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Die DEL ist eine Erfolgsgeschichte

In der Tageszeitung war es nur eine kleine Jahreszahl, allerdings erstaunlich unter einer Rubrik von „Damals passiert“: 1994 wurde die DEL gegründet, die Deutsche Eishockey Liga. Da fragt sich der Sport-Grantler schon, jetzt da die 21. Saison begonnen hat, ob sich die Gründung der DEL damals gelohnt hat. Und dabei grantelt er gar nicht: Es hat sich gelohnt. Im Gegensatz zum Eishockey in Deutschland generell, ist die DEL durchaus eine Erfolgsgeschichte.

Allerdings war das nicht schwer und auch heute ist keineswegs alles in Butter. Zur Gründung kam es, weil die Spitzenklubs mit dem Deutschen Eishockey-Bund, dem Verband, nicht zufrieden waren und nach mehr Selbstständigkeit strebten. Der damalige DEB-Präsident Ulf Jäkel stellte die Weichen, unterschätzte aber den Ehrgeiz einiger Funktionäre und geriet kurz darauf selbst ins Abseits. Aber das Werk war vollbracht, die DEL gedieh, der DEB hatte danach nur noch schwache Präsidenten.

Bei der Abnabelung vom DEB drohte die DEL zeitweise sogar mit einem eigenen Verband und konnte nur mit Mühe verbandsrechtlich (Nationalmannschaft) unter dem Dach des DEB gehalten werden. Der Spielbetrieb wird eigenständig organisiert und ein Glücksfall war, dass sich internationale Großsponsoren für das Eishockey interessierten. In einigen Großstädten (Berlin, Hamburg, Köln) entstanden riesige Mehrzweckhallen, die gefüllt werden wollten. Da kam Eishockey als Publikumsmagnet gerade recht und hat bis heute seinen Zweck erfüllt. Deutschlands Spitzenliga weist in Europa die höchsten Zuschauerzahlen auf.

Dazu unterstützte der mit Hoffenheim in der Fußball-Bundesliga ins Gerede gekommene Dietmar Hopp nicht nur Fußball und Golf, sondern auch die Mannheimer Adler. Neuestes Projekt ist das vom Brausehersteller Red Bull in München. Die DEL-Statuten erlauben, dass Red Bull im Gegensatz zum Fußball im Eishockey unverhohlen werben kann und so mit Red Bull München an den Start gegangen ist. Titel sind auch hier langfristig das Ziel.

Streitigkeiten blieben auch in der DEL nicht aus, wirtschaftliche Probleme hatte auch der eine oder andere Verein, das ist im Eishockey so üblich. Aber im Großen und Ganzen konnte die DEL-Verwaltung den Laden zusammenhalten und scheidet ein Verein aus, so finden sich immer Interessenten für Deutschlands höchste Liga. Aber genau dieser geschlossene Zirkel, das Fehlen eines Auf- und Abstiegs stößt in Deutschlands Sportlandschaft immer noch sauer auf. Wechsel der Vereine gibt es nur aus wirtschaftlichen Gründen, die Lizenz wird dann einfach verkauft. Erst in dieser Woche urteilte die „Sport-Bild“: „Eine Liga ohne Ab- und Aufstieg ist wie Eis ohne Sahne“. Für deutsche Sportfans bleibt dies ungewohnt. Hintergrund ist nach wie vor die Planungssicherheit für die Vereine, sprich für die Mäzene. Man kann auch als Letzter überleben. Sportlich unverständlich ist wiederum auch, wenn, wie in der letzten Saison geschehen, der Neunte der Vorrunde durch erfolgreiche Play-Offs noch Meister werden kann. Die Ingolstädter Panther waren die glücklichen Sieger. Die großen Leistungsträger haben sie anschließend aber verloren.

Für die Entwicklung des deutschen Eishockeys könnte die DEL allerdings mehr tun. Vor allem in der Nachwuchsarbeit hapert es nach wie vor, da sind mehr oder weniger immer noch die kleinen Vereine gefragt. Zwar sprang die DEL bezüglich des Einsatzes von deutschen Spielern über ihren Schatten und schaffte eine akzeptable Quote, aber eine starke Nationalmannschaft war nicht die Folge. Dies lastet die DEL wieder dem Verband an und giert auch diesbezüglich erneut nach mehr Einflussnahme. Der neue DEB-Präsident Franz Reindl gilt als Freund der DEL und die Spitzenliga wird mehr Macht erhalten. Mal sehen, ob die DEL eine Erfolgsgeschichte bleibt und es schafft, dass auch die Nationalmannschaft langfristig eine Erfolgsgeschichte wird. Dagegen spricht, dass die DEL sportlich im internationalen Vergleich nicht zur Spitze zählt. „Die Stars machen um die DEL einen Bogen“, hat erst kürzlich ein Vereinstrainer traurig erkannt. Die deutschen Spitzenspieler können sich also mit der internationalen Spitze nicht messen.

Nationale Titel sind Pflicht, Champions League ist die Kür

Jetzt geht sie wieder los, die Jagd auf die Millionen! Ab der kommenden Woche dreht sich wieder die „Geldmaschine“ Champions League (CL). Insgesamt rund 900 Millionen Euro werden an die 32 Teilnehmer ausgeschüttet, kein Wunder, dass bei den nationalen Meisterschaften alle Vereine nach der Champions-League-Teilnahme lechzen. Kein Wunder, dass diejenigen Klubs auf Dauer finanzielle Vorteile haben, die Stammgast in der CL sind, zum Beispiel der FC Bayern München. 44,6 Millionen Euro kassierte der Deutsche Meister in der CL letzte Saison, stand damit auf Rang fünf der Verdiensttabelle, Krösus war CL-Sieger Real Madrid mit 57,4 Millionen, vor Paris Saint-Germain (54,4), Atletico Madrid (50,0) und Manchester United (44,8). Die anderen deutschen Teilnehmer verdienten auch noch gut: 34,7 Millionen Borussia Dortmund, 26,3 Bayer Leverkusen und 23,7 Schalke 04. Allein das Startgeld beträgt ja schon 8,6 Millionen Euro. Für Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn wäre da schon der halbe Etat gedeckt.

