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Frauen-Fußball: Die Letzten wollen die Ersten sein

Amerikas Fußball-Nationalteam kann als Vorbild gelten: Die Frauen haben einen Vergleich mit dem US-Verband erreicht und erhalten künftig die gleichen Prämien wie die Männer. Es ist ein Sieg im ewigen Kampf um das Equal-Pay, die gleiche Bezahlung für Frauen und Männer. „Es ist ein monumentaler Schritt vorwärts“, freut sich die Kapitän und Initiatorin Megan Rapinoe. Der Verband zahlt ihnen rückwirkend 22 Millionen Dollar für entgangene Prämien und zwei weitere Millionen zur Förderung von Mädchen- und Frauenfußball. Ab sofort werden beide Nationalteams Prämien in gleicher Höhe erhalten.

Die US-Damen haben den Vorteil, dass sie in ihrer Heimat populär sind, darum kämpfen die Frauen in Europa noch, vor allem in Deutschland. Hier war der Frauen-Fußball in Europa führend, doch inzwischen haben andere Nationen dem DFB den Rang abgelaufen. England, Spanien und die Niederlande haben die Spitze übernommen, Deutschland hinkt inzwischen ein bisschen hinterher. Es geht dabei nicht nur um Anerkennung, inzwischen auch um den sportlichen Anschluss. Eine Standortbestimmung sollte der Arnold-Clark-Cup in England sein, doch da schaut es jetzt eher düster aus mit dem letzten Platz. Bangemachen gilt allerdings nicht, weil nach 14 Absagen eher ein Nachwuchsteam am Start war, erfahrene Stützen der Mannschaft fehlten. „Wembley bleibt unser Ziel“, sagt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg trotzig. In Wembley findet bei der Europameisterschaft vom 6. bis 31. Juli das Endspiel statt. Dort will das DFB-Team hin und natürlich dann auch gewinnen. Die Letzten wollen die Ersten sein.

Die Spiele in England waren allerdings ein willkommener, sogar notwendiger Test für die deutschen Mädchen, die in der WM-Qualifikation keine ernsthaften Gegnerinnen haben und leicht unbesiegt bleiben können. Diesmal waren Spitzenteams dabei, nämlich Spanien (1:1), Kanada (0:1) und Gastgeber England (1:3). Statt Erfolgserlebnissen gab es einen Lerneffekt, vor allem die unbedarfte Abwehr musste Lehrgeld zahlen, sie wurde am Ende von England überrollt. Da fehlte vor allem die fast schon dauerverletzte Marina Hegering, aber auch Lena Oberdorf. Spielerinnen wie Kapitänin Alexandra Popp, Dzsenifer Marozsan und Svenja Huth können für Ruhe und Schwung sorgen. Ohne sie geht es nicht. Deutschland hat eine schwere EM-Gruppe erwischt, Dänemark, Spanien und Finnland sind die Gegner. Da hängen die Trauben hoch, zumal der achtmalige Rekord-Europameister zuletzt international nicht erfolgreich war. Bei der EM 2017 und WM 2019 war für Deutschland jeweils im Viertelfinale Schluss, für Olympia 2021 wurde die Qualifikation verpasst. 2016 war Deutschland noch Olympiasieger.

Es passt für die Träume und Pläne im Frauen-Fußball gar nicht, dass das Nationalteam als Aushängeschild einen Durchhänger hat. Auch in Deutschland kämpfen die Frauen um mehr Anerkennung und Gleichberechtigung mit den Männern. Sie hoffen auf mehr Aufmerksamkeit, vor allem durch Fernsehzeiten. Das Turnier in England versteckten ARD und ZDF im Streamingdienst, Länderspiele werden meist nur am Nachmittag übertragen. Die Bundesliga spielt vor mehr oder weniger leeren Tribünen, Zuschauerzahlen über 1000 sind eine Seltenheit.

Bei Organisation und Spielplangestaltung muss wohl zuerst angesetzt werden. Mit zwölf Mannschaften ist die Frauen-Bundesliga zu klein, es gibt zu wenige Spieltage für mehr Aufmerksamkeit. Außerdem ist die Spielplangestaltung fast schon konfus, das Hauptaugenmerk liegt auf internationalen Terminen, die Bundesliga spielt, wenn halt Zeit ist. Nach der Winterpause gab es zwei Spieltage, dann schon wieder die Pause für den Cup in England. Es folgen immerhin fünf Spieltage am Stück vor der nächsten Pause, dann folgt der Endspurt mit gerade noch drei Spieltagen, die Saison endet am 15. Mai, fast zwei Monate vor der EM, so viel Zeit hätte die Männer auch mal gern als Vorbereitung auf ein großes Turnier.

Neidisch schauen die Frauen in Deutschland auch nach England, Frankreich und Spanien. Dort haben immer mehr Top-Vereine die Frauen unter ihre Fittiche genommen und die sind entsprechend erfolgreich. Der FC Barcelona bestimmt neuerdings das Geschehen, vorher waren es Olympique Lyon und Paris St. Germain. Die deutsche Dominanz ist vorbei. Immer mehr übernimmt England das Kommando mit Manchester United, Arsenal London und anderen. Dort steigen die Zuschauerzahlen, dort ist das Geld und zieht immer mehr Spielerinnen an. Internationale Stars machen inzwischen um die Bundesliga einen Bogen, weil sie in England, Spanien oder bei Paris mehr verdienen.

Neidisch schauen die deutschen Frauen auf spektakuläre Spiele im Ausland mit für hierzulande utopischen Zuschauerzahlen. Schon im März 2019 waren 60.739 Zuschauer in Madrid beim Spiel der Frauenliga zwischen Atletico und dem FC Barcelona. Sogar in Italien kamen 40.000 zum Frauen-Duell zwischen Juventus Turin und Florenz. In England sind zweistellige Zuschauerzahlen an der Tagesordnung, das EM-Finale in Wembley werden 70.000 sehen.

Erste Versuche gibt es jetzt auch in Deutschland. Wolfsburg war der Vorreiter, die VfL-Frauen werden das Heimspiel im Viertelfinale der Champions League gegen Arsenal London in der Volkswagen-Arena, der Heimstätte der Bundesliga-Männer, austragen. Da wollte der FC Bayern nicht zurückstehen, die Bayern-Mädchen dürfen also in die Allianz-Arena zum großen Duell in der Champions League gegen Paris St. Germain. Sie hoffen am 22. März wenigstens auf 20.000 bis 30.000 Zuschauer, also eine große Kulisse. Das Schild „ausverkauft“ wird es kaum geben, aber ein Anfang ist gemacht. Das nächste Bundesligaspiel gegen Köln am 6. März werden am Bayern-Campus allerdings wohl wieder nur ungefähr 1000 Zuschauer verfolgen. Der Blick geht aber in die Zukunft, ein Anfang ist gemacht. Vielleicht werden auch hier quasi die Letzten einmal die Ersten sein.

Die Spiele zum Vergessen werden ewig in Erinnerung bleiben

Das Feuer ist erloschen, die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking sind vorbei. Wie immer bei solchen Großveranstaltungen gab es Gewinner und Verlierer, selten ist, dass Gewinner gleichzeitig auch Verlierer sein können. Das ist zum Beispiel bei China der Fall, das Austragungsland wurde vorher schon angesichts von Menschenrechtsverletzungen und Raubbau an der Natur heftig kritisiert, blieb aber stur, präsentierte bestens organisierte Spiele mit immer freundlichen Volunteers, hervorragenden Wettkampfstätten und kämpfte erfolgreich gegen die Corona-Pandemie. Das Virus kam der chinesischen Führung gerade recht, es gab einen willkommenen Grund, das Ausland auszusperren (keine Zuschauer), Olympia lebte in einer Blase, es gab Sport in Käfighaltung, die eigene Bevölkerung feierte die Spiele vor dem Fernseher. Es waren durch die Begleitumstände Spiele zum Vergessen, aber gerade deshalb werden sie ewig in Erinnerung bleiben und das IOC muss seine Hausaufgaben machen, damit es eine Wiederholung in so einem politischen Umfeld nicht mehr gibt. Die nächsten Spiele zeigen hoffentlich wieder Olympia mit Seele und Atmosphäre, 2024 im Sommer in Paris und 2026 im Winter in Mailand und Cortina d’Ampezzo.

Es ist doch traurig, wenn es bei den Sportlern (immer Frauen und Männer) heißt, „nichts wie weg“ (zu Hause dürfen sie wieder alles sagen). Die Blase hatte zur Folge, dass an den Wettkampfstätten kaum Stimmung herrschte. „Wir Athleten haben uns die Stimmung selber gemacht“, erzählte Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger. Die gigantischen Sportstätten imponierten, aber der Blick auf die braunen Hügel, die als Wintersportstätten dienten, machten einen traurig. Richtige Berge gehören zum Wintersport. Ohne Rücksicht auf die Natur wurden hier Rennstrecken in die Natur gepfercht und wochenlang künstlich beschneit, mit Wasser, das ansonsten als rares Gut gilt. Hier muss das IOC ansetzen, keine Spiele mehr in Diktaturen mit Menschenrechtsverletzungen, keine Eingriffe mehr in die Natur und hauptsächlich müssen die Sportstätten auch für eine spätere Nutzung gebaut werden. In den Hügeln um Peking werden wohl wieder Ruinen entstanden sein, auch wenn die Regierung davon spricht, dass China ein Wintersportland geworden ist und es schon Millionen von Wintersportbegeisterten gibt.

