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Hamburg oder Berlin? Hauptsache Deutschland!

Es wäre verfehlt, davon zu reden, dass in Deutschland das Olympia-Fieber ausgebrochen ist. Aber das Thema Olympische Spiele ist präsent und im März vor allem aktuell. Trotz aller Rückschläge in der Vergangenheit will Deutschland nicht die Finger von Olympia lassen. Die Bewerbung für die Sommerspiele 2024 steht an und mit Hamburg und Berlin gibt es zwei attraktive Interessenten. Im März soll sich entscheiden, welche Stadt vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) den Zuschlag erhält. Hamburg oder Berlin? Hauptsache Deutschland!

Dieses „Hauptsache Deutschland“ war nicht immer so. Zuletzt hatten sich die deutschen Bewerber nur blamiert und nachdem München beim Versuch, die Winterspiele nach Bayern zu holen, 2018 gegen Pyeongchang (Südkorea) unterlag und sich die Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Bewerbung für 2022 entschied, da schien Olympia in Deutschland so attraktiv wie die Hölle. Doch für Hamburg und Berlin gibt es sogar in der Bevölkerung durchaus Zustimmung. Scheinbar sind Sommerspiele einfacher zu verkaufen als Winterspiele, die meist mit einem Eingriff in die Natur einhergehen. Sommerspiele sind nur eines: teuer. Sie bringen dennoch Gewinn und verschaffen einer Stadt Reputation.

Hamburg oder Berlin? Die Hansestadt glänzt mit einem schlüssigen Konzept der kurzen Wege, das Zentrum Olympias soll auf einem Industriegelände im Hafen entstehen. Das Tor zur Welt als Tor zu Olympia, das hat schon was. Berlin hat als Hauptstadt einen Bonus, doch machen der Metropole negative Schlagzeilen zu schaffen. So verlor Berlin beim Bemühen um die Sommerspiele 2000 im zweiten Wahlgang, Sydney (Australien) erhielt den Zuschlag. Wie ein Klotz am Bein hängt die Pleite um den Flughafen Berlin an der Bewerbung. Wer nicht einmal einen Flughafen fertigbringt, kann der dann Olympische Spiele organisieren? Aus dieser Sicht scheint Hamburg die bessere Wahl zu sein. Was die Kosten angeht, kalkulieren beide Städte mit rund zwei Milliarden Euro. Wunschdenken, um sich herauszuputzen, natürlich wird alles teurer.

Das neunköpfige DOSB-Präsidium wird am 16. März eine Empfehlung aussprechen, die DOSB-Mitgliederversammlung am 21. März entscheiden. Im Herbst soll dann in der Sieger-Stadt auch die Bevölkerung zu Olympia befragt werden. Die Macht gehört also dem Volk.

Die Bewerbung für 2024 ist eigentlich eine Bewerbung für 2028. Wer das IOC kennt, weiß, das weder Hamburg oder Berlin, noch eine andere europäische Stadt für 2024 große Chancen hat. Rom will die Spiele, Paris, Budapest und Istanbul gelten als mögliche Interessenten. Aber schon heute sprechen alle davon, dass die USA den Zuschlag erhalten wird. Boston geht ins Rennen, setzte sich gegen San Francisco, Los Angeles und Washington durch. Also durchaus keine Stadt von Welt, da können Hamburg und Berlin locker mithalten, doch die USA sind einfach dran. Zuletzt gab es 1996 die Sommerspiele in Atlanta, danach kamen Europa, Asien, Australien und 2016 erstmals Südamerika mit Rio de Janeiro zum Zug (2020 in Tokio). Was für Boston spricht: Das IOC hat mit dem US-Fernsehsender NBC einen dicken Vertrag über die TV-Rechte bis 2032 abgeschlossen. Da heißt es wohl: Olympische Sommerspiele in den USA inklusive.

Trotzdem muss sich Deutschland für 2024 bewerben, weil die IOC-Mitglieder auch eine Art Ochsentour lieben. Wer sich ständig bewirbt und damit sein besonderes Interesse zeigt, wird irgendwann belohnt. So war Pyeongchang dreimal erfolglos und dann gegen das sicherlich attraktivere München Sieger. So heißt es also: Für 2024 bewerben, für 2028 die Spiele an Land holen. Dann sind nämlich auch wieder 16 Jahre ins Land gegangen, dass Olympia in Europa gastierte (2012 in London). Europa ist dann also dran, da stellt sich nur die Frage, ob Rom, Paris, Budapest, vielleicht Madrid oder… Also: Hamburg oder Berlin? Hauptsache Deutschland!

Übrigens: Die Sommerspiele sind für das IOC offensichtlich ein Selbstläufer, die Winterspiele könnten zum Problem werden. Während sich attraktive Austragungsorte um den Sommer reißen, bremsen Naturschützer Bewerber in Europa aus. Nachdem München für 2022 gepasst hat, blieben dem IOC nur die Kandidaten Peking und Almaty (früher Alma-Ata, Kasachstan) als Bewerber. Norwegens Hauptstadt Olso hätte mit Sicherheit gewonnen, doch die Stimmung in der Stadt führte zu einem Rückzug. Schade. Gibt es Winterspiele künftig nur noch in Ländern, in denen die Demokratie keine große Rolle spielt?

Tennis: Früher Pokale, heute Streit

Die glorreichen Zeiten des deutschen Tennis liegen schon ungefähr 20 – 30 Jahre zurück. Es war in den 80ern, als Steffi Graf und Boris Becker in Deutschland für einen Tennis-Boom sorgten. Um das Tennis herrschte damals eine Euphorie, wie sie heute der Fußball erlebt. Die Tennis-Clubs hatten einen noch nie erlebten Zulauf, auf den Anlagen mussten sich die Interessenten in Belegungslisten eintrage, um überhaupt einen freien Platz zu bekommen. Die Zeiten sind vorbei, heute stehen viele Plätze wieder leer und die Mitgliederzahlen der Clubs haben sich halbiert. Tennis ist wieder ein Sport, der eben auch gespielt wird und für den einen oder anderen noch ein schönes Freizeitvergnügen darstellt.

Es ist die Besonderheit der Deutschen, dass sie Vorbilder brauchen. Alle wollten damals einer Steffi Graf und einem Boris Becker nacheifern. Heute gibt es im Tennis keine Vorbilder mehr. Bei den Herren hatte man Thomas Haas eine ähnliche Rolle wie Boris Becker zugetraut, doch das große Talent, das frühzeitig vor allem wirtschaftlich vermarktet wurde, hatte immer wieder mit gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen. Der Körper spielte nicht mit.

