Der Sport – Grantler

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Tag: Rio de Janeiro

Letztes Aufbäumen des IOC für Olympia

Thomas Bach sind seine Glücksgefühle anzusehen. Der IOC-Präsident hat seine geniale Idee der Doppelvergabe der Olympischen Sommerspiele für 2024 und 2028 beim Kongress in Lima erfolgreich durchgebracht. Der Doppelschlag muss als letztes Aufbäumen des IOC beim Erhalt der Olympischen Spiele gesehen werden. Die Probleme werden immer größer, die olympische Idee als solche wurde eigentlich schon lange beerdigt. Ähnlich wie der Welt-Fußball ist auch Olympia nur noch eine Jagd ums Geld. Korruption überschattet die olympische Idee, Polizei und Gerichte werden fast wichtiger als die Sportler selbst. Wie will da Olympia überleben? Einzige Chance: Zurück zur Ehrlichkeit, transparente Vergabe der Spiele. Nicht nur Sponsoren ins Boot nehmen, sondern vor allem die Bevölkerung.

Der Gedanke der Doppelvergabe war Thomas Bach in der Not gekommen. Er erinnerte sich daran, dass es dies schon einmal 1921 gegeben hat, als die Spiele an Paris für 1924 und Amsterdam für 1928 vergeben wurden. Damals gab es noch Begeisterung, die ist heute getrübt. Olympische Interessenten sprangen reihenweise ab, Städte wie München, Hamburg und Boston konnten ihrer Bevölkerung nicht mehr vermitteln, warum Olympische Spiele ein Gewinn sein sollten. Die Frage war eher, wie viel denn an Schmiergeldern gezahlt werden muss, um bei der Stimmenvergabe eine Chance zu haben. Egal ob Peking 2008 (Sommer) und 2022 (Winter), Sotschi im Winter 2014, Rio de Janeiro 2016, Pyeongchang Winter 2018 oder Tokio 2020, von dubiosen Geldzahlungen ist immer die Rede. Vor allem von Brasilien bleiben verrottete Sportstätten und ein Korruptionssumpf, der hoffentlich von den Gerichten ausgetrocknet wird, in Erinnerung. Das IOC gibt kein gutes Bild ab, schon gar nicht als Hüter der olympischen Idee.

Abseits dieser schwelenden Skandale hat Thomas Bach jetzt erst einmal Ruhe. Die Spiele sind vergeben, auch wenn rund um die Austragung Sorgen bleiben, zum Beispiel für Südkorea, wenn die Spiele vom 9. bis 25. Februar stattfinden sollen. Die Grenze zu Nordkorea ist nur 100 km entfernt, die Muskelspiele des dortigen Machthabers, der gern mit Raketen spielt und die Welt aufschreckt, werfen einen Schatten auf den Sport. Der IOC-Präsident hofft, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution für einen olympischen Frieden verabschiedet. Es war die Idee von Gründer Coubertin, dass während Olympia die Waffen ruhen. Nostalgie.

Im Gegensatz dazu sollen die Austragungsstädte Paris und Los Angeles mit Begeisterung punkten, zumal für zahlreiche Wettbewerbe bestehende Sportstätten genutzt werden soll. Der Plan: Weg vom teuren Image, Olympia als grüne Idee, als Teil der Zukunft und Gewinn für die Bevölkerung. Das Wunschbild der IOC-Granden.

Das IOC hat aber nun viel Zeit, um den Olympischen Spielen wirklich wieder ein attraktives Image zu verpassen, um Olympia wieder als Gewinn für die Austragungsstädte anzupreisen. Doch allein es fehlt der Glaube an solch eine Kehrtwendung. Eher war die Doppelvergabe ein letztes Aufbäumen, es war der Trick, bei der Vergabe für 2024 keinen Verlierer zu produzieren, sondern die beiden letzten Bewerber für Sommerspiele bei der Stange zu halten. Für die Zukunft des IOC sieht der Sport-Grantler keine Erneuerung, sondern eher einen Trümmerhaufen: Keiner will mehr Olympische Spiele austragen. Zu groß, zu teuer, zu korrupt.

Weltverband verhindert Handball-Euphorie

 

Der Sport-Grantler hat diesen Zustand schon oft angeprangert und er fühlt sich in diesen Tagen wieder bestätigt: Gerade die Verbandsfunktionäre haben nicht die Weiterentwicklung ihres Sportes im Auge, sondern sind kurzfristig nur auf ihren eigenen und den finanziellen Vorteil ihres Verbandes bedacht. Diese Engstirnigkeit ist für die Zukunft ihres Sportes schädlich. Aktuelles Beispiel: Der Weltverband verhindert eine Handball-Euphorie!

Am Mittwoch, 11. Januar, beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Frankreich. Mit dabei ist Deutschland, was keine Selbstverständlichkeit ist. Vor zwei Jahren in Katar hatte die DHB-Auswahl die Qualifikation verpasst, bekam vom Weltverband aber eine „Wildcard“, weil der deutsche Markt doch so wichtig sei. In diesem Jahr ist Deutschland nicht so wichtig, dabei hat sich die deutsche Mannschaft unter ihrem Trainer Dagur Sigurdsson so positiv entwickelt.

Platz sieben in Katar war der Start für einen unvergleichlichen Aufschwung. Deutschland wurde vom Fußball- zum Handball-Land, als die „Bad Boys“, so nennt Sigurdsson seine Spieler, vor einem Jahr im Finale der Europameisterschaft gegen Spanien sensationell den Titel holten. 15 Millionen Zuschauer saßen begeistert vor den Fernschirmen, eine unvorstellbare Zahl, die jeden Tatort schlug und sonst nur vom Fußball erreicht wird. Die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro war noch eine freudige Zugabe. Handball im Aufwind.

