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Jetzt muss Pep zeigen, was er wirklich kann

 

Gerade wurden in Rom zwei Päpste heilig gesprochen. Beim FC Bayern haben sie ihren Trainer Pep Guardiola schon lange in den Stand eines Heiligen gehoben, aber der Heiligenschein ist verblasst, erste Zweifel werden laut, ob Guardiola wirklich ein Alleskönner ist oder doch nur den FC Barcelona trainieren kann. In München hat er jedenfalls Fehler gemacht. Nach dem Aus in der Champions League gegen Real Madrid muss Pep jetzt zeigen, was er wirklich kann. 

Die Bayern sind nach dem blamablen 0:4 gegen Real wieder in der Realität angekommen. Sie wähnten sich im Fußball-Himmel und wollten nie mehr da wieder raus, jetzt ist ihnen plötzlich die Hölle wieder ziemlich nahe. Erstaunlich, wie schnell sich alles drehen kann. 

2013 war das Glücksjahr der Bayern, sie gewannen alle bedeutenden Titel, endlich auch die Champions League. Das Triple war historisch und Trainer Jupp Heynckes der erste Heilige. Als seinen Nachfolger hatte man ausgerechnet den Mann verpflichten können, der mit Barcelona Titel en masse hamsterte und als bester Trainer der Welt galt. Das erneute Triple war der Traum, aber jeder rund um die Mannschaft schwächte ab, wir können es schaffen, aber es wird kaum möglich sein. Aber die Bayern spielten lange Zeit so schwungvoll auf, dass sie schier als unschlagbar galten und es in der Bundesliga auch lange Zeit blieben. Die Deutsche Meisterschaft galt als wichtigster Titel, gleichzeitig allerdings auch als Minimum. Sie war so schnell eingefahren, dass im Verein wohl alle erschraken und aus dem Gleichgewicht kamen. Bevor man sich über diesen Titel richtig freuen konnte, kehrte Traurigkeit ein. Die Blamage gegen Real Madrid zerstörte alles! Statt Selbstbewusstsein machen sich nun Selbstzweifel breit. 

Es ehrt Pep Guardiola wenn er die Gründe für das Ausscheiden auf seine Schultern lädt und gesteht: „Ich habe Fehler gemacht.“ Ja, hat er. Er hat nicht die richtigen Mittel gegen Real gefunden und noch schlimmer, Kollege Carlo Ancelotti auf der Gegenseite hat ihm eine Lehrstunde in Sachen Taktik verpasst. Erster Fehler von Pep war, dass er seinen Landsmann Javi Martinez zunächst auf die Bank setzte und dem Mittelfeldpaar Schweinsteiger-Kroos vertraute. Das ging gegen starke Gegner noch nie gut. Auch diesmal nicht, weil ein echter Kämpfer im Mittelfeld fehlte. Dazu spielten die Bayern zu langsam, zu statisch und einfallslos. Ironie des Schicksals: Nicht die gefürchteten Konter über Ronaldo und Bale waren entscheidend, sondern die Standards. „Die haben wir extra trainiert“, verriet Carlo Ancelotti. Ähnlich gute Standards hat man von den Bayern noch nicht gesehen. Es war am Schluss schier eine Demütigung, dass Ronaldo das 4:0 mit einem Schuss unter die hochspringende Mauer hindurch machte. 

Jetzt heißt es für Pep Guardiola das Bayern-Spiel schnell wieder zu entwickeln. Ballbesitz allein kann es nicht sein, das Spiel muss variantenreicher werden, schnelles Umschalten muss geübt werden. Real hat die teuerste Mannschaft der Welt, die Bayern immer noch eine der besten – in Bestform. Der größte Fehler von Pep war es, die Bundesliga nach der Meisterschaft abzuhaken. Er brachte seine eigene Mannschaft aus dem Tritt. Nun gilt es, die Bestform bis zum 17. Mai wieder zu finden, dann steht das Pokalfinale in Berlin gegen Borussia Dortmund an. Peps Gegenspieler Jürgen Klopp hat es ähnlich wie Carlo Ancelotti (gegen den die Bayern nie gewinnen konnten) meist geschafft, die Münchner erfolgreich zu stoppen, zuletzt gab es ja auch eine Demütigung in München und das letzte Pokalfinale der beiden Teams 2012 gewannen die Dortmunder mit 5:2. Da darf sich Pep was einfallen lassen. 

Es ist schon erstaunlich, verlieren die Bayern das Finale, wird es eine verkorkste Saison sein, trotz der frühesten Meisterschaft aller Zeiten. Gewinnen sie, dann so Sport-Vorstand Matthias Sammer „können wir aus einer guten eine sehr gute Saison machen“. Nach all den Lobeshymnen vor dem Leistungseinbruch wäre eine Niederlage die nächste Blamage. 

Beim Finale der Champions League schauen die Deutschen diesmal zu. Auch hier ein Erwachen nach dem Traum des deutschen Finales in Wembley 2013. Jetzt erstmals ein Stadt-Duell zwischen Atletico und Real Madrid. Auch im zweiten Halbfinale musste „The Special One“, Jose Mourinho mit Chelsea London erkennen, dass er eben nicht der Einzige ist, ähnlich wie Pep Guardiola wurde er von einem Nobody in Sachen Taktik in die Schranken verwiesen. Solche Ereignisse sind gut für den Sport. Mourinho aber wird sich verflucht vorkommen, viermal hintereinander im Halbfinale, viermal ausgeschieden. Die Bayern waren übrigens in den letzten fünf Jahren viermal im Halbfinale und dreimal im Finale, davon einmal Sieger. 