China hat einen Beweis, dass es eine Wintersportnation geworden ist: Rang drei in der Nationenwertung hinter Norwegen und Deutschland (und vor den verhassten USA). Doch mit welchen Mitteln wurden diese Erfolge erkauft? Vor vier Jahren landete China noch auf Rang 16 mit einer Goldmedaille, jetzt gab es gleich neun Goldmedaillen. Corona bestimmte den Sport, das Dopingproblem geriet fast in den Hintergrund, wenn da nicht der Skandal um die 15.jährige Eiskunstläuferin Kamila Walijewa gewesen wäre. Die Russin wurde der Einnahme verbotener Substanzen überführt, durfte aber dennoch starten. Sie zerbrach aber am Druck der Kritik. Die Sportler des russischen NOK (Russland als Land ist ja gesperrt) waren überraschend erfolgreich, aber mal sehen, was nach weiteren Überprüfungen der Dopingproben später ans Tageslicht kommt, den Erfolgen ist nicht zu trauen und der Fall Walijewa zeigt, dass die einzig richtige Strafe für die Dopingvergehen der Russen vor allem in Sotschi 2014 eine echte Sperre gewesen wäre.

Wie immer bei Olympia gab es Favoritenstürze und erfolgreiche Medaillensammler. Spiele zum Vergessen waren es vor allem für US-Skistar Mikaela Shiffrin, der man mehrere Goldmedaillen zugetraut hatte, die aber als gestürzter Star leer ausging. Das Gegenstück war die Chinesin Eileen Gu, in San Francisco geboren, mit amerikanischer Mutter und chinesischen Vater. Seit drei Jahren startet die Ski-Freestylerin für China und das 18-jährige Model ist hübsch und intelligent, lässt sich aber von der Politik als Vorzeigechinesin vereinnahmen. Zweimal Gold und einmal Silber steuerte sie zum Erfolg der Chinesen bei und gilt bei den chinesischen Mamas als Traumvorbild für die eigenen Töchter. Erfolgreichste Medaillensammlerin war aber die norwegische Biathletin Marte Olsbu Röiseland mit fünf Medaillen, das hatte vor ihr noch keine Biathletin geschafft. Viermal Gold und einmal Bronze hat auch ihr Landsmann Johannes Thingnes Bö im Gepäck. Norwegen ist nicht nur eine Nation der Langläufer, sondern offensichtlich auch der Biathleten.

Deutschland kann eigentlich mit den Erfolgen zufrieden sein. Platz zwei in der Nationenwertung ist mehr als erwartet, zwölfmal Gold ebenso. Ein Blick hinter die Medaillen macht aber deutlich, dass nur die Sportler im Eiskanal die Bilanz geschönt haben. Allein neunmal Gold gab es für Rodler, Bobfahrer und im Skeleton. Biathlon, nordisch Kombinierer und Langläuferinnen steuerten den Rest bei. Zwei Sportarten waren also erfolgreich, fünf dagegen nicht. Eisschnell- und Eiskunstlauf sind derzeit zum Vergessen, Curling, Shorttrack und Eishockey enttäuschten. Sinnbildlich: Eishockey reiste mit breiter Brust nach Peking und flog zersaust und gerupft wieder heim.

Für die Zukunft könnten Bob und Langlauf Vorbild sein. Die Bobfahrer fuhren 2014 noch komplett hinterher, jetzt dominierten sie die Konkurrenz. Es wurde in allen Bereichen super gearbeitet, vor allem in der Entwicklung der Schlitten, die derzeit die besten der Welt sind. Im Langlauf baute Trainer Peter Schlickenrieder zielgerichtet über Jahre hinweg auf und erntete jetzt den Lohn mit Gold an seinem Geburtstag. Katharina Hennig und Victoria Carl waren mit ihrem Sieg Langlauf-Sprint die deutsche Sensation der Spiele. Also heißt es für die anderen: Nachmachen!

Die Bayern geben Rätsel auf

Spiele zum Vergessen gab es auch im Fußball. So blamierten sich die Bundesligisten in der Champions- und Europaleague, es gab keinen Sieg. Vor allem Borussia Dortmund war beim 2:4 gegen die Glasgow Rangers vollkommen von der Rolle, aber auch Leipzig gegen San Sebastian hätte man mehr als ein 2:2 zugetraut und die Bayern kamen nach schwacher Leistung und großem Glück gerade mal zu einem 1:1 in Salzburg. Die Bundesliga ist in der UEFA-Rangliste gerade mal Fünfter in dieser Saison, insgesamt ist der vierte Platz aber nicht gefährdet, obwohl Frankreich derzeit stärkste Nation ist.

Immerhin haben sich Dortmund und Leipzig in der Bundesliga für die Rückspiele in Laune geschossen. Vor allem die Borussia bleibt bei ihrem Auf und Ab und konterte mit einem 6:0 gegen Mönchengladbach. Kapitän Marco Reus schürt die Hoffnung für Donnerstag in Glasgow: „Da werden wir anders auftreten“. Muss wohl auch so sein. Gladbach dagegen erlitt einen Rückfall im Abstiegskampf und zeigte sich wieder verunsichert. Der Schlüssel zum Erfolg wird noch gesucht.

Ein Rätsel geben auch die Bayern auf. Der Meister ist von seiner Bestform meilenweit entfernt, wirkt verunsichert und zeigt nicht seine gewohnte Dominanz. Das kann doch nicht am Ausfall von Torhüter Manuel Neuer liegen. Allerdings fehlt der Schwung von Alphonso Davies, dafür wirkt der 80-Millonen-Mann Hernandez als Unsicherheitsfaktor in der Abwehr und Kimmich ist weit weg von seiner Bestform. Was nun, Jürgen Nagelsmann? Der Trainer macht selbst den Eindruck, dass er nicht weiß, wie er die Abwehrschwächen abstellen soll. Gegen Fürth wurde nach Rückstand eine Pleite noch abgewendet, aber das darf man gegen das Schlusslicht auch erwarten. Aber souverän waren die Bayern nicht. Ständiger Systemwechsel sorgt nicht für Sicherheit.

Im Abstiegskampf ist die Verunsicherung naturgemäß besonders groß, sie wird gern mit starken Sprüchen überdeckt. „Wir sind über dem Strich, dort werden wir auch bleiben“, will Trainer Tayfun Korkut von Abstiegsgefahr für Hertha BSC nichts wissen. Das 1:6 gegen Leipzig sagt aber anderes aus. An dem Tag ging aber auch alles schief: Sechs Corona-Ausfälle im Vorfeld, der als Abwehrstabilisator geholte Kempf musste frühzeitig mit Rot vom Platz. Jetzt geht es nach Freiburg, das wird nicht viel leichter. „Wir haben es noch immer geschafft“, tönt es auch aus Augsburg. Damit haben sie recht, haben sich schließlich seit dem Aufstieg 2011 behauptet und waren schon in einer prekäreren Lage. Die Leistungen sagen allerdings anderes aus, die gute Spiele sind zu selten. Am Sonntag kommt Dortmund und die Frage ist, wer ist wie in Form, im Auf oder Ab? Den Relegationsplatz hält der FCA nur, weil der VfB Stuttgart nicht ins Rollen kommt. Darauf wartet Trainer Pellegrino Matarazzo und erhält dafür einen Nackenschlag nach dem anderen. Das 1:1 gegen Bochum war eine gefühlte Niederlage mit einem dummen Gegentor kurz vor Schluss und dem Verlust von Hoffnungsträger Silas, der nach überstandener Verletzung mit einer Schulterluxation für den Rest der Saison ausfällt. Für die Rettung sind aber Punkte nötig, so wie es Bielefeld gegen Union beim 1:0 vormachte. Ein bisschen mehr Abstand nach unten und viel Hoffnung. Das gibt mehr Sicherheit als starke Sprüche.

Eishockey erleidet eine Chaos-Saison

Es ist ja nichts Neues, dass die Corona-Pandemie die Welt durcheinander bringt, das Leben jedes Einzelnen, aber besonders leidet der Sport. Und da scheint es so, dass Eishockey noch stärker als alle anderen Mannschaftssportarten betroffen ist, es herrscht schlichtweg Chaos in allen Bereichen. Jetzt wurde zudem eine Hoffnung für positive Schlagzeilen nicht erfüllt: Ganz im Gegenteil, nachdem die Nationalmannschaft bei Olympia nicht die erträumte Medaille gewonnen hat, sondern sogar nicht einmal den Sprung ins Viertelfinale schaffte, herrscht auch hier Aufregung. Corona wird zu einer Problem-Pandemie.

Besondere Probleme hat die Deutsche Eishockey Liga, weil Eishockey eine teure Sportart ist und die Vereine meist nicht einmal über finanzielle Reserven verfügen. Sie machen eher Schulden oder leben von der Hand in den Mund. Bezeichnend, dass zum Beispiel Augsburg viele Heimspiele verlegen ließ, um dann wieder spielen und kassieren zu können, wenn Zuschauer erlaubt sind. Wie in allen Mannschaftssportarten schlug Corona zu und zahlreiche Spieler und sogar Mannschaften mussten in Quarantäne. Die DEL versuchte das Terminchaos damit aufzufangen, dass in der Tabelle nicht mehr die tatsächlichen Punkte zählen, sondern ein Punktequotient (Punkte durch Spiele), damit notfalls durch unterschiedliche Spielzahl eine gerechte Tabelle ermittelt werden kann. Allein die unterschiedliche Anzahl von ausgetragenen Spielen ist schon störend. Damit überhaupt genug Nachholtermine möglich sind, wurde auch während der Olympischen Spiele trotz Abstellung einiger Akteure gespielt und jetzt wird die Saison sogar um zwei Spieltage verlängert. Schluss ist erst eine Woche später am 1. und 3. April, die Play-Offs beginnen dann am 5. April. Mal sehen, ob es eine vollständige Tabelle gibt. Die Fans aber müssen mit einem Terminchaos leben.

Chaos herrschte bei der Nationalmannschaft auf dem Eis, aber auch der Trainer ist nicht auszunehmen. Nach zuletzt überraschenden internationalen Erfolgen mit Olympia-Silber vor vier Jahren in Pyeongchang und Halbfinale bei der Weltmeisterschaft 2021 gingen die Eishockey-Cracks mit breiter Brust ins olympische Turnier, zumal das Fehlen der NHL-Stars Deutschland eher in die Karten spielen sollte, auch wenn auf Superstar Leon Draisaitl verzichtet werden musste. Kapitän Moritz Müller rief selbstbewusst die Goldmedaille als Ziel aus, Trainer Toni Söderholm verbreitete Zuversicht und Stärke, „die anderen müssen uns erst einmal schlagen“.