Jetzt muss der Deutsche Handball-Bund wieder einen Abwind befürchten. Es ist Weltmeisterschaft und eine breite Öffentlichkeit wird dies gar nicht oder nur wenig merken. Fernsehbilder gibt es in Deutschland keine, weil der Weltverband die TV-Rechte an die katarische Firma beIN Sports vergeben hat. Und die bestand bei den Verhandlungen über Fernsehbilder darauf, dass eine Ausstrahlung über die Grenzen Deutschlands hinaus verhindert werden muss. Das konnte kein Sender leisten und auch der Bezahlsender Sky, vor zwei Jahren kurzfristig eingesprungen, zeigte kein Interesse. Die Deutsche Kredit-Bank (DKB) als Sponsor des Verbandes landete zwar noch einen Coup damit, dass sie sich die Rechte für eine Internet-Übertragung sicherte, aber die Masse wird www.handball.dkb.de kaum zuschauen. Eine Handball-Euphorie kann so kaum entstehen.

Das sollten sich alle Verbandsfunktionäre einmal merken: Bei der Vergabe der TV-Rechte muss vor allem eine weite Verbreitung gewährleistet sein, sonst kann der Sport keine Breitenwirkung erzielen, kann vor allem die Jugend nicht erreichen, um die Zukunft zu sichern. Reichweite muss vor großer Kasse stehen.

Es ist Schicksal, dass die deutsche Mannschaft bei dieser WM statt wie zuletzt nicht zu den Außenseitern gehört, sondern zum kleinen Kreis der Favoriten, zu dem Gastgeber Frankreich, Spanien, Olympiasieger Dänemark und vielleicht noch Kroatien zu zählen sind. 24 Nationen sind am Start, gespielt wird in vier Gruppen, die jeweils vier besten Teams qualifizieren sich für das Achtelfinale (ab 21. Januar). Deutschland trifft auf Ungarn, Chile, Saudi-Arabien, Weißrussland und Kroatien und hat wohl nur Kroatien zu fürchten. Der Gegner kommt dann aus der Gruppe D (Erster gegen Vierter usw.), wo vor allem Dänemark als Favorit gilt, aber auch Schweden, Katar, Ägypten und Argentinien müssen beachtet werden. Das Halbfinale gilt als Ziel zum Abschied von Dagur Sigurdsson, das Finale am 29. Januar wäre ein Traum – nur für die Handball-Fans hierzulande nicht, weil sie es im Fernsehen nicht verfolgen können.

Die Weltmeisterschaft ist das Abschiedsturnier für den Bundestrainer aus Island, der sich für eine Zukunft in Japan entschieden hat. In 28 Monaten hat er dem deutschen Handball neues Leben eingehaucht, hat Erfolge erzielt, obwohl die Mannschaft jeweils vom Verletzungspech gebeutelt wurde. Nie, auch jetzt nicht in Frankreich, konnte er seine beste Mannschaft an den Start bringen, aber er hat alle Hürden glänzend gemeistert. Nur an einer Hürde scheiterte er: Am Weltverband, dem nicht an einer Handball-Euphorie gelegen ist, sondern vor allem an einer vollen Kasse. Schade für den Deutschen Handball.

Sehnsucht nach Medaillen, Sehnsucht nach Geld

 

Die Bilanz war eigentlich gar nicht so schlecht: Platz fünf im Medaillenspiegel, 42 Medaillen geholt, davon sogar 17 Goldene. Mehr Gold gab es nur unmittelbar nach der Wende, 1992 mit 33 (insgesamt 82 Medaillen) und 1996 mit 20 (65). Deutschlands Sport könnte zufrieden sein am Ende des Jahres 2016 mit den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro.

Ist er aber nicht. Egal, ob Fans, Verbände oder Regierung – es gibt eine Sehnsucht nach Medaillen. Platz fünf (hinter den USA, Großbritannien, China und Russland) ist ganz gut, aber Deutschland soll Spitze sein, 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta stand Deutschland auf Platz drei im Medaillenspiegel, übrigens ein Ranking, das Deutschland auch im Schnitt aller Sommerspiele seit 1896 einnimmt. Rang fünf ist also zu wenig.

Die Regierung fördert den Sport mit rund 160 Millionen Euro im Jahr und will dafür Medaillen sehen. Die Athleten sollen sauber sein, Doping ist nicht erwünscht, aber sie sollen auch erfolgreich sein, das geht selbst in einer dopingverseuchten Sportwelt. Die Frage ist nur, wie geht der Weg zum Erfolg, sprich Titel und Medaillen. Die Verbände selbst haben auch eine Sehnsucht nach Medaillen, davor aber steht die Sehnsucht nach Geld. Ihre Gleichung ist einfach: Mehr Geld ist gleich mehr Erfolg.

Doch die Gleichung geht nicht auf, das zeigte Rio deutlich. Die Versager waren vor allem die Schwimmer und Fechter, am Geld mangelte es ihnen nicht, sie unterhalten Leistungsstützpunkte, die früher durchaus erfolgreich waren. Die Frage ist jetzt, wie das Geld verteilt werden soll. Innenminister Thomas de Maiziére stellt klar: „Es geht nicht nach dem Gießkannenprinzip. Wer wenig Potenzial hat, kann nicht so viel Geld kriegen, wie jener, der viel Potenzial hat.“ Da verknotet sich ein gordischer Knoten: Wer noch keinen Erfolg hat, bekommt also wenig Geld, er will aber mehr Geld, damit er die Voraussetzungen für mehr Erfolg schaffen kann. Die Lösung könnte sein: Untersuchen, welche Verbände denn Erfolg versprechen!

Allerdings darf es im deutschen Sport nicht nur um Medaillen und Titel gehen. Erfolge tun sich auch da auf, wo die Bevölkerung zum Sport findet, wo die Jugend raus aus Dicos und runter vom Sofa geholt wird, weg von den Computern, hin zu Bewegung, zu Sport in Hallen und an frischer Luft. Gelingt das, hat der Sport schon einmal einen Erfolg erzielt. Am Ende der Kette werden dann auch Medaillen stehen, wenn die Talente richtig gefördert werden.

