Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Mehr Angst vor der Hitze als vor den WM-Gegnern!

 

Jetzt kann die Fußball-Weltmeisterschaft kommen! Die WM-Auslosung bot allerdings nur wenig von der brasilianischen Lebensfreude und Begeisterung, wegen der wir uns auf diese Weltmeisterschaft freuen. Bleibt halt doch nur der sportliche Aspekt und da können sich Bundestrainer Joachim Löw und seine Mannen schon freuen: Das Los bescherte eine durchaus machbare Gruppe, der Blick kann nach vorne gerichtet werden. 

Portugal, Ghana und die USA sind Gegner, die durchaus ernst genommen werden müssen, die Deutschland aber auch schlagen muss bzw. gegen die man am Ende als Nummer eins der Gruppe dastehen muss, wenn man Weltmeister werden will. Ziehungsmodus und Losglück bescherten sehr unterschiedliche Gruppen. So dürfen Spanien und die Niederlande hadern (und mit ihnen Chile und Australien), denn der Gruppenzweite trifft im Achtelfinale wohl auf Brasilien. Glücklich sind damit freilich auch die Brasilianer nicht. Eine „Hammergruppe“ ist auch die Gruppe D mit Uruguay, Costa Rica, England und Italien. Ein „Großer“ muss ausscheiden! Als Gegenstück dazu gibt es die Gruppe C mit Kolumbien, Griechenland, Elfenbeinküste und Japan oder die Gruppe H mit Belgien, Algerien, Russland und Südkorea. 

Was bedeutet das für Deutschland? Portugal „lebt“ vor allem von Superstar Christiano Ronaldo. Ist er in Form, wird es gefährlich. Aber ein Mann allein macht noch keinen Sieger, da hat Deutschland mehr zu bieten. Ghana hat dagegen nicht den einen Superstar, aber einige Weltklassespieler und reizvoll ist vor allem das Duell der Boateng-Brüder. Als Mannschaft ist Ghana stärker einzustufen. Ja, und dann folgt das Aufeinandertreffen mit dem ehemaligen Bundestrainer und Löw-Chef Jürgen Klinsmann und den USA. Ein Geheimtraining kann sich Löw im Vorfeld schenken, die NSA wird für Klinsmann alle taktischen Kniffe ausspionieren… 

Der Weg ist eigentlich vorgezeichnet. Deutschland sollte Gruppensieger werden und trifft dann im Achtelfinale auf den Zweiten der Gruppe H, das könnte Russland sein, allgemein wird Belgien stärker eingeschätzt (Außenseiter mit Halbfinalchancen!), Südkorea könnte für eine Überraschung sorgen. Wie auch immer, der „Aufstieg“ ins Viertelfinale muss gelingen. Problem: Weite Anreise nach Porto Alegre und dort klimatisch schwierige Verhältnisse. 

Im Viertelfinale könnte Frankreich winken, eine schwere, aber lösbare Aufgabe, wenn Philipp Lahm seinen Mannschaftskameraden Franck Ribery in die Schranken weisen kann. Gespielt würde in Rio de Janeiro, da sollte die Hitze Frankreich keine Vorteile verschaffen. 

Geht also alles glatt, dann steht Deutschland im Halbfinale. Jetzt beginnt die WM erst richtig! Der Papierform nach könnten die Halbfinals Brasilien – Deutschland und Spanien – Argentinien lauten, die WM-Favoriten wären also unter sich, das Duell Südamerika gegen Europa auf dem Höhepunkt. Bela Horizonte wäre für Deutschland der nächste Spielort, quasi nur einen „Katzensprung“ von Rio entfernt. Offen ist allerdings, wie das DFB-Team überhaupt die Quartierfrage löst. Aber Brasilien wäre der Gegner, den man sich eigentlich erst im Endspiel wünscht. Doch wer Brasilien zu Hause ausschaltet, der sollte auch den Titel gewinnen! Wohlgemerkt „sollte“, „muss“ aber nicht… Vor allem darf der Bundes-Jogi da keine taktischen Fehler machen! 

Verfolgt man die Äußerungen nach der WM-Auslosung, so bleibt als Fazit, dass im deutschen Team die Angst vor der Hitze und den klimatischen Bedingungen größer ist als vor den WM-Gegnern. Egal ob Jogi Löw selbst oder Manager Oliver Bierhoff, die Rede war immer von den extremen Bedingungen. Hatten wir das nicht schon mal? Zum Beispiel in Mexico? Pech für das DFB-Team (Glück für uns Zuschauer zu Hause), dass Deutschland zweimal um die Mittagszeit antreten muss, also bei Hitze um die 30 Grad. Gegen Ghana (16 Uhr) ist es immerhin ein bisschen später. Aber austrainierte Profis sollten die Belastung verkraften können. Da muss auch die Vorbereitung stimmen und Löw bei den Aufstellungen Geschick beweisen, denn Wechsel sind möglich. 

Die WM kann also kommen – wenn die Stadien denn auch pünktlich fertig werden!

Erst die Gier, dann der Ärger

 

Was haben Fußball-Weltmeisterschaften und Olympische Spiele gemeinsam? Sie bereiten Ärger! In beiden Fällen war bei den Funktionären die Gier zu groß. Die Dollar- oder Euro-Noten in den Augen vernebelten das Hirn und versperrten den Blick auf die Probleme, welche die Austragungsorte bereiten könnten. Jetzt haben sie den Salat, sprich den Ärger und womöglich finden Fußballspiele und Olympische Spiele in nicht ganz fertigen Stadien statt!