Alle strecken sich also nach der Champions League. Bei den großen Vereinen heißt es allerdings, der nationale Titel ist Pflicht, die CL ist die Kür, wobei der Favoriten natürlich davon ausgehen, dass sie, sollte es mit der Meisterschaft nicht klappen, sich auf jeden Fall für die CL qualifizieren. In Spanien, England und Deutschland reicht da Rang drei.

Die Pflicht der nationalen Titel gilt zum Beispiel für Bayern München in Deutschland. „Erstes Ziel ist die Meisterschaft“, heißt es im Verein, was den internationalen Wettbewerb angeht, wird vorsichtiger argumentiert, wobei die Bayern hier zumindest wieder das Halbfinale anvisieren, aber auch sagen: „Wir wollen ins Finale.“ Schließlich findet das 2015 in Berlin statt. Auch in der CL heißt es also wie im DFB-Pokal: „Wir wollen nach Berlin!“.

Ähnlich wie bei den Bayern sieht die Rolle beim Titelverteidiger Real Madrid aus. Im Vorjahr schwächelte zwar der große Konkurrent FC Barcelona, aber Stadtrivale Atletico schnappte den „Königlichen“ die Meisterschaft weg. Die Fans konnten nur damit getröstet werden, dass Real endlich die „decima“ perfekt machte, zum zehnten Mal Europas Krone gewann. Jetzt gibt es zwei große Ziele für Cristiano Ronaldo, Toni Kroos und Co.: Endlich wieder nationaler Meister werden und den Fluch in der Champions League besiegen. Dort konnte nämlich bisher keine Mannschaft ihren Titel erfolgreich verteidigen. Real ließ bekanntlich diesbezüglich den Traum der Bayern platzen.

Nationale Titel als Pflicht, das gilt vor allem für Paris St. Germain, aber auch für Manchester City, Chelsea und Arsenal London. Sie alle schauen daneben vor allem auf die Kür, auf den Sieg in der CL, den sie endlich ihren Fans bescheren wollen. Mit der nationalen Meisterschaft allein sind sie nicht mehr zufrieden. Die Scheichs und Milliardäre aus allen Herren Ländern als Mäzene wollen internationale Reputation. Womit der Kreis der Favoriten bereits genannt wäre. Borussia Dortmund gesellt sich sicherlich dazu, weniger ist von den italienischen Teams zu erwarten, die international ein wenig den Anschluss verloren haben.

Von den deutschen Klubs hat Bayern München die schwerste Gruppe erwischt. Lustig, dass es mit Manchester City und ZSKA Moskau ein Wiedersehen aus dem Vorjahr gibt. Dazu gesellt sich der AS Rom statt Pilsen, eine wesentlich schwerere Aufgabe. Borussia Dortmund duelliert sich wieder mit Arsenal London, sollte aber gegen Anderlecht und Galatasaray Istanbul bestehen können. Bayer Leverkusen dürfte mit Zenit St. Petersburg und dem neureichen AS Monaco auf Augenhöhe stehen, dazu gesellt sich das geschwächte Benfica Lissabon. Schalke 04 hat im Vorjahr Lehrstunden von Chelsea London erhalten, jetzt kann man zeigen, was man gelernt hat. Gegen Sporting Lissabon und NK Maribor sollte man sich durchsetzen. Heißt: Alle vier deutschen Teams sehen die Chance, die Gruppenphase zu überstehen und im neuen Jahr noch im Millionen-Spiel vertreten zu sein.

Im Schatten der Champions League steht die Europa League (EL). Bezeichnend, dass der Sieger FC Sevilla in der letzten Saison gerade 14,6 Millionen Euro kassieren konnte (siehe Zahlen oben in der CL!). Eintracht Frankfurt verdiente 7,3 Millionen, der SC Freiburg 5,2 Millionen, ein bisschen mehr als Almosen. Dennoch wollen die Klubs in die Europa League, sie wollen ihren Bekanntheitsgrad steigern, die kleineren Vereine sehen die EL als Sprungbrett. Die großen Vereine sehen die EL als Strafe. Ein bisschen Versöhnung gibt es höchstens, wenn am Ende die Europa League gewonnen wird.

Die deutschen Teilnehmer in diesem Jahr sind der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach, nachdem Mainz 05 wieder einmal in der Qualifikation gescheitert ist. Für beide deutschen Vertreter gilt: Ihr Ziel ist die Teilnahme an der CL, die EL gilt allein als „Warmmacher“. Jeder will ans große Geld, 1,3 Millionen Euro als Startgeld in der EL machen nicht glücklich. Andererseits gilt für die CL-Teilnehmer, dass sie ihren Platz an den sprudelnden Geldquellen nicht verlieren wollen. Das Millionenspiel dreht sich.

Zum Abschluss ein bisschen interessante Statistik:

Real Madrid ist mit insgesamt zwölf Titel (CL, EL bzw. UEFA-Cup und Europapokal der Pokalsieger) der erfolgreichste Verein in Europa, gefolgt vom FC Barcelona (11), AC Mailand (9), FC Liverpool (8) und Bayern München (7). Auch in der ewigen Tabelle der Champions League führt Real Madrid, das in 18 Jahren genau 200 Spiele absolviert hat (116 Siege, 39 Unentschieden, 45 Niederlagen, 415:222 Tore) und 387 Punkte holte (nach Drei-Punkte-Wertung). Platz zwei gehört dem FC Barcelona (18 Jahre, 193 Spiele, 374 Punkte), Platz drei Manchester United, das in dem Jahr international fehlt (!), aber schon 19 Jahre dabei war (200 Spiele, 373 Punkte. Danach kommen bereits die Bayern aus München, die sich 17 Jahre lang auf der internationale Bühne tummelten (187 Spiele, 98 Siege, 45 Unentschieden, 44 Niederlagen, 325:195 Tore, 339 Punkte. Platz 15 nimmt Borussia Dortmund ein (138 Punkte), Platz 21 Bayer Leverkusen (95) und Rang 30 Schalke 04 (71).