Im Finale gilt Real Madrid keineswegs als Favorit, sondern hat ganz im Gegenteil die eher schlechteren Karten. Atletico ist bisher in der Champions League noch ungeschlagen, führt die Tabelle in Spanien sensationell an und hat in der Liga Real einmal geschlagen und einmal unentschieden gespielt. 40 Jahre nach dem letzten Finale (gegen Bayern München verloren!), kann sich für Atletico der Traum von dem größten Titel erfüllen. Oder schafft Real doch die „La Decima“, den erträumten zehnten Titel in Champions League bzw. dem Vorgänger Europapokal der Landesmeister? Auch Real hat schon einen Titel, den im Pokal mit einem Sieg über den FC Barcelona.

Der Offenbarungseid des Herrn Vettel

 

Eigentlich ist es ja gemein, die Formel-1-Fans hatten sich vor der Saison nichts anderes gewünscht, als dass der Vierfach-Champion Sebastian Vettel nicht mehr gewinnt. Sie wollten ein Ende der Langeweile. Und was haben sie bekommen: Wieder Langeweile. Zwar triumphieren nicht mehr der Deutsche und Red Bull, sondern Mercedes mit seinen Fahrern Nico Rosberg und Lewis Hamilton – und das schon in einer erschreckenden Art und Weise. Pech für Sebastian Vettel: Er muss das Verlieren lernen. 

Aber es sind nicht nur die Niederlagen allein, die den Heppenheimer zu schaffen machen. Er hat nicht nur Probleme mit seinem Auto („Ich komme mit dem Bock nicht klar“, er spricht also nicht liebevoll von „Suzie“, wie er den Red Bull genannt hat), sondern auch mit seinem Team-Kollegen. Der junge Australier Daniel Ricciardo war zuletzt schneller als er. Das ist fast schon ein Offenbarungseid des Herrn Vettel. 

Jetzt muss Sebastian Vettel zeigen, was er wirklich kann. In den letzten Jahren ging es angesichts seiner Serien-Siege vor allem darum, wo denn der Weltmeister in der Rangliste der besten Fahrer aller Zeiten einzuordnen sei. Ist er sogar der Beste oder zumindest besser als Michael Schumacher? Ist er das größte Talent, das es jemals gegeben hat, besser als Senna? Wer Vettel nicht gleich in den Himmel heben wollte, wies darauf hin, dass der Heppenheimer eben das beste Auto habe und man gerade zuverlässig sagen könne, dass Vettel besser als Mark Webber sei, der Australier, der Vettel nicht fordern konnte. Ricciardo überraschte jetzt alle, vor allem den vierfachen Weltmeister. 

Sebastian Vettel darf man aber noch nicht abschreiben. Der Deutsche und Red Bull werden in den nächsten Wochen an allen Schrauben arbeiten rund um das Auto. Erster Lichtblick: Neues Benzin, das ein paar Zehntel bringen soll. Red Bull hatte in den letzten Jahren das beste Auto auf die Straße gebracht, da weiß man sicherlich, wo der Hebel anzusetzen ist. Vettel aber muss nicht allein sein technisches Verständnis beweisen, sondern auch sein fahrerisches Können, er muss zeigen, dass er auch mit einem schlechteren Auto vorne mitfahren kann. Das hat zum Beispiel Michael Schumacher geschafft, deshalb rangiert Vettel noch ein ganzes Stück unter seinem deutschen Kollegen. Und das hat jetzt auch Fernando Alonso bewiesen, der mit der „lahmen Ente“ Ferrari in China auf Rang drei fuhr. Beantwortete Alonso damit die Frage, ob er oder Vettel der bessere Fahrer sei? 

Vier von 19 Rennen sind erst gefahren, es ist noch ein langer Weg bis zum Ziel und damit genügend Zeit für Red Bull und Sebastian Vettel an die Spitze zurückzukehren. Mercedes darf sich nach dem dreifachen Doppelsieg nicht zu sicher sein. Das Auto wird nicht in dem Maße zu verbessern sein, wie es die Konkurrenz zwangsläufig in den nächsten Rennen schaffen kann bzw. muss. Mercedes bestätigte die Favoritenrolle, die man den Stuttgartern vorher schon zugeschrieben hatte. Die Rennen wiederum sind besser und spannender, als es viele Kritiker nach der Neuorientierung der Formel 1 erwartet hatten. Und ob die Autos zu leise oder laut genug sind, ist der Masse der Zuschauer an den Fernsehschirmen egal. Sie wollen spannendes Racing mit Überholmanövern sehen. Die wurden geliefert, wenn auch nicht gerade an der Spitze, es sei denn, Rosberg und Hamilton lieferten sich einen internen Harakiri-Zweikampf. Und ob Rosberg seinen Kollegen noch lange den Sprung an die Spitze der WM-Wertung verwehren kann, ist auch eine spannende Frage. Sie wird am 11. Mai in Barcelona beantwortet. Bisher jedenfalls hat die Formel 1 positiv überrascht, so hat sie eine Zukunft.

