Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Vor der neuen Saison: Der Bundesliga-Check

Es ist überall auf der Welt vor einer neuen Saison ein beliebtestes Spielchen der Fans, zu tippen, wer wird Meister, wer steigt ab und so weiter. Da hat sich der Sport-Grantler gedacht, dass er das Spielchen auch mitmacht und stellt deshalb einen Bundesliga-Check vor und tippt dabei gleich mal die Rangfolge der Fußball-Bundesliga wie es am Ende der Saison aussehen könnte. Schwierig ist dies allemal, wer kann schon wissen, wie sich Verletzungssorgen auswirken, welches Team einen sogenannten „Lauf“ bekommt und wie es überhaupt in der Mannschaft passt. Auffallend, dass die Trainer alle nach vorne spielen lassen wollen. Mal sehen, bei wem der Schuss dann nach hinten los geht. Jetzt geht’s aber mit der Rangliste los:

1.: FC Bayern München: Logisch, da führt kein Weg dran vorbei, der beste Kader, der beste Trainer, die Top-Platzierung soll es sein, der Rekord – der vierte Titel – wird es sein.

2.: VfL Wolfsburg: Das Duo Manager Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking hat es geschafft, mit Unterstützung von VW Stärke und Kontinuität in den Kader zu bringen. Der Vize-Meister des Vorjahres zeigte sich zuletzt als selbstbewusster erster Verfolger der Bayern. Die Münchner haben aber weniger Ausrutscher gegen kleinere Klubs.

3.: Borussia Dortmund: Der neue Trainer Thomas Tuchel sollte es schaffen, dass Dortmund wieder direkt in die Champions League einzieht. Dortmund findet wohl (fast) zur alten Klasse zurück. Die Basis dafür: Wichtige Spieler wie Hummels und Gündogan blieben.

4.: Borussia Mönchengladbach: Die zweite Borussia war mit Rang drei die Überraschung der letzten Saison, Rang vier wäre diesmal keine Überraschung mehr. Der schwungvolle Fußball sollte auch die nötigen Punkte bringen. Bravo Trainer Lucien Favre.

5.: Schalke 04: Rang sechs war zuletzt eine Enttäuschung, in diesem Jahr sind die Verantwortlichen vorsichtig, aber mit neuem Trainer und neuem Schwung sollte zumindest wieder die Europa League drin sein.

6.: Bayer Leverkusen: Die große Frage, Leverkusen vor Gladbach und Schalke oder dahinter? Alles ist möglich, aber Bayer wirkt für eine Top-Platzierung nicht stabil genug, hat einige wichtige Spieler (u. a. Castro) verloren.

7.: 1. FC Köln: Im letzten Jahr wirkte der damalige Aufsteiger sehr stabil, das Umfeld im Verein auffallend ruhig, da könnte mit den Verstärkungen sogar ein Sprung nach vorn gelingen. Hinter den „großen Sechs“ also „the best of the rest“. Platz sieben könnte bei guter Konstellation sogar für die Europa League reichen. Allerdings: Von Platz sieben bis zumindest zwölf kann man bei der Platzierung auch würfeln.

8.: Eintracht Frankfurt: Mit Trainer Armin Veh kehrt wieder Zuversicht zurück und die Hoffnung auf einen guten Mittelfeldplatz. Sollte möglich sein.

9.: TSG Hoffenheim: Mit Firmino wurde der beste Spieler verkauft, das schränkt die Aussichten auf dem Weg nach oben ein. Aber in Abstiegsgefahr sollte die Mannschaft nicht kommen.

10.: VfB Stuttgart:
Nach dem Seuchenjahr endlich wieder Ruhe. Klappt es mit dem neuen Trainer Alexander Zorniger nicht, werden die Fans wohl zornig. Erste Eindrücke deuten aber darauf hin, dass Besserung in Sicht ist. Bis Platz zehn oder sogar höher?

11.: FC Augsburg: Der Überraschungs-Fünfte des Vorjahres wird nicht wieder oben mitmischen, sollte aber stark genug sein, trotz Belastung in der Europa League nicht ganz nach unten durchgereicht zu werden. Da gibt es schwächere Mannschaften! Ein Plus ist die Ruhe im Verein.

12.: FSV Mainz 05: Ein Vermarktungsdeal bringt in den nächsten zehn Jahren 250 Millionen Euro, doch Mainz wird auch unter dem neuen Trainer Martin Schmidt ein Team zwischen Gut und Böse bleiben. Etabliert im Mittelfeld.

13.: Hertha BSC Berlin: Die Hauptstadt zitterte um den Bundesligisten, das könnte auch mit Trainer Pal Dardai in diesem Jahr passieren, die Tendenz zeigt eher nach unten als nach oben. Hier beginnen eigentlich die Abstiegskandidaten.

14.: Werder Bremen:
Mit Trainer Viktor Skripnik Stabilität gewonnen, mit di Santo und Selke aber die Torjäger verloren. Es könnte wieder ein schwieriges Jahr werden, zumal es Unruhe um die Vertragsverlängerung von Manager Eichin gibt. Keine guten Vorraussetzungen.

15.: Hannover 96: Alles ist möglich, elf Abgänge (darunter mit Lars Stindl das Herz des Teams), acht Neue, eine verjüngte Mannschaft unter „Retter“ Michael Frontzeck, die sich schnell finden muss, wenn es nicht zu Unsicherheiten kommen soll.

16.: FC Ingolstadt 04: Kann der Bundesliga-Debütant die Rolle des vorjährigen Aufsteigers Köln spielen? Wohl nicht. Der Zweitliga-Meister muss sich mit dem Abstiegskampf beschäftigen, Trainer Hasenhüttl verspricht: „Wir werden unangenehm sein.“ Die prognostizierte Relegation wäre vielleicht sogar angenehm.

17.: Hamburger SV: Das darf doch nicht wahr sein, Platz 17? Das Ende des Dino? Es wird ein schweres Jahr, alle Anzeichen mit der Pokalpleite gleich zum Auftakt deuten darauf hin, dass der HSV wieder zittern muss – das Glück ist aufgebraucht.

18.: Darmstadt 98: Wie eine Rakete schoss Darmstadt aus der vierten Liga bis in die Bundesliga. Irgendwann fällt jeder wieder zurück. Es wäre ein Wunder, würde der Neuling nicht die Rolle von Fürth, Braunschweig und Paderborn spielen: Mit Euphorie hoch und gleich wieder runter.

Mal sehen, wie es am Ende wirklich aussieht, jeder kann ja für sich die Spielerei betreiben. Das Ergebnis liegt am 14. Mai 2016 vor.

