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Tag: Doping

Paralympics die wahren Olympischen Spiele für Rio

 

Viele fragen sich: Ist ein Wunder geschehen? Dort, wo die Brasilianer vor Wochen den olympischen Wettkämpfen skeptisch gegenüberstanden und ihnen meist fernblieben, herrscht plötzlich Begeisterung. Die behinderten Wettkämpfer werden umjubelt, die Ränge sind gut gefüllt, die Stimmung ist fast euphorisch. Die Paralympics, meist nur ein Anhängsel der Spiele, obwohl sie seit 1988 immer von der Olympia-Stadt ausgerichtet werden müssen, sind in Rio de Janeiro zum olympischen Erlebnis geworden. Warum? Die Gründe sind offensichtlich.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele standen vor allem die Kosten im Blickpunkt, standen sich das Volk und Politik fast feindselig gegenüber, bestimmten Korruption und Doping die Schlagzeilen. Das Olympische Feuer brannte zwar, aber nicht wirklich in den Herzen der Bevölkerung. Ganz anders bei den Paralympics. Auch da gab es im Vorfeld Sorgen, weil nur wenige Eintrittskarten verkauft wurden. Die Veranstalter senkten die Preise und sorgten damit für einen Boom. Eine Sperre fiel weg und weckte dafür Begeisterung. Selbst nicht gut betuchte Brasilianer konnten sich Olympia leisten und die behinderten Sportler wurden quasi zum Synonym für das eigene Leben, das für viele von Behinderungen im Alltag, vom Überlebenskampf gekennzeichnet ist. So wurden die Paralympics in Rio de Janeiro für die Bevölkerung zu „ihren“ Spielen, die wahren Olympischen Spiele.

Dabei haben auch die Paralympics ihre Unschuld verloren. Alle negativen Auswüchse des Profisports sind auch bei den Behinderten zu beobachten. Dort, wo der Sport professionell betrieben wird, geht es um Geld und um den Vorteil mit allen Mitteln. Also spielt auch bei den Behinderten Doping eine große Rolle, geht es darum, technische Vorteile bei den Hilfsmitteln wie Prothesen in Einklang zu bringen, doch manche verschaffen sich natürlich technische Vorteile. Einen gewissen Gigantismus haben die Paralympics auch erreicht, aus ursprünglich 400 Teilnehmern bei den Anfängen 1960 sind inzwischen über 4000 geworden, um 528 Entscheidungen ging es in Rio.

Ein Medaillenspiegel verbietet sich eigentlich bei den Paralympics, dennoch wird er geführt und einige Nationen haben auch die Spiele der behinderten Sportler dafür entdeckt, um sich als fortschrittliche und sportlich erfolgreiche Nation zu präsentieren. Allen voran China, dass am Ende über 200 Medaillen gewonnen haben wird, also fast bei der Hälfte aller Wettkämpfe mit einer Sportlerin oder Sportler auf dem Treppchen stand. Vorne dabei neben Großbritannien und den USA auch die Ukraine, was Fragen aufwirft. Deutschland freute sich über viele Medaillen (Rang 6), aber vor allem auch Brasilien war über die Maßen erfolgreich, wesentlich erfolgreicher als bei Olympia, so dass auch sportlich die Begeisterung der Bevölkerung angeheizt wurde. Allerdings wird gerade bei den Paralympics die Schere zwischen Arm und Reich deutlich, weil sich ärmere Athleten nicht die besten technischen Hilfsmittel leisten können. So sind die Staaten erfolgreich, die ihre Athleten vor allem finanziell unterstützen.

Im Vordergrund bei den Paralympics muss allerdings stehen, welches Schicksal die Athleten gemeistert haben. Der Sport half, mit der Behinderung zu leben. Das ist wichtiger als jede Medaille oder jeder Medaillenspiegel. Deutschlands erfolgreichste Athletin Marianne Buggenhagen, die jetzt mit 63 ihre Karriere beenden will und nach einem Bandscheibenvorfall eine Querschnittslähmung erlitt, sagte im Rückblick: „Wenn ich den Sport nicht gehabt hätte, wäre ich im Pflegeheim gelandet oder asozial geworden.“ Das zählt mehr als jede Medaille.

In der Doping-Falle: Geht Olympia den Bach runter?

