Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Löw und die Probleme mit seinen Weltmeistern

Weltmeister werden ist nicht schwer, Weltmeister sein dagegen sehr – so müssen sich derzeit Bundestrainer Joachim Löw und seine Schützlinge nach dem Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien fühlen. Die erste Saison der DFB-Elf mit dem vierten Stern auf der Brust war der eines Weltmeisters nicht würdig. Kurios: Nicht nur Brasilien leidet noch heute unter dem Schock des Ausscheidens mit der katastrophalen 1:7-Niederlage gegen Deutschland, der Weltmeister selbst leidet noch unter den Nachwehen des Kraftaktes bis zum Titelgewinn. Die Bilanz klingt nicht sehr erbaulich: Zehn Spiele, fünf Siege, drei Niederlagen, zwei Unentschieden, 22: 12 Tore. „Ein schweres Jahr“, meint Jogi Löw rückblickend.

Jetzt ist allerdings erst einmal wirklich Sommerpause, im August beginnt die neue Saison. Dann jedoch gilt es mit Blickrichtung auf die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Gefährlich ist, dass alle Beteiligten im deutschen Team davon sprechen, dass die Qualifikation dafür kein Problem sei. Ein Blick auf die Mannschaft zeigt allerdings, dass durchaus Probleme entstehen könnten. Siege gegen Polen (4. September, die nächste Aufgabe), in Schottland (7. September) und in Irland (8. Oktober) sind keine Selbstverständlichkeit, aber wichtig im Kampf um einen der beiden ersten Plätze in der Gruppe D. Den Abschluss der Qualifikation bildet das Match gegen Georgien am 31. Oktober. Es könnte sogar noch entscheidenden Charakter bekommen, Polen trifft dann auf Irland, Schottland darf sich auf Gibraltar freuen.

Frisches Blut durch die U21

Was wird sich bis dahin in der deutschen Mannschaft ändern, was muss sich ändern? Erst einmal muss Jogi Löw über seinen Schatten springen und für frisches Blut im Team sorgen. Er hat ja in letzter Zeit schon bewiesen, dass er durchaus bereit ist, einen Schnitt zu machen, siehe die Dortmunder Schmelzer und Großkreutz. Auf der Kippe steht vor allem sein Liebling Lukas Podolski, der in seiner derzeitigen Form keine Daseinsberechtigung im Team mehr hat. Torhüter Roman Weidenfeller hat wohl gegen Gibraltar seine Abschiedsvorstellung gegeben. Gesucht werden vor allem Außenverteidiger und ein Stürmer mit eingebauter Torgarantie. Doch dies geht nicht nur Löw so, sondern vielen Vereinen und Nationaltrainern auf der ganzen Welt. Wohl dem, der einen Messi, Cristiano Ronaldo, Neymar oder Ibrahimovic hat. Deutschland hat wenigstens noch Thomas Müller. Keine „echte Neun“, aber immer für Tore gut.

Hoffnungen setzt Jogi Löw für die Zukunft – und die beginnt im August – auf einige Akteure der U21, die ab Mittwoch bei der Europameisterschaft in Tschechien um den Titel und Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro kämpft. Da stehen zum Beispiel die Torhüter ter Stegen und Bernd Leno auf dem Sprung die Nachfolge von Roman Weidenfeller anzutreten oder sogar Ron-Robert Zieler zu verdrängen. In der Abwehr gibt es einige junge Spieler, doch vorerst sind wohl Boateng, Hummels, Höwedes und Badstuber (wenn er nur mal längere Zeit fit bleibt) nicht zu verdrängen. Ein Faible hat der Bundestrainer zudem für Mustafi und Rüdiger, der aber noch zuverlässiger werden muss. Im Mittelfeld herrscht fast kein Bedarf, Emre Can könnte aber auch eine Lösung für den rechten Außenposten sein. Im Angriff könnte Kevin Volland früher oder später eine Rolle spielen.

Fragezeichen um Kapitän Schweinsteiger

Die Stützen der Mannschaft werden auch in naher Zukunft die Weltmeister sein, wenn es auch bei dem einen oder anderen Fragezeichen gibt. In erster Linie gilt dies für den neuen Kapitän Bastian Schweinsteiger. Die Frage, die sich sowohl die Bayern als auch Jogi Löw stellen: Macht der auch im WM-Finale so geschundene Körper noch lange mit? Schweinsteiger müssen wohl öfters Pausen gegönnt werden, die Bayern haben dafür den Wechsel Alonso/Schweinsteiger im Visier. Bei beiden reicht die Kraft nur für eine gewisse Anzahl von Spielen. Löw muss aber auch abwarten, wie Khedira und Reus wieder in Form kommen und ob Andre Schürrle sich in Wolfsburg durchsetzen kann. Als dreifacher Torschütze gegen Gibraltar und Vorbereiter des entscheidenden WM-Tores hat er sicherlich einen Bonus. Ein Rätsel auch: Wohin mit Mario Götze? Er war übrigens als einziger in allen zehn Spielen dabei!

Kapitän Schweinsteiger gehört aber normal zur bestimmenden Achse im Team, die Torhüter Neuer, Abwehr-As Boateng, Schweinsteiger, Kroos, Özil und Thomas Müller bilden. Darum herum sollte sich eine Mannschaft formen lassen, die im Hinblick auf die Qualifikation zur Europameisterschaft nichts anbrennen lässt. Löw muss aber noch Schlüssel dazu finden, Abwehrbollwerke zu knacken und sich von tief stehenden Mannschaften nicht auskontern zu lassen. Diesbezüglich kann er sich auch mit Bayern-Trainer Pep Guardiola austauschen. Im Prinzip ist es auch so: Erfolgreiche Bayern werden für ein erfolgreiches DFB-Team sorgen.

Europaspiele: Keiner kennt sie, keiner braucht sie

Ein Jahr ohne sportliches Großereignis wie Fußball-Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele, geht das? Geht nicht, sagen sich die Organisatoren bzw. die Geldhaie der Welt. Schon lange geisterte in Europa der Gedanke umher, in Jahren, wenn es kein Olympia gibt, Spiele für Europa auszutragen. Der Hintergedanke: Damit muss doch Geld zu verdienen sein. Nach vielen Jahren des Zögerns, des Verhandelns, des Abwägens von Pro und Kontra ist es so weit: In Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, finden vom 12. bis 28. Juni die ersten Europaspiele statt! Schreit hier jemand „Hurra“?