Dass erfolgreiches Tennis die Begeisterung sofort wieder wecken kann, zeigte sich vor zwei Jahren, als Sabine Lisicki als erste Deutsche seit Steffi Graf 1999 wieder im Wimbledon-Finale stand. Bis dahin wurden die Übertragungen aus dem Tennis-Heiligtum nicht beachtet, jetzt plötzlich merkten alle, dass Tennis im Bezahlfernsehen verschwunden war. Sky übertrug und viele meckerten über ARD und ZDF, dass Tennis doch ins freie Fernsehen gehöre. Vorher hatte es keinen interessiert. Inzwischen sind die Diskussionen wieder eingeschlafen.

Interessiert es jetzt die Öffentlichkeit, wenn Deutschland am kommenden Wochenende in Frankfurt wieder im Davis-Cup antritt? Kaum. Zu Beckers Zeiten gewann Deutschland 1988, 1989 und 1993 den begehrten Pokal. Doch wo es früher Pokale gab, gibt es heute nur Streit. Scheinbar finden sich die deutschen Tennis-Cracks nicht zu einer Einheit, zu einer echten Mannschaft zusammen. Damals scharrten sich alle um Boris Becker, heute sieht sich jeder als Star, aber von internationaler Spitzenklasse sind alle weit entfernt.

In Frankfurt schließt sich gewissermaßen ein Kreis. Vor einem Jahr kam es zum Eklat, als das Match gegen Spanien verloren war und sich die Stars weigerten, zum letzten, unbedeutenden Einzel anzutreten. Eine Frechheit. Als Drahtzieher wurde der Augsburger Philipp Kohlschreiber ausgemacht, der danach aus der Mannschaft flog. Schon vorher hatte er sich vor allem in der Rolle des Querulanten gefallen. Doch nicht nur Kohlschreiber musste gehen, sondern auch ein Teamchef nach dem anderen.

Jetzt soll es Michael Kohlmann richten, im Februar 2014 als Assistent dabei. Er hat sich wieder mit Kohlschreiber getroffen und Deutschlands Nummer 1 zurückgeholt. Alle Augen sind aber auf einen anderen Mann gerichtet: Auf Niki Pilic, der erfolgreichste Davis-Cup-Coach aller Zeiten, dreimal mit Deutschland, je einmal mit Kroatien und Spanien. Der Kroate ist inzwischen 75, aber seine Erfahrung sollte die Streithähne im deutschen Team zähmen. Eine Bewährungsprobe steht bevor, denn das DTB-Team mit Kohlschreiber, Benjamin Becker, Jan-Lenard Struff und André Begemann ist gegen Frankreich krasser Außenseiter. Die Partie wird frühzeitig entschieden sein, aber das Frankfurter Publikum kann beruhigt sein, diesmal wird jemand auch die bedeutungslosen Einzel spielen, denn wann spielen die deutschen Nobodys schon vor großem Publikum.

Übrigens: Auch diesmal verschwindet Tennis in einem unbedeutenden kleinen Kanal, SAT.1 Gold überträgt. Aber es wird keine Proteste geben und keine Zuschauerrekorde an den Bildschirmen.

Das war am 7. Juli 1985 anders, als Boris Becker in Wimbledon seinen ersten Grand Slam gewann. Da schaute auch dem Sport-Grantler seine bessere Hälfte zu, die sich ansonsten kaum für Sport interessierte. „Schade, dass ich die Regeln nicht kenne“; klagte sie am Abend, als der Sport-Grantler aus der Redaktion nach Hause kam. So ging es damals vielen Deutschen. Inzwischen haben sie die Regeln wohl wieder vergessen!

Übrigens: Boris Becker gewann sechs Grand-Slam-Turniere, davon dreimal in Wimbledon. Steffi Graf holte sich sogar 22 Grand-Slam-Titel und 1988 den sogenannten „Golden Slam“, weil sie neben den vier Grand Slams auch bei den Olympischen Spielen gewann. Sie war 377 Wochen lang die Nummer 1 der Weltrangliste. Das waren noch Zeiten!

Die Rache des Joseph Blatter

Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber die Tendenz ist klar: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar wird im Winter stattfinden. Dafür hat sich jetzt die Task Force der FIFA ausgesprochen. Sie tagte in Doha, der Hauptstadt von Katar, und ihre gehörten Vertreter des Weltverbandes, der Kontinentalverbände und der finanzstärksten Ligen an. Es ist anzunehmen, dass die Exekutive der FIFA, die im März die endgültige Entscheidung treffen will, diesem Vorschlag zustimmt. Die WM also nicht wie üblich im Sommer, sondern im November/Dezember.

Das schmerzt vor allem die europäischen Ligen, denn dieser Termin bringt den Ligen-Spielbetrieb in Europa vollkommen durcheinander. Das ist mehr oder weniger auch die Rache des amtierenden FIFA-Präsidenten Joseph Blatter, der am 29. Mai wiedergewählt werden will und der vor allem Gegenwind aus Europa verspürt. Doch die Kandidaten Luis Figo (Portugal), Michael van Praag (Niederlande) und Prinz Ali bin al-Hussein (Jordanien) sind zu schwach, um ernsthafte Konkurrenten zu sein. Sie haben im Gegensatz zu Blatter keine Hausmacht hinter sich.

Verlierer werden die europäischen Verbände sein. Blatter ist bekannt für seine Ränkespiele und über den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger versucht er den amtierenden Präsidenten Wolfgang Niersbach in schlechtes Licht zu rücken. Es ist unsinnig, die Vergütung für den deutschen Präsidenten von der FIFA überprüfen zu lassen. Zwanziger hat sich damit als treuer Diener von Blatte geoutet. Niersbach ist dagegen offen ein Gegner von Blatter und wirft dem Schweizer Wortbruch vor, weil der früher angekündigt hatte, auf eine Wiederwahl zu verzichten. Blatter hält es da mit Politikern: „Was juckt mich mein Geschwätz von gestern“.

Ein bisschen Hoffnung haben die Europäer noch, dass zumindest ihr Vorschlag für das Frühjahr (April/Mai, eventuell erst 2023) angenommen wird, dann könnte der Ligen-Spielbetrieb besser organisiert werden als bei einer Unterbrechung im November/Dezember. Aber Europa hat zwar starke und finanzkräftige Ligen, spielt aber am Poker-Tisch der Funktionäre nicht die Rolle, die Europa eigentlich zustehen würde. Es wird aber auch nicht so weit kommen, dass sich Europa aus dem Spielbetrieb der FIFA ausklinkt, was schon angedacht wurde. Eine Weltmeisterschaft wäre dann keine Weltmeisterschaft mehr. Und wenn die Europäer auch noch Südamerika mit Brasilien und Argentinien auf ihre Seite ziehen könnten, dann hätte Blatter ein echtes Problem. Im Sinne des Fußballs wäre diese Trennung allerdings nicht.