 

Mit Glanz und Gloria gingen die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro zu Ende, aber einen Olympia-Rausch gab es in Brasilien nicht. Der Kater wird dennoch kommen. „Wunderbare Spiele in einer wunderbaren Stadt“ schwärmte IOC-Präsident Dr. Thomas Bach und benahm sich dabei wie ein Tourist. Es waren eher seltsame Spiele im Schatten des Dopings, des Chaos, vieler Pannen und leider auch oft halbleere Zuschauertribünen mit einem teilweise unfairen Publikum. Es waren aber auch Spiele der Herzlichkeit, der Offenheit und der Lebensfreude. Beachvolleyball an der Copacabana sorgte für Gänsehaut.

Doch was kommt danach? Die Bevölkerung von Rio wird sich über eine bessere Infrastruktur freuen, die Stadt aber auf einem Haufen Schulden sitzen bleiben. Ein paar reiche Unternehmer haben den Reibach gemacht, für die Armen in den Favelas ist keine Besserung in Sicht. Brasilien wird einst dennoch stolz auf die ersten Olympischen Spiele in Südamerika zurückblicken können, nach dem Motto: Wir haben es geschafft. Das Positivste: Es gab keinen terroristischen Anschlag, wenn auch die Kriminalität trotz der besonderen Sicherheitsmaßnahmen allgegenwärtig war.

Was danach kommt, muss sich vor allem das Internationale Olympische Komitee fragen. Es sitzt nämlich in der Doping-Falle. Wenn diese Problematik nicht energisch angegangen wird, geht Olympia früher oder später buchstäblich – nomen est omen – den Bach runter. Künftig muss Doping noch mehr geächtet und vor allem strenger sanktioniert werden. Das IOC gab ein schlechtes Beispiel ab, als der russischen Mannschaft nicht komplett der Start verweigert wurde. Manche Sportarten gelten absolut als Dopingverseucht. Hier muss aufgeräumt werden. Es muss wirksame Sperren geben und Verbände, die den Betrug nicht verhindern können, müssen ausgeschlossen werden. So zum Beispiel Gewichtheben, wo Bulgarien und Aserbaidschan ausgeschlossen waren, Weißrussland, Kasachstan, Armenien und die Türkei nur durch die Hintertür reinkamen und auch Russland, Usbekistan, Moldawien, Rumänien und die Ukraine, die des systematischen Betrugs bezichtigt werden. Sie haben bei Olympia nichts zu suchen! Das IOC muss bereits im Hinblick auf die Winterspiele 2018 Härte zeigen!

Dies nur als Beispiel. Würde betrügerische Nationen ausgeschlossen, wäre der Gigantismus der Spiele kein Problem mehr. Wenn aber schon die Doping-Kontrollen lückenhaft durchgeführt werden, wird sich das IOC aus der Doping-Falle nie befreien können. Angeblich sollen in Rio Athleten verwechselt worden sein, Kontrolleure seien gar nicht erschienen und bei Kontrollen wäre geschlampt worden. Fremde Personen sollen bei den Kontrollen anwesend gewesen sein. Dem Betrug wurden Tür und Tor geöffnet. Ein effektiver Kampf gegen das Doping sieht anders aus.

Olympia bleibt aber ein Fest des Sports für die Sportler. Wer selbst die amerikanischen Basketball-Millionäre gesehen hat, wie sie sich über ihre Goldmedaille wie kleine Kinder gefreut haben, der hat ein bisschen was vom Zauber Olympias gespürt. Olympia muss den Sportlern erhalten bleiben, aber der Sport-Grantler hat es schon öfters angeprangert: Viele Funktionäre sind der größte Feind des Sports, weil sie ihn nur zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen, anstatt dem Sport zu dienen, wie es eigentlich ihre Aufgabe sein sollte.

Deutsche Medaillen mit zwei Seiten

Auch die deutsche Olympia-Bilanz fällt zwiespältig aus. Medaillenzähler stellen fest, dass 42 Medaillen gegenüber den 44 von London 2012 ja nicht so schlecht sind, zumal 17 Goldmedaillen gegenüber elf von London quasi eine Wertsteigerung bedeuten. Einzelne Verbände müssen sich jedoch Gedanken machen, was sie in Zukunft besser machen können. Vor allem Schwimmer und Fechter befinden sich in einer tiefen Krise, Kanuten, Reiter und Schützen retteten Deutschlands Medaillenbilanz. Auffallend ist, dass alle teilnehmenden Mannschaften mit einer Medaille nach Hause fahren. Das passt zu dem Trend, dass die Jugend vielfach das Gemeinschaftserlebnis in Mannschaftssportarten sucht. Fechten zum Beispiel hat das Problem, dass es nur wenig Angebotsmöglichkeiten für die Jugend gibt.