Die Europaspiele 2015: Keiner kennt sie, keiner braucht sie, aber es gibt sie. Die Europäer guckten schon lange auf die anderen Kontinente, wo Asienspiele, Ozeanienspiele, Ostasienspiele oder die Panamerikanischen Spiele ausgetragen werden. Warum also nicht so etwas auch in Europa? Ein schönes Sportfest, das die Zuschauer, vor allem aber die Sponsoren anlocken soll. Viele Verbände wehrten ab, aus Verantwortungsbewusstsein den Athleten gegenüber, die sowieso schon über eine allzu große Belastung klagen. So sind zum Beispiel Leichtathleten und Schwimmer dagegen. Die Sportarten tauchen zwar in Baku auf, aber die Elite ist nicht am Start. Diese Verbände befürchten auch, dass ihre Meisterschaften durch ein zusätzliches globales Ereignis entwertet werden.

Qualifikationen für Olympia 2016 in Rio

Bezeichnend, dass Baku den Zuschlag erhielt, weil es gar keinen anderen Interessenten für die Europaspiele gab! Aserbaidschan scheiterte mit seinen Bewerbungen für die Olympischen Sommerspiele 2016 und 2020, als Ersatz also die Europaspiele 2015. Veranstalter sind die Europäischen Olympischen Komitees, 50 Nationen werden am Start sein, rund 6000 Sportlerinnen und Sportler werden erwarten, sie starten in 31 Disziplinen in 20 Sportarten, davon vier nichtolympische. In manchen Sportarten machen Qualifikationen für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro die Teilnahme attraktiv. Deutschland wird mit rund 260 Athleten vertreten sein, an der Spitze Stars wie Fabian Hambüchen (Turnen), Timo Boll (Tischtennis) und Britta Heidemann (Fechten). Basketball, Beachsoccer, Leichtathletik und Sambo werden nicht besetzt.

Aserbaidschan, ein Land, in dem Menschenrechte oft nichts gelten und Meinungsfreiheit ein Fremdwort ist, bemüht sich, die Werbetrommel für die Europaspiele zu rühren. In zahlreichen Ländern Europas wurde in Fernsehspots für das Sportereignis geworben. Der Sport-Grantler hat dagegen noch nie Werbung für Olympische Spiele gesehen! Die sind ein Selbstläufer, die Europaspiele müssen erst mal ins Laufen kommen. Immerhin gibt es Fernsehübertragungen in 33 europäische Ländern, vierzehn Nationen außerhalb Europas sind zudem auf Sendung. In Deutschland will der Spartensender Sport1 alle Wettbewerbe live übertragen, rund 100 Stunden Sendezeit sind veranschlagt. Auf dem Programm stehen dann u. a. Badminton, Karate, BMX, Sambo, Aerobic und anderes (nähere Informationen auf http://www.sport1.de).

Für den Sport-Grantler steht fest: Die Europaspiele sind kein Ereignis, sondern ein Lückenfüller. Spitzensportler werden sich diese zusätzliche Belastung nicht antun. Olympische Spiele sind ein Erlebnis, das jede Karriere krönt. Ein Start bei den Europaspielen ist für den einen oder anderen Athleten eher mit der Hoffnung verknüpft, durch ein gutes Ergebnis die Karriere in Schwung zu bringen. Die Europaspiele sind Bundesjugendspielen wohl näher als Olympischen Spielen. Besser wäre es gewesen, die Pläne in den Schubladen zu lassen. Bleibt die Frage, ob es überhaupt eine Neuauflage geben wird. Angeblich zeigen die Niederlande für 2019 Interesse.

WM und FIFA: Frauen im Mittelpunkt

„Fußball ist Männersache“ heißt es allgemein. Derzeit haben aber die Frauen im Fußball die Hosen an. Gibt es nicht? Gibt es doch. Loretta Lynch ist die Frau, die den FIFA-Funktionären Sorgen bereitet. Die US-Justizministerin hat die Korruption im Weltverband aufs Korn genommen und ist eigentlich ursächlich dafür verantwortlich, dass Präsident Sepp Blatter seinen Rücktritt angekündigt hat. Aber auch im Sport stehen die Frauen im Mittelpunkt: Mit ihrer Weltmeisterschaft vom 6. Juni bis 5. Juli in Kanada.

Beim Sport-Grantler steht der Sport im Mittelpunkt, also die Frauen-Weltmeisterschaft. Sie mobilisiert natürlich nicht die Massen in aller Welt wie die Männer alle vier Jahre, aber die Frauen haben sich auch im Fußball durchgesetzt und Respekt verschafft. Sind wir ehrlich: Manchmal sind Spiele der Frauen besser anzuschauen, weil vor allem die Technik im Vordergrund steht, als reine Kampfspiele im Männer-Fußball. Auch die Frauen haben in Sachen Kabinettstückchen einiges drauf, das zeigt die Brasilianerin Marta immer wieder, das ist auch bei Deutschlands Mittelfeldstrategin Dzsenifer Marozsan zu beobachten. Technisches Können wird auch bei der Weltmeisterschaft gefragt sein, denn Kunstrasen erfordert eine gute Ballbehandlung.

Streitfall Kunstrasen

Dieser Kunstrasen stand vor Austragung der WM im Mittelpunkt. Einige Spielerinnen klagten sogar dagegen, dass das Turnier auf Kunstrasen ausgetragen wird, sie fühlten sich gegenüber den Männern diskriminiert. Sie scheiterten allerdings vor Gericht und müssen nun in den sauren Apfel beißen, heißt, mit dem Kunstrasen leben. Diesbezüglich hat die FIFA die Frauen als Versuchskaninchen für die Männer missbraucht. Immer diese FIFA!

Ebenso müssen die Frauen mit dem Trend der alternden FIFA-Funktionäre leben, die möglichst vielen Nationen den Zugang zum Endturnier ermöglichen wollen. Sie nehmen es hin, dass der sportliche Wert verwässert wird, vor allem im Frauen-Fußball fehlt es noch an der Breite im Blick auf internationale Klasse. Ist aber egal, erstmals nehmen 24 Nationen statt bisher 16 teil. Bei den Männern sind es inzwischen 32 Nationen und viele reden bereits von 40. Mal sehen, ob künftig eine „neue FIFA“ diesen Trend beibehält.

Ein Turnier mit 24 Nationen macht aber ein Achtelfinale notwendig, es scheiden nach den Gruppenspielen also nur acht Mannschaften aus. Im Grunde genommen zunächst also keine Gefahr für die Favoriten, allein in der Gruppe D dürfte es mit den USA, Schweden und Nigeria ein bisschen spannend werden. Ansonsten ist Spannung erst ab den K.o.-Spielen angesagt und da wiederum gilt: In einem Spiel ist alles möglich.