Es scheint aber so zu sein, dass es im deutschen Sport vorne und hinten knirscht und zwackt. So ist es ein Unding, dass viele Bundestrainer noch keinen Vertrag für 2017 haben. Der Leistungssport wird auch durch unfähige Funktionäre und zu viel Bürokratie gebremst. Die Sportverbände kämpfen um ihre Pfründe und die beginnen beim Geld. So formiert sich Widerstand gegen die geplante Spitzensport-Förderung, die den Erfolgreichen Vorteile verschafft. Viel Zündstoff für die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sport-Bundes Anfang Dezember in Magdeburg. Dort wird sie wieder offen zutage treten, die Sehnsucht nach Medaillen, zuerst aber die Sehnsucht nach Geld. Und apropos Gießkannenprinzip: Alle werden die Hand aufhalten.

Statistik-Übersicht (deutsche Medaillen bei Sommerspielen, Gold-Silber-Bronze-Gesamt-Rang Medaillenspiegel):

1992 Barcelona: 33-21-28-82-3.

1996 Atlanta: 20-18-27-65-3.

2000 Sydney: 13-17-26-56-5.

2004 Athen: 13-16-20-49-6.

2008 Peking: 16-10-15-41-5.

2012 London: 11-19-14-44- 6.

2016 Rio de Janeiro: 17-10-15-42-5.

Aufruf zur Rebellion im Sport!

 

Der Sport-Grantler hat schon oft in seinen Kommentaren die Machenschaften der Sport-Funktionäre angeprangert und gefordert, dass der Sport wieder Vorrang vor der Jagd nach Geld bekommen muss. Nun hat ein ehemaliger Sportler und Kenner der Szene die Stimme erhoben und gefordert: „Die Sportler müssen rebellieren.“ Die Forderung stellte der frühere deutsche Slalom-Star Christian Neureuther, Ehemann von Olympiasiegerin Rosi Mittermaier und Vater vom aktuellen deutschen Slalom-König Felix Neureuther. Vater Christian gewann einst selbst sechs Weltcup-Rennen.

In einem großen Interview in der Süddeutschen Zeitung zum Beginn des Ski-Winters legt Christian Neureuther, immerhin auch Aufsichtsrat der Marketing GmbH des Deutschen Ski-Verbandes, die Finger in viele Wunden. Er prangert die Missstände im internationalen Skisport an, fordert Verbesserungen in den Ausrüstungen, plädiert für mehr Sicherheit und könnte sich auch ein attraktiveres Rennprogramm vorstellen. Neureuther fordert eine Rückkehr zu den klassischen Disziplinen Abfahrt, Slalom und Riesenslalom, will die Streichung von Super G und Kombination. „Das versteht doch sowieso keiner, der Super G ist wie eine Abfahrt, die Kombinationen sind undurchsichtig, mal mit Abfahrt, mal anders, für den Zuschauer langweilig. Sein Vorschlag, der Gehör finden sollte: „Warum nicht öfters zwei Sprint-Abfahrten an zwei Tagen, wobei am zweiten Tag der Schnellste als Letzter über die Piste geht.“ Der Sport-Grantler meint: Da wäre Spannung drin, die Skiverbände suchen doch sowieso nach Möglichkeiten, ihren Sport attraktiver zu machen, um ihn besser verkaufen zu können. Siehe Slalom-Wettbewerbe in Großstädten wie München oder Moskau.

Christian Neureuther liest aber auch den Funktionären in den Verbänden die Leviten. „Es geht immer um Macht. Aus dem Grund geht vieles nicht weiter, die nationalen Interessen stehen im Vordergrund.“ Der Szene-Kenner fordert eine professionelle Struktur im Skisport, einen CEO als oberstes Entscheidungsgremium und Profitcenter für Alpin, Langlauf, Sprunglauf etc. Das Problem: Die Verbände müssten Macht abgeben. Wie wäre eine Änderung möglich? „Notfalls müssten die Sportler mal rebellieren.“ Motto: Ohne Sportler keine Sport, ohne Sport auch kein Geld für Verbände, keine Macht für die Funktionäre. So weit wird es aber leider nicht kommen.

Auch IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bekommt in dem Interview sein Fett weg. Neureuther spricht dem Sport-Grantler aus dem Herzen: „…wie sich Bach zuletzt in Rio gegenüber den Athleten präsentiert hat, wie er das russische Dopingthema wegmoderiert und die russische Whistleblowerin Julia Stepanowa fallen gelassen hat – darüber bin ich schwer enttäuscht. Was ist aus diesem ehemaligen Sportler geworden (Bach war Fecht-Olympiasieger)? Man muss sich das mal vorstellen: Ein IOC-Präsident reist nicht zu den Paralympics, einer der wichtigsten und integrativsten Ideen unserer Zeit, die dazu aus der olympischen Bewegung entstanden ist. Nicht ein Wort waren ihm die Paralympics in seiner Abschlussrede in Rio wert – ein Offenbarungseid!“

An die Adresse des IOC fordert Neureuther mehr Rücksicht auf den Umweltschutz bei den Olympischen Spielen. „Ich kann doch nicht – wie für die Winterspiele 2018 in Pyeonchang – in ein Naturschutzgebiet eingreifen und einen Wald abholzen!“ Deutliche Worte: „Der Gigantismus und die nicht mehr überschaubare Flut von Sportstätten und Wettbewerben bei Olympia muss ein Ende haben. Gigantismus sollte in der Nachhaltigkeit stattfinden.“ Neureuther spricht es deutlich an: „Was hinterlasse ich der Jugend der Welt nach den Spielen? Emotionen, Werte, Visionen und Chancen? Oder betrogene saubere Sportler, Bauruinen und Stadien, die keiner mehr braucht?“ Der einstige Spitzensportler ist sich sicher, dass bei einer Umkehr im IOC künftig auch die Leute wieder erreicht werden könnten, die in München und Hamburg noch gegen die Olympischen Spiele plädiert haben.

Der Sport-Grantler wollte der vernünftigen Stimme auf dieser Seite Gehör verschaffen. Schade nur, dass die Vernunft gegenüber Macht und Geld auf verlorenem Posten steht.

