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Fußball in Europa: Favoritensterben in den Top-Ligen

Nicht nur in der Bundesliga ging am vergangenen Wochenende die Fußball-Saison 2020/21 zu Ende, sondern mehr oder weniger in ganz Europa. Deshalb lohnt sich ein Blick über die Grenzen. Eins vorweg: Es ist fast ein Wunder, dass trotz der Corona-Pandemie der Profi-Fußball seine Punktrunden fast reibungslos über die Bühne gebracht hat. Für negative Schlagzeilen sorgte dann weniger Covid-19, sondern es waren eher Vereinsbosse mit kranken Ideen, befallen vom Virus Geld. Die Super League lässt grüßen.

Dabei war der Sport eigentlich interessant genug. In den Top-Ligen gab es das große Favoritensterben, der FC Bayern München war die Ausnahme, der einzige, der seinen Titel wieder souverän verteidigt hat. Auf der Meisterliste fehlen die üblichen Namen wie Real Madrid, FC Barcelona, Juventus Turin oder Paris St. Germain, auch Jürgen Klopp konnte mit dem FC Liverpool seinen Titel nicht erfolgreich verteidigen.

Wobei der Gewinn der Meisterschaft in der Premier League für Pep Guardiola und Manchester City fast schon ein Wunder ist. Vor einigen Monaten war damit gar nicht zu rechnen, City lief der Musik hinterher, der Spanier verzweifelte fast, das Verletzungspech schlug zu und die Form der Mannschaft stimmte nicht. Doch Guardiola gelang es, das Ruder herumzureißen, City marschierte wieder und am Schluss sogar vorneweg. Jetzt fehlt ihm nur noch die Krönung im Finale der Champions League am Samstag, einem Titel, dem er in den fünf Jahren bei City hinterher läuft. Verletzungspech hatte auch Jürgen Klopp beim FC Liverpool, vor allem der Ausfall von Abwehr-Ass Virgil van Dijk tat weh, zumal zwischendurch alle gestandenen Innenverteidiger ins Lazarett wechselten. Neue Abwehrrecken wie Ozan Kabak von Schalke 04 mussten her, dass es am Ende noch Rang drei wurde, bezeichnete Klopp sogar als „Wunder“. Manchester United landete noch davor, Thomas Tuchel rettete sich mit Chelsea London auf Platz vier und zog wieder in die Champions League ein. Soll erfüllt. Dabei musste aber Tottenham mit einem Sieg in Leicester Schützenhilfe leisten. Der Lohn für die Hot Spurs ist die Conference League, Leicester tritt mit West Ham United in der Europa League an.

Einem ist das zu wenig, Tottenhams Torjäger und Idol Harry Kane will den Verein verlassen, er will Titel gewinnen. Dort wo Geld ist stehen ihm die Türen offen, bei City, United und Chelsea. Pep Guardiola vergoss sogar Tränen, weil sich sein Torjäger verabschiedet (nach Spanien). Sergio Aguero kam rechtzeitig aus einer Verletzungspause zurück, um mit seinen Treffern 183 und 184 für ein und denselben Verein beim 5:0 gegen Everton den alten Rekordhalter in der Premier League, Wayne Rooney (183 für Manchester United), abzulösen. „Wir können ihn nicht ersetzen“, stöhnte Pep. Wer kann schon Torjäger ersetzen? Deshalb stehen Harry Kane die Türen offen.

Auch Bayern München musste ja in der Champions League erfahren, dass es ohne Torjäger nicht geht. Robert Lewandowski fehlte gegen Paris St. Germain verletzt und die Bayern schieden aus. Eine erfolgreiche Saison wurde es für Paris aber nicht. Die Nachwehen des verlorenen CL-Finals im Herbst gegen die Bayern wirkten lange nach. Trainer Thomas Tuchel brachte seine Mannen nicht in Schwung und verlor in der nationalen Meisterschaft entscheidend an Boden. Der Deutsche musste gehen, der Argentinier Mauricio Pochettino, voher in Tottenham, sollte den Erfolg zurückbringen. Es gelang nicht, Paris, ununterbrochen Meister seit 2013, hatten gegenüber den Underdogs vom OSC Lille das Nachsehen. Die „Doggen“, wie Lille genannt wird, bissen mit dem Ex-Bayern Renato Sanches in ihrem Team zu und wurden sensationell Meister.

Ja, die Favoriten hatten es überall schwer. Ein böses Erwachen gab es auch für Juventus Turin, Dauermeister in Italien seit 2012, doch nach neun Titeln in Folge war Endstation. Peinlich vor allem für Ikone Andrea Pirlo, der einst vergötterte Spielmacher Italiens musste erkennen, dass ein Weltklassespieler nicht sofort ein Weltklassetrainer ist. Jetzt stellt sich die Frage, ob er bleiben darf. Ein Problem konnte er vor allem nicht lösen: Cristiano Ronaldo ließ zu oft den Star raushängen und sonderte sich zu sehr von der Mannschaft ab. Ein Team war Juve also nicht. Es wird gemunkelt, dass Ronaldo zu neuen Zielen aufbricht. Die Bayern schauen übrigens auch auf Turins Sturz, auch sie stehen ja jetzt bei neun Meisterschaften in Folge. Wird es Nummer 10 mit einem neuen Trainer? In Italien gab es aber das große Comeback der Mailänder Klubs, Inter vor dem AC an der Tabellenspitze, das erinnerte an alte Zeiten. Atalanta Bergamo darf als Dritter glücklich sein, Juve rettete sich gerade noch in die Champions League, weil Neapel gegen Hellas Verona nicht gewann.

Die großen Namen mussten auch in Spanien leiden. Der FC Barcelona und Real Madrid machten eher neben dem Spielfeld Schlagzeilen. Zum Beispiel (mit Juve) mit der Ausrufung der Super League. Das war ein Schuss in den Ofen, jetzt will die UEFA disziplinarisch gegen die Klubs vorgehen. In Barcelona ging es vor allem wegen Star Messi drunter und drüber, der Argentinier schmollte, wollte weg, blieb doch, der Erfolg aber fehlte. Rang drei ist nicht FCB-like und auch Real mit Zinedine Zidane wurde nur Vize-Meister, geschlagen vom ungeliebten Lokalrivalen Atletico, der erstmals seit 2014 wieder triumphierte. Auch für Trainer Diego Simeone war es fast ein „Wunder“, aber die Konkurrenz leistete Schützenhilfe. Von Real kam Mittelfeldspieler Marco Llorente, der dem Team Halt gab, von Barcelona der dort nicht mehr erwünschte Torjäger Luis Suarez, der im letzten Spiel zum entscheidenden 2:1-Sieg in Valladolid traf. Er wurde mit 21 Treffern Vierter der Torschützenliste hinter Messi (30), Benzema (23/Real) und Gerard (23/Villarreal).

Das sollte doch in allen Ligen kleineren Vereinen Mut machen, dass Geld allein den Erfolg nicht garantieren kann. Wer geschickt plant und arbeitet, zudem vielleicht noch ein bisschen Glück hat, kann den Großen schon ein Bein stellen. Davon lebt der Sport und nicht von einem Eigenleben in einer Blase wie der Super League, wo sich die Vereine vom „Fußvolk“ abschotten wollen.

Bestes Beispiel war am Mittwoch der FC Villarreal, der Underdog aus der Region Valencia, der noch nie in einem Finale stand und nur Siebter in Spanien wurde, gewann in einem zwar nicht hochklassigen, aber denkwürdigen Finale in Danzig gegen Manchester United die Europa League – und zwar nach einem 1:1 nach 120 Minuten mit einem 11:10 (!) im Elfmeterschießen. Alle trafen (!), den letzten, entscheidenden Schuss gab United-Keeper David de Gea ab, ein Spanier, dessen Schüsschen so aussah, als wollte er seinen Landsleuten sagen, „kommt, da habt ihr den Pott“. Kollege Rulli hielt ohne Probleme und damit zieht Sieger Villarreal sogar in die Champions League ein. Wundern muss dieses Ergebnis nicht, denn die Europa League ist so etwas wie eine spanische Liga, in den letzten zehn Jahren siegten siebenmal spanische Teams, Titelverteidiger war der FC Sevilla, der insgesamt sechsmal den Pokal holte. Da hatte es sich für Villarreal (wegen der gelben Trikots auch „Gelbes U-Boot genannt“) gelohnt, Trainer Unai Emery zu holen, der EL-Experte ist, denn mit dem FC Sevilla schaffte er von 2014 bis 2016 den Hattrick.

Saison-Ende: Von Abschied und Hoffnung

Es gab Freude, Tränen, Rekorde, Krawalle, Ausschreitungen, Abschiede, Pokale, Schalen und natürlich auch Hoffnung – zum Saison-Ende im Profi-Fußball war alles dabei. Die letzten Entscheidungen fielen manchmal in den letzten Minuten, Hoffnungen zerstoben, gefühlte Wunder wurden Wahrheit. Bevor Fußball gespielt wurde, gab es aber erst einmal Verabschiedungen, beginnen wir also auch hier damit.

Besonders viele Bilder und Blumensträuße wurden in München benötigt. Bei Meister Bayern war es mit dem Ende einer Ära nicht getan. Von den Meisterspielern gehen David Alaba (wohl zu Real Madrid) nach 13 Jahren, Jerome Boateng (10, Ziel unbekannt) und Javi Martinez (9, wohl Spanien). Besonders Martinez prägte eine besondere Ära. Er kam als damals teuerster Spieler aller Zeiten für 40 Millionen Euro, weil ihn Trainer Jupp Heynckes unbedingt wollte. Warum, dies bewies der Spanier: Mit ihm wurde Bayern immer Meister (!), er war entscheidend an den Siegen in der Champions League 2013 und 2020 beteiligt. Ein adäquater Ersatz ist im Gespräch: Hollands Mittelfeldstar Georginio Wijnaldum, der den FC Liverpool ablösefrei verlässt. Zweimal FCB sind im Gespräch: FC Barcelona und FC Bayern.