Der Deutsche Sport-Bund sollte sich an Großbritannien orientieren, dort wurde die Förderung vor den Spielen in London extrem gesteigert und die Erfolge wurden in Rio wiederholt. Großbritannien war hinter den USA und noch vor China die zweitbeste Nation. Deutschland landete 17 Gold, 10 Silber und 15 Bronze auf Rang vier, wird in ein paar Jahren aber als Vierter gewertet werden, dann nämlich, wenn die eingefrorenen Dopingproben mit neuen Methoden untersucht werden und Russland (18-17-18) wohl einige Medaillen verlieren wird…

Zwiespältig wird auch die Bilanz der deutschen Fernsehsender ARD und ZDF ausfallen. Sie erlebten vielleicht zum letzten Mal einen Olympiaboom bei den Zuschauerquoten. Deutschland zeigte sich an den Bildschirmen von Olympia begeistert, fast durchgehend schaute jeder Fünfte Olympia an, die Quoten erreichten in der Spitze bis zu neun Millionen Zuschauer. 2018 in Pyeongchang in Südkorea und 2020 in Tokio stehen die Sender allerdings im Abseits. Der US-Konzern Discovery hat sich die Rechte gesichert und will über Eurosport hierzulande berichten. Die Verhandlungen über Sublizenzen gestalten sich als schwierig. Sollten ARD und ZDF künftig außen vor sein, dann würden die sogenannten Randsportarten in Deutschland darunter leiden, denn beide Sender haben bereits angekündigt, dass sie dann auch die nationalen Übertragungen reduzieren würden. Das IOC hätte dann in seiner Geldgier wieder einmal den kleineren Verbänden geschadet. Kanuten, Schützen und andere erleben nur alle vier Jahre eine besondere Aufmerksamkeit, ansonsten führen sie ein Schattendasein. Auch hier geht also der Sport dann den Bach runter…

Licht und Schatten bei Olympia in Rio

 

Die erste Woche bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro ist vorbei, eigentlich gehen die Spiele sogar schon in den Endspurt über. Zeit also für eine Zwischenbilanz, die – wie fast immer – Licht und Schatten offenbart. Die Spiele in Brasilien standen allerdings wegen vielfältiger Probleme im Vorfeld – Doping, Korruption, Zikavirus, Pfusch am Bau – besonders unter Beobachtung. Die Dopingproblematik wirft weiterhin einen Schatten auf die Spiele, aber die Herzlichkeit der Brasilianer, die gezeigte Lebensfreude und die Überraschungen des Sports erzeugen auch viel Licht, so dass die Brasilianer heute schon mit „ihren Spielen“ zufrieden sein können.

Natürlich ist nicht alles perfekt, aber wo gibt es das schon. Und erst Monate oder sogar Jahre danach kann man in Brasilien Bilanz ziehen, ob die Olympischen Spiele ein Gewinn oder Verlust waren. Die Sportler machen aber jetzt schon deutlich, dass sie zufrieden sind. Kleinere Probleme werden selbst ausgemerzt, da wird ein Schwimmer halt zum Installateur. Über das Essen wurde noch in jedem Olympischen Dorf geschimpft, aber lustig ist, wenn man lesen kann, dass dort vor allem vor McDonald’s die Sportler Schlange stehen. Na gut, nach dem Wettkampf sind Sünden erlaubt. Schade allerdings, dass viele Wettbewerbe vor halbleeren Zuschauerrängen stattfinden. Zu hohe Eintrittspreise haben wohl die Begeisterung gebremst.

Olympia hat zumindest für die Athleten an Anziehungskraft nichts verloren, Fehlleistungen der Funktionäre hin oder her. Profi-Golfer und Millionär Martin Kaymer zum Beispiel schwärmte von der „schönsten Woche seiner Laufbahn“, weil er im Olympischen Dorf mal nicht allein unterwegs war, sondern Athletinnen und Athleten vieler anderer Sportarten getroffen hat. Schon heute hat er Tokio 2020 ins Visier genommen. Beide deutschen Fußball-Mannschaften hatten nur ein Ziel: Einzug ins Olympische Dorf. Das haben sie geschafft, aber das Dorf-Leben hatte fast mehr Anreiz als der Kampf um Gold, der jetzt in die Schlussphase geht.