Bayern und Dortmund: Wann ist es eine fantastische Saison?

 

Es ist vollbracht, die Fußball-Fans haben erneut ihr Traum-Finale: Diesmal stehen sich Bayern München und Borussia Dortmund allerdings nicht im Endspiel um die Champions League gegenüber, sondern „nur“ im DFB-Pokalfinale. Dennoch birgt dieses Finale jede Menge Brisanz, vor allem, weil die Dortmunder zuletzt arg am Selbstbewusstsein der Münchner gekratzt haben. Und nach Aussagen von beiden Seiten stellt sich auch die Frage: Wann ist es denn eine fantastische Saison? 

Die Dortmunder üben sich wieder einmal in ihrer übertriebenen, manchmal schon ärgerlichen Bescheidenheit. Borussia-Boss Hans-Joachim Watzke bescheinigte seinen Mannen mit dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League und ins Pokal-Finale eine „fantastische Arbeit“. Trainer Jürgen Klopp zollte seinem Team Respekt, weil es „auf der Felge“ Wolfsburg geschlagen habe und prahlte „eigentlich unfassbar“. Gehört das aber nicht zum täglichen Brot einer Spitzenmannschaft? Noch ist Dortmund ohne Titel in dieser Saison, aber schon zufrieden. Zu viel der Bescheidenheit! 

Bescheiden sind sie in München nicht. In Dortmund wollen sie Titel holen, die Bayern müssen sie Titel holen. Die Deutsche Meisterschaft wurde quasi „nebenher“ gewonnen, das Triple ist wieder im Visier, aber der Motor ins Stottern gekommen. Der Sport-Grantler selbst hatte zu Jahresbeginn den Bayern bescheinigt, mit Meisterschaft und Halbfinale Champions League ist es eine erfolgreiche Saison. Nach den Leistungen der Guardiola-Schützlinge im bisherigen Verlauf der Saison erwarten jetzt Spieler, Bosse und Fans mehr: Rufen die Bayern ihre beste Leistung ab, sind sie überall Favorit und können den Fluch des Champions-League-Siegers bannen, denn es gab noch nie eine erfolgreiche Titelverteidigung! 

Trainer Pep Guardiola hat jetzt aber ein Problem. Er hat offensichtlich nach dem frühzeitigen Gewinn der Meisterschaft die Zügel schleifen lassen. Beobachter sprachen u. a. von einem laschen Training. Vorgänger Jupp Heynckes hatte gewarnt, „es ist nie gut, so früh Meister zu sein, da lässt die Konzentration nach“. Pep hatte dem selbst Vorschub geleistet und die Bundesliga abgehakt. Mit dem Ergebnis, dass seine Mannschaft aus dem Rhythmus kam. Jetzt heißt es vor den heißen Duellen mit Real Madrid vor allem wieder die spielerische Leichtigkeit finden. Der Pokalerfolg über Kaiserslautern war ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber es lief noch nicht alles rund. Auffallend die vielen Fehlpässe und Fehler, die zuvor nicht passiert waren. Die alte Sicherheit ist noch nicht zurück. Plötzlich hat die Bundesliga wieder Bedeutung bekommen, sie dient als Vorbereitung für den Gewinn weiterer Titel. 

Warnung für die Bayern muss auch sein, dass sich Real Madrid mit dem 2:1 über den FC Barcelona im Pokalfinale in Spanien entsprechend Selbstvertrauen holte. Dies noch ohne Christiano Ronaldo. Dafür sprang der Engländer Gareth Bale in die Bresche mit einem überzeugenden Solo. Beide „Sprinter“ können auch der Abwehr der Bayern sehr weh tun! Da muss sich Pep Guardiola etwas einfallen lassen. Seine Grundregel ist richtig, „haben wir den Ball, kann der Gegner kein Tor schießen“, aber er wird nicht verhindern können, dass Ronaldo oder Bale eben doch mal auf und davon gehen… Aber die Bayern haben es im Kreuz, erneut ins Finale einzuziehen. Eigentlich gilt Real als „mitspielende Mannschaft“ gegenüber den anderen Kontrahenten Atletico Madrid und Chelsea London, die sich im zweiten Halbfinale gegenüberstehen, als einfacherer Gegner. Bei Atletico und Chelsea warten Beobachter gespannt darauf, wer von den „Maurermeistern“ sich nach vorne traut. 

Den Bayern sind also zwei Finals zuzutrauen – und beide haben erhebliche Brisanz. Am 17. Mai ist Dortmund der neue und alte Gegner, das steht fest. Zuletzt demütigte Klopp mit seinen Jungs die Bayern im Pokalfinale 2012 mit 5:2 und zuletzt in der Bundesliga mit 3:0. Den wichtigsten Sieg holten sich freilich die Münchner mit 2:1 in der Champions League. Aber sie tun sich gegen die Dortmunder immer schwer. Auch hier also die Aufgabe für Pep Guardiola: Er muss sich etwas einfallen lassen. 

Und sollte es am 24. Mai in Lissabon noch ein Finale geben, dann wird es wieder schwierig, sich gleich zweimal auf einen letzten Saison-Höhepunkt zu konzentrieren. Man sieht, die Bayern haben es wesentlich schwerer als Borussia Dortmund, die auch ohne Titel schon von einer „fantastischen Saison“ sprechen. Welchen Superlativ gibt es bei einem Titelgewinn? Die Bayern wiederum würden sich mit der Meisterschaft allein wohl nicht so richtig freuen können. Nur das erneute Triple würde wieder für eine fantastische Saison sorgen.