Paralympics die wahren Olympischen Spiele für Rio

 

Viele fragen sich: Ist ein Wunder geschehen? Dort, wo die Brasilianer vor Wochen den olympischen Wettkämpfen skeptisch gegenüberstanden und ihnen meist fernblieben, herrscht plötzlich Begeisterung. Die behinderten Wettkämpfer werden umjubelt, die Ränge sind gut gefüllt, die Stimmung ist fast euphorisch. Die Paralympics, meist nur ein Anhängsel der Spiele, obwohl sie seit 1988 immer von der Olympia-Stadt ausgerichtet werden müssen, sind in Rio de Janeiro zum olympischen Erlebnis geworden. Warum? Die Gründe sind offensichtlich.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele standen vor allem die Kosten im Blickpunkt, standen sich das Volk und Politik fast feindselig gegenüber, bestimmten Korruption und Doping die Schlagzeilen. Das Olympische Feuer brannte zwar, aber nicht wirklich in den Herzen der Bevölkerung. Ganz anders bei den Paralympics. Auch da gab es im Vorfeld Sorgen, weil nur wenige Eintrittskarten verkauft wurden. Die Veranstalter senkten die Preise und sorgten damit für einen Boom. Eine Sperre fiel weg und weckte dafür Begeisterung. Selbst nicht gut betuchte Brasilianer konnten sich Olympia leisten und die behinderten Sportler wurden quasi zum Synonym für das eigene Leben, das für viele von Behinderungen im Alltag, vom Überlebenskampf gekennzeichnet ist. So wurden die Paralympics in Rio de Janeiro für die Bevölkerung zu „ihren“ Spielen, die wahren Olympischen Spiele.

Dabei haben auch die Paralympics ihre Unschuld verloren. Alle negativen Auswüchse des Profisports sind auch bei den Behinderten zu beobachten. Dort, wo der Sport professionell betrieben wird, geht es um Geld und um den Vorteil mit allen Mitteln. Also spielt auch bei den Behinderten Doping eine große Rolle, geht es darum, technische Vorteile bei den Hilfsmitteln wie Prothesen in Einklang zu bringen, doch manche verschaffen sich natürlich technische Vorteile. Einen gewissen Gigantismus haben die Paralympics auch erreicht, aus ursprünglich 400 Teilnehmern bei den Anfängen 1960 sind inzwischen über 4000 geworden, um 528 Entscheidungen ging es in Rio.

Ein Medaillenspiegel verbietet sich eigentlich bei den Paralympics, dennoch wird er geführt und einige Nationen haben auch die Spiele der behinderten Sportler dafür entdeckt, um sich als fortschrittliche und sportlich erfolgreiche Nation zu präsentieren. Allen voran China, dass am Ende über 200 Medaillen gewonnen haben wird, also fast bei der Hälfte aller Wettkämpfe mit einer Sportlerin oder Sportler auf dem Treppchen stand. Vorne dabei neben Großbritannien und den USA auch die Ukraine, was Fragen aufwirft. Deutschland freute sich über viele Medaillen (Rang 6), aber vor allem auch Brasilien war über die Maßen erfolgreich, wesentlich erfolgreicher als bei Olympia, so dass auch sportlich die Begeisterung der Bevölkerung angeheizt wurde. Allerdings wird gerade bei den Paralympics die Schere zwischen Arm und Reich deutlich, weil sich ärmere Athleten nicht die besten technischen Hilfsmittel leisten können. So sind die Staaten erfolgreich, die ihre Athleten vor allem finanziell unterstützen.

Im Vordergrund bei den Paralympics muss allerdings stehen, welches Schicksal die Athleten gemeistert haben. Der Sport half, mit der Behinderung zu leben. Das ist wichtiger als jede Medaille oder jeder Medaillenspiegel. Deutschlands erfolgreichste Athletin Marianne Buggenhagen, die jetzt mit 63 ihre Karriere beenden will und nach einem Bandscheibenvorfall eine Querschnittslähmung erlitt, sagte im Rückblick: „Wenn ich den Sport nicht gehabt hätte, wäre ich im Pflegeheim gelandet oder asozial geworden.“ Das zählt mehr als jede Medaille.

In der Doping-Falle: Geht Olympia den Bach runter?

 

Mit Glanz und Gloria gingen die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro zu Ende, aber einen Olympia-Rausch gab es in Brasilien nicht. Der Kater wird dennoch kommen. „Wunderbare Spiele in einer wunderbaren Stadt“ schwärmte IOC-Präsident Dr. Thomas Bach und benahm sich dabei wie ein Tourist. Es waren eher seltsame Spiele im Schatten des Dopings, des Chaos, vieler Pannen und leider auch oft halbleere Zuschauertribünen mit einem teilweise unfairen Publikum. Es waren aber auch Spiele der Herzlichkeit, der Offenheit und der Lebensfreude. Beachvolleyball an der Copacabana sorgte für Gänsehaut.

Doch was kommt danach? Die Bevölkerung von Rio wird sich über eine bessere Infrastruktur freuen, die Stadt aber auf einem Haufen Schulden sitzen bleiben. Ein paar reiche Unternehmer haben den Reibach gemacht, für die Armen in den Favelas ist keine Besserung in Sicht. Brasilien wird einst dennoch stolz auf die ersten Olympischen Spiele in Südamerika zurückblicken können, nach dem Motto: Wir haben es geschafft. Das Positivste: Es gab keinen terroristischen Anschlag, wenn auch die Kriminalität trotz der besonderen Sicherheitsmaßnahmen allgegenwärtig war.