Eine Ära prägte Trainer Hansi Flick nicht, aber er sorgte für die vielleicht erfolgreichsten Zeit des Vereins mit sieben Titeln in 18 Monaten! Er wird wohl Bundestrainer. Hermann Gerland allerdings war bereits in Institution und es ist ein bisschen unverständlich, dass der altgediente Trainer-Recke nach 25 Jahren gehen muss. Der 66jährige will vom Fußball nicht lassen, warum nicht weiter bei den Bayern? Anders sieht es bei Miroslav Klose aus, der wohl nicht Assistent unter Julian Nagelsmann werden wollte und vielleicht sogar eine Cheftrainer-Rolle sucht, Fortuna Düsseldorf ist im Gespräch. Bei den Bayern ist die Zukunft aber ungewiss, 107 Titel verlassen den Verein. Lesen Sie deshalb auch den Blog vom 12. Mai: „Bayern München vor ungewisser Zukunft oder für immer Meister?“.

Große Abschiedsveranstaltung auch in Dortmund, wo Bayer Leverkusen gastierte und Manuel Gräfe als Schiedsrichter fungierte. Es war sein Abschiedsspiel (auch die Kollegen Markus Schmidt und Guido Winkmann hören auf), aber besonders auch für Dortmunds Abwehr-Institution Lukasz Piszczek, der elf Jahre bei der Borussia spielte, aber auch für die Zwillinge Sven und Lars Bender bei Bayer. Sven durfte das Team als Kapitän aufs Feld führen, Lars nach seiner Einwechslung zum Abschluss der großen, aber bei beiden von vielen Verletzungen geprägten Karriere, einen Elfmeter verwandeln, den Torhüter Bürki großzügig passieren ließ. Auf eine noch größere Karriere als die Bender-Zwillinge blickt Sami Khedira zurück, der das kurze Gastspiel bei Hertha beendete, aber auch hier Eindruck hinterließ. Als größte Momente seiner Laufbahn bezeichnet er den Weltmeistertitel 2014 (in dem Jahr gewann er mit Real Madrid auch die Champions League) und die Meisterschaft 2007 mit dem VfB Stuttgart. Erfolgreich war er auch bei Juventus Turin. Ungewohnt ist auch, dass Borussia Mönchengladbach in Zukunft ohne den Schweden Oscar Wendt antreten wird. Er gehörte einfach zu den „Fohlen“. In der Aufzählung natürlich nicht alle Abschiede zum Saison-Ende, aber wohl die populärsten.

Der Sport selbst war ebenfalls geprägt von Abschied und Hoffnung. So muss sich die Bundesliga von zwei weiteren prominenten Vertretern verabschieden, Schalke 04 und Werder Bremen. Bei beiden Klubs gibt es nur ein Urteil: Der Abstieg ist hausgemacht mit vielen Fehlern im Management und in der Kader-Zusammenstellung. Schalke (seit 1996 erstklassig) geht als Rekord-Absteiger, war 110. Mal Tabellenletzter, so viel wie keine andere Mannschaft (bisher Hannover 105). Nur 16 Punkte ist Minusrekord seit Einführung der Dreipunkteregel. Werder geht nach 40 Spielzeiten in Folge und insgesamt 1934 Bundesligaspielen, ein Rekord, den in der kommenden Saison Bayern München (bisher 1908) brechen wird.

Dass die Bayern Rekorde brechen, ist man gewohnt. Im Mittelpunkt stand dabei natürlich Torjäger Robert Lewandowski, der in letzter Minute doch noch den Jahrhundert-Rekord von Bomber Gerd Müller übertraf und sein 41. Saisontor erzielte. Landsmann Rafal Gikiewicz im Kasten des FC Augsburg machte ihm das Leben beim 5:2 schwer, dann aber nutzte der Pole in letzter Minute einen Abpraller. 41 Saisontore – das muss jetzt wirklich ein Rekord für die Ewigkeit sein. Dahinter taucht Gerd Müller gleich dreimal in der Bestenliste auf, danach rangiert wieder Lewandowski mit seinen 34 Toren von der Vorsaison, diese erreichte einst auch Dieter Müller 1976/77 mit dem 1. FC Köln. Lewandowski holte sich viermal in Folge und zum sechsten Mal insgesamt die Torjäger-Kanone, jetzt peilt er den nächsten Rekord von Gerd Müller an, der gewann nämlich sieben Mal.

2. Bundesliga attraktiv wie nie

Zurück zu den Vereinen. Spannend war es am letzten Spieltag der 2. Bundesliga, wer Bremen und Schalke ersetzen kann. Bochum, Kiel und Fürth lieferten sich einen heißen Dreikampf mit einigen Kapriolen, am Ende war Holstein Kiel der dumme Dritte, die Franken von Greuther Fürth trotzten gegen Fortuna Düsseldorf Unterzahl und Rückstand und drehten den Spieß um, während sich Kiel von Darmstadt düpieren ließ. Die Aufsteiger haben eines gemeinsam, es war eine echte Mannschaftsleistung mit Nobodies als Trainer. Bochum galt in der Bundesliga einst als Unabsteigbar, zuletzt in elf Jahren zweite Liga allerdings als Unaufsteigbar. Trainer Thomas Reis übernahm im September 2019 ein verunsichertes Team und führte es nach oben. Mit Bochum hatte keiner gerechnet, mit Fürth auch nicht. Der Architekt des Erfolgs ist in erster Linie Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi, der vor allem Trainer Stefan Leitl holte. In Fürth wird besonders gefeiert, der Aufstieg gilt „als Wunder“ und Nachbar 1. FC Nürnberg bleibt zweitklassig.

Die eigentlichen Favoriten schauten am Ende dumm aus der Wäsche, vor allem der einstige Bundesliga-Dino Hamburger SV, der auf dem Weg ist, ein Zweitliga-Dino zu werden. Der Wiederaufstieg wird immer schwerer angesichts der Konkurrenz. Andererseits wird die 2. Bundesliga immer attraktiver, die Traditionsklubs, die aus dem Oberhaus gedrängt werden, bilden jetzt eine (vom Namen her) Eliteliga im Unterhaus. Da sind neben dem HSV und Club zumindest für ein Jahr Schalke und Bremen, einen guten Namen haben auch Karlsruhe, Hannover und Düsseldorf, dazu gesellen sich als attraktive Neulinge die Ost-Klubs Dynamo Dresden und Hansa Rostock als Aufsteiger aus der 3. Liga. Sollte Holstein Kiel in der Relegation gegen den 1. FC Köln gewinnen, käme noch ein prominenter Name hinzu. Die Relegation bildet traditionell die Verlängerung der Saison, da duellieren sich eben Köln und Kiel um einen Platz im Oberhaus, Osnabrück und Ingolstadt um einen Platz im Unterhaus.

Schon heute also viel Hoffnung für die neue Saison, aber auch Hoffnung auf normalen Fußball mit Fans auf den Tribünen. Ein besonderer Abschied wäre der Abschied von der Corona-Pandemie.

Noch gibt es aber aktuellen Fußball. Bevor sich das Augenmerk auf die Europameisterschaft richtet, stehen auf Europas Bühne die Höhepunkte an, mit den Finals in Europa League und Champions League. Am Mittwoch treffen in Danzig Manchester United und die Spanier vom FC Villarreal im EL-Endspiel aufeinander, am Samstag in Porto (wegen Corona von Istanbul verlegt) gibt es in der CL das englische Duell mit deutscher Beteiligung zwischen Manchester City und Chelsea London. Es könnte also ein Triumph der Premier League werden und Manchester zu Europas Fußballstadt Nummer 1. City wurde mit Pep Guardiola bereits englischer Meister, er vertraut u. a. auf Ilkay Gündogan. Thomas Tuchel als neuer Coach bei Chelsea schaffte mit Glück als Vierter der Premier League bereits den Sprung in die CL. Der Titel wäre natürlich die Krönung, aber den jagt Guardiola mit City seit fünf Jahren. Chelseas Problem war zuletzt die Chancenverwertung, da tat sich vor allem Nationalstürmer Timo Werner unrühmlich hervor, er könnte aber ebenso erstmals den Henkelpott wie sein Trainer und die Mitspieler Antonio Rüdiger und Kai Havertz.

Bundestrainer Joachim Löw muss auf diese EM-Kandidaten vorerst noch verzichten, wenn am Freitag das erste Trainingslager der EM-Vorbereitung in Seefeld in Tirol beginnt. Er überraschte bei seinem Aufgebot nur mit wenigen Namen, so hatte mit Stürmer Kevin Volland (Monaco) ebenso niemand gerechnet wie mit Christian Günter (Freiburg) als möglicher Linksverteidiger. Wie erwartet kehren Thomas Müller und Mats Hummels zurück. Erfahrung für die Jugend ist das Motto und so kann sich Löw freuen, dass es kaum Kritik an seinem Aufgebot gab, jetzt fehlt zu seinem Abschied nur noch der Erfolg. Er nominierte ein Team der Hoffnung. Abschied und Hoffnung also zum Saison-Ende.

Die Eishockey-Cracks träumen sogar vom WM-Titel!

Wer sich im Eishockey auskennt und die Überschrift liest, der wird im ersten Moment poltern: „Sind die denn übergeschnappt?“ Nein, das sind die Spieler der deutschen Nationalmannschaft nicht, aber seit dem sensationellen Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang in Südkorea zeigen sie ein neues Selbstbewusstsein. Ging es früher nur gegen den Abstieg, so werden die Ziele heute höher gehängt. „Es ist alles möglich“, heißt es vor der Eishockey-Weltmeisterschaft in Riga/Lettland, die am Freitag beginnt und am 5. Juni mit dem Finale endet. Trotz allem wäre es erneut eine Sensation, wenn Deutschland im Endspiel vertreten wäre.

Die Corona-Pandemie hat auch die Eishockey-Welt ganz schön durcheinander gebracht. So fiel bekanntlich die WM vor einem Jahr aus, so dass Finnland als Weltmeister von 2019 diesmal der Titelverteidiger ist. Weil es überall wegen der Pandemie Terminprobleme in den nationalen Ligen gab, wurde die Austragung der WM weit nach hinten gelegt, so dass Eishockey fast zur Sommersportart wird. Von einer Hitzewelle scheinen die Cracks laut Wetterbericht allerdings verschont zu bleiben. Gespielt wird nur in Riga, nachdem der Internationale Verband dem vorgesehenen Co-Veranstalter Weißrussland die Spiele wegen politischer Unruhen und Verstößen gegen die Menschenrechte wieder entzogen hat.