Die Bilanz der deutschen Mannschaft fiel zur Halbzeit durchwachsen aus. Die avisierten 44 Medaillen von London wurden ad acta gelegt, selbst die Verdoppelung der bis dahin 16 Medaillen (aber immerhin acht Gold) wird kaum möglich sein. Medaillensammler waren vor allem Schützen und Reiter (sie können es noch weiter sein), enttäuscht haben wie in London die Schwimmer, aber auch die Fechter, die beide leer ausgingen. Eine Kritik der Sportler hat ihre Berechtigung, sie lautete sinngemäß „in Deutschland haben wir eine schlechte Förderung, aber die besten Dopingkontrollen, in anderen Ländern ist es genau umgekehrt“. Die Aussage trifft den Nagel auf den Kopf. Zu Überdenken ist vor allem die Verteilung der Gelder. Verbänden, die nicht erfolgreich sind, wird die Förderung meist gekürzt. Eigentlich müsste es genau umgekehrt sein, wenn es künftig Erfolge geben soll. Insgesamt müssen die Olympioniken gegenüber den Großverdienern des Fußballs vor allem aus Spaß ihren Sport betreiben, reich werden sie nur in den seltensten Fällen, dann nämlich, wenn sie für die Werbung interessant werden. Auch hier gibt es also Licht und Schatten.

Olympia in Rio: Willkommen in der Hölle!

 

Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Sommerspiele am 5. August in Rio de Janeiro ist ein seltsames Gemisch von Vorfreude auf die Spiele und Skepsis, ob diese Veranstaltung überhaupt reibungslos über die Bühne gehen kann, zu beobachten. Im Vorfeld überwogen jedenfalls die Schreckensmeldungen und manche machten eher Angst als Hoffnung, so hieß es im Bezug auf Rio: Willkommen in der Hölle. Gemeint war aber nicht Olympia, sondern die Slums, die Favelas, für die Rio ebenso bekannt ist wie die Christusfigur, die auf dem Gipfel des Corcovado schützend ihre Arme über der Stadt ausbreitet.

Dabei hatte alles so hoffnungsvoll angefangen. Als die Brasilianer am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen das Rennen gegen Chicago, Tokio und Madrid gewannen, da nahm Präsident Lula da Silva den Mund voll. Die Rede war von unvergesslichen Spielen geprägt von brasilianischer Lebensfreude, von einem Klima der boomenden Wirtschaft, des Aufschwungs und der Freiheit – Freude pur.

Heute sieht es anders aus, das Land bewältigte kaum die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und hat sich mit zwei sportlichen Großereignissen schlichtweg übernommen. Die Wirtschaft boomt nicht mehr, sie schlitterte in eine Rezession, Lula ist nicht mehr an der Macht, die Regierung befindet sich in der Krise wie das ganze Land. Die Schlagzeilen waren nur noch negativ, das Volk begehrt wieder auf, hat einen Hass auf die Politik, weil es sich im Stich gelassen fühlt, Olympia als Belastung und nicht als Motor für eine bessere Zukunft. Die Korruption war der erste olympische Sieger. In den Favelas brodelt es, die Infrastruktur konnte nicht rechzeitig fertig gestellt werden, immerhin sind die Sportstätten alle bereit. Pfusch am Bau wurde aber bloßgelegt, da stürzte eine Brücke ein, da beschweren sich die ersten Bewohner des Olympischen Dorfes über nicht bewohnbare Zimmer. Die Gewässer für Ruderer, Kanuten und Segler sind bakterienverseucht, gesundheitliche Gefahren drohen hier ebenso wie durch die Stechmücken, die als Überträger von Gelbfieber oder Dengue gefürchtet sind und jetzt durch die berühmt-berüchtigte Zika noch „Verstärkung“ bekommen haben. Unsicherheit statt Lebensfreude, wie wir es von der Copacabana immer sehen und hören. Dazu die beunruhigende Nachricht, dass das Verbrechen immer noch die Oberhand hat, Gewalt und Morde keineswegs eingeschränkt werden konnten. Die Gefahr durch den Terror ist noch gar nicht aufgezählt. Olympia in Rio: Willkommen in der Hölle!