Was danach kommt, muss sich vor allem das Internationale Olympische Komitee fragen. Es sitzt nämlich in der Doping-Falle. Wenn diese Problematik nicht energisch angegangen wird, geht Olympia früher oder später buchstäblich – nomen est omen – den Bach runter. Künftig muss Doping noch mehr geächtet und vor allem strenger sanktioniert werden. Das IOC gab ein schlechtes Beispiel ab, als der russischen Mannschaft nicht komplett der Start verweigert wurde. Manche Sportarten gelten absolut als Dopingverseucht. Hier muss aufgeräumt werden. Es muss wirksame Sperren geben und Verbände, die den Betrug nicht verhindern können, müssen ausgeschlossen werden. So zum Beispiel Gewichtheben, wo Bulgarien und Aserbaidschan ausgeschlossen waren, Weißrussland, Kasachstan, Armenien und die Türkei nur durch die Hintertür reinkamen und auch Russland, Usbekistan, Moldawien, Rumänien und die Ukraine, die des systematischen Betrugs bezichtigt werden. Sie haben bei Olympia nichts zu suchen! Das IOC muss bereits im Hinblick auf die Winterspiele 2018 Härte zeigen!

Dies nur als Beispiel. Würde betrügerische Nationen ausgeschlossen, wäre der Gigantismus der Spiele kein Problem mehr. Wenn aber schon die Doping-Kontrollen lückenhaft durchgeführt werden, wird sich das IOC aus der Doping-Falle nie befreien können. Angeblich sollen in Rio Athleten verwechselt worden sein, Kontrolleure seien gar nicht erschienen und bei Kontrollen wäre geschlampt worden. Fremde Personen sollen bei den Kontrollen anwesend gewesen sein. Dem Betrug wurden Tür und Tor geöffnet. Ein effektiver Kampf gegen das Doping sieht anders aus.

Olympia bleibt aber ein Fest des Sports für die Sportler. Wer selbst die amerikanischen Basketball-Millionäre gesehen hat, wie sie sich über ihre Goldmedaille wie kleine Kinder gefreut haben, der hat ein bisschen was vom Zauber Olympias gespürt. Olympia muss den Sportlern erhalten bleiben, aber der Sport-Grantler hat es schon öfters angeprangert: Viele Funktionäre sind der größte Feind des Sports, weil sie ihn nur zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen, anstatt dem Sport zu dienen, wie es eigentlich ihre Aufgabe sein sollte.

Deutsche Medaillen mit zwei Seiten

Auch die deutsche Olympia-Bilanz fällt zwiespältig aus. Medaillenzähler stellen fest, dass 42 Medaillen gegenüber den 44 von London 2012 ja nicht so schlecht sind, zumal 17 Goldmedaillen gegenüber elf von London quasi eine Wertsteigerung bedeuten. Einzelne Verbände müssen sich jedoch Gedanken machen, was sie in Zukunft besser machen können. Vor allem Schwimmer und Fechter befinden sich in einer tiefen Krise, Kanuten, Reiter und Schützen retteten Deutschlands Medaillenbilanz. Auffallend ist, dass alle teilnehmenden Mannschaften mit einer Medaille nach Hause fahren. Das passt zu dem Trend, dass die Jugend vielfach das Gemeinschaftserlebnis in Mannschaftssportarten sucht. Fechten zum Beispiel hat das Problem, dass es nur wenig Angebotsmöglichkeiten für die Jugend gibt.

Der Deutsche Sport-Bund sollte sich an Großbritannien orientieren, dort wurde die Förderung vor den Spielen in London extrem gesteigert und die Erfolge wurden in Rio wiederholt. Großbritannien war hinter den USA und noch vor China die zweitbeste Nation. Deutschland landete 17 Gold, 10 Silber und 15 Bronze auf Rang vier, wird in ein paar Jahren aber als Vierter gewertet werden, dann nämlich, wenn die eingefrorenen Dopingproben mit neuen Methoden untersucht werden und Russland (18-17-18) wohl einige Medaillen verlieren wird…

Zwiespältig wird auch die Bilanz der deutschen Fernsehsender ARD und ZDF ausfallen. Sie erlebten vielleicht zum letzten Mal einen Olympiaboom bei den Zuschauerquoten. Deutschland zeigte sich an den Bildschirmen von Olympia begeistert, fast durchgehend schaute jeder Fünfte Olympia an, die Quoten erreichten in der Spitze bis zu neun Millionen Zuschauer. 2018 in Pyeongchang in Südkorea und 2020 in Tokio stehen die Sender allerdings im Abseits. Der US-Konzern Discovery hat sich die Rechte gesichert und will über Eurosport hierzulande berichten. Die Verhandlungen über Sublizenzen gestalten sich als schwierig. Sollten ARD und ZDF künftig außen vor sein, dann würden die sogenannten Randsportarten in Deutschland darunter leiden, denn beide Sender haben bereits angekündigt, dass sie dann auch die nationalen Übertragungen reduzieren würden. Das IOC hätte dann in seiner Geldgier wieder einmal den kleineren Verbänden geschadet. Kanuten, Schützen und andere erleben nur alle vier Jahre eine besondere Aufmerksamkeit, ansonsten führen sie ein Schattendasein. Auch hier geht also der Sport dann den Bach runter…

Olympia in Rio: Willkommen in der Hölle!

 

Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Sommerspiele am 5. August in Rio de Janeiro ist ein seltsames Gemisch von Vorfreude auf die Spiele und Skepsis, ob diese Veranstaltung überhaupt reibungslos über die Bühne gehen kann, zu beobachten. Im Vorfeld überwogen jedenfalls die Schreckensmeldungen und manche machten eher Angst als Hoffnung, so hieß es im Bezug auf Rio: Willkommen in der Hölle. Gemeint war aber nicht Olympia, sondern die Slums, die Favelas, für die Rio ebenso bekannt ist wie die Christusfigur, die auf dem Gipfel des Corcovado schützend ihre Arme über der Stadt ausbreitet.

Dabei hatte alles so hoffnungsvoll angefangen. Als die Brasilianer am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen das Rennen gegen Chicago, Tokio und Madrid gewannen, da nahm Präsident Lula da Silva den Mund voll. Die Rede war von unvergesslichen Spielen geprägt von brasilianischer Lebensfreude, von einem Klima der boomenden Wirtschaft, des Aufschwungs und der Freiheit – Freude pur.