Das Fernsehen ist für den Sport Fluch und Segen

Ein Blick auf den Sport im Fernsehen in dieser Woche macht wieder einmal das Dilemma für die Sportfans deutlich: Die TV-Anstalten richten sich heute ausschließlich nach Quoten und Rechten. Das Fernsehen ist für den Sport heute Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil eben die Vielfalt nicht mehr gilt, Minderheiten nicht mehr berücksichtigt werden. Segen für einige Sportarten, weil sie ihren Sport weitgehend durch das Fernsehen finanzieren können. Das gilt zum Beispiel auch für das Millionengeschäft Fußball-Bundesliga. In erster Linie der Bezahlsender Sky, aber auch ARD und ZDF legen Millionen Euro für die Übertragungsrechte hin. Dennoch jammern die deutschen Klubs, dass sie mit den TV-Einnahmen gegenüber dem Ausland (vor allem England und Spanien) im Hintertreffen sind. Das ist jammern auf hohem Niveau, denn die meisten anderen Sportarten können sich darüber beklagen, dass ihnen das Fernsehen die kalte Schulter zeigt.

Der deutsche Sport griff jetzt zur Selbsthilfe. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) startet im Internet das Sportdeutschland.TV. Hier sollen alle Sportarten ein Forum bekommen, die im Fernsehen stiefmütterlich behandelt werden. So werden jetzt von der Volleyball-Weltmeisterschaft alle Spiele live übertragen. Auch einzelne Sportarten haben schon den Ausweg über das Internet beschritten, so zum Beispiel die Tischtennis-Bundesliga. Ein Ausgleich für fehlende Fernsehzeiten ist das nicht, weil das Fernsehen auch Sponsoren lockt. Die Macht der TV-Anstalten wird deutlich: Übertragen sie, bekommt der Veranstalter Sponsoren und hat die Chance, finanziell gut über die Runden zu kommen. Überträgt das Fernsehen nicht, dann muss alles eine Stufe kleiner organisiert werden und schlimmstenfalls droht das Aus für die Veranstaltung. Ohne Moos ist eben nichts los.

Es ist nichts Neues, dass der Fußball den Sport dominiert, vor allem aber den Sport im Fernsehen. Im neuesten DFB-Journal listet der Fußball-Bund nach den Top-Einschaltquoten bei der Weltmeisterschaft in Brasilien stolz auf, dass die Top 10 der deutschen TV-Quoten aller Zeiten ausnahmslos Spiele der Fußball-Nationalmannschaft betreffen! Nummer 1 ist das WM-Finale 2014 Deutschland – Argentinien mit 34,65 Millionen Zuschauern (Marktanteil 86,3 Prozent), Nummer 2 das WM-Halbfinale 2014 Deutschland – Brasilien mit 32,57 Millionen (87,8 %) und Nummer 10 das EM-Finale 2008 Deutschland – Spanien mit 28,05 Millionen (82 %). Auf Platz 11 gehört dem Fußball, danach folgt die siebte Folge der „Schwarzwaldklinik“ von 1985. Deutschland einig Fußball-Land!

Ohne Fußball nichts los. Das Beispiel findet sich beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) in dieser Woche. Ohne Fußball-Bundesliga keine „Sportstudio“ am Samstag. Nun spielt zwar die Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Argentinien (ARD) und am Sonntag gegen Schottland, aber das ZDF hat kein Interesse, über den Start der Qualifikation zur Europameisterschaft zu berichten. Der Grund ist einleuchtend: RTL hat die Rechte erworben und ARD und ZDF ausgebootet. Den TV-Anstalten geht es also nicht um die Information des Zuschauers, sondern allein um ihre Rechte und ihre Quoten. Haben sie die Rechte, wird jede Veranstaltung zu einem Super-Ereignis hochgepuscht, haben sie die Rechte nicht, wird geschwiegen. Ohne Zugpferd Fußball fürchtet das ZDF wohl fehlende Quoten für das „Sportstudio“ (die sowieso niedrig sind bei der Sendezeit um 23.00 Uhr) und verzichtet. Sollen die Mitarbeiter doch Überstunden abbauen.

Der Zuschauer hat leider kein Mitspracherecht und so müssen wir in den nächsten Jahren bei den Qualifikationsspielen zur EM und WM eine Flut von Werbung über uns ergehen lassen, wenn RTL am Drücker ist. Bei den Privaten erleben wir es ja immer wieder, dass auch hier nicht die Information im Vordergrund steht, sondern der Verdienst. Werbung muss sein, so finanzieren sich schließlich die Sender. Der Sport-Grantler schaltet bei Werbung um, ihm tun dies Millionen gleich. Die Sender wissen das und greifen zu dem Gegenmittel, dass die Werbeblocks unterschiedlich lang sind. Motto: Wer nichts verpassen will, muss dran bleiben.

Auch der Pay-TV-Sender Sky zeigt, dass das Fernsehen den Sport beherrscht. So werden die Spiele der Fußball-Bundesliga nach dem Wunsch des Fernsehsenders terminiert. Nur deshalb haben wir zum Beispiel zwei Sonntagsspiele zu unterschiedlichen Zeiten. Besonders ärgerlich war dies am Sonntag mit zwei mauen 0:0. Früher gab es zwei Spiele zur gleichen Zeit, die Konferenz machte dann aus zwei schwachen Spielen zumindest ein mittelmäßiges. Sky will den Sonntag besser ausfüllen, schließlich zahlt der Sender viel Geld und wäre wohl ohne Fußball auch nicht überlebensfähig. Da wäscht eine Hand die andere.

Der Sportfan vor dem Bildschirm muss nehmen, was er bekommt. Das gilt auch für die Sportverbände, manche fluchen auf das Fernsehen, für manche ist es ein Segen.

Welches System hätten’s denn gern?