Bis die Teams überhaupt in Riga landen konnten, mussten sie alle einen Parforceritt durch ihre nationale Meisterschaften überstehen. Auch in der DEL begann die Punktrunde erst kurz vor Weihnachten, wurde der Spielplan verdichtet und vor den ebenfalls verkürzten Play-Offs waren 14 Spiele in 29 Tagen zu absolvieren. Immerhin gab es im Gegensatz zum letzten Jahr mit den Eisbären Berlin einen Meister, mit ihrem achten Titel wurden die Eisbären sogar Rekordchampion. Wie immer zu WM-Zeiten wird in Übersee in der NHL sogar noch gespielt, der Kampf um den Stanley-Cup geht vor und er beeinträchtigt auch das DEB-Team, denn neben Superstar Leon Draisaitl und Dominik Kahun (beide Edmonton) fehlen auch der überragende Torhüter Philipp Grubauer (Colorado) und Stürmer Nico Sturm (Minnesota). Talent Tim Stützle erhielt von seinem Verein in Ottawa keine Freigabe. Wegen Corona, aber auch, weil sie nach einer strapaziösen Saison einfach müde waren, sagten einige Stammspieler Bundestrainer Toni Söderholm ab.

Der 43jährige Finne hat dafür sogar Verständnis, was ihm leicht fällt, weil er einfach glücklich ist, nach rund eineinhalb Jahren endlich wieder richtig arbeiten zu können und weil er trotz allem eine starke Mannschaft aufs Eis schicken kann. Aus der NHL kommt Tobias Rieder (Buffalo) aus den Farmteams u. a. Tom Kühnhackl, der Sohn der Legende Erich Kühnhackl. Große Hoffnungen ruhen aber vor allem auf Verteidiger-Talent Moritz Seider (Rögle), der in Schwedens Top-Liga für Furore sorgte und zusammen mit Leon Gawanke (Manitoba) ein Ass in Überzahlsituationen sein soll. Überhaupt ist der Blick vorwärts gerichtet, Trainer und Spieler sind der Meinung ein offensivstarkes Team aufs Eis zu bringen und deshalb heißt das Motto: Angriff auf die Weltelite! Kapitän Moritz Müller (Köln) verrät, warum: „Bei der letzten WM haben wir Finnland in der Vorrunde geschlagen, dann wurden sie Weltmeister. Das zeigt, dass alles möglich ist.“

Zum Kreis der Favoriten gehört Deutschland natürlich nicht, es sind die alten Bekannten wie Russland, Kanada, Schweden und Titelverteidiger Finnland, doch ist im Vorfeld kaum auszumachen, wie stark die einzelnen Nationen wegen Corona und Quarantäne besetzt sind. Bei Italien, erster Gegner Deutschlands am Freitag (15.15 Uhr), fallen zum Beispiel 15 Spieler wegen Corona aus. Fraglich auch, wie die Teams mit den strengen Hygienevorschriften klarkommen. Bei Ankunft gab es zwei Tage Einzel-Quarantäne, bevor die Teams (einige Tage noch getrennt von anderen Mannschaften im Hotel) aufs Eis durften. Die Vorbereitung ist wohl alles andere als ideal. Insofern sind Überraschungen Tür und Tor geöffnet. Gastgeber Lettland hat den Vorteil, dass einige Zuschauer in die beiden Spielhallen dürfen, aus dem Ausland durften aber keine Fans anreisen.

Die 16 Nationen spielen zunächst in zwei Gruppen, die jeweils besten vier Teams qualifizieren sich für das Viertelfinale am 3. Juni. In der Gruppe B mit Deutschland gelten Kanada, Finnland und die USA als erste Anwärter auf das Viertelfinale, das DEB-Team streitet sich wohl mit Gastgeber Lettland und Norwegen um den vierten Platz, außerdem dabei die Außenseiter Italien und Kasachstan. In Gruppe A spielen Russland, Schweden, Tschechien, Schweiz, Slowakei, Dänemark, Weißrussland und Großbritannien.

Die Spiele des DEB-Teams: Freitag, 21. Mai, 15.15 Uhr, Italien. Samstag, 11.15 Uhr, Norwegen. Montag, 19.15 Uhr, Kanada. Mittwoch, 15.15 Uhr, Kasachstan. Samstag, 29., 19.15 Uhr, Finnland. Montag, 31., 15.15 Uhr, USA, Dienstag, 1. Juni, 19.15 Uhr, Lettland. Das Viertelfinale wird am Donnerstag, 3. Juni, gespielt, Halbfinale am Samstag, 5. Juni, Finale am Sonntag, 6. Juni, um 19.15 Uhr. In Deutschland überträgt Sport1 alle deutschen Spiele und die Endspiele im Fernsehen live.

Der Trainer ist der wichtigste Mann

Wieder sind im Fußball einige Entscheidungen gefallen, doch das war am vorletzten Spieltag der Saison zu erwarten. „Mannschaft der Woche“ war zweifellos Borussia Dortmund, denn das Team holte nicht nur in überzeugender Art und Weise beim 4:1 gegen Leipzig den DFB-Pokal, sondern sicherte mit dem 3:1 in Mainz zudem die Teilnahme an der Champions League zusammen mit dem VfL Wolfsburg. Leidtragende war die schwächelnde Frankfurter Eintracht. In Sachen Abstieg wird ebenso noch gezittert wie in Sachen Aufstieg in der 2. Bundesliga, wo nur eins feststeht: Der Hamburger SV hat es wieder nicht geschafft. Aber insgesamt wurde eins deutlich: Der Trainer ist der wichtigste Mann!

Diese Erkenntnis ist sicherlich nicht neu, aber selten waren die Auswirkungen so drastisch wie in diesen Wochen in der Bundesliga. Im Gespräch sind meist die teuren Stars, die Millionen Euro kosten, aber nur selten beweisen, dass sie ihr Geld auch wert sind. Im Mittelpunkt stehen die Trainer nur dann, wenn es nicht klappt (bei Abstiegsgefahr werden sie entlassen) oder wenn sie extrem erfolgreich sind, wie Hansi Flick bei Bayern München. Aber diese Saison offenbarte, dass Wohl und Wehe, Erfolg oder Nichterfolg weniger von den Spielern oder Managern, sondern in erster Linie vom Mann am Spielfeldrand abhängen.

Nehmen wir Borussia Dortmund, dort wurde gerade noch rechtzeitig erkannt, dass mit dem spröden Schweizer Lucien Favre die Ziele nicht erreicht werden können. Assistent Edin Terzic das Kommando zu übertragen war ein Wagnis, vielleicht diente dabei Meister München mit Hansi Flick als Vorbild. Nach holprigem Start hauchte Terzic den Borussen neues Leben ein und vollendete die Aufholjagd mit Pokalsieg und CL-Teilnahme. Saison gerettet!

Ganz anders sieht es aus, wenn der Trainer vorzeitig seinen Abschied verkündet. Plötzlich gerät der ganze Verein durcheinander, die Erfolgswelle verebbt. Diese leidvolle Erfahrung mussten sie in Frankfurt machen, wo die Mannschaft jetzt sogar die ersehnte Teilnahme an der Champions League verspielt hat. Es ging abwärts nachdem Trainer Adi Hütter seinen Wechsel nach Mönchengladbach verkündet hatte. Dort wird er Nachfolger von Marco Rose, der Cheftrainer in Dortmund wird, nach dieser Nachricht war es mit dem Aufwind in Gladbach vorbei. Selbst die Europa League wurde verspielt. Ein Rätsel, dass solche Wechsel die Beine der Stars schwer werden lassen. Ein Phänomen, welches die Manager dringend untersuchen müssen. Wobei Dortmund jetzt ein besonderes Problem hat, denn Erfolgscoach Terzic soll ja ins zweite Glied rücken – oder bricht er doch zu neuen Ufern auf? Für den RB Leipzig und Julian Nagelsmann ging es gerade noch einmal gut. Im DFB-Pokalfinale hat er sich zwar nicht mit Ruhm bekleckert (da werden sie in München schon geschluckt haben), aber immerhin hat Nagelsmann Leipzig noch zur Vizemeisterschaft geführt. Er hinterlässt also wenigstens kleine Spuren.

Eintracht Frankfurt hat noch keinen Nachfolger für Adi Hütter gefunden. Im Gespräch bleibt Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg und der hat es cleverer und geheimnisvoller als seine Kollegen angestellt. Der Österreicher kommentierte Wechselgerüchte nicht, vermied aber auch ein Bekenntnis zum VfL und hielt die Mannschaft auf Erfolgskurs. Anders als in Frankfurt ist die Teilnahme an der Champions League der Lohn. Dennoch dürfte sich Glasner wohl ein neues Ziel suchen, weil ihm (ähnlich wie Flick in München) die Wohlfühlatmosphäre mit Manager Jörg Schmadtke fehlt. Ein besonderes Problem hat Bayer Leverkusen. Hannes Wolf löste Peter Bosz ab und erfüllte die gestellte Aufgabe: Qualifikation für die Europa League. Doch beeindruckend waren die Leistungen nicht, ist er also ein Mann für die Zukunft? Wolf selbst hat Sicherheit, er wurde als Junioren-Trainer des DFB nur auf Dauer freigestellt.

Im Abstiegskampf können Trainer zu Helden werden, so Bo Svensson in Mainz. Der Däne sorgte als Nachfolger von Achim Beierlorzer für neuen Teamgeist und aktivierte das Leistungsvermögen der Mannschaft, die bei Halbzeit abgeschlagen schien. Jetzt spielte sogar die Konkurrenz mit und auf dem Sofa wurde der Klassenerhalt gefeiert. Liebling der Fans ist auch Pal Dardai bei Hertha BSC, er brachte gute Laune und befreite die Berliner von den Abstiegssorgen, nennt sich selbst ein Kind des Vereins und wird immer für Hertha da sein. Und doch gibt es Zweifel, ob er auch auf Dauer der „Gute-Laune-Onkel“ sein kann und darf. Gerettet hat sich auch Augsburg und auch da hatte der Trainer den entscheidenden Anteil: Gerade mal drei Spieltage vor Schluss löste Markus Weinzierl den farblosen Heiko Herrlich ab, brachte den Schwung zurück und sicherte dem FCA ein elftes Jahr in der Bundesliga. Da wurde in Berlin und Augsburg groß gefeiert. Bei Weinzierl gilt der Vertrag schon für die nächste Saison. Da muss Manager Stefan Reuter keinen neuen Coach suchen, sondern neue (bessere) Spieler.