Der jüngste Fall war das Unglück auf der WM-Stadionbaustelle von Sao Paulo. Ein Kran stürzte auf das Dach und verzögert nun die Fertigstellung. Am 31. Dezember sollten die Stadien fertig sein, jetzt wird es frühestens der 31. Januar, vielleicht auch später. Möglich, dass das Eröffnungsspiel gar nicht in Sao Paulo stattfinden kann, möglich auch, dass das eine oder andere Stadion in Brasilien bei der Weltmeisterschaft 2014 eher einer Baustelle als einem Schmuckstück gleicht.

Am kommenden Freitag, 6. Dezember, werden die Gruppen für die Fußball-Weltmeisterschaft ausgelost. In der Halle wird der schöne Schein überwiegen, dahinter allerdings werden Not und Elend sichtbar. Das wollen die Funktionäre rund um FIFA-Präsident Joseph Blatter natürlich nicht sehen. Es gilt allerdings als sicher, dass es auch während der WM Proteste geben wird, ähnlich wie beim Confed-Cup in diesem Jahr. Die Wut-Bürger in Brasilien werden dafür sorgen, dass Zuschauer, Gäste und vor allem die Fußballfunktionäre auch das Elend hinter dem schönen Schein sehen werden. Ob wir wirklich die viel beschworene Fußball-Begeisterung Brasiliens zu sehen bekommen?

Die Probleme in Katar bleiben darüber hinaus. Die WM wird dort erst 2022 stattfinden, sagen wir lieber, soll stattfinden. Schon jetzt gibt es aber jede Menge negative Schlagzeilen (Mangelnde Sicherheit auf den Baustellen, miserable Bedingungen für die Arbeiter). Das Scheichtum Katar wollte positive Werbung für sich haben, doch bekommen hat es Ärger und negative Schlagzeilen. Da waren wohl die Bestechungsgelder (die angeblich geflossen sind) zum Fenster rausgeschmissen. Jetzt werden wohl Scheichs und Fußballfunktionäre sagen, „den Ärger hätten wir uns ersparen können“.

Den Sportfunktionären des Internationalen Olympischen Komitees geht es nicht besser. Eigentlich verständlich, dass sie der Meinung waren, Russland müsste mal wieder die Spiele bekommen, zumal ja 1980 in Moskau durch den Boykott des Westens keine „richtigen“ Spiele waren. Allerdings müssten die IOC-Granden auch gesehen haben, dass Sotschi ein etwas seltsamer Austragungsort für Winterspiele ist und dies außerdem reine Putin-Spiele werden würden. Russlands Boss lässt zwar die Muskeln spielen, aber allein bauen kann er die Arenen nicht. Sotschi hinkt im Zeitplan stark hinterher, es ist heute zweifelhaft, ob alles funktioniert, ja sogar fertig wird. Bereits am 7. Februar 2014 geht es los! In diesen Tagen müssten eigentlich die ersten Tests beginnen, doch in Sotschi regieren Schlamm, Baulücken und Verzweiflung. Bei den derzeitigen Wetterkapriolen überall in der Welt können wir auf zwei Voraussagen bauen: Entweder werden es Frühlingsspiele (angeblich ist genug Schnee gebunkert) oder sie werden vom Winde verweht. Unerfreulich werden sie – abgesehen vom Sport – immer! Das steht jetzt schon fest.

Mit Rio de Janeiro als Ort für die Sommerspiele 2016 hat sich das IOC erneut Probleme aufgeladen. Ob es 2018 im Winter von Südkorea oder 2020 im Sommer von Tokio ruhiger sein wird? Wenn mal wieder die Erde in Japan bebt, dann sollte sie es dann tun, wenn sich IOC-Funktionäre dort befinden! Ein bisschen Angst würde nicht schaden und ein bisschen Verstand bei der künftigen Vergaben von Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen auch nicht!

Skispringer als mündige Sportler

 

„Eklat in Klingenthal“ – der Sport-Grantler klickte natürlich die Seite vom Videotext an, um zu erfahren, was dort beim Skispringen passiert war. Wirklich etwas Ungeheuerliches: Die Weltklasse-Springer Gregor Schlierenzauer (Österreich) und Anders Bardal (Norwegen) verweigerten den Sprung von der Schanze. Sie hielten einen Sprung angesichts des starken und böigen Windes für zu gefährlich. Sie widersetzten sich der Jury und fuhren wieder mit dem Fahrstuhl nach unten.

Bravo! So möchte der Sport-Grantler den Sportlern zurufen, sie zeigten sich nämlich wirklich als mündige Sportler. Wie oft mussten wir schon erleben, dass Entscheidungen von Verbänden, Funktionären oder Jury-Mitgliedern gegen jede Vernunft des Sportes getroffen wurden. „Ausbaden“ müssen dies immer die Athleten, die in einer Art Gehorsam hinnehmen, was die Regeln vorgeben. Aber, siehe Klingenthal, wer oben auf der Schanze steht, der hat halt doch einen anderen Eindruck, als Jury-Mitglieder weiter unten. Freilich, wenn das Beispiel Schule macht, wird es kaum noch einen regulären Wettbewerb geben. Aber gerade beim Skispringen, das besonders wetter- und windanfällig ist, darf die Gefahr nicht unterschätzt werden. Für die Jury heißt dies, lieber früher absagen oder abbrechen als nur einen schweren Unfall zu spät. Schlierenzauer und Bardal haben wohl an ihre Gesundheit und die nächsten Wettbewerbe gedacht. Ein schwerer Sturz und Olympia wäre vielleicht nur noch eine Fata Morgana.

Da wären wir schon mittendrin im Wintersport, der uns jetzt bis Mitte oder Ende März im Bann halten wird. ARD und ZDF starten wieder ihre stundenlangen Übertragungen am Wochenende, sehr zum Leidwesen von denjenigen Zuschauern, die ihre Lieblingssendung gestrichen sehen. Aber offensichtlich sind die Einschaltquoten für die Sender so gut, dass sie am Skisport festhalten. Sie haben außerdem dafür bezahlt.