Heute sieht es anders aus, das Land bewältigte kaum die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und hat sich mit zwei sportlichen Großereignissen schlichtweg übernommen. Die Wirtschaft boomt nicht mehr, sie schlitterte in eine Rezession, Lula ist nicht mehr an der Macht, die Regierung befindet sich in der Krise wie das ganze Land. Die Schlagzeilen waren nur noch negativ, das Volk begehrt wieder auf, hat einen Hass auf die Politik, weil es sich im Stich gelassen fühlt, Olympia als Belastung und nicht als Motor für eine bessere Zukunft. Die Korruption war der erste olympische Sieger. In den Favelas brodelt es, die Infrastruktur konnte nicht rechzeitig fertig gestellt werden, immerhin sind die Sportstätten alle bereit. Pfusch am Bau wurde aber bloßgelegt, da stürzte eine Brücke ein, da beschweren sich die ersten Bewohner des Olympischen Dorfes über nicht bewohnbare Zimmer. Die Gewässer für Ruderer, Kanuten und Segler sind bakterienverseucht, gesundheitliche Gefahren drohen hier ebenso wie durch die Stechmücken, die als Überträger von Gelbfieber oder Dengue gefürchtet sind und jetzt durch die berühmt-berüchtigte Zika noch „Verstärkung“ bekommen haben. Unsicherheit statt Lebensfreude, wie wir es von der Copacabana immer sehen und hören. Dazu die beunruhigende Nachricht, dass das Verbrechen immer noch die Oberhand hat, Gewalt und Morde keineswegs eingeschränkt werden konnten. Die Gefahr durch den Terror ist noch gar nicht aufgezählt. Olympia in Rio: Willkommen in der Hölle!

Noch Lust auf Olympia? In Europa wird leider kein großes Olympia-Fieber (das wiederum gesund sein kann!) ausbrechen, weil die interessantesten Entscheidungen in der Nacht fallen. Die amerikanischen Fernsehsender zahlen mehr und sie bestimmen die Prime-Time. Wenn erst einmal der Sport die Oberhand gewonnen hat, dann können wir uns vielleicht an dem Olympia Park erfreuen, der zumindest vom Plan her optisch einen tollen Eindruck macht. Und die Brasilianer werden es schon schaffen, dass am Ende die Gäste mit einem guten Eindruck das Land wieder verlassen. Boris Herrmann skizzierte in der Süddeutschen Zeitung die Lage: „Rio ist schwer zu begreifen, weil es so unerschütterlich fröhlich und gleichzeitig so unfassbar unmenschlich ist.“ Bei Olympia sollte die fröhliche Seite gewinnen.

„Willkommen in der Hölle“ müsste es eigentlich auch für das IOC heißen. Die obersten olympischen Herrscher entpuppten sich als Angsthasen, konnten sich zu einem Ausschluss von Russland wegen des staatlichen Dopings nicht durchringen. Da wurde eine Chance im Kampf gegen das Doping verpasst. Die Verantwortung wurde an die einzelnen Weltverbände weitergegeben, die dort nicht tätig werden, wo Russland eine starke Stellung hat. IOC-Präsident Dr. Thomas Bach versäumte es, das IOC zu stärken, machte einen Kniefall vor Kremlchef Putin und schadete so dem internationalen Sport. Ein Hohn, dass die russische Whistleblowerin Julia Stepanowa nicht starten darf, weil sie eben Doping gestand und das System offenlegte, andere Doper nach Ablauf ihrer Sperre aber an den Start gehen können. Erfüllen denn sie die „ethischen Anforderungen“, die Stepanowa angeblich nicht erfüllt. Lachhaft und ärgerlich.

Skepsis oder Vorfreude? Bekanntlich ist es so: Hält uns der Sport im Bann, dann vergessen wir bei der Rasanz und Brisanz der Wettkämpfe die dunklen Seiten des Sports und werden auch die unschönen Begleiterscheinungen im Vorfeld von Rio vergessen. Erfreuen wir uns also an den Wettkämpfen und der Lebensfreude der Brasilianer. Olympia in Rio: Willkommen im Himmel des Sports!

Fußball bei Olympia: Kein großes Turnier!

 

Nach dem Ende der Europameisterschaft fragte mancher, „und wann ist das nächste große Turnier?“, und gab sich manchmal selbst die Antwort: „Ach ja, jetzt kommt ja Olympia und da ist ja Fußball auch dabei.“ Genau, Fußball ist dabei, steht aber keineswegs im Mittelpunkt, sondern ist eher Mitläufer, denn der Weltverband will keine Konkurrenz zur FIFA-Weltmeisterschaft oder den kontinentalen Meisterschaften. Die Olympischen Spiele sind beim Fußball kein international gesperrter Termin, es herrscht für die Vereine deshalb auch keine Abstellungspflicht.

Schade eigentlich, denn nur für die Fußballer übt Olympia nicht den großen Reiz aus, wie für die anderen Sportler. Früher war es natürlich ein bisschen anders, da blieben die Olympischen Spiele den Amateuren vorbehalten und auch im Fußball traten Amateur-Nationalmannschaften an. Aber zwischen Amateur und Profi war bald schon nicht mehr richtig zu unterscheiden. Irgendwann war Olympia generell für die Profis offen. Aber, wie gesagt, das Olympia-Turnier durfte keine Konkurrenz zu WM oder EM werden, deshalb treten bei den Männern U23-Teams an, die durch drei ältere Spieler ergänzt, wenn möglich verstärkt, werden dürfen. Bei den Frauen ist das anders, die freuen sich über eine zusätzliches „großes Turnier“ neben Welt- und Europameisterschaft.

