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Der nächste Winter kommt bestimmt

Die Winterreifen sind montiert – der Winter kann kommen. Es sieht in Deutschland derzeit zwar nicht unbedingt nach Schnee und Winter aus, aber die Wintersportler sitzen schon lange in den Startlöchern. Im Sommer suchen sie vor allem in Südamerika den Schnee.

Die alpinen Stars waren wieder die Frühstarter und haben die Saison bereits Ende Oktober auf dem Gletscher in Sölden eröffnet, jetzt legen sie an diesem Wochenende in Levi/Finnland nach, bevor es am 29. November in Lake Louise/Kanada (Männer) und Aspen/USA (Frauen) so richtig losgeht. Am letzten Wochenende im November herrscht erstmals Winter-Hochbetrieb im Skisport. Was aber bringt der Nach-Olympia-Winter? Nur eines wissen wir: Der nächste Winter kommt bestimmt. In Sotschi belegte Deutschland Rang sechs in der Medaillenwertung, achtmal gab es Gold. Die führenden Nationen Russland, Norwegen und Kanada waren ein Stück weg.

Rang sechs würde Deutschland in diesem Winter kaum schaffen. Es schaut aus, als ob die deutschen Wintersportler in nächster Zeit eher kleine Brötchen backen müssten. Ausnahmen bestätigen die Regel, zum Beispiel die Rodler, die bei Männer und Frauen auf der internationalen Bühne dominieren. Das Gegenstück dazu bieten die Athletinnen und Athleten auf dem Eis, wo fast in allen Disziplinen Dürre herrscht, egal ob Eiskunstlauf, Eisschnelllauf oder Eishockey – die internationale Spitze ist weit weg.

Auf dem Schnee gibt es wenigstens ein bisschen Hoffnung und einige Sieg-Kandidaten. Allerdings fehlt künftig die Galionsfigur nach dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch. Vor allem Viktoria Rebensburg soll die Lücke schließen, beim Frühstart in Sölden bewies sie mit Rang sechs, dass mit ihr zu rechnen ist. Sie kann auch im Super-G vorne reinfahren, aber ansonsten müssen Trainer und Fans wohl mit dem einen oder guten Ergebnis zufrieden sein. Überraschungen und immerhin gute Zukunftsaussichten gibt es am ehesten noch im Slalom.

Die Männer haben ihre Galionsfigur noch, wenn auch Felix Neureuther schmerzgeplagt nicht immer in Bestform sein wird. In Solden sprang allerdings bereits Fritz Dopfer in die Bresche und holte den ersten Podestplatz (2.). Ein bisschen Hoffnung gibt es also.

Hoffnung haben vor allem die Skispringer und Nordisch Kombinierer, die mit um den Sieg springen und laufen wollen. In der Nordischen Kombination gibt es gleich zwei Hoffnungsträger: Eric Frenzel dominierte im letzten Winter, Johannes Rydzek im Sommer, was also auch auf einen starken Winter hoffen lässt. Dahinter kommen weitere starke Athleten, so dass wir mit erfreulichen Meldungen rechnen dürfen. Ähnlich im Skispringen, wo Severin Freund und Richard Freitag Siegspringer sind, Andreas Wellinger ein herausragendes Talent. Gesucht wird da der vierte Mann für ein Team, das um Medaillen mitspringen kann.

Für die Verbände ist nach den Olympischen Spielen vor den Olympischen Spielen. Das Augenmerk richtet sich bereits auf Südkorea 2018 (leider nicht auf München 2018!). Eine Leistungs- und damit auch Ergebnisdelle ist im nacholympischen Winter durchaus üblich. Aber es stehen auch Weltmeisterschaften auf dem Programm und deshalb müssen gute Ergebnisse her, weil die entsprechende Förderung auf dem Spiel steht. Negative Erfahrungen machten die Curler, die ganz aus der Förderung gestrichen wurden. Ums Geld geht es auch im Hinblick auf Sponsoren und Fernsehen. Die Wintersport-Nachmittage in ARD und ZDF haben beachtliche Einschaltquoten, wesentlich höher als die Sommer-Sportarten, aber die können nur gehalten werden, wenn es auch Erfolge gibt. Die Zuschauer wollen die deutschen Athleten siegen sehen! Der nächste Winter kommt bestimmt – aber Siege?

Eine Delle wird es wohl im Biathlon geben, da könnten Siege zur Rarität werden. Am 30. November gibt es in Östersund/Schweden eine „Schnupper-Staffel“ mit der Mixed-Staffel, am 3. Dezember geht es richtig los. Biathlon wird rechtzeitig ein eigenes Thema sein.

Olympia hat immer noch seinen Reiz – nur nicht für alle!

Es ist genau ein Jahr her, dass sich die Bevölkerung in München gegen eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 entschieden hat. Wieder einmal hatten die Gegner gesiegt, die gegen den Gigantismus wettern, die Nase voll haben vom Kommerz der Sportverbände, Angst haben vor den Massen an Zuschauern, die nur Unannehmlichkeiten bringen. Von solchen Absagen lassen sich andere Städte und die Sportfunktionäre nicht abhalten, weiter an Olympia zu glauben – auch in Deutschland. Olympia hat immer noch seinen Reiz – nur nicht für alle. Dennoch stehen Hamburg und Berlin wieder bereit für die Austragung von Olympischen Sommerspielen. Für 2024 und gegebenenfalls 2028 will man sich bewerben.

Hat Deutschland eine Chance? Eigentlich möchte der Sport-Grantler sagen, Deutschland hat immer eine Chance. Schließlich wird international die Finanzkraft ebenso geschätzt wie das legendäre deutsche Organisationstalent. Einzig die Ränkespiele im IOC stehen dagegen und eben die Abneigung eines großen Teils der Bevölkerung gegen diesen Gigantismus, die gerade Sommerspiele mit sich bringen. Aber in London feierten sie 2012 ein großes Fest, warum soll das 2024 oder 2028 nicht in Hamburg oder Berlin möglich sein.

Auffallend: Nach einer Umfrage der Bild am Sonntag befürworten 65 Prozent der Deutschen eine Olympia-Bewerbung, in den betroffenen Städten sieht es aber anders aus. In Hamburg sind immerhin noch 53 Prozent dafür, in Berlin allerdings nur 48 Prozent. Bevor eine offizielle Bewerbung abgegeben wird, soll die Bevölkerung befragt werden. Die Gegner formieren sich schon heute und es wäre fast ein Wunder, wenn sie nicht die Mehrheit mobilisieren könnten. Die Olympia-Gegner schreien lauter und wer lauter schreit, gewinnt meist. Eher NOlympia als „Yes, we can“!