Die Taktik-Freaks im Fußball warteten gespannt auf den Start der Bundesliga, um zu sehen, welche Auswirkungen die Spiele der Weltmeisterschaft in Brasilien auf das nationale Geschehen hätten. So stellt sich für die Trainer die Frage ähnlich wie beim Metzger: „Welches System hätten’s denn gern?“ Eines zeigte sich: Mit vier Innenverteidigern wie Jogi Löw operierte niemand.

Aber auch die Taktik-Frage bleibt eigentlich unbeantwortet. Das sture System gibt es nicht mehr und schon das Fazit der Spielbeobachter in Brasilien war deutlich: „Es gibt eigentlich nichts Neues, es geht um Nuancen. Vor allem Pressing, schnelles Umschalten und Laufspiel sind gefragt.“ Genau das bot dann auch die Bundesliga.

Zuerst zum System. Ob das zuletzt aktuelle 4-2-3-1 oder 4-4-2 oder 4-1-4-1 – es wurde alles praktiziert und vor allem von den Trainern im Spiel immer wieder umgestellt. Typisch dafür Pep Guardiola bei den Bayern. Sie begannen gänzlich neu mit einem 3-3-3-1, doch das währte nicht lange. Der kicker sah es so: „Nach kurzer Findungsphase entschied sich Bayern-Trainer Guardiola für eine Viererkette in der Abwehr.“ Heutzutage ist es allerdings so, dass sich die Spieler immer wieder verschieben müssen. Die erste Aufgabe heißt „hinter den Ball“, bevorzugt wird schnelle Balleroberung und dann – ab geht die Post. Vielleicht nicht bei den Bayern, da setzt der Trainer auf Ballbesitz, aber auch Guardiola muss einsehen: Irgendwann muss der Ball ins Tor, ins gegnerische wohlgemerkt.

Bayern findet natürlich immer Beachtung und im ersten Spiel stand vor allem die Frage im Vordergrund, was der Titelverteidiger bzw. seine Weltmeister überhaupt schon zustande bringen würden. Arjen Robben wurde zwar nicht Weltmeister, aber der Niederländer zeigte, dass man auch ohne große Vorbereitung zur Hochform auflaufen kann. „Ich bin zuletzt nur meinen Kindern nachgerannt, da bin ich fit geblieben“, scherzte er. Philipp Lahm sah es so: „Eigentlich hatten wir keine richtige Pause, es ging ja gleich weiter.“

Die größte Aufmerksamkeit zog allerdings Bayer Leverkusen auf sich. Der neue Trainer Roger Schmidt überraschte nicht nur Jürgen Klopp und Borussia Dortmund, sondern die ganze Fußballwelt. Mit dem perfektionierten Kloppo-System ließ er dem Lehrmeister keine Chance. Pressing wie aus dem Lehrbuch, intensive Laufarbeit und dem Gegner keinen Raum lassen. Wo die Dortmunder auch hinkamen, ein Bayer-Spieler war schon da. Ein System, das bekanntlich auch den Bayern Probleme bereitet und damit die Hoffnung vieler Bundesliga-Anhänger stärkt, dahingehend nämlich, dass es diesmal keinen Alleingang der Bayern geben wird. Was Leverkusen angeht, da muss man allerdings abwarten, wie lange die Mannschaft das kraftraubende Spiel auch durchziehen kann. Der Start war jedenfalls schon mal vielversprechend.

In eine System-Schablone lässt sich dieses Spiel nicht pressen. Das alte 4-2-3-1 trifft es wohl am ehesten, entscheidend war aber nur eins: Alle Spieler müssen in Bewegung sein. Und der Ball muss irgendwann mal auch ins Tor. Das haben die Leverkusener bereits nach neun Sekunden geschafft. Ein neuer Rekord, der angeblich im Training geübt wurde. So schnell wurden die Weichen noch nie auf Sieg gestellt. Das System des Erfolgs: Ein Tor und dem Gegner keine Luft zum Atmen lassen!

Fans feiert die Weltmeister!

Jubel, Trubel, Heiterkeit – das muss eigentlich ab Freitag in der Fußball-Bundesliga herrschen. Es war der sehnlichste Wunsch aller Fußball-Anhänger in Deutschland, dass die DFB-Auswahl endlich wieder einmal mit dem Titel von einer Weltmeisterschaft nach Hause kommt. In Brasilien hat es geklappt. Jetzt aber müssen die Fans zu Hause bzw. in den Stadien auch Farbe bekennen. Der Sport-Grantler ruft ihnen zu: Fans feiert die Weltmeister!

Die ersten Pflichtspiele der neuen Saison haben allerdings bereits erkennen lassen, dass Verein und Nationalmannschaft zwei paar Stiefel sind. Wer ein Tor für Deutschland schießt, wird gefeiert. Wer ein Tor gegen den eigenen Verein schießt, wird ausgepfiffen. Und wer sogar den eigenen Verein „verrät“ und zur Konkurrenz wechselt, der wird gnadenlos ausgepfiffen, Weltmeister hin oder her. Das musste der Schütze des „goldenen WM-Tores“, Mario Götze, erleben. Die Dortmunder Fans verzeihen ihm den Wechsel zu den Bayern nicht, er erntete sowohl bei seinem Auftritt im Supercup in Dortmund als auch beim DFB-Pokalspiel in Münster erneut Pfiffe der Borussia-Fans. Götze wird sich damit abfinden müssen und er wird es verkraften. Vor allem mit Erfolgserlebnissen mit den Bayern. Pokale heilen alle Wunden.

Man darf gespannt sein, wie sich der Weltmeister-Titel auf den Alltag in der Bundesliga auswirkt. Gibt es einen Bonus? Nicht nur von den Fans, sondern auch von den Trainern? Gibt es mehr Euphorie? Erlebt die Bundesliga einen noch größeren Zulauf an Zuschauern? Große Steigerungen sind allerdings nicht mehr möglich, vor allem in diesem Jahr nicht, wenn Paderborn mit seinem kleinen Stadion die Zahlen drückt.