Golf bleibt in Deutschland nur ein Freizeitvergnügen

 

Am kommenden Donnerstag, 10. April, ist es wieder so weit: Mit dem „Masters“ in Augusta (Georgia) beginnt der Reigen der großen Golfturniere. Vier sogenannte Majors stehen an der Spitze. In Deutschland wird der Profisport allerdings weiterhin nur am Rande wahrgenommen. Sicherlich, ein Tiger Woods ist auch hierzulande eine Marke, aber selbst bei der Frage nach dem deutschen Spitzengolfer Martin Kaymer müssen viele passen. Bei einer Umfrage nach dem bekanntesten deutschen Golfer wurde als Nummer 1 Franz Beckenbauer genannt, der Fußball-Kaiser und Hobbygolfer. 

Das ist der Beweis: Golf bleibt in Deutschland nur ein Freizeitvergnügen, wird nicht mit Spitzensport gleichgesetzt. Wer selbst Golf spielt, der weiß allerdings, dass dieser Sport zur Sucht werden kann, wenn er einen auch jedes Mal aufs Neue fordert und praktisch bei jedem Schlag Überraschungen parat hält. 637.735 registrierte Golfspieler gibt es in Deutschland, die in 838 Clubs bzw. Golfanlagen spielen können. Selbst unter Golfern wird nur am Rande diskutiert, was denn im Profisport so los ist. Das macht es zum Beispiel für den Golf-Verband auch so schwierig, besser in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Zwar liegt Golf bei den Mitgliederzahlen im deutschen Sport auf Rang acht, aber es sind halt mehrheitlich Freizeitgolfer. Gut für die Volksgesundheit, schlecht für das Image. 

Golf will allerdings auch als Spitzensport wahrgenommen werden und hat da einiges zu bieten. Der Augsburger Bernhard Langer ist die deutsche Golf-Ikone schlechthin, aber leider steht er weiterhin allein auf weiter Flur. Er war übrigens einer der Gewinner des „Green Jacket“ in Augusta und hat deshalb lebenslanges Startrecht. Auf der Champions Tour, der Turnierreihe der Senioren, ist er weltweit immer noch die Nummer 1. 

In seine Fußstapfen sollte eigentlich Martin Kaymer treten. Der 29jährige aus Mettmann war Anfang 2011 für acht Wochen sogar die Nummer 1 der Welt! Doch seitdem geht es nur noch abwärts. Inzwischen ist er in der Weltrangliste nur noch auf Platz 63 notiert. Bald läuft sein Startrecht bei den Majors aus, da werden wir dann bald auf deutsche Teilnehmer verzichten müssen. Vor kurzem war noch undenkbar, dass Kaymer außerhalb der „Top 50“ platziert sein könnte. Da wollte sogar Marcel Siem hin, doch der rangiert jetzt auf Platz 132, Alex Cejka ist 245. und Nachwuchshoffnung Maximilian Kieffer 274. Keine Platzierungen, die für Schlagzeilen sorgen. In der Tagespresse findet Golf als Spitzensport praktisch nicht statt. 

Dabei gibt es die Hoffnung, dass der Golfsport als künftige olympische Sportart stärker beachtet wird. Die deutschen Sportfans wollen aber Erfolge feiern und danach sieht es für Martin Kaymer und Marcel Siem nicht aus. Da belegen noch eher die beiden besten deutschen Damen Sandra Gal und Caro Masson auf der Ladystour vordere Plätze. Diese vier bilden quasi den deutschen Olympiakader. Von Sieghoffnungen spricht derzeit allerdings keiner. 

Der Deutsche Golf-Verband unternimmt viel, um vor allem die Nachwuchsförderung zu forcieren. Aber ähnlich wie im Tennis, wo auch die Nachfolger für Steffi Graf und Boris Becker fehlen, schaffen die jungen Buben und Mädchen einfach nicht den Sprung zum großen Spitzensport. Es gibt immer wieder mal Turniere mit positiven Überraschungen, aber dauerhafte Erfolge sind nicht zu registrieren. 

Den Freizeitgolfer stören die fehlenden sportlichen Erfolge an der Spitze wenig, er ist auf sein eigenes Spiel fixiert. Und sollte Martin Kaymer wieder einmal international glänzen können, so wird es registrieren und schnell wieder das Thema wechseln und zum Beispiel eher über seinen schlechten Putt auf Loch 18 reden…

Dortmund: Risse in der heilen Welt

 

Borussia Dortmund möchte in Fußball-Deutschland gern als großer Verein wie Bayern München anerkannt werden, traut sich aber nicht, dies zu sagen bzw. diese Stellung selbstbewusst einzufordern. Dagegen lieben die Verantwortlichen in Dortmund das Understatement, haben das quasi zum Programm erhoben, doch das wirkt mit der Zeit nur noch lächerlich. Jetzt haben auch noch die Fans Mannschaft und Verein im Stich gelassen und damit die Risse in der heilen Dortmunder Welt deutlich gemacht.