„Die drei von der Tankstelle“ hieß ein bekannter Film, in Sachen Abstieg und Aufstieg heißt es jetzt „Die drei von der Zitterstelle“. Im Abstiegskampf der Bundesliga traten Köln (30 Punkte), Bremen (31) und Bielefeld (32) auf der Stelle. Trotz neuer Trainer darf weiter gezittert werden, wobei Bielefeld den Vorteil hat, es aus eigener Kraft schaffen zu können, mit einem Sieg in Stuttgart. Bremen muss gegen Gladbach gewinnen und Köln gegen Schalke und beide werden nach Stuttgart blicken. Bei Werder haben sie doch noch die Notbremse gezogen, der altgediente Thomas Schaaf soll der Retter sein, Florian Kohfeldt musste gehen. Das lange Zögern von Manager Frank Baumann kann sich nun rächen.

In der 2. Bundesliga wird auch gezittert, doch beim Aufstieg geht es um die Erfüllung eines großen Wunsches. Der VfL Bochum (64 Punkte) benötigt nur noch einen Zähler zum Ziel, Gegner ist Sandhausen, das bei einer Niederlage noch absteigen kann. Holstein Kiel (62) hat dagegen in Karlsruhe mit einer 2:3-Niederlage die gute Ausgangsposition verspielt, ein Sieg gegen Darmstadt lässt alles wieder gut werden. Fürth (61) hat die Relegation sicher, ob der Wunsch direkter Aufstieg in Erfüllung geht, liegt eben auch an der Konkurrenz. Im Abstiegskampf sind übrigens neben Absteiger Würzburg noch Braunschweig (31), Osnabrück (33), Sandhausen (34) und Regensburg (35) involviert. Ein großes Finale also. Als erster Aufsteiger in der 3. Liga steht Dynamo Dresden fest, wo die Fans leider so ausgiebig gefeiert haben, dass es sogar zu Krawallen gab. Mit Aufstiegsfreude hat das nichts zu tun.

Ob Robert Lewandowski in den letzten Wochen gezittert hat, ist nicht bekannt. Aber das Ergebnis kann jetzt gefeiert werden: Der Pole hat tatsächlich den Torrekord von Bayern-Legende Gerd Müller eingestellt. Als er den 40. Saisontreffer in Freiburg per Elfmeter erzielt hatte, standen alle im Bayern-Tross Spalier und Lewandowski selbst erinnerte an seinen großen Vorgänger mit einem T-Shirt „4ever Gerd“. Eine nette Geste, der Torjäger wurde selbst zur Legende und hat ein Denkmal verdient. Erinnert sei an die Zeiten, als Lewandowski als egoistisch galt und auch offen mit einem Wechsel zu einem noch größeren Verein (dachte er) wie Real Madrid kokettierte. Er hat dann erkannt, dass er auch bei Bayern und mit seinem Mitspielern seine großen Ziele schaffen kann. Er stellte nicht nur Müllers Rekord ein, wurde bekanntlich „Weltfußballer“ und hat sich auch den „Goldenen Schuh“ als bester Torjäger Europas gesichert. Im letzten Spiel gegen Augsburg kann er noch die Marke 40 überbieten. Der Pole profitierte in großem Maße vor allem von Thomas Müller, der mit 21 Assists mit Abstand bester Vorlagengeber der Bundesliga ist. Es gab für die Bayern noch einen anderen Rekord in Freiburg, sie erzielten im 34 Auswärtsspiel in Folge ein Tor und sind damit die erste Mannschaft die in zwei Saisons hintereinander in der Fremde immer getroffen hat.

Ein bisschen Wehmut gibt es in München auch, wie bekannt wurde, werden Miroslav Klose und Hermann Gerland, beide derzeit Assistenztrainer, den Verein nach der Saison verlassen. Klose, ebenso eine Stürmer-Ikone, der erfolgreich seinen Trainerschein gemacht hat, sucht neue Ziele, Urgestein Gerland soll nicht zum Team vom neuen Trainer Julian Nagelsmann gehören. Schade, der gebürtige Bochumer war insgesamt 25 Jahre bei Bayern München, er hätte einen anderen Abgang verdient gehabt.

Einen besseren Abgang für die Saison hatten sich auch die Bayern-Amateure erhofft, die in der 3. Liga gegen den Abstieg spielen, das 2:2 gegen den Lokalrivalen 1860 München wurde als Erfolg gewertet, aber vorangebracht hat sie der Punktgewinn nicht. Immerhin haben sie die „Löwen“ geärgert, was in gehässigen Kommentaren seitens des Gegners sichtbar wurde.

Ein Rücktritt sorgte nicht mehr für Aufregung, DFB-Präsident Fritz Keller bestätigte am Montag seine Ankündigung, dass er sein Amt niederlegen werden. Er übernahm die Verantwortung für eine verbale Entgleisung betonte aber noch einmal, dass ihm beim DFB von Seiten der Verwaltung Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden (interne Machtkämpfe) und er an seiner vordringlichsten Aufgabe, eine Erneuerung des Verbandes gehindert wurde. „So kann man nicht vernünftig arbeiten“, war sein bitteres Fazit. Er bestätigte einmal mehr, dass der DFB eine Runderneuerung benötigt. Welche Neuerungen es sportlich gibt, wird Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch bei der Bekanntgabe seines EM-Kaders mitteilen, wobei mit Spannung vor allem darauf gewartet werden darf, ob die Youngster Florian Wirtz (Leverkusen) und Jamal Musiala (Bayern) einen Platz im Aufgebot erhalten.

Bayern München vor ungewisser Zukunft oder für immer Meister?

Der FC Bayern München ist wieder Deutscher Fußball-Meister und die Konkurrenz hat wieder eine günstige Gelegenheit verschlafen. Noch ist die Saison 2020/21 nicht beendet, aber an der Spitze war es wie immer (siehe auch nachfolgend „Bundesliga-Endspurt: Mehr Spannung geht nicht“). Zum neunten Mal in Folge holten die Bayern die Schale und mancher fragt sich, „werden die Münchner jetzt immer Meister?“ Auf den ersten Blick müssen die Freunde der Spannung und Abwechslung diese Befürchtung hegen, doch irgendwann hat alles ein Ende (bekanntlich hat nur die Wurst zwei) und es gibt auch Anzeichen, dass der Dauer-Sieger eher vor einer ungewissen Zukunft steht. Also gibt es doch Spannung: Was bringt die Zukunft?

Wieder einmal stehen die Bayern vor einem Umbruch. In den letzten Jahren schon gab es Fragezeichen, als Stützen wie Lahm und Schweinsteiger ihre Karriere beendeten oder Stars wie Robben und Ribery keine neuen Verträge mehr bekamen. Bekanntlich hat die Leistung nicht gelitten, Titel wurden dennoch gehamstert. Zuletzt war allerdings eine Menge Glück dabei, denn mit Niko Kovac als Trainer sah die Zukunft nicht gerade rosig aus, dass Hansi Flick, bis dahin Assistent, so einschlagen und die Mannschaft gleich zum Triple und insgesamt sieben Titeln führen würde, konnte niemand vorhersagen. Es passte einfach alles, bis auf den Knatsch zwischen dem harmoniebedürftigen Coach und dem auftrumpfenden Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der wohl deutlich machen wollte, wer hier der Chef ist. Deshalb steht der Verein nach dem Triumph vor einer ungewissen Zukunft.

Vor allem auch, weil sich in der Führungsetage entscheidendes tut. Als Uli Hoeneß das Schiff verließ, da war er schon nicht mehr der Alleinherrscher und hielt dennoch im Hintergrund die Zügel weiterhin in der Hand, so dass der Wechsel zu Herbert Hainer geräuschlos verlief. Einschneidender wird es sein, wenn Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge Ende des Jahres aufhört und das Kommando an Oliver Kahn übergibt. Kann ein Neuling trotz guter Einarbeitungszeit einen alten Recken mit besten internationalen Verbindungen ohne Probleme ersetzen? Hält ein unerfahrener Kapitän das Schiff auf Kurs? Schafft er es, weiter für den entscheidenden Vorteil zu sorgen, dass die Bayern gegenüber der Konkurrenz einfach die besseren Spieler haben?

Oliver Kahn selbst mahnt in Interviews bereits zur Vorsicht. „In den kommenden Jahren wird viel um die Mannschaft herum passieren“, orakelt er bereits und macht zudem deutlich in Richtung Neuverpflichtungen, „ein Paket für 100.000 Euro ist nicht denkbar“. Hat er das auch dem neuen Trainer Julian Nagelsmann gesagt? Der Nachfolger vom wohl künftigen Bundestrainer Hansi Flick wird allgemein gelobt und er darf ab der neuen Saison seinen Traum vom Bayern-Trainer leben. Aber er bekommt auch auf den Weg, dass er vermehrt junge Talente heranführen soll, ohne dass die Leistung nachlässt und Titel gefährdet werden. Die zehnte Meisterschaft in Folge ist im Visier, das hat in den großen europäischen Ligen noch kein Klub geschafft.

Aber es gibt wieder einen Umbruch im Team, David Alaba zieht wohl zu Real Madrid, Javi Martinez peilt neue Ziele an, er war lange Zeit ein Garant für Erfolge, weil er im Mittelfeld aufräumte, die Zeit ist auch für Jerome Boateng abgelaufen, so dass es Nagelsmann mit einer vollkommen neuen Abwehr versuchen muss, aber auch ohne einen Sicherheitsmann wie Martinez im Mittelfeld auskommen muss. Diese robuste Rolle können Kimmich und Goretzka nicht spielen. Abwehrprobleme offenbarte der Meister auch in dieser Saison, mit 40 Gegentreffer (bis jetzt) wird man normal nicht Erster. Künftig wird in der Abwehr französisch gesprochen, neben Lucas Hernandez (25 Jahre alt) soll Neuzugang Dayot Upamecano (22) für Halt sorgen, dazu kommt Talent Tanguy Nianzou (18), der in seinem ersten Jahr von Verletzungspech verfolgt war und auf dem Feld eher unglücklich agierte. Niklas Süle (25) gibt es auch noch, einst von Nagelsmann in Hoffenheim zum Nationalspieler geformt, was für einen Verbleib des Abwehrrecken spricht. Wenn die Vereinsbosse es wollen.