Sicher ist, dass die Bundesliga im Gesamten von der Weltmeisterschaft natürlich profitiert. International ist die Reputation gestiegen, die Auslandsvermarktung wird erleichtert, für ausländische Spieler sind die deutschen Vereine attraktiver geworden. Davon profitieren auch die Fans, die immer mehr interessante Spieler erleben können.

Allerdings ist es leider so, dass die Vereinsanhänger nicht das Ganze sehen, sondern vor allem auf ihren Verein fixiert sind. Ist er erfolgreich, geht es ihnen gut, hagelt es Niederlagen, geht es den Fans schlecht und sie lassen sie lassen ihre Wut an Spielern und Trainern aus. Da spielt der Gewinn des Weltmeister-Titels keine Rolle mehr. Verlierer gehören allerdings zum Sport. Zum Wesen des Menschen gehört es, dass er nicht zu den Verlierern zählen will. Weltmeister werden allerdings die wenigsten. Also feiern wir sie!

Es gibt im Fußball doch noch Kleine

Wie oft haben wir das vor wichtigen Fußballspielen schon gehört, wenn eine scheinbar übermächtige Mannschaft von ihrer Favoritenrolle ablenken will: „Es gibt keine Kleinen mehr“. Diese These schien sich vor allem bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zu bestätigen. Nur Kamerun, Australien und Honduras blieben ohne Punktgewinn, doch sie machten ihren Gegnern das Leben schwer, eine „Packung“ gab es nicht. Und eine vermeintlich Kleiner, Costa Rica, marschierte sogar ins Viertelfinale.

Dennoch sterben die Kleinen nicht aus. Weltmeister Deutschland bekommt es am 14. November in der EM-Qualifikation mit dem Neuling Gibraltar zu tun. Der Sport-Grantler hört schon Bundestrainer Jogi Löw: „Högschte Konzentration ist gefordert, auch die können Fußball spielen.“ Gibraltar bleibt doch ein Kleiner, wie auch San Marino oder Andorra. Die Kleinen aber gibt es vor allem im Pokal. Fünft- oder sogar Sechstligisten treffen auf einen Bundesligisten. Da stehen lupenreine Amateure den gut bezahlten Profis gegenüber. Haben Sie schon einmal etwas von der Alemannia Waldalgesheim gehört? Gegner in der 1. Hauptrunde im DFB-Pokal ist Bayer Leverkusen. Ein Kleiner trifft also am Wochenende auf einen Großen.

Das die Favoriten die Kleinen erhöhen, ist für sie Selbstschutz. Es gibt ja das berühmte Gesetz im Pokal, dass irgendeiner Kleiner immer einen Großen schlägt und für eine Sensation sorgt. Zumindest prophylaktisch wollen sich die Großen schützen, indem sie die Kleinen groß reden. Die Schmach bleibt ihnen bei einer Niederlage dennoch nicht erspart. Gibt es eine Sensation, wird diese Jahre später wieder ausgegraben, wenn die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal ansteht. Da werden peinliche Niederlagen wieder aus dem Archiv geholt. Zum Beispiel das 1:0 von Vestenbergsgreuth 1994 gegen Bayern München mit Oliver Kahn, das 2:0 des SC Geislingen 1984 gegen den Hamburger SV oder das 2:1 der SSV Ulm 2001 gegen den 1. FC Nürnberg. Von solchen Überraschungen träumen die Amateure auch in diesem Jahr wieder. Da sind sie gerne Kleine.

Die Großen träumen nicht, ihnen schlottern wohl auch nicht die Knie, aber der eine oder andere wird mit gehörigem Respekt auf die Reise gehen. Es gibt auch Klubs, die in der noch jungen Saison schon richtige Rückschläge verkraften mussten und nun auf die Kleinen als Aufbaugegner hoffen. Zum Beispiel Mainz 05 beim Chemnitzer FC (immerhin ein Drittligist, also keine Amateure mehr) nach dem Debakel in der Qualifikation zur Europa League. Noch eine Niederlage und der Baum brennt. Oder 1860 München nach dem Fehlstart in der 2. Bundesliga. Bei Holstein Kiel ist Wiedergutmachung angesagt – oder eben das typische 60er-Chaos. Und hat Nürnberg nach seiner Derby-Pleite die Nerven wieder im Griff? In Duisburg wird es sich zeigen.

Der DFB-Pokal ist immer ein reizvoller Start in die neue Saison – nur nicht für den, der sich blamiert. Da fragen sich die Fans oft, wer könnte sich denn diesmal blamieren, doch Vorhersagen sind schwer, denn sonst wäre es ja keine Überraschung mehr. Für den VfB Stuttgart ist der VfL Bochum wohl kein Kleiner. Man stelle sich vor, der VfB scheidet aus und Lokalrivale Kickers schafft gegen Borussia Dortmund eine Sensation! Was machen die Bayern aus München ohne ihre Weltmeister bei Preußen Münster? Wackelt vielleicht der Meister? Düsseldorf könnte in Würzburg straucheln, Augsburg in Magdeburg, RB Leipzig gegen Bundesliga-Aufsteiger Paderborn ist fast ein Schlagerspiel. Die ARD hält allerdings am meisten von Dynamo Dresden gegen Schalke 04 und überträgt am Montag live.

Tatsache ist, der Fußball ist wieder in den Schlagzeilen, die neue Saison nimmt Fahrt auf und die Kleinen kommen im DFB-Pokal immer groß raus.

Dortmund leidet im Schatten der Bayern

Von einem „Gift-Duell“ zwischen den Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund und dem FC Bayern München ist derzeit wieder einmal die Rede. Die verbalen Attacken, die hin und her gehen, sind mehr als ein „Ballyhoo“ vor der neuen Saison. Da die Dortmunder, der Herausforderer des Meisters, da die Bayern, der „Platzhirsch“, die in gewohnter Weise versuchen, den ernsthaften Konkurrenten zu verunsichern bzw. zu schwächen. Das ist ihnen bisher immer noch gelungen und scheint auch jetzt wieder zu gelingen. Die Dortmunder sind nicht nur verärgert, sondern wirken auch verunsichert.