Die Bundesliga hat Angst vor England

Am kommenden Freitag, 14. August, geht die Fußball-Bundesliga in ihre 53. Saison. Eigentlich könnte die Liga vor Selbstbewusstsein strotzen, ist sie doch die Liga des Weltmeisters. Allerdings geht eher die Angst um. Da ist einmal die Angst davor, dass der FC Bayern München das Geschehen wieder dominieren könnte und der Kampf um den Titel erneut langweilig wird, andererseits zittert die Bundesliga vor dem Geldsegen in England. Langfristig fürchten die Klubs, dass sie international ins Hintertreffen geraten.

Zunächst wird am Freitag erst mal voller Hoffnung gefeiert werden. Der Titelverteidiger empfängt mit dem Hamburger SV einen alten Kontrahenten, ein Traditionsduell also. Allerdings liegen Welten zwischen beiden Klubs, die Bayern marschierten drei Jahre lang immer deutlich vorne weg, der HSV dagegen ließ sein Idol Uwe Seeler zittern und rettete sich zweimal erst in der Relegation vor dem Abstieg. Viele Bundesliga-Fans gönnten aber den Hamburgern den Klassenerhalt, schließlich ist der HSV der letzte Bundesliga-Dino, der zum Start 1963 an Bord war und nie absteigen musste (zuletzt grenzte das fast schon an ein Wunder). Zweiter in der Rangliste ist Werder Bremen mit 51 Jahren, die Bayern kamen erst 1965 hinzu und haben ebenso wie der VfB Stuttgart 50 Jahre auf dem Buckel, führen die „Ewige Tabelle“ aber mit großem Vorsprung an (nach Drei-Punkte-Regel 3355 Punkte vor Bremen mit 2646). Nur noch zehn Erfolge trennen die Münchner vor einer historischen Leistung: Der 1000. Sieg!

Skeptiker fürchten, dass es die Münchner mit dem 1000. Sieg nicht bewenden lassen, sondern die Bundesliga wieder dominieren. Früher war von spanischen Verhältnissen die Rede, weil Dortmund und München ähnlich überlegen waren wie Barcelona und Real Madrid, jetzt gibt es eher den Vergleich mit Schottland, dort Celtic Glasgow und nichts, da die Bayern und kein echter Verfolger. Oder begehrt die Konkurrenz doch auf? Als einzig ernsthafter Konkurrent gilt Vizemeister VfL Wolfsburg mit den VW-Millionen im Rücken, aber auch ein Comeback von Borussia Dortmund mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel ist möglich. Wie sagt Franz Beckenbauer: „Schaun mer mal.“

Milch und Honig in England

Die Verbindung Wolfsburg und VW wird immer kritisch betrachtet, aber mehr noch fürchtet sich die Bundesliga vor England. Dort fließen ab nächstem Jahr buchstäblich Milch und Honig, ein Schlaraffenland für die Klubs, die sich mit 3,2 Milliarden Euro als Jahresgage vom Fernsehen fast alle Wünsche erfüllen können. Dazu sorgen verschiedene Scheichs in England und Frankreich (Paris) sowie ehrgeizige Präsidenten in Barcelona, Madrid und Turin dafür, dass die Preise für die Spieler schwindelerregende Höhen erreichen. Liverpool machte es vor: 41 Millionen Euro für einen Bundesliga-Mitläufer wie den Brasilianer Firmino von Hoffenheim. Und wenn der Belgier Kevin de Bruyne 80 Millionen wert ist und für Thomas Müller 100 Millionen geboten werden, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Internationale Stars könnten künftig einen Bogen um die Weltmeister-Liga machen.

So schaut die Bundesliga auch eher in die Zukunft als auf die Gegenwart. Die Hoffnung ruht auf einem neuen Fernsehvertrag, der ab April 2016 neu verhandelt wird und wenigstens eine Steigerung der Einnahmen von jetzt rund 700 Millionen auf eine Milliarde Euro bringen soll. Dafür ist die Liga auch zu Gegenleistungen bereit, man kann sagen, sie prostituiert sich dafür, indem der Spielkalender noch mehr entzerrt wird, Stichwort „exklusive Spiele“ für den Anbieter. Als sicher gilt bereits, dass es auch Spiele am Montag geben wird. Allerdings ist der Fernsehmarkt von Deutschland nicht mit dem in England zu vergleichen, die Bundesliga gilt als „Kulturgut“ und muss im freien Fernsehen zu sehen sein. Allein schon damit sind die TV-Einnahmen begrenzt. Dennoch, Angst haben auch die Fans, die Bundesliga wird wohl teurer und noch unübersichtlicher, Auswärtsfahrten müssen noch zeitnaher geplant werden. Geld vor Fans – ob das gut geht? Derzeit ist die Bundesliga in Europa die Liga mit den meisten Zuschauern, rund 42.000 kommen durchschnittlich zu den Spielen. Das könnte bald Vergangenheit sein.

Also noch einmal ein Jahr zum Genießen, Bangen, Zittern und Hoffen. Selbst bei Langeweile um die Meisterschaft bleibt der Kampf um die Plätze für Europa, zuletzt war es so, dass es fast kein Mittelfeld gab, die Klubs kämpften entweder um Europa oder gegen den Abstieg. Das deutet sich auch in diesem Jahr wieder an, für den einen oder anderen mit einer negativen Überraschung. Neugierig werden vor allem die Neulinge FC Ingolstadt 04 und SV Darmstadt 98 (immerhin schon 78/79 und 81/81 in der Bundesliga) sein. Für sie gilt in erster Linie: Das Oberhaus genießen. Darmstadt gilt als Abstiegskandidat Nummer 1, mit dem Schicksal der Auf- und dann Absteiger Braunschweig und Paderborn in den letzten Jahren. Schaun mer mal…

Platini auf den Spuren von Sepp Blatter

Er ist eigentlich der „natürliche“ Nachfolger: UEFA-Präsident Michel Platini hat sich erklärt, er will jetzt doch Nachfolger von Joseph „Sepp“ Blatter als FIFA-Präsident werden. Noch im Frühjahr hatte er sich nicht getraut, gegen den Amtsinhaber anzutreten. Platini sah sich ohne Chance, wir sehen ihn ohne Mut. Jetzt hat der Franzose offensichtlich genügend Stimmen hinter sich gebracht, neben Europa stehen angeblich auch Süd-, Nord- und Mittelamerika hinter ihm sowie Asien. Da haben Blatters Lieblinge aus Afrika keine Chance mehr.