Noch Lust auf Olympia? In Europa wird leider kein großes Olympia-Fieber (das wiederum gesund sein kann!) ausbrechen, weil die interessantesten Entscheidungen in der Nacht fallen. Die amerikanischen Fernsehsender zahlen mehr und sie bestimmen die Prime-Time. Wenn erst einmal der Sport die Oberhand gewonnen hat, dann können wir uns vielleicht an dem Olympia Park erfreuen, der zumindest vom Plan her optisch einen tollen Eindruck macht. Und die Brasilianer werden es schon schaffen, dass am Ende die Gäste mit einem guten Eindruck das Land wieder verlassen. Boris Herrmann skizzierte in der Süddeutschen Zeitung die Lage: „Rio ist schwer zu begreifen, weil es so unerschütterlich fröhlich und gleichzeitig so unfassbar unmenschlich ist.“ Bei Olympia sollte die fröhliche Seite gewinnen.

„Willkommen in der Hölle“ müsste es eigentlich auch für das IOC heißen. Die obersten olympischen Herrscher entpuppten sich als Angsthasen, konnten sich zu einem Ausschluss von Russland wegen des staatlichen Dopings nicht durchringen. Da wurde eine Chance im Kampf gegen das Doping verpasst. Die Verantwortung wurde an die einzelnen Weltverbände weitergegeben, die dort nicht tätig werden, wo Russland eine starke Stellung hat. IOC-Präsident Dr. Thomas Bach versäumte es, das IOC zu stärken, machte einen Kniefall vor Kremlchef Putin und schadete so dem internationalen Sport. Ein Hohn, dass die russische Whistleblowerin Julia Stepanowa nicht starten darf, weil sie eben Doping gestand und das System offenlegte, andere Doper nach Ablauf ihrer Sperre aber an den Start gehen können. Erfüllen denn sie die „ethischen Anforderungen“, die Stepanowa angeblich nicht erfüllt. Lachhaft und ärgerlich.

Skepsis oder Vorfreude? Bekanntlich ist es so: Hält uns der Sport im Bann, dann vergessen wir bei der Rasanz und Brisanz der Wettkämpfe die dunklen Seiten des Sports und werden auch die unschönen Begleiterscheinungen im Vorfeld von Rio vergessen. Erfreuen wir uns also an den Wettkämpfen und der Lebensfreude der Brasilianer. Olympia in Rio: Willkommen im Himmel des Sports!

Ist der Spitzensport nur noch Betrug?

 

Sport macht Spaß. Dann, wenn wir morgens das Haus oder die Wohnung verlassen und ein bisschen Joggen gehen können. Das macht munter für den Tag und den Kopf frei. Der Freizeit- und Gesundheitssport macht Spaß und hat positive Auswirkungen auf den Menschen selbst. Sport macht auch Spaß für die Fans, die ihre Mannschaft unterstützen, die mitzittern und mitjubeln, egal beim Profi- oder Amateursport. Was den Spitzensport angeht, da sollten sie allerdings die Hintergründe ausblenden und sich lieber keine Gedanken über den Sport machen.

Sport macht keinen Spaß, wenn es sich um den Spitzensport handelt und wir uns nicht vom reinen sportlichen Geschehen mitreißen lassen, sondern hinter die Kulissen schauen. Da müssen wir uns die Frage stellen: Ist der Spitzensport nur noch Betrug? Gerade die Ereignisse der letzten Wochen, u. a. im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro werfen diese Fragen auf, sie sind aktuell und alt zugleich. Alt ist nämlich die Dopingsucht im Sport, die jetzt nur wieder neu aufgetischt wird und mit neuen Untersuchungsmethoden und mit neuen Ermittlungen wurde ein besonders großer Dopingsumpf aufgedeckt. Staatsdoping ist sicherlich nichts Neues, das vermuteten viele schon früher zu Zeiten des großen Sozialismus, als der Sport als ein beliebtes Vehikel missbraucht wurde, um zu zeigen, wie großartig der Sozialismus ist. Erstaunlich, dass jetzt das Staatsdoping in Russland aufgedeckt werden konnte. Leider steht Russland keinesfalls alleine da, in vielen Fällen fehlen halt die Beweise.