Deshalb sind die Prognosen, wer die größten Titelchancen hat, mit Vorsicht zu genießen. Gegenüber den „üblichen Verdächtigen“ wie Deutschland, USA, Brasilien und Schweden sowie Titelverteidiger Japan haben sich zum Kreis der Titelanwärter auch das aufstrebende Frankreich und Gastgeber Kanada hinzugesellt. Vielleicht aber auch Norwegen oder Nigeria als die vermutlich stärkste afrikanische Mannschaft? Also ein bisschen Spannung gibt es schon.

Deutsche Erfolge immer mit Silvia Neid

Vor vier Jahren war bei der WM in Deutschland der Titel eigentlich für die Gastgeberinnen reserviert, sie scheiterten aber am großen Druck, der im eigenen Land immens wurde. Deutschland schied im Viertelfinale gegen Japan aus und die Asiatinnen nutzten ihre Chance. Jetzt können die deutschen Mädchen eher befreit aufspielen, allerdings haben sie auch mit Verletzungspech zu kämpfen, so fehlt vor allem die beste Spielerin der Welt von 2014, Mittelfeldmotor Nadine Kessler. Aber Bundestrainerin Silvia Neid hat wieder eine starke Truppe mit Torhüterin Nadine Angerer, Dzsenifer Marozsan und Torjägerin Celia Sasic als Stützen. Für Silvia Neid wird es das letzte WM-Turnier sein, Olympia könnte noch folgen. Die besten drei europäischen Mannschaften qualifizieren sich für Rio 2016. Doch die scheidende Bundestrainerin, die 2016 (normal nach Olympia) Steffi Jones Platz macht, sagt: „Im Fußball steht die Weltmeisterschaft im Vordergrund, bei Olympia ist Fußball nur eine Sportart unter vielen.“ Bemerkenswert: Silvia Neid war als Spielerin, Co-Trainer und letztlich Bundestrainerin an allen Medaillen- und Titelgewinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft beteiligt. Der WM-Titel in Kanada wäre die Krönung. In den Gruppenspielen sind die Elfenbeinküste, Norwegen und Thailand die ersten Hürden.

Die erste Weltmeisterschaft der Frauen wurde übrigens 1991 ausgetragen. Die bisherigen Sieger waren die USA (1991 und 1999), Norwegen (1995), Deutschland (2003 und 2007) sowie Japan (2011). Gibt es also einen neuen Namen?

Klare Worte von Loretta Lynch

Neue Namen sind bei der FIFA gefragt, gesucht wird ein Nachfolger für Joseph Blatter, der aber bis zur Neuwahl, die erst im Zeitraum Dezember bis März 2016 stattfinden soll, im Amt bleibt. Loretta Lynch hat es aber schon deutlich gesagt: „Die Namen ändern sich, das System bleibt das gleiche.“ Sprich: Nur mit einem Neuanfang kann die FIFA die Korruption in den eigenen Reihen besiegen.

Erfreuen wir uns lieber am Sport.

Der Fußball lebt, die FIFA ist am Ende

Ein kleiner Fußballplatz am Rande eines Dorfes. Wenig mehr als hundert Zuschauer feuern ihre „Stars“ an, trotzen dem Regen, bangen um den Aufstieg in die nächste Liga. Einmal Begeisterung, dann wieder Ärger, freuen, schreien, schimpfen – so geht es auf dem Fußballplatz zu. Der Fußball lebt. Ein Blick von der Basis an die Spitze: Die FIFA ist am Ende. Was sagt der kleine Mann in der Provinz: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“

Der Weltfußball hat seine schlimmsten Tage rund um den FIFA-Kongress in Zürich erlebt, Präsident Joseph S. Blatter mag sich ob seiner Wiederwahl bestätigt fühlen, aber es ist nicht mehr, wie es vorher war. Verhaftungen, Anschuldigungen rund um Korruption und Betrug um WM- und TV-Rechte-Vergaben haben den Verband zumindest in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert. Heute würde Bundeskanzlerin Angela Merkel beim FIFA-Boss nicht mehr das Bundesverdienstkreuz überreichen, sie würde für ihn eher eine Gefängniszelle suchen…

Das Erstaunlichste ist, dass Sepp Blatter seinem Namen als „Teflon-Präsident“ wieder alle Ehre gemacht hat. Alles prallt an ihm ab, er scheut sich nicht, mit blumigen Versprechungen in die Zukunft zu blicken. Korruption? Ein Vergehen Einzelner, Blatter spricht von einer guten Zukunft, will aufräumen. Was hat er in den bisherigen 17 Jahren seiner Präsidentschaft gemacht? Er hat vor allem die Fäden gezogen, hat sich um die Zustimmung der kleineren Verbände gekümmert und sich so eine Hausmacht gesichert. Die Seilschaften haben ihn jetzt bei der Wiederwahl nicht hängen lassen. „Die letzten vier Jahre“, hat er angekündigt – wie vor vier Jahren! Blatter hat vor allem im Geld gebadet, die FIFA besitzt ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar. Da darf man schon ein bisschen großzügig verteilen…

Platini der große Verlierer

Verlierer des FIFA-Kongresses in Zürich waren die Europäer. Sie kamen gegen Blatter nicht an und werden in Zukunft gegenüber den zahlenmäßig stärkeren Verbänden aus Afrika, Asien und Lateinamerika mit ihren Wünschen gegen eine Wand laufen. Das Sprichwort, „wer zahl, schafft an“ passt zwar zu Blatter, aber nicht zur UEFA. Sportlich ist Europa der Nabel der Fußball-Welt, von der Bedeutung her innerhalb des Funktionärsklüngels ist die UEFA ein Zwerg. Der große Verlierer heißt Michel Platini. Der UEFA-Präsident scheute sich, gegen Blatter anzutreten, jetzt hat er dennoch nur Niederlagen hinnehmen müssen. Selbst wenn Europa zusammen mit den starken Südamerikanern Brasilien und Argentinien zusammenstehen würde, kommen sie gegen die Masse der kleinen Verbände nicht an. An einen Boykott von Weltmeisterschaften als letztes Mittel sollte man lieber nicht denken. Aber die Idee liegt schon auf dem Tisch… Vielleicht muss Europa auch Geld in die Hand nehmen und mit Korruption gegen Korruption ankämpfen!