Michel Platini auf den Spuren von Sepp Blatter – es wird sich nichts ändern! Der Franzose ist Teil des Korruptionssystems des Fußball-Weltverbandes, er ist eine Marionette der Strippenzieher. Blicken wir zurück und hinter die Kulissen. Wäre es nach Europas Verband gegangen, wäre Blatter nie an die Macht der FIFA gekommen. Doch Platini unterstützte damals seinen Vorgänger Lennart Johansson nicht, sondern stand auf der Seite Blatters, der dann auch FIFA-Präsident wurde! Schon 2002 gab es Anstrengungen der Züricher Justiz, Blatters Korruptionsspielchen abzupfeifen, denn elf FIFA-Vorstände stellten Strafantrag gegen Blatter. Die Sache verlief im Sande. Blatter hatte freie Bahn. Wohin das führte, wissen inzwischen alle.

Michel Platini auf den Spuren von Sepp Blatter – er hat in Europa nach Blatters Prinzip gehandelt, sichere dir die Stimmen. Der Franzose hat den kleinen Nationen die Wege zu den großen Fleischtöpfen geebnet, hat durchgesetzt, dass mehr Nationen am Endturnier der Europameisterschaft teilnehmen können und den Nationscup der Nationalmannschaften ins Leben gerufen. Motto: Mehr Spiele mehr Geld. Umstritten auch die Jubiläums-EM 2020 in ganz Europa. Bei allen Entscheidungen hat Platini nicht an die Fans gedacht.

Den Weg für Platini bereitete offensichtlich der angeblich größte Strippenzieher im internationalen Sport, der kuwaitische Scheich Ahmed Al-Sabah, vor. Er ist in vielen Ämtern im Weltsport aktiv und hat das Gros der Stimmen aus Asien und Afrika unter Kontrolle. Er soll schon dem Deutschen Dr. Thomas Bach den Weg zur Wahl als IOC-Präsident geebnet haben. Gewisse Entscheidungen verwundern angesichts dieser Konstellation nicht mehr.

Michel Platini hat nach Stand der Dinge nur einen ernsthaften Gegenkandidaten, den Südkoreaner Chung Mong-Joon, der der Autobauer-Dynastie Hyundai angehört. Auch er hat sich schon als Strippenzieher profiliert und war wohl entscheidend daran beteiligt, dass die Weltmeisterschaft 2002 nicht nur nach Japan vergeben wurde, sondern Südkorea noch als Co-Ausrichter auf den WM-Zug springen konnte. Chung wirbt für sich damit, dass nur er eine dringend notwendige Änderung im Weltverband bewerkstelligen kann. Doch Zweifel sind auch hier angebracht.

Die weiteren bisher bekannten Kandidaten spielen nur eine untergeordnete Rolle, wenn sie überhaupt bis zuletzt ihre Kandidatur aufrecht erhalten. Der seriöseste Kandidat ist noch der jordanische Prinz Ali bin Al-Hussein, vor Europa ins Rennen gegen Blatter geschickt. Ein unbeschriebenes Blatt ist der liberianische Verbandspräsident Musa Bility, höchstens zur Unterhaltung tragen die ehemaligen Stars Maradona und Zico bei. Sie haben keine Erfahrung im Verbandswesen und ohne Strippenzieher geht gleich gar nichts. Es gibt ja Stimmen, die meinen, nur jemand von außen könnte den „Stall“ FIFA ausmisten, aber jemand von außen hat keine Chance auf die nötigen Stimmen!

Asien hat ein Monopol auf Olympia

Wenn es um Strippenzieher geht, dann kann man sich auch den Olympischen Spielen zuwenden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich in eine Zwangsjacke stecken lassen und kommt da nicht mehr raus. War es früher so, dass Sommer- und Winterspielen ziemlich gleichmäßig zwischen den Kontinenten wechselten, so haben die IOC-Mitglieder diese sicherlich vernünftige Regelung aus den Augen verloren. Asien hat inzwischen ein Monopol auf Olympia! Nach den Spielen 2016 in Rio de Janeiro sind 2018 die Winterspiele in Pyeonchang in Südkorea, die Sommerspiele 2020 in Tokio und jetzt hat sich Peking die Winterspiele 2022 gesichert. Ein historisches Ereignis, weil Peking als erste Stadt nach den Sommerspielen 2008 auch Winterspiele ausrichtet. Die Entscheidung war mit 44:40 gegenüber Almaty (Kasachstan) knapp, aber es entschied der Kommerz gegen den Sport. Almaty präsentierte kompakte Spiele der kurzen Wege im Schnee, während es in Peking Spiele ohne natürlichen Schnee geben wird. Der wird künstlich erzeugt und alles wird weiß. Eine weiße Weste wird China allerdings nicht vorweisen können, schon jetzt gehen Menschenrechtler auf die Barrikaden, verweisen auf die Unterdrückung der Menschenrechte in China. Viel besser sieht es in Kasachstan auch nicht aus, so dass die Menschenrechte (leider) bei der Vergabe wohl keine oder höchstens eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Auch hier steckt das IOC in einer Zwangsjacke, da es zwar genug Kandidaten für die Sommerspiele, aber viel zu wenige für die Winterspiele gibt. Einer der ursprünglichen Interessenten, Oslo und München, wäre wohl zum Zug gekommen, dort aber lehnte sich die Bevölkerung gegen olympischen Kommerz und Belastung der Natur auf. Das IOC will diesbezüglich zwar eine Umkehr und verspricht Verbesserungen und weniger Gigantismus, aber für 2022 wurde dieser gute Wille noch nicht sichtbar. Die Strippenzieher haben auch hier gesiegt.

Die Formel 1 soll wieder eine echte Königsklasse werden

Die Formel 1 erlebte in den letzten Tagen Glück und Leid zugleich. Die Rennserie trauert um Jules Bianchi, der einen neun Monate langen Kampf um sein Leben verloren hat. Ein Unfall beim Großen Preis von Japan war ihm zum Verhängnis geworden. Seit 1994 hatte es keinen Toten mehr in der Formel 1 gegeben, entsprechend groß war der Schock. Der wich am Wochenende in Budapest aber einer neuen Hoffnung. Ein Chaos-Rennen sorgte dafür, dass Mercedes mal nicht auf dem Siegertreppchen stand und der zuletzt langweiligen Serie neues Leben eingehaucht wurde. Selbst Mercedes-Boss Niki Lauda freute sich als Verlierer: „Was für eine Show! Für die Formel 1 konnte es gar nicht besser laufen.“

Generell besser laufen soll es aber in der Zukunft. Die Formel 1 soll wieder eine echte Königsklasse werden. Zuletzt hatten andere Rennserien ihr fast den Rang abgelaufen. Jetzt geht die Formel 1 aber erst mal in Urlaub, es sind Sommerferien, am 23. August geht es in Spa weiter. Aber nicht nur in diesen Wochen, sondern spätestens bis zum Jahresende sollen die Weichen neu gestellt werden. Die Forderungen sind vielfältig, lassen sich aber kurz so zusammenfassen: Die Motoren sollen wieder lauter werden, die Fahrer wieder in den Mittelpunkt rücken und nicht die Technik, das Reglement transparenter werden und die Formel 1 insgesamt wieder näher an die Fans heranrücken. Doch das ist alles leichter gesagt, als getan.