Zurück zu den Männern. Die Nominierung der deutschen Olympia-Mannschaft machte das Dilemma deutlich. Bei den Spielern und Verantwortlichen herrschte große Freude, als sich die U21 endlich wieder einmal für Olympia qualifizierte, doch es gab auch gleich warnende Stimmen, „was wird die Bundesliga sagen?“ Die zeigte sich sogar großzügig, verlegte den Bundesliga-Start um eine Woche nach hinten, verlangte aber Entgegenkommen. Spieler, die der Verein brauchte, durften nicht berücksichtigt werden, außerdem durften es nur zwei Spieler pro Verein sein. Die Auswahl wurde zum Puzzle-Spiel, es ging nicht mehr um Leistung, sondern um die Genehmigung. Heraus kam eine Auswahl, die keineswegs als Wunschaufgebot von Trainer Horst Hrubesch bezeichnet werden kann. Dennoch behaupten die Spieler: „Olympia wird ein Erlebnis, das ist für uns nicht nur ein Trostpflaster.“

Das ist in anderen Ländern nicht so, gerade in Afrika und Südamerika wird Olympia große Bedeutung beigemessen, das zeigt sich auch mit einem Blick auf die Siegerliste der letzten Jahre: 1996 Nigeria, 2000 Kamerun, 2004 Argentinien, 2008 Argentinien, 2012 Mexiko. Die deutsche Mannschaft war letztmals 1988 dabei und holte da Bronze. Spieler, die damals in Seoul dabei waren schwärmen noch davon. Bekannt sind heute noch Uwe Kamps, Jürgen Klinsmann, Thomas Häßler, Wolfram Wuttke, Frank Mill und Karl-Heinz Riedle. Trainer war der vor kurzem verstorbene Hannes Löhr. Im Gegensatz dazu wurde die frühere DDR 1976 in Montreal sogar Olympiasieger.

Ein großes Turnier werden die Spiele in Rio de Janeiro aber zweifellos für Gastgeber Brasilien. Da dreht sich alles um Superstürmer Neymar, der die Copa America ausgelassen hat, um Olympiasieger zu werden. Das war Brasilien noch nie, zuletzt 2012 gab es Silber und davor Bronze. Jetzt soll es eben Gold sein, was dem arg krisengeschüttelten Fußball in Brasilien vielleicht wieder auf die Beine helfen würde. Es wäre aber fast ein Wunder nach den vielen Enttäuschungen zuletzt bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land und der Copa America.

Bei den Frauen hat Brasilien vielleicht eher eine Chance, hier dominierte zuletzt allerdings die USA das Geschehen, die seit 1996 mit der Ausnahme von 2000 (Norwegen) immer Gold holte und ebenfalls wieder zum Favoritenkreis zählt. Gerechnet werden darf aber mit Brasilien mit Galionsfigur Marta und natürlich mit Deutschland. Die deutschen Frauen fehlten in London und holten 2000, 2004 und 2008 jeweils Bronze. Der mehrfache Weltmeister möchte gerne auch mal Gold.

Die Fußball-Turniere beginnen bereits vor dem offiziellen Start der Spiele und werden im ganzen Land in den WM-Stadien ausgetragen. Die Tragik der Fußballer ist es, dass sie erst mal Erfolg haben müssen, um überhaupt zu „echten“ Olympiateilnehmern zu werden, nämlich ins Olympische Dorf einziehen zu können. Dazu müssen die Entscheidungsrunden erreicht werden. Die deutschen Männer haben in der Gruppe C (vier Gruppen) „Titelverteidiger“ Mexiko (4.8., 22.00 Uhr MESZ in Salvador), Südkorea (7.8., 21.00 Uhr MESZ in Salvador) und die Fidschi Inseln (10.8., 21.00 Uhr MESZ in Belo Horizonte) als Gegner. Das Frauen-Turnier ist mit zwölf Nationen bestückt, Deutschland trifft in der Gruppe F auf Simbabwe (3.8., 23.00 Uhr MESZ in Sao Paulo), Australien (6.8., 23.00 MESZ in Sao Paulo) und Kanada (9.8., 21.00 Uhr in Brasilia). Die Mannschaften müssen auch Beschränkungen hinnehmen, denn die Kader dürfen nur eine Stärke von 18 Spielerinnen oder Spielern haben (sonst 23). Bei Verletzungspech steht allerdings Ersatz auf Abruf bereit.

Olympia: Russland ganz ausschließen!

 

 Die Fußball-Europameisterschaft bewegt hierzulande die Gemüter, aber auch die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro bringen sich ins Gespräch – und das gleich mehrfach. Im Mittelpunkt natürlich der Dopingskandal in Russland und die Suspendierung der russischen Leichtathleten. Das systematische Doping wurde (endlich) bestraft und die Sperre für den Leichtathletik-Verband Russlands verlängert. Das IOC hat schon verlauten lassen, dass Russlands Leichtathleten in Rio nicht starten dürfen (die endgültige Entscheidung fällt noch), doch es könnte auch Ausnahmen für saubere Athleten geben (gibt es die in Russland noch?). Dabei wäre eine noch härtere Strafe eher sinnvoller: Der totale Ausschluss Russlands für die Olympische Spiele in Brasilien!

Eines ist leider Tatsache: Der Dopingsumpf im Sport ist unüberschaubar und auf Dauer wohl kaum trockenzulegen. Nicht überall wird allerdings das Doping von Staatswegen verordnet und entsprechend verschleiert, wie es wohl in Russland der Fall war. Allein eine Zahl reicht für einen kompletten Ausschluss Russlands aus: 735 Dopingkontrollen konnten nicht durchgeführt werden, die Kontrolleure wurden massiv behindert und teilweise eingeschüchtert. Da reicht die Strafe für die Leichtathleten nicht!

Leider ist es so, dass der Kampf gegen das Doping vor allem von Journalisten und nur von wenigen Funktionären geführt wird. Selbst die Dopingagentur WADA gerät immer wieder ins Zwielicht. Informationen werden weitergegeben, Dopingkontrollen angekündigt. So erwischt man Sünder nicht. Innerhalb der Verbände wäscht oft eine Hand die andere, am Ende ist der saubere Sportler der Dumme. Deutschlands Athletinnen und Athleten müssen drei Monate im Voraus darlegen, wann sie wo sind, damit sie jederzeit für Dopingkontrolleure erreichbar sind, manchmal zu nachtschlafender Zeit. Nicht selten werden Trainingsabläufe gestört. Der Kontrast dazu: Doping über den Staat. Russland will in allen Bereichen gut dastehen und der Welt zeigen „wir sind die Nummer 1“, so der Wunsch von Präsident Putin. Bei Olympia in Sotschi ist ihm das gelungen, Russland war die Nummer 1 im Medaillenspiegel – und im Doping. In Brasilien wird Russland nicht die Nummer 1 sein, aber wer legt die Hand ins Feuer für andere russischen Sportler, die im Vorfeld von Olympia eben nicht kontrolliert werden konnten. Da bleibt nur der Ausschluss!