Ein Blick auf die Einschaltquoten am ersten Wochenende zeigt, dass die Sender offensichtlich richtig liegen und von Seiten der Zuschauer Interesse vorhanden ist. Vor allem Biathlon erwies sich sofort wieder als Magnet, 3,48 Millionen Interessierte sahen am Sonntag bei der nicht einmal so populären Mixed-Staffel zu, ein Zuschaueranteil von 19 Prozent. 2,10 Millionen waren es beim Skispringen, sogar noch 1,9 Millionen beim Rodeln. Am Samstag sahen gerade einmal 1,4 Millionen das Spiel der WM-Qualifikation der Fußball-Frauen in der Slowakei! Auch die Fußball-Frauen freuten sich schon über mehr als vier Millionen Zuschauer, eine Zahl, die auch Biathlon bei attraktiven Wettkämpfen und zuschauerfreundlichen Übertragungszeiten leicht erreicht.

Die letzten Winter haben gezeigt, dass Biathlon inzwischen die Wintersportart Nummer eins ist. Dafür sorgten wohl vor allem die Erfolge in den letzten Jahren, allen voran von Magdalena Neuner, aber auch Michael Greis, Kati Wilhelm und anderen. Der alpine Skisport hat ebenso verloren wie das Skispringen, das allein bei der Vier-Schanzen-Tournee noch eine wirklich hohe Einschaltquote erzielt.

Biathlon hat es anderen Sportarten vorgemacht, dass man seine Wettbewerbe neu gestalten muss, um für Zuschauer an der Strecke und im Fernsehen interessant zu sein. So wurde die Verfolgung vor einiger Zeit neu erfunden und dazu der Massenstart. Die Abwechslung von Laufen und Schießen sorgt fast in jedem Wettbewerb für ständige Führungswechsel und macht es spannend quasi bis zum letzten Schuss. Vor allem auch bei den genannten Wettbewerben, wenn es Frau gegen Frau oder Mann gegen Mann geht. Die hohen Einschaltquoten sind also kein Wunder.

Zudem sind Athletinnen wie Magdalena Neuner oder jetzt ihre designierte Nachfolgerin Miriam Gössner beste Werbeträger für ihren Sport. Ihnen schaut man einfach gerne zu. Bleiben allerdings die Erfolge aus, dann wird auch die Schar der Fans zunehmend kleiner werden. Wir werden sehen, was in diesem Jahr für Andrea Henkel, Miriam Gössner (nach einer schweren Verletzung beim Radfahren), der Umsteigerin Evi Sachenbacher-Stehle und der Nachwuchshoffnung Laura Dahlmeier möglich ist. Bei den Herren sollten vor allem Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer vorne mithalten können. Aber sowohl bei den Damen als auch bei den Herren ist die Konkurrenz aus Norwegen, Russland (besondere Anstrengungen durch Olympia in Sotschi), Schweden, Frankreich, aber auch Finnland, Österreich, Italien, Ukraine, Tschechien und anderen Nationen sehr groß. Podestplätze könnten dünn gesät sein.

Aber auch beim Biathlon spielt das Wetter oft eine große Rolle, Kälte, Wind und Nebel können die Wettbewerbe beeinträchtigen. Auch hier sind weise Entscheidungen der Jury gefragt. Die Verletzungsgefahr ist da freilich nicht so groß wie beim Skispringen. Doch mündige Athleten wünscht sich der Sport-Grantler überall.

Die Sehnsucht nach einem Titel

 

Das Länderspieljahr 2013 der Fußball-Nationalmannschaft gehört bereits jetzt der Vergangenheit an, obwohl ein Höhepunkt noch bevorsteht: Die Auslosung der Gruppen für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien am 6. Dezember. Bundestrainer Joachim Löw hat danach noch eine Menge Arbeit mit der organisatorischen WM-Vorbereitung. So wird erst nach der Auslosung das WM-Quartier festgelegt. Sportlich allerdings ist „der Kas gegessen“, die Bilanz zweifellos positiv: In zwölf Spielen gab es bei neun Siegen und zwei Unentschieden nur eine Niederlage (3:4 in den USA mit einem C-Team). Wichtigster Fakt: Die reibungslose Qualifikation für die WM in Brasilien.

Beim Thema Nationalmannschaft dreht sich allerdings alles um einen Titelgewinn. Deutschland hat eine seit 1996 ungestillte Sehnsucht nach einem Titel. Vor allem die Medien machen dem Bundestrainer Druck: Wann gewinnt Jogi Löw endlich einen Titel. Nichts war es zuletzt sowohl bei der Europameisterschaft im Vorjahr als auch bei der Weltmeisterschaft 2010 trotz bester Voraussetzungen. Da hatte auch der Trainer taktische Fehler begangen!

Jetzt steht also Jogi Löw unter Zugzwang. Aber kann der Traum vom Titel überhaupt Realität werden? Die Spekulationen zu dieser Zeit sind eigentlich unsinnig. Die Verletzung von Stammspieler Sami Khedira hat deutlich gezeigt, wie schnell sich alles ändern kann. Zuletzt fielen alle Führungsspieler des Mittelfeldes aus – das kann auch vor dem WM-Turnier passieren! Deutschland könnte plötzlich von einem Favoriten zu einem Außenseiter werden!