Der deutsche Sport will am 21. März entscheiden, welche Stadt der Kandidat wird. Die Kosten werden jeweils auf rund zwei Milliarden Euro geschätzt. Jede Bewerbung hat ihren Charme. Berlin, die Hauptstadt, hat im Sport einen guten Ruf, kann schon auf viele olympia-taugliche Sportstätten zurückgreifen, ist mit einer Bewerbung aber schon 2000 gescheitert und hat die ewige Baustelle Flughafen wie ein Klotz am Bein. Wenn es nicht mal mit einem Flughafen klappt, kann es dann mit Olympia klappen? Hamburg legt eine attraktive Planung mit dem Olympia-Gelände auf einer Halbinsel im Hafen vor. Hamburg als Tor zur Welt bietet sich als Tor für Olympia an. Rein gefühlsmäßig würde der Sport-Grantler durch dieses Tor gehen…

Wie groß sind die deutschen Chancen? 2016 ist erst einmal Rio de Janeiro dran, 2020 folgt Tokio, 2017 werden die Sommerspiele für 2024 vergeben. Größter Gegner einer deutschen Bewerbung für 2024 ist der amerikanische Fernsehsender NBC, der mit dem IOC einen Deal für die Übertragungsrechte von 2022 bis 2032 abgeschlossen hat und überteuert 7,75 Milliarden Dollar zahlt. Unterschwellig sind da Spiele in den USA mit enthalten. 2024? Eigentlich wäre nach Südamerika und Asien dann wieder Europa dran. Aber das interessiert im IOC niemanden. New York, Los Angeles, San Francisco und Boston gelten als amerikanische Kandidaten. 2028 ist die Chance also größer, Europa MUSS dann die Spiele bekommen, Rom und Istanbul gelten als weitere potentielle Interessenten.

Die deutsche Bewerbung hat noch ein Handicap: Ziemlich sicher wird Deutschland die Fußball-Europameisterschaft 2024 bekommen. Die Entscheidung darüber fällt aber erst 2018. Zwei Großereignisse in einem Jahr in Deutschland? Das ist sicherlich möglich, wird bei den Weltsportverbänden aber nicht gerne gesehen. Also ist sowieso 2028 die aussichtsreichere Kandidatur, 2024 wäre quasi ein Probelauf. Aber den Olympia-Gegnern ist das egal. Olympia? Nie!

Komisch, dass der Fußball mit einer derartigen geballten Ablehnung keine Probleme hat. Die Dezentralisierung verteilt die Lasten auf viele Schultern und die Ausrichter-Städte werden alle zu Gewinnern. Neue Stadien, viel Publicity und Einnahmen durch die Zuschauer. Olympische Spiele nutzen vor allem einer Stadt, bringen vielleicht auch einen Imagegewinn für Deutschland. Ein Fußball-Großereignis nutzt vielen Städten und manchmal, siehe das Sommermärchen 2006, auch Deutschland. So hätte auch Olympia in Deutschland seinen Reiz, könnte zu einem neuen Sommermärchen führen, doch das sehen nicht alle so.

Weltfußballer des Jahres: Endlich ein Neuer?

In den letzten Tagen legte der Welt-Fußball-Verband FIFA die Liste der 23 Spieler vor, die zur Wahl zum „Weltfußballer des Jahres 2014“ vorgeschlagen wurden. Sechs Weltmeister sind dabei (damit stellt Deutschland die meisten Nominierten), Bayern München ist ebenso wie Real Madrid mit sechs Spielern vertreten. Die Kapitäne und Trainer aller in der FIFA vertretenen Verbände dürfen abstimmen, dazu ein Kreis ausgewählter Journalisten. Am 1. Dezember wird die Liste auf drei Namen reduziert, am 12. Januar erfolgt die Ehrung.

Große Spannung bringt die Wahl im Vorfeld nicht, dazu ist der Kreis von 23 Spielern viel zu groß. Außerdem hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass der „ewige Lionel Messi“ und der „ewige Cristiano Ronaldo“ im Vordergrund stehen. Dabei sollte man den Fachleuten wie Kapitänen und Trainern zutrauen, dass sie über den Tellerrand hinwegschauen und wirklich den besten Fußballer „des Jahres“ (in dem Fall 2014) wählen und nicht allein auf Ronaldo oder Messi setzen, weil sie derzeit als beste Fußballer gelten. Gerade Lionel Messi hatte 2014 ein Formtief und wurde dennoch zum besten Spieler der Weltmeisterschaft in Brasilien gewählt. Der Argentinier quittierte dies ebenso mit einem Kopfschütteln wie die Fachwelt auch.

Seit 1991 wird die Wahl zum „Weltfußballer des Jahres“ von der FIFA offiziell durchgeführt. In dieser Zeit gaben fast ausnahmslos Torjäger und große Spielmacher den Ton an, weil sie einfach im Mittelpunkt stehen. Gerecht war die Wahl in manchen Jahren sicherlich nicht. Zuletzt trumpften wie gesagt vor allem Messi, dem 2010, 2011 und 2012 zum Leidwesen von Ronaldo ein Hattrick gelang, und eben Cristiano Ronaldo (2008 und 2013) auf. Nie wurde in dieser Zeit ein Torhüter auf Platz eins gewählt, Oliver Kahn schaffte es 2002 als bester Torhüter der WM auf Platz zwei.

Der Sport-Grantler fordert: Endlich ein Neuer auf Platz eins. Der Name ist Programm, die Wahlberechtigten könnten ja mal den Mut haben, etwas Neues zu wählen und Bayern-Torhüter Manuel Neuer zum „Weltfußballer des Jahres“ küren. Deutschlands Nationaltorhüter hätte es verdient, weil er sich nicht nur durch herausragende Leistungen auszeichnete, sondern vor allem, weil er das Torwartspiel revolutioniert hat. Neuer hat eine neue Epoche des Torwartspiels eingeleitet, er hat das Spiel des Torhüters als Libero bzw. elfter Feldspieler auf dem Platz perfektioniert und gilt heute als Vorbild für junge Torhüter. Welcher Torjäger kann solche Entwicklungen für den Fußball vorweisen? Selbst FiFA-Präsident Sepp Blatter hat sich für Neuer ausgesprochen, damit allerdings auch die Neutralität verletzt. Für den FiFA-Boss auch nichts Neues…

Die Liste der 23 Spieler ist sowieso viel zu groß. Kann ein Mario Götze „Weltfußballer“ werden, nur weil er das WM-Finale mit seinem „goldenen Tor“ entschied? Haben Eden Hazard (Chelsea), James Rodriguez (Real), Angel di Maria (Manchester United) oder Paul Pogba (Juventus Turin) den Titel „Weltfußballer“ verdient? Es ist die Politik der FIFA, es möglichst vielen recht zu machen und deshalb lieber viele Namen aus vielen Ländern zu präsentieren. Immerhin dürfen sich die Weltmeister Mario Götze, Philipp Lahm, Thomas Müller, Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos geehrt fühlen. Auch Bayern-Star Arjen Robben ist unter den Auserwählten.