Im Übrigen müssen wir froh sein, wenn Olympia in Rio reibungslos über die Bühne geht. Wie gesagt, Olympia bringt sich ins Gespräch, leider nur mit negativen Schlagzeilen. Jetzt erschüttert auch die Meldung, dass die Provinz Rio de Janeiro pleite ist und Geld von der Regierung benötigt. Die Brasilianer leiden wie die Franzosen, bei denen bei der Europameisterschaft auch kein Jubel aufkommen will. Die Probleme im Land sind einfach zu groß, um sich an sportlichen Großereignissen zu erfreuen. Ganz im Gegenteil, sie werden als Last empfunden. Das haben sich UEFA und IOC eigentlich ganz anders vorgestellt. Wir müssen uns fragen, ob solche Mammutveranstaltungen überhaupt noch zeitgemäß sind. Und wenn, dann wollen wir zumindest sauberen Sport.

2016 werden die Weichen im Sport neu gestellt

 

Der Terminkalender im Sportjahr 2016 ist voll, aber nicht die sportlichen Wettbewerbe werden im neuen Jahr im Mittelpunkt stehen, sondern die Geschehnisse auf der Funktionärsbühne. Ob der Sport davon profitieren wird, das kann erst die Zukunft zeigen. Eines ist aber sicher, 2016 werden die Weichen im Sport neu gestellt. Wir Sportfans können nur darauf hoffen, dass sie für eine glückliche Zukunft gestellt werden.

Im Mittelpunkt wird auch 2016 der Skandal im Fußball-Weltverband stehen. Am 26. Februar soll der neue FIFA-Präsident gewählt werden und von dieser Wahl wird es abhängen, wie der Fußball-Weltverband in Zukunft wahrgenommen wird: Gibt es einen wirklichen Neuanfang oder eine verdeckte Art der alten Korruption? Der Gau wäre, wenn die Justiz auch die neuen FIFA-Funktionäre im Visier hätte.

Aber auch im Hinblick auf Olympische Spiele werden die Weichen neu gestellt. Wie zu hören ist, werden in Rio de Janeiro die Stadien bis zum Start am 5. August bereit sein, allerdings gibt es am Rande des Sportes in Brasilien erhebliche Probleme: Die ökonomische Krise des Landes, ein Korruptionsskandal, Umweltprobleme und Rückstand bei der Modernisierung der öffentlichen Verkehrsmittel. Dazu kommt, dass die sportlichen Aussichten des Gastgeberlandes nicht besonders gut sind. Fraglich ist, ob dann die typische brasilianische Begeisterung entflammt wird. Möglich, dass nur der brasilianische Optimismus hilft: Alles wird gut!

Allerdings stehen die Olympischen Sommerspiele ebenso dafür, dass auch bei Olympia die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Immer mehr Städte, immer mehr Länder, die sich für die Austragung von Olympischen Spielen bewerben wollen, haben Probleme, diese Großveranstaltung den Bürgern schmackhaft zu machen. Die Gegner haben leichtes Spiel: Sie prangern die Korruption in den Verbänden an, verweisen auf überdimensionale Kosten und punkten damit, dass das Geld für die eigene Bevölkerung besser angelegt wäre. Die Stadtväter von Hamburg und Boston haben zum Beispiel 2015 erfahren müssen, dass die Bevölkerung „NOlympia“ sagt. Insofern wären Probleme und galoppierende Kosten in Rio Wasser auf die Mühlen der Olymia-Gegner. Also, auch in Rio werden Weichen gestellt! Allerdings glaubt der Sport-Grantler nicht, dass generell die Zukunft von Olympia auf dem Spiel steht.

Man mag es kaum glauben, aber die Wettkämpfe, die Leistungen der Sportlerinnen und Sportler werden 2016 schon noch im Mittelpunkt stehen. Eben durch Olympia, aber auch durch die Fußball-Europameisterschaft vom 10. Juni bis 10. Juli in Frankreich. Im Sog des FIFA-Skandals wird alle Welt diese EM besonders kritisch betrachten.

Im Schatten dieser Großereignisse gibt es aber auch eine Reihe von anderen Weltmeisterschaften und Veranstaltungen von weltweitem Interesse, die dafür sorgen, dass uns Sportfans 2016 nicht langweilig wird. Es beginnt mit der Handball-Weltmeisterschaft vom 15. bis 31. Januar in Polen, die Eishockey-Weltmeisterschaft wird vom 6. bis 22. Mai in Russland ausgetragen (Eishockey gilt aber schon noch als Wintersportart!), die Leichtathletik-Europameisterschaft findet vom 6. bis 10. Juli in Amsterdam statt und dann gibt es ja auch noch die Formel 1 mit sage und schreibe 21 Rennen vom 20. März in Melbourne bis 27. November mit dem Finale in Abu Dhabi (auch in Deutschland wird wieder gefahren, 31. Juli Hockenheim), die Tour de France (2. bis 24. Juli), die großen Turniere im Tennis und Golf, das mit dem Ryder Cup vom 30. September bis 2. Oktober in Chaska/Minnesota auf ein Weltereignis verweisen kann.

Trotz aller Skandale freuen wir uns also auf das Sportjahr 2016. Der Sport-Grantler wird es wieder mit seinen Kolumnen begleiten und hofft, dass dies auch seine Blog-Leser auf allen fünf Kontinenten tun werden. Der Sport-Grantler wünscht allen ein gutes neues Jahr mit viel Spaß an jedem Tag und vor allem beim Sport.