Warten wir also die Auslosung ab, um dann erst die Chancen zu bewerten, wie das Turnier laufen könnte. Erst kurz vor der WM wird sich zeigen, welche Spieler fit sind und wer wirklich in Form ist. Tatsache ist allerdings, dass Löw einen Kader zur Verfügung hat, mit der Qualität Weltmeister zu werden. Dazu gehört neben dem Können auch eine Portion Glück und eben ein Trainer der taktisch alles richtig macht. Was die Qualität der Spieler angeht, lebt Löw von der Ausbildung in der Bundesliga und da hat er einen tüchtigen Kader. Was die Umsetzung in einem Turnier angeht, da muss Löw eben endlich seine Meisterprüfung ablegen.

Die Frage darf schon gestellt werden: Hat Löw die Mannschaft in den letzten Monaten wirklich weitergebracht? Seltsam sind manchmal seine Personalentscheidungen. So zeigt er Torjäger Stefan Kießling die kalte Schulter, weil der nicht ins Konzept passt, hält aber andererseits an Heiko Westermann fest, der letzte Vertreter des einstigen Rumpel-Fußballs. Auch hält er immer wieder an seinem „Hobby“ fest – die „falsche Neun“. Dies ist falsch, höchstens mal ein taktisches Stilmittel, um den Gegner zu verwirren. Außerdem hat sich Löw im Vorfeld des Duells der Bundesliga-Giganten Dortmund und Bayern taktisch falsch verhalten und für Unruhe gesorgt. Sein Pech auch, dass sich gerade Dortmunder Spieler in London verletzt hatten.

Es gibt aber positive Zeichen. Wie stark muss Deutschland sein, wenn Deutschland B sogar England A besiegt! Die Spitzenklubs Bayern München und Borussia Dortmund gehören zu den besten Klubs der Welt, was auch auf die Nationalmannschaft abfärbt. Die Stars sind erfolgreich, haben also das Siegen gelernt, tragen das Titel-Gen in sich! Löw sollte die Chance nutzen, die Spiele der U21-Nationalmannschaft zeigen auf, dass diesem „goldenen Jahrgang“ kein zweiter folgt. Das merken wohl auch die Fans und deshalb ist die Sehnsucht nach einem Titel so groß. Wenn möglich 2014, letzte Chance für diese Generation bei der EM 2016!

Die letzten Spiele der WM-Qualifikation standen übrigens auch im Zeichen der Wahl zum Weltfußballer des Jahres (im Januar). Die ersten Protagonisten sind natürlich Lionel Messi, Christiano Ronaldo und Europas Fußballer des Jahres Franck Ribery. Eigentlich müsste man auch Zlatan Ibrahimovic dazu zählen oder sollte ein Mann wie Philipp Lahm im engsten Kreis sein, obwohl er nicht als Torjäger glänzen kann. Die Kandidaten machten Werbung für sich: Ronaldo schoss Schweden ab, erzielte alle vier Tore in den Play-Offs, allerdings auch unter Mithilfe der schwedischen Abwehr und nach glänzender Vorarbeit seiner Nebenleute. Ibrahimovic konnte mit seinen Treffern das Blatt nicht wenden. Franck Ribery erzielte keinen Treffer, führte aber Frankreich zur WM und zeigte Nervenstärke: Nach dem 0:2 in der Ukraine wurde er in seinem Heimatland heftig kritisiert, zeigte sich aber unbeeindruckt und als echte Führungsfigur. Da hat er sich in Richtung Klasse-Fußballer entwickelt. Messi, zuletzt viermal in Folge vorn, dürfte keine Chance haben, er hatte ein „Seuchenjahr“ und blieb ohne Titel. Also bleibt eigentlich nur der Zweikampf Ronaldo gegen Ribery – und auch hier die Sehnsucht nach einem Titel!

Olympia ist immer ein Gewinn

 

Am Sonntag, 10. November, wird in Bayern wieder gewählt. Diesmal allerdings nur in einem Teil des Landes und keine Politiker stehen zur Wahl, sondern eine grundsätzliche Frage: Wollen wir Olympische Spiele – ja oder nein? Dies muss die Bevölkerung in München, Garmisch-Partenkirchen und den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden für ihre Region entscheiden. Die Frage: Soll sich München mit den Partnern für die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben oder nicht? Das Votum wird entscheidend sein. Bei einer Zustimmung wird sich München aber erst einmal bewerben, ob es den Zuschlag erhält, entscheidet sich erst 2015.

Gegenüber der Bewerbung für die Winterspiele 2018 haben es die Organisatoren diesmal geschickter angestellt, sie haben die Bevölkerung von Anfang an mit ins Boot genommen und in ihrem Konzept auch mehr auf die Umwelt geachtet. Deshalb sind nicht mehr so viele Wettbewerbe in Garmisch-Partenkirchen geplant, dafür ist das Biathlon- und Langlaufzentrum Ruhpolding mit dabei.

Aber München steht mit seiner Bewerbung nicht allein da, es gibt weitere interessante Aspiranten. So hat sich jetzt Peking gemeldet, mit dem 200 Kilometer entfernten Zhangijakou als Co-Gastgeber. Die Ukraine ist mit der Stadt Lemberg dabei, Polen schickt Krakau ins Rennen und will gemeinsam mit der Slowakei Olympia organisieren, aber der stärkste Gegner dürfte wohl Oslo sein, das norwegische Wintersport-Mekka.