Ecclestone: „Die Technik ist Mist“

Es gibt viele Köche, die im Brei rühren. Einer, der sich auskennt, ist sicherlich Ex-Teamchef Flavio Briatore. Er moniert: „Die Formel 1 ist heute zu clean, zu perfekt, zu brav. Wir haben keine Fahrer-WM, sondern eine Motoren-WM.“ Red-Bull-Teamchef Christian Horner liegt da auf seiner Linie: „Die Regeln sind zu kompliziert, die Autos nicht dramatisch genug, die Rennen zu langweilig.“ Selbst Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ließ sich zu einem drastischen Urteil hinreißen: „Diese ganze Technik ist Mist.“ Niki Laudas Aussagen können als Ergänzung gesehen werden: „Es müssen wieder echte Männer fahren und keine Jünglinge, die nur an Knöpfen am Lenkrad spielen.“ Fazit: Die Formel 1 soll wieder echten Rennsport auf der Straße bieten und keine Ähnlichkeit mit Spielekonsolen haben.

Bernie Ecclestone hat die Formel 1 zu einem großen Geschäft gemacht, dabei aber übersehen, dass nicht nur einige Konzerne kassieren und die kleineren Rennställe zu Handlangern degradieren können, sondern dass das Gesamtgebäude stimmen muss. Auch die kleinen Firmen tragen die Formel 1, brechen sie weg, ist die Königsklasse nicht mehr rennfähig. Es muss also auch ein finanzielles Umdenken geben. Außerdem müssen die Rennen zurück zu den Fans, die Eintrittspreise billiger werden, die Standorte attraktiver. Es ist ja sicherlich reizvoll, die Formel 1 überall in der Welt fahren zu lassen, aber die Attraktivität nimmt insgesamt ab. Die Formel 1 wieder beliebig.

Die Krankheit ist erkannt, die Frage ist, ob die Doktoren bereit zur Operation sind. Der Patient Formel 1 liegt auf dem Operationstisch, jetzt müssen die richtigen Schnitte zur Gesundung gemacht werden. Chaos gefällt nur in den Rennen selbst, nicht in der Organisation.

Hinweis: Die veröffentlichten Zitate sind den Zeitschriften kicker und Bild am Sonntag entnommen.

Machen Tour-Siege noch Spaß?

Bei einem Urteil vor Gericht gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Für eine Verurteilung muss die Beweislast schlüssig sein, ein Verdacht allein reicht nicht aus. Ähnlich sieht es im Sport aus, was das Doping betrifft: Im Zweifel für den Angeklagten. Aber genauso, wie die Öffentlichkeit oft einen Angeklagten, aber nicht Verurteilten, quasi aus ihrer Gemeinschaft ausschließt, weil sie ihm doch misstraut, so verhält es sich im Sport. Sieger werden nicht umjubelt, weil Zweifel bestehen. Kann das sein, dass er so schnell ist? Geht alles mit rechten Dingen zu, auch wenn er des Dopings nicht überführt ist? Sieger müssen mit den Zweifeln leben und gerade jetzt bei der Tour de France, die in ihre letzte Woche geht, fragt sich der Sport-Grantler: Machen Tour-Siege überhaupt noch Spaß?

Im Mittelpunkt steht wieder einmal der vermutliche Rundfahrt-Sieger. Diesmal ist es nicht der Amerikaner Lance Armstrong, der längst seine Siege verloren hat und des Dopings überführt wurde, sondern der Brite Christopher Froome. Er fährt allen davon und damit genau in die Verdächtigungen hinein. Einer seiner Konkurrenten hat einmal gesagt: „Hoffentlich zeigt er einmal Schwächen, dann kann man ihm eher glauben.“

In der Tat sind die Parallelen zu Armstrong verblüffend. Der Amerikaner erkrankte an Hodenkrebs, durfte dann Medikamente gegen seine Erkrankung nehmen und kehrte mit einer Leistungsexplosion auf die Radsportbühne zurück. Der in Kenia geborene und in Südafrika aufgewachsene Froome war ein „Mitfahrer“, ehe ihn eine Tropenkrankheit außer Gefecht setzte. Er durfte besondere Medikamente nehmen und danach begann sein Aufstieg. Diese Leistungsexplosion ist vielen suspekt, auch wenn Froome beteuert: „Ich bin sauber.“ Er ist für Dopingkontrollen, würde auch in der Nacht zur Verfügung stehen und tut alles, um Dopinggerüchte zu zerstreuen. Er macht nur einen Fehler: Er fährt zu schnell.

Nach vielen Doping-Fällen ist die Öffentlichkeit vorsichtig geworden. Vor allem die Armstrong-Affäre hat dem Radsport geschadet, aber gerade der Radsport spielt jetzt eine Vorreiterrolle auf der Jagd nach Dopingsündern. Doch die Zweifel bleiben und die Zweifler werden immer radikaler. Froome wurde bei der Tour bereits angepöbelt und sogar mit einem Urin-Becher beworfen. Machen ihm da Tour-Siege wirklich noch Spaß?

Unter den alten Sünden des Radsports leiden auch die deutschen Stars der Gegenwart. Die ARD überträgt zwar wieder die Tour, die Deutschen trumpfen gelegentlich auf und fahren Siege ein, aber der Jubel hält sich ebenso in Grenzen wie die Einschaltquoten. Tony Martin, der sogar das Gelbe Trikot trug, Sprinter-König André Greipel und John Degenkolb präsentieren sich als die saubere Generation, doch alle negativen Dopingproben und alle Beteuerungen nützen nichts, sie können den Zweifeln einfach nicht davon fahren.