Jetzt aber heißt es erst mal für die Juroren „wählt mal schön“. Auf Platz eins vielleicht endlich mal ein Neuer.

Der „ewige Pep“? Bayern finden kaum einen Nachfolger

Der FC Bayern München hat die Fußball-Welt wieder einmal beeindruckt. Von einem Duell auf Augenhöhe war vor dem Match in Rom zu lesen, dann deklassierten die Münchner in der Champions League die „Roma“ und degradierten Totti und Co. zu Statisten. Schon heute gilt der FC Bayern erneut als einer der Top-Favoriten auf den Titelgewinn in der Champions League, allein Real Madrid wird noch auf diese Stufe gestellt.

Dabei sah es vor zwei Monaten noch ganz anders aus. Zu Beginn der Saison warnten alle im Verein und vor allem auch Trainer Pep Guardiola vor den Nachwirkungen der Weltmeisterschaft, unter denen die Bayern erfahrungsgemäß am meisten zu leiden haben. „Wir werden frühestens im November in Form sein, wir müssen die Zeit bis Weihnachten irgendwie überbrücken“, hatte Guardiola alle gewarnt. Zweckpessimismus? Heute sieht es jedenfalls anders aus, die Bayern sind in Bundesliga und Champions League noch ungeschlagen, dominieren national und international. Hat Pep ein Wunder vollbracht?

In der Tat ist die Form der Münchner schon erstaunlich, zumal das Verletzungspech gnadenlos zugeschlagen hat. Leute wie Badstuber, Martinez, Thiago und Schweinsteiger stehen immer noch auf der Ausfallliste, aber sie werden eigentlich gar nicht vermisst. Ganz im Gegenteil, wohin mit all den Stars, nachdem es auch so glänzend läuft. Selbst ein Franck Ribery muss sich hinten anstellen, kann langsam wieder an die Bestform herangeführt werden.

Für die Bayern gab es allerdings auch einen Glücksfall: Neuzugang Xabi Alonso von Real Madrid. Die Spanier glaubten auf ihn verzichten zu können, die Bayern bekamen ihn für acht Millionen Euro, weil der Mittelfeldstratege eine neue Herausforderung suchte und gern bei Pep Guardiola spielen wollte. Er ist heute der Chef im Mittelfeld, das Herzstück des Spiels. Da stellt sich die Frage: Wäre Alonso bei den Bayern gelandet, wenn Pep hier nicht das Zepter schwingen würde?

Angesichts dieser Konstellation ein Blick in die Zukunft. Gibt es bei den Bayern den „ewigen Pep“? Finden die Bayern überhaupt einen adäquaten Nachfolger, wenn der Spanier mal gehen sollte? Guardiola ist gerade mal 43 Jahre alt, zu jung eigentlich, um ewig bei einem Verein zu bleiben. Andererseits scheint er ein sesshafter Typ zu sein, könnte also wie einst der „ewige Ferguson“ bei Manchester United der „ewige Pep“ bei den Bayern werden.

Der Vertrag von Guardiola läuft noch bis 2016, die Nachfolge-Frage stellt sich nicht aktuell, ein Blick auf die möglichen Trainer-Kandidaten zeigt aber auch, dass die Bayern nur schwer einen Nachfolger finden werden. Er muss ein internationales „Standing“ haben, eine Autorität sein, die Arbeit mit Stars gewohnt sein. Wer aber erfüllt diese Anforderungen?

Lucien Favre, Trainer bei Borussia Mönchengladbach und Gegenspieler im Bundesliga-Schlager am Sonntag, 26. Oktober, wird als Kandidat gehandelt, erfüllt aber diese Anforderungen nicht. Er beeindruckt mit seiner Arbeit bei der Borussia, ist mit Bayern-Boss Rummenigge befreundet, spricht aber auch offen über seinen Wunsch: „Mal einen Spitzenverein trainieren.“ Doch ausgerechnet mit bald 57 Jahren als „Lehrling“ bei den Bayern? Bleibt aus der Bundesliga nur noch Jürgen Klopp. Der aber ist erstens ein „ewiger Dortmunder“, zweitens müsste er beim „Weltklub“ Bayern München sein Benehmen ändern. Immerhin hat er international einen guten Ruf, also das „Standing“. Will er mal etwas anderes machen? Dann vielleicht, wenn er sich in Dortmund an der Grenze sieht. Die Zukunft wird es zeigen.

International gibt es nur zwei Trainer „erster Wahl“ für die Bayern: José Mourinho (51), derzeit bei Chelsea London mit dem Versuch, dort nach Porto 2004 und Inter Mailand 2010 als erster Trainer mit einem dritten Klub die Champions League zu gewinnen. Gelingt es nicht, könnte er seinem ehemaligen Kontrahenten von Spanien durchaus nachfolgen. Allerdings wäre die Zündschnur schon gelegt, denn der eigensinnige „Special One“ wird sich von den selbstbewussten Bayern-Bossen kaum reinreden lassen. Also wirklich ein Kandidat?

Da wäre auch Carlo Ancelotti (55), mit dem AC Mailand 2003 und 2007 sowie mit Real Madrid 2014 gewann er die Champions League. Da könnte ihn auch mal Bayern reizen, wenn ihm mit Real nicht die Titelverteidigung gelingt, was bekanntlich noch kein Verein schaffte. Er ist also zunächst mal der große Gegenspieler von Pep.

Es gibt aber auch drei internationale Größen, die von den Erfolgen her allerdings noch als Nobodys bezeichnet werden müssen. Warum nicht der einstige französische Star Laurent Blanc (49), derzeit bei Paris St. Germain, oder der Holländer Frank de Boer (44), der mit Ajax Amsterdam national einen Titel nach dem anderen holt oder Marco Silva (37) von Sporting Lissabon, der als „Aufsteiger“ gilt. Silva ist bekannt für seine detaillierte Gegner-Beobachtung und gute Spielanalyse. Klingt ganz nach Pep Guardiola.

Die Bayern-Bosse werden froh sein, dass sie sich diese Gedanken noch nicht machen müssen. „Pep ist ein Geschenk des Himmels“, hat Karl-Heinz Rummenigge einmal gesagt. Geschenke halten aber leider nicht ewig.