Verstärkung sollte es im Mittelfeld geben, auf den Flügeln wird auch eine Ergänzung zu Coman, Gnabry und Sané gesucht, die Leistungen waren bei allen zuletzt nicht gerade konstant genug. Hoffnung macht Jamal Musiala (18). Die Maschinenmeister im Angriff waren vor allem Robert Lewandowski (32) und Thomas Müller (31). Aber wie lange können die „Dreißiger“ ihre Form noch halten? Von den Leihspielern Cuisance (Marseille), Fein (Eindhoven) oder Zirkzee (Parma) ist ebenso wenig eine Verstärkung zu erwarten wie von den Neuzugängen in dieser Saison Sarr und Roca (bei ihm besteht noch Hoffnung), Costa wird den Verein wieder verlassen. Es fehlt den Bayern in der Breite des Kaders an Qualität für eine sorgenlose Zukunft. Diesbezüglich also mehr Ungewissheit. Die Achse Neuer-Kimmich-Müller-Lewandowski allein wird es nicht richten können.

Julian Nagelsmann hat einen Vertrag für die Dauer von fünf Jahren unterschrieben. „Wir wollen hier Kontinuität“ hat Oliver Kahn betont, aber ob die neuen Vereinsbosse wirklich die Geduld aufbringen, wenn die Meister-Serie mal reißt? Schneller reißt wahrscheinlich der Geduldsfaden. Eher steht also Bayern München vor einer ungewissen Zukunft, als dass die Fußball-Fans Angst haben müssten, dass es nie mehr einen anderen Deutschen Meister gibt.

Bundesliga-Endspurt: Mehr Spannung geht nicht

Gut, der FC Bayern München ist wieder Meister, vorzeitig am 32. Spieltag ging er ins Ziel, genau wie im letzten Jahr auch. Aber ansonsten ist in der Fußball-Bundesliga noch gar nichts entschieden, ganz im Gegenteil, mehr Spannung geht nicht als im Endspurt. Am 33. Spieltag am Samstag und Sonntag ist zum Beispiel jede der neun Paarungen für einen Verein von Bedeutung, es geht um Champions League, Europa League und gegen den Abstieg. Interessanter kann die Bundesliga nicht sein. Und auch in der 2. Bundesliga und der 3. Liga stehen „Endspiele“ bevor.

Ehren wir zuerst einmal den Meister. Der Jubel über den neunten Titel in Folge und den 31. insgesamt (davon 30 in der Bundesliga seit 1965) hielt sich in Grenzen, das Erwartete kann nicht zum Besonderen werden. Es ist ja das „Phänomen Bayern“, dass sich die Spieler dennoch für jedes Match motivieren können, dass der Ehrgeiz keine Grenzen kennt, das Vereinsmotto „mia san mia“ wird von Generation zu Generation, von Spieler zu Spieler übertragen. Ziele gibt es zudem immer, Thomas Müller und David Alaba sind neue Rekordhalter mit dem 10. Titel (bisher neun, natürlich gehalten von Bayern-Spielern). Einen neuen Rekord strebt vor allem Robert Lewandowski an, der Torjäger ist auf dem besten Wege die Jahrhundertbestleistung von Gerd Müller mit 40 Toren zu brechen. Müller hatte seine 40 Tore übrigens schon nach 32 Spieltagen erzielt, dann kam nichts mehr. Das sollte Lewandowski nicht passieren. Die Münchner gingen als Meister gegen Gladbach konzentriert und motiviert zu Werke und erstaunten auch den Gegner beim 6:0 mit drei Lewandowski-Treffern. Das „Bayern-Phänomen“ halt. Kapitän Manuel Neuer machte deutlich: „Wir wollten zeigen, wer der wahre Deutsche Meister ist.“ Titel gewinnen die Bayern sogar wenn sie nicht spielen. Unter der Woche wurde sie als weltweite „Mannschaft des Jahres“ mit dem Laureus Award geehrt. Jetzt sind es insgesamt acht Titel in nicht einmal zwei Jahren für Trainer Hansi Flick zum Abschied.

Die Bayern in einer eigenen Liga, obwohl es nach einem schweren Jahr aufgrund hoher Belastung und ohne Sommerpause nicht so aussah. Die Konkurrenz konnte die besondere Situation nicht nutzen. Vor allem Borussia Dortmund enttäuschte und will jetzt mit einem fulminanten Endspurt einiges aufholen. Das erste Ziel ist vorerst erreicht, Platz vier und die Teilnahme an der Champions League. Für Frankfurt war das 1:1 gegen Mainz zu wenig, aber aufgeben gilt natürlich nicht, gegen Schalke und Freiburg soll zum Abschluss die volle Punktzahl her, die muss Dortmund in Mainz und gegen Leverkusen erst mal schaffen, zumal ja auch das Pokal-Endspiel noch ansteht. Sicher in der Champions League darf sich Wolfsburg auch nicht fühlen (zwei Zähler vor dem BVB), die größte Aufgabe ist in Leipzig zu lösen, dann kommt Mainz. Dahinter geht es um die Europa League, einer schafft es also nicht in die CL, Leverkusen sollte Platz sechs sichern können. Wer aber wird Siebter (derzeit Gladbach) und ist das überhaupt attraktiv? Der Siebte spielt in der neuen Europa Conference League, da gibt es ein bisschen Geld, man präsentiert sich auf Europas Bühne, aber neben Anstrengung gibt es wenig Ehre. Einst war die Europa League der „Verlierer-Cup“, was ist dann jetzt die dritte Liga?

Am spannendsten natürlich der Abstiegskampf und besonders bedeutsam, denn ein Abstieg kann einen Verein jahrelang zurückwerfen (siehe derzeit den Hamburger SV oder Kaiserslautern, das jetzt sogar in der 3. Liga dümpelt). Besonders hart würde es einen Verein wie den FC Augsburg treffen, der sich eigentlich schon auf der sicheren Seite wähnte, jetzt aber nach fünf sieglosen Spielen mit 33 Punkten auf Platz 13 noch hoch gefährdet ist (dahinter Hertha, Bremen und Bielefeld mit je 31 Zählern). Die Augsburger hatten besondere Jubiläen, am 8. Mai vor genau zehn Jahren feierten sie den Aufstieg in die Bundesliga und sind (auch zur eigenen Überraschung) immer noch dabei, wobei sie immer wieder als erster Abstiegskandidat genannt wurden. Es war oft knapp, im letzten Jahr waren sie 15. mit 36 Punkten, 2019 ebenso, da reichten sogar 32 Punkte. Jetzt haben sie schon 33, doch das diesmal nicht genug sein. Die Augsburger hätten schon aufatmen können, doch U21-Nationalspieler Marco Richter vergab ausgerechnet in seinem 100. Bundesligaspiel beste Chancen, die Folge war eine unglückliche 1:2-Niederlage in Stuttgart. Nicht immer werden Jubiläen gefeiert. Jetzt steht das Endspiel gegen Werder Bremen an, das seine Niederlagenserie (sieben am Stück) mit dem 0:0 gegen Leverkusen beendete. Ist das ein psychologischer Vorteil? Beide Teams wurden für ihre Leistungen gelobt, doch gut gespielt und dennoch abgestiegen ist das bitterste Los.

Vor Absteiger Schalke steht der 1. FC Köln nach dem 1:4 gegen Freiburg auf einem Abstiegsplatz. Zwei Zähler gilt es zunächst aufzuholen gegen Hertha und bei Schalke. Doch die Konkurrenz wird auch punkten. Hertha hat am Mittwoch gegen Schalke die Chance, das Spiel am Samstag nicht zu einem Endspiel werden zu lassen. Sieht man die Ergebnisse der letzten Spiele und die Bemühungen der Klubs, so ist eine Prognose schlichtweg nicht möglich.

Zunächst soll aber erst ein hohes Fest des Fußballs gefeiert werden, das Endspiel um den DFB-Pokal, das wie im Berliner Olympiastadion aber leider wieder ohne Zuschauer über die Bühne gehen muss. Hier hat bekanntlich Kiel mit dem Sensationssieg über die Bayern den Weg für die Kronprinzen freigemacht. Die Generalprobe entschied Dortmund mit 3:2 für sich, logisch, dass die Leipziger Revanche wollen. Vor allem Trainer Julian Nagelsmann fühlt sich wohl herausgefordert, er will den Verein mit einem Titel Richtung München verlassen (so wie einst Nico Kovac in Frankfurt). Das erste Duell machte durchaus Lust auf mehr. Dortmund muss allerdings auf Torhüter Hitz verzichten, der verletzt ausfällt. Wird der langjährige Stammkeeper Roman Bürki zum Glücksbringer?

Auch vor einem anderen großen Duell gab es eine Generalprobe, im Vorfeld des Finales der Champions League duellierten sich Thomas Tuchel und Pep Guardiola in der Premier League. Tuchel verhagelte mit Chelsea London dem Spanier die Laune, denn mit dem 2:1-Sieg muss Pep mit Manchester City noch auf die nationale Meisterschaft warten. Es hätte doch gepasst, wenn er es zur gleichen Zeit wie sein alter Verein in München geschafft hätte. Aber bis zum erneuten Aufeinandertreffen am 29. Mai in Istanbul wird City sicher Meister sein.

Apropos Meisterschaft, die Bayern würden ja am liebsten wieder einmal ein besonderes Double feiern, nämlich dass die Männer und die Frauen gemeinsam den Titel holen wie 2015 und 2016. Neuer und Co. legten vor, jetzt müssen die Mädchen nachlegen. Nach 26 ungeschlagenen Spielen in Folge gerieten die Bayern-Frauen ein bisschen ins Schleudern und schieden im Pokal gegen Wolfsburg aus. Jetzt packten sie allen Kampfgeist aus und holten sich ein vorentscheidendes 1:1 bei den Wölfinnen, die viermal in Folge Meister waren. Die Bayern haben zwei Punkte Vorsprung und müssen diesen in Leverkusen und gegen Frankfurt verteidigen. Keine leichten Aufgaben, aber mit diesem Ehrgeiz machbar. Die Eintracht kann das Zünglein an der Waage spielen, denn auch Wolfsburg ist zunächst der Gegner. Machen sie die Münchnerinnen zum Meister?