Die Aussichten für München wären nicht schlecht, vor allem weil die Stadt schon für 2018 einen guten Eindruck gemacht hatte, wenn auch Südkorea mit Pyeongchang gewann. Aber 2014 ist Sotschi Gastgeber (Russland, aber fast schon Asien), 2018 Südkorea, 2016 Rio de Janeiro in Brasilien und 2020 Tokio Gastgeber der Sommerspiele, da ist, sagen wir mal Mittel-Europa also dran. Nachdem es in Sotschi Probleme gibt, Brasilien als unsicherer Kantonist gilt und selbst Japan nach der Reaktorkatastrophe mit Vorsicht zu genießen ist, sehnen sich die IOC-Mitglieder sicherlich wieder nach einem „ruhigen“ Austragungsort. Das wären sowohl München als auch Oslo, wobei München den Charme hat, als erste Stadt dann Sommer- und Winterspiele (1972 und mit 2022) zu beherbergen, also mit genau 50 Jahren Abstand!

Natürlich hat es bei der Bewerbung von München sofort wieder kritische Stimmen gegeben, die Olympische Spiele als „Monster“ sehen, als Steuergelder schluckendes Ungeheuer oder Umweltzerstörer. Diese engstirnigen Miesmacher übersehen, welche Chancen sportliche Großereignisse nicht nur für eine Region, sondern für das ganze Land haben. Bestes Beispiel ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, die zum Sommermärchen wurde und kräftig das Image der Deutschen verbesserte. München selbst war ja 1972  Beispiel dafür, dass Olympia ein Gewinn für die Stadt und Deutschland ist, trotz des Attentats auf israelische Sportler. Und München glänzt jetzt mit dem Konzept, weitgehend auf bestehende Sportanlagen zurückzugreifen. Besser geht es nicht.

Die Kritiker sollten wissen: Olympia ist immer ein Gewinn. Wer alles verhindern will, an dem wird am Ende der Fortschritt vorbeigehen. Und viele fordern, die Millionen für Olympia sollten lieber in die Schule oder Kunst gesteckt werden, dem sei gesagt, dass Olympische Spiele immer auch besondere Gelder flüssig machen.

Der Sport-Grantler hofft auf ein positives Votum und auf eine erfolgreiche Bewerbung.

Vettel und Red Bull töten die Formel 1

 

Er ist der jüngste Vierfach-Champion aller Zeiten, gerade mal 26 Jahre und 116 Tage alt und schon eine Legende. Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat das Zeug dazu, ein Held der modernen (Sport)Geschichte zu werden. Oder doch nicht? Als vor einigen Jahren Michael Schumacher die Konkurrenz in der Formel 1 in Grund und Boden fuhr, da herrschte Begeisterung unter den Fans. Die Triumphfahrten des Sebastian Vettel werden registriert – und gut ist es.

Warum ist das so? Schumacher brachte den Mythos Ferrari wieder auf Kurs, er war der erste deutsche Rennfahrer, der die Formel 1 beherrschte und die Massen begeisterte. Vettel bemüht sich zwar, möglichst sympathisch rüberzukommen, aber er hat keineswegs das Charisma eines Michael Schumacher. Und er sitzt in einer „Dose“. Der Rennstall Red Bull macht zwar eine hervorragende Arbeit, aber er ist ein künstlich geschaffenes Produkt, der Mythos fehlt. Viele trinken die Brause Red Bull, aber keiner mag den Rennstall Red Bull so richtig. Nicht Siege machen ihn sympathisch, sondern es wären eher Niederlagen. Das gilt auch für Vettel: Er ist der Konkurrenz zu überlegen, da sind seine Siege nichts Besonderes mehr, sondern alltäglich. So wird man kein Held. Siege im Ferrari oder Mercedes würden ihn zum Liebling der Massen machen. Außerdem wirken seine Siegesgesten nach den Rennen immer sehr gekünstelt. Er ist kein Mann des Volkes.

Andere Rennfahrer wechselten die Rennställe, nicht immer waren diese Entscheidungen glücklich. Scheut Vettel deshalb diesen Schritt? Schumacher brachte Ferrari auf die Siegesstraße zurück, das machte ihn unsterblich, nicht nur in Italien und Deutschland. Vettel mag zwar viel zur positiven Entwicklung des Red Bull beigetragen haben, aber der Hauptanteil an dem unschlagbaren Fahrzeug gilt wohl dem Technikchef, dem Genie Adrian Newey. Bleiben aber Red Bull und Sebastian Vettel unschlagbar, dann töten sie die Formel 1. Gleichzeitig wird ihnen der Spaß an den Siegen vergehen.

Die Formel 1 befindet sich in der Krise. Boss Bernie Ecclestone hat eine Betrugsaffäre am Hals, vielen Veranstaltern werden die Rennen einfach zu teuer, die Expansion in Länder, die für die Konzerne in der Formel 1 attraktiv sind, hakt, weil die Begeisterung für den Rennsport dort fehlt. Siehe Indien. Die Formel 1 wird für die Ausrichter zum Verlustgeschäft. So hat Valencia aus finanziellen Gründen verzichtet, ist Indien 2014 nicht dabei, wird das Rennen in Bahrain von politischen Unruhen begleitet, sind die Rennen in den USA keine Offenbarung. Die Formel 1 in der Krise und dazu fehlt die sportliche Spannung. Teuer bezahlte Langeweile will sich keiner leisten und keiner anschauen.

Quasi die letzte Hoffnung ist das neue Reglement im nächsten Jahr. Die Turbomotoren kehren zurück, dazu gibt es große aerodynamische Veränderungen. Wenn da die Konkurrenz Red Bull nicht die Grenzen aufzeigt, hat die Formel 1 endgültig verloren. Die Fachwelt traut Sebastian Vettel zu, dass er Michael Schumachers Rekorde, die einst für die Ewigkeit vermutet wurden, pulverisiert. Die sieben WM-Titel Schumachers, die Vettel 2016 erreichen könnte, könnten allerdings doch als Rekord Bestand haben. Wenn es die Formel 1 bis 2016 nämlich gar nicht mehr gibt! Vielleicht haben Red Bull und Vettel die Formel 1 bis dahin getötet!

