Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Gibt es bald keine Schiedsrichter mehr?

 

Nach dem Ausraster von Dortmunds Trainer Jürgen Klopp beim Champions-League-Spiel in Neapel sollte die Fußball-Welt nicht zum Alltag übergehen. Seine Bedrohung vom vierten Offiziellen in „Werwolf-Manier“ muss entsprechend geahndet werden und vor allem sollte Wiederholungen vorgebeugt werden. Allerdings ist fraglich, ob Jürgen Klopp wirklich eine harte Strafe erhält und damit ruhiger wird. Die UEFA hat ihn vorläufig mal für ein Spiel gesperrt und will das endgültige Urteil in der nächsten Woche fällen. Ein halbes Jahr Sperre wäre angebracht.

„Warum so hart?“, werden sich manche fragen. Ein Blick auf die Fußballplätze in Deutschland, auf den Spielbetrieb am Wochenende in den Dörfern gibt die Antwort: Sollte so eine Bedrohung eines Schiedsrichters nicht entsprechend geahndet werden, werden die Auswüchse auf den Dorfplätzen immer schlimmer. Schon heute müssen sich die Schiedsrichter dort oft wie Freiwild vorkommen, es ist ein Wunder, dass es noch genügend Unparteiische gibt. Es wäre kein Wunder, wenn es bald keine Schiedsrichter mehr gibt. Wer will sich denn freiwillig Beschimpfungen aussetzen, wer setzt schon freiwillig seine Gesundheit aufs Spiel? Das muss noch nicht einmal so weit gehen wie in den Niederlanden, als ein Unparteiischer zu Tode geprügelt wurde.

Wir sind nicht mehr weit davon entfernt. Schon heute haben viele Verbände Probleme, alle Spiele mit Unparteiischen zu besetzen. In Jugendligen ist man schon zu einer – auf den ersten Blick – abenteuerlichen, aber effektiven Regel gekommen: Die Jugendlichen entscheiden selbst, wann es ein Foul ist oder nicht. Meistens scheint das gut zu klappen, Probleme bereitet nur eine besondere Spezies – die Eltern! Sie versuchen von außen Einfluss zu nehmen. Da wären wir bei einem besonderen Problem der Gesellschaft: Die Erziehung und außerdem der Respekt.

Wer in der Öffentlichkeit steht, so wie Jürgen Klopp, der muss sich auch seiner besonderen Vorbildfunktion bewusst sein. Millionen sitzen an den Bildschirmen, darunter viele Kinder, und sie sehen einen beliebten Trainer, der einen Schiedsrichter bedroht. Schönes Vorbild! DFB-Abteilungsleiter Lutz-Michael Fröhlich sagt es deutlich: „Das Verhalten, das da zum Teil an den Tag gelegt wird, hat so ein aggressives Potential, dass daraus gewaltsame Exzesse entstehen können.“ Traurig darüber hinaus, dass es offensichtlich in Dortmund heißt, ohne diese Exzesse des Trainers könne auch die Mannschaft nicht ihr Potential abrufen, nicht ihr aggressives Spiel zeigen.

Ob in der Bundesliga oder international, solche Auswüchse müssen gestoppt werden, notfalls müssten die Trainer sogar ihre Lizenz verlieren. In Sachen Klopp wäre zumindest ein halbes Jahr Sperre für internationale Wettbewerbe angemessen. Außerdem sollte ihm eine Art „Zwangsjacke“ verpasst werden: Noch einmal, dann nie wieder Trainer!

Das es auch anders geht, zeigte Jürgen Klopp danach in Nürnberg, als er auch nach einer umstrittenen Entscheidung gegen Dortmund ruhig blieb. Außerdem hat er sich wieder einmal den Bart abrasiert, damit der Vergleich mit dem Werwolf zumindest nicht zutrifft. Bemerkenswert auch, dass Beobachter aufgefallen ist, dass sich Klopp vor allem dann so aufführt, wenn Dortmund zurückliegt. Andererseits hat sogar sein Torjubel ein großes Maß an Aggressivität. Die Losung aber muss lauten: Stoppt die Aggressivität! Der Respekt vor dem Gegenspieler oder dem Unparteiischen muss gefördert werden.

Das wäre doch mal einen Versuch wert: Sollen doch die Trainer in die Rolle des Schiedsrichters schlüpfen und entscheiden… Wäre wohl lustig anzuschauen!