Grund des neuen „Gift-Duells“ ist Nationalspieler Marco Reus, der heute Weltmeister wäre, wenn er sich nicht kurz vor dem WM-Turnier schwer verletzt hätte. Jetzt arbeitet er an seinem Comeback, andere machen sich Gedanken um seine Zukunft. Ein Reus in Bestform ist ein Objekt der Begierde, nicht nur bei den Bayern, sondern bei wohl allen finanziell potenten Spitzenklubs in Europa. Für 2015 hat er eine Ausstiegsklausel im Vertrag, für wohl 25 Millionen Euro, wie Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge verriet. Dies wiederum verärgerte natürlich die Dortmunder Bosse, denn alles können sie gebrauchen, nur nicht Unruhe um einen möglichen Abgang von Reus. Dabei zittern sie davor, dass sie der Konkurrent nach den Abgängen von Mario Götze und Robert Lewandowski nach München erneut schwächen könnte. Dann gelingt der Angriff auf die Bayern nie.

Finanziell haben die Dortmunder zuletzt einen Deal gelandet und Hauptsponsor Evonik als Anteilseigner ins Boot geholt. Insgesamt rund 350 Millionen Euro soll es so in die Kassen der Westfalen spülen. „Wir kommen Bayern näher“, jubelte Borussia-Boss Hans-Joachim Watzke. Wenig später setzten die Bayern den Konter mit der Fortsetzung des „Gift-Duells“. Der Meister befindet sich zweifellos in der „Pole Position“, bei Dortmund fragt sich der Sport-Grantler, was die Borussia wirklich will.

Die Bayern wirklich angreifen? Offensichtlich fehlt da der Mut, sonst würde man selbstbewusst propagieren Meister werden zu wollen und nicht nur auf eine „schwache Stunde“ der Bayern warten. Dortmund sieht sich als „Erster vom Rest“.

Ab und zu einen Titel gewinnen? Das allein wird nicht reichen. Gute Spieler wollen ständig Titel gewinnen – und deshalb zieht es sie zu den Bayern, nicht nur des Geldes wegen. „Bei den Bayern wirst du auf jeden Fall mal Meister“, äußerten sich Mario Götze (er ist es inzwischen) und Robert Lewandowski unisono. Dabei schafften es die Dortmunder zwei Jahre hintereinander, die Bayern zu düpieren. Ihr Pech, dass sie die Münchner damit erst recht aufstachelten und die ihre Mannschaft verstärkten. Die Dortmunder trieben die Bayern quasi zum Titelgewinn in der Champions League. Wieder Pech: Finalgegner war Dortmund.

Es ist so: Dortmund leidet im Schatten der Bayern. Um aber aus dem Schatten zu treten, müssen die Westfalen selbstbewusster werden. Der Slogan der Bayern „mia san mia“ sagt alles. Der Slogan der Borussia heißt „Echte Liebe“, sie wollen aller Liebling sein, der Erfolgreiche ist dies nie – siehe Bayern! Der Weg, den die Borussia gehen will, ist fast die Quadratur des Kreises: Geliebt werden und erfolgreich sein. Das gelingt nur, wenn zweite Plätze auch als Erfolg gesehen werden. Das wiederum reicht aber nicht, um aus dem Schatten der Bayern zu treten.

Am Mittwoch, 13. August, gibt es wieder das direkte „Gift-Duell“ auf dem Rasen, beim Supercup treffen sich erneut Dortmund und München. Vor einem Jahr holte die Borussia den Cup, was für die Bayern nicht mehr als ein Nadelstich war. Es war vor der Saison und die Bayern nicht in Form. Das sind sie auch diesmal nicht, denn die Weltmeister kehrten gerade zurück. Eigentlich soll der Supercup, normal ein Duell zwischen Meister und Pokalsieger, aber die Bayern können schlecht gegen sich selbst spielen, Lust auf die neue Saison machen, diesmal treten allerdings bestenfalls zwei verstärkte B-Teams gegeneinander an. Lust auf die neue Saison haben die Fußball-Fans dennoch. Sie wollen die Weltmeister sehen. Aber auch da stand Dortmund im Schatten der Bayern.

Mercedes macht die Formel 1 spannend und langweilig

Vor der Saison zählte auch der Sport-Grantler zu den Skeptikern, welche die Formel 1 am Scheideweg sahen. Red Bull hatte die Königsklasse des Motorsport dominiert und gähnende Langeweile machte sich nach vier Titelgewinnen von Sebastian Vettel breit. Jetzt dominiert Mercedes die Formel 1 und doch ist einiges besser geworden. Das neue Reglement sorgt für Lob und Kritik, aber Mercedes macht die Formel 1 spannend und langweilig zugleich.

Einmal haben sich die Vorhersagen erfüllt: Durch das neue technische Reglement wurde die Rennserie auf den Kopf gestellt. Profitiert hat erwartungsgemäß Mercedes, denn die Stuttgarter haben ihre Hausaufgaben am besten gemacht und sich einen riesengroßen Vorsprung vor der Konkurrenz erarbeitet. Unschlagbar sind sie aber nicht! Andererseits bleibt die Kritik an den Motoren, die eher wie Staubsauger klingen und nicht an Rennsport erinnern, aber auch die Punktevergabe mit der doppelten Punktzahl im letzten Rennen ist ein Witz, kann aber nicht mehr geändert werden. Über allem steht aber: Die meisten Rennen sind spannend, es gibt eine große Zahl an Überholmanövern und auch wenn meist ein Mercedes vorne steht, spannend bleibt es dennoch.