Raubbau mit den Kräften im Spitzensport

 

Egal, ob beim Film, in der Musik oder im Sport – die großen Stars werden umjubelt. Manchmal bricht allerdings ob ihrer hohen Gagen auch der Neid durch. Doch bemitleidet werden sie eigentlich nie. Dabei hätten zum Beispiel die Sportstars manchmal unser Mitleid durchaus verdient. Gut, die Spitzenleute verdienen zumindest in den populären Sportarten viel Geld, aber sie müssen auch mit einem Raubbau an ihrem Körper bezahlen. Oft ist es nach dem Karriere-Ende bis zur Invalidität nicht weit.

Die Athleten sind in der großen Unterhaltungsindustrie Sport zwar die Hauptdarsteller, andererseits allerdings auch der Teil, der nichts zu sagen hat, sondern nur funktionieren muss. Früher hat sich ein Terminplan nach den Möglichkeiten eines Verbandes und seiner Athleten gerichtet, heutzutage schaffen die Geldgeber an. Siehe zum Beispiel den alpinen Skisport. Seit einigen Jahren beginnt die Saison Ende Oktober auf dem Gletscher in Sölden, dann geht es nach einer Pause Ende November in Übersee weiter. Die Rennen in Sölden sind eine reine PR-Veranstaltung. Natürlich werden Weltcuppunkte vergeben, aber manche Sportler verzichten auf einen Start, weil der richtige Saisonaufbau gestört wird.

Immer mehr Termine, immer weniger Pausen, das ist das Los im Spitzensport. Beispiel Fußball-Bundesliga. Die Spieler der Spitzenclubs gehen am Stock. Erst ein Viertel der Saison ist vorbei, aber bei Borussia Dortmund und Bayern München häuft sich die Zahl der Verletzten in einem erschreckenden Ausmaß. Notwendige Ruhepausen fehlen und so holt sich der Körper sein Recht, sorgt für eine Zwangspause und stoppt so den Raubbau mit den Kräften. Dabei wollen die Verbände FIFA und UEFA den Terminkalender eher noch mehr füllen (Stichwort Nationscup für Nationalmannschaft), anstatt Termine zu streichen.

Ähnliches gilt auch für Handball und Basketball. Dem Sport-Grantler ist aufgefallen, dass zum Beispiel im Basketball die nächste Zeit für die Spitzenteams in jeder Woche ein Europacupspiel neben der Bundesliga ansteht. An Training ist da fast gar nicht mehr zu denken. Vom Handball-Bundestrainer kennen wir die Klage, dass die Spieler überfordert sind. Die Bundesliga will in den für sie lukrativsten Zeiten spielen, die Nationalmannschaft bekommt nur ein paar Tage zugestanden, in denen der Bundestrainer sein Team kaum richtig in Form bringen kann. Doch Niederlagen werden nicht akzeptiert, Erfolge werden erwartet, egal, wie schlecht die Voraussetzungen auch sind.

Auch im Tenns oder Golf hören wir immer mehr von den Spitzenspielern, dass es einfach nicht mehr möglich ist, alle Turniere wahrnehmen zu können. Die Verbände setzen aber immer mehr Pflichttermine an, weil sie merken, dass die Sportler immer mehr Pausen einlegen wollen. Bald könnten Interessenskonflikte in einem Streik enden.

Viele sagen „selbst schuld, dafür kassieren sie auch“, aber auch der Sportfan ist der Dumme, weil er nicht die Leistungen sieht, die er erwartet. Manchmal sieht er auch nicht die Spieler, die er erwartet. Nehmen wir wieder den Fußball als Beispiel. Da wird für viel Geld eine Karte für ein Spiel von Bayern München erworben, aber Trainer Pep Guardiola bringt nicht sein bestes Team aufs Feld, sondern will einige Stars lieber schonen. Contento statt Alaba, kein Ribery oder Robben auf dem Feld, das hat sich dann mancher anders vorgestellt. Aber eine Garantie auf Stars und gute Leistungen gibt es nicht.

Eines ist aber sicher: Der Sport stößt an seine Grenzen.

TV-Werbung bei Sportübertragungen nervt nur

 

Werbung im Fernsehen ist ja nicht neu, wir müssen damit leben, seit des die privaten Sender gibt. Für den Sport-Grantler war die Werbung schon immer ärgerlich, ist sie doch meist so platziert, dass der Zuschauer kaum ausweichen kann und der Kunde eben eine entsprechende Aufmerksamkeit bekommt. Zum Beispiel kurz vor Schluss eines spannenden Filmes, wenn alle auf das Ende warten.

Besonders ärgerlich ist aber die TV-Werbung bei Sportübertragungen. Das ist dem Sport-Grantler wieder einmal am Sonntag bei der Übertragung der Formel 1 in RTL bewusst geworden. Normalerweise schaut der Sport-Grantler beim Bezahlsender Sky zu, weil dort das Rennen nicht durch Werbung zeitweise ausgeblendet wird. Diesmal war es ausnahmsweise RTL – und es war ärgerlich. Kaum hatte der Sport-Grantler verspätet eingeschaltet, um sich über den Stand des Rennens zu informieren, sah er – Werbung. Gut, dafür gibt es neben dem Internet auch den Videotext. Aber jetzt wartete er auf die ersten Bilder, die nach einiger Zeit kamen. Doch lange konnte er sich nicht an diesen erfreuen, dann wurde der Bildschirm für Werbung wieder unterteilt. Die Bilder vom Rennen waren allerdings so klein, dass nichts zu erkennen war. Der Reporter verhöhnte anschließend die Zuschauer: „Das Überholmanöver haben sie ja verkleinert gesehen.“ Nichts habe ich gesehen!