Champions League: Die Bayern gegen den Fluch

 

Jetzt geht es wieder richtig los! Spieler und Mannschaften beklagen in den nächsten Wochen und Monaten die „englischen Wochen“, die Fußball-Fans freuen sich, es gibt kaum Tage ohne Fußball und Spannung ohne Ende. Am Dienstag und Mittwoch beginnt die Champions League, die große Geldmaschine des Sports, am Donnerstag zieht die Europa League nach.

Die Unterschiede könnten nicht krasser sein: Da die Champions League, die ja bei weitem nicht mehr ein Wettbewerb der Meister ist, sondern eine Ansammlung von prominenten Klubs. Dort die Europa League, die Franz Beckenbauer einmal respektlos den „Cup der Verlierer“ genannt hat. Was auch stimmt, schließlich finden da Mannschaften ihren Platz, die jetzt in der Qualifikation zur Champions League gescheitert sind, später Teams, die in der CL-Gruppenphase ausgeschieden sind. Die einzigen Sieger im Wettbewerb sind die nationalen Pokalsieger. Aber da kann es zum Beispiel sein, dass zweitklassige Vereine antreten. Attraktivität sieht anders aus.

Seltsam ist, dass sich im nationalen Wettbewerb die Vereine u. a. so positionieren, dass sie die internationalen Plätze als Ziel ausgeben. Ist das Ziel allerdings erreicht, beginnt auch schon das Klagen. Zum Beispiel darüber, dass die Belastung zu hoch sei oder, dass in der Europa League nicht so viel verdient werden kann, ja, dass sogar ein Verlust drohen kann. Der Unterschied ist frappierend: 8,6 Millionen Euro erhält in der Champions League allein jeder Klub bereits als Startgeld! So viel können die deutschen Vereine in der Europa League meist insgesamt nicht kassieren!

Erfreulich: In diesem Jahr sind wieder einmal vier deutsche Mannschaften in der CL dabei und sie sind alle nicht chancenlos die Gruppenphase zu überstehen. Allen voran natürlich Titelverteidiger Bayern München, der am Dienstag gegen ZSKA Moskau startet, außerdem Manchester City und Viktoria Pilsen als Gegner hat. Aber die Bayern kämpfen vor allem gegen den Sieger-Fluch: Kein Verein, nicht einmal der FC Barcelona, konnte bisher in der CL seinen Titel erfolgreich verteidigen. Der FC Chelsea schaffte im Vorjahr sogar ein Novum, als erster Cup-Inhaber die Gruppenphase nicht zu überstehen. Immerhin hielten sich die Londoner danach in der Europa League schadlos (Cup der Verlierer!) und holten dort den Pokal (im Supercup unterlagen sie Ende August bekanntlich den Bayern). Also, die Gruppenphase sollten die Bayern überstehen. Als Nahziel gilt das Halbfinale.

Wer könnte die Bayern ablösen? Der Kreis der Favoriten ist groß, es sind die üblichen Verdächtigen. Der FC Barcelona natürlich und Real Madrid, das wieder einmal Millionen für Spieler ausgegeben hat. Die englischen Teams wollen zurückschlagen, in vorderster Front Chelsea, Manchester United und Manchester City, das endlich mal über die Gruppenphase hinauskommen will. Sie alle haben neue Trainer und damit auch neue Hoffnung. Zu diesen Klubs gesellt sich noch Juventus Turin, als letzter italienischer Vertreter mit internationaler Klasse und das neureiche Paris Saint-Germain, wobei man hier erst mal warten muss, ob aus den teuren Stars auch eine Mannschaft wird.

Zu den Favoriten darf man aber auch Borussia Dortmund zählen. Logisch eigentlich als Finalteilnehmer des Vorjahres. Die Frage ist, welche Ziele Trainer Jürgen Klopp mit seinen Mannen angeht, bisher gelang es der Mannschaft nämlich nicht, Meisterschaft, Pokal und Champions League unter einen Hut zu bringen. Das Team scheint gut aufgestellt zu sein, ist bereits gut in Schwung (fünf Startsiege in der Bundesliga ist Vereinsrekord) und sollte sich auch in der zugegeben schweren Gruppe durchsetzen. Ein wichtiger Fingerzeig ergibt sich schon am Mittwoch beim SC Neapel, außerdem sind der FC Arsenal (mit Özil!) und Olympique Marseille die Gegner. Ein ausgeglichenes Feld, wo jeder jeden schlagen kann. Aber Vorteil Dortmund!