Der Sport-Grantler hat es schon einmal geschrieben, eine Gefahr droht Sepp Blatter höchstens von den Sponsoren. Wenn die ihre Macht des Geldes in die Waagschale werfen, kann die FIFA wirklich erschüttert werden. Die Weltkonzerne können es sich nicht leisten, dass der FIFA-Skandal an ihrem guten Ruf kratzt. Vielleicht liefern aber die Untersuchungen der Staatsanwaltschaften in den USA, England und der Schweiz doch noch Beweise, dass Blatter von den Machenschaften gewusst haben muss. Ein Wunder wäre das nicht, denn am Anfang seiner Regentschaft 1998 standen dubiose Briefumschläge mit Geld. Zahlungen von 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte. Blatter wies alle Vorwürfe immer zurück. Von allen Anschuldigungen, deren es in seiner Amtszeit viele gab, konnte er sich immer reinwaschen. Der „Persil-Blatter“ halt…

Die Bundesliga hat Spaß gemacht

Mit einem an Spannung nicht zu überbietenden Abstiegskampf ist die 52. Saison der Fußball-Bundesliga zu Ende gegangen. Am Schluss gab es Tränen: Bei den einen aus Freude, bei den anderen aus Trauer. Dennoch bleibt als Gesamtfazit fast für alle: Die Bundesliga hat Spaß gemacht. Der Sport-Grantler hat sich auf die Spurensuche der „Spaßvögel“ gemacht.

Bayern München: Logisch, die Bundesliga hat dem Meister Spaß gemacht, da war er der Dominator, hat teilweise Spaß-Fußball gezeigt und praktisch zu keiner Zeit um das Jubiläum bangen müssen, den 25. Titel! Weniger Spaß hatten Trainer Pep Guardiola und seine Jungs im Pokal und in der Champions League, da war jeweils im Halbfinale Endstation. Geblieben ist der Spaß in der Bundesliga und die Feier vor 20.000 Fans (so von den Bayern gezählt) auf dem Marienplatz. Dort gab es dennoch eine Double-Feier, weil sensationell auch die Bayern-Frauen Deutscher Meister wurden. Auch ihnen hat ihre Bundesliga Spaß gemacht.

VfL Wolfsburg: Die Konkurrenz beobachtet mit Argusaugen, was in Wolfsburg passiert. Wie weit kommt der VfL mit den Geldern von Volkswagen? Das Werksteam hat gezeigt: Weit. Die Vize-Meisterschaft war der erste Ertrag. Doch reicht es zum Erfolg auf Dauer? Auf jeden Fall hat die Saison den Wolfsburgern Spaß gemacht!

Borussia Mönchengladbach: Dem Dritten gebührt noch mehr Lob, Manager Eberl und Trainer Favre haben mit Geduld, guten Einkäufen und tollem Coaching aus einem Abstiegskandidaten ein Spitzenteam geformt. Die Borussia hat Spaß gemacht.

FC Augsburg: Das schwäbische Fußball-Wunder, als Fünfter noch vor Schalke und Dortmund, davon konnte man in der Fuggerstadt nicht einmal träumen. Der Klassenerhalt war das bescheidene und realistische Ziel, dann wurde der FCA von einer Erfolgswelle nach oben getragen, bis zur direkten Qualifikation zur Europa League. Vor fünf Jahren war der FCA in Deutschland ein kleines Licht, jetzt scherzen die Augsburger vor dem internationalen Debüt: In Europa kennt uns keine Sau. Sie haben ihren Spaß.

Jürgen Klopp: Es war ein schweres Jahr für Borussia Dortmund und seinen Trainer. Am 18. Spieltag noch Letzter, sprang am Ende wenigstens Rang sieben raus. Der Trainer nahm freiwillig zum Saisonschluss seinen Hut, wo er ihn wieder in den Ring werfen wird, ist derzeit unbekannt. Jürgen Klopp aber bei seinem wehmütigen Abschied in Dortmund: „Die Bundesliga hat Spaß gemacht“! Das Pokalfinale folgt noch, vielleicht mit einem krönenden Abschluss.

Huub Stevens: Der knorrige Holländer hat zum zweiten Mal den VfB Stuttgart gerettet, aber die Stuttgarter danken es ihrem Retter nicht, er muss gehen. Alexander Zorniger heißt sein Nachfolger, ein Nobody, der mit der Bundesliga Neuland betritt. Risiko für den VfB!!! Muss im Januar wieder Huub Stevens kommen? Er konnte nach der Rettung mit Fug und Recht behaupten: „Die Bundesliga hat Spaß gemacht“!

Roberto di Matteo: Ein großer Name auf dem Trainermarkt, schließlich hat er mit Chelsea London 2012 in München die Champions League gewonnen. Deshalb galt er bei Schalke 04 als Hoffnungsträger, sollte Wegbereiter für eine große Zukunft sein, doch es gab nur das große Jammern, Schalke und di Matteo, das passte nicht. Die Trennung wird prophezeit, denn so hat die Bundesliga keinen Spaß gemacht.

Alexander Meier: Mit 19 Treffern wurde der Frankfurter Torschützen-König, was erstaunlich ist, denn lange war er verletzt und fand sich anfangs auf der Ersatzbank wieder. Doch dann traf und traf er und am Ende schwächelte auch die Konkurrenz mit Verletzungen, also siegte Alex Meier vor den Münchnern Arjen Robben und Robert Lewandowski (beide 17 Treffer). Ihm hat die Bundesliga besonders viel Spaß gemacht.

Absteiger: Was? Kann das sein? Natürlich, am Ende werden auch die Absteiger mal zu dem Urteil kommen, „die Bundesliga hat Spaß gemacht“. Dann nämlich, wenn sie sich an die großen Zeiten erinnern. Neuling SC Paderborn ereilte das Schicksal, dass alle dem Aufsteiger prophezeit hatten, der SC Freiburg wehrte sich jahrelang erfolgreich, in diesem Jahr klappte es nicht. Auf baldige Rückkehr, denn wir wissen, die Bundesliga macht Spaß.

Aufsteiger: Sie feiern erst einmal und wir wissen, der nächste Kater kommt bestimmt. Die Aufsteiger jubeln und freuen sich, denn die Bundesliga macht Spaß. Ob der FC Ingolstadt und Darmstadt 98 in der Punktrunde dann noch Spaß haben, wird sich zeigen. Wenig Spaß werden die Gäste in Darmstadt haben: Ein veraltetes Stadion mit heruntergekommenen Kabinen. Dabei ist die Bundesliga ansonsten so stolz auf ihre modernen Stadien. Aber kann man deshalb dem Aufsteiger den Spaß Bundesliga verbieten?