Schon oft hat RTL an der falschen Stelle ausgeblendet und musste entscheidende Szenen des Rennens nachliefern. Fast schon peinlich die Zwischendurch-Verabschiedung des Reporters: „Es ist weiter spannend, bleiben sie dran!“ Aber bitte, wenn es spannend ist, möchte ich auch Bilder sehen. Kaum ist das Rennen vorbei, gibt es – Werbung. Auf das endgültige Ergebnis muss der Zuschauer warten. Guter Service sieht anders aus. Besonders fies auch die unterschiedliche Länge der Werbeblöcke. Mal acht Minuten, mal nur vier, der Zuschauer kann sich nicht orientieren, muss quasi auf Sendung bleiben, damit er nichts verpasst. Unter anderem deshalb schaut der Sport-Grantler auch lieber bei Sky zu.

Werbung bei den Privaten nervt zum Beispiel auch beim Boxen. Gut, ARD und ZDF würden auch gern auf die Bilder in den Ringpausen verzichten und lieber Geld kassieren. Aber zu einem Boxkampf gehört halt auch dazu, wie die Boxer in den Pausen betreut werden, was der Trainer zu sagen hat. Der Zuschauer kann selbst sehen, in welchem Zustand sich der Kämpfer befindet. Bei den Privaten gibt es nur Werbung zu sehen, manchmal sogar zu lange, da stehen die Boxer nämlich schon wieder im Ring.

Die Werbung nervt aber auch bei Fußball-Übertragungen. Das Zuschauen wird fast zur Tortur, so oft gibt es bei manchen Sendern Werbeeinblendungen bzw. Hinweise auf weitere Sendungen bzw. Aktivitäten des Senders. Das Spiel selbst scheint nur Nebensache zu sein, dient allein zum Geldverdienen und um Zuschauer anzulocken. Für Zufriedenheit sorgt so eine Gehabe nicht.

Mit Schrecken denkt der Sport-Grantler schon daran, dass sich RTL die Übertragungsrechte für die künftigen EM- und WM-Qualifikationsspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gesichert hat. Wir „müssen“ zuschauen, weil es uns halt interessiert. RTL wird dafür sorgen, dass wir „gefoltert“ werden. Selbst der Pay-TV-Sender Sky (einst hieß es, Fernsehen ohne Werbung) muss sich u. a. über Werbung finanzieren, aber noch sorgt er nicht für Unterbrechungen von Spielen oder Rennen.

Es gibt immer wieder Kritik an den Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender. Zumindest der Sportfan weiß es zu schätzen, wenn er an den Abenden nicht von Werbung traktiert wird. Auch an den Sport-Nachmittagen ist die Werbe-Folter bei weitem nicht so groß wie bei den privaten Sendern.

Ob ein Zuschauer-Boykott helfen könnte? Das Problem: Interessante Spiele wollen wir halt einfach sehen.

Jogi Löw in der Medien-Falle

 

„Zauber-Fußball“ der Bayern und Erfolge der deutschen Klubs in der Champions League, Spannung in der Bundesliga und jetzt kommt auch noch die Nationalmannschaft hinzu, die wieder einmal für zwei Spiele die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Allerdings wird nicht über die Mannschaft als solche diskutiert, sondern vor allem über Spieler, die gar nicht dabei sind. Besonders Stefan Kießling hat es den Medien angetan. „Löw in der Kießling-Falle“ hieß eine Schlagzeile im kicker, aber eigentlich befindet sich Bundestrainer Joachim Löw in der „Medien-Falle“.

Erinnern wir uns: Das hat es schon immer gegeben, dass Bundesliga-Torjäger in der Nationalmannschaft keinen Fuß auf den Boden gebracht haben. Oder wurde nicht einst auch Sepp Herberger kritisiert, weil er an den Spieler aus Kaiserslautern festgehalten hat? Die Fans wollen Siege sehen, wollen Tore sehen und erfreuen sich an einem schönen Spiel. Siehe Bayern, das geht auch ohne einen echten Mittelstürmer, mit der im Fußball neu kreierten „falschen Neun“. Das müssen wir Jogi Löw zugute halten: Er hat sein Konzept und da passt eben Stefan Kießling nicht hinein. Steht die Mannschaft auf dem Platz, fallen Tore, ruft keiner (außer den Medien) nach dem Leverkusener Torjäger. Aber wehe, es fallen keine Tore…

Jogi Löw steht unter Druck, ein Bundestrainer steht immer unter Druck, aber der Freiburger derzeit besonders. Er hat viele talentierte Spieler zur Verfügung, die Vereine sorgen international für Furore, also warum die Nationalmannschaft nicht. Die Fans, aber vor allem die Medien, lechzen nach dem großen Wurf, ein Titel muss her. Bei der Europameisterschaft klappte es nicht, also bitteschön dann eben bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Da wird in den entsprechenden Fernsehsendungen und in den Zeitungen gern ausgeblendet, dass noch niemals eine europäische Mannschaft in Südamerika gewinnen konnte! Da wird ausgeblendet, dass es mit Gastgeber Brasilien, Titelverteidiger Spanien, Argentinien und Italien zumindest vier Teams gibt, die mit Deutschland auf eine Stufe gestellt werden können. Der Weg könnte auch für einen Außenseiter frei sein, bei einem Turnier braucht man auch viel Glück. Das kann Jogi Löw nicht beeinflussen.

In der Medien-Falle steckt Löw auch im Bezug auf die Dortmunder Spieler. Immer wieder werden Torhüter Roman Weidenfeller und Allrounder Kevin Großkreutz gefordert. Wetten, dass beide am Ende im WM-Aufgebot auftauchen? Für Löw sollte es eine Frage der Form sein (Torhüter) oder Verwendbarkeit bei einem Turnier (Allrounder), nicht eine Frage der Medien.