Auch in der Leichtathletik läuft der Verdacht mit

Ähnlich sieht es in anderen Sportarten aus. In der Leichtathletik laufen die Sprint-Stars Powell, Gay und Gatlin der Konkurrenz davon, aber bei ihnen läuft der Dopingverdacht mit. Sie sind so schnell, dass schnell Zweifel kommen. Und was ist mit der neuen Weltrekordlerin über 1500 m, Genzebe Dibaba? Sie pulverisierte den Weltrekord der Chinesin Qu Yunixa aus dem Jahr 1993. Ein Fabelweltrekord unter Dopingverdacht, der als uneinnehmbar galt, die Chinesin gehörte schließlich zu einer umstrittenen Trainingsgruppe, die ihre großartigen Leistungen mit Schildkrötenblut begründete. Sie haben es wohl getrunken, um sich einen dicken Panzer gegen alle Verdächtigungen zuzulegen…

Im Zweifel für die Angeklagten, aber die ertappten „schwarzen Schafe“ schaden ihrem Sport über Jahrzehnte hinaus und sorgen dafür, dass der Jubel für die Sieger gedämpft ausfällt. Sie haben den anderen siegreichen Sportlern die Siegesfreude verdorben. Sollte Chris Froome am kommenden Sonntag in Gelb in Paris stehen, so wird dieses Gelb nicht sauber strahlen. Wer genau hinsieht, wird schmutzige Flecken entdecken…

Von Beckenbauer bis Marco Sturm: Bundestrainer – Nur der Name zählt!

Gemeinhin gilt der Posten eines Bundestrainers als Traumjob. Gut, je nach Sportart ist das ein bisschen verschieden. Besonders im Blickpunkt steht natürlich der Bundestrainer im Fußball und gerade dort wird der Traumjob schnell zur Belastung, weil eigentlich jeder Fußball-Fan ein potentieller Bundestrainer ist. Allerdings wird der Bundestrainer-Job auch als halbe Urlaubsbeschäftigung gesehen: Ein bisschen auf den Tribünen sitzen, die interessantesten Spiele angucken und ab und zu ein Lehrgang. So sieht es der gemeine Fan. Warum aber haben viele Verbände ein Problem, den richtigen Bundestrainer zu finden?

Aktuell war zuletzt der Deutsche Eishockey-Bund auf Trainersuche. Mit Pat Cortina war der neue DEB-Präsident Franz Reindl nicht zufrieden, es gab mehr Misserfolge als Erfolge. Reindls alter Freund Uwe Krupp sollte Nachfolger werden, doch da baute sich ein unüberwindbares Hindernis auf: Krupp ist Trainer bei den Eisbären Berlin, der ehemalige Stanley-Cup-Sieger, schon einmal als Bundestrainer erfolgreich, kann nicht zwei Herren gleichzeitig dienen.

Das ist das Problem, einen guten Mann für den Traumjob zu finden: Die besten Leute stehen meist unter Vertrag, sind kurzfristig nicht zu bekommen. Viele arbeiten lieber im Verein („Ich brauche die tägliche Arbeit mit den Spielern“), als nur von Zeit zu Zeit in den Mittelpunkt zu rücken und eigentlich nur beschränkt eine Mannschaft entwickeln zu können. So stieß auch der DEB an Grenzen und zauberte dann einen Neuling aus dem Hut: Der frühere NHL-Star Marco Sturm wird der neue Krupp. Er kann Erfolge als Spieler vorweisen, hat einen guten Namen und soll sogar in der Doppel-Funktion als Bundestrainer und Generalmanager das Eishockey in der Öffentlichkeit gut verkaufen. Sturm ist Neuling, hat zwar die Trainerscheine gemacht, aber ihm fehlt die Erfahrung am Rande der Bande. Doch das rückt in den Hintergrund. Für den Job als Bundestrainer zählt vor allem der Name! Der Verband hofft auf eins: Dass die Spieler bei einem Bundestrainer Marco Sturm wieder gern zur Nationalmannschaft kommen, zuletzt hatte es eher Absagen gehagelt, warum auch immer.

Früher war es undenkbar, dass ein Neuling quasi die wichtigste Mannschaft eines Verbandes coachen könnte. Noch heute gilt, dass die Nationalmannschaft das Aushängeschild einer Sportart ist. Entsprechend ist der Bundestrainer aber auch das Gesicht der Mannschaft, im Fall Sturm wird der Trainer vor allem das bekannteste Gesicht der Mannschaft sein (Wer kennt die aktuellen Eishockey-Cracks?). Das allein ist Qualifikation genug!

Der Teamchef war die Lösung

Vorbild für diese Art der Trainerfindung war Fußball-„Kaiser“ Franz Beckenbauer. Es war eine Revolution, als Beckenbauer 1984 bei der Nationalmannschaft den unglücklichen Jupp Derwall ablöste. Die erforderliche Trainerlizenz hatte Beckenbauer nicht, deshalb machte ihn der Deutsche Fußball-Bund kurzerhand zum „Teamchef“. Ihm zur Seite standen zunächst Horst Köppel und dann Holger Osieck, beide mit entsprechender Lizenz. Zumindest wurden damit die Regeln eingehalten. Beckenbauer war ein echter Teamchef, nicht der Trainer. Mit Osieck bildete ein kongeniales Gespann, da der versierte Trainer auf dem Feld, dort der Motivator, der Verkäufer, die Lichtgestalt, zu der die Spieler aufschauten und dem sie alles glaubten. Legendär seine Aufforderung, „geht’s raus und gewinnt“ – gesagt, getan. Die Krönung war bekanntlich der WM-Titel 1990, danach verabschiedete sich Beckenbauer wieder. Aber er hatte eine neue Art von Bundestrainer geschaffen. Nicht der Schein zählt, sondern der Name.

Ähnliches wiederholt der DFB bei den Frauen, denn der Verband hat Steffi Jones als Neuling zur Nachfolgerin von Silvia Neid bestimmt, die 2016 nach den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro die Leitung der Frauen-Nationalmannschaft abgibt. Der Verband bekam Kritik vor allem von den gestandenen Trainern der Spitzenvereine, die um die Fortsetzung der guten Arbeit von Silvia Neid fürchten (auch wenn es nach der letzten WM Kritik an ihr gab!). In der Tat, ist es auch hier seltsam, dass ein Neuling sich ausgerechnet beim Aushängeschild des Verbandes versuchen darf. Immerhin kann Steffi Jones etwas vorweisen: Sie hat sich als Funktionärin beim DFB bewährt, war das „Gesicht“ der WM 2011 in Deutschland und hat eine gewinnende Art, gilt also als guter Verkäufer in der Öffentlichkeit. Den entsprechenden Trainerschein hat sie übrigens, Erfahrung aber nicht. Es gilt also auch hier: Bundestrainer – der Name zählt!

Fußball-WM vor einem Jahr: Erinnerungen und Zukunft

Deutschland schwelgt in diesen Tagen in Erinnerungen. Wahrscheinlich auch, weil man nie weiß, wann die glücklichen Sporttage wieder einmal zurückkommen. So ist es jetzt 30 Jahre her, dass ein damals unbekannter, 17jähriger Rotschopf überraschend Wimbledon gewann. Boris Becker wurde zu einem Idol der Deutschen, heute hat das Tennis hierzulande keine Idole mehr.