Das Fest des Fußballs ist ein Fest der Kleinen

Die Funktionäre des Europäischen Fußball-Verbandes (UEFA) rund um den französischen Präsidenten Michel Platini haben wohl in höheren Sphären geschwebt, als ihnen das eingefallen ist: Nicht mehr zwei feste Spieltage bei den Spielen zur Qualifikation zur Europameisterschaft, sondern von Donnerstag bis Dienstag an sechs Spieltagen ein „Fest des Fußballs“. An jedem dieser Tage solle der Fan mit Fußball der Spitzenklasse verwöhnt werden. Der Schuss ging wohl nach hinten los, von einem Fest des Fußballs kann keine Rede sein. Die seltsamen sportlichen Ergebnisse sorgen allerdings dafür, dass wenigstens die sogenannten kleinen Nationen ein Fest feiern können. Viele Favoriten haben dagegen nach vier Spieltagen nur eins: Frust.

Die Weltmeisterschaft wirkt auf die EM-Qualifikation für 2016 nach. Nicht nur der Weltmeister selbst, sondern auch Spanien und vor allem die Niederlande leiden offensichtlich unter den Nachwehen des WM-Turniers, Rücktritten und Verletzungen. In Deutschland und Spanien gibt es noch Ruhe, weil Medien und Fans darauf vertrauen, dass die Mannschaft zu alter Leistungsstärke zurückfindet. Und dann wird es mit der Qualifikation schon noch klappen. Anders in den Niederlanden. Die Tage von Trainer Guus Hiddink sind gezählt, die Mannschaft wirkt unter dem Nachfolger von Louis van Gaal führungslos.

Führungslos auf dem Feld ist auch die DFB-Auswahl. Die Fans wollen den Weltmeister sehen, aber es fehlen die meisten Weltmeister. Neun an der Zahl waren es gegen Irland. Nach dem enttäuschenden 0:2 in Polen und dem fahrlässigen 1:1 gegen Irland wurde eines deutlich: Der zweite Anzug passt nicht. Das ist nicht mehr der Weltmeister, der auf dem Platz steht, das ist ein Ausbildungsteam. Die Lehrlinge mussten zu früh die Aufgaben der Meister übernehmen und sind gescheitert. Der Sport-Grantler möchte mal wissen, wie oft sich Bundestrainer Jogi Löw schon die Frage gestellt hat, „warum tue ich mir das noch an“. Ein Rücktritt hätte ihn vielleicht vor viel Ungemach bewahrt.

Der Bundestrainer kann für das Dilemma freilich nichts. Das es auf einigen Positionen Probleme gibt, ist nicht so überraschend. Ein Philipp Lahm kann nicht ersetzt werden, ein Torjäger fehlt zudem. Wäre ein Mario Gomez jetzt doch wertvoll gewesen? Der „Chancentod“ hätte in den Spielen zum Helden werden können, war ja aber leider auch verletzt. So würde wohl die erste Elf aussehen: Neuer – Höwedes, Boateng, Hummels, Durm – Schweinsteiger, Khedira – Müller, Kroos, Özil – Gomez (Götze). Immerhin sieben der genannten Stammspieler waren bei den Pleiten dabei, führungslos blieb die Mannschaft dennoch. Erschreckend allerdings, dass es immer wieder Spiele gibt, wo die Meister wie Anfänger agieren (siehe das 4:4 gegen Schweden in der WM-Qualifikation). An dieses Spiel wurde man in den letzten Minuten gegen Irland erinnert. Die Löw-Schützlinge verloren jede Ordnung und Sicherheit. Der Ausgleich war das bittere Resultat.

Ein „Fest des Fußball“ werden die Spiele auch durch den Fernsehsender RTL in Deutschland nicht. Jeden Tag Fußball hatten sich die „Erfinder“ vorgestellt, RTL sind die einzelnen Spieltage egal, da wird keine Zusammenfassung angesetzt, weil sie wohl Arbeit macht und keine Quote bringt. Viel wichtiger ist Werbung, die nervt, aber das weiß man ja bei den privaten Sendern. Geld spielt die Hauptrolle, für die UEFA bei der Vergabe der Rechte, für RTL bei den Übertragungen. Der Zuschauer ist der Leidtragende, zumal auch die Hoffnung trog, der Privatsender könnte die Spieler flotter inszenieren als es ARD und ZDF getan hatten. Tut er nicht, eher greift Langeweile um sich.

Bei der Europameisterschaft 2016 selbst sind ARD und ZDF wieder am Zug. Sie werden die Qualifikation auch mit bangen Blicken verfolgen. Man stelle sich das Endturnier ohne Deutschland, Spanien und den Niederlanden vor. Beklagt wurde die Erweiterung des Finalturniers von 16 auf 24 Nationen. Es sollte zugunsten der kleinen Nationen sein. Jetzt könnte es zum Rettungsanker der Großen werden! Dennoch könnte es passieren, dass nicht Deutschland – Spanien auf dem Bildschirm zu sehen ist, stattdessen würde das „Schlagerspiel“ Polen – Kroatien übertragen werden… Von einem Fest kann dann keine Rede sein – auch wenn die Kleinen feiern!

Funktionäre sind das Krebsgeschwür des Sports

So war es in der Jugend: Der Sport-Grantler erinnert sich an seine Anfänge im Fußballverein, als unser Betreuer in seiner Aufgabe, der Organisation der Mannschaft und der Spiele, schier aufging. Er war praktisch Tag und Nacht für uns da, die Fußball-Jugend war sein Hobby. Das sind die Funktionäre, von denen der Sport lebt und von denen er heute viel zu wenig hat. Das hat nicht nur etwas mit den beruflichen Anforderungen zu tun, sondern auch damit, dass die Funktionäre an der Spitze der Verbände in Saus und Braus leben, Geldgier vorherrscht und damit den kleinen Funktionären am Ende der Rangliste, dort wo Geld Mangelware ist, die Arbeit verleiden. Der Sport ist krank, er leidet unter einem Krebsgeschwür. Sein Name: Funktionär.

Ausdrücklich sind dabei nicht die ehrenamtlichen Helfer in den Vereinen gemeint, sondern die Bosse an der Spitze. Umso größer der Verband, umso geldgieriger die Funktionäre, umso schlechter der Ruf. Beispiele sind das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Fußball-Verbände FIFA (Weltverband) und UEFA (Europa). Dass es nur noch Ärger um die Austragungsorte ihrer Weltereignisse gibt, haben sie sich selbst zuzuschreiben. Der „kleine Mann“ sieht nicht mehr ein, dass die eigene Nation zahlen soll und die Verbände kassieren. Olympische Spiele und Fußball-Weltmeisterschaften werden künftig – mit wenigen Ausnahmen – nur noch in demokratiefernen Ländern stattfinden können. Sie werden dem mundtoten Volk aufgezwungen, siehe Sotschi.