Eines muss der Sport-Grantler allerdings Jogi Löw ankreiden: Im Krisen-Management hat er sich nicht geschickt angestellt. Gespräche mit Kießling und in Dortmund hätten schon viel früher stattfinden müssen, eine klare Linie hätte festgelegt werden müssen, damit auch in den Medien alle Spekulationen nur noch Schall und Rauch sind.

Was viele vergessen: Noch ist Deutschland nicht in Brasilien. Mit einem Sieg am Freitag gegen Irland wäre die Fahrkarte gelöst. Wehe nicht! Es gibt zwar noch eine letzte Chance am 15. Oktober gegen Schweden, aber darauf sollte es das DFB-Team nicht ankommen lassen. Kein Tor gegen Irland – den Medien-Rummel möchte der Sport-Grantler sehen!

Basketball-Bundesliga: NIcht glücklich über den Glücksfall Bayern

 

Am Mittwoch, 2. Oktober, beginnt die neue Saison der Basketball-Bundesliga. Natürlich gibt es hier kein Ballyhoo wie im Fußball, aber gegenüber den Konkurrenten Handball und Eishockey hat sich Basketball hierzulande ziemlich sicher als Nummer zwei der Ballsportarten etabliert. Mitgeholfen hat dazu eine Galionsfigur wie Dirk Nowitzki, aber zuletzt auch das Engagement des FC Bayern München. Wo die Bayern dabei sind, sind auch Schlagzeilen garantiert, die Basketball-Bundesliga ist also im Gespräch.

Die Bayern haben zwar aktuell noch nichts gewonnen, aber sie sind bereits ein Zugpferd der Liga. Die Konkurrenz ist aber nicht nur glücklich über den Glücksfall. Die Bayern haben nämlich damit angefangen, bei den Konkurrenten zu wildern. So kamen allein vier Spieler von Alba Berlin, einst ungekrönter König im Basketball. Jetzt mussten die Berliner eine neue Mannschaft aufbauen (zwölf Spieler neu!) und Geschäftsführer Marco Baldi lästert Richtung München: „Das Scouting ist nicht sehr einfallsreich.“ Mit John Bryant aus Ulm haben die Bayern außerdem den besten Spieler der letzten Saison geholt und damit zählen sie fast schon logisch zum Favoritenkreis. Allein Titelverteidiger Brose Baskets Bamberg traut man zu, die Bayern zu stoppen. Schon im vergangenen Jahr lieferten sich die beiden bayerischen Konkurrenten heftige und reizvolle Duelle.

Beobachter fragen sich, ob das Engagement der Bayern aufgeht. Präsident Uli Hoeneß outete sich als Basketball-Fan, also sollte Basketball nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden wie einst Eishockey aus der Bayern-Familie vor Jahrzehnten unter Wilhelm Neudecker. Uli Hoeneß will Basketball in München nachhaltig etablieren und die Bayern haben es auch geschafft, dass die alte Rudi-Sedlmayr-Halle, heute Audi Dome, fast immer ausverkauft ist. Rund 6700 Zuschauer reichen allerdings nicht und die Bayern setzen diesbezüglich auf Red-Bull-Besitzer Mateschitz. Der Brause-König hat sich im Eishockey eingekauft und will im Olympiapark eine Mehrzweckhalle für 10.000 Zuschauer bauen – mit Bayern-Basketball als Untermieter.

Die Konkurrenz im Basketball beklagt, dass die Bayern viel Geld ins Basketball stecken, dass der Profi-Fußball hier als Geldgeber fungiert. Uli Hoeneß bestreitet dies: „Von den Profis gibt es keinen Euro, Basketball muss sich selbst tragen.“ Fakt ist, dass sich die Bayern auch Verluste beim Basketball leisten könnten. Fakt ist allerdings auch, dass Erfolge im Basketball für die Bayern notwendig sind, sollte der Namen keinen Schaden nehmen. Fakt ist auch, dass die Bundesliga von den Bayern profitiert. Sichtbar wird dies auch beim Fernsehen. Sport1 ist Partner der BBL und hat sich für den ersten Spieltag für Donnerstag gleich die Partie Bonn – Bayern ausgesucht. Es ist wie immer: Der Name Bayern garantiert hohe Einschaltquoten. Und ein Anreiz bleibt für die Konkurrenz: „Für uns gibt es nichts Schöneres, als solche Großen zu ärgern“, freut sich Ulms Geschäftsführer Stoll. Da befinden sich die Bayern-Basketballer also schon auf den Spuren der Fußball-Profis.

Übrigens hätten es die Bayern mit einer anderen Mannschaft im Verein leichter gehabt Titel zu holen: Das Team der Damen in der Frauen-Bundesliga aufzupäppeln wäre sicher billiger gewesen. Der VfL Wolfsburg hat es vorgemacht und innerhalb kürzester Zeit bei den Frauen das „Triple“ geholt. Die Bayern-Mädchen müssen da mit einem vergleichsweise geringen Etat leben. Aber Basketball schien den Bayern-Bossen reizvoller zu sein und findet wohl auch international mehr Beachtung. Auch der FC Barcelona und Real Madrid haben erfolgreiche Basketball-Abteilungen. Und zu den Klubs schielen die Bayern immer. Dass der Name Bayern auch international zieht, zeigt sich daran, dass die Bayern eine Wild Card für die Champions League im Basketball erhielten. Auch international erweisen sich die Bayern-Basketballer als Glücksfall. Mal sehen, wann der erste Titel fällig ist.