Bayer Leverkusen und Schalke 04 haben je ein englisches Top-Team als Gegner, die anderen Mannschaften sind zwar mit Vorsicht zu genießen, aber schlagbar. Leverkusen trifft auf Manchester United und muss auf Schachtor Donezk aufpassen, Real Sociaded San Sebastian ist immer für eine Überraschung gut. Schalke sollte sich hinter Chelsea einreihen, aber den FC Basel und Steaua Bukarest auf Distanz halten können. Es sei denn, der neue Hoffnungsträger Kevin Prince Boateng verletzt sich…

In der Europa League fehlen die großen Namen, ein bisschen Glanz verbreiten allenfalls der AC Florenz, Lazio Rom, Tottenham Hotspurs, FC Valencia, Olympique Lyon und Dynamo Kiew. Große Gegner haben auch die deutschen Vertreter nicht. Frankfurt trifft auf Bordeaux, Nikosia und Maccabi Tel Aviv, Freiburg auf Estoril, Liberec und FC Sevilla.

Die Ausgangspositionen der beiden deutschen Klubs sind sehr unterschiedlich. In Freiburg geht fast ein bisschen die Angst um, Trainer Christian Streich spricht von „einem Abenteuer“. Logisch, die Mannschaft hat eher an Substanz verloren und muss nun noch eine doppelte Belastung verkraften. Eintracht Frankfurt ist da anders aufgestellt, Trainer Armin Veh auch optimistischer, „wir wollen weit kommen“. Mal sehen, ob die Klubs was für die Länderwertung beitragen können oder früh scheitern. Es war schon lange kein deutscher Verein mehr vorne dabei.

Wie auch immer, der deutsche Fußball war im Vorjahr auf Europas Bühne überaus erfolgreich, ein deutsches Finale wird sich sicher nicht wiederholen. Aber die Fußball-Fans dürfen darauf hoffen, dass sie recht lange zumindest eine deutsche Mannschaft im europäischen Wettbewerb verfolgen können. Schöne Fußball-Abende stehen bevor!

Im Eishockey hat man nichts gelernt

 

Am Freitag, 13. September, beginnt die neue Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Ein Datum, das fast schon Programm sein könnte, denn im Eishockey geht nach wie vor vieles schief. Freitag, der 13., als Unglückstag ist da seit Jahren quasi jeden Tag…

Wer das deutsche Eishockey über die Jahre hinweg verfolgt hat, muss leider anmerken, dass man nichts gelernt hat. Heute gibt es immer noch die gleichen Probleme und Debatten wie vor 40 Jahren. Im Unterbau stimmt nichts, die Nachwuchsarbeit wird vernachlässigt und an der Spitze gibt es keine Fortschritte. So hat die Nationalmannschaft u. a. die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi verpasst.

Auch die Querelen wiederholen sich. In diesem Sommer gab es Streit um die 2. Bundesliga, die meisten Vereine wollten als Unterbau zur DEL wechseln. Der Verband war dagegen, sah seine Felle davonschwimmen. Erinnerungen an 20 Jahre zuvor, bei der Einführung der DEL wurden wach. Damals drohte die DEL zur „wilden Liga“ zu verkommen, setzte den Deutschen Eishockey-Bund unter Druck und es kam zu einem langen und unerquicklichen Gerichtsstreit, der dem Eishockey schwer schadete. Diesmal drohte der DEB damit, die 2. Bundesliga ein Jahr pausieren zu lassen, ehe man sich einigte und die zweite Liga dem Verband jetzt verloren geht, sie formiert künftig als DEL 2, aber einen Auf- und Abstieg gibt es nach wie vor nicht. Ein Novum im deutschen Sport, eine Anlehnung an den Profi-Sport in Nordamerika, bei uns aber immer noch gewöhnungsbedürftig. Und im Sommer hieß es über das Eishockey nur: „Die streiten mal wieder.“

Fast ein Wunder, dass die DEL bereits ein Jubiläum feiern kann, sie geht in ihre 20. Saison, wie zuletzt mit 14 Vereinen. Für die Hannover Scorpions, die aus finanziellen Gründen aufgeben mussten, rückten aus der zweiten Liga die Schwenninger Wild Wings nach. Die Plätze werden nicht sportlich vergeben, sondern werden verkauft.