Die Saison ist noch nicht ganz beendet, eine Reihe von Relegationsspielen steht an, es wird noch einmal Tränen der Freude und Trauer geben. Doch eines ist gewiss: Die Fans freuen sich schon auf den Neustart der Saison 2015/16 am 14. August (mit einem Heimspiel des Meisters). Denn sie wissen: Die Bundesliga macht Spaß!

Heißes Eis in Kanada, kaltes Eis in Deutschland

Die Eishockey-Weltmeisterschaft 2015 ist Vergangenheit, der Sommer kann kommen. Tschechien sah in Prag und Ostrau das wahrscheinlich beste Turnier seit vielen Jahren. Es gab eine große Zahl von begeisternden Spielen, vor allem aber einen souveränen Auftritt vom neuen Weltmeister Kanada. „Eishockey von einem anderen Stern“, urteilten manche Kritiker. Kanada nahm mit dem 6:1 im Finale Revanche an Russland, gegen das man 2008 und 2009 im Endspiel verloren hatte. Der letzte Titelgewinn gelang 2007 ausgerechnet in Moskau.

Sidney Crosby im „Triple Gold Club“

Jetzt der Jubiläumstitel, die 25. Meisterschaft in Tschechien. Für Kanada war das Eis heiß. Trainer Todd McLellan gelang es, die NHL-Stars zu einer echten Mannschaft zusammen zu fügen. Sie waren diesmal nicht auf Sightseeingtour in Europa, sondern konzentrierten sich auf den Sport. Allen voran Superstar Sidney Crosby, der Aufnahme in den „Triple Gold Club“ fand. Crosby schaffte den „Eishockey-Grand-Slam“, gewann nun nach Olympia-Gold und den Stanley-Cup auch die Weltmeisterschaft. Er ist allerdings der erste Spieler, der bei allen Pokalgewinnen Kapitän war!

In Tschechien erlebten wir eine Weltmeisterschaft der Begeisterung, der Stars und der Rekorde. Crosby war ja nicht allein, im gegenüber stand der russische Superstar Alexander Ovechkin, der allerdings erst zu den letzten Spielen einfliegen konnte und Russland nicht mehr entscheidend helfen konnte. Zum Superstar wurde aber auch Finnlands Torhüter Pekka Rinne, der 237 Minuten ohne Gegentor blieb und einen neuen WM-Rekord aufstellte. Für einen Rekord sorgten zudem die Zuschauer, 741.690 Besucher gab es noch nie. Sie sorgten vor allem aber auch für beste Stimmung bei einem der besten Turniere überhaupt.

Olympia-Qualifikation in Riga

Heißes Eis in Kanada, kaltes Eis in Deutschland. Das DEB-Team schlug sich wacker, konnte aber nur das Minimalziel erreichen, nämlich den Abstieg verhindern. Dabei wollte der neue DEB-Präsident Franz Reindl nach den Sternen greifen und fabulierte von der „Weltspitze“, die man erreichen wolle. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Deutschland war am Ende Zehnter und konnte sich in der Weltrangliste nicht verbessern. Bleibt also weiter Platz 13 und ein schwerer Weg zu den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea. Bei der Olympia-Qualifikation vom 1. bis 4. September in Riga sind neben einem Qualifikanten Gastgeber Lettland und Dauerrivale Österreich die Gegner. Keine leichte Aufgabe.

Keine leichte Aufgabe wird es auch, Deutschland wirklich in die Weltspitze zu führen. Die endet, sagen wir mal, bei Platz acht. Dort ist derzeit die Slowakei platziert und da muss Deutschland erst einmal Dauergast im Viertelfinale werden, um vozurücken. Franz Reindl beklagt in einem Interview mit http://www.hockeyweb.de dass der Deutsche Eishockey-Bund zuletzt vier Jahre Zeit verloren habe, weil es keinen Sportdirektor gab. Reindl war dies über viele Jahre hinweg und war zuletzt als Generalsekretär in entscheidender Position – also mitverantwortlich!

Kein Abstieg in Russland

Eishockey-Fans in Deutschland hoffen darauf, dass den großen Worten auch mal große Taten folgen. Als erstes wird der neue Bundestrainer erwartet, denn Pat Cortina, der in Prag mit vielen Absagen leben musste, hat wohl keine Zukunft im Verband. Mit Ruhe kann vor allem die nächste Weltmeisterschaft 2016 in Russland angegangen werden. Kanada, Finnland, die USA, die Slowakei, Weißrussland, Frankreich und Aufsteiger Ungarn sind in St. Petersburg zwar starke Gegner, aber vor einem Abstieg muss man nicht zittern: Deutschland und Frankreich sind als Gastgeber 2017 (Köln und Paris) gesetzt. Schlecht für Ungarn.

Bayern und Real: Umdenken!

Das Finale der Fußball-Champions-League findet erst am 6. Juni in Berlin statt, wer aber die Spiele im Halbfinale gesehen hat, der muss zugeben: Das eigentliche Finale hat es bereits gegeben! Der FC Barcelona und Bayern München waren die beiden besten Mannschaften, aber nur einer konnte die Fahrkarte nach Berlin lösen. Barcelona hat sie sich verdient. Verdient hat sie sich auch Juventus Turin, doch selbst den Spielern muss dies wie ein Wunder vorkommen, Real Madrid hat ihnen die Finalteilnahme fast auf dem Silbertablett serviert. Jetzt träumen die Fans der „alten Dame“ auch vom großen Coup, ganz nach dem Motto „Wunder gibt es immer wieder“.

Die Juve-Stars Gigi Buffon, Andrea Pirlo und Andrea Barzagli kehren dabei an den Ort ihres Triumphes zurück, als sie 2006 mit Italien fast ebenso überraschend Weltmeister wurden. In der Champions League gewann Turin zuletzt vor 19 Jahren! Dabei galt der Fußball in Italien als veraltet, am Ende, nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Juve hat dies widerlegt. Als Mannschaft war man stärker (und glücklicher) als die Stars aus Madrid, die zu keiner Einheit fanden. Trainer Max Allegri ist der Aufsteiger der Saison, er hat seinen Kollegen Carlo Ancelotti ausgetrickst, der nun um seinen Job bangen muss. Gegner FC Barcelona ist allerdings ein anderes Kaliber. Die „Tänzer“ Messi, Suarez und Neymar könnten die alten Herren aus Turin schwindlig tanzen…

Zuschauen müssen zwei Mitfavoriten. Bayern München träumte von einer „Berliner Festwoche“ mit Pokalfinale und Champions League (CL), es wird höchstens eine „Berliner Frustwoche“ beim Zuschauen. Viermal hintereinander im Halbfinale der CL gewesen zu sein, ist aller Ehren wert, aber warum man dreimal nicht den letzten Schritt machen konnte, sollte überdacht werden. Überhaupt, für die Bayern und Real gibt es ein gemeinsames Motto: Umdenken!