Die Verbände sind an ihrem schlechten Image selbst schuld. Sie prahlen mit ihren gut gefüllten Kassen, anstatt mit karitativen Aktionen für einen guten Eindruck zu sorgen. Geld regiert die Welt, verseucht sie allerdings auch. Gerade bei den Olympischen Spielen ist der Gigantismus zur Belastung und für viele Städte und Länder unbezahlbar geworden. Die Ablehnung der Bewerbung für die Olympischen Winterspiele für München und Umgebung ist ein typisches Zeichen. Die Bevölkerung von Oslo liegt auf dieser Linie, die Bewerbung für die Spiele 2022 wurde ad acta gelegt, als man die schlechte Stimmung erkannte. China und Kasachstan sind jetzt die einzigen Bewerber. Olympische Spiele auszurichten war früher noch eine Ehre und brachte der Region Gewinn (siehe München 1972), jetzt ist es eher ein Ärgernis. Mal sehen, ob das Olympische Feuer in Hamburg und Berlin entfacht werden kann. Beide Städte interessieren sich für Sommerspiele, die Politiker jedenfalls, wie die Bevölkerung denkt, werden wir bald hören.

Typisches Beispiel für die Geldgier ist die FIFA. Der Fußball-Weltverband bekommt die Korruption in den eigenen Reihen nicht in den Griff und kann die schlimmsten Auswüchse nur mühsam verbergen. Die Scheckbücher diktierten offenbar die Vergabe der Austragungsorte. Mit Russland 2018 und Katar 2022 wird die FIFA nicht mehr froh. Der Hauptschuldige aber scheut die Konsequenzen, Präsident Sepp Blatter will im nächsten Jahr wieder kandidieren. Er sieht seine „Mission noch nicht erfüllt“, übersetzt heißt es, „das schöne Leben soll weitergehen, meine Freunde wollen weiter kassieren“. Der Fußball als solcher ist stark genug, um das Krebsgeschwür Funktionäre zu ertragen.

In Europa sieht es nur wenig anders aus. Der Gigantismus kennt keine Grenzen, die Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 hat an Spannung verloren, weil erstmals 24 statt bisher nur 16 Nationen teilnehmen dürfen. Die Entscheidung gegen den Spitzensport wurde getroffen, weil die Funktionäre der kleineren Nationen ein Wahlkampfgeschenk brauchten. UEFA-Präsident Michel Platini wandelte da auf Blatters Spuren und wurde vom Hoffnungsträger zum Krebsgeschwür.

Ähnliches lässt sich von vielen anderen Weltverbänden sagen. An der Spitze steht immer der Gedanke, möglichst viel Geld zu kassieren (Fernsehen) und den Sport in der Welt als attraktiv zu verkaufen. Vor allem das „Stimmvieh“, also die Funktionäre der kleinen Verbände, hält dabei die Hand auf und kassiert. Damit die Kasse stimmt, wird notfalls auch das Regelwerk entsprechend ausgelegt, siehe bei der Handball-Weltmeisterschaft, als die nicht qualifizierten Deutschen eine „wild card“ erhielten zu Lasten von Australien, das angeblich plötzlich nicht zum Weltverband gehört. Deutschland als Teilnehmer ist für Fernsehen und Sponsoren interessanter als Australien. Diese Tricks sind es, die für den schlechten Ruf der Verbände und Funktionäre verantwortlich sind. Irgendwann werden die größenwahnsinnigen und skrupellosen Funktionäre die Rechnung bekommen. Dann, wenn auch die Scheichs und Diktatoren nicht mehr bezahlen wollen.

Bei einigen Klubs ist das Chaos Programm

Die Fußball-Saison ist noch jung, doch bei einigen Klubs ist bereits Feuer auf dem Dach. Wenn die sportlichen Erwartungen nicht in Erfüllung gehen, bricht Panik aus. Es gibt allerdings auch Klubs, da ist das Chaos buchstäblich Programm. Ein Beispiel dafür ist der TSV 1860 München. Jedes Jahr wird der Traum vom Aufstieg geträumt, jedes Jahr endet das böse Erwachen im Chaos. Jetzt auch wieder.

Geht es um 1860 München und das vergebliche Bemühen um die Rückkehr in die Bundesliga, so sollte sich jeder daran erinnern, dass 1963 bei der Gründung der Bundesliga 1860 München dabei und der FC Bayern München nicht! Heute ist der FC Bayern den anderen Klubs in Deutschland davon geeilt, während 1860 in den Niederungen der zweiten Liga derzeit sogar gegen den Abstieg kämpfen muss. Diese Tatsache beweist: Dort wurde gut gearbeitet, da wurde das vorhandene Kapital verschleudert.

Bei 1860 München gab es schon immer ein Auf und Ab, 1966 war man noch Meister und zuvor 1964 Pokalsieger, stand dann 1965 sogar im Finale des Europacups der Pokalsieger. Das waren die glorreichen Zeiten. Danach begann der Aufstieg der Bayern und parallel dazu der Abstieg der 60er. Die – vor allem die Fans – sahen später den Umzug ins Olympiastadion als Fluch an, ähnlich wie später in die Allianz Arena. Höhepunkt des Niedergangs war der Lizenzentzug 1982 mit einem Absturz in die dritte Liga. Von 1994 bis 2004 durfte sich 1860 noch einmal in der Bundesliga tummeln. Doch nach dem Abstieg waren die Bemühungen um eine Rückkehr vergebens. Hoffnung gibt es noch, denn auch damals dauerte es zwölf Jahre bis zur Rückkehr.

Doch Erfolg setzt erfolgreiche Arbeit voraus. Vor dieser Saison standen die Zeichen wieder einmal auf Aufstieg. Der Verein wurde umgekrempelt, neuer Präsident, neuer Sportdirektor, neuer Trainer, neue Mannschaft. Typisch aber für den Chaos-Verein, dass sogar die Präsidentschaft von Gerhard Mayrhofer vor Gericht angezweifelt wurde. Der neue sportliche Leiter Gerhard Poschner kaufte dort ein, wo er sich auskennt – in Spanien. Bevorzugt in der zweiten Mannschaft des FC Barcelona. Den Nachweis der Klasse blieben die Spieler schuldig. Trainer Ricardo Moniz stellte sich selbst ein Bein, als er den Aufstieg als MUSS propagierte, „sonst taugt der Trainer nichts“. Folglich musste der Trainer jetzt nach nur einem Sieg in sieben Spielen gehen. Moniz machte dumme Fehler, wie zum Beispiel die Ausbootung von Torhüter-Legende und Fan-Liebling Gabor Kiraly. Das Ende zeichnete sich auch darin ab, dass die Vereinsführung dem Trainer die Taktik vorgab. Das ist Chaos pur!