Überhaupt regiert in der DEL vor allem das Geld. Mäzene und Konzerne sorgen seit Jahren dafür, dass der Rubel rollt und die DEL gedeiht. Der Glücksfall für die DEL war vor Jahren, dass viele die Städte die Mehrzweckhallen entdeckten und Eishockey neben Konzerten und Shows als Hallen-Füller sahen. Das sicherte der DEL das Überleben, aber ohne Sponsoren geht an der Spitze nichts. Finanziell sind diese Mehrzweckhallen ein Wagnis. Köln braucht 11.000 Zuschauer, um auf die Kosten zu kommen. Berlin, Köln, Hamburg und Mannheim freuen sich über ihre Geldgeber und moderne Hallen – und damit ist der ständige Favoritenkreis schon genannt.

München will jetzt das Fliegen lernen, der Brause-Hersteller Red Bull hat sein Herz für das Eishockey entdeckt und will bald um den Titel mitspielen. Das möchte auch gern Thomas Sabo in Nürnberg, doch dort tritt man ebenso auf der Stelle wie in Ingolstadt, wo der Saturn-Eigner Euro locker macht. Der Rest gleicht eher einem Armenhaus, wobei jetzt ein Anachronismus beseitigt wird, in Augsburg gehört das einzige Freiluftstadion der Vergangenheit an, das Curt-Frenzel-Stadion ist jetzt eine Halle. Die anderen Teams müssen im Winter bei ihren Spielen in Schwaben buchstäblich nicht mehr zittern.

Lustig ist, dass die Medien im Vorfeld der Meisterschaft nach Meister-Tipps fragen. Wer will das vor Saisonbeginn beantworten, wenn es nach 52 Spieltagen „Anlauf“ erst dann in den Play-Offs um die Entscheidung geht? Was bis zum 7. März passiert, ist danach nur noch Makulatur. Eine Tatsache, die die Fans der Vereine nicht schreckt, die aber auch dazu führt, dass Eishockey nur in den wirklichen Hochburgen ernsthaft wahrgenommen wird, aber bundesweit nur eine untergeordnete Rolle spielt und keineswegs mit Handball oder Basketball konkurrieren kann. Dazu kommt, dass die Weltmeisterschaft erst im Mai ausgespielt wird, diesmal vom 9. bis 25. Mai in Weißrußland. Eishockey ist fast keine Wintersportart mehr!

In den Anfängen der DEL machten die Verantwortlichen den Fehler, dem Lockruf des Geldes zu folgen. Sie verkauften die DEL für die Fernsehübertragungen an den Pay-TV-Kanal Premiere (heute Sky) und verärgerten so die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, die bis dahin immer ein Herz für das Eishockey gezeigt hatten. So verschwand Eishockey fast von der Bildfläche und die Bedeutung sank beträchtlich. Über Red Bull mit seinem Sender „Servus TV“ kam die DEL wieder ins frei empfangbare Fernsehen, aber auch der Spartensender kann die Zuschauer nicht locken. Manchmal nur 60.000 Zuschauer machen die DEL zu einer Liga nach dem Motto „ferner spielten“…

Fehler über Fehler also und das seit Jahren, ein Wunder, dass die DEL noch funktioniert und die Sponsoren ihre Lust nicht verlieren. So wird es ab Freitag in einigen Städten wieder eine Eishockey-Euphorie geben, mehrheitlich werden die Sportfans in Deutschland anmerken, „ach Eishockey gibt es ja auch noch“.

Nur wenige Fragezeichen im Löw-Team

 

Die Fußball-Bundesliga macht zwei Wochen Pause, die Nationalmannschaft rückt wieder einmal in den Blickpunkt. In den Länderspielen gegen Österreich am Freitag in München und Dienstag auf den Färöer Inseln sollen endgültig die Weichen Richtung Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien gestellt werden. Sorgenfrei ist Bundestrainer Joachim Löw nicht, denn die Abwehr patzte zuletzt und im Mittelfeld fehlen ihm mit Schweinsteiger und Gündogan gleich beide Strategen verletzt.

