. Wann sonst ist der Sport schon Anlass für eine große Party. Aber nach diesen Anlässen suchen viele Verantwortlichen, denn der Wintersport ist bedroht. Einmal natürlich von der Klimaveränderung. Keiner weiß heute mehr, wann wirklich Winter ist. Umso problematischer ist es, im Vorfeld den Terminkalender zu erstellen. Bisher gehen die Organisatoren im Skiverband noch immer nach dem alten Muster vor. Dabei müssten schon längst langfristige Wetterbeobachtungen einfließen.

Noch mehr aber sollten sich die Funktionäre des Internationalen Ski-Verbandes Gedanken machen, wie der zweifellos attraktive alpine Skisport auch im Bewusstsein der Sportfans die Stellung als Nummer 1 zurückgewinnen kann. Der deutsche Ski-Star Felix Neureuther hat hier kürzlich in einem Interview mit der Bild am Sonntag die Finger in die Wunde gelegt. So kritisierte er, dass es in der Zeit ohne Fußball nach Weihnachten zu wenige Skirennen gibt und die Slalomfahrer bis auf ein Rennen sowieso Pause hatten. Interessant sein Vorschlag, mehr auf Nachtslaloms zu setzen, zum Beispiel jeden Freitag ein Nachtslalom. Die Leute brauchen Kontinuität. Es prägt sich ein, wenn man weiß, Freitag ist wieder Slalom. Auch müssen die Veranstaltungen gekürzt, verdichtet werden. Beispiel Parallelslalom.

Der Parallelslalom gilt heute noch als Experiment, dabei hat er sich schon lange bewährt. Der Kampf Mann gegen Mann bzw. Frau gegen Frau sorgt für zusätzliche Spannung. Es gab spektakuläre Rennen in spektakulärer Umgebung. So wurde die Neujahrsveranstaltung in München am Olympiaberg ein voller Erfolg – wenn sie stattfinden konnte. Auch 2015 gab es wieder eine Absage, weil sich frühzeitig ein Schneemangel abzeichnete. Erste Aufgabe: Die Techniker müssen Möglichkeiten erfinden, dass die Natur überwunden wird und Schnee auch bei wärmeren Temperaturen produziert werden kann. Dann kann der alpine Skisport sich als Show, als Ereignis, als Event verkaufen, mit Nachtslaloms in den Metropolen der Welt, zum Beispiel nicht nur in München, sondern auch in New York, Mailand, London oder Paris.

Die Abfahrer werden sagen, „das gilt für den Slalom, was ist mit uns?“ Setzt sich der Schneemangel fort, dann werden ihre Probleme immer größer. Eine Abfahrtsstrecke mit den entsprechenden Sturzräumen braucht viel Schnee und viele Helfer zur Präparierung. Doch ihre Show wird nicht sterben, in Kitzbühel liegt immer mal Schnee, das wird so bleiben. Die Frage ist später vielleicht einmal, wann…

Bayern und Pep: Das Triple oder es war nix!

 

Der Countdown läuft. Die Fußball-Welt weiß, Trainer Pep Guardiola wird am Saison-Ende den FC Bayern München und die Bundesliga verlassen. Seine Wege führen ihn nach England, nur den (glücklichen?) Verein will er noch nicht nennen. Der Spanier wurde am Montag 45 Jahre alt und sucht eine neue Herausforderung. Sein Nachfolger in München steht im Gegensatz dazu fest, der Italiener Carlo Ancelotti.

Muss er das unvollendete Werk von Pep Guardiola vollenden oder schafft es Pep selbst? Der Katalane steht unter Druck. In Anlehnung an seine Forderung zu Beginn seiner Tätigkeit in München, als er seinen Lieblingsspieler forderte mit dem Satz „Thiago oder nix“, heißt es nun: Das Triple oder es war nix! Die Bayern erfüllten ihm seinen Wunsch, erfüllt jetzt Pep den Traum der Bayern?