Fragen bleiben für Pep Guardiola

Bei Bayern München steht kein Trainerwechsel an, Pep Guardiola hat noch ein Jahr Vertrag und hat betont, dass er bleiben wird. Sogar von einer Vertragsverlängerung ist die Rede. Aber was die Zukunft angeht, dürfen die Bayern-Verantwortlichen nicht den Spanier machen lassen, sondern sie müssen die Richtung vorgeben. Sport-Vorstand Matthias Sammer muss mit dem Trainer die Mannschaft auch sportlich hinterfragen, es gibt nämlich genügend offene Fragen. Eines ist sicher: Der einst als weltbester Trainer gefeierte Guardiola hat Fehler gemacht. Er hat die einst weltbeste Mannschaft aus München nicht besser gemacht. Vielleicht hat sie attraktiver gespielt, aber nicht erfolgreicher als unter Vorgänger Jupp Heynckes. Barcelona hat den Bayern den Rang abgelaufen. Auffallend: In Bundesliga und international hatten die Bayern Probleme gegen starke Mannschaften!

Das muss hinterfragt werden:
Warum spielt Philipp Lahm nicht rechter Verteidiger, Rafinha genügt nicht den gehobenen internationalen Ansprüchen. Dagegen gibt es im Mittelfeld ein Überangebot an guten Spielern. Lahm muss sich notfalls fügen.
Für die Taktik mit der aufgerückten Abwehr fehlen die schnellen Spieler (Ausnahme Boateng). Benatia und Dante machen zu viele Fehler, da wurde Holger Badstuber vermisst. Guardiola muss da flexibler reagieren.
Beim CL-Triumph war das Mittelfeld mit Schweinsteiger und Javi Martinez das Herzstück. Martinez muss nach seiner Verletzungspause wieder dahin zurückkehren, auch er ist als Abwehrspieler zu langsam. Schweinsteiger sollte als „gestandener Bayernspieler“ einen Vorteil gegenüber Alonso haben.
David Alaba ist als Linksverteidiger noch besser und offensivstärker als Bernat, der dennoch ein Gewinner der Saison war. Alaba-Ribery ist das Glanzstück auf der linken Seite.
Was hat Pep Guardiola gegen Mario Götze und Thomas Müller? Der eine kommt kaum zum Einsatz, der andere wird unnötig (und falsch) ausgewechselt. Pep ist hier als Psychologe gefragt.
Die Bayern müssen Bayern bleiben, also ein Stopp der „Spanien-Welle“. Was ist, wenn Pep geht und die Spieler folgen? Verträge lösen sich dann in Schall und Rauch auf.
Was ist die Ursache der Verletzungsmisere? Beobachter haben festgestellt, dass bei den Bayern offensichtlich zu wenig intensiv trainiert wird. Das muss Sammer hinterfragen!

Andere Fragen bleiben offen, zum Beispiel die nach den Verstärkungen. Sind alle Mann an Bord, wird es schwer, die Mannschaft überhaupt zu verstärken. Ein Kevin de Bruyne wäre zwar willkommen, aber passt er ins System? Er ist ein Spieler, der den freien Raum liebt, den aber bekommen die Bayern selten. Starke rechte und linke Verteidiger sind da (Lahm und Alaba), sie müssen dort nur eingesetzt werden.

Zinedine Zidane für Ancelotti?

Pep Guardiola ist in einer guten Position, sein Stuhl wackelt nicht, wenn auch der Barcelona-Glanz ein bisschen abblättert. Er hat halt in München keinen Messi. Ganz anders geht es da dem Kollegen Carlo Ancelotti bei Real Madrid. Auch dort müsste es ein Umdenken geben, doch von Präsident Perez ist dies nicht zu erwarten. Er setzt auf Stars, aber eine Ansammlung von guten Spielern garantiert noch keinen Erfolg. Juventus zeigt, dass eine echte Mannschaft dagegen halten kann. Was Real braucht, ist mehr Ausgewogenheit im Kader und auf dem Feld.

Präsident Perez wird es bitter aufstoßen, dass Real wohl gänzlich ohne Titel bleibt (Barcelona dagegen nach dem Triple greift). Da muss sicherlich wieder ein Star her, deshalb ist auch Zinedine Zidane der große Favorit auf die Nachfolge von Ancelotti. Der einst weltbeste Fußballer hat sich zwar als Trainer noch keine Meriten erworben, doch das ist Perez egal. Da dürfte ein Jürgen Klopp keine Chance haben.

Mal sehen, wo das Umdenken wirklich stattfindet!

Boxen: The Show must go on

Wer außerhalb des Sports steht, der fragt schon einmal: „Ist Boxen eigentlich noch Sport?“ Die Frage ist sicherlich berechtigt, denn der Sport spielt bei den Profi-Kämpfen und den Machenschaften der Verbände keine Hauptrolle mehr, sondern ist nur noch der Mittel zum Zweck. Der Zweck heißt Aufmerksamkeit bekommen und Geld verdienen.

Typisches Beispiel war der sogenannte „Jahrhundertkampf“ zwischen Floyd „Money“ Mayweather und Manny Pacquiao am 2. Mai in Las Vegas, bei dem angeblich rund 300 Millionen Dollar umgesetzt worden sind. Komisch, nach dem Kampf hat man noch keine tatsächlichen Zahlen gehört. Vermutlich war die Summe wesentlich niedriger. Mayweather hat gewonnen, Pacquiao hat eine Schulterverletzung verheimlicht und prompt folgte bereits das Angebot eines Rückkampfes. Logisch, wenn man so gut verdienen kann…

Die wirklich großen Kämpfe sind rar geworden, das Boxen reißt einen kaum noch von den Sitzen und verzweifelt suchen die Verbände nach Attraktionen. Manchmal verkommt dies dann zu einer Kirmes-Show, zum Beispiel wenn sich der Amerikaner Shannon Briggs als Stalker von Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko betätigt, sich als Großmaul präsentiert und tönt: „Nur ich kann Klitschko schlagen“. Er macht das solange, bis er einen Kampf bekommt. Wetten, dass…? Nur einen sportlichen Wert hat dieser Kampf nicht, es zählt allein „The Show must go on“. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist entsprechend, also können alle Beteiligten auch Geld verdienen. Darum geht es.