Der große Unterschied zu den letzten Jahren: Während Sebastian Vettel dominierte und keinen gleichwertigen Partner bei Red Bull hatte bzw. der Konkurrent im eigenen Rennstall vom Team ausgebremst wurde, lässt Mercedes den Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton freien Lauf. Und sie sind gleichwertig! Ihre Duelle auf der Strecke elektrisieren die Fans. Der WM-Titel wird nicht verschenkt, sondern der bessere oder glücklichere (siehe technische Probleme) Fahrer soll gewinnen. Selten haben zwei Fahrer aus einem Rennstall mit so offenem Visier gekämpft. Freie Fahrt für den Rest der Saison ist versprochen, Mercedes will auch so die Marken- und Fahrer-WM gewinnen. Langweilig: Meist gewinnt Mercedes. Spannend: Wer gewinnt, Rosberg oder Hamilton? Ein Stern für die Marke mit dem Stern!

Titelverteidiger Sebastian Vettel gehört zu den Verlierern der Saison, vor allem auch deshalb, weil ihn sein Konkurrent Daniel Ricciardo in die Schranken verweist. Der junge Australier siegte bereits zweimal und lag meist vor Vettel. Peinlich für den Weltmeister! Es scheint, als würde der ewige lachende Ricciardo den Deutschen auslachen!

Verlierer ist natürlich auch Red Bull. Es scheint, sie haben Brause im Tank. Mercedes macht es den Salzburgern vor, wie man fair kämpfen und dennoch erfolgreich sein kann. Sieger insgesamt ist die Formel 1, die wieder an Reputation gewonnen hat. Doch über der Zukunft liegen dennoch Schatten. Sie haben vor allem mit der Geldgier und Bernie Ecclestone zu tun. Neue Märkte zu erschließen, findet sicherlich Zustimmung, aber es sollten auch für die Öffentlichkeit und vor allem für die Motorsportfans attraktive Märkte sein. Aserbeidschan gehört sicherlich nicht dazu. In Baku soll es aber 2016 ein Rennen geben. Der Motorsportfan wird nicht gefragt.

Dafür steht Hockenheim auf der Kippe, eine der traditionsreichsten Strecken überhaupt. Dort fließt das Geld nicht mehr wie gewünscht, der Veranstalter in Hockenheim macht Verlust. Bezeichnend, an dem Rennwochenende sahen 60.000 Zuschauer die Formel 1, aber 200.000 Zuschauer waren beim Triathlon in Roth. Das gibt zu denken und gefällt Bernie Ecclestone überhaupt nicht.

Von einer heilen Welt ist die Formel 1 also zur Sommerpause der Saison 2014 noch weit entfernt.

Die letzten acht Rennen: 24. 8 Spa (Belgien) 14.00 Uhr MESZ, 7. 9. Monza (Italien) 14.00 Uhr, 21. 9. Singapur 14.00 Uhr, 5. 10. Suzuka (Japan) 8.00 Uhr, 12. 10. Sotschi (Russland) 13.00 Uhr, 2. 11. Austin (USA) 21.00 Uhr MEZ, 9. 11. Sao Paulo (Brasilien) 17.00 Uhr, 23. 11. Abu Dhabi 14.00 Uhr.

Der Verkauf des Deutschen Eishockey-Bundes

Es geschehen manchmal seltsame Dinge im deutschen Sport. Es gibt Verbände, da wundert man sich über manche Entscheidungen, es gibt aber auch Verbände, da wundert man sich über gar nichts mehr. So einer ist der Deutsche Eishockey-Bund. Jahrelang hörte die Öffentlichkeit nur von Streit, Ruhe herrschte erst nach einer Entmachtung des Verbandes. Jetzt könnte es in naher Zukunft sein, dass der Deutsche Eishockey-Bund ganz von der Bildfläche verschwindet. Bei der Hauptversammlung am vergangenen Wochenende hat nichts anderes als der Verkauf an die DEL stattgefunden.

Also gut, der Verband als solcher kann nicht verschwinden, weil er Mitglied im Internationalen Eishockey-Verband (IIHF) ist und dort die Interessen des deutschen Eishockeys vertritt. National aber ist der DEB endgültig zu einem zahnlosen Tiger mutiert, weil die DEL die Macht übernommen hat. An der Spitze steht jetzt der langjährige Sportdirektor, Generalsekretär und ehemalige Nationalspieler Franz Reindl, der in seiner jahrzehntenlangen Arbeit für den Verband vor allem eines geschafft hat: Nichts auf den Weg zu bringen, aber eine weiße Weste zu behalten und gut dazustehen. Er hat sein Fähnchen immer rechtzeitig in den Wind gehängt und es geschafft, dem jeweiligen Präsidenten treu zu dienen und seine Pfründe zu sichern.

Jetzt hat es der 59jährige geschafft, er steht an der Spitze, ist selbst Präsident. Ein Weg, den auch Wolfgang Niersbach beim Deutschen Fußball-Bund gegangen ist, doch es gibt eben himmelweite Unterschiede. Da der Funktionär, der vorher schon durch hervorragende Arbeit geglänzt hat, dort der Strippenzieher, der eine Sportart nicht voran gebracht hat. Lachhaft die Äußerung von Reindl bei seiner Präsidenten-Kür: „Die anderen Nationen lachen sich doch über uns kaputt: Wir mit unseren 80 Millionen Einwohnern, als Organisationstalente, schaffen es nicht, konkurrenzfähig zu sein“. Er fordert: „Wir müssen uns neu aufstellen.“ Warum ist aber in den über 20 Jahren seiner Tätigkeit beim Verband nichts passiert? Außerdem: Die 80 Millionen in Deutschland interessieren sich vielleicht für die Fußball-WM, aber auf keinen Fall für Eishockey. Eishockey ist eher zur Randsportart verkommen.

Kläglich, dass der alleinige Kandidat nur 73,5 Prozent an Stimmen erhielt. Es gab also genug Bedenkenträger. Ihm zur Seite stehen zwei Mannheimer: MERC-Boss Daniel Hopp und Berthold Wipfler als Vizepräsident und Schatzmeister. Also hat die DEL deutlich das Sagen, sie wird künftig im Verband bestimmen, Reindl ist eher eine Marionette. Die Landesverbände vertritt Marc Hindelang, Journalist bei Sky und Präsident des kleinen EV Lindau. Hat man ihn als Sprachrohr und PR-Mann ins Boot geholt? Für einen unabhängigen Journalisten eine problematische Sache.