Dies ist allerdings auch die Gelegenheit für die Kontrahenten, sich zu zeigen und den WM-Kader zu empfehlen. Ein Blick auf die Auswahl zeigt jedoch, dass die Plätze fast alle vergeben sind. Im Löw-Team gibt es nur noch wenige Fragezeichen. So zum Beispiel die Frage nach Roman Weidenfeller. Wird Dortmunds Torhüter noch ein WM-Fahrer oder hält Löw an einem der jungen Keeper (Zeiler, ter Stegen oder Leno) fest.

Ein Überblick über die Zweikämpfe:

Neuer – Adler: Der Bayern-Torhüter ist die klare Nummer 1, die Frage bleibt (siehe oben), ob Roman Weidenfeller noch eingreifen darf oder nicht. Er könnte aber bestenfalls Adler als Nummer 2 verdrängen, die jungen Keeper müssten dann zu Hause bleiben. Wäre das sinnvoll oder sollten sie nicht lieber im Hinblick auf die Zukunft WM-Luft schnuppern?

 

Lahm – ?: Wenn der Kapitän einmal ausfällt, gibt es auf der Position des rechten Verteidigers nur ein großes Fragezeichen. Löw hat quasi keinen „Back up“, sondern höchstens Notlösungen parat (Boateng, Höwedes, L. Bender). Eigentlich ein Armutszeugnis. Gratulation an Philipp Lahm, er macht gegen Österreich sein 100. Länderspiel, ist die Nummer acht der ewigen Rangliste und kann auf den Färöer schon Thomas Häßler (101) und bald Franz Beckenbauer (103) einholen. Rekordmann ist Lothar Matthäus mit 150 Länderspielen.

Schmelzer – Janssen: Der Dortmunder Verteidiger galt zunächst als „Notnagel“, aber mangels Konkurrenz hat er jetzt einen Stammplatz. Fährt sicher zur WM, Marcel Janssen und als weiterer Kandidat Dennis Aogo (jetzt Schalke) sind nicht konstant genug in ihren Leistungen.

Mertesacker/Hummels – Boateng/Höwedes: Die erste Paarung ist wohl der Stamm für die Innenverteidigung, obwohl Per Mertesacker oft Schnelligkeitsdefizite offenbart und Mats Hummels durch Leichtsinn „glänzt“. Gerade Jerome Boateng hat bei Bayern zuletzt einen Schritt nach vorne gemacht und die Fehler minimiert. Er ist ein echter Herausforderer. Benedikt Höwedes kann auf allen Positionen in der Abwehr einspringen, ist überall ein Notnagel. Leider fehlt Holger Badstuber als echte Alternative verletzt.

Schweinsteiger – Gündogan: Beide fehlen in dieser Woche verletzt, beide sind aber sichere WM-Fahrer. Einen echten Konkurrenten für ihre Position gibt es nicht, Co-Kapitän Bastian Schweinsteiger sollte seinen Platz in der Stammelf behaupten, weil er mehr Erfahrung hat und die Mannschaft führen kann.

Khedira – L. Bender: Noch hat der Real-Star die besseren Karten, aber Lars Bender hat in den letzten Länderspielen gezeigt, dass er mehr als nur ein Ersatzmann ist, sondern eine echte Alternative. Jetzt muss er wohl Schweinsteiger ersetzen. Bruder Sven steht noch ein Stückchen dahinter.

Müller – Schürrle: Der Münchner hat wohl die Nase vorn, er ist nicht so ausrechenbar wie Schürrle und immer für die besondere Aktion gut. Thomas Müller kann überall im Angriff eingesetzt werden – ideal für den WM-Kader.

Reus – Podolski: Der Dortmunder hat hier die besseren Karten, Lukas Podolski hatte zuletzt Probleme mit dem modernen Spiel, bleibt aber fester WM-Kandidat. Andre Schürrle ist auch Herausforderer auf dieser Seite, dazu kommt der Leverkusener Sidney Sam. Da darf sich keiner ausruhen.

Özil – Götze/Kroos: Noch ist Mesut Özil der „Platzhirsch“ als Spielmacher, aber eine Formschwäche darf er sich nicht erlauben. Mario Götze und Toni Kroos wollen ihn beerben, haben aber nicht unbedingt das Vertrauen von Jogi Löw. Dahinter wartet aber auch noch Julian Draxler.