Einen guten Hintergrund gab es dafür, trotz einiger Ausfälle waren zehn der Silber-Boys noch im Team und 21 von 25 Spielern aus dem WM-Halbfinale zählten zum Peking-Aufgebot. Doch dort war alles anders, es fehlten einige junge Talente und damit das Tempo, die Mannschaft kam mit der kleineren Eisfläche nach NHL-Maßen nicht zurecht, die Gegner wurden offensichtlich unterschätzt. Die Slowakei besiegte man in einem Testspiel, die USA trat nur mit Collegespielern an, Kanada zum Teil höchstens mit NHL-Altstars, die jetzt in Europa ihr Geld verdienen. Die Prognosen waren gut, die Spiele schlecht, Deutschland verlor und hatte nur gegen Außenseiter China sein Erfolgserlebnis. „Das haben wir uns anders vorgestellt“, gestand Verteidiger Korbinian Holzer, einst selbst in der NHL.

Für Unruhe sorgt auch Trainer Toni Söderholm. Der Finne ist zwar bei der Mannschaft beliebt und der Verband würde gern mit ihm trotz dieses Tiefs verlängern, aber der Coach brütet noch über seine Zukunft. Eigentlich zieht es ihn in die NHL, andererseits hat er offensichtlich ein gutes Angebot von den Mannheimer Adlern vorliegen. Dort könnte er seine Vorstellungen vielleicht eher verwirklichen. Noch vor der Weltmeisterschaft in Finnland ab 13. Mai will er Klarheit haben. Aber wie die Zukunft im Verband aussieht, das steht sowieso in den Sternen. Erst kurz vor der WM wird am 7. Mai der neue Präsident gewählt. Es könnte durchaus der alte sein, obwohl Franz Reindl eigentlich schon seinen Rückzug publik gemacht hatte. Doch da sah er sich schon als Weltpräsident, doch dieser Versuch scheiterte krachend. Und zu Hause gibt es Chaos, einige Landesverbände fordern den Rücktritt des Präsidenten wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten. Wegen möglicher verdeckter Zahlungen und Insolvenzverschleppung ist sogar die Staatsanwaltschaft aktiv geworden. Kann Reindl mit diesem Schatten Präsident bleiben? Und wie sehen die Überlegungen von Toni Söderholm bei diesem Chaos aus?

Das deutsche Eishockey, egal ob Verband oder Vereine, hat es in der Vergangenheit noch immer geschafft, Erfolge und positive Schlagzeilen wieder ins Gegenteil zu verkehren. Die Chance, die Beliebtheit der attraktiven Sportart zu steigern, wurde nie genutzt. Wie jetzt. Nach Olympia bleibt Unsicherheit, es ist eine Chaos-Saison.

Was will die Fußball-Bundesliga: Spannung oder Gerechtigkeit?

Was haben die Fußball-Bundesliga und der Eiskanal in Yanqing gemeinsam? Es fehlt bei beiden die Spannung, wenn es um den Sieg geht. In der Bundesliga dominierte zuletzt der FC Bayern München, bei den Olympischen Spielen in Peking holten in der ersten Woche nur die Deutschen Frauen und Männer Gold. Im Fußball überlegen sich alle, mit welcher Regeländerung denn die Bayern zu stoppen sind, im Eiskanal hofft die Konkurrenz einfach auf bessere Zeiten und auf die nächsten Rennen. Im Monobob der Frauen wurde der deutsche Siegeszug schon gestoppt.

Wie aber die Bayern stoppen? Der VfL Bochum machte es am Samstag vor, das 4:2 schlug ein wie eine Bombe. Bochum spielte auf wie ein Meister, die Bayern rätselten am Sonntag beim Training noch, „was war das denn?“. Hat der Neuling jetzt die ewige Diskussion um die Einführung von Play-Offs, der jetzt aktuell wieder Fahrt aufnahm, schnell wieder gestoppt? Wie im Eiskanal gibt es die Lösung, man muss halt besser sein. Bochum war es, hatte Mut und Leidenschaft, spielte frisch von der Leber weg und überraschte die Bayern, denen die Leidenschaft fehlte, mit Tempo. Die Stürmer sahen ihre Chance wohl durch die Abwesenheit von Nationaltorhüter Manuel Neuer, der sich unter das Messer legen musste. Gamboa und Holtmann zogen mutig ab und trafen, wie sie es in dieser Saison wohl nicht mehr erleben werden. Motto: „Der Neuer ist ja nicht drin.“ Sven Ulreich war der Leidtragende, die Schüsse unhaltbar.

Bei den Bayern begann aber die Ursachenforschung, weil sich die Schwächephasen häufen. Wo der Hebel anzusetzen ist? In der Abwehr, wo Alaba vermisst wird (bald auch Süle), ein Chef fehlt, insgesamt 157,5 Millionen Euro für Hernandez, Pavard und Upamecano vergeblich investiert wurden. Die Sicherheit fehlt. Da muss wohl auch Trainer Julian Nagelsmann umdenken, der zuletzt voll auf Offensive setzte, weil er den Flitzern Coman, Gnabry und Sané nicht die Ersatzbank zumuten wollte. Da muss künftig wohl einer in den sauren Apfel beißen, da braucht Nagelsmann den Mut zum Nein. Was das 1:4 zur Halbzeit für die Münchner bedeutete, sagt eine Zahl aus: Vier Gegentore in der ersten Halbzeit gab es seit 46 Jahren nicht mehr!

Gibt es mehrere Bochums, hat sich die Diskussion um Play-Offs wieder erledigt, gibt es Spannung, braucht es keine zusätzliche Runde. Die Punktrunde gilt als die gerechteste Lösung, es heißt, die Meisterschaft sei der ehrlichste Titel. Play-Offs versprechen Spannung, wer monatelang die Nummer 1 war, kann trotzdem leer ausgehen. Freilich, eine „Woche des Fußballs“ im Anschluss an die Punktrunde mit den entscheidenden Spielen der ersten Vier um den Titel und der letzten Vier im Kampf gegen den Abstieg hat was für sich und bedient das aktuelle Bedürfnis: Spektakel muss sein. Allerdings sollten die Fußball-Bosse die Fans nicht vergessen, die mit Mehrheit gegen solche Play-Offs sind, sie widersprechen der deutschen Sportkultur. Also: Mehr Mut der Konkurrenz würde auch mehr Spannung bringen.

Es scheint sich ja bei den Vereinen an der Spitze das Denken eingenistet zu haben, dass nicht die Meisterschaft als Ziel gilt, sondern in erster Linie ein Platz in der Champions League, der einige Millionen Euro garantiert. Dort herrscht auch die Spannung, im Kampf um Platz vier nach Bayern, Dortmund und Leverkusen liegen Leipzig, Hoffenheim, Freiburg und Union Berlin gleichauf mit 34 Punkten. Mehr Spannung geht nicht. Im Abstiegskampf geht die Spannung auch nicht verloren, nachdem sich Hertha BSC und Bielefeld nicht befreien konnten. Sie sind für Augsburg und Stuttgart erreichbar. Anders neben Bochum auch Wolfsburg und Mönchengladbach, dort gab es eine Wende und Punkte, der Blick geht wieder nach oben. Vorerst oder auf Dauer?

Europa und die Geldtöpfe rufen

Aber jetzt ruft wieder die europäische Bühne, der Frühling liefert den Fans das Spektakel der Champions League und füllt den Klubs, die hier überwintern konnten, die Kassen. Spannung ist garantiert, denn die K.o.-Runden beginnen. Bayern München hat auch hier ein Alleinstellungsmerkmal, ist als einziger deutscher Klub im Achtelfinale dabei. Der RB Salzburg galt als eher leichte Aufgabe, doch nach Bochum gilt das nicht mehr. Kommt die Leidenschaft zurück oder hallt die Verunsicherung nach? Es darf doch keine zwei schlechten Spiele hintereinander geben! In der Champions League ließen die Münchner bisher nichts anbrennen, waren mit sechs Siegen und 22:3 Toren die beste Mannschaft und noch etwas macht Mut: Sie sind seit 21 Spielen auswärts ungeschlagen. Salzburg feiert dagegen eine Premiere, zum ersten Mal ist eine österreichische Mannschaft im Achtelfinale dabei. Es ist auch das Duell der jüngsten Trainer in der CL, der Deutsche Martin Jaissle ist mit 33 Jahren fast ein Neuling, arbeitet aber erfolgreich. Julian Nagelsmann ist gerade mal ein Jahr älter, aber um vieles routinierter. Jetzt muss er die Lösung finden und vor allem die schnellen RB-Stürmer Adeyemi und Okafor stoppen. Das heißeste Duell ist aber die Partie Paris St. Germain gegen Real Madrid. Das Achtelfinale zieht sich wieder wie Kaugummi mit insgesamt acht Spieltagen bis zum 16. März (Rückspiel Bayern – Salzburg am 8. März). Aufgepasst: Die Auswärtstorregel gilt nicht mehr. Gibt es nach zwei Spielen Gleichstand, gibt es Verlängerung und notfalls Elfmeterschießen. Die Gruppensieger dürfen zuerst auswärts antreten.

In der Europa League stehen vor dem Achtelfinale erst die Play-Offs an. Borussia Dortmund gegen die Glasgow Rangers und RB Leipzig gegen San Sebastian müssen nach ihrem Ausscheiden in der CL am Donnerstag diesen Umweg gehen. Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt sind schon eine Runde weiter. Es wäre für die Bundesliga gut, wenn beide Klubs weiterkommen würden (Rückspiele in einer Woche).