Die Vereinsverantwortlichen sind so stolz auf ihren erfundenen Werbeslogan „Echte Liebe“, aber genau diese „Liebe“ haben die Fans kürzlich bei der Niederlage gegen St. Petersburg vermissen lassen. Sie wollten lieber guten Fußball sehen, den die Borussia nicht gezeigt hatte. Die Folge waren auf der einen Seite Pfiffe, auf der anderen Seite Unverständnis: „Das geht gar nicht“, meinte der Ur-Dortmunder Kevin Großkreutz und verlangt wohl zu viel von den Fans, die Eintritt zahlen und Leistung sehen wollen. Ernüchterung machte sich breit, dass die Borussen-Fans wohl auch nicht besser sind, als sagen wir mal die auf Schalke.

Das ist der Fluch der guten Tat: Dortmund war zwei Jahre lang überaus erfolgreich, klaute den Bayern zweimal den Titel, holte einmal das Double und stand schließlich sogar im Finale der Champions League. Aber anstatt selbstbewusst weitere Erfolge ins Visier zu nehmen, verwiesen die Bosse nur darauf, dass man solche Erfolge nicht immer erwarten könne. Das „Mia san mia“ der Bayern verstehen die Dortmunder immer noch nicht, machen sich lieber kleiner als sie sind, aber die Fans wollen keine „kleine Borussia“. Es widerspricht sich eigentlich auch, dass sich die Borussia als Aktiengesellschaft gegenüber den Bayern als „Verein des einfachen Mannes“ sieht, auch wenn das im Ruhrpott sicher besser ankommt.

Immer wieder wird allerdings deutlich, dass die Verantwortlichen auch gern mehr Erfolg hätten und mit der Rolle des „Kleinen“ hinter den Bayern eigentlich gar nicht zufrieden sind. Deutlich macht das immer wieder Trainer Jürgen Klopp, der dünnhäutig reagiert, wenn Entscheidungen vermeintlich zu unrecht gegen seine Dortmunder gefällt werden. Dann wird der Trainer zum Werwolf und möchte am liebsten die Schiedsrichter beißen. Auch hier macht er Risse in der heilen Dortmunder Welt deutlich. Sie wollen schon Erfolg haben, nur wollen sie es nicht laut sagen. Wenn Klopp nach erfolgreichen Spielen davon schwärmt, dies sei „einfach nur geil“, heischt er wohl eher nach Lobeshymnen nach dem Motto, „seht her, was der Klopp zuwege gebracht hat“ oder „wenn wir nicht gelobt werden, loben wir uns selbst“. Die Fans nehmen ihm das so aber nicht mehr ab.

Im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid spielen die Dortmunder allerdings zu Recht die Rolle des „Kleinen“, auch wenn sie im Vorjahr die Spanier abserviert haben. Die Zeiten haben sich allerdings geändert, Real ist stärker geworden, die Borussia muss viele Verletzungsrückschläge verkraften und dann fehlt im ersten Spiel auch noch Torjäger Robert Lewandowski, der vor einem Jahr Real fast im Alleingang besiegte. An guten Tagen ist der Borussia allerdings alles zuzutrauen, fragt sich nur, ob es Jürgen Klopp schafft, dass die Dortmunder ihre guten Tage auch in den entscheidenden Spielen haben. Ansonsten wird der Trainer wohl wieder zum Werwolf werden und von „Echter Liebe“  und den großen Erfolgen träumen…

Die goldenen Zeiten des Wintersports gehen zu Ende

 

Der Winter war bei uns nur ein Frühling, dennoch hatte der Wintersport über Monate hinweg Hochbetrieb. Die Olympischen Winterspiele in Sotschi waren in dieser Saison der Höhepunkt und sie brachten dem deutschen Ski-Verband eine bittere Erkenntnis: Die goldenen Zeiten des Wintersports gehen zu Ende.

In den letzten Jahren waren die deutschen Wintersportler bei Olympia die eifrigsten Medaillensammler oder zumindest bei den eifrigsten. Die Wintersportler waren immer erfolgreicher als die Sommersportler. In Sotschi überließen sie anderen vornehm den Vortritt, wenn auch zahlreiche vierte Plätze immerhin auch der Beweis sind, dass es bis zur absoluten Spitze nicht weit ist. Aber die meisten Verbände haben mit einem Problem zu kämpfen, dem Nachwuchsproblem.

Eine Ausnahme stellen die Rodler dar, so lange Georg Hackl in Berchtesgaden noch an den Schlitten schraubt, werden seine Schützlinge mit der Konkurrenz weiter Schlitten fahren. Klappt das nicht mehr, droht ein Rückschritt wie beim Bobsport, wo die deutschen Schlitten mit der Konkurrenz nicht mithalten konnten. Leider zählt im Eiskanal nicht allein der Fahrer, sondern ähnlich wie in der Formel 1 muss die Technik, das besondere Fahrzeug, die Grundlage für den Sieg legen.