All diese Bedenken führen dazu, dass Blatter sein Spiel gewinnen wird. Allein die Vergabe der Weltmeisterschaft nach Katar muss schon als zwielichtig angesehen werden und die klimatischen Probleme wurden bei der Vergabe überhaupt nicht beachtet, sondern das Versprechen der Katarer, die Stadion abzukühlen, reichte den FIFA-Funktionären. Schade, dass Ränkespiele den Sport beherrschen.

Fußball-Bundesliga: Geld oder Fans?

In Fußball-Deutschland wird derzeit vor allem ein Thema diskutiert und da kann der Sport-Grantler natürlich nicht schweigen: Was passiert künftig mit der Bundesliga im Fernsehen? Verschwindet der Fußball aus finanziellen Gründen im Bezahlfernsehen? Gibt es eine Zerstückelung eines Spieltages, damit das Pay-TV möglichst alle Spiele einzeln live übertragen kann? Wie auch immer, für die Fans ein Horror-Szenario!

Der Hintergrund: Die Premier League in England hat einen Mega-Deal für die Fernsehrechte mit 6,9 Milliarden Euro für drei Jahre abgeschlossen. Da wurden die Vereinsbosse in Deutschland unruhig, sie befürchten nämlich, den Anschluss, das heißt vor allem die besten Spieler zu verlieren, weil sie mit England finanziell nicht mehr mithalten können. Was die Einnahmen durch die TV-Lizenzen angeht, hinkt die Bundesliga wirklich weit hinterher, derzeit kassiert die Bundesliga 2,51 Milliarden – für vier Jahre. 2017 läuft der Vertrag aus und die Vereinsbosse fordern schon: Wir brauchen mehr Geld. Als untere Grenze werden eine Milliarde pro Jahr angesehen. Sie signalisieren bereits, dass sie zu Zugeständnissen bereit sind: Neue Spieltage (zum Beispiel am Montag), neue Anfangszeiten (vielleicht wie in England und Spanien am Mittag?), neue Regelungen für das freie Fernsehen. Hier könnte es der ARD-Sportschau an den Kragen gehen.

Aufgescheucht sind bereits die Fans. Das Sprachrohr ist die Vereinigung „Pro Fans“, die bereits einen Brandbrief an DFL-Chef Christian Seifert abgeschickt hat. Sie fordern unter anderem: Keine weitere Zerstückelung der Spieltage, die zwei Sonntagspiele um 15.30 Uhr, Abschaffung des Montagsspiels der 2. Bundesliga. Konträre Forderungen also, die wohl kaum erfüllt werden. Den Vereinen geht es ums Geld. So stellt sich die Frage: Geld oder Fans?

Bis zum Frühjahr 2016 wird heiß diskutiert werden, bevor es an die Ausschreibung geht. Aber bereits jetzt warnt der Sport-Grantler: Die Bundesliga darf sich nicht verkaufen! Geld ist nicht alles, schon heute kassiert die Bundesliga weniger als die Ligen in England, Spanien, Italien und sogar Frankreich. Zum Teil hat die Liga schlecht verhandelt, zum Teil hat sie in Sachen Auslandsvermarktung auch geschlafen. Aber eines darf die Bundesliga nicht verlieren: Die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, die Gunst der Fans und damit nämlich die Stimmung in den Stadien. Ein Verschwinden im Pay-TV könnte selbst für den Fußball tödlich sein!

Bei dieser Diskussion muss man vor allem beachten, dass der Fernsehmarkt in Deutschland mit dem Rest in Europa vielfach nicht zu vergleichen ist. Nirgendwo hat das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen so eine Bedeutung wie in Deutschland. In England zum Beispiel hat das Pay-TV die Oberhand gewonnen, während Sky in Deutschland es erst jetzt nach vielen Jahren Anlauf geschafft hat, überhaupt rentabel zu wirtschaften. Ein Trumpf dabei ist die Fußball-Bundesliga! Der jetzige Stand ist fast ideal: Wer Spiele live sehen will, muss bezahlen. Die ARD-Sportschau bietet zeitnah eine Zusammenfassung, später sind andere Sender wie das ZDF mit dem Sportstudio dran. Dadurch wurde die Fußball-Bundesliga populär, dadurch wurde der Fußball populär.

Sollten die Vereinsbosse dem Geld hinterherlaufen, dann könnten sich die Fußballfans noch einen Verbündeten suchen: Die Politiker, die sich ja sowieso gern volkstümlich geben. In Sachen Fußball hat die Regierung ja schon entschieden, dass die wichtigen Spiele der Fußball-Nationalmannschaft im freien Fernsehen gezeigt werden müssen. Sie könnten ja auch die Fußball-Bundesliga zum freien Kulturgut erklären, nach dem Motto Fans vor Geld. So abwegig ist das gar nicht, nachdem es schon Theater um die Handball-Weltmeisterschaft gab, als die Spiele nur bei Sky zu sehen waren.

Im Übrigen darf man den Bossen der Bundesliga auch zurufen, „nur ruhig Blut“, so heißt wird nicht gegessen wie gekocht wird. Schon heute können die Stars in England mehr verdienen und dennoch hat die Bundesliga an Attraktivität gewonnen. Die Diskrepanz ist freilich deutlich: 2017 könnte Chelsea London 210 Millionen im Jahr durch das Fernsehen einnehmen, Bayern München gerade mal 59 Millionen! Und dennoch, was zum Beispiel die Nationalmannschaft angeht, da geriet England sogar ins Hintertreffen, weil die internationalen Stars dem Nachwuchs vielfach im Wege stehen. Die Bosse müssen also aufpassen, dass sie vor lauter Geldgier nicht die gute Zukunft des deutschen Fußballs verspielen. Geld ist nicht alles.

Now it’s Champions-League-Time!

Egal, ob Winterpause war oder durchgespielt wurde, Europas Fußball wird erst wieder richtig interessant, wenn die Champions League losgeht. Der attraktivste und lukrativste Wettbewerb überhaupt in Europas Sport beherrscht das Frühjahr – now it’s Champions-League-Time!

Am Dienstag geht es mit der Königsklasse wieder los, das Achtelfinale zieht sich über acht Spieltage hin, damit möglichst alle Klubs im Mittelpunkt stehen. Erst am 18. März werden wir wissen, wer alles in das Viertelfinale einzieht, das am 20. März ausgelost wird. Die Bundesliga liegt zwar in der Nationenwertung nur auf Rang drei hinter Spanien und England, aber in der Champions League sind die Deutschen mit vier Klubs im Achtelfinale vorn, Spanien und England sind mit je drei Vereinen vertreten. Deutschland stellt auch die meisten Spieler, 49 deutsche Profis wurden von den Achtelfinalisten bisher eingesetzt, 45 aus Spanien und 40 aus Brasilien. Wie weit die Bundesligisten auch kommen, Deutschlands Hauptstadt bleibt für Europa das Ziel – das Finale steigt am 6. Juni in Berlin.