Klose – Gomez: Löw lässt seit einiger Zeit nur mit einer Spitze spielen und seitdem duellieren sich die beiden Torjäger. Miro Klose hatte zuletzt die Nase vorn, weil er spielerisch stärker ist als „Tormaschine“ Mario Gomez. Beide kämpfen in Italien um die Nummer 1. Vielleicht gibt es einen lachenden Dritten? Max Kruse beeindruckte zuletzt im Nationalteam und bei Gladbach und passt eigentlich gut zur Taktik von Jogi Löw.

Der Bundestrainer sagt immer, für jeden sei die Tür für den WM-Kader noch offen, aber im Grunde genommen steht der Kreis der Kandidaten fest. Schmerzlich wird nur kurz vor der Weltmeisterschaft die endgültige Auswahl, wenn manche zu Hause bleiben müssen. Das am Ende alle zu Hause bleiben müssen, wird wohl nicht passieren. Vom Weg nach Brasilien sollte sich die Nationalmannschaft nicht mehr abbringen lassen.

Die Woche des FC Bayern

 

Hat Pep Guardiola da etwas missverstanden? „Im Frühjahr müssen wir in Form sein, da werden die Titel vergeben“, hat der Trainer leise Kritik am etwas schleppenden Saisonbeginn des FC Bayern München abgewehrt. Wer sagt’s dem Spanier? Bereits am Freitag geht es um den ersten Titel und das Finale um den UEFA-Supercup ist an Prestige kaum zu überbieten: Bayern gewann diesen Pokal noch nie und wieder steht Pep Guardiola seinem alten Kontrahenten Josè Mourinho gegenüber, wenn Champions-League-Sieger Bayern in Prag auf Europa-League-Sieger Chelsea London trifft. Außerdem geht es für die Bayern um eine Revanche für die Finalniederlage in der CL von 2012.

 

Es ist überhaupt die Woche des FC Bayern, ob es eine erfolgreiche und glückliche sein wird, wissen wir am Freitag. Zunächst steht am Dienstag, 27. August, das vorgezogene Bundesligaspiel beim SC Freiburg auf dem Programm. In der jetzigen Phase der Meisterschaft mehr als ein Pflichtprogramm, schließlich gilt es in der Bundesliga weiterhin mit vorne weg zu marschieren, nachdem auch Dortmund, Leverkusen und Mainz ebenfalls dreimal siegten. Wer strauchelt als Erster? Pep wird in seinem Personalpuzzle darauf achten müssen, dass am Freitag alle in Form sind (nicht erst im Frühjahr).

 

Am Donnerstag steht für die Bayern, vor allem aber für Stürmer-Star Franck Ribery ein weiterer wichtiger Termin an: Die Wahl zum „Spieler des Jahres“ in Europa. „Dieser Titel wäre mir sehr wichtig“ gestand Ribery im kicker. Pep Guardiola betrieb wohl auch ein bisschen Wahlwerbung, als er betonte, Ribery sei der beste und sein wichtigster Spieler. Konkurrenten sind die üblichen Verdächtigen, nämlich Messi und Ronaldo. Allerdings haben beide auf der internationalen Bühne nichts geholt – im Gegensatz zu dem Franzosen. Die Stimmung bei den Bayern ist eindeutig: „Wenn nicht jetzt, wann soll dann einmal ein Bayern-Spieler so eine Wahl gewinnen.“ Im Zweifel müsste halt noch einmal der Champions-League-Sieg her! Ein Nachteil: Im Vorjahr hatten Messi und Ronaldo schon gegen Iniesta vom FC Barcelona das Nachsehen. „Düpiert“ die Jury die Welt-Stars ein weiteres Mal? Immer Messi oder Ronaldo ist aber auch langweilig. Es wählen übrigens 53 Journalisten unter Federführung des kicker. Ein gutes Zeichen?