Mit glänzenden Augen wurde Pep Guardiola vor zweieinhalb Jahren in München empfangen. „Der beste Trainer der Welt“ hieß es, nach neun Titelgewinnen mit dem FC Barcelona, davon zweimal die Champions League (2009 und 2011), die Erfolge schienen buchstäblich auf der Straße zu liegen. Fünf Titel holte er auch mit seiner neuen Mannschaft, die zumindest als eine der besten Welt gilt. Aber neben der FIFA-Klub-WM, zwei deutschen Meisterschaften, dem UEFA-Supercup und DFB-Pokal fehlt eben die Krönung, der Traum vom erneuten Gewinn der Champions League. Wer national von einem Rekord zum anderen eilt und schier keinen adäquaten Gegner mehr zu besitzen scheint, der strebt natürlich nach Höherem, in dem Fall die Krone Europas.

Die Konstellation könnte ja spannender nicht sein: Vor drei Jahren beendete Trainer Jupp Heynckes sein Engagement in München und seine Trainer-Laufbahn mit dem Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League. Er packte seinem Nachfolger Guardiola einen dicken Rucksack. Der beeindruckte durchaus, trieb seine Spieler teilweise zu traumhaften Fußball, verwunderte aber auch mit manchen Experimenten und zeigte eine Schwäche: Jeweils im Frühjahr, wenn die deutsche Meisterschaft frühzeitig entschieden war, kam seine Mannschaft international aus dem Tritt. Jetzt hat Pep noch eine Chance…

Der FC Bayern München hatte (logisch) eine ganze Reihe von international anerkannten Trainern wie Giovanni Trapattoni oder Branko Zebec, aber die deutschen Trainer Ottmar Hitzfeld (zudem auch mit Borussia Dortmund) und Jupp Heynckes holten die europäische Trophäe. Doch einen deutschen Trainer, der es mit Guardiola oder Ancelotti aufnehmen könnte, ist derzeit nicht zu sehen. Deshalb blieben die Bayern auf der internationalen Schiene und im Gegensatz dazu müssen die Trainer halt deutsch lernen, wie es Pep getan hat und wie es dem Vernehmen nach derzeit der Italiener Ancelotti fleißig tut. Beide Coaches haben aber eines gemeinsam, sie beherrschen mehrere Sprachen, was in der Multikulti-Gesellschaft einer internationalen Mannschaft heute wohl notwendig ist. Andererseits heißt es in München, „bei uns wird in erster Linie deutsch gesprochen“ – oder vielleicht noch bayrisch…

Die nächsten Monate werden also zeigen, wie nach drei Jahren das Wirken von Pep Guardiola in München bewertet werden wird. Geht er als großer Triumphator (was ihm natürlich jeder Bayern-Fan sehr eigennützig wünscht!) oder geht er als der Fachmann, der eben ein unvollendetes Werk hinterlässt, das seinen Ruf als weltbester Trainer einen Kratzer zufügen würde. An Ehrgeiz wird es Spielern und Trainer nicht mangeln, was beide brauchen, ist zweifellos etwas Glück.

Das Glück des Carlo Ancelotti wäre es allerdings, wenn ihm Guardiola ein unvollendetes Werk übergeben würde… Man könnte sich gut vorstellen, dass er eher Real Madrid, dem FC Barcelona und vielleicht sogar schon Juventus Turin im Achtelfinale die Daumen drückt. Je weniger Guardiola gewinnt, umso leichter wird die Aufgabe für Ancelotti!

Der König ist wieder auf dem Thron

 

Man könnte meinen, der Ausdruck „Messias“ aus dem Biblischen, der für Könige und Hohepriester galt, stammt aus der Neuzeit und wurde für einen erfunden, für den König der Fußballer, für Lionel Messi. Der 28jährige, der Messias des Balles, wurde wieder zum „Fußballer des Jahres“ gewählt, der König ist wieder auf dem Thron.