Die Woche der Medaillensammler

Die Bundesliga erfreute mit Zuschauern in den Stadien wieder mit mehr Stimmung, bei den Olympischen Spielen bleibt die Stimmung mau, die Zuschauer müssen mit Ausnahme einiger weniger Auserwählten draußen bleiben. Corona sorgte für eine Olympia-Blase, in dieser geht es aber vor allem in der deutschen Mannschaft recht heiter zu. Die erste Olympia-Woche war die Woche der Medaillensammler, Deutschland holte bereits acht Goldmedaillen, dazu fünf Silber und eine Bronze, bedeutet Platz zwei in der Nationenwertung hinter Norwegen. Die erste Woche ist traditionell die stärkere, so zahlreich werden die Medaillen nicht mehr sprudeln. Der Eiskanal könnte allerdings ein Goldkanal, aber zumindest ein Medaillenkanal durch die Bobfahrer bleiben. Ansonsten heißt es überraschen lassen. Die Biathleten hoffen darauf, dass die Ski-Experten ihre Wachskünste wiederfinden und für schnelle Ski sorgen. Vor allem in den Staffeln träumen sie von einer Medaille. Die Skispringer machten es am Montag vor, nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“ gab es Bronze im Teamspringen hinter Österreich und Slowenien. Ein versöhnlicher Abschluss.

Nicht überraschend ist, dass Skandale durch Doping oder seltsame Juryentscheidungen nicht ausblieben, so ist das bei sportlichen Großereignissen. Was aber bei Winterspielen Seltenheitswert hat, ist die Tatsache, dass die Organisatoren durch den Winter überrascht werden. Da gab es zehn Zentimeter Neuschnee in einer Gegend, in der es selten schneit und schon gerieten die Organisatoren durcheinander. Angeblich fordern die Chinesen jetzt eine Schnee-Blase, zu der der natürliche Schnee keinen Zutritt hat.

Der Fußball sorgt für beste Unterhaltung

War es Zufall, ein vorzeitiges Frühlingserwachen oder der Konkurrenzkampf mit Olympia? Auffallend, dass der Fußball in der Bundesliga am vergangenen Wochenende beste Unterhaltung bot, so, als wollten die Klubs den Zuschauern mit Blick auf die Olympischen Winterspiele sagen: „Schaut her, wir bieten die bessere Show“! Auffallend jedenfalls, dass es in den Kommentaren bei den Fernsehübertragungen fast in jedem Spiel hieß „ein unterhaltsames Spiel“ oder „ein außergewöhnliches Spiel“. Bezeichnend: Meist wurde der Weg nach vorne gesucht, Offensiv-Geist gegen olympischer Geist.

Viel haben offensichtlich die Zuschauer beigetragen. Sie durften zwar nur in begrenzter Zahl in die Stadien, aber machten müde Spieler munter. Das war zum Beispiel beim FC Augsburg zu spüren, der seine Misserfolgsserie von fünf Spielen mit einem 2:0 gegen Union Berlin beendete. Power war ebenso zu sehen wie ein neuer Zusammenhalt und am Ende gab es Partystimmung im Stadion. Wann hat es das zum letzten Mal gegeben, die Bundesliga als schönes Erlebnis. So können die Fans wieder in die Stadien gelockt werden, nachdem mit der Corona-Pandemie auch eine gewisse Fußball-Müdigkeit festzustellen war.

Viele Kritiker weisen immer darauf hin, dass die Bundesliga einen spannenden Titelkampf braucht, um gute Unterhaltung zu bieten. Pustekuchen, der Kampf an der Spitze ist nur ein Teil, die Spiele und die Leistungen müssen locken, dazu gibt es in allen anderen Tabellenbereichen heiße Kämpfe und Spannung ist bis zum Schluss garantiert. Außerdem: Nicht die Bayern sind schuld, dass es an der Spitze meist langweilig ist, sondern eigentlich die Konkurrenz. Dortmund hat es wieder bewiesen beim Fehltritt gegen Bayer Leverkusen, das mit Leistungen wie beim 5:2 ein ernsthafter Konkurrent der Münchner sein könnte, doch wie in Dortmund oder Leipzig fehlt halt die Konstanz. Leipzig forderte den Meister in einem Offensivspektakel, das auch 6:4 oder 9:6 statt 3:2 hätte ausgehen können. Die Partie Dortmund – Leverkusen stand dem kaum nach. Also: Die Bundesliga bietet beste Unterhaltung.

Und was die Spannung angeht: Mal sehen, wie die Bayern ohne Manuel Neuer bestehen, der zuerst den Rekord von seinem Boss Oliver Kahn mit 310 Bundesligasiegen einstellte und sich dann unters Messer begab, er wurde am Knie operiert und hat mehrere Wochen Pause. Und mal sehen, ob in der Zeit Erling Haaland Dortmund wieder in Schwung bringt.

Eine der interessanten Fragen der Liga ist auch, ob die Nobodys im Vorderfeld weiterhin mithalten. Hoffenheim schwächelt schon mit drei Niederlagen am Stück, Union verlor ohne Max Kruse (Wolfsburg siegte mit Kruse), bei Freiburg gibt es derzeit ein Auf und Ab. Da hat sich Leverkusen auf Platz drei schon abgesetzt (schon wieder ein Alleingang?!) und Leipzig zeigt an, dass die Champions League das Ziel bleibt. Das Geschehen bleibt interessant, hat Unterhaltungswert.

Weckruf in Augsburg und Wolfsburg

Der ist natürlich auch im Abstiegskampf gegeben. Der Weckruf in Augsburg und Wolfsburg setzt vor allem den VfB Stuttgart unter Druck, mit sechs sieglosen Spielen in Folge (davon fünf Niederlagen) hat er jetzt die längste Misserfolgsserie. Ehrenwert, dass Sportdirektor Sven Mislintat Trainer Pellegrino Matarazzo nicht in Frage stellt („Notfalls gehen wir beide in die zweite Liga!“), aber Vorstandsboss Thomas Hitzelsperger bringt Feuer rein, er klagt die Spieler an, sucht da die Schuld. In Leverkusen wird kaum der Befreiungsschlag gelingen, also warten auf das nächste Heimspiel gegen Bochum. Wenn nur nicht der Rückstand zum Relegationsplatz (jetzt vier Punkte) zu groß wird.

Das Aufbäumen des FCA hat sich noch nicht auf die Tabelle ausgewirkt, da auch Wolfsburg nach elf sieglosen Spielen wieder gewann, Schlusslicht Fürth war wieder einmal Kanonenfutter. Das war zuletzt nicht immer so, also sollte sich Hertha BSC nicht sicher sein, dass der Alten Dame jetzt auch der Befreiungsschlag gelingt. Das Unentschieden gegen Bochum beseitigte ebenso wie für Gladbach das 1:1 in Bielefeld die Zweifel nicht. Bei beiden rätselt man, „wie gut oder schlecht sind wir eigentlich?“. Gladbach bekommt es am Samstag mit Augsburg zu tun, im Hinspiel gab es eine 0:1-Niederlage, da rutschte Gladbach auf Rang 16 ab! Der Samstag wird die Richtung weisen.

Also bitte, die Spannung bleibt und was den Unterhaltungswert angeht, da will auch die 2. Bundesliga nicht zurückstehen. Vor allem die Traditionsklubs, die sich eigentlich in der ersten Liga sehen, sorgten für Furore. Der HSV siegte bei Tabellenführer (!) Darmstadt mit sage und schreibe 5:0, Torjäger Robert Glatzel steuerte vier Treffer bei und sorgte mit einem Hattrick in den ersten 13 Minuten für die Einstellung des Frühstart-Rekords. Schneller war keiner in der 2. Liga. Schalke (2:1 gegen Regensburg) und Bremen (2:1 gegen Karlsruhe) mussten mehr bangen, aber die drei Klubs machen Darmstadt und St. Pauli auf den Aufstiegsplätzen die Hölle heiß. Die zweite Liga bietet an der Tabellenspitze die Spannung, die die Fans gern auch im Oberhaus hätten. Die ersten sechs (Sechster ist Heidenheim) liegen gerade mal zwei Zähler auseinander. Beste Unterhaltung ist garantiert.

Goldige Geschichten

Die Olympischen Winterspiele bieten ebenfalls den Sportfans und Außenstehenden genug Gesprächsstoff. Doch die Frage um Menschenrechte und weitere Verfehlungen der Regierung sollten zugunsten des Sports mal Pause haben, da war die Politik über Jahrzehnte nicht erfolgreich. Und das die uigurische Langläuferin Dinigeer Yilamujiang zusammen mit einem Kombinierer die olympische Flamme entzünden durfte, war nichts anderes als ein Zeichen der Regierung, die der Welt eine lange Nase drehte nach dem Motto, „ihr könnt uns gar nichts“.

In Sachen Sport war die deutsche Mannschaft in den ersten Tagen bereits erfolgreich. Katharina Althaus sorgte mit Silber im Skispringen gleich für gute Laune, sie selbst hat sich, nachdem sie nach dem ersten Durchgang geführt hatte, über Silber „geärgert und gefreut gleichzeitig“, denn Gold wäre möglich gewesen. Hätte sie ein bisschen später springen dürfen, wären die Bedingungen besser gewesen. Der Mann an der Startampel war ein Slowene, Gold und Bronze gewannen Springerinnen aus Slowenien – na so was…

Dafür gab es zwei Überraschungssieger. Rodler Johannes Ludwig zählte sich eigentlich schon zu den ständigen Verlierern, als ihm jetzt mit 35 Jahren der große Coup gelang – Gold. Er verbesserte von Lauf zu Lauf den Bahnrekord und war fast eine Klasse für sich. Das war in den letzten Jahren Felix Loch, diesmal blieb ihm nur der vierte Platz. Es sollte nicht die einzige Medaille bei Bob und Rodel bleiben.