Gefeiert wird bei den Bayern aber nicht immer. Die Bayern II kann sich in der 3. Liga nicht aus dem Abstiegssog befreien und jetzt steht fast schon ein schicksalhaftes Derby gegen 1860 München an. Die alte Rivalität lebt auf. Im Grünwalder Stadion, bekanntlich die Heimat der Löwen, kämpft 1860 um den Aufstieg in die 2. Liga und kann mit einem Sieg die „kleinen Bayern“ (im Vorjahr noch Meister!) zu den Amateuren in die Regionalliga schicken. Dann wird mit Sicherheit in München schon gefeiert, nur nicht bei den Roten…

Dortmund und Leipzig: Die Woche der Kronprinzen

Da haben Terminpläne und die Ergebnisse im DFB-Pokal im Fußball für ein schönes Kuriosum gesorgt: Innerhalb einer Woche duellieren sich Borussia Dortmund und RB Leipzig zweimal. In der Bundesliga geht es um die Meisterschaft (Minichance für Leipzig) und die Champions League (Dortmund), im Pokalendspiel am 13. Mai in Berlin um den ersehnten Titel, den die Bayern in diesem Jahr liegen gelassen haben. Apropos Bayern: Es ist die Woche der Kronprinzen, denn beide Klubs beanspruchen ja Platz zwei in der Hitliste hinter den Bayern, wenn auch Dortmund in der Bundesliga schwächelte. In Leipzig sind die Augen wiederum auf Trainer Julian Nagelsmann gerichtet, der sich mit dem besten Jahr der Vereinsgeschichte zu den Bayern verabschieden will, das Highlight schlechthin wäre der Pokalsieg.

Bei den Bayern war es ruhig in der Bundesliga-Pause rund um den 1. Mai. Dafür stand der DFB-Pokal im Mittelpunkt, doch er riss die Fans nicht von den Sitzen. Schaut man auf die Einschaltquoten im Fernsehen, so ist auch da eine gewisse Fußball-Müdigkeit zu spüren, an beiden Spieltagen wurde der Fußball von Deutschlands liebstem TV-Kind geschlagen, einem Krimi. Sowohl Bremen – Leipzig als auch Dortmund – Kiel lockten bei der ARD rund 5,5 Millionen Zuschauer an, die Krimis im ZDF je etwa 700 000 mehr. Dabei hatte ja die Partie Bremen – Leipzig auch genug Spannung zu bieten, mit Emil Forsbergs Siegtreffer in der 121. MInute und Dortmund lieferte gegen Kiel eine Halbzeit lang beste Unterhaltung. Ergo (hier ist nicht der Pokalsponsor gemeint): Beide Teams sind gerüstet für die Woche der Kronprinzen. Für Dortmund scheint das Bundesliga-Duell am Samstag noch wichtiger zu sein, denn es geht schließlich um die Champions League und damit darum, weiter an den Geldtöpfen teilzuhaben. Die Aufholjagd gegenüber Wolfsburg und Frankfurt läuft, Leipzig spielt dabei ein bisschen das Zünglein an der Waage, trifft es doch eine Woche später auch auf Wolfsburg. Noch mehr gilt das aber für Mainz, das gegen alle drei Kontrahenten antreten muss. Dortmund hat außerdem Leverkusen vor der Brust, Wolfsburg Union Berlin und Frankfurt Schalke und Freiburg. Wer hat die besten Nerven?

Es ist Endspurt in der Bundesliga, beste Unterhaltung sollte es sein, mehr Spannung als in den Krimis ist garantiert. Dort der Kampf um Europa, weiter unten der Kampf gegen den Abstieg. Vor allem am Tabellenende ist alles offen, das Restprogramm sehr unterschiedlich. Mainz ist wie gesagt gegen drei Spitzenteams gefordert, hat sich aber mit einem 2:1-Sieg über Bayern München Respekt verschafft. Dennoch, die aktuellen 34 Punkte könnten nicht reichen. Dahinter zittert der FC Augsburg (33 Zähler), zumindest ein Sieg mit dem neuen Trainer Markus Weinzierl muss gegen Stuttgart, Bremen und Bayern her. Das entscheidende Duell könnte am vorletzten Spieltag gegen Werder stattfinden. Bremen da noch mit Florian Kohfeldt als Trainer? Der Pokalfight gegen Leipzig hat imponiert, trotz Niederlage hat der Coach das „Endspiel“ für sich persönlich gewonnen. Eine Pleite gegen Leverkusen könnte doch noch für einen Stimmungsumschwung sorgen vor dem Finale gegen Augsburg und Gladbach.

Ein Wechsel des Trainers ist der Rettungsring der Abstiegskandidaten. Erstaunlich deshalb die Nervenstärke von Sportchef Frank Baumann in Bremen, der auch im Vorjahr an Kohfeldt festhielt und über die Relegation mit dem Klassenerhalt belohnt wurde. Gibt es eine Wiederholung? Dahinter haben Bielefeld (30), Köln (29) und Hertha BSC (26) alle den Rettungsring geworfen. Neben Schalke muss einer noch absteigen, einer „darf“ in die Relegation. Hertha will nach einer Quarantäne-Pause die Aufholjagd starten, aber es ist die Frage, ob bei sechs Spielen in 20 Tagen die Kräfte reichen und in welcher Form Pal Dardai seine Schützlinge nach der Zwangspause ohne richtiges Training auf den Platz bringt. Mit Mainz (Start am Montag, 3. Mai), Bielefeld und Köln sind drei Kontrahenten noch direkte Gegner, dazu gibt es Prüfungen gegen Freiburg, Schalke und Hoffenheim. Ziel: Mit drei Heimsiegen zum Klassenerhalt. Bielefeld will außerdem gegen Hoffenheim und Stuttgart rettende Punkte sammeln, Köln gegen Freiburg und Schalke. Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass Absteiger Schalke noch eine entscheidende Rolle spielen kann, wen er mit in den Abgrund 2. Bundesliga reißt. Also: Die Fußball-Bundesliga präsentiert sich als beste Krimi-Unterhaltung.

Auch in den Ligen darunter gibt es Spannung im Endspurt. In der 2. Bundesliga interessiert vor allem der Aufstiegskampf, Bochum (60 Punkte) und Fürth (57) haben bereits ein kleines Punktepolster vor der Konkurrenz HSV (52) und Kiel (50). Aber Holstein Kiel geht es wie Hertha BSC, nach gleich zwei Corona-Pausen gilt es, sechs Spiele in 20 Tagen zu bestehen. Da kann die Konkurrenz noch überholt werden. Katzenjammer und letztes Aufbäumen in Hamburg. Wie in den letzten Jahren droht der Favorit den Aufstieg zum Saisonende hin zu verspielen. Der letzte Rettungsanker wurde geworfen, Vereinsidol und Nachwuchsdirektor Horst Hrubesch soll noch ein Wunder schaffen, was gegen Nürnberg, Osnabrück und Braunschweig nur gelingen kann, wenn die Konkurrenz mitspielt. Die Ablösung von Trainer Daniel Thioune erfolgte eigentlich zu spät. Das 1:1 gegen Karlsruhe beendete fast alle Träume. Auf Hrubesch hätte man früher kommen können. Als Wunschkandidat für den nächsten Aufstiegsversuch gilt Paderborns Coach Steffen Baumgart.

In München herrschte wie gesagt bei den Bundesliga-Fußballern Ruhe, im Mittelpunkt standen diesmal die Frauen, die gegen Chelsea London um den Einzug ins Finale der Champions League kämpften. Doch es klappte nicht mit dem wohl größten Erfolg in der Vereinsgeschichte, denn dem 2:1-Sieg zu Hause am Campus folgte eine 1:4-Niederlage in London. Doch das Ergebnis täuscht, beim 1:3 hatten die Münchnerinnen tolle Chance, dreimal retteten die Londonerinnen auf der Linie, ein 2:3 hätte die Bayern-Mädchen ins Finale gebracht. Bei Sturm und Drang (einschließlich Torhüterin Benkarth) fiel zudem das 1:4. Chelsea hat mit Wolfsburg und Bayern damit beide deutschen Teams ausgeschaltet und trifft im Finale am 16. Mai überraschend auf den FC Barcelona, der Paris St. Germain mit 1:1 und 2:1 besiegen konnte. Damit gibt es erstmals seit langer Zeit ein Finale ohne deutsche und französische Klubs. Die Bayern-Mädchen spielen aber noch um einen Titel, um die deutsche Meisterschaft. Nach 26 Siegen in Folge sind sie allerdings ins Straucheln geraten, ausgerechnet im Pokal in Wolfsburg. Jetzt steht am Sonntag in Wolfsburg quasi ein Finale an, Bayern hat in der Bundesliga noch zwei Punkte Vorsprung, ein Remis könnte den Weg zum Titel freimachen, eine Niederlage wird ihn wohl verbauen. Die große Frage, ist ob die Mädchen nach den Rückschlägen wieder in die Erfolgsspur finden, Wolfsburg dagegen kann unerwartet doch noch die fünfte Meisterschaft in Folge gewinnen.

Alles andere als meisterlich ist der Streit beim Deutschen Fußball-Bund, der einen neuen Höhepunkt erlebt hat. Nach einer Sitzung der Landesverbände forderten die den Rücktritt der größten Streithähne, das sind Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius. Ob ihr Wunsch erfüllt wird, muss sich zeigen, den weiteren Unruhestiftern, Vizepräsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge, wurde dagegen das Vertrauen ausgesprochen. Doch trauen sollte man ihnen eigentlich nicht. Lesen Sie mehr in der nächsten Kolumne „Der DFB benötigt eine komplette Rundumerneuerung“. Diese Forderung gilt nach wie vor.