Das Chaos als täglicher Begleiter erlebte auch der Hamburger SV, der nur unter glücklichen Umständen in der Bundesliga blieb. Die Ausgliederung des Profi-Fußballs aus dem Stammverein sollte für Verbesserung sorgen, der neue Vereinschef Dietmar Beiersdorfer ist der Hoffnungsträger. Das Ergebnis kann sich nicht sehen lassen: Noch ohne Tor und Schlusslicht! Beiersdorfer machte den Fehler, dass er an den unglücklichen Trainer Mirko Slomka festhielt. Erst spät hat er gehandelt, mit Josef Zinnbauer auf einen Neuling gesetzt. Geerntet hat er nur Chaos.

Ähnlich geht es dem VfB Stuttgart, da dümpelt man seit Jahren in den Niederungen der Bundesliga herum, rettet sich Jahr für Jahr mit knapper Not und verärgert die Fans. Ein Teil der Fans wandte sich jetzt öffentlich vom Verein ab und der reagierte panisch: Entlassung von Sportdirektor Fredi Bobic, der für die Zusammenstellung der Mannschaft verantwortlich war und Zielscheibe bei den Fans. Aber war wirklich er allein der Schuldige? Neu-Trainer Armin Veh ist außen vor und er sieht vor allem eins: „Das Klima in Stuttgart ist vergiftet.“ Gift hilft nicht gegen Chaos!

Auch in Nürnberg werden Köpfe rollen. In der Schusslinie Sportvorstand Martin Bader und Trainer Valerien Ismael. Erster hatte bei der Zusammenstellung der Mannschaft keine glückliche Hand und Zweiter zeigt sich als nicht erfahren genug – was wieder auf Bader zurückfällt. Ziel war nach dem Rekord-Abstieg aus der Bundesliga der Rekord-Wiederaufstieg. Zur neuen Mannschaft kam ein unerfahrener Trainer, alles, was ein Klub bei dieser Konstellation ernten kann, ist Chaos.

Die Beispiele zeigen, dass manche Vereine mit einer Taktik richtig liegen, die aber viel zu wenig angewendet wird: In der Ruhe liegt die Kraft!

Die DEL ist eine Erfolgsgeschichte

In der Tageszeitung war es nur eine kleine Jahreszahl, allerdings erstaunlich unter einer Rubrik von „Damals passiert“: 1994 wurde die DEL gegründet, die Deutsche Eishockey Liga. Da fragt sich der Sport-Grantler schon, jetzt da die 21. Saison begonnen hat, ob sich die Gründung der DEL damals gelohnt hat. Und dabei grantelt er gar nicht: Es hat sich gelohnt. Im Gegensatz zum Eishockey in Deutschland generell, ist die DEL durchaus eine Erfolgsgeschichte.

Allerdings war das nicht schwer und auch heute ist keineswegs alles in Butter. Zur Gründung kam es, weil die Spitzenklubs mit dem Deutschen Eishockey-Bund, dem Verband, nicht zufrieden waren und nach mehr Selbstständigkeit strebten. Der damalige DEB-Präsident Ulf Jäkel stellte die Weichen, unterschätzte aber den Ehrgeiz einiger Funktionäre und geriet kurz darauf selbst ins Abseits. Aber das Werk war vollbracht, die DEL gedieh, der DEB hatte danach nur noch schwache Präsidenten.

Bei der Abnabelung vom DEB drohte die DEL zeitweise sogar mit einem eigenen Verband und konnte nur mit Mühe verbandsrechtlich (Nationalmannschaft) unter dem Dach des DEB gehalten werden. Der Spielbetrieb wird eigenständig organisiert und ein Glücksfall war, dass sich internationale Großsponsoren für das Eishockey interessierten. In einigen Großstädten (Berlin, Hamburg, Köln) entstanden riesige Mehrzweckhallen, die gefüllt werden wollten. Da kam Eishockey als Publikumsmagnet gerade recht und hat bis heute seinen Zweck erfüllt. Deutschlands Spitzenliga weist in Europa die höchsten Zuschauerzahlen auf.

Dazu unterstützte der mit Hoffenheim in der Fußball-Bundesliga ins Gerede gekommene Dietmar Hopp nicht nur Fußball und Golf, sondern auch die Mannheimer Adler. Neuestes Projekt ist das vom Brausehersteller Red Bull in München. Die DEL-Statuten erlauben, dass Red Bull im Gegensatz zum Fußball im Eishockey unverhohlen werben kann und so mit Red Bull München an den Start gegangen ist. Titel sind auch hier langfristig das Ziel.

Streitigkeiten blieben auch in der DEL nicht aus, wirtschaftliche Probleme hatte auch der eine oder andere Verein, das ist im Eishockey so üblich. Aber im Großen und Ganzen konnte die DEL-Verwaltung den Laden zusammenhalten und scheidet ein Verein aus, so finden sich immer Interessenten für Deutschlands höchste Liga. Aber genau dieser geschlossene Zirkel, das Fehlen eines Auf- und Abstiegs stößt in Deutschlands Sportlandschaft immer noch sauer auf. Wechsel der Vereine gibt es nur aus wirtschaftlichen Gründen, die Lizenz wird dann einfach verkauft. Erst in dieser Woche urteilte die „Sport-Bild“: „Eine Liga ohne Ab- und Aufstieg ist wie Eis ohne Sahne“. Für deutsche Sportfans bleibt dies ungewohnt. Hintergrund ist nach wie vor die Planungssicherheit für die Vereine, sprich für die Mäzene. Man kann auch als Letzter überleben. Sportlich unverständlich ist wiederum auch, wenn, wie in der letzten Saison geschehen, der Neunte der Vorrunde durch erfolgreiche Play-Offs noch Meister werden kann. Die Ingolstädter Panther waren die glücklichen Sieger. Die großen Leistungsträger haben sie anschließend aber verloren.

Für die Entwicklung des deutschen Eishockeys könnte die DEL allerdings mehr tun. Vor allem in der Nachwuchsarbeit hapert es nach wie vor, da sind mehr oder weniger immer noch die kleinen Vereine gefragt. Zwar sprang die DEL bezüglich des Einsatzes von deutschen Spielern über ihren Schatten und schaffte eine akzeptable Quote, aber eine starke Nationalmannschaft war nicht die Folge. Dies lastet die DEL wieder dem Verband an und giert auch diesbezüglich erneut nach mehr Einflussnahme. Der neue DEB-Präsident Franz Reindl gilt als Freund der DEL und die Spitzenliga wird mehr Macht erhalten. Mal sehen, ob die DEL eine Erfolgsgeschichte bleibt und es schafft, dass auch die Nationalmannschaft langfristig eine Erfolgsgeschichte wird. Dagegen spricht, dass die DEL sportlich im internationalen Vergleich nicht zur Spitze zählt. „Die Stars machen um die DEL einen Bogen“, hat erst kürzlich ein Vereinstrainer traurig erkannt. Die deutschen Spitzenspieler können sich also mit der internationalen Spitze nicht messen.