Die Biathleten konnten in diesem Jahr noch nicht überzeugen, aber vielleicht haben sie sich alles für Peking aufgehoben. Zumindest die Trainingsplanung von Denise Herrmann hat gestimmt. „In Peking will ich in Form sein“, hat sie schon am Anfang der Saison gesagt, doch zuletzt überwogen die Zweifel, aber gleich im ersten Einzelrennen klappte alles, „es war ein perfektes Rennen“. Nur ein Fehlschuss (weil auch der Wind gnädig war, trotzdem gab es viele Fehlschüsse der Favoritinnen) und eine gute Laufzeit sorgten für die Goldmedaille. Überraschung pur! Vanessa Voigt wurde nach ihrem Staffel-Dilemma mit Strafrunden sensationell Vierte – und das in ihrer ersten Weltcup-Saison. Denise Herrmann aber ist nach Susi Erdmann (Rodel und Bob) erst die zweite Athletin, die in zwei Sportarten Olympia-Medaillen gewann. 2014 in Sotschi holte sie mit der Langlauf-Staffel Bronze. Später wechselte sie zum Biathlon und ist hier noch erfolgreicher, Peking hat es bewiesen. Eine goldige Geschichte mit bestem Unterhaltungswert.

Vorsicht! Olympia!

Wenn es um Olympia in Peking geht, dann ist es in Deutschland derzeit wie in einer Diktatur: Es scheint so, als treffe man auf gleichgeschaltete Medien. Aber zu den Winterspielen in China gibt es offensichtlich keine zwei Meinungen und an den Tross, der sich jetzt bei den Spielen befindet, nur eine Warnung: Vorsicht!

Seit der Vergabe der Spiele nach Peking hagelte es Kritik: Wie konnte das IOC nur so weit gehen. Der Sport denkt nur ans Geld und ignoriert die Greueltaten im Austragungsland. Überwachungsstaat, Menschenrechtsverletzungen, Massenverhaftungen – das verbindet man mit China und seiner rigorosen Regierung. Als 2008 die Sommerspiele in Peking stattfanden, gab es die Hoffnung, dass sich die Menschenrechtslage in China verbessern würde, das Land sich öffnen würde. Dies tat es nur, was die Wirtschaft angeht. Die Menschenrechtssituation habe sich dagegen laut Bundestag sogar „dramatisch verschlechtert“. Das IOC hat dazu nichts zu sagen.

China war dagegen sieben Jahre lang glücklich, schließlich ging es darum, die Welt auf den ersten Austragungsort, der Sommer- und Winterspiele veranstalten würde, aufmerksam zu machen. Die PR-Maschine lief, es ging um Glanz, nicht um Menschen. Das IOC durfte sich glücklich schätzen, einen Partner gefunden zu haben, Oslo und München waren interessiert, standen aber nicht mehr zur Debatte, in Bayern statt in China hätten erstmals Sommer- und Winterspiele stattfinden können. Und Kasachstan war in der Endauswahl kein würdiger Gegner, wäre auch in Sachen Menschenrechte kein besserer Partner gewesen.

Glücklich wird Partei- und Staatschef Xi Jinging heute auch nicht mehr sein über das, was er sich aufgehalst hat. Die Corona-Pandemie, die ihren Ursprung (welche Ironie) in China hatte, machte alle PR-Aktionen von Glanz und Glorie mit den überwältigenden Bauwerken zunichte. Jetzt wird kein Fest des Jubels mehr gefeiert, sondern die Olympischen Spiele werden buchstäblich abgearbeitet in einer Blase, aus der es kein Entrinnen kommen darf. Nicht für die Olympia-Teilnehmer, vor allem aber nicht für Corona und Omikron. Andererseits kommt diese Pandemie dem Staat auch entgegen. Er nutzte die Corona-Vorkehrungen für den Überwachungsmechanismus. Jeder bekommt sein Handy mit eigenem Programm, das vermutlich abgehört werden kann. Keiner darf sich frei bewegen, selbst kürzeste Strecken dürfen nicht zu Fuß absolviert werden, sondern müssen mit dem Shuttle zurückgelegt werden. Vorsicht!

Und nun zum Sport. Doch dort heißt es auch „Vorsicht!“ Corona wird auch den Sport beeinträchtigen, die Pandemie wird Medaillenfavoriten ins Quarantäne-Hotel zwingen. So kann der Kampf um die Medaillen auch zu einem Glücksspiel werden. Es sei allen angeraten, erst einmal einen Glückskeks zu essen. Vielleicht hilft’s!

Die deutsche Delegation will in der Nationenwertung wieder unter die ersten drei kommen, doch das wird schwer. Vor vier Jahren in Pyeongchang regnete es gleich 14 Goldmedaillen, dazu 10mal Silber und 7mal Bronze, macht 31 Medaillen und Platz zwei. Nur Norwegen war erfolgreicher, mit ebenfalls 14x Gold, aber insgesamt 39 Medaillen. Auch Norwegen wurde schon von Corona ausgebremst, könnte aber Nummer 1 bleiben. Kanada und die USA sind Medaillensammler im Winter, die Russen werden wieder zu den führenden Nationen aufschließen. Wo landet also Deutschland? Und was macht China? In Südkorea gab es gerade mal eine Goldmedaille und Platz 16. Ein Wintersportland wird China nicht werden, auch nach 2022 nicht. Selbst wenn Xi große Anstrengungen unternimmt. Die Spiele sollen die Chinesen zu Wintersportlern machen, 300 Millionen hätten schon Interesse gezeigt. Dafür laufen ununterbrochen die Schneekanonen in einer Gegend ohne natürlichen Schnee.

Die Deutschen haben ihre größten Medaillenchancen auf der beeindruckenden, aber schweren Bob- und Rodelbahn. Ziel: In jedem Rennen eine Medaille. Futuristisch auch die Sprungschanzen, aber der Weltcup-Führende Karl Geiger und Co. kennen die Auf und Abs in ihrer Sportart. Glück mit Wind, Corona und Gegnern muss dabei sein. Das gilt für die nordisch Kombinierer ähnlich, vor vier Jahren war das quasi noch die deutsche Sportart schlechthin. Da sahnten auch die Biathleten ab, sie hatten eine Laura Dahlmeier, jetzt haben sie eher Probleme. Medaillen sind möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, zumal bei den Frauen Denis Herrmann nicht in Form kommt und Franziska Preuß zuletzt mit Verletzung und Corona zu kämpfen hatte. Immerhin schafften die Männer Kühn und Doll zwei Weltcup-Siege. Auch die Alpinen haben wieder den einen oder anderen Hoffnungsträger. Insgesamt aber Vorsicht vor allzu großen Erwartungen der Fans. Ein bisschen Spaß wird Olympia schon machen, auch wenn der Olympische Geist gesucht werden muss. Den meisten Spaß haben die Sportler dann vielleicht auf dem Heimflug…

In der Bundesliga sind keine Schwächen mehr erlaubt

Die Ruhepause ist vorbei, jetzt geht es richtig los! Aber was heißt Ruhepause in der Fußball-Bundesliga, dies gilt nur für den Spielbetrieb, dafür hatten die Manager Hochbetrieb, die Telefone glühten zum Ende der Wechselfrist hin. Wieder einmal galt bei vielen das Motto „immer langsam, am letzten Tag schlagen wir zu“. Mal sehen, wer sich wirklich verstärkt hat und wer im Abstiegskampf die Wende schafft. Jetzt kommt die vorentscheidende Phase mit sieben Spieltagen am Stück vor der nächsten Pause. 20 von insgesamt 34 Spieltagen sind absolviert, fast zwei Drittel der Saison vorbei, jetzt sind keine Schwächen mehr erlaubt.

Mit einem Blick auf die Spielerwechsel wird deutlich, dass vor allem zwei Vereine an ihrem Kader Änderungen vornahmen, die sich im Abstiegskampf befinden, wo sie ihrer Meinung nach eigentlich nicht hingehören. Neue Spieler sollen die Wende schaffen. Es galt das Motto „wer hat (Geld), der hat (Spieler)“. Allerdings: Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, weder für Wolfsburg, noch für Hertha.

In Wolfsburg müssen sich Sportchef Jörg Schmadtke und Marcel Schäfer eingestehen, dass sie im Sommer schlecht gearbeitet haben. Sie haben die Situation bei Trainer und Mannschaft vollkommen falsch eingeschätzt. Coach Mark van Bommel musste gehen, die Spieler blieben, die Stimmung im Team wurde immer schlechter, jetzt wurde aufgeräumt. Vor allem der einstige Hoffnungsträger, Torjäger Wout Weghorst, wurde inzwischen zum Unruheherd. Er wollte schon lange weg, am liebsten in die Premier League, jetzt nahm er den Notausgang und wechselte zu Schlusslicht FC Burnley. Gleich mehrere Spieler sollen ihn ersetzen. Vor allem die Rückkehr von Max Kruse war „die“ Überraschung aller Wechsel. Kruse machte seinem Ruf als Pokerspieler und Freigeist alle Ehre, er begründete selbst seinen Abschied von Union Berlin als Chance, die es zu ergreifen galt: Der Vertrag sei „langfristig und hoch dotiert“. Aber Kruse kommt nicht allein, er soll den neuen Torjäger, den 22-jährigen Jonas Wind vom FC Kopenhagen (12 Millionen Euro Ablöse) in Szene setzen. Aus den USA kommt Flügelflitzer Kevin Paredes vom DC United, erst 18, aber 6,5 Millionen Euro teuer. Aussortiert wurden u. a. der ehemalige Kapitän Guilavogui (Bordeaux), Mehmedi (Antalyaspor) und Ginczek (Düsseldorf). Alles für eine neue Stimmung in der Kabine und mehr Erfolg. Trainer Florian Kohfeldt (einst mit Kruse in Bremen) darf bleiben und jetzt wieder davon reden, dass wir „einen neuen VfL Wolfsburg sehen werden“.

Neue Gesichter im Sturm wollte auch Sportchef Fredi Bobic bei der Hertha sehen. Vor allem Südkoreas Nationalspieler Dong-Jon Lee (24, Ulsan Hyundai) soll für neuen Schwung sorgen, Talent Anton Kade (18) gilt als Wirbelwind und rückt zu den Profis auf. Mit Wunschstürmer Alario von Bayer Levekusen klappte es allerdings nicht, Außenstürmer Nsona (19, Caen) wurde zwar verpflichtet, ist aber noch verletzt. Dafür soll Marc Oliver Kempf vom VfB Stuttgart die Abwehr verstärken, Torunarigha (Gent) und Zeefuik (Blackburn) wurden dagegen verliehen. Mal sehen, ob das mit dem neuen Schwung klappt. Wer sich verkalkuliert hat, setzt darauf, dass er es im Sommer besser machen wird.