Aber Doping ist es nicht allein, in den letzten Monaten hat uns die Korruption in den Fußball-Verbänden rund um Joseph Blatter und Michel Platini ebenso geärgert, wie zuvor schon viele Veröffentlichungen über Wettbetrug und Manipulationen. Ist es womöglich so, dass man im Profisport den ehrlichen Sport mit der Lupe suchen muss?

Die Leidtragenden sind die ehrlichen Sportler, die zahlreiche, manchmal entwürdigende Dopingkontrollen über sich ergehen lassen müssen und dennoch am Ende vielleicht um ihren Sieg betrogen werden. Leidtragende sind wir Fans und Zuschauer, wenn wir Siegern zujubeln, die den Erfolg eigentlich nicht verdient gehabt hätten. Leidtragende sind aber auch Sieger, deren große Leistung in Zweifel gezogen wird. Das aktuelle Beispiel ist derzeit wieder einmal die Tour de France. Der Brite Christopher Froome fährt allen davon, allein das ist verdächtig und nährt die Zweifel. „Ohne Doping geht das nicht“, sagen Experten und Laien gleichermaßen zur die Hetzjagd über die Berge.

Sport macht Geld, heißt, im Profisport kann man viel verdienen (muss aber nicht, in vielen Sportarten leben die Aktiven nur von Zuschüssen und Spenden), im Profisport wird viel Geld umgesetzt. Dort, wo der Sport für Popularität sorgt, fließen auch die Gelder und dort, wo das Geld fließt, ist der Betrug nah. Ein Teufelskreis, den ausblenden muss, wer den Sport genießen will. In diesem Sinne: Spaß beim Sport!

Hoffen wir, dass bald die Olympischen Spiele in Brasilien Spaß machen mit den richtigen, sauberen Siegern. Die nächsten Kolumnen werden sich mit Olympia beschäftigen. Nach dem Motto: Der Sport-Grantler macht Spaß (und ist frei vom Betrug)!

Brexit und der Sport

 

Die Absage der Briten an Europa hat die Welt erschüttert und alle fragen sich: Was bringt die Zukunft? Es hat den Anschein, als hätten sich viele Briten, die für den Brexit, also den Ausstieg aus der EU gestimmt haben, auch erst danach überlegt, was das eigentlich bedeutet. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen und auch im Sport gibt es viele Mahner, Schwarzseher und Besserwisser. Dabei ist es doch eigentlich logisch: Der Sport hatte schon immer seine eigenen Regeln und er wird sich seine Statuten so hinbiegen, dass die britischen Sportlerinnen und Sportler unter dem Brexit nicht leiden müssen.

Die Blicke sind natürlich vor allem auf den Fußball in England gerichtet. Dort werden ja angesichts der Milliarden, die künftig aus der TV-Vermarktung fließen, Wundertransfers erwartet und Pessimisten zum Beispiel in Deutschland haben Angst, dass die Bundesliga ausblutet. Jetzt werfen sie ihren Blick auf die Statuten in England und frohlocken, dass normale Bundesliga-Stars künftig gar nicht mehr nach England wechseln dürfen, weil es für Spieler aus Nicht-EU-Staaten Einschränkungen gibt. Das ist Schwarzmalerei, denn mit einem Federstrich werden die Bestimmungen geändert und der Weg für Verpflichtungen aus der bisherigen EU ist wieder offen. Die Politik hat den Sport zwar oft missbraucht, aber sie weiß auch genau, wann der Sport ihr dienlich sein kann. Also: Keine Gefahr!

Nein, der Sport wird unter dem Brexit nicht leiden. Wenn sich jetzt einige englische Sportstars verärgert äußern, dann nicht wegen der Zukunft des Sports, sondern weil sie eben zu denen gehörten, die gegen den unsäglichen Brexit waren. Leiden wird England selbst, weil die Stellung des Landes in der politischen Welt eher geschwächt wird, leiden wird vor allem die Wirtschaft, weil erst wieder Handelsabkommen geschlossen werden müssen und London seine zentrale Stellung (zum Beispiel bei den Banken) verlieren könnte. Auswirkungen könnte der Brexit allein auf die Formel 1 haben, weil die meisten Teams in England ansässig sind, aber Chefvermarkter Bernie Ecclestone, ein Brexit-Befürworter, hat schon verkündet: „Das macht in unserem Geschäft keinen Unterschied.“

Der Sport leidet nicht unter dem Brexit, sondern eher unter dem Größenwahn der Funktionäre, unter den zahlreichen Dopingsündern und darunter, dass er zum Teil als Geldbeschaffungsmaschine missbraucht wird. Es wäre aber doch eine schöne Pointe, wenn England am 10. Juli Fußball-Europameister werden würde!