Nationale Titel sind Pflicht, Champions League ist die Kür

Jetzt geht sie wieder los, die Jagd auf die Millionen! Ab der kommenden Woche dreht sich wieder die „Geldmaschine“ Champions League (CL). Insgesamt rund 900 Millionen Euro werden an die 32 Teilnehmer ausgeschüttet, kein Wunder, dass bei den nationalen Meisterschaften alle Vereine nach der Champions-League-Teilnahme lechzen. Kein Wunder, dass diejenigen Klubs auf Dauer finanzielle Vorteile haben, die Stammgast in der CL sind, zum Beispiel der FC Bayern München. 44,6 Millionen Euro kassierte der Deutsche Meister in der CL letzte Saison, stand damit auf Rang fünf der Verdiensttabelle, Krösus war CL-Sieger Real Madrid mit 57,4 Millionen, vor Paris Saint-Germain (54,4), Atletico Madrid (50,0) und Manchester United (44,8). Die anderen deutschen Teilnehmer verdienten auch noch gut: 34,7 Millionen Borussia Dortmund, 26,3 Bayer Leverkusen und 23,7 Schalke 04. Allein das Startgeld beträgt ja schon 8,6 Millionen Euro. Für Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn wäre da schon der halbe Etat gedeckt.

Alle strecken sich also nach der Champions League. Bei den großen Vereinen heißt es allerdings, der nationale Titel ist Pflicht, die CL ist die Kür, wobei der Favoriten natürlich davon ausgehen, dass sie, sollte es mit der Meisterschaft nicht klappen, sich auf jeden Fall für die CL qualifizieren. In Spanien, England und Deutschland reicht da Rang drei.

Die Pflicht der nationalen Titel gilt zum Beispiel für Bayern München in Deutschland. „Erstes Ziel ist die Meisterschaft“, heißt es im Verein, was den internationalen Wettbewerb angeht, wird vorsichtiger argumentiert, wobei die Bayern hier zumindest wieder das Halbfinale anvisieren, aber auch sagen: „Wir wollen ins Finale.“ Schließlich findet das 2015 in Berlin statt. Auch in der CL heißt es also wie im DFB-Pokal: „Wir wollen nach Berlin!“.

Ähnlich wie bei den Bayern sieht die Rolle beim Titelverteidiger Real Madrid aus. Im Vorjahr schwächelte zwar der große Konkurrent FC Barcelona, aber Stadtrivale Atletico schnappte den „Königlichen“ die Meisterschaft weg. Die Fans konnten nur damit getröstet werden, dass Real endlich die „decima“ perfekt machte, zum zehnten Mal Europas Krone gewann. Jetzt gibt es zwei große Ziele für Cristiano Ronaldo, Toni Kroos und Co.: Endlich wieder nationaler Meister werden und den Fluch in der Champions League besiegen. Dort konnte nämlich bisher keine Mannschaft ihren Titel erfolgreich verteidigen. Real ließ bekanntlich diesbezüglich den Traum der Bayern platzen.

Nationale Titel als Pflicht, das gilt vor allem für Paris St. Germain, aber auch für Manchester City, Chelsea und Arsenal London. Sie alle schauen daneben vor allem auf die Kür, auf den Sieg in der CL, den sie endlich ihren Fans bescheren wollen. Mit der nationalen Meisterschaft allein sind sie nicht mehr zufrieden. Die Scheichs und Milliardäre aus allen Herren Ländern als Mäzene wollen internationale Reputation. Womit der Kreis der Favoriten bereits genannt wäre. Borussia Dortmund gesellt sich sicherlich dazu, weniger ist von den italienischen Teams zu erwarten, die international ein wenig den Anschluss verloren haben.

Von den deutschen Klubs hat Bayern München die schwerste Gruppe erwischt. Lustig, dass es mit Manchester City und ZSKA Moskau ein Wiedersehen aus dem Vorjahr gibt. Dazu gesellt sich der AS Rom statt Pilsen, eine wesentlich schwerere Aufgabe. Borussia Dortmund duelliert sich wieder mit Arsenal London, sollte aber gegen Anderlecht und Galatasaray Istanbul bestehen können. Bayer Leverkusen dürfte mit Zenit St. Petersburg und dem neureichen AS Monaco auf Augenhöhe stehen, dazu gesellt sich das geschwächte Benfica Lissabon. Schalke 04 hat im Vorjahr Lehrstunden von Chelsea London erhalten, jetzt kann man zeigen, was man gelernt hat. Gegen Sporting Lissabon und NK Maribor sollte man sich durchsetzen. Heißt: Alle vier deutschen Teams sehen die Chance, die Gruppenphase zu überstehen und im neuen Jahr noch im Millionen-Spiel vertreten zu sein.

Im Schatten der Champions League steht die Europa League (EL). Bezeichnend, dass der Sieger FC Sevilla in der letzten Saison gerade 14,6 Millionen Euro kassieren konnte (siehe Zahlen oben in der CL!). Eintracht Frankfurt verdiente 7,3 Millionen, der SC Freiburg 5,2 Millionen, ein bisschen mehr als Almosen. Dennoch wollen die Klubs in die Europa League, sie wollen ihren Bekanntheitsgrad steigern, die kleineren Vereine sehen die EL als Sprungbrett. Die großen Vereine sehen die EL als Strafe. Ein bisschen Versöhnung gibt es höchstens, wenn am Ende die Europa League gewonnen wird.

Die deutschen Teilnehmer in diesem Jahr sind der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach, nachdem Mainz 05 wieder einmal in der Qualifikation gescheitert ist. Für beide deutschen Vertreter gilt: Ihr Ziel ist die Teilnahme an der CL, die EL gilt allein als „Warmmacher“. Jeder will ans große Geld, 1,3 Millionen Euro als Startgeld in der EL machen nicht glücklich. Andererseits gilt für die CL-Teilnehmer, dass sie ihren Platz an den sprudelnden Geldquellen nicht verlieren wollen. Das Millionenspiel dreht sich.