Wie auch immer, eines ist klar, der wieder einmal finanziell klamme Verband wurde geschwächt, die DEL gestärkt. Sie hat im deutschen Eishockey endgültig das Kommando übernommen und wird die Zukunft bestimmen. Das muss nicht schlecht sein, denn die Top-Liga funktioniert ja, eigentlich als einzige Liga im deutschen Eishockey. Allerdings hat sich die DEL um den Nachwuchs und die Basis nicht so viele Gedanken gemacht und deshalb ist zu befürchten, dass die bisher mangelhafte Basisarbeit des DEB unter der Ägide der DEL auch nicht besser wird. Verlierer sind auf jeden Fall die kleinen Vereine.

Und ob Franz Reindl als Präsident das schafft, was er lange Zeit als Sportdirektor und Generalsekretär versäumt hat, darauf darf man gespannt warten. Eher wird es auch in Zukunft so sein: Beim Eishockey wundert man sich über gar nichts mehr.

Weltmeister! Und was kommt danach?

Hurra, Hurra, der vierte Stern (1954, 1974, 1990, 2014) ist da! Eine Nation feierte die Weltmeister, die Fußballer wurden wieder einmal zu den Lieblingen der Nation. Keine andere Sportart kann die Massen so in ihren Bann ziehen, bei der WM in Brasilien purzelten fast alle Rekorde. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF werden sich die Hände reiben ob der Rekorde bei den Einschaltquoten. Die Spieler selbst feierten und wurden gefeiert, Berlin stand kopf. Jetzt aber dürfen sie in den wohlverdienten Urlaub. Drei Wochen lang, ehe wieder der Ernst des Lebens beginnt. Da stellt sich dann schon die Frage: Weltmeister! Und was kommt danach?

Keine Zweifel, die deutsche Mannschaft hat sich den Titel verdient, sie war das beste Team des Turniers und hatte am Ende halt das Glück des Tüchtigen. Endlich am Ziel nach zweiten und dritten Plätzen, davon hatten die Spieler genug. Viele Beobachter trauen der DFB-Elf jetzt eine Ära zu wie den Spaniern, die Europameister 2008 und 2012 wurden und dazwischen auch den WM-Titel 2010 holten. Die nächsten Ziele für Deutschland heißen also Europameisterschaft 2016 in Frankreich und Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Zweimal Weltmeister und dazwischen Europameister – das wäre eine Bilanz!

Von der Altersstruktur her könnte die deutsche Mannschaft für diese Ziele fast zusammenbleiben. Allein Miroslav Klose ist am Ende seiner Länderspielkarriere angelangt, der 36jährige sagte aber auch, „mal sehen, wie lange ich meinen Kadaver noch rumschleppen kann“. Allerdings: Gerade auf seiner Position tut sich in Sachen Nachwuchs nicht viel. Auf anderen Positionen sind Verstärkungen in Sicht oder können Ausfälle gut kompensiert werden, wenn wir nur daran denken, dass Marco Reus und die Bender-Zwillinge in Brasilien fehlten. Einige Nachwuchsstars wie Julian Draxler durften schon mal WM-Luft schnuppern. Was Deutschland braucht, sind Verteidiger (Lahm sollte es bleiben), ansonsten hat Bundestrainer Joachim Löw zumindest bis 2016 (so lange läuft sein Vertrag) wenig Sorgen.

Was aber macht die Konkurrenz? Spanien wurde vehement aus dem Turnier gekegelt, die Ära der Xavi und Iniesta ist vorbei, den behutsamen Neuaufbau hat Trainer del Bosque verschlafen. Talente sind vorhanden, doch wie schnell können sie die Lücken schließen? In Europa haben vor allem Frankreich und Belgien junge Mannschaften, die für die Zukunft einiges Versprechen. Aber ein Gerüst, wie es die deutsche Mannschaft vorweisen kann, ist bei beiden Nationen nicht vorhanden. Dazu befinden sich die großen Teams von Italien und England eher auf dem absteigenden Ast. Bleibt fast das Fazit: Deutschland hat auf absehbare Zeit kaum ernsthafte Konkurrenz. Aber bitte, man kann sich täuschen.

Für die Weltmeisterschaft schaut es auch nicht anders aus. Gerade die großen Nationen der Vergangenheit, Brasilien und Argentinien, haben den Zug der Zeit verpasst. Beide Länder haben in etwa das gleiche Problem: Schwache nationale Ligen, Korruption im Verband statt zukunftsträchtige Arbeit und ein Mangel an Nachwuchsförderung. Asien und Afrika werden auch in den kommenden Jahren nicht zu ernsthaften Konkurrenten heranwachsen, zu viele Schwächen hat die Infrastruktur. Vor allem die Afrikaner würden viel Talent mitbringen, aber sie scheitern einmal an der Korruption im Verband, zum anderen auch an ihrer Mentalität. Die Ernsthaftigkeit, die es für große Erfolge braucht, bringen sie nicht über ein Turnier hinweg auf den Platz. Bleibt also auch hier das Fazit: Deutschland hat auf absehbare Zeit kaum ernsthafte Konkurrenz. Aber bitte, man kann sich täuschen.

Für Deutschland gibt es nämlich für die Europameisterschaft auch ein großes Fragezeichen: Ist so eine Willensleistung wie im Endspiel von Rio wiederholbar? Sind die Spieler satt oder können sie sich noch einmal so auf einen Titelgewinn fokussieren? In Brasilien war jederzeit spürbar: Wir wollen den Titel holen! Schön, dass es geklappt hat. Neuer, Lahm, Schweinsteiger, Müller und Co. haben ihn sich verdient. Sie haben jetzt eine Ära geprägt, sind eine „goldene Generation“ und könnten noch einige Jahre strahlen. Ihre Vorgänger von 1974 haben zuvor 1972 den Titel Europas geholt (die 72er Mannschaft galt damals als die beste aller Zeiten), Lahm und Co. könnte es ja umgekehrt machen und 2016 nachlegen.