Am Tabellenende lebt die Bundesliga

Aber wer ist dann noch erstklassig? Am Tabellenende lebt die Bundesliga. Am Wochenende geht es also wieder los, in Konkurrenz zu Olympia, aber an den Fernsehschirmen wird Fußball die Oberhand behalten. In den Stadien dürfen bei unterschiedlichen Regelungen einige Fans (bei Bayern 10.000) dabei sein. Einige Klubs wollen gegen die Zuschauerbeschränkungen vor Gericht gehen. Vielleicht füllen die Richter die Stadien zum Augenschein, bevor sie ihr Urteil fällen…

Im Abstiegskampf involviert ist Borussia Mönchengladbach, dort wackelt der Stuhl von Trainer Adi Hütter. Doch der bleibt Hoffnungsträger, Max Eberl will aber nicht mehr der Krisenmanager sein. Es war die traurigste Meldung der Pause, dass der Macher aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niedergelegt hat. Aufrüttelnd sein Bekenntnis: „Ich kann nicht mehr“. Der Stress ist zu groß, die Pausen sind zu wenig. Die Tretmühle Bundesliga zermalmt manchmal ihre Kinder.

Gladbach gehört zu den Klubs, die vor wegweisenden Spielen beim Wiederbeginn stehen. Am Samstag geht es nach Bielefeld, danach kommt Augsburg, gewiss eine Weichenstellung. Nicht mehr dabei ist Zakaria, der sofort zu Juventus Turin wechselte, um dem Verein eine Ablösesumme zu ermöglichen. Da stellt sich die Frage, welche Rolle Matthias Ginter, dessen Vertrag auch ausläuft, bis Ende der Saison spielt. Ab Platz 11 (Bochum, 24 Punkte) darf man die Klubs dem Abstiegskampf zurechnen und so wird auch die Partie des Neulings bei Hertha (22 Punkte) wegweisend. Hertha muss nächste Woche nach Fürth. Da gibt es also Parallelen zu Gladbach, wegweisende Spiele. Schlusslicht Fürth testet übrigens am Sonntag den „neuen“ VfL Wolfsburg, dies galt als Schicksalsspiel für Florian Kohfeldt. Ist es jetzt, nach den Neuzugängen sogar noch mehr? Man stelle sich vor, das geht in die Hose… Immerhin ließ das Schlusslicht zuletzt sein Licht leuchten!

Europa ist das Ziel

An der Tabellenspitze gab es in punkto Wechsel mehr oder weniger eine Flaute, der Knüller fehlte. Dortmund verleiht seine Talente Raschl und Knauff nach Fürth bzw. Frankfurt, damit sie Spielpraxis bekommen (wer keine Ahnung hat, sagt, sie werden nicht mehr gebraucht). Bayern München tut dasselbe mit Abwehrmann Arrey-Mbi, der schon im Bundesliga-Kader stand, jetzt in Köln Spielpraxis bekommen soll. Ob Steffen Baumgart da den Bayern hilft? Das 16-jährige Talent Paul Wanner hat dagegen eine Profi-Vertrag unterschrieben und soll fest zum Kader gehören. Ein Argument, sein Glück bei dem Meister zu suchen, war für Wanner Trainer Julian Nagelsmann, der damit wiederum bewies, dass die Bayern mit ihm einen guten Fang gemacht haben.

Da kommt ja das Duell mit Nagelsmanns altem Verein gerade recht, RB Leipzig gastiert am Samstag in München und will es da besser machen als beim 1:4 in Vorrunde. Eigentlich ein Spitzenspiel, wenn die Leipziger nicht Anlaufschwierigkeiten gehabt hätten. Aber unter dem neuen Trainer Domenico Tedesco gelang zumindest der Sprung auf Rang sechs, also die Fahrkarte für Europa – das Ziel der Spitzenteams. Das eigentliche Spitzenspiel findet zwischen Dortmund (mit Haaland?) und Leverkusen statt, der Zweite gegen den Dritten, aber richtig Spannung ist nicht drin, da Bayer immerhin acht Punkte Rückstand auf die Borussia hat. Die hat vor allem das Ziel, weiter Druck auf die Bayern auszuüben.

Die große Frage, die sich wohl alle Fans stellen, ist für den Rest der Saison: Halten Union Berlin und der SC Freiburg weiter an der Spitze mit? Sie brachten Leben in die Bude, auch wenn die Tiefstapelei nicht abnahm (wir holen nur Punkte gegen den Abstieg). Union versucht den überraschenden Abgang von Max Kruse mit Paderborns Torjäger Michel zu kompensieren. So ist das Geschäft. Erster Test ist in Augsburg, Freiburg muss die Aufgabe in Köln lösen. Die Bundesliga wird sicherlich gleich richtig Fahrt aufnehmen!

Interessant, was sonst noch geschah. Der FC Barcelona, der ja vor allem mit hohen Schulden kämpft, rüstet sein Team trotzdem weiter auf, holte Adama Traore aus Wolverhampton zurück und erhielt Dortmunds früheren Torjäger Aubameyang kostenlos von Arsenal London. Auch Juventus Turin setzt auf einen neuen Torjäger, nämlich Dusan Vlahovic vom FC Florenz. Und der neureiche Saudi-Klub Newcastle United gab 100 Millionen Euro für Verstärkungen aus, um nicht reichster Absteiger der Welt zu werden.

Überraschend kommt auch eine Nachricht von Nationaltorhüterin Almuth Schult, die kundtat, dass sie den VfL Wolfsburg im Sommer nach neun erfolgreichen Jahren verlassen wird. Welche Ziele sie hat, verriet sie nicht, Schult hatte zuletzt als TV-Expertin für Furore gesorgt, zudem als aktives Mitglied der Frauen-Initiative „Fußball kann mehr“. Nach Schulteroperation und Geburt von Zwillingen und damit verbundener Pause sieht sich Schult noch nicht in Bestform und machte deutlich, dass sie sich durchaus Aufgaben abseits des Rasens vorstellen kann. In der Frauen-Bundesliga hat der VfL Wolfsburg mit einem 3:0 im Nachholspiel gegen Potsdam wieder die Tabellenführung vor Bayern München übernommen. Auch in der Frauen-Bundesliga geht es am Wochenende wieder weiter.

Am Freitag starten die Olympischen Winterspiele in Peking. Corona und Politik überschatten den Sport. Was der Sport-Grantler zu sagen hat lesen Sie in einer weiteren Kolumne in dieser Woche.

Das Feuer der Begeisterung ist erloschen

Die Meldung passt wie die Faust aufs Auge: Das Olympische Feuer, das über Wochen hinweg durch das Austragungsland getragen wird und die Begeisterung schürt, ist vor den Winterspielen in Peking auf einen Auftritt von drei Tagen reduziert. Die Fackel mit dem Feuer wird einsam durch die Straßen der Millionenstadt getragen, Zuschauer sind angesichts der Corona-Pandemie nicht erlaubt. Das Feuer der Begeisterung ist erloschen. Es stehen Olympische Winterspiele bevor, die eher Trauerspielen ähneln werden. Begeisterung werden allein die Medaillengewinner zeigen. Und auch sie werden manchmal allein sein.

Wie das Virus Covid-19 und vor allem Omikron eine Sport-Großveranstaltung im Griff haben können, zeigt sich derzeit bei der Handball-Europameisterschaft. Über den Sport wurde nur am Rande geredet, Corona stand im Mittelpunkt. Am meisten leiden musste die deutsche Mannschaft, vom ursprünglich nominierten Kader von 19 Spielen blieben am Ende nur vier gesund, alle anderen mussten positiv getestet in Quarantäne. Laufend wurden Spieler nachgeholt – und landeten oft in Quarantäne. Insgesamt über 100 Spieler fielen bei dem Turnier schon wegen Corona aus, die Infektion brach manchmal auch erst nach der Rückkehr in der Heimat aus. Von den Teams der Hauptrunde waren allein 51 Spieler infiziert, von einer echten sportlichen Entscheidung kann keine Rede mehr sein. Die Niederlande, die wie Deutschland stark begonnen hatte, belegt in der Corona-Rangliste Platz zwei mit elf Infizierten, Kroatien konnte seine acht Fälle nicht verkraften, Island musste mit sieben Ausfällen klein beigeben.

Die deutsche Mannschaft hat sich angesichts dieser Umstände noch respektabel aus der Affäre gezogen und einen krönenden Abschluss des Turniers geliefert. Nach gutem Spiel und Schwächen in der zweiten Halbzeit (wohl der Müdigkeit geschuldet bei den 13 Aufrechten) gelang das entscheidende Tor beim 30:29 gegen Russland zehn Sekunden vor Schluss durch einen einstudierten und in der Auszeit abgesprochenen Kempa-Trick – ein Highlight! Eigentlich sollte die Europameisterschaft 2022 beste Werbung für die EM 2024 und WM 2027 in Deutschland werden, doch das gelang unter diesen Voraussetzungen natürlich nicht ganz. Dennoch bleiben positive Erkenntnisse zurück, denn die Ausfälle nutzten zahlreiche junge Spieler, die vorher nicht im Blickpunkt standen, als große Bühne. Allen voran der 21-jährige Julian Köster vom Zweitligisten Gummersbach, der Weltklasse bewies. Für Handball-Fans also doch noch ein bisschen Vorfreude auf die Turniere in Deutschland. Bei den deutschen Vereinen aber Zweifel, ob die Bundesliga ihre Punktrunde sportlich einwandfrei über die Bühne bringt.