 

Franck Ribery wäre vielleicht ein persönlicher Sieg am Donnerstag wichtiger als ein Erfolg mit der Mannschaft am Freitag. Ein Bayern-Sieg würde aber nicht nur die geglückte Revanche bedeuten, sondern wäre auch ein Signal an die Spitzenteams in Europa bzw. in der Welt: Seht her, wir bleiben die (vermutlich) beste Mannschaft der Welt! Die Bayern hätten vor allem in der Champions League den Vorteil, dass ihnen die Gegner mit besonderem Respekt begegnen. Hat Pep Guardiola die richtige Taktik gegen seinen alten Kontrahenten aus Spanien? Als Pep und Mourinho in Barcelona und Madrid das Sagen hatten, gab es viele Spannungen, am Ende war Guardiola der erfolgreichere, Mourinho der lautere und ekelhaftere von beiden. Brisanz ist also gegeben!

 

Übrigens Herr Guardiola: Noch ein wichtiger Titel wird noch in diesem Jahr vergeben, bei der Klub-Weltmeisterschaft wollen ja die Bayern München Mitte Dezember auch untermauern, dass sie die beste Mannschaft der Welt sind! Jetzt aber erst mal Chelsea schlagen…

Handball: Bergauf oder bergab?

 

Am Wochenende (25./26. August) beginnt die Handball-Bundesliga mit ihrer neuen Saison. Eine Saison voller Hoffnungen. Eine Saison aber auch, die zukunftsweisend sein kann. Die Frage stellt sich: Geht es mit der Sportart bergauf oder bergab?

 

Eine ist sicher: In Deutschland gibt es in der Öffentlichkeit im Sport vor allem Fußball, Fußball, Fußball. Danach kommt lange nichts. Nimmt man die Einschaltquoten im Fernsehen, dann haben Formel 1, Boxen und Biathlon noch vernünftige Einschaltquoten. Im Mannschaftssport konkurrieren Handball, Basketball und Eishockey darum, wer die Nummer 2 hinter „König Fußball“ ist. Bisher durfte sich Handball als „Kronprinz“ fühlen, vor allem wegen seiner Erfolge der Nationalmannschaft. Die blieben zuletzt allerdings aus. Handball wirbt aber auch damit, die „stärkste Liga der Welt“ zu haben. Das können die anderen nicht vorweisen. Allerdings: Drittklassige Fußballer ziehen im TV mehr Zuschauer an, als erstklassige Handballer. Das ist die Realität.

 

Die Handball-Bundesliga hat in dieser Saison die Chance, dass die Alleinherrschaft vom THW Kiel beendet werden kann. Seit 2005 hieß der Meister nur einmal nicht Kiel, 2011, als der HSV Hamburg das bessere Ende für sich behielt. Jetzt haben viele Stars die Kieler verlassen, die Mannschaft befindet sich im Umbruch, was die Konkurrenz hoffen lässt. Der Sieg von Flensburg im Supercup war schon ein Fingerzeig. Aber: Selbst Spannung in der Bundesliga sorgt nicht für mehr Öffentlichkeit, weil sich das Interesse auf die Städte konzentriert, wo Handball beheimatet ist. Wer neue Kundschaft gewinnen will, der muss dies über das Nationalteam tun. Und da denken die Vereinsfunktionäre im Handball zu engstirnig.

 

Seit Jahren klagen die Bundestrainer darüber, dass der Handball-Nachwuchs in der Bundesliga keine Chance habe. Die „stärkste Liga der Welt“ braucht Stars, der DHB für eine starke Nationalmannschaft aber deutsche Talente. Doch die sitzen auf der Bank, haben nur wenig Einsatzzeit oder spielen zweitklassig. Oft wird über eine Frauen-Quote diskutiert, der Handball braucht eine „Deutsch-Quote“. Das Eishockey hat es zum Teil vorgemacht und ist nicht schlecht damit gefahren, mehr deutschen Spielern eine Chance zu geben. Den Mut müssen die Vereins-Bosse haben, für eine Regelung zu sorgen, dass eine bestimmte Zahl von deutschen Spielern jeweils auf dem Feld stehen muss. Nur so lassen sich die früheren Erfolge der Nationalmannschaft wiederholen. Deutsche Spieler müssen Verantwortung auch in den Vereinen haben, müssen Stresssituationen kennen und internationale Erfahrung sammeln.

 

International stöhnen die anderen Verbände über die Dominanz der deutschen Vereine. Die Nationalmannschaft wurde zuletzt eher zur Lachnummer. Bleibt es dabei, wird die Handball-Bundesliga ihr Prädikat „stärkste Liga der Welt“ bald nicht mehr führen können, weil das Interesse der Öffentlichkeit erlahmt. Dass der TV-Sender Sport1 jetzt am Dienstag Fußball der Regionalliga – als vierten Liga! – den Vorzug vor Handball gibt, sollte ein letztes Alarmzeichen sein. Bergauf oder bergab? Es sieht leider eher nach einem Abwärtstrend aus.