Der Sport-Grantler hat es schon in den vergangenen Jahren betont, dass die Wahl beim „Ballon d’Or“ ziemlich langweilig ist. Trainern, Spielern und Journalisten, die wählen dürfen, fehlt meist der Einfallsreichtum, der Willen, auch mal einem Außenseiter eine Chance zu geben, der in diesem einem Jahr wirklich besser war als die üblichen Verdächtigen. Franck Ribery zum Beispiel 2013. So aber wechseln sich die Stürmer-Stars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi in schöner Regelmäßigkeit ab. „CR7“ war die beiden letzten Jahre stolz, dass er den Argentinier quasi in die Pampa schicken konnte und den „Ballon d’Or“ in den Händen hielt. Jetzt schlug der König zurück, zum insgesamt fünften Mal holte er sich den „Goldenen Ball“, zuvor von 2009 bis 2012 durchgehend. Der letzte Sieger, der nicht Messi oder Ronaldo hieß war 2007 der brasilianische Edeltechniker Kaka, der diesmal in Zürich den Sieger verkünden durfte. Es wird Zeit, das Allerlei zu beenden. Eintopf schmeckt nicht immer.

In diesem Jahr gibt es an der Wahl von Lionel Messi allerdings nichts zu granteln. Messi hatte mit dem FC Barcelona ein überragendes Jahr und holte quasi alle Pokale, die es zu gewinnen gab. Da musste Ronaldo einfach in die Röhre gucken, da war es eher verwunderlich, dass Messis Vereinskollege, der Brasilianer Neymar, nicht auf Platz zwei kam. Er ist ein Kandidat für die Zukunft.

Deutsche Spieler sind es wohl vorerst nicht. „Willst Du den ‚Ballon d’Or’ gewinnen, musst Du in England oder Spanien spielen“, heißt der Rat an die Kandidaten. Manuel Neuer wäre vor einem Jahr ein würdiger Gewinner gewesen, weil er als Weltmeister das Torhüterspiel auf eine neue Stufe gehoben hat. Neuer war diesmal immerhin der einzige deutsche Spieler in der Weltelf. Doch Torhüter und Abwehrspieler haben gegen die Torjäger und Zauberer vor dem Tor kaum eine Chance. So müsste zum Beispiel Thomas Müller 2016 bei der Europameisterschaft zumindest Torschützenkönig und eben Europameister werden und zudem noch mit Bayern München die Champions League gewinnen, um in den engeren Kreis der Kandidaten zu kommen. Ein Müller ist halt kein Messias. „Mülleras“ klingt nicht so gut.

Bei den Frauen wurde die kleine deutsche Serie beendet, nach fünfmal Marta (Brasilien) ist die Wahl beim weiblichen Geschlecht eine amerikanisch-deutsche Angelegenheit. Carli Lloyd setzte sich diesmal durch nach Nadine Kessler und Nadine Angerer in den letzten beiden Jahren. „Trainer des Jahres“ war – logisch – Luis Enrique vom Seriensieger FC Barcelona. Seltsam nur, dass Pep Guardiola Zweiter wurde, er hat im letzten Jahr mit dem FC Bayern München nicht viel erreicht und international eher eine Blamage hinnehmen müssen. Dies zeigt deutlich: Welche Fachleute die Juroren auch sein mögen, die bekannten Namen haben einfach einen Bonus. Vielleicht steht Pep Guardiola im nächsten Jahr ganz oben, dann aber müssen die Münchner des Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewinnen.

Die schönste Ehrung durfte der deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah (früher Schalke 04) entgegennehmen und zwar stellvertretend für alle, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Und da tut der Fußball ja einiges zur Integration. Das ist die wahre Stärke des Fußballs bzw. des Sports, hier werden unterschiedliche Nationalitäten wirklich zur Nebensache.

Skisport: Das Phänomen Vierschanzentournee

 

Freund Erwin sagte es klipp und klar: „Weißt Du, Skispringen interessiert mich nicht, ist doch langweilig, wenn einer nach dem anderen über die Schanze geht. Erst am Schluss gibt es Spannung. Aber die Vierschanzentournee, die schaue ich mir schon an.“ Genau diese Aussage beschreibt das Phänomen Vierschanzentournee. Mit Skispringen haben die meisten generell nichts am Hut, aber die vier Springen rund um die Jahreswende bannen die Zuschauer vor die Bildschirme oder locken sie sogar in die Stadien. Über sechs Millionen sahen die Übertragungen in Deutschland bei ARD und ZDF, Quoten, die in den letzten Jahren nicht mehr erreicht wurden und die auch Formel 1, Biathlon und Boxen (außer Klitschko-Kämpfe) als nächste Quoten-Könige (Fußball ist außen vor) schlagen. Zumindest in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen meldeten die Veranstalter außerdem „ausverkauft“. In dieser Saison war die Tournee sogar das absolute Highlight, weil es keine Weltmeisterschaft gibt.