Die größten Probleme hat derzeit Biathlon, das als Nachzügler erst am kommenden Wochenende die Saison abschließt. Im Nationencup liegen die deutschen Mannschaften gar nicht so schlecht (derzeit jeweils Platz drei bei Frauen und Männern), aber der Beobachter hatte eher den Eindruck, dass es eine verkorkste Saison war. Siege konnte man an einer Hand abzählen. In der Ära nach Magdalena Neuner und dem Ausfall von Miriam Gössner konnte niemand in die Bresche springen. Andrea Henkel lief in ihrer Abschiedssaison lange hinterher und verschoss oft auch bessere Platzierungen. Dennoch wird sie eine weitere Lücke hinterlassen und es darf durchaus die Arbeit der Trainer in Frage gestellt werden. Auffallend, dass sich Siege mehrheitlich kurz vor Olympia einstellten, als manche internationale Stars pausierten, dass die deutschen Frauen und Männer in Sotschi aber eher in einem Tief landeten. Die Bilanz zwischen Laufleistungen und Schussergebnissen stimmte nicht, oft war aber beides schlecht. Der deutschen Fernsehzuschauer liebste Wintersportart leidet angesichts der fehlenden Erfolge inzwischen auch an mangelnden Einschaltquoten. Nur ein gesunde Miriam Gössner und eine weitere Leistungssteigerung bei den Männern kann wieder Licht ins Dunkel bringen. Die Talente Laura Dahlmeier und Franziska Preuß brauchen vor allem gute Trainer.

Im Langlauf trat die alte Garde ab, die junge braucht noch Zeit, um in die Fußstapfen eines Tobias Angerer oder Axel Teichmann zu treten. Ähnliches droht dem alpinen Skisportlern. Wenn Maria Höfl-Riesch und Felix Neureuther tatsächlich ihre Karrieren beenden, tut sich mehr oder weniger ein großes Loch auch. Viktoria Rebensburg kann ab und zu für positive Schlagzeilen sorgen, ebenso Fritz Dopfer, aber die Star-Rolle können sie nicht einnehmen.

Da kann man einigen Verbänden nur wünschen, dass sie arbeiten wie zum Beispiel die Skispringer. Da gab es in den letzten Jahren auch ein Leistungsloch, doch inzwischen sind sie topp. Severin Freund avancierte nach schrecklichen vierten Plätzen bei Olympia zum Siegspringer und Trainer Werner Schuster führte viele junge Springer in die Weltspitze. Da darf sich Freund auf Verstärkung und Konkurrenz im eigenen Lager freuen.

Richtig topp, nämlich Weltspitze, sind die Nordischen Kombinierer. Sie halten seit Jahren an der Spitze mit, was ja nicht nur daran liegen kann, das dies quasi eine urdeutsche Sportart ist, sondern vor allem daran, dass gute Arbeit geleistet wird und vor allem der Nachwuchs rechtzeitig herangeführt wird. Hier dürfen wir uns auch in den nächsten Jahren sicherlich an Erfolgen freuen.

Schlechter sieht es da auf dem Eis. Eishockey hinkt international hinterher – keine Besserung in Sicht. Eisschnelllauf muss den Rücktritt der Sprinterin Jenny Wolf verkraften und hat nur noch die umstrittene Eisschnelllauf-Zicke Claudia Pechstein als „Aushängeschild“. An Nachwuchs hapert es ebenso wie an Erfolgen. Eisschnelllauf und Eishockey als negatives Beispiel einer schwachen Verbandsführung. Ähnliches gilt auch für Eiskunstlauf, wo die Nachwuchsprobleme seit Jahren nicht behoben werden konnten.

Was die „jungen“ Wintersportarten wie Shorttrack, Ski-Freestyle oder Snowboard angeht, hinkt der Deutsche Ski-Verband ebenfalls hinterher. Hier wurde die Entwicklung bereits verschlafen, wird die Aufholjagd einige Zeit dauern, wenn sie überhaupt stattfindet.

Bleibt also die Erkenntnis, dass die goldenen Zeiten im deutschen Wintersport vorbei sind. Mal sehen, wie lange sich dies ARD und ZDF ansehen, wenn die langen Wintersporttage vor den Bildschirmen nicht mehr die notwendigen Einschaltquoten erreichen. Das ist das Los des Spitzensports heutzutage: Fehlen die Erfolge, fehlt am Ende auch das Geld. Fehlt das Geld am Anfang, sind Erfolge noch schwerer zu erzielen. Ein Teufelskreis.

Das letzte Rennen der Formel 1?

 

Am kommenden Sonntag, 16. März, ist es um 7.00 Uhr MEZ in Melbourne (Australien) wieder so weit: Die neue Saison der Formel 1 beginnt! Doch ist es überhaupt die Formel 1, wenn die Boliden ab Freitag über die Strecke rasen? Das mag sich mancher fragen, weil fast alles neu ist. Geblieben sind die Firmen- und Fahrernamen, die Autos haben sich geändert und viele Kritiker mosern: Das hat mit der Formel 1 nichts mehr zu tun, das ist keine Königsklasse mehr.

Die Frage nach der Zukunft der Formel 1 stellt sich immer mehr. Im übertragenen Sinne könnte man sich schon fragen, wird dies das „letzte Rennen der Formel 1?“, sprich die letzte Saison. Kommen die neuen Motoren und das neue Reglement an? Was wird mit dem großen Macher Bernie Ecclestone? Wie reagieren die großen Firmen Ferrari und Mercedes auf die Entwicklung? Zeigen sie der Königsklasse die kalte Schulter, dann ist das Ende gekommen.

So weit ist es allerdings noch nicht. Es ist sogar ein Glücksfall, dass die Neufassung des Reglements die Dominanz der übermächtigen Red Bull mit Dauer-Weltmeister Sebastian Vettel beenden könnte. Das Motto heißt: Alles auf Null!