Die Favoriten auf den Titel sind die gleichen Namen, die schon vor den Gruppenspielen als solche genannt wurden: Titelverteidiger Real Madrid, Bayern München und gleich dahinter Chelsea London und der FC Barcelona. Sie alle zogen auch als Gruppensieger ins Achtelfinale ein. Als erste Herausforderer werden Manchester City und Paris St. Germain genannt. Sie müssen auch zeigen, ob sie die Favoriten ärgern können: Paris trifft auf Chelsea und ManCity auf den FC Barcelona. Das sind die Schlagerpaarungen dieser Runde.

Was die Bundesligisten angeht, so gelten zwei als aussichtsreich für den Einzug ins Viertelfinale, zwei sind mehr oder weniger krasse Außenseiter. Vor allem Schalke 04 ist das Herz in die Hose gerutscht, als es wieder Real Madrid zugelost bekam. Im Vorjahr war es peinlich: 1:6 und 1:3. Das soll nicht wieder passieren. Der neue Trainer Roberto di Matteo ist ein Fuchs, ein Defensiv-Freak und hat so schon Chelsea zum Titelgewinn 2012 ausgerechnet in München geführt. Er hat Schalke Stabilität beigebracht, doch dies allein wird gegen Ronaldo, Bale, Kroos und Co. nicht reichen. Schalke hat nur ein Ziel: Sich gut aus der Affäre ziehen. Anders sieht es bei Bayer Leverkusen aus, gegen Vorjahresfinalist Atletico Madrid rechnet man sich wenigstens eine kleine Chance aus, aber dann muss auch wirklich alles passen.

Ganz anders natürlich die Rolle vom FC Bayern München. Schachtar Donezk gilt fast als Traumlos, das allerdings durchaus das Zeug hat, zum Albtraum zu werden. Die Fakten sprechen jedoch für die Bayern: Der Meister der Ukraine leidet unter den Kriegswirren, kann nicht in seiner Heimatstadt trainieren, ist ständig unterwegs. Trainiert wird in Kiew, gespielt in Lwiw, 1000 Kilometer von Donezk entfernt. Außerdem ist in der Ukraine noch Winterpause, so bereitete sich Donezk vor allem in Brasilien auf die Champions League vor. Brasilien war naheliegend, denn neben 10 Ukrainern gehören 13 Brasilianer zum Aufgebot! Topstar ist der Torjäger Luiz Adriano, der mit neun Treffern die Torschützenliste anführt. Aber auch seine Landsleute Talson, Douglas Costa und Alex Teixeira stehen für guten Fußball. Donezk schaltete in seiner Gruppe Athletico Bilbao aus und spielte beim FC Porto immerhin 1:1. Die Münchner müssen also wachsam sein, zumal sie bisher noch keine Champions-League-Form gefunden hatten. Oder war das 8:0 gegen Hamburg der Durchbruch? Das erste Spiel mit Donezk wird es zeigen.

Die größte Aufmerksamkeit der Bundesligisten genießt allerdings Borussia Dortmund. Der Finalist von 2013 steht in der Bundesliga mitten im Abstiegskampf, findet er auf Europas Bühne zu alter Stärke zurück? Italiens Meister Juventus Turin ist schlagbar, aber keine leichte Aufgabe. Die Turiner sind Italiens Vorzeigeverein und gleichzeitig die letzte Hoffnung. Buffon, Pirlo, Vidal und Tevez sollen es richten. Juve hat die Mailänder Klubs in Sachen Organisation abgehängt, hat als einziger italienischer Klub ein eigenes Stadion und die Aussicht, auf Europas Bühne wieder eine gute Rolle zu spielen. Das wird eine echte Bewährungsprobe für die Dortmunder.

Kein Wunder also, dass nicht nur die Fußball-Fans in Deutschland elektrisiert sind. Der Fußball hat in Europa das Sagen, now it’s Champions-League-Time!

Achtelfinale: Schachtar Donezk – Bayern München, Paris St. Germain – Chelsea London (beide Dienstag, 17. Februar, Rückspiele 11. März),
Schalke 04 – Real Madrid, FC Basel – FC Porto (beide Mittwoch, 18. Februar, Rückspiele 10. März),
Juventus Turin – Borussia Dortmund, Manchester City – FC Barcelona (beide Dienstag, 24. Februar, Rückspiele 18. März),
Bayer Leverkusen – Atletico Madrid, Arsenal London – AS Monaco (beide Mittwoch, 25. Februar, Rückspiele 17. März).

Viertelfinale: 14./15. und 21./22. April. Halbfinale: 5./6. und 12./13. Mai.
Finale: 6. Juni in Berlin.

Übrigens: Die Europa League beginnt ebenfalls in dieser Woche mit dem Endspurt. Los geht es mit der Zwischenrunde am 19. und 26. Februar, ehe sich das Achtelfinale am 12. und 19. März anschließt. Gespielt wird immer am Donnerstag. Aus Deutschland sind noch der VfL Wolfsburg (gegen Sporting Lissabon) und Borussia Mönchengladbach (FC Sevilla) dabei. Hier träumt die Bundesliga wieder einmal von einer Finalteilnahme. Gladbach bekommt es aber gleich mit dem Titelverteidiger zu tun, so darf eher Wolfsburg eine gute Rolle zugetraut werden. Die prominentesten Konkurrenten sind SSC Neapel, AS Rom, Zenit St. Petersburg, FC Liverpool, Tottenham Hotspur, Celtic Glasgow und Inter Mailand. Aber man sieht an der Auswahl, es ist kein Vergleich zur Champions League. Nicht umsonst hat „Kaiser“ Franz Beckenbauer den Wettbewerb „Cup der Verlierer“ genannt. Aber ein bisschen Geld und Reputation ist schon zu gewinnen.

Fußball-Weltmeister aus Afrika?

Während wir in Europa derzeit interessiert auf die Punktspiele im Fußball schauen, haben sie in Afrika und Asien ihren Kontinentalmeister ausgespielt. Die Elfenbeinküste und Australien konnten sich in die Siegerlisten eintragen. Sage niemand, das hätte hier in Europa keinen interessiert, zumindest die Vereinsvertreter haben mit Interesse, aber auch mit Bangen nach Äquatorialguinea und Australien geschaut, schließlich waren nicht nur viele Bundesliga-Stars am Start, sondern viele Spieler aus europäischen Ligen. Forderungen, dass Afrika und Asien deswegen wie Europa ihre Titelkämpfe auch im Sommer ausspielen sollten, verlaufen angesichts der klimatischen Bedingungen ins Leere.