Das Phänomen beginnt schon bei der Schreibweise. In den Medien sieht man „Vier-Schanzen-Tournee“ oder „Vierschanzen-Tournee“ oder eben „Vierschanzentournee“. Der Sport-Grantler hält sich hier an die wohl offizielle Schreibweise der Veranstalter. Das Phänomen setzt sich fort, dass sich auch viele Frauen für die Hupfer zwischen den Jahren begeistern können. Gut in Erinnerung sind noch die vielen Teenies, die vor zehn bis 14 Jahren Sven Hannawald und Martin Schmitt am Skianzug hingen. Es waren die „Zahnspangen-Fans“. Bei den Österreichern waren Andreas Goldberger, Thomas Morgenstern oder Gregor Schlierenzauer größere Stars als jeder Fußballer oder Abfahrer.

Gut, solch eine Begeisterung gab es diesmal nicht mehr. Auf deutscher Seite ist Severin Freund eher bodenständig, nicht der Glamour-Boy und außerdem in festen Händen. Die Österreicher mussten einen bitteren Rückschlag hinnehmen, denn erstmals seit 2008 (Janne Ahonen, Finnland) stellten sie nicht mehr den Sieger. Sieben Mal war zuletzt ein Österreicher auf dem Siegertreppchen ganz oben.

Der Triumphator war diesmal PeterPrevc aus Slowenien. Der große Star aus dem kleinen Land lieferte eine tolle Flugshow ab und musste nur in Oberstdorf vorzeitig landen, als ihn der Wind niederdrückte. Das rettete Sven Hannawald den alleinigen Rekord, als er 2002 als erster und bisher einziger Athlet alle vier Springen gewann. Severin Freund machte Prevc das Leben schwer, aber der Slowene wusste auf jeden guten Sprung des Deutschen eine noch bessere Antwort. Dennoch darf sich das Skispringen im Aufwind fühlen. Die Norweger stellten ebenso eine starke Mannschaft wie die Österreicher und vor allem auch die Deutschen, die mit vier Springern unter den ersten Zwölf in der Gesamtwertung vertreten waren.

Das lässt darauf schließen, dass das Phänomen Vierschanzentournee Ende Dezember in Oberstdorf eine Neuauflage der Begeisterung erlebt. Das Phänomen Vierschanzentournee wird aber auch in den nächsten Wochen deutlich werden, wenn die „normalen“ Springen über die Bühne gehen. Der Alltag der Skispringer mit vielleicht zwei oder drei Millionen Zuschauern an den Bildschirmen. Allerdings sollte sich der Internationale Ski-Verband überlegen, ob nicht der direkte Wettkampf von zwei Springern wie bei der Tournee jedes Springen interessanter machen würde. Das direkte Duell hat was für sich und lockt sicherlich Zuschauer. So aber: „Ist doch langweilig, wenn einer nach dem anderen über die Schanze geht“, sagt Freund Erwin.

2016 werden die Weichen im Sport neu gestellt

 

Der Terminkalender im Sportjahr 2016 ist voll, aber nicht die sportlichen Wettbewerbe werden im neuen Jahr im Mittelpunkt stehen, sondern die Geschehnisse auf der Funktionärsbühne. Ob der Sport davon profitieren wird, das kann erst die Zukunft zeigen. Eines ist aber sicher, 2016 werden die Weichen im Sport neu gestellt. Wir Sportfans können nur darauf hoffen, dass sie für eine glückliche Zukunft gestellt werden.