Wer mehr verdient, spielt weniger

 

Das Leben ist ja manchmal paradox, warum soll der Fußball also eine Ausnahme bilden. Seltsam ist zum Beispiel, dass die Kicker bei den Top-Mannschaften einen Haufen Geld verdienen, dafür aber weniger zum Einsatz kommen! Das ist nämlich der neue Trend: Es gibt keine Stamm-Elf mehr (oder inzwischen eigentlich eine 13), sondern – siehe Bayern München – der Kader wird so verstärkt, dass eigentlich jeder Stammspieler ist, aber natürlich nicht alle auflaufen können. So heißt es also Schonung hier und Schonung da, damit die Kräfte dann gebündelt werden können, wenn es um die Titel geht.

 

Das Gegenbeispiel ist der SC Freiburg. Die Badener legten unter Trainer Christian Streich in der letzten Saison eine sensationelle Runde hin und waren am Ende sogar Fünfter, ergo direkt für die Europa League qualifiziert. Das schützte den Verein allerdings nicht vor Raub. Einige der besten Spieler zog es an andere Fleischtöpfe, jetzt steht Freiburg in der Bundesliga ohne Punkte da und wenn die Aufgaben auf Europas Bühnen zu lösen sind, eigentlich auch ohne konkurrenzfähige Mannschaft. „Wir müssen lernen und arbeiten, um Stück für Stück voranzukommen“, erklärt Streich. Sein Problem: Eigentlich möchte er unter der Woche trainieren, in den Europapokal-Wochen geht das aber nicht, dafür nagen zusätzlicher Reise- und Spielstress am relativ kleinen Kader. Die Freiburger Spieler verdienen weitaus weniger als die Bayern oder die Dortmunder, aber sie müssen quasi immer auf der Matte stehen. Wer weniger verdient, muss öfters spielen.

 

Es ist ja eigentlich eine neue Tendenz bei den Spitzenklubs, dass der Kader mehr Spitzenspieler verpflichtet werden, die dann auch wissen, dass sie keineswegs immer spielen werden. Zwar sagen sie alle „ich möchte immer spielen“, aber wer meutert, wird in die Schranken verwiesen. So hat sich Stürmer Mandzukic bei Bayern eine Schweigegelübde auferlegt, Mario Gomez dagegen das Weite gesucht und ist nach Florenz geflohen. Ganz einfach, er will spielen.

 

Bezeichnend einige Bankplätze und Auswechslungen am vergangenen Wochenende. Arjen Robben wurde bei den Bayern zunächst geschont, „ich möchte ihn mal verletzungsfrei durch die Vorrunde bringen“, verriet Trainer Pep Guardiola. Der neue Coach muss aber erst zeigen, ob er die Rotation so perfekt beherrscht wie sein Vorgänger Jupp Heynckes. In Dortmund ließ Jürgen Klopp Marco Reus zunächst auf der Bank, er konnte es sich leisten, hatte er doch die – unaussprechliche – Dreier-Reihe Blaszczykowski-Mkhitaryan-Aubameyang auf dem Platz. Reus kam später und verwandelte einen Elfmeter. In Barcelona gab es ein Novum, Lionel Messi wurde vorzeitig vom Platz geholt, der neue Trainer konnte es sich bei einem 7:0-Sieg leisten, hätte es wohl aber auch bei einem 2:0 gemacht. „Wir haben gelernt, wir müssen Messi mehr schonen.“ Nun verdient ja Messi wirklich einen Haufen Geld, dafür darf er sich jetzt mehr ausruhen.

 

Wer im normalen Berufsleben steht, könnte jetzt eine erneute Neid-Debatte lostreten. An den Stammtischen wird ja immer wieder über die zu hohen Gehälter bei Managern, Künstlern und Fußballern geklagt und gelästert. Im Fußball aber haben die Trainer erkannt, dass weniger manchmal mehr ist, hohe Gehälter hin oder her. Wer mehr verdient und weniger spielt bringt am Ende vielleicht doch mehr Ertrag.

20. August 2013