Und da sind wir wieder bei den Olympischen Winterspielen in Peking. 149 Athletinnen und Athleten hat Deutschland nominiert, davon nur 51 Frauen – eine Minuszahl. Mit Vorfreude wird kaum einer oder eine aus dem Team nach Peking fliegen. Am Wochenende steigen die meisten in den Flieger und sehen ungewisse Tage vor sich. Die Spiele finden in einer Blase statt, ausländische Zuschauer sind nicht erlaubt, nur wenige, ausgewählte chinesische Zuschauer werden dafür sorgen, dass die Tribünen nicht ganz leer bleiben. Ansonsten heißt es keinen Kontakt, wo ansonsten bei den Olympischen Spielen vor allem die Begegnung mit Athleten aus anderen Sportarten, die man sonst nie sieht, im Vordergrund steht. Jetzt haben die Athleten Angst, so wie Rodler Felix Loch: „Du steigst negativ getestet in den Flieger, kommst an und wirst positiv getestet – und Olympia ist für dich vorbei.“ Kann leicht sein, bei uns liegt der CT-Wert bei 30, die Chinesen hatten ihn bei 40 angesetzt, aber jetzt auf Verlangen des IOC auf 35 reduziert. Umso höher der Wert, umso größer die Sicherheit, Deutschland sieht aber bei 30 die notwendige Sicherheit gegeben.

Unsicherheit über die politische Lage in China und wie damit umzugehen ist, prägt zudem den Aufenthalt der Olympioniken. Von der Politik werden Menschenrechtsverletzungen von China angeprangert, die Chinesen fordern, dass Politik aus dem Spiel gelassen wird. Sie betonen zwar, dass sie nichts gegen Meinungsfreiheit haben, aber der Überwachungsstaat ist überall spürbar. Den deutschen Sportlern wurde vom Verband bereits signalisiert, sich besser nicht politisch zu äußern. Dazu kommt, dass die Sportler untereinander eben auch kaum Kontakt haben werden. DSV-Trainer Wolfgang Maier hat schon Alarm geschlagen: „Wenn man komplett isoliert wird, wenn man keine Kontakte haben soll, wenn man sich nicht einmal gemeinsam freuen darf, weil du nicht lauthals jubeln darfst – wo ist da der olympische Geist? Es soll doch ein Fest des Sports werden.“

Ein Fest der Sports werden die Winterspiele 2022 nur durch die Wettkämpfe, die Begleitumstände sind eher ein Trauerspiel. Das Feuer der Begeisterung ist schon vor der Eröffnungsfeier am 4. Februar erloschen.

Corona sorgt für Bundesliga-Pause – Serien im Blickpunkt

Viele Fußball-Fans werden sich in diesen Tagen mit Blick auf das kommende Wochenende ohne Spiele gefragt haben oder fragen, was ist los mit der Bundesliga, dass sie nach drei Spieltagen im Jahr 2022 schon wieder eine Pause einlegt? Die Winterpause (wenn auch kurz) gab es doch gerade erst zum Jahreswechsel. Schuld ist wieder einmal das Virus, im Zweifel ist halt Corona an allem schuld. Verordnet wurde die zweite Winterpause von der FIFA, weil in vielen Kontinentalverbänden die Länderspielpause Ende August/Anfang September wegen zu vieler Corona-Probleme nicht genutzt werden konnte. Die Südamerikaner zum Beispiel konnte Europa nicht verlassen, ohne dann in Quarantäne zu gehen. Der Ersatztermin ist nun der 24. Januar bis 8. Februar für alle Konförderationen außer Europa, das damals gespielt hatte. So läuft noch der Afrika-Cup, geht in Amerika und Asien die WM-Qualifikation weiter. Da viele in Europa beschäftigte Spieler von den anderen Verbänden angefordert werden, herrscht bei der UEFA Pause. Hier gibt es die nächste Länderspielpause der FIFA wieder Ende März.

In der Bundesliga stellt sich für Vereine und Trainer nun die Aufgabe, wie sie die Pause nutzen. Manche werden sich trösten und für den Re-Start am ersten Februar-Wochenende sagen „jetzt geht es erst richtig los“. In England sind die Trainer zum Beispiel froh um die Pause, weil die Premier League ja keine Winterpause kennt. Da freuen sich viele Spieler auf einen Kurzurlaub. Ein paar Tage frei gibt es sicherlich auch bei den meisten Klubs in der 1. und 2. Bundesliga, andererseits sind viele Trainer glücklich, mal wieder ausgiebig trainieren zu können. Dies gilt sogar für Julian Nagelsmann in München, der freut sich auf eine Trainingswoche, weil ein geregelter Trainingsbetrieb bei den von Corona gebeutelten Bayern zuletzt kaum möglich war. Außer dem Ausrutscher gegen Gladbach war von fehlendem Training bei den Bayern zuletzt aber nichts zu spüren, das Torfestival ging auch beim 4:1 bei der Hertha weiter. Die Bayern jagen wieder einen Torrekord, haben in 20 Spielen 65 Treffer erzielt und haben den Bundesliga- und Vereinsrekord von 101 Toren in einer Saison im Visier. Der stammt aus der Saison 1971/72, damals lagen die Bayern um Gerd Müller nach 20 Spielen erst bei 50 Toren! Behalten die Bayern ihren Torhunger und lässt es die Konkurrenz zu, dann liegt die Hochrechnung bei 110!

Bei anderen Vereinen heißt es eher Wunden lecken oder wie gesagt auf einen Neuanfang hoffen. Die Pause kommt zum Beispiel Borussia Dortmund gerade recht, weil sich Torjäger Erling Haaland verletzt hat. Ohne Haaland wird das Siegen schwerer. Andere träumen davon überhaupt einmal wieder zu siegen, so in erster Linie der VfL Wolfsburg, der elf Pflichtspiele lang nicht mehr gewonnen hat. Trainer Florian Kohfeldt bleibt trotzdem optimistisch (muss er wohl sein), erstens, dass er nicht entlassen wird, zweitens, dass am Sonntag, 6. Februar (17.30 Uhr), gegen Schlusslicht Fürth der sehnlichst erwartete Sieg gelingt. Das „dreckige Dutzend“ will er nicht voll machen. Soll er sich mal nicht zu sicher sein, wie die Fürther beim 2:1 gegen Mainz bewiesen. Allerdings konnten sie auswärts tatsächlich noch nicht gewinnen. Zur Erinnerung: Am 4. Spieltag war Wolfsburg noch Erster!

Es gibt aber noch andere bedenkliche Serien, so sind der FC Augsburg und der VfB Stuttgart seit fünf Spielen ohne Sieg, die Stuttgarter sogar ohne jegliches Tor! Kein Wunder, dass sie im Tabellenkeller eingesperrt bleiben. Augsburgs 1:5-Niederlage in Leverkusen kam aber nicht überraschend, denn gegen Bayer hat der FCA in 22 Spielen noch nie gewonnen! Den Türöffner gefunden hat Arminia Bielefeld mit dem 2:0-Sieg in Frankfurt. Der Sprung auf Rang 14 war der Lohn. Frankfurt dagegen ist wie Hertha BSC auch im Jahr 22 noch ohne Sieg. Bei diesen Klubs sehen die Träume ganz anders aus. Aber die Trainer stehen nicht zur Debatte, anders bei Mönchengladbach. Die können ja nicht immer gegen die Bayern spielen, gegen die sie bekanntlich in dieser Saison ungeschlagen sind. Absurd. Gegen Union Berlin klappte es nicht, Max Kruse zerlegte fast allein seinen alten Verein. Adi Hütter aber hat ein Problem und Manager Max Eberl auch. Beide werden sich fragen, wie geht es weiter? Die Antwort kennt nicht einmal der Wind… Union hat mit Trainer Urs Fischer einen Glücksfall erlebt und bleibt mit Freiburg eine Überraschung der Saison, liegt auf einem Champions-League-Platz. Respekt! Da kommt die Pause eher ungelegen.

Ein Hinweis auf zwei Serien, die für Spieler zu Ende gingen. Glücklich war Hoffenheims Torjäger Andrej Kramaric, zuletzt außer Diensten. Er wartete 769 lange Minuten auf seinen Jubiläumstreffer, jetzt klappte es mit dem 100. Bundesliga-Tor gegen Dortmund. Kleiner Trost für den Kroaten, kein Trost für Hoffenheim, das bei der 2:3-Niederlage 13:4 Schüsse zu verzeichnen hatte. So effektiv war Dortmund wohl noch nie, es reichten sogar zwei Schüsse direkt auf den Kasten für drei Tore, weil Hoffenheim mit einem Eigentor half. Der andere Spieler, der aufgeatmet hat, war Augsburgs Arne Maier, der in seinem 91. Bundesligaspiel das erste Mal getroffen hat. Unter allen aktiven Spielern hat er am längsten warten müssen. Aber auch bei ihm war es nur ein persönliches Glück. Jetzt hofft er, dass er mit dem FCA am Ende der Saison auch glücklich ist, sprich Klassenerhalt geschafft wird.

Mit Serien kann übrigens auch die 2. Bundesliga dienen. Beeindruckend ist vor allem die von Werder Bremen. Der Absteiger hat mit Trainer Ole Werner offensichtlich einen Glücksgriff getan, der neue Coach siegte mit Werder fünfmal in Folge und schaffte so den Sprung auf den Relegationsplatz. Eine schlechte Serie legt dagegen der bisherige Spitzenreiter St. Pauli hin, der viermal in Folge nicht gewann und damit natürlich auch den Platz an der Sonne an Darmstadt verlor. Zweiter sind die Hamburger aber immer noch, doch wie lange? Eine zweite Serie endete für St. Pauli außerdem, nämlich die im Derby gegen den HSV. In den letzten Spielen behielten die Kiez-Kicker immer das bessere Ende für sich, jetzt traten sie erstmals als Favorit auf und scheiterten. Doch nicht reif für den Aufstieg? Der HSV könnte es mal anders machen als in den letzten Jahren, als er die Rückrunde versaute. Da gab auch der Pokalerfolg in Köln Auftrieb. Und mit Sonny Kittel feierte ebenfalls ein Spieler einen persönlichen Erfolg, mit schon 14 Assists am 20. Spieltag stellte er einen neuen Zweitliga-Rekord auf.