Im Mittelpunkt wird auch 2016 der Skandal im Fußball-Weltverband stehen. Am 26. Februar soll der neue FIFA-Präsident gewählt werden und von dieser Wahl wird es abhängen, wie der Fußball-Weltverband in Zukunft wahrgenommen wird: Gibt es einen wirklichen Neuanfang oder eine verdeckte Art der alten Korruption? Der Gau wäre, wenn die Justiz auch die neuen FIFA-Funktionäre im Visier hätte.

Aber auch im Hinblick auf Olympische Spiele werden die Weichen neu gestellt. Wie zu hören ist, werden in Rio de Janeiro die Stadien bis zum Start am 5. August bereit sein, allerdings gibt es am Rande des Sportes in Brasilien erhebliche Probleme: Die ökonomische Krise des Landes, ein Korruptionsskandal, Umweltprobleme und Rückstand bei der Modernisierung der öffentlichen Verkehrsmittel. Dazu kommt, dass die sportlichen Aussichten des Gastgeberlandes nicht besonders gut sind. Fraglich ist, ob dann die typische brasilianische Begeisterung entflammt wird. Möglich, dass nur der brasilianische Optimismus hilft: Alles wird gut!

Allerdings stehen die Olympischen Sommerspiele ebenso dafür, dass auch bei Olympia die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Immer mehr Städte, immer mehr Länder, die sich für die Austragung von Olympischen Spielen bewerben wollen, haben Probleme, diese Großveranstaltung den Bürgern schmackhaft zu machen. Die Gegner haben leichtes Spiel: Sie prangern die Korruption in den Verbänden an, verweisen auf überdimensionale Kosten und punkten damit, dass das Geld für die eigene Bevölkerung besser angelegt wäre. Die Stadtväter von Hamburg und Boston haben zum Beispiel 2015 erfahren müssen, dass die Bevölkerung „NOlympia“ sagt. Insofern wären Probleme und galoppierende Kosten in Rio Wasser auf die Mühlen der Olymia-Gegner. Also, auch in Rio werden Weichen gestellt! Allerdings glaubt der Sport-Grantler nicht, dass generell die Zukunft von Olympia auf dem Spiel steht.

Man mag es kaum glauben, aber die Wettkämpfe, die Leistungen der Sportlerinnen und Sportler werden 2016 schon noch im Mittelpunkt stehen. Eben durch Olympia, aber auch durch die Fußball-Europameisterschaft vom 10. Juni bis 10. Juli in Frankreich. Im Sog des FIFA-Skandals wird alle Welt diese EM besonders kritisch betrachten.

Im Schatten dieser Großereignisse gibt es aber auch eine Reihe von anderen Weltmeisterschaften und Veranstaltungen von weltweitem Interesse, die dafür sorgen, dass uns Sportfans 2016 nicht langweilig wird. Es beginnt mit der Handball-Weltmeisterschaft vom 15. bis 31. Januar in Polen, die Eishockey-Weltmeisterschaft wird vom 6. bis 22. Mai in Russland ausgetragen (Eishockey gilt aber schon noch als Wintersportart!), die Leichtathletik-Europameisterschaft findet vom 6. bis 10. Juli in Amsterdam statt und dann gibt es ja auch noch die Formel 1 mit sage und schreibe 21 Rennen vom 20. März in Melbourne bis 27. November mit dem Finale in Abu Dhabi (auch in Deutschland wird wieder gefahren, 31. Juli Hockenheim), die Tour de France (2. bis 24. Juli), die großen Turniere im Tennis und Golf, das mit dem Ryder Cup vom 30. September bis 2. Oktober in Chaska/Minnesota auf ein Weltereignis verweisen kann.

Trotz aller Skandale freuen wir uns also auf das Sportjahr 2016. Der Sport-Grantler wird es wieder mit seinen Kolumnen begleiten und hofft, dass dies auch seine Blog-Leser auf allen fünf Kontinenten tun werden. Der Sport-Grantler wünscht allen ein gutes neues Jahr mit viel Spaß an jedem Tag und vor allem beim Sport.