Der DFB benötigt eine komplette Rundumerneuerung

Die Skandale hören nicht auf, der Deutsche Fußball-Bund kommt nicht zur Ruhe. Die über sieben Millionen Mitglieder können sich vom Vorstand nicht mehr gut vertreten fühlen, doch die Wurzel des Übels ist offensichtlich in der Verwaltung zu finden. Das Krebsgeschwür wuchert und macht alle Anstrengungen, die Skandale der Vergangenheit aufzuarbeiten, zunichte. Als Aufklärer wurde der neue Präsident Fritz Keller aus Freiburg gesehen und er hat sich bemüht. Ihm wurden allerdings immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen, so dass er schier verzweifelt ist und der ansonsten ruhige Winzer und Gastronom seine Beherrschung verloren hat. Seinen Vize Rainer Koch, einst Richter am Oberlandesgericht in München, verglich er mit dem berüchtigten Nazi-Richter Freisler. Ein grobes Foul, doch die Rote Karte hat nicht nur Keller verdient, sondern alle Streithähne im DFB. Fritz Keller rennt gegen eine Wand, die vor allem Rainer Koch, Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge bilden. Sie wollen mit aller Macht eine vollständige Aufklärung verhindern. Da bleibt nur eins: Der DFB benötigt eine komplette Rundumerneuerung.

Positive Meldungen hat man vom DFB schon lange nicht mehr gehört, Kellers Vorgänger Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel mussten wegen verschiedener Verfehlungen vorzeitig gehen, doch einer blieb: Vize Rainer Koch, der offensichtlich im Hintergrund die Fäden in der Hand hält und im Generalsekretär einen fleißigen Mitstreiter hat. Auffallend ist, dass nicht Koch den Präsidenten wegen seiner Äußerung bei der Ethikkommission des DFB angezeigt hat, sondern Curtius dies nach einigen Tagen tat. Derselbe Curtius steht allerdings im Mittelpunkt dubioser und überhöhter Zahlen an einen außenstehenden DFB-Berater, dessen Tätigkeiten Keller unter anderem untersuchen wollte. Seltsam, dass in dieser Zeit Kellers Büroleiter entlassen wurde, ohne dass der Präsident vorher unterrichtet worden wäre. Man kann es nur so deuten: Eine komplette Aufarbeitung soll verhindert werden, der Verband offensichtlich weiterhin als Selbstbedienungsladen dienen.

Bezeichnend dazu ein Aufklärungsbericht in der Süddeutschen Zeitung, da heißt es zu der dubiosen Tätigkeit eines Beraters: Ein Kommunikationsberater schießt erst den einen DFB-Chef mit ab, kassiert dann ordentlich DFB-Geld – und schießt nun gegen den nächsten DFB-Präsident. Unter den Augen von Rainer Koch? Mit dessen Billigung? In dessen Auftrag?“ Da stellt sich schon die Frage: Was haben Koch und Curtius wirklich vor?

Am Samstag soll es ein Treffen der Landesverbände geben, die eigentlich hinter Fritz Keller stehen, der sich aber durch seine umstrittenen Äußerungen als Repräsentant fast disqualifiziert hat. Aber Keller ist nicht das Krebsgeschwür, deshalb muss es zu einer Rundumerneuerung kommen und das sehen auch manche Landesfürsten so, die für einen schnellstmöglichen außerordentlichen Verbandstag plädieren. Hierbei muss vor allem auch die Arbeit von Generalsekretär Curtius unter die Lupe genommen werden. Schlechte Schlagzeilen um Steuerhinterziehung, Steuer-Razzia und verschwundenen Geldern hatte der Verband genug.

Was die Rundumerneuerung angeht, sollte man beim DFB bei Vorstand und Verwaltung nicht Halt machen, es knirscht auch in anderen Abteilungen. So gerät Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich ins Visier der Kritiker, weil er sich einer Modernisierung der Altersregel widersetzt. Bundesliga-Schiedsrichter müssen mit 47 Jahren die Pfeife weglegen, aber warum gibt es keine Ausnahmen, wenn einer noch gut und fit ist. Aktuell betrifft es die Referees Manuel Gräfe, Guido Winkmann und Markus Schmidt, die am Ende der Saison ausscheiden müssen, aber alle gerne weitermachen würden. Vor allem für Manuel Gräfe, den die Profis in vielen Jahren als besten Schiedsrichter gewählt haben, machen sich sogar die Spieler stark. Sie fordern eine Ausnahmeregelung, wie es sie selbst bei der UEFA und auch in England mit Erfolg gibt. Fröhlich verschanzt sich hinter Paragrafen und betont, dass so Nachwuchs-Schiedsrichter in ihrer Karriere blockiert würden. Die allerdings müssen sowieso erst langsam herangeführt werden. An guten Schiedsrichter herrscht sowieso Mangel.

Bei einer Rundumerneuerung kommt auch der Name Oliver Bierhoff ins Gespräch. Der Sportdirektor hat sich oft genug den Zorn der Fans zugezogen, die ihn als einen der Verantwortlichen für den Niedergang der Nationalmannschaft sehen. Bundestrainer Joachim Löw ist ins zweite Glied gerückt, nachdem er seinen Rücktritt kundgetan hat. Sein möglicher Nachfolger Hansi Flick sollte sich überlegen, ob er sich den DFB überhaupt antun will. Er hat seinen Job bei Bayern München gekündigt, weil er Zoff mit Sportvorstand Salihamidzic hatte und er auf ein angenehmes Arbeitsklima wert legt. Aber ob er das angesichts dieser Streitigkeiten beim DFB wirklich findet? Der Bundestrainer kann sich davon nicht immer lösen, wenn Verwaltung und Vorstand streiten.

Überschattet von den Streitigkeiten wird auch die Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2024 in Deutschland. Wie soll da eine gute EM-Stimmung aufkommen? Beim DFB muss sich viel ändern, doch wer übernimmt und wer kann erfolgreich sein? Der größte Verband hat offensichtlich auch die größten Probleme. Kein Wunder, dass sich zum Beispiel die DFL vom DFB bereits deutlich distanziert.

In der Bundesliga dreht sich alles um die Trainer

Eigentlich ist in der Fußball-Bundesliga eine Pause angesagt (unterbrochen von Hertha-Nachholspielen), weil am ersten Mai-Wochenende der DFB-Pokal das Sagen hat. Doch von Ruhe kann keine Rede sein, in den Vereinen herrscht Hochbetrieb, manchmal sogar höchste Alarmstufe. Dabei ist Seltsames zu beobachten: Es geht nicht um Verstärkungen und neue Stars für die Vereine, nein, in der Bundesliga dreht sich fast alles um die Trainer. Neu ist auch, dass nicht Vereine die Trainer entlassen, sondern sich Trainer von sich von den Klubs verabschieden. Motto: „Tschüss, ich habe was Besseres gefunden.“

Marco Rose machte mit seinem Wechsel von Borussia Mönchengladbach zur anderen Borussia in Dortmund den Anfang, der Österreicher Adi Hütter folgte seinen Spuren von Frankfurt nach Gladbach, das Trainer-Domino nahm seinen Anfang. Der nächste Stein fiel mit dem Rücktritt von Bundestrainer Joachim Löw und da fiel gleich Hansi Flick mit. Er verkündete seinen Abschied aus München, obwohl es doch so eine erfolgreiche Ehe war mit sechs Titeln in einer Saison und sicherlich dem siebten in wenigen Wochen. Flick gefiel die Atmosphäre nicht mehr, die Löw-Nachfolge gilt als logischer Schritt. So richtig gekämpft haben die Bayern um ihren Erfolgstrainer nicht, sie jagen dafür lieber in fremden Gefilden. Früher haben sie sich die besten Spieler von den stärksten Konkurrenten geholt, jetzt suchen sie sich den Trainer vom Verfolger aus. Sie folgen eben dem neuen Trend.

Das führt dazu, dass der RB Leipzig vor einem ganz heißen Sommer steht. Eigentlich soll in den nächsten Wochen die beste Saison der Vereinsgeschichte perfekt gemacht werden. Sogar die Meisterschaft ist noch möglich, der Vize-Titel wird es aber wohl sein. Und daneben sollte am Freitag gegen Bremen der Sprung ins Pokalfinale gelingen, der erste Titelgewinn des jungen Vereins und des jungen Trainers ist möglich. Julian Nagelsmann lechzt nach Pokalen und er hat in frühen Zeiten seiner Karriere schon verraten: Er möchte einmal Trainer von Bayern München werden. Das Haus in München steht schon. Die Stunde ist offensichtlich gekommen, die Bayern informierten Leipzig, dass sie mit Nagelsmann verhandeln, der gebürtige Landsberger selbst äußerte laut kicker bei den Sachsen den Wunsch nach der vorzeitigen Ablösung seines bis 2023 laufenden Vertrags. Die Leipziger fielen allerdings nicht in Ohnmacht, der mögliche Wechsel wurde ja bereits diskutiert, sie legten eine Rechnung vor: Ablösesumme angeblich 25 Millionen Euro. So viel kosteten früher die besten Spieler, die Trainer sind die neuen Stars.

Für Leipzig wäre Nagelsmann nicht der einzige Abgang in der sportlichen Führung, Sportdirektor Markus Krösche war noch schneller als der Coach, er erhielt am Montag bereits offiziell die Freigabe aus seinem mit 2022 laufenden Vertrags. Als Ziel munkelt man Eintracht Frankfurt, dort wird ja ein Nachfolger von Sportvorstand Fredi Bobic gesucht. Der soll künftig Hertha BSC Berlin wirklich zu einem Big-City-Club machen, wenn auch erst einmal der Klassenerhalt gelingen muss. Das Domino-Spiel der Sportdirektoren ist also auch eröffnet.

Im Abstiegskampf bediente man sich allerdings noch der alten Regeln. Ist der Verein in Gefahr, wird der Trainer entlassen. Einzige Ausnahme bisher ist Werder Bremen, dort hofft man, dass Florian Kohfeldt wie im Vorjahr noch die Kurve kriegt. Vielleicht wartet Werder noch ab, weil erst das Pokal-Halbfinale gegen Leipzig ansteht (zudem Dortmund – Kiel).