Olympia: Russland ganz ausschließen!

 

 Die Fußball-Europameisterschaft bewegt hierzulande die Gemüter, aber auch die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro bringen sich ins Gespräch – und das gleich mehrfach. Im Mittelpunkt natürlich der Dopingskandal in Russland und die Suspendierung der russischen Leichtathleten. Das systematische Doping wurde (endlich) bestraft und die Sperre für den Leichtathletik-Verband Russlands verlängert. Das IOC hat schon verlauten lassen, dass Russlands Leichtathleten in Rio nicht starten dürfen (die endgültige Entscheidung fällt noch), doch es könnte auch Ausnahmen für saubere Athleten geben (gibt es die in Russland noch?). Dabei wäre eine noch härtere Strafe eher sinnvoller: Der totale Ausschluss Russlands für die Olympische Spiele in Brasilien!

Eines ist leider Tatsache: Der Dopingsumpf im Sport ist unüberschaubar und auf Dauer wohl kaum trockenzulegen. Nicht überall wird allerdings das Doping von Staatswegen verordnet und entsprechend verschleiert, wie es wohl in Russland der Fall war. Allein eine Zahl reicht für einen kompletten Ausschluss Russlands aus: 735 Dopingkontrollen konnten nicht durchgeführt werden, die Kontrolleure wurden massiv behindert und teilweise eingeschüchtert. Da reicht die Strafe für die Leichtathleten nicht!

Leider ist es so, dass der Kampf gegen das Doping vor allem von Journalisten und nur von wenigen Funktionären geführt wird. Selbst die Dopingagentur WADA gerät immer wieder ins Zwielicht. Informationen werden weitergegeben, Dopingkontrollen angekündigt. So erwischt man Sünder nicht. Innerhalb der Verbände wäscht oft eine Hand die andere, am Ende ist der saubere Sportler der Dumme. Deutschlands Athletinnen und Athleten müssen drei Monate im Voraus darlegen, wann sie wo sind, damit sie jederzeit für Dopingkontrolleure erreichbar sind, manchmal zu nachtschlafender Zeit. Nicht selten werden Trainingsabläufe gestört. Der Kontrast dazu: Doping über den Staat. Russland will in allen Bereichen gut dastehen und der Welt zeigen „wir sind die Nummer 1“, so der Wunsch von Präsident Putin. Bei Olympia in Sotschi ist ihm das gelungen, Russland war die Nummer 1 im Medaillenspiegel – und im Doping. In Brasilien wird Russland nicht die Nummer 1 sein, aber wer legt die Hand ins Feuer für andere russischen Sportler, die im Vorfeld von Olympia eben nicht kontrolliert werden konnten. Da bleibt nur der Ausschluss!

Im Übrigen müssen wir froh sein, wenn Olympia in Rio reibungslos über die Bühne geht. Wie gesagt, Olympia bringt sich ins Gespräch, leider nur mit negativen Schlagzeilen. Jetzt erschüttert auch die Meldung, dass die Provinz Rio de Janeiro pleite ist und Geld von der Regierung benötigt. Die Brasilianer leiden wie die Franzosen, bei denen bei der Europameisterschaft auch kein Jubel aufkommen will. Die Probleme im Land sind einfach zu groß, um sich an sportlichen Großereignissen zu erfreuen. Ganz im Gegenteil, sie werden als Last empfunden. Das haben sich UEFA und IOC eigentlich ganz anders vorgestellt. Wir müssen uns fragen, ob solche Mammutveranstaltungen überhaupt noch zeitgemäß sind. Und wenn, dann wollen wir zumindest sauberen Sport.

Machen Tour-Siege noch Spaß?