Immer wieder taucht aber die Frage auf, wann es denn endlich mal einen Fußball-Weltmeister aus Afrika geben wird. Das aktuelle Turnier hat aber wieder einmal gezeigt, dass dies vorerst nicht der Fall sein wird. Der Fußball in Afrika war schon einmal weiter. Als immer mehr Talente von europäischen Teams entdeckt wurden, da keimte die Hoffnung auf, dass diese in Europa so viel lernen würden, um ihre Heimatnation mal an die Spitze des Weltfußballs zu führen. Doch dafür reichte die Breite nie, egal ob für Kamerun, Nigeria, Ghana, Südafrika oder die Elfenbeinküste. Die Afrikaner bestechen durch Spielfreude, ihre Leichtigkeit und Schnelligkeit, aber sie haben ihre entscheidenden Schwächen in der Disziplin, im taktischen Verständnis und in der Organisation. Die Organisation betrifft sowohl das Spielfeld, als auch das Drumherum. Bei einigen Ländern mag das besser geworden sein, aber im Großen und Ganzen ist es wie immer – chaotisch.

Es bleibt in Afrika wie es immer schon war: Die Politik spielt ebenso eine große Rolle wie Korruption. Die Verbandsfunktionäre zweigen das vorhandene Geld (Zuschüsse vom Weltverband!) für ihre private Zwecke ab, sind aber vielfach nicht in der Lage, eine funktionierende Struktur aufzubauen, Talente wären da, aber eine effektive Sichtung ist nur mit europäischer Hilfe möglich. Hier unterscheidet sich Afrika gravierend zum Beispiel von Südamerika. Erfolge, wie sie das wohl talentreichste Land der Welt, Brasilien, erzielt hat, wären vielleicht auch in Afrika möglich, wenn mehr Ernsthaftigkeit einkehren würde.

Chaotisch ist die Organisation, das beginnt schon beim Kontinentalverband CAF. Überschattet wurde das Turnier 2015 von der Ebola-Krise auf dem Kontinent und der Absage Marokkos, das sich aus Angst vor der Krankheit als ursprünglicher Ausrichter zurückgezogen hatte und als Quittung von der CAF bis 2019 gesperrt wurde. Äquatorialguinea sprang ein und stemmte das Turnier, wenn auch mit Haken und Ösen und vielen Mängeln. Zwei Skandale überschatteten das Turnier, einmal ein willkürlicher Schiedsrichter-Pfiff zugunsten der Gastgeber und im Halbfinale Zuschauer-Ausschreitungen beim 0:3 der Gastgeber gegen Ghana. Verlieren wollten sie in Äquatorialguinea nicht sein.

Beobachter waren insgesamt von der spielerischen Qualität enttäuscht. Bezeichnend wohl das Finale zwischen der Elfenbeinküste und Ghana mit viel Härte und ohne Tore. Wie schon so oft endete das Finale 0:0 nach 120 Minuten, das Elfmeterschießen gewann die Elfenbeinküste 9:8. Da wiederholten sich die Ereignisse von 1992, als die Ivorer zum letzten Mal den Titel geholt hatten, mit einem 11:10 nach Elfmeterschießen gegen Ghana, das jetzt schon 33 Jahre auf einen Titel wartet. Titelverteidiger Nigeria war frühzeitig auf der Strecke geblieben.

In Asien ging es ruhiger zu, wobei die Meisterschaft in Australien ausgetragen wurde. Australien wurde aufgenommen, weil es in seinem Kontinentalverband Ozeanien zu wenig gefordert wurde. Das haben die Asiaten davon! Südkorea (mit dem deutschen Trainer Uli Stielike) verlor im Finale in Sydney gegen die Gastgeber mit 1:2 nach Verlängerung. Aber weder Meister Australien, noch Südkorea oder der gescheiterte Titelverteidiger Japan haben die Qualität, um in nächster Zeit bei einer Weltmeisterschaft vorne mitzumischen. Erinnern wir uns: Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien war Afrika mit Nigeria und Algerien wenigstens noch im Achtelfinale vertreten, Asiens Vertreter schieden sang- und klanglos als jeweils Gruppenletzte (Australien, Japan, Iran, Südkorea) ohne einen einzigen Sieg aus! Es wird in nächster Zeit keinen Fußball-Weltmeister aus Afrika oder Asien geben.

Handball-WM: Die Sportwelt atmet auf

Selten gehörten wohl Frankreich so die Sympathien wie im Finale der Handball-Weltmeisterschaft in Katar. Nichts gegen die Gastgeber, aber dessen Einzug ins Endspiel kam einigen Beobachtern schon dubios vor und Frankreichs 25:22-Erfolg war dann ein Sieg des Sports über das Geld. Die Sportwelt atmet auf, Katar kann sich doch nicht alles und alle kaufen.

Wie gesagt, nichts gegen Katar, die Scheichs von der arabischen Halbinsel nutzten das Reglement und setzen ihr Geld ein, um ein bisschen Vergnügen zu haben und ihr Land attraktiv für die Welt zu machen (siehe auch vom Sport-Grantler „Katar entdeckte den Sport als PR-Lokomotive vom 12. Januar 2015). Doch für alles gibt es Grenzen und im Sinne des Sports ist der Einsatz der Dollar nicht. Das wurde im Handball deutlich. Mit dem Spanier Valero Rivera wurde einer der besten Trainer der Welt verpflichtet und er suchte sich Spieler aus allen Herren Ländern aus, die drei Jahre lang nicht für ihr Heimatland spielen durften, um dann für Katar aufzulaufen. Diese Pause wurde wohl mit einem dicken Gehalt versüßt. Noch 2007 war Katar Vorletzter bei der WM. Jetzt sah es aus, als würde erstmals der Titel nicht nach Europa gehen, sondern nach Arabien.

Allerdings, hätte Katar gewonnen, wäre es dennoch ein europäischer Titelgewinn gewesen. Nehmen wir das 26:24 gegen Deutschland im Viertelfinale: Unter den Torschützen befand sich kein gebürtiger Katarer, die eingebürgerten Spieler kamen aus Kuba, Montenegro, Bosnien, Tunesien, Ägypten, Spanien und Frankreich. Alles regelkonform, aber der Handball-Weltverband IHF sollte sich Gedanken machen, ob bei dieser Konstellation wirklich noch von „Nationalmannschaften“ die Rede sein kann. Nicht verschwiegen werden soll, dass auch andere Nationen, auch Deutschland, diese Regel schon nutzten. Aber Katar hat sie in fast schon unverschämter Weise für sich ausgenutzt.

Die deutsche Mannschaft hat im eigenen Land fast für eine Handball-Euphorie gesorgt, weil sie in den Gruppenspielen durchmarschierte und Erfolge erzielte, die ihr keiner zugetraut hatte. Schließlich war die DHB-Auswahl eigentlich in der Qualifikation gescheitert. Erst die Weltauswahl von Katar konnte dann im Viertelfinale Deutschland stoppen, am Ende gab es mit Rang sieben einen versöhnlichen Abschluss mit dem direkten Weg in eine Olympia-Qualifikation für die Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Bei drei Turnieren vom 7. bis 10. April 2016 spielen jeweils vier Nationen um zwei Plätze, Gegner Deutschlands wird laut Reglement u. a. Vize-Weltmeister Katar sein!