Das wird dem Fußball nicht passieren. Aber die Euphorie über den Gewinn des Weltmeister-Titels vor einem Jahr zeigte, wie eine ganze Nation nach dem großen Erfolg lechzte. Jetzt darf man wieder in Erinnerungen schwelgen: Vor genau 25 Jahren, am 8. Juli 1990, wurde Deutschland Fußball-Weltmeister in Italien, mit einem schmucklosen, aber verdienten 1:0 gegen Argentinien im Finale. Erinnerungen auch an den 8. Juli 2014, ein Tag, den sie in Brasilien lieber vergessen würden, das historische 7:1 im WM-Halbfinale von Belo Horizonte. Die logische Folge war dann der Titelgewinn Deutschlands am 13. Juli in Rio de Janeiro mit dem Kunstschuss von Mario Götze, der das Finale in der Verlängerung wieder gegen Argentinien, diesmal zugunsten von Deutschlands entschied. Damals war es ein Schuss in die Herzen der Fans, der Begeisterung auslöste und träumen ließ: Fußball-Deutschland steht vor einer großen Zukunft.

Gibt es einen WM-Fluch?

Und heute? Hat die große Zukunft bereits begonnen? Sie ist zweifelhaft geworden. Der Motor des Weltmeisters stottert, die Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 wird zu Qual und bietet keinen Fußball der Freude. Es scheint fast ein WM-Fluch über der Mannschaft zu liegen, gleich vier prominente Verbindungen der Spieler gingen in die Brüche: Sami Khedira trennte sich jetzt nach vier Jahren von dem Model Lena Gercke, einen Schlusspfiff gab es auch für Bastian Schweinsteiger und dem Model Sarah Brandner, Mesut Özil trennte sich von Sängerin Mandy Capristo und Manuel Neuer von seiner Jugendliebe Kathrin Gilch. Hat der WM-Pokal die Liebe getötet?

Keine Hoffnung auf Nachwuchs da und der Fußball-Nachwuchs dort hat seine Probleme und macht eher mit deftigen Niederlagen auf sich aufmerksam. Die U19 ist bei der Europameisterschaft schlecht gestartet (0:3 gegen Spanien), die U21 hat sich bei der EM blamiert (0:5) gegen Portugal, die U20 konnte nichts retten, ist bei der Weltmeisterschaft frühzeitig ausgeschieden. So sieht keine gute Zukunft aus. Da konnten auch die Frauen nichts mehr retten, nach Platz vier bei der Weltmeisterschaft in Kanada gibt es eher Streit als Zuversicht für die Zukunft. Schwelgen wir also lieber in Erinnerungen.

Die Rolle des 1:7 in Brasilien

Bei den Erinnerungen kommt also wieder Brasilien ins Spiel. Dort verarbeitet man das 1:7 auf eigene Art, es ist zu einem Synonym für schlechte Ereignisse geworden. Wie man hört, ist in Brasilien aber auch sonst Ernüchterung eingetreten, die Gewalt in den Favelas flammt wieder auf, die Korruption regiert nach wie vor und auch sonst ist die Lage unsicher geworden, selbst an der berühmten Copacabana ist man vor Überfällen nicht sicher. Da schwelgen die Brasilianer nicht Erinnerungen, aber ihr Blick geht gern in die Zukunft: Vom 5. bis 21. August 2016 finden die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro statt. Doch die Vorfreude ist gedämpft, Probleme gibt es an allen Ecken und Enden. Manche Bauten sind im Rückstand, Streiks fast an der Tagesordnung und der Umweltschutz wird mit Füßen getreten. Die Brasilianer würden auch gerne in Erinnerungen schwelgen. Aber da war dieses 1:7… Nun ja, sie können sich mit fünf WM-Titeln in der Vergangenheit trösten, Deutschland war bereits über den vierten Stern begeistert!

Was dem Sport-Grantler aufgefallen ist: Die entscheidenden Torschützen bei den WM-Finals von 1974 (Gerd Müller), 1990 (Andreas Brehme) und 2014 (Mario Götze) bleiben ewig in Erinnerung und sie haben eines gemeinsam: Sie spielten zur der Zeit jeweils für den FC Bayern München. Helmut Rahn war 1954 auch im Ruhrpott glücklich.

Sollte uns die Fußball-Zukunft enttäuschen (siehe Brasilien), so bleiben uns ja noch die Erinnerungen, die in diesen Tagen besonders stark sind.

Was ist mit Brasiliens Fußball los?

Was haben wir früher geschwärmt, vom Fußball in Brasilien! „Brasilianischer Ballzauber“ war der Inbegriff für hochklassigen Fußball. Hat einer neben den Ball getreten, so gab es als Trost die Bemerkung „bist halt kein Brasilianer“. Die Talente von der Copa Cabana, die im Sand den Ball besser beherrschten als wir auf der Straße oder im Gras, kamen uns vor wie höhere Wesen. Und seit dem Titelgewinn 1958, mit dem der Siegeszug der Mannschaft um den wohl noch heute besten Spieler aller Zeiten, Pelé, begann, wollte eigentlich jeder am liebsten ein Brasilianer sein. Immer noch ist Brasilien Rekord-Weltmeister mit den Titelgewinnen 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002.

Und heute? Heute ist die Frage, „was ist mit Brasiliens Fußball los?“. Große Hoffnung gab es durch die Titelkämpfe im eigenen Land vor einem Jahr. Diese Weltmeisterschaft sollte Brasilien den Fußball-Glanz zurückbringen, ein ganzes Land in Euphorie versetzen. Am Ende blieb Trauer zurück, ein Scherbenhaufen für den Fußball, die Schmach des 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland wirkt bis heute nach. Der nächste Rückschlag kam nämlich vor wenigen Tagen mit dem Aus gegen Paraguay mit 3:4 im Elfmeterschießen im Viertelfinale der Copa America in Chile. Auch Carlos Dunga, genannt „der Deutsche“, konnte es nicht richten. Brasilien musste zusehen, als am Samstag Erzfeind Argentinien und Gastgeber Chile das Finale bestritten. Es zeigte sich 2014 wie diesmal, dass Brasilien ohne den einzigen derzeitigen Superstar Neymar nicht gewinnen kann.