Das ist diese Saison neu: Statt der 2,4-Liter-Motoren mit acht Zylinder, stecken nun 1,6-Liter-Turbos mit sechs Zylindern unter der Haube. Dazu ein Hybridsystem mit zusätzlichen 160 PS für 33,3 Sekunden, das Mindestgewicht der Boliden wurde von 642 auf 690 kg erhöht. Neue Reglements auch bei Fahrzeugnase, Frontflügel, Heckflügel und Auspuff. Entscheidend dürfte vor allem das Spritlimit sein. Erlaubt sind für jedes Rennen nur noch 100 kg Benzin (bisher ca. 160 kg). Wir worden wohl wieder erleben, dass Autos liegen bleiben, der mögliche Sieg vielleicht am Benzinmangel scheitert. Vollgasrennen wird es nicht geben, Taktik ist ebenso gefragt wie ein behutsamer Gasfuß. Wer „trägt“ sein Auto am besten über die Distanz? Fahrer werden auf Angriffe verzichten, weil der Sprit nicht reicht. Das könnte zu mehr Langeweile führen.

Gewöhnen müssen sich die Zuschauer auch an neue Startnummern, die jedem Fahrer fest für seine Karriere vergeben wurden. Nur die Nummer 1 bekommt jeweils der Titelverteidiger. Für Fernsehfans allerdings bleibt das Problem, dass die Nummern auf den Wagen sowieso kaum zu erkennen sind. Die „99“ von Adrian Sutil könnte vielleicht gut zu sehen sein.

Neue Autos, neue Motoren, dazu neue Sieger – das wünscht sich der Fan von der neuen Formel 1 neben packenden Rennen. Da passt es, dass die in den letzten Jahren übermächtigen Red Bull mit den neuen Motoren ihre Schwierigkeiten haben. Das liegt allerdings weniger an Red Bull selbst, sondern an Motorenlieferant Renault. Ein „neues Innenleben“ hat Sebastian Vettel für die Autos in Melbourne angekündigt, bedeutet das alte Stärke? In den Tests vor der Saison fuhren die Mercedes allen davon. Die Stuttgarter galten schon vorher als die großen Gewinner der neuen Motorenregelung, weil sie dieses Geschäft am besten verstehen. Nico Rosberg und Lewis Hamilton werden als größte Konkurrenten von Vettel gehandelt: Allerdings könnten auch „Hinterbänkler“ plötzlich mitmischen, so machten in den Tests Force India und Williams mit den Mercedes-Motoren einen ausgezeichneten Eindruck.

Allerdings sollten sich Anti-Vettel-Fans nicht zu früh freuen, denn mindestens im Laufe der Saison wird Red Bull wieder bei der Spitze sein und am Ende könnte Ecclestones komische Regelung wieder Red Bull helfen: Im letzten der insgesamt 19 Rennen (neu Sotschi, Russland, wieder dabei Spielberg, Österreich) am 23. November in Abu Dhabi wird die doppelte Punktzahl vergeben. Der heftige Widerstand von Teams und Fahrern nützte nichts. Bernie Ecclestone regiert die Formel 1. Doch wie reagiert die, sollte Ecclestone wegen der Schmiergeldzahlungen verurteilt werden.

Die neue Saison wird also auf jeden Fall spannend. Danach werden wir urteilen können, ob die Formel 1 auch wirklich eine Zukunft hat.

Löw verunsichert: Mehr Fragen als Antworten

 

Es sind nur noch rund hundert Tage, bis auch für Deutschland am Montag, 16. Juni, die Fußball-Weltmeisterschaft gegen Portugal beginnt. Bisher galt Deutschland als einer der großen WM-Favoriten neben Gastgeber Brasilien, Argentinien und vor allem Titelverteidiger Spanien. Von dieser Rolle darf sich die Mannschaft immer mehr verabschieden. Bundestrainer Joachim Löw wirkt verunsichert und nach dem schmeichelhaften 1:0 gegen Chile am Mittwoch in Stuttgart gibt es mehr Fragen, als Löw Antworten hat. Ob das in 100 Tagen anders ist?

Sinnigerweise hat Hauptsponsor Mercedes dem Nationalteam den Slogan „Bereit wie nie“ verpasst, mit dem auch Werbung für die neue C-Klasse betrieben wird. Die C-Klasse ist bereit, gilt als das derzeit innovativste Auto. Für die Löw-Schützlinge, aber auch für den Trainer, gilt eher: „Unsicher wie nie“. Verletzungen und Formtiefs sorgen dafür, dass die Zuversicht schwindet. Träumen darf man noch von einem Titelgewinn, aber realistisch ist dies nach Lage der Dinge nicht. ARD-Experte und Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl hat eine Hoffnung: „Löw hat es bisher immer geschafft, die Mannschaft in den vier Wochen Vorbereitung richtig fit zu bekommen. Das wird ihm auch diesmal gelingen.“ Doch eine gute Vorbereitung allein wird nicht reichen, zumal sich auch da Fragen ergeben.

Die Antworten dazu gibt es später. Zum Beispiel ob Bayern München und Borussia Dortmund im DFB-Pokal ihrer Favoritenrolle gerecht werden und das Finale am 17. Mai in Berlin bestreiten. Da läuft die WM-Vorbereitung schon, hat es bereits das erste Länderspiel gegeben. Zudem könnte eines der genannten Bundesliga-Spitzenteams am 24. Mai erneut im Champions-League-Finale stehen – schlecht für die WM-Vorbereitung.