Der Erfolg von Katar im Handball macht der Sportwelt aber auch Angst. Auch in anderen Sportarten werden die Bemühungen, nicht über eigene Talente, sondern auf Umwegen an die Weltspitze zu gelangen, kritisch beobachtet. So fragen sich viele, ob Katar auch bei der Weltmeisterschaft 2022 im eigenen Land die Fußballwelt aus den Angeln heben kann. Allerdings geht die Einbürgerung im Fußball nicht so leicht wie im Handball. Wer 21 Jahre alt ist, muss sich entscheiden, für welches Land er künftig spielen will, wenn er den entsprechenden Pass hat. Wir kennen das zum Beispiel von den sogenannten Deutsch-Türken, von denen sich die einen für Deutschland, die anderen für die Türkei entscheiden. Wer ein offizielles Spiel bestritten hat, für den gibt es kein zurück mehr, er hat sich festgespielt. Wie zu lesen war, hat sich Katar aber inzwischen schon 19jährige Talente aus Europa und Südamerika ins Land geholt. Auffallend: Die U 19 Katars wurde Asienmeister!

Aufbau für 2022? Laut der Fachzeitschrift „Sportbild“ ist das Pendant zum Spanier Rivera auch gefunden: Bayern-Trainer Pep Guardiola, einst als Spieler in Katar und aktuell Botschafter des Landes, soll im Visier der Scheichs sein, um die Nationalmannschaft an die Spitze der Welt zu führen. Noch sind es Spekulationen, aber möglich ist alles.

Was der Sportwelt auch Angst macht: Wie weit reicht der Arm der Scheichs? Auffallend viele umstrittene Schiedsrichter-Entscheidungen zugunsten Katars waren bei der Handball-WM zu beobachten. Spielt hier auch Geld eine Rolle? Gab es Bestechungen? Vermutungen machten die Runde, aber Beweise gab es keine. Am Ende hatten die Referees halt einen schlechten Tag…

Katar ist ein kleines Land mit nur 2,2 Millionen Einwohnern auf der arabischen Halbinsel. Die Wüstenlandschaft rund um die Hauptstadt Doha soll noch unwirtlicher als die der arabischen Nachbarn sein. Nur jeder Siebte der Einwohner der Erbmonarchie ist Inländer. Mal sehen, zu was das kleine Land noch fähig ist! Die Sportwelt hat zunächst aufgeatmet, die Sportwelt ist aber auch in Sorge.

WM-Reigen: Medaillen-Lust oder Medaillen-Frust?

Wintersport-Fans müssen in diesem und in den nächsten zwei Jahren auf Olympische Spiele verzichten. Aber für Ersatz ist 2015 und 2017 gesorgt, alle zwei Jahre gibt es dafür Weltmeisterschaften, manche Verbände scheuen nicht einmal eine Inflation und richten jedes Jahr eine WM aus, damit werden die Titel entwertet. Auch deshalb, weil sie nur alle vier Jahre stattfinden, haben Olympische Spiele die weitaus größte Bedeutung. Aber auch ein WM-Titel ist nicht schlecht. Auf Schnee beginnt jetzt mit den Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Vail und Beaver Creek in den USA der WM-Reigen. Für die deutschen Sportlerinnen und Sportler heißt es: Medaillen-Lust oder Medaillen-Frust?

Sind wir ehrlich, im Sport zählen eigentlich nur Siege. Der Zweite ist der erste Verlierer. Bei internationalen Meisterschaften ist es ein bisschen anders, wenn Medaillen verteilt werden. Natürlich steht der Sieg über allem, aber erstes Ziel ist für viele eine Medaille. Da ist dann der Zweite immer noch der erste Verlierer, aber er erhält ein Trostpflaster. Der eigentliche Pechvogel ist da wiederum der Vierte. Nur Blech gewonnen, heißt es dann.

Der Sport-Grantler gibt einen Überblick über den WM-Reigen auf Schnee und welche Chancen die deutschen Sportler haben. Einen „Frühstart“ legten übrigens die sogenannten Fun-Sportarten hin, denn Snowboard und Freestyle kürten ihre Titelträger bereits in Kreischberg in der Steiermark/Österreich. Für Deutschland holte die 18-jährige Lisa Zimmermann im Slopestyle Gold. Ansonsten Medaillen-Frust. Ein paar Medaillen mehr sollten es in den nächsten Titelkämpfen schon werden. In den letzten Wochen trumpften ja viele deutsche Sportler im Weltcup auf. Interessant, dass hier manche Medien schon warnten: „Sind unsere Asse zu früh in Form?“. Gibt es keine Erfolge, dann wird gemosert, „wie soll das nur bei der WM werden?“ Wie es bei der WM werden kann, zeigt der Sport-Grantler auf:

Alpine Ski-WM (2. – 15. Februar in Vail und Beaver Creek/USA): Drei Medaillen sind das Ziel des Deutschen Ski-Verbandes. Das ist bescheiden, nimmt man Österreich mit acht zum Vergleich. Aber die Vorgabe des DSV ist realistisch: Bei den Frauen trägt allein Viktoria Rebensburg die Hoffnung, derzeit Sechste im Gesamtweltcup, die in der Abfahrt und im Super-G nach vorne fahren kann. Ausgerechnet in ihrer früher stärksten Disziplin, dem Riesenslalom, schwächelt sie ein wenig. Aber der Knoten kann ja platzen. Bei den Herren sind die Techniker Weltspitze, Felix Neureuther und Fritz Dopfer greifen im Slalom nach einer Medaille (Neureuther ist immerhin die Nummer 1 derzeit) und haben auch im Riesenslalom eine kleine Chance. Hoffnung auf eine Medaille macht sich der DSV außerdem im Teamwettbewerb. Die Favoriten sind freilich andere. Lindsay Vonn möchte sich bei der Heim-WM für die verlorenen Medaillen von Sotschi (verletzt) entschädigen, bei den Herren gibt es viele Anwärter in den Speed-Rennen, bei den Technikern muss zuerst einmal der Österreicher Marcel Hirscher geschlagen werden.

Rodeln und Bob: Die Rodler sind am 14. und 15. Februar in Sigulda/Lettland und eigentlich sollten es wieder deutsche Weltmeisterschaften werden. Aber Vorsicht: Immer werden schwächelten sogar die Asse Natalie Geisenberger und Felix Loch. Die Konkurrenz hat ein bisschen Hoffnung bekommen, dass nicht alle Siege nach Deutschland gehen. Wir hoffen dagegen, dass neben Geisenberger und Loch auch Doppelsitzer und Team Gold einfahren können. Wenn nicht Gold im Rodeln, wo dann?