Inflation der Weltmeister

Die verschiedenen Verbände machen sich auch lächerlich. Wer zählt die Verbände und kennt noch alle Verbände. Alles „Welt-Verbände“. Und weil Kämpfe interessanter sind, wenn es um eine Meisterschaft geht, am besten eine Weltmeisterschaft, dann werden eben Meister produziert. Dann gibt es Weltmeister, Interims-Weltmeister und notfalls auch Super-Champions. Eine Inflation der Titel. Typisch war das Spielchen vor dem Kampf von Felix Sturm gegen den Russen Fedor Tschudinow nach Version der World Boxing Association. Es sollte eine Interims-WM sein (was sowieso ein Mist ist) und wurde plötzlich eine WM. Typisch auch, dass sich Felix Sturm rühmt, dass er viermal Weltmeister geworden sei. Welch eine Leistung. Er hat seine Titel immer wieder sportlich verloren und wieder gewonnen. Neben ihm gibt es halt noch drei oder vier oder wer weiß wie viele „Weltmeister“.

Da erinnert sich der Sport-Grantler an seine Jugend, als er mit seinem Bruder im Kinderzimmer liebend gern geboxt hat und ihm dabei (aus Versehen natürlich) einen Zahn ausgeschlagen hat. Die Mutter hat quasi das Handtuch geworfen und den Kampf beendet, der Sport-Grantler war damit „Familien-Weltmeister“.

Verliert Wladimir Klitschko für die Show?

Boxen hat immer noch seine Anhänger, hat im Fernsehen beachtliche Einschaltquoten, die Hallen sind gefüllt, Kämpfer und Kämpfe werden sich also immer finden lassen. Es bleibt dabei, the Show must go on, auch wenn man zum Beispiel für Leute wie Wladimir Klitschko verzweifelt Gegner sucht. Vielleicht verliert Klitschko mal freiwillig, damit der nächste Kampf mehr Brisanz erhält. Könnte sein, dass in der Unterhaltungsindustrie Boxen so ein Drehbuch geschrieben wird.

Die Fußball-Bundesliga hat Angst vor der Provinz

Die Fußball-Saison geht in fast allen Ligen in Europa ihrem Ende entgegen. Jetzt geht es ans „Eingemachte“, um Meisterschaft, die Plätze in den europäischen Wettbewerben und gegen den Abstieg. Der vor allem ist bitter, denn es könnte sein, dass ein Verein über Jahre hinaus von der Bildfläche verschwindet. Kein Wunder also, dass die Angst umgeht. In Deutschland geht in der Fußball-Bundesliga allerdings noch eine andere Angst um: Die Angst vor der Provinz.

Die Konstellation ist schon seltsam. Im Oberhaus kämpfen Traditionsvereine wie der VfB Stuttgart und der Hamburger SV um den Klassenerhalt, im Unterhaus schicken sich Nobodys an, eine Etage höher zu klettern. Verliert die Bundesliga also an Bedeutung? Kommt der Zeitpunkt, dass die Vereine mit den großen Namen in der 2. Bundesliga spielen (Kaiserslautern, Nürnberg, 1860 München sind schon da)? Zur Erinnerung: Anfang des Jahres war sogar Borussia Dortmund, der Meister von 2011 und 2012, Tabellenletzter. Alles ist also möglich!

Sollten tatsächlich Stuttgart und Hamburg absteigen, was ja möglich ist, und zum Beispiel Ingolstadt und Darmstadt aufsteigen, dann würde dies zu einem eklatanten Zuschauerschwund führen. Rund 52.000 kommen im Schnitt in Hamburg zu den Spielen, knapp 50.000 sind es in Stuttgart. Ins Stadion am Böllenfalltor in Darmstadt passen gerade mal 16.500 Zuschauer, im Audi-Sportpark in Ingolstadt sind es sogar nur 15.000. Das sind keine Zahlen, mit denen ein Bundesligist protzen kann. Allerdings geht es nicht allein um die Heimspiele, sondern die Mannschaften aus der Provinz hätten bei ihren Gastspielen auch nicht die Zugkraft der Traditionsvereine wie Stuttgart und Hamburg. Provinzstädte mit 130.000 und 150.000 Einwohnern an Stelle von Großstädten. Die Bundesliga fürchtet um ihre Bedeutung.

England, Spanien, Italien, Frankreich als Vorbild

Kein Wunder also, dass sich die Manager Gedanken machen, wie man quasi dem Verfall der Bundesliga Einhalt gebieten kann. Sie vergessen dabei, dass bei den betroffenen Vereinen ganz einfach schlechte Arbeit geleistet wurde, sondern sie denken über ein „Rettungspaket“ nach. Christian Heidel, der Manager von Mainz 05, brachte jetzt wieder eine alte Idee auf den Tisch: In einem Interview regte er an, die Bundesliga von derzeit 18 auf 20 Vereine aufzustocken. Zwei Fliegen könnten mit einer Klappe geschlagen werden: Einerseits die großen Klubs in der Liga halten, andererseits sogar mehr Geld kassieren durch mehr Spiele.

Die Idee der Aufstockung ist nicht neu, wurde in der Vergangenheit allerdings immer wieder verworfen, weil hier auch einfach zu kurz gesprungen wird. Gut, die großen Ligen in Europa spielen mit Ausnahme der Bundesliga alle mit 20 Klubs, so in England, Spanien, Italien und Frankreich. Aber vergessen wird bei diesem Vorschlag, dass genau in diesen Ländern oft über den Stress der vielen Spiele geklagt wird und gerade nach der Weltmeisterschaft beneideten die anderen Nationen Deutschland und forderten für ihre Ligen auch nur 18 Klubs. Um Probleme zu beseitigen, würde man sich nur neue Probleme schaffen.

Der seltsame Trend bei den Aufsteigern

In der Tat ist der Trend bei den Aufsteigern schon seltsam. In den letzten Jahren gastierten Braunschweig und Paderborn im Oberhaus, was die Attraktivität keineswegs steigerte. Klubs mit großen Namen wie der 1. FC Nürnberg verabschiedeten sich dagegen. Ein Gründungsmitglied wie 1860 München befindet sich derzeit eher auf dem Weg in die 3. Liga als ins Oberhaus. Vor solch einem Durchmarsch nach unten haben alle Angst. Darmstadt dagegen könnte den Durchmarsch von unten nach oben schaffen, von der 3. Liga in die Bundesliga.

Besser als alle Verbesserungsvorschläge ist eins: Gute Arbeit in den Vereinen. Der Name allein schützt – wie man sieht – die Traditionsklubs nicht vor Abstürzen. Die Vereine aus der Provinz haben es allerdings schwer, sich auf Dauer im Oberhaus zu etablieren. Meist übersteigt das doch ihre Kräfte. Am Besten wird so ein Gastspiel einfach als Erlebnis gesehen. Die Bundesliga wird es verkraften. Die Angst vor der Provinz bleibt aber.