Anders beim FC Augsburg, der zwar sogar drei Punkte mehr auf seinem Konto hat, aber die Leistungen in den letzten Spielen und vor allem in der ersten Halbzeit beim 2:3 gegen Köln waren so schlecht, dass am Montag die Entlassung von Heiko Herrlich folgte. Der blasse Coach konnte für keine Entwicklung sorgen. Vor einem Jahr übernahm er den FCA in Abstiegsgefahr, jetzt übergibt er ihn wieder in ähnlicher Situation. Die Augsburger frönen aber nicht dem neuen Trend, sie machen in Nostalgie. Nachfolger wird Markus Weinzierl, der hier schon von 2012 bis 2016 erfolgreich war und den FCA sogar nach Europa führte. Zwar sorgten Unstimmigkeiten für ein vorzeitiges Ende, aber die Zeit heilt bekanntlich Wunden. Eine Ablöse kostet Weinzierl nicht, der Straubinger wartet seit 2019 auf eine neue Chance. Jetzt hat er sie.

Die Augsburger hoffen auf die Gesundung durch Trainerwechsel. Mainz, Köln und Bielefeld machen schon einen besseren Eindruck. Vor allem die Wende in Mainz ist beeindruckend, am Ende der Vorrunde hatten die Rheinhessen wie Schalke gerade mal sieben Pünktchen und waren 17.! Hertha ist immer noch kränklich und konnte sich vielleicht in der Quarantäne erholen, Schalke 04 übertrieb mit dem Wechselspiel und steigt voller Ratlosigkeit ab, weil es an allen Ecken und Ende fehlte. Aber der Abstiegskampf wird zum Thriller, die Konkurrenten beharken sich zum Teil noch direkt. Eins steht fest: Für alle können die Wechselspielchen nicht aufgehen, bei jedem Spiel gibt es auch Verlierer. Damit sich die Vereine alle auf den Sport besinnen können und nicht von Covid-19 bedroht werden, schickt die DFL zum Saisonschluss alle Klubs in Quarantäne, auch die der 2. Bundesliga.

Nach dem Theater um die Super League geht es in dieser Woche ganz normal sportlich in der Champions League weiter, allerdings ohne Bundesliga. Da sind die Großen unter sich, Paris hätte allerdings nicht mitgemacht. Die deutschen Farben vertreten Spieler wie Toni Kroos bei Real Madrid und Ilkay Gündogan bei Manchester City. Mit Thomas Tuchel bei Chelsea London ist auch ein deutscher Trainer vertreten, der beim Trainer-Wechsel-Spiel in der Bundesliga nicht genannt wird. Er will über Real ins Finale, sein alter Verein Paris trifft auf Manchester City und Pep Guardiola, der mit seinem Team am Wochenende den ersten Titel holte, den Liga-Pokal. Er würde ihn wohl gern gegen die CL-Pott eintauschen.

Wenn es Champions League heißt, dann wird vor allem über die Zukunft diskutiert, der schon beschlossene Modus soll nach dem Willen von Spielern, Trainern und Fans wieder geändert werden. 100 Spiele mehr sind einfach nicht zu verkraften, wobei Pep Guardiola wohl den innovativsten Vorschlag hat: „Verlängern wir doch das Jahr auf 400 Tage“. Wohl eine Leichtigkeit für Real-Präsident Perez.

Dagegen läuft die Champions League der Frauen unter dem Radar der großen Aufmerksamkeit. Aber hier ist Deutschland im Halbfinale noch vertreten und die Bayern-Frauen träumen nach einem 2:1-Sieg im Hinspiel über Chelsea London vom erstmaligen Einzug ins Finale. Ausgerechnet im Duell der beiden Tabellenführer von Deutschland und England fanden die Münchnerinnen zu ihrer alten Form zurück und beeindruckten mit tollem Kampfgeist. Das gilt es am Sonntag im Rückspiel zu wiederholen. Vollkommen offen ist das zweite Duell, da trennten sich Paris und Barcelona 1:1.

Aufstand der Fans verhinderte ein Verbrechen am Fußball

Was war denn das mit der Super League? Ein Witz, ein Theaterstück? Darf gelacht werden oder war es eher was zum Ärgern? Auf jeden Fall rüttelte die irrwitzige Idee von ein paar Reichen Vereinsbesitzern bzw. -funktionären die Fußball-Welt ganz schön durcheinander. Am Sonntag kam der aktuelle Plan ans Tageslicht, wurde am Montag offiziell bestätigt, am Dienstag gab es die ersten Rückzieher und am Mittwoch folgte die Absage. Eigentlich sollte es Beerdigung heißen, doch die Idee schwelt weiter, wer weiß schon, was hinter den Kulissen noch läuft. Auch FIFA-Präsident Gianni Infantino spielt ein undurchsichtiges Spiel. Wir haben doch erfahren, dass es auch ihm persönlich in erster Linie ums Geld geht.

Aber vorerst gibt es ein Erlösung: Der Aufstand der Fans vor allem verhinderte ein geplantes Verbrechen am Fußball. Die Gruppe der zwölf Gierigen aus Spanien, Italien und England, der Blender und Lügner wollte mit der Super League nichts anderes erreichen, als die eigenen Schulden zu tilgen. Gladbachs Manager Max Eberl sieht es richtig: „Das ist kein Club der Superreichen, eher ein Club der Superverschuldeten“. Jahrelang häuften sie ein Minus an, aber unbeirrt warfen sie Millionen den Starspielern hinterher. In den Medien kursieren die Schuldenzahlen: Barcelona 1,2 Milliarden, Real Madrid 900 Millionen, Atletico Madrid 520 Millionen, Juventus Turin 460 Millionen. In England sind die Vereine für die Besitzer ein Zuschussgeschäft. Da war der Griff nach Milliarden durch die Super League sogar verständlich. 3,5 Milliarden für die vorgesehenen 20 Vereine als Sonderzahlung, 500 Millionen Startgeld pro Saison. Das Schlaraffenland des Fußballs.

Aber die Pläne gingen mehr in Richtung Schilda als Schlaraffenland. Der Öffentlichkeit verkaufte man Lügen oder falsche Versprechungen, die man gar nicht einhalten konnte. Als die UEFA noch über die neue Champions League diskutierte, beruhigte Juventus-Boss Agnelli „an der Super League ist nichts dran“. Als sie schon beschlossen war, wurde abgewiegelt „wir denken nur darüber nach“. Und dann Lügen zur Beruhigung: „Wir denken nur an die Fans, ein Vorteil für den Fußball, die Basis wird profitieren, ohne Super League geht der Fußball kaputt.“ Absurd. Die Wahrheit sieht anders aus: Eine Super League wäre ein Verbrechen am Fußball. Der gegensätzliche Weg muss eingeschlagen werden: Zurück zur Vernunft, zurück zu den Fans, stoppt die Entgleisungen der Superreichen. Auch die Spieler müssen zu Zugeständnissen bereit sein, die Gehälter gedeckelt werden, die Beraterhonorare wieder in einem vernünftigen Verhältnis zur Arbeit stehen. Nur dann hat der Profi-Fußball eine Zukunft, nur so gewinnt er wieder die Herzen, aus denen er teilweise entwichen ist.

Gewinner dieses ganzen Theaters waren die Fans, die schnell reagierten, auf die Straße gingen und den Vereinsverantwortlichen deutlich machten, dass sie sich von ihren Klubs abwenden würden. Vor allem den Klub-Besitzern in England wurden die Augen geöffnet. Jammern nicht alle jetzt schon über die Geisterspiele und vermissen die Fans? Sie bilden das Herz des Fußballs, sorgen dafür, dass der Kampf um Punkte, um Auf- oder Aufstieg mit Leben gefüllt wird.

Gewinner waren auch die deutschen Vereine Bayern München und Borussia Dortmund, die sich von vornherein distanziert haben. Karl-Heinz Rummenigge mutierte im Hintergrund zum starken Mann und erhielt vom Klub-Verband ECA das Vertrauen und gehört wieder der UEFA-Exekutive an. Daneben spielten auch die Scheichs von Paris St. Germain nicht mit, allerdings vor allem wohl deshalb, um den Frieden vor der WM in Katar zu wahren.

Es bleiben aber auch Fragezeichen. War die Gründung der Super League nur ein Ablenkungsmanöver, um die Reform der Champions League in besserem Licht darzustellen? Der veränderte Modus ab 2024 wurde reibungslos beschlossen und stößt bei den Fans und Vernünftigen auch auf Kritik: Auch hier gibt es schon mehr Geld für die Großklubs, die Verteilung der Millionen lässt die Schere zwischen großen und kleinen Klubs größer werden, 100 Spiele gibt es mehr, so dass der Stress für Spieler (und Zuschauer!) noch größer wird. Pausen im Spielbetrieb sind nicht mehr vorgesehen. Die Proteste werden erst dann stärker aufflammen, wenn der veränderte Modus naht, doch dann ist es zu spät für eine Rückbesinnung.

Zur Unsicherheit trägt auch der FIFA-Präsident bei. Was führt Infantino wirklich im Schilde? Bekannt ist, dass ein Vertrauter Infantinos bei den Vorbereitungsgesprächen zur Super League dabei war! Was war denn das dann für ein Theater, als Infantino gegen die Super League wetterte? Oder will er damit nur den Boden bereiten für seine ebenso wahnwitzige Idee, die Klub-Weltmeisterschaft auf 24 Teilnehmer auszuweiten und wie eine WM oder EM im Sommer über mehrere Wochen zu spielen? Dabei sollen ja auch die Top-Klubs aus Europa die Hauptrolle spielen, denn nur sie bringen das Geld von Sponsoren. Die Teilnahme von mehr Vereinen aus den anderen Erdteilen gilt als Stimmenfang und als Denkmäntelchen dafür, dass es nur um mehr Geld geht. Sportlich macht eine aufgeblähte WM keinen Sinn. Die Super League wäre Infantino dabei wohl ziemlich im Wege gewesen.

Entwarnung gibt es nicht, noch drängen alle im Profi-Fußball danach, noch mehr zu kassieren. Da geht es nicht nur um Spieler und Vereine, sondern vor allem auch um Berater und Funktionäre, die gern die Hand aufhalten. Eine Begrenzung der Gelder ist gar nicht in ihrem Sinne. Die Fan-Bündnisse warnen bereits: „“Wir müssen wachsam bleiben.“ Wohl wahr.