Zum Beispiel im Bob? Möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, schön wären schon einige Medaillen bei der WM in Bob und Skeleton vom 23. Februar bis 3. März in Winterberg/Deutschland. Die Heim-WM sollte Flügel verleihen, aber vor allem die Bobs aus Lettland und Russland gelten als schneller. Am Ende werden die Deutschen vielleicht hauptsächlich gute Gastgeber sein.

Nordische Ski-WM (18. 2. – 1. 3. in Falun/Schweden): Was die deutschen Chancen angeht, so sind die Aussichten einfach zu beschreiben: Im Langlauf keine, in der Nordischen Kombination sehr gute und im Skispringen sind Medaillen möglich. Die großen Favoriten sind die Norweger, vor allem im Langlauf. Da hoffen wohl die Schweden auch darauf, dass der Heimvorteil Flügel verleiht. Die Norweger sind aber auch die großen Gegenspieler der deutschen Kombinierer, die mit dem Eric Frenzel die Nummer 1 dieser Saison stellen. Wenn alles glatt läuft, dann geht Gold nur über ihn. Im Skispringen hat der DSV zwei heiße Eisen: Severin Freund bei den Männern und Olympiasiegerin Carina Vogt bei den Frauen. Außerdem hofft das Männerteam auf eine Medaille. Aber im Skispringen gibt es ja viele Unwägbarkeiten und so wäre den Athleten zu wünschen, dass vor allem das Wetter faire Bedingungen zulässt. Nicht dass der Wind die Medaillen-Lust zum Medaillen-Frust umschlagen lässt.

Biathlon (3. – 15. März in Kontiolahti/Finnland): Nach einer kleinen Pause sind vor der WM noch die Weltcups in Nove Misto/Tschechien (6. – 8. 2.) und Oslo/Norwegen (12. – 15. 2.) zu absolvieren. Da darf man schon gespannt sein, ob der Formaufbau am Ende auch stimmt. Zuletzt haben die deutschen Athleten ja durchaus für positive Schlagzeilen gesorgt. Die Saison läuft besser als gedacht, die Frauen-Staffel holte ebenso Siege wie Simon Schempp bei den Herren. Medaillen sind also möglich, doch die Favoriten sind andere. Dajra Domratschewa (Weißrussland) und Kaisa Mäkärainen (Finnland) bei den Frauen sowie Martin Fourcade (Frankreich) bei den Männern. Und immer sind auch die Norweger dabei, vor allem bei den Männern mit Biathlon-Methusalem Björndalen. Durchaus möglich, dass es am Ende von einem der genannten Namen heißt, es war seine/ihre Weltmeisterschaft. Nicht zu erwarten, dass es eine deutsche Weltmeisterschaft wird. Aber ein wenig Medaillen-Lust darf schon sein. Auch hier gilt dreimal Edelmetall als Ziel.

Danach darf der Frühling eigentlich kommen. Nur die Eishockey-Cracks dehnen die Wintersaison bis in den Mai hinein aus, sie kämpfen vom 1. – 17. Mai in Tschechien um den Titel. Traditionell dürfen wir uns in dieser Zeit schon auf die ersten heißen Sommertage freuen…

Ein Hinweis in eigener Sache: In den nächsten Tagen noch ein Kommentar zur Hallenhandball-Weltmeisterschaft! Also immer wieder mal den Sport-Grantler anklicken.

Die Bundesliga blickt auf Dortmund

In vielen Ländern Europas schauen Trainer und Spieler oft neidisch auf die deutsche Bundesliga. Während sie im Winter, in England vor allem auch über Weihnachten, dem Ball nachjagen müssen, ruhen sich die Spieler in Deutschland aus. Die Winterpause hat in Deutschland Tradition, ursprünglich vor allem wegen der klimatischen Bedingungen. Durch die modernen Stadien mit Rasenheizung hat sich die Winterpause verkürzt, vor allem in den Jahren, wenn große Turniere anstehen. Doch rütteln will an der Winterpause generell niemand, zumindest die Weihnachtsruhe muss für Vereine und Fans sein. Es gibt Stimmen, die sagen, im Frühjahr haben die deutschen Mannschaften auf internationalem Parkett einen Vorteil, weil sie ausgeruhter in die entscheidenden Aufgaben gehen können. Doch internationale Meisterschaften garantiert das nicht.

Jetzt also beginnt am Freitag, 30. Januar, auch in der Bundesliga die Rückrunde. Und das gleich mit dem Schlager Zweiter gegen Erster, VfL Wolfsburg gegen Bayern München. Doch es ist ein ungleiches Duell. Da die verunsicherten Wolfsburger, die nach dem tödlichen Unfall ihres belgischen Nationalspielers Junior Malanda seelisch erst wieder in die Spur finden müssen, dort die selbstbewussten Münchner, deren Lazarett sich lichtet und die auch in der Vorbereitung kraftstrotzend deutlich machten, wir geben den Titel nicht mehr her. Bei elf Punkten Vorsprung hat das mit Arroganz nichts zu tun, das ist realistische Einschätzung. Wolfsburg muss aber den letzten Hoffnungsfunken entzünden, dass die Bayern doch nicht unverwundbar sind.

Kein Wunder, dass der Kampf an der Spitze nicht im Mittelpunkt steht. Die Bundesliga blickt eher auf Borussia Dortmund. Der Meister von 2011 und 2012, der Champions-League-Finalist von 2013 ist abgestürzt. Die Klopp-Schützlinge sind punktgleich mit Schlusslicht SC Freiburg mit 15 Zählern Vorletzter, stehen auf einem Abstiegsplatz. Die Beobachter haben sich ob dieser Entwicklung in der Vorrunde die Augen gerieben, jetzt stellen alle die Frage: Bekommt die Borussia die Kurve? Ist Jürgen Klopp noch der richtige Trainer? Steigt der einzige an der Börse notierte und umsatzmäßig zweitstärkste Bundesligist sogar ab?