2015 war ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport

 

Die deutschen Sportlerinnen und Sportler sammelten wieder Titel und Medaillen, waren in vielen Sportarten wieder mit an der Weltspitze. Die sportliche Bilanz stimmte also, dennoch war 2015 ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport. Die Ereignisse von 2015 werden auch in vielen Jahren noch Auswirkungen auf den Sport haben. Die Schuld tragen nicht die Athleten, die Schuld tragen die Funktionäre.

Es kommt auf die Sichtweise an, was dem deutschen Sport am meisten geschadet hat. Im Vordergrund steht vielleicht der Korruptionsskandal des Weltverbandes FIFA, der bis nach Deutschland durchschlug. Plötzlich kam das „Sommermärchen“ der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ins Visier und die sonst so selbstbewussten DFB-Funktionäre, allen voran DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, zeigten plötzlich Unsicherheiten und Schwächen und verstrickten sich in seltsamen Erklärungen, die man von außen schnell als offensichtliches Lügengebilde ansehen musste. Wo sind die 6,7 Millionen Euro hin? Wurde bestochen oder nicht? Die Aufklärung wird sich bis Sommer 2016 hinziehen, wenn es denn überhaupt am Ende eine plausible Aufklärung geben wird. Dann wird sich auch zeigen, ob „Kaiser“ Franz Beckenbauer noch eine saubere Weste hat oder ob des Kaisers Kleider auch schmutzig geworden sind. Zur Entschuldigung muss man allerdings sagen: Die Zeiten erforderten damals gewisse Handlungen, um die Fußball-Weltmeisterschaft austragen zu können. Für die Öffentlichkeit bleibt ein bitterer Nachgeschmack, der deutsche Sport erlebte schwarze Stunden.

Eine schwarze Stunde war auch, dass Hamburgs Bevölkerung eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 ablehnte. Grund der Ablehnung war neben vielleicht nicht beherrschbaren Kosten vor allem auch die Abneigung, selbstherrlichen Funktionären mit Olympia eine Bühne zu bieten. Großereignisse gelten nicht mehr als zeitgemäß, die Gegner gewannen mit dem Argument, dass mit dem Geld soziale Einrichtungen besser unterstützt werden können. Das eine tun ohne das andere zu lassen, das sah die Mehrheit der Bevölkerung nicht so. Hamburg hat eine große Chance zur Weiterentwicklung der Stadt verpasst, der deutsche Sport hat Schaden genommen, weil sich für die nächste Zeit kaum eine Stadt an eine Olympia-Bewerbung wagen wird.

Eine Niederlage erlitt der deutsche Sport auch bei der Bewerbung um den Ryder Cup 2022 im Golf, der nicht in der Nähe von Berlin, sondern vor den Toren Roms ausgetragen wird. Die Italiener gewannen mit viel Geld gegen eine gute und schlüssige Bewerbung der Deutschen. Die große Masse der Bevölkerung tat diese Niederlage als Randnotiz ab, weil Golf ja auch nur eine Randsportart sei. Über die Grenzen Deutschlands hinaus muss man allerdings feststellen, dass der Ryder Cup, der Erdteilkampf zwischen den USA und Europa, eines der größten Sportereignisse der Welt nach Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaft ist. Insofern nicht nur ein schwarzes Jahr für das Golf hierzulande, das sich nach mehr Aufmerksamkeit sehnt, sondern eben auch für den deutschen Sport, der auch hier bei einem Großereignis nicht zum Zuge kam.

Das schwarze Jahr wird noch Auswirkungen haben, weil der Sport für positive Schlagzeilen sorgen muss, um Kinder und junge Leute für den Sport zu interessieren. Gerade Olympische Spiele im eigenen Land gelten da als besondere Lokomotive. Sportarten, die nicht im Blickpunkt stehen, haben schon Probleme bei der Nachwuchsförderung. Sportarten, die nicht erfolgreich sind, haben Probleme mit der Finanzierung. Die selbstbewussten Deutschen wollen erfolgreich sein, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Kunst und vor allem auch im Sport. 2015 wurden aber nicht die Weichen für eine gute Zukunft des deutschen Sports gestellt. Ganz im Gegenteil, 2015 war ein schwarzes Jahr für den deutschen Sport.