Brasilien will im Fußball wieder das Brasilien von früher werden und deshalb soll eine Experten-Kommission „Strategische Entwicklung“ für eine gute Zukunft sorgen. Aufgabe: Den Zustand analysieren, einen Aktionsplan aufstellen. Frühere Nationaltrainer wie Carlos Alberto Parreira (Weltmeister 1994) und Sebastiao Lazaroni haben ihre Mitwirkung zugesagt. Carlos Dunga soll ebenso dabei sein wie Ex-Spieler, Journalisten und Sport-Wissenschaftler. Die Talente, die es in Brasilien immer noch zuhauf gibt, sollen wieder zu Starspielern werden und nicht irgendwo bei zweitklassigen Klubs im Ausland verkümmern, weil sie zu früh dem schnellen Geld nachlaufen, froh, den Slums entkommen zu sein.

Ob dies für die Weltmeisterschaft 2018 schon reicht? Dieser Plan muss wohl langfristig greifen. So schwärmen wir hierzulande eher noch von den Stars der Vergangenheit, vom „Wundersturm“ um Pelé mit Vava, Didi und Garrincha, von Ronaldo, Rivaldo, Socrates, Roberto Carlos und vielen anderen.

Olympische Spiele als Hoffnung

Die Frage „was ist mit Brasiliens Fußball los?“ gilt auch für die Frauen. Auch die Frauen um die mehrmalige Weltfußballerin Marta galten bei fast allen WM-Turnieren als Mitfavorit, doch Titel holten sie keine. In Kanada kam das Aus gleich im Achtelfinale ausgerechnet gegen Australien und nicht gegen eine große Mannschaft. Im nächsten Jahr soll es bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro besser werden, aber derzeit sieht es für Männer und Frauen eher nach Trauer wie bei der WM und nicht nach Euphorie aus. Auch bei Olympia konnten Männer und Frauen bisher nie Gold gewinnen, es blieb höchstens Silber oder Bronze (Deutschlands Männer und Frauen kamen übrigens nie über Bronze hinaus). Vielleicht wird aber auch alles anders und die Olympischen Spielen der Start zu einer neuen Hochzeit des Fußballs in Brasilien. Hoffentlich müssen wir als amtierender Weltmeister (Männer) nicht bald fragen, „was ist mit dem Fußball in Deutschland los?“

Ein Gruß von Pelé

Übrigens: Der Sport-Grantler ist stolz, dass er in seinem Trophäen-Keller ein T-Shirt mit der Original-Unterschrift von Pelé hängen hat, von dessen Abschiedsspiel 1977 bei Cosmos New York. Pelés große Karriere ging damals zu Ende. Schöne Erinnerungen bleiben, schöne Erinnerungen an den großen Fußball Brasiliens. Der Sport-Grantler würde sich über eine große Zukunft von Brasiliens Fußball freuen.

Olympia als Ziel, Olympia als Trost

Es laufen derzeit international große Turniere im Fußball, immer wieder im Gespräch sind aber auch die Olympischen Spiele. Es scheint so zu sein: An Olympia kommt niemand vorbei. Die Themen sind allerdings sehr unterschiedlich. Einmal ist Olympia das Ziel, dann wiederum gilt die Teilnahme an den Olympischen Spielen als Trost. Ein schöner Trost, könnte man sagen.

Nehmen wir zuerst einmal Olympia als Ziel. Vor wenigen Tagen hat die französische Hauptstadt Paris ihre Bewerbung für die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 kundgetan. 2024 hätte seinen Reiz, denn vor genau dann 100 Jahren war Paris zum letzten Mal Gastgeber. Für 1992, 2008 und 2012 scheiterten die Franzosen. Jetzt aber ist Paris eine starke Bewerbung mit der Unterstützung von über 60 Prozent der Bevölkerung (es gibt Umfragen, die sprechen sogar von über 70 Prozent). Gerade die Sommerspiele haben ihren Reiz nicht verloren, nach den Spielen in Südamerika (Rio de Janeiro 2016) und Aisen (Tokio 2020) kann man über die Bewerber-Städte aus Europa sagen, eine ist attraktiver als die andere: Hamburg, Rom, Paris, wahrscheinlich auch noch Budapest und Istanbul, als Klammer zwischen Europa und Asien. Als Favorit für die Austragung galt aber der amerikanische Kandidat, weil das IOC einen lukrativen Fernsehvertrag mit dem US-Sender NBC abgeschlossen hat. Das Rennen machte zur Überraschung der Fachwelt mit Boston vor San Francisco und Washington, angeblich der schwächste Kandidat. Aber die Granden vom IOC haben schon oft ähnliche seltsame Entscheidungen getroffen wie die der FIFA… Vernunft ist bei Funktionären manchmal ein Fremdwort.

Tatsache ist, dass die Sommerspiele attraktiv bleiben, im Gegensatz zu den Winterspielen, die zumindest in Europa zunehmend ins Visier der Umweltschützer geraten sind und es interessierten Städten nicht gerade leicht machen, Zustimmung zur Austragung der Spiele zu erhalten. Siehe das Beispiel München, als sich die Bevölkerung gegen Olympia aussprach. Hier könnte auf das IOC das Problem zukommen, dass nur noch – sagen wir mal – die weniger demokratischen Staaten die Winterspiele ausrichten wollen.

Ohne Titel bleibt immer noch Rio

Aber bleiben wir bei den Sommerspielen und da steht Rio 2016 im Blickpunkt. So auch bei den deutschen Auswahlmannschaften. Die U21 bei der Europameisterschaft und die Frauen bei der Weltmeisterschaft kämpften um Titelehren. Aber einen Erfolg haben sie frühzeitig bereits errungen: Sie haben sich die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2016 erkämpft. Olympia also auf jeden Fall schon mal als Trost, sollte es mit dem Titel nicht klappen. Auch so wird Olympia attraktiv…

Bei den Fußball-Junioren der U21 ergibt sich allerdings eine seltsame Konstellation, die aufzeigt, dass beim Weltverband FIFA – wen überrascht das noch – nicht weitsichtig gedacht wird. Nachdem das Olympische Fußballturnier keine Konkurrenzveranstaltung zur Weltmeisterschaft sein soll, haben sich IOC und FIFA darauf geeinigt, dass nur Spieler unter 23 Jahren an Olympia teilnehmen dürfen. Eine Ausnahme: Drei Spieler dürfen älter sein. Der Fehler: Viele derjenigen Spieler, die jetzt bei der Europameisterschaft die Kastanien aus dem Feuer holen sollen, sind in einem Jahr für Olympia zu alt! Für die EM zählte als U21 der Start der Qualifikation 2013, Stichtag war der 1. Januar 1992, die Spieler mussten danach geboren sein. Zur EM-Runde sind viele logischerweise älter als 21. Warum weitet man dies gleich bis zu den Olympischen Spielen aus? FIFA-Funktionäre können wohl nicht von 2013 bis 2016 denken…