Pep, die Bayern und der Frust im Frühling

Im Frühling erwacht die Natur zu neuem Leben, im Herbst ist es dann wieder vorbei, die Blätter fallen. Beim Deutschen Fußball-Meister FC Bayern München gelten die Gesetze der Natur nicht. Die Bayern erblühen im Herbst und welken im Frühjahr. Gerade dann, wenn es um die Titel geht, welken sie dahin. Der Traum vom Triple, das 2013 unter Jupp Heynckes gelang, ist wieder ausgeträumt. Meisterschaft, Pokalsieg und den Pott der Champions League in den Trophäenschrank zu holen, ist ja auch eine besondere Leistung. Da muss alles passen. Und das tut es in diesem Jahr wieder nicht.

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr waren die Münchner frühzeitig Deutscher Meister und Trainer Pep Guardiola ließ sich zu der Bemerkung hinreißen, dass die Spiele der Bundesliga nur noch Nebensache seien. Die Spannung im Team ging verloren, eine gehörige Pleite gegen Real Madrid im Halbfinale der Champions League war die Folge. Das deutsche Double, der Sieg im Pokal, war da nicht mal mehr ein Trostpflaster.

Barcelona in Form, die Bayern im Krankenstand

Besserung im Frühjahr 2015? Nein. Eigentlich war dem Meister nach der Weltmeisterschaft ein schwieriger Herbst vorhergesagt worden, doch trumpften die Bayern auf, stellten die Weichen für eine erfolgreiche Titelverteidigung. Doch jetzt, im Frühjahr, geht die Mannschaft „am Stock“. Verletzungen am laufenden Band bringen alle Planungen durcheinander, von einer großzügigen und kräftesparenden Rotation kann keine Rede sein, ganz im Gegenteil, der Trainer muss froh sein, wenn er genügend erstklassige Spieler für die großen Aufgaben zur Verfügung hat. Der Gewinn der Champions League wäre unter diesen Voraussetzungen ein Wunder, zumal der Gegner diesmal FC Barcelona heißt und sich ganz im Gegensatz zu den Münchnern in Form zeigt. Wer soll Messi, Suarez und Neymar stoppen? Pep Guardiola war nach der Auslosung glücklich, wieder nach Barcelona zu kommen, er wird privat freudige Stunden erleben, aber sportlich wird er mit seiner neuen Mannschaft Bauchschmerzen bekommen.

In diesem Jahr ist es nicht gewollt, aber nach Lage der Dinge wird für den FC Bayern die Bundesliga wieder zur Nebensache. Einer nach dem anderen aus dem Luxuskader scheidet aus: Alaba und Ribery werden nicht rechtzeitig fit, Badstuber erneut verletzt, jetzt Robben wieder bis zum Ende der Saison draußen und ob der mit Gehirnerschütterung, Oberkiefer- und Nasenbeinbruch lädierte Torjäger Lewandowski noch helfen kann, steht in den Sternen. Wenn, dann geht er auf jeden Fall ein gesundheitliches Risiko ein. Spieler wie Lahm, Schweinsteiger und Martinez stehen zwar wieder zur Verfügung, aber in Bestform können sie nach unterschiedlich langen Pausen nicht sein.

Die Gesundheit! Sie spielt bei den Bayern eine besondere Rolle und ist unabhängig vom Rücktritt des Mannschaftsarztes Dr. Müller-Wohlfahrt zu sehen. Liegt es an den Ärzten oder nicht doch mehr an den Trainern? Die auffallend vielen Verletzungen müssen eigentlich Ursachen haben. Hier muss der Verein Ursachenforschung betreiben, um den Traum vom Triple für 2016 neu beleben zu können. So lange läuft auch der Vertrag von Guardiola.

Der Schiedsrichter half Dortmund

Spanier agiert allerdings auch in diesem Jahr äußerst unglücklich, zumindest was seine personellen Entscheidungen angeht. Beim Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund war nicht nur Pech dabei. Logisch, schon in der 55. Minute hätten die Bayern nach einem Handspiel von Schmelzer einen Elfmeter bekommen müssen und da war Topschütze Thomas Müller noch auf dem Platz. Als Torhüter Langerak Gegenspieler Lewandowski in Grund und Boden rammte, da war wieder ein Elfmeter fällig. Schiedsrichter Peter Gagelmann war also Wegbereiter für Dortmunds Sieg.

Den aber dennoch Guardiola hätte verhindern können. Warum nahm er Thiago nach 68 Minuten vom Platz? Warum Müller nach 76 Minuten? Gut, Thiago war leicht angeschlagen, Nachfolger Robben nach wenigen Minuten aber ganz kaputt. Das Pech konnte nicht größer sein. Der sprichwörtliche Bayern-Dusel blieb aus. Schweinsteiger, der für Müller kam, vergab dann die größten Chancen. Verzockt hatte sich Pep Guardiola auch mit dem Einsatz von Talent Mitchell Weiser. Der hatte ein Glanzsolo in der Bundesliga gegen Hertha BSC hingelegt, doch das war wohl mehr Zufall. Gegen Dortmund konnte er den Nachweis nicht erbringen, besser zu sein als Weltmeister Mario Götze. Pep Guardiola lag da falsch! Und alle sicheren Elfmeterschützen waren nicht mehr auf dem Platz!

Dortmunds schlechter Stil

Da passten die Slapstick-Elfmeter, als Lahm und Alonso beim Schuss ausrutschten, zum gesamten Ganzen. Kein Bayern-Dusel, sondern Bayern-Pech. Die Dortmunder feixten, fühlten eine gewisse Wiedergutmachung, nachdem ihnen im letzten Pokalfinale ein eindeutiger Treffer nicht gegeben wurde. Dass sie aber hinterher die Bayern verhöhnten, war nicht die feine Art, zumal die bessere Mannschaft ausschied. Dortmunds Spieler hatten keinen Grund, sich aufs hohe Ross zu setzen! Doch wer am Abgrund stand, feiert die Wiederbelebung vielleicht besonders euphorisch. 37 Punkte liegt Dortmund in der Bundesliga hinter den Bayern! Schlechter Stil Dortmund!

Die Bayern aber können gegen Barcelona nur auf ein Wunder hoffen. Die Meisterschaft als alleiniger Titel reicht bei den Münchnern nicht für eine erfolgreiche Saison. Da ist gefühlter Herbst im Frühling.