Zum Abschluss ein bisschen interessante Statistik:

Real Madrid ist mit insgesamt zwölf Titel (CL, EL bzw. UEFA-Cup und Europapokal der Pokalsieger) der erfolgreichste Verein in Europa, gefolgt vom FC Barcelona (11), AC Mailand (9), FC Liverpool (8) und Bayern München (7). Auch in der ewigen Tabelle der Champions League führt Real Madrid, das in 18 Jahren genau 200 Spiele absolviert hat (116 Siege, 39 Unentschieden, 45 Niederlagen, 415:222 Tore) und 387 Punkte holte (nach Drei-Punkte-Wertung). Platz zwei gehört dem FC Barcelona (18 Jahre, 193 Spiele, 374 Punkte), Platz drei Manchester United, das in dem Jahr international fehlt (!), aber schon 19 Jahre dabei war (200 Spiele, 373 Punkte. Danach kommen bereits die Bayern aus München, die sich 17 Jahre lang auf der internationale Bühne tummelten (187 Spiele, 98 Siege, 45 Unentschieden, 44 Niederlagen, 325:195 Tore, 339 Punkte. Platz 15 nimmt Borussia Dortmund ein (138 Punkte), Platz 21 Bayer Leverkusen (95) und Rang 30 Schalke 04 (71).

Das Fernsehen ist für den Sport Fluch und Segen

Ein Blick auf den Sport im Fernsehen in dieser Woche macht wieder einmal das Dilemma für die Sportfans deutlich: Die TV-Anstalten richten sich heute ausschließlich nach Quoten und Rechten. Das Fernsehen ist für den Sport heute Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil eben die Vielfalt nicht mehr gilt, Minderheiten nicht mehr berücksichtigt werden. Segen für einige Sportarten, weil sie ihren Sport weitgehend durch das Fernsehen finanzieren können. Das gilt zum Beispiel auch für das Millionengeschäft Fußball-Bundesliga. In erster Linie der Bezahlsender Sky, aber auch ARD und ZDF legen Millionen Euro für die Übertragungsrechte hin. Dennoch jammern die deutschen Klubs, dass sie mit den TV-Einnahmen gegenüber dem Ausland (vor allem England und Spanien) im Hintertreffen sind. Das ist jammern auf hohem Niveau, denn die meisten anderen Sportarten können sich darüber beklagen, dass ihnen das Fernsehen die kalte Schulter zeigt.

Der deutsche Sport griff jetzt zur Selbsthilfe. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) startet im Internet das Sportdeutschland.TV. Hier sollen alle Sportarten ein Forum bekommen, die im Fernsehen stiefmütterlich behandelt werden. So werden jetzt von der Volleyball-Weltmeisterschaft alle Spiele live übertragen. Auch einzelne Sportarten haben schon den Ausweg über das Internet beschritten, so zum Beispiel die Tischtennis-Bundesliga. Ein Ausgleich für fehlende Fernsehzeiten ist das nicht, weil das Fernsehen auch Sponsoren lockt. Die Macht der TV-Anstalten wird deutlich: Übertragen sie, bekommt der Veranstalter Sponsoren und hat die Chance, finanziell gut über die Runden zu kommen. Überträgt das Fernsehen nicht, dann muss alles eine Stufe kleiner organisiert werden und schlimmstenfalls droht das Aus für die Veranstaltung. Ohne Moos ist eben nichts los.

Es ist nichts Neues, dass der Fußball den Sport dominiert, vor allem aber den Sport im Fernsehen. Im neuesten DFB-Journal listet der Fußball-Bund nach den Top-Einschaltquoten bei der Weltmeisterschaft in Brasilien stolz auf, dass die Top 10 der deutschen TV-Quoten aller Zeiten ausnahmslos Spiele der Fußball-Nationalmannschaft betreffen! Nummer 1 ist das WM-Finale 2014 Deutschland – Argentinien mit 34,65 Millionen Zuschauern (Marktanteil 86,3 Prozent), Nummer 2 das WM-Halbfinale 2014 Deutschland – Brasilien mit 32,57 Millionen (87,8 %) und Nummer 10 das EM-Finale 2008 Deutschland – Spanien mit 28,05 Millionen (82 %). Auf Platz 11 gehört dem Fußball, danach folgt die siebte Folge der „Schwarzwaldklinik“ von 1985. Deutschland einig Fußball-Land!

Ohne Fußball nichts los. Das Beispiel findet sich beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) in dieser Woche. Ohne Fußball-Bundesliga keine „Sportstudio“ am Samstag. Nun spielt zwar die Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Argentinien (ARD) und am Sonntag gegen Schottland, aber das ZDF hat kein Interesse, über den Start der Qualifikation zur Europameisterschaft zu berichten. Der Grund ist einleuchtend: RTL hat die Rechte erworben und ARD und ZDF ausgebootet. Den TV-Anstalten geht es also nicht um die Information des Zuschauers, sondern allein um ihre Rechte und ihre Quoten. Haben sie die Rechte, wird jede Veranstaltung zu einem Super-Ereignis hochgepuscht, haben sie die Rechte nicht, wird geschwiegen. Ohne Zugpferd Fußball fürchtet das ZDF wohl fehlende Quoten für das „Sportstudio“ (die sowieso niedrig sind bei der Sendezeit um 23.00 Uhr) und verzichtet. Sollen die Mitarbeiter doch Überstunden abbauen.

Der Zuschauer hat leider kein Mitspracherecht und so müssen wir in den nächsten Jahren bei den Qualifikationsspielen zur EM und WM eine Flut von Werbung über uns ergehen lassen, wenn RTL am Drücker ist. Bei den Privaten erleben wir es ja immer wieder, dass auch hier nicht die Information im Vordergrund steht, sondern der Verdienst. Werbung muss sein, so finanzieren sich schließlich die Sender. Der Sport-Grantler schaltet bei Werbung um, ihm tun dies Millionen gleich. Die Sender wissen das und greifen zu dem Gegenmittel, dass die Werbeblocks unterschiedlich lang sind. Motto: Wer nichts verpassen will, muss dran bleiben.

Auch der Pay-TV-Sender Sky zeigt, dass das Fernsehen den Sport beherrscht. So werden die Spiele der Fußball-Bundesliga nach dem Wunsch des Fernsehsenders terminiert. Nur deshalb haben wir zum Beispiel zwei Sonntagsspiele zu unterschiedlichen Zeiten. Besonders ärgerlich war dies am Sonntag mit zwei mauen 0:0. Früher gab es zwei Spiele zur gleichen Zeit, die Konferenz machte dann aus zwei schwachen Spielen zumindest ein mittelmäßiges. Sky will den Sonntag besser ausfüllen, schließlich zahlt der Sender viel Geld und wäre wohl ohne Fußball auch nicht überlebensfähig. Da wäscht eine Hand die andere.

Der Sportfan vor dem Bildschirm muss nehmen, was er bekommt. Das gilt auch für die Sportverbände, manche fluchen auf das Fernsehen, für manche ist es ein Segen.