Daran will keiner glauben, aber die Vorrunde zeigte, dass selbst gestandenen Nationalspielern die Beine schwer werden, wenn die Zweifel nagen. Und gezweifelt haben die Dortmunder und die Fachwelt an ihnen. Weg der Schwung der letzten Jahre, weg die Frische, die Gegner beeindruckte, weg die Selbstsicherheit, die in engen Spielen den Vorteil ausmachte. Die Borussia von der Vorrunde war verzweifelt, kraftlos, ratlos. Der Trainer machte Mut, „mit einer richtigen Vorbereitung werden wir das Feld von hinten aufrollen“, aber die Vorbereitung zeigte andere Anzeichen. Dortmund ist noch nicht in Schwung. Am Samstag (18.30 Uhr) wird sich zeigen, was Sache ist, da tritt die Borussia beim Tabellendritten Bayer Leverkusen an. In der Vorrunde wurden am ersten Spieltag schon die Weichen für den Weg nach unten gestellt: Leverkusen siegte 2:0 und steht heute da, wo man Dortmund erwartet hatte oder sogar eher noch auf Platz zwei. Der ist es heute auch, aber peinlicherweise nur von unten…

In der Rückrunde kann es auch eine Weichenstellung für die künftige Karriere von Jürgen Klopp geben. Der 47jährige Trainer, seit dem 1. Juli 2008 in Dortmund, gilt als „Mister Borussia“, er hat Mannschaft und Verein nach vorne gebracht, hat Erfolge gefeiert und galt als unantastbar. Jetzt werden natürlich erste Zweifel laut. So ist das Geschäft, im Erfolg gefeiert, im Misserfolg gefeuert. Noch hält Dortmund-Boss Watzke an Klopp fest, doch wenn die Wende nicht gelingt…

Auch international geht es um die Reputation von Jürgen Klopp. Er galt als einer der begehrtesten und erfolgreichsten Trainer Europas. Er gehörte zu den „Verfolgern“ vom erfolgreichen Pep Guardiola. In dieser Kategorie ist Klopp nicht mehr zu finden. Sollte es in Dortmund schiefgehen, könnte auch der Traum platzen, einmal einen Spitzenverein in der englischen Premier League zu trainieren.

Die Rückrunde der Bundesliga wird spannend werden, da schadet die Langeweile an der Spitze nicht. Da der Kampf um die Plätze in der Champions League, dort der Abstiegskampf, der die halbe Liga beschäftigt. Mitten drin Borussia Dortmund und die Frage, was kommt am Ende raus? Spätestens am 23. Mai wissen wir es.

Der Sport braucht seine eigenen Regeln

Die Welt des Sports könnte wieder einmal aus den Fugen geraten. So wie beim sogenannten Bosman-Urteil, als die damals gängigen Regeln im Fußball über Ablösesummen von heute auf morgen nicht mehr galten. Nun hat das sogenannte Pechstein-Urteil die Sportverbände erschüttert, weil das Oberlandesgericht München die Schiedsvereinbarungen, welche die Verbände mit den Sportlern als Grundlage für einen geregelten Betrieb treffen, für unwirksam erklärten. In diesen Vereinbarungen ist den Aktiven u. a. der Weg vor ein ordentliches Gericht versperrt. Dafür gibt es als oberste Instanz im Sport den Sportgerichtshof CAS.

Eines vorweg: Noch ist das Urteil aus München nicht rechtskräftig, weil der Weltverband ISU die nächste Instanz anrufen wird, den Bundesgerichtshof in Deutschland. Wie dort das Urteil ausfallen wird, ist zumindest noch offen. Allerdings hat auch die Europäische Kommission bereits moniert, dass die sogenannte Schiedsvereinbarung mit dem internen Sportgerichtsweg ungültig sei. Insofern könnte ein deutsches Urteil Auswirkungen nicht nur für Europa, sondern für alle Sportverbände der Welt haben. Dies allerdings könnte auch zum Chaos führen, ein geregelter Sportbetrieb womöglich nicht mehr durchführbar sein.

Der Sport-Grantler sagt es ganz klar: Der Sport braucht seine eigenen Regeln. Der Sport braucht natürlich auch Gerechtigkeit und dafür stand in letzter Instanz der Sportgerichtshof CAS. Moniert wird die Zusammensetzung des Gerichtes, weil da vor allem die Verbände ihre Hände im Spiel hätten, die Sportler als Kläger also im Nachteil seien. Das muss natürlich im Sinne der Gerechtigkeit geändert werden. Aber das CAS hat den Vorteil einer schnellen Regelung, im Sportbetrieb kann nicht über Jahre gewartet werden, bis ein endgültiges Urteil auf dem Tisch liegt. Sollen dann zum Beispiel in Mannschaftssportarten Auf- und Abstieg in Ligen wieder geändert werden, Klubs plötzlich ganz anderes eingestuft werden? Das geht nicht.

Die Vereinbarung zwischen Verband und Sportler ist sinnvoll, die Aktiven müssen allerdings die Möglichkeit haben, ihre Rechte gegebenenfalls durchzusetzen. Aber es muss manchmal schnell gehen. Ein Beispiel: In Sportarten mit Play-Offs steht meist schon zwei Tage später das nächste Spiel an. Eine umstrittene Entscheidung mit Sperre kann nicht auf die lange Bank geschoben und Monate später geklärt werden, da muss sofort für Klarheit gesorgt werden. Oder sollen Play-Off-Spiele im Eishockey im Sommer fortgesetzt werden…

Das Thema ist so komplex, wie es die Welt des Sports auch ist. Wir erleben aber immer wieder, dass die Regel nur solange bestehen, bis sich einer ungerechtfertigt gesperrt fühlt und auf die Barrikaden geht. So wie jetzt Claudia Pechstein. Die erfolgreichste (für den Sport-Grantler aber auch unsympathischste) deutsche Eisschnellläuferin hat die Schiedsvereinbarung unterschrieben. Der Weltverband hat ihre Sperre wegen zu hoher Retikulozyten-Blutwerte nach den gängigen Regeln ausgesprochen. Pechstein hatte bis dahin die Abweichungen ihrer Blutwerte nicht gemeldet, fühlt sich aber zu Unrecht gesperrt, obwohl das CAS die Sperre bestätigte. Pechstein kümmerte sich einen Druck um die Schiedsvereinbarung und ging vor ein ordentliches Gericht. Dort unterlag Pechstein in den ersten Instanzen, was deutlich macht, dass der Bundesgerichtshof durchaus zu einem anderen Urteil als das OLG kommen kann.

Was den Sport-Grantler verwundert: Wie viel verdient Pechstein mit dem Sport, wenn sie 4,4 Millionen Euro Schadenersatz einklagt? Und was sagt ihr Arbeitgeber, die Bundespolizei, der sie ja für ihren Sport finanziell unterstützt? Diese Annehmlichkeiten waren für sie selbstverständlich.

Was den Sport-Grantler ärgert, sind Äußerungen von Pechstein wie „den Betrügern von der ISU habe ich einen reingedrückt“. Von Anstand keine Rede, wie sie ja auch als Eisschnelllauf-Zicke schon des Öfteren Unfrieden in die deutsche Mannschaft gebracht hat. Jetzt sorgt sie für Unfrieden im internationalen Sport, hebelt vielleicht die Regeln so aus, dass ein organisierter Sport kaum noch möglich sein wird. Der Sport hat innerhalb Gesellschaft und Wirtschaft eine Sonderstellung und braucht deshalb seine eigenen Regeln. Er braucht natürlich auch Ehrlichkeit und Gerechtigkeit zwischen Verbänden und Sportlern.