Bei einem Urteil vor Gericht gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Für eine Verurteilung muss die Beweislast schlüssig sein, ein Verdacht allein reicht nicht aus. Ähnlich sieht es im Sport aus, was das Doping betrifft: Im Zweifel für den Angeklagten. Aber genauso, wie die Öffentlichkeit oft einen Angeklagten, aber nicht Verurteilten, quasi aus ihrer Gemeinschaft ausschließt, weil sie ihm doch misstraut, so verhält es sich im Sport. Sieger werden nicht umjubelt, weil Zweifel bestehen. Kann das sein, dass er so schnell ist? Geht alles mit rechten Dingen zu, auch wenn er des Dopings nicht überführt ist? Sieger müssen mit den Zweifeln leben und gerade jetzt bei der Tour de France, die in ihre letzte Woche geht, fragt sich der Sport-Grantler: Machen Tour-Siege überhaupt noch Spaß?

Im Mittelpunkt steht wieder einmal der vermutliche Rundfahrt-Sieger. Diesmal ist es nicht der Amerikaner Lance Armstrong, der längst seine Siege verloren hat und des Dopings überführt wurde, sondern der Brite Christopher Froome. Er fährt allen davon und damit genau in die Verdächtigungen hinein. Einer seiner Konkurrenten hat einmal gesagt: „Hoffentlich zeigt er einmal Schwächen, dann kann man ihm eher glauben.“

In der Tat sind die Parallelen zu Armstrong verblüffend. Der Amerikaner erkrankte an Hodenkrebs, durfte dann Medikamente gegen seine Erkrankung nehmen und kehrte mit einer Leistungsexplosion auf die Radsportbühne zurück. Der in Kenia geborene und in Südafrika aufgewachsene Froome war ein „Mitfahrer“, ehe ihn eine Tropenkrankheit außer Gefecht setzte. Er durfte besondere Medikamente nehmen und danach begann sein Aufstieg. Diese Leistungsexplosion ist vielen suspekt, auch wenn Froome beteuert: „Ich bin sauber.“ Er ist für Dopingkontrollen, würde auch in der Nacht zur Verfügung stehen und tut alles, um Dopinggerüchte zu zerstreuen. Er macht nur einen Fehler: Er fährt zu schnell.

Nach vielen Doping-Fällen ist die Öffentlichkeit vorsichtig geworden. Vor allem die Armstrong-Affäre hat dem Radsport geschadet, aber gerade der Radsport spielt jetzt eine Vorreiterrolle auf der Jagd nach Dopingsündern. Doch die Zweifel bleiben und die Zweifler werden immer radikaler. Froome wurde bei der Tour bereits angepöbelt und sogar mit einem Urin-Becher beworfen. Machen ihm da Tour-Siege wirklich noch Spaß?

Unter den alten Sünden des Radsports leiden auch die deutschen Stars der Gegenwart. Die ARD überträgt zwar wieder die Tour, die Deutschen trumpfen gelegentlich auf und fahren Siege ein, aber der Jubel hält sich ebenso in Grenzen wie die Einschaltquoten. Tony Martin, der sogar das Gelbe Trikot trug, Sprinter-König André Greipel und John Degenkolb präsentieren sich als die saubere Generation, doch alle negativen Dopingproben und alle Beteuerungen nützen nichts, sie können den Zweifeln einfach nicht davon fahren.

Auch in der Leichtathletik läuft der Verdacht mit

Ähnlich sieht es in anderen Sportarten aus. In der Leichtathletik laufen die Sprint-Stars Powell, Gay und Gatlin der Konkurrenz davon, aber bei ihnen läuft der Dopingverdacht mit. Sie sind so schnell, dass schnell Zweifel kommen. Und was ist mit der neuen Weltrekordlerin über 1500 m, Genzebe Dibaba? Sie pulverisierte den Weltrekord der Chinesin Qu Yunixa aus dem Jahr 1993. Ein Fabelweltrekord unter Dopingverdacht, der als uneinnehmbar galt, die Chinesin gehörte schließlich zu einer umstrittenen Trainingsgruppe, die ihre großartigen Leistungen mit Schildkrötenblut begründete. Sie haben es wohl getrunken, um sich einen dicken Panzer gegen alle Verdächtigungen zuzulegen…

Im Zweifel für die Angeklagten, aber die ertappten „schwarzen Schafe“ schaden ihrem Sport über Jahrzehnte hinaus und sorgen dafür, dass der Jubel für die Sieger gedämpft ausfällt. Sie haben den anderen siegreichen Sportlern die Siegesfreude verdorben. Sollte Chris Froome am kommenden Sonntag in Gelb in Paris stehen, so wird dieses Gelb nicht sauber strahlen. Wer genau hinsieht, wird schmutzige Flecken entdecken…