EM und Olympia: Zwei große Turniere im Sommer 2016

Die Olympia-Teilnahme 2016 bringt aber auch logistische Probleme mit sich. Spieler wie Torhüter Marc-André ter Stegen, Emre Can und Kevin Volland machen sich auch Hoffnung auf den Sprung in die A-Nationalmannschaft. Sie wollen bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich dabei sein, die vom 10. Juni bis 10. Juli ausgetragen wird. Das Fußballturnier in Rio läuft vom 3. bis 20. August. Für Olympia besteht keine Abstellungspflicht für die Vereine, beide Turniere wird kaum einer spielen können oder dürfen. Für den jungen Spieler, der den Sprung zur EM nicht schafft, bleibt also Olympia als Trost…

Übrigens: 1988 in Seoul war eine deutsche Fußballmannschaft zum letzten Mal bei Olympia dabei. Trainer war der Kölner Hannes Löhr, mit Jürgen Klinsmann, Frank Mill und Wolfram Wuttke waren drei Spieler dabei, die bei EM und Olympia auflaufen durften. Also, es geht doch! Deutschland holte Bronze.

Bronze gab es bisher nur für die deutschen Frauen, die ansonsten Welt- und Europameister wurden, aber nie Olympiasieger. 2000, 2004 und 2008 holten sie sich die Medaillen, 2012 fehlte Deutschland. Nächstes Jahr ist Deutschland wieder dabei und Bundestrainerin Silvia Neid darf sich auf einen zumindest attraktiven Abschluss ihrer sportlichen Karriere freuen. Olympia war ein erstes Ziel für die Weltmeisterschaft in Kanada (drei Starter aus Euorpa), Hauptziel bleibt allerdings der WM-Titel. Gelingt der große Erfolg nicht, bleibt immer noch Olympia als Trost… Und Altersbeschränkungen gibt es bei den Frauen nicht.

Beispiel Tiger Woods: Sport ist Kopfsache

Beispiel Tiger Woods: Sport ist Kopfsache

Für einen Sportler ist es das Schlimmste, wenn er Mitleid bekommt. Insofern ist der einstige Golf-König am Ende. Eldrick Tont Woods, genannt „Tiger“, hat am Donnerstag und Freitag von den Zuschauern bei den US Open nur noch Mitleid geerntet. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst, nach Runden von 82 und 74 auf dem Platz mit Par 70 musste er Chambers Bay in der Nähe von Seattle nach zwei Tagen wieder verlassen. Nur drei waren schlechter als Woods, der nur noch ein zahnloser Tiger ist.

Was ist los mit Tiger Woods? Er ist das beste Beispiel dafür, dass Sport vor allem auch eine Kopfsache ist. Die Karriere als Spitzenspieler endete wohl 2008 mit dem Kreuzbandriss, 2009 kamen private Probleme hinzu. Tiger schaffte es zwar nach seiner Rückkehr 2010 noch einmal die Nummer 1 der Welt zu werden, doch zu Konstanz fand er nicht mehr. Seine Bilanz ist quasi Erinnerung: 2000/2001 der sogenannte „Tiger Slam“, als er alle vier Majors hintereinander gewann, allerdings nicht in einem Jahr. 683 Wochen war er insgesamt die Nummer 1 der Welt, von 2005 bis 2010 überragende 281 Wochen ohne Unterbrechung. 14 Major-Siege stehen zu Buche, es schien nur noch eine Frage der Zeit, dass er den Rekord von der Golf-Legende Jack Nicklaus mit 18 Major-Erfolgen übertreffen würde. Inzwischen, so scheint es, läuft dem Tiger die Zeit davon. 2008 gewann er mit den US Open sein letztes Major, 2013 feierte er ein kleines Comeback mit dem Sieg bei den Players Championship. Es war sein 78. Sieg bei seinem 300. Turnierstart. Die Bilanz der letzten Jahre 2014 und bis jetzt 2015: 0 Siege. Kürzlich war er sogar einmal Letzter. Der Tiefpunkt.

Der Ehrgeiz hat den Tiger nicht verlassen, was auch schon wieder ein Handicap ist. Tiger will zurück an die Spitze, probierte es mit neuen (und alten) Trainern und Schwungumstellungen. Nichts brachte auf Dauer Erfolg. Der Körper spielt nicht mehr mit. Die Knie sind ebenso ein Problem wie der Rücken. Der extreme Schwung hat den Körper extrem beansprucht. Aber der fehlende Erfolg ist vor allem Kopfsache.

Der Blick zurück. Tiger galt als großes Talent. Unbeschwert und tatendurstig begann er 1996 seine Profi-Karriere, die ihn zu einem reichen Mann machte. 1997 gewann er bereits sein erstes Major, das Masters in Augusta mit 18 Schlägen unter Par, neuer Rekord. Er war der jüngste Major-Sieger aller Zeiten. Alles ging von allein, der junge Tiger dachte nicht viel nach, er spielte drauf los und gewann drauf los, die Welt bewunderte ihn.

Diese Leichtigkeit ist zusammen mit dem überbordenden Selbstvertrauen in den Krisenjahren von 2008 bis 2010 verloren gegangen. Der übermenschliche Seriensieger wurde menschlich und zu einem normalen Spieler. Seine Aura ist ungebrochen, wo er auftaucht, steht er im Mittelpunkt, der Tiger stiehlt seinen Kollegen noch immer die Show. Aber dort wo Tiger draufsteht, ist der echte Tiger nicht mehr drin. Heute gewinnt er mit seinem Spiel keine Millionen mehr, heute bekommt er nur noch Mitleid.

Gibt es noch einmal eine Rückkehr des alten Tigers? Das wäre eine Sensation. Tiger Woods wird wohl nie mehr zu der gebotenen Leichtigkeit finden. Je tiefer er sinkt (nicht einmal mehr unter den besten 200 der Welt), umso mehr zerfrisst ihn der Ehrgeiz – und das ist keine gute Basis für Erfolge. Nur wenn Tiger seinen Ehrgeiz besiegt, kann er auch auf dem Platz wieder Siegen – Kopfsache halt.

Der Tiger als Beweis, dass Sport Kopfsache ist. Alle anderen Sportler kennen es auch. Mannschaftssportler sprechen oft von einem „Lauf“. Sie haben eine Erfolgsserie und wissen eigentlich gar nicht so genau warum. Umgekehrt fehlt manchmal der beschworene „Lauf“ und keiner weiß warum. Die Leichtigkeit des Seins führt zur Leichtigkeit der Siege. Doch dies zu erreichen ist das Schwierige am Leistungssport. Darunter leiden auch Amateure, wenn sie zu ehrgeizig an den Start gehen. Ein guter Rat vom Sport-Grantler: Locker bleiben!