Lesen Sie bitte auch die nächste Kolumne zum Weltfußballer des Jahres und den DFB-Pokal: Trotz Lewandowski – die Bundesliga verliert an Reputation.

Corona hatte auch die Hand im Spiel bei der Handball-Nationalmannschaft, die bei der Europameisterschaft in der Slowakei und Ungarn nicht den Sprung ins Halbfinale schaffte, sondern vorzeitig nach Niederlagen gegen Spanien, Norwegen und Schweden scheiterte. 13 Corona-Ausfälle waren einfach nicht zu verkraften, es stand quasi keine Mannschaft mehr auf dem Parkett, das Team war nicht eingespielt. Die EM 22 war als keine Werbung für die EM 24 in Deutschland. Aber der Verband muss gründlich aufarbeiten, wie es zu diesem Corona-Ausbruch kommen konnte.

Trotz Lewandowski – Bundesliga verliert an Reputation

Jetzt ist die Welt des Robert Lewandowski wieder in Ordnung und die der Fußball-Bundesliga sieht ein bisschen rosiger aus. Schließlich wirft die erneute Ehrung des Polen als Weltfußballer des Jahres auch Licht auf die Top-Liga in Deutschland, die ansonsten darum kämpfen muss, ihren guten Ruf als eine Spitzenliga in Europa nicht zu verlieren. In der Bundesliga ertönen schon lange die Alarmglocken, weil die prominenten Vereine mit Ausnahme von Bayern München schwächeln. Nichts gegen die aufstrebenden TSG Hoffenheim und SC Freiburg, doch international haben sie keinen Namen. Wo sind zum Beispiel Mönchengladbach, Schalke 04 oder der Hamburger SV? Im Tabellenkeller oder in der zweiten Liga. Mit ihnen aber könnte man besser werben.

Natürlich leidet die Bundesliga auch unter der Langeweile an der Tabellenspitze, weil jeder vor der Saison abwinkt und weiß, „die Bayern werden sowieso wieder Meister“. Irgendwann wird es mal nicht so sein, aber wann? Den Münchnern darf man keinen Vorwurf machen, sie sind sogar der Retter der Bundesliga durch ihre internationalen Erfolge. Aber was ist mit dem Rest, vor allem mit Dortmund? Leipzig, Dortmund und Wolfsburg sind in der Champions League alle vorzeitig ausgeschieden – das sagt alles. Nur die Bayern kämpfen um den Henkelpott, gehören erneut zum Favoritenkreis. Dortmund und Leipzig als Absteiger in die Europa League und Leverkusen sowie Frankfurt als Gruppensieger müssen in der Europa League endlich mal Erfolge erzielen, um den Ruf der Bundesliga aufzupolieren. Die EL war nämlich bisher wirklich ein Cup der Verlierer für die deutschen Klubs, die damit fleißig dafür sorgten, dass die Bundesliga international an Reputation verlor. Ein Cup-Gewinn wäre wie ein 6er im Lotto!

Es ist leider so, dass international, vor allem in Nordamerika und Asien, nur die großen Namen zählen. Und wenn diese nicht auftauchen, taucht die Bundesliga als Ganzes eben ab. Im Moment kann man nur mit den Bayern und Dortmund Werbung machen und da steht Deutschland gegenüber der Premier League in England zum Beispiel im Abseits. Dort fließt das Geld, dort sind mit Manchester City, FC Liverpool, Chelsea und Arsenal London, Tottenham Hotspurs und Manchester United gleich ein halbes Dutzend prominenter Vereine im Vorderfeld der Tabelle zu finden. In der Bundesliga geht derweil die Angst um, dass immer mehr Traditionsvereine in der Zweitklassigkeit verschwinden. Die letzten Aufsteiger waren dafür Greuther Fürth, Bochum und Bielefeld, jetzt könnten es – nichts gegen diese Klubs – Heidenheim, Darmstadt oder St. Pauli werden. International sind sie leider alle vollkommen uninteressant.

Messi hat sich blamiert

Da kam eben der Erfolg von Robert Lewandowski gerade recht. Leider kein deutscher Spieler, aber immerhin ein Star, der mit seinen Toren die Blicke auf die Bundesliga lenkt. Bei der Wahl zum Ballon d’Or hatte sich Lewandowski noch hinter Lionel Messi einreihen müssen, was die Fachwelt kaum verstanden hat. Für die Zeitung France Football wählen Journalisten, bei der FIFA-Wahl sind die Trainer, Kapitäne und je ein Journalist der Mitgliederländer gefragt, dazu gibt es ein Fan-Votum. Eigentlich die bessere Auswahl der Juroren. Nach einer Vorauswahl setzte sich Lewandowski knapp mit 48 Stimmen gegen Messi (44) und Mohamed Salah (39) vom FC Liverpool durch (Erling Haaland wurde 11. mit 7 Stimmen). Allerdings hat sich Argentiniens Kapitän Messi bei der Wahl kräftig blamiert.

Bei der Ehrung des Ballon d’Or hatte Sieger Messi noch gesäuselt, man sollte doch Robert Lewandowski die Ehrung für 2020 noch zukommen lassen. Sie war wegen Corona ausgefallen und der Pole war klarer Favorit. Jetzt aber zeigte sich Messi nicht großzügig, auf seiner Wahlliste (drei dürfen genannt werden) fehlte der Name des Bayern-Torjägers. Messi wählte seine Freunde Neymar, Mbappé und Benzema. Anders Lewandowski, seine Nummer 1 war Messi. Bezeichnend: Cristiano Ronaldo wollte von Messi nichts wissen. Für die deutschen Juroren Bundestrainer Hansi Flick und Kapitän Manuel Neuer war Lewandowski die Nummer 1, Salah die Nummer 2. Jetzt kann der deutsche Fußball nur darauf hoffen, dass es dem Polen weiter in München gefällt und er glaubt, mit den Bayern weiter erfolgreich sein zu können. Was seine Zukunft angeht, da ließ er alles offen, außer, dass er sich für viele Jahre noch fit fühlt.

Weitere Gewinner der FIFA-Wahl waren Thomas Tuchel (Chelsea) als Trainer des Jahres (er löste damit Jürgen Klopp ab) vor Roberto Mancini (Italien), Edouard Mendy (Chelsea) als bester Torhüter (Neuer auf Rang drei), sowie bei den Frauen Alexia Putellas (FC Barcelona) als Fußballerin des Jahres, Emma Hayes (Chelsea) beste Trainerin, Christiane Endler (Lyon) beste Torhüterin. Chelsea sahnte also ab. Interessant noch die FIFA-Auswahl: Donnarumma – Alaba, Bonucci, Ruben Dias – de Bruyne, Jorginho, Kanté – Cristiano Ronaldo, Lewandowski, Haaland, Messi. Ziemlich offensiv also.

Freie Fahrt im DFB-Pokal

Die Ergebnisse im Achtelfinale des DFB-Pokal passten wie die Faust aufs Auge zu dem heutigen Thema. Wieder haben sich die Bundesligisten blamiert, Dortmund, Gladbach und Köln schieden gegen Zweitligisten aus. Nur vier Bundesliga-Klubs schafften mit vier Zweitligisten den Sprung ins Viertelfinale, das gab es zuletzt in der Saison 2003/04. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass es jetzt freie Fahrt für die Nobodys gibt. Keiner der Bundesligisten – Leipzig, Union Berlin, Freiburg, Bochum – konnte bisher den Pokal gewinnen! Da waren die Zweitligisten erfolgreicher – allerdings in vergangenen Zeiten. Zuletzt siegte Hannover 96 vor 30 Jahren – 1992 im Finale ausgerechnet gegen Gladbach, das man jetzt mit 3:0 nach Hause schickte. Der Karlsruher SC war 1955 und 1956 erfolgreich, der Hamburger SV 1963, 76 und 87. Lokalrivale St. Pauli spielte bisher keine bedeutende Rolle, das hat sich zum Teil also geändert, der Sieg über Dortmund war eine große Überraschung, aber auch eine bittere Pille für die Borussia, die ihre mangelnde Konstanz wieder einmal bewies. Das wird dem wankelmütigen Erling Haaland (gehe ich oder nicht?) nicht gefallen haben. Am 30. Januar wird das Viertelfinale (1./2. März) ausgelost, vielleicht siegt am 21. Mai im Finale in Berlin mal ein Berliner Verein oder ein Zweitligist feiert die Wiederauferstehung. Könnte ja der HSV sein! Beide Hamburger Klubs haben auf jeden Fall beste Werbung für ihr Derby am Freitag gemacht.

Keine Werbung für Handball ist die Europameisterschaft in der Slowakei und Ungarn. Der Sport-Grantler hatte es prophezeit, dass es eine Corona-EM wird und das deutsche Team eine Wundertüte ist. Allerdings hatte er es sportlich gemeint, jetzt weiß man bei der von Corona gebeutelten Mannschaft nicht, wer überhaupt spielen kann und was dabei herauskommen kann. Es geht ja fast buchstäblich ums Überleben, von 19 Spielern im Kader sind 12 positiv getestet, 11 wurden nachnominiert. Schon der Sieg über Polen war eine Überraschung, in der Hauptrunde darf man von der bunt zusammengewürfelten Mannschaft nichts erwarten. Aufgeben, also ein Rückzug, war zwar ein Thema, wurde aber verworfen. Nun heißt es gegen Favorit Spanien (Donnerstag, 18.00 Uhr), Norwegen (Freitag, 20.30 Uhr), Schweden (Sonntag, 18.00 Uhr) und Russland (Dienstag, 18.00 Uhr) durchhalten. Es kann ja nicht sein, dass es am Ende gar keinen gesunden Spieler mehr gibt. Eigentlich bestehen Zweifel, ob mit den Corona-Tests alles auch seine Richtigkeit hat. Eine Prognose hat sich aber auch erfüllt: Wer die wenigsten Erkrankungen hat, wird Europameister. Da scheidet Deutschland leider aus, Spanien und Norwegen sind als einzige Nationen bisher nicht betroffen.