„Bereit wie nie“ gilt auch nicht für die Stimmung. Gegen Chile war die Mannschaft verunsichert, das Tor glücklich, Chile besser, aber unglücklich im Abschluss. Am Ende pfiffen die Zuschauer die deutsche Mannschaft aus. Vorher hatten sie eher den Eindruck, das Team in weiß müsste wohl die DFB-Elf sein. Falsch! Sie trat erstmals in den neuen Auswärtstrikots in Schwarz-Rot gestreift auf. Die Trikots ebenso kein HIngucker wie das Spiel der deutschen Mannschaft. Vielleicht hemmte das Trikot – aber es wird auch in Brasilien getragen! Chile spielt so, wie wir Deutschland sehen wollen: Mit Schwung und Elan. Achtung: Chile ist ein Geheimfavorit!

Mehr Fragen als Antworten dagegen für Joachim Löw. Wohin mit Philipp Lahm zum Beispiel? Der Kapitän erweist sich auf jeder Position als unverzichtbar. Sowohl als rechter als auch als linker Verteidiger gibt es für ihn keinen adäquaten Ersatz. Jetzt ist er auch im Mittelfeld fast unersetzlich, obwohl da mit Bastian Schweinsteiger und Lars Bender trotz Verletzungssorgen gute Kandidaten zur Verfügung stehen. Aber Jogi Löw scheint allein Sami Khedira die Rolle neben Schweinsteiger zuzutrauen. Doch ob der Real-Star rechtzeitig fit wird, ist eine der offenen Fragen.

Bei den Verteidigern tun sich nur Notlösungen auf, egal wer spielt. Ob Großkreutz, Lars Bender oder Höwedes rechts, ob Jansen oder Schmelzer links – keiner bringt das Format mit, das eines Weltmeisters würdig wäre. Ohne Lahm nur Schwachstellen, Löw hat vergessen, Lahm rechtzeitig zu klonen.

Bis jetzt unbeantwortet ist auch die Frage, wer das Spiel der deutschen Mannschaft bestimmt? Toni Kroos tut dies bei Bayern, aber nicht im Nationalteam. Mesut Özil gilt als genialer Spielmacher, allerdings auch als Spieler, der bei großen Aufgaben gerne untertaucht. Ihm und uns würde man wünschen, er wäre in Brasilien bereit wie nie. Ähnlich sieht es bei Mario Götze aus. Einmal blitzt sein überragendes Können auf, dann taucht er wieder ab. Fragezeichen auch bei den Torjägern, verletzt, außer Form, Zukunft ungewiss. Eigentlich gibt es nur bei dem ersten Torhüter kein Fragezeichen: Manuel Neuer ist der beste der Welt. Aber ein erstklassiger Schlussmann allein macht noch keinen Weltmeister.

Rund hundert Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft reden sie vom Titel, dabei hat Deutschland noch nicht einmal die richtige Mannschaft. Mit viel Optimismus gingen Spieler und Fans in die WM-Saison, hundert Tage vor der WM ist Verunsicherung an der Tagesordnung. Von wegen bereit wie nie…

Deutschland Weltmeister? Es wäre eine Sensation!

Die Kleinen geben den Ton an

 

Die Olympischen Winterspiele sind vorbei und am Schlusstag richtete sich der Blick schon wieder auf ein weiteres Sport-Großereignis. Nein, nicht die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer in Brasilien, sondern die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Oder ist die EM gar kein Großereignis mehr? In Europa geben zumindest die Kleinen den Ton an.

Das steht auf jeden Fall fest: Die Qualifikation zur Europameisterschaft hat an sportlichem Wert verloren und das Endturnier ebenfalls. Statt bisher 16 können ab 2016 sogar 24 Nationen am Endturnier teilnehmen. Gastgeber Frankreich hat natürlich ein Freilos, darüber hinaus können sich 23 von 53 teilnehmenden Nationen qualifizieren. Da muss die Spannung wohl mit der Lupe gesucht werden. UEFA-Präsident Michel Platini hat den sogenannten kleinen Nationen dieses Zuckerl gereicht und damit seine Position gestärkt. Seltsam, dass es bei der entscheidenden Abstimmung nur drei Gegenstimmen gab (darunter Deutschland). Platini feixt: „So ist Demokratie“. Die großen Nationen hätten sich wehren müssen. Nachdem die Bundesliga sowieso schon über zu viele Termine der Nationalmannschaft klagt, wird Bundestrainer Jogi Löw die Qualifikation gleichzeitig als Testphase nutzen müssen. Was gegen die Gruppengegner Irland, Polen, Schottland, Georgien und Gibraltar gefahrlos möglich sein sollte.

Für die kleinen Nationen könnte sich der Griff nach mehr Teilnehmern am Finalturnier als Pyrrhussieg erweisen. Es werden nämlich künftig nur noch wenige Länder in der Lage sein, ein Turnier mit 24 Teilnehmern zu organisieren. Den größten Fortschritt erzielten Nationen oft als Gastgeber, weil in ihrem Land die entsprechende Begeisterung geweckt wurde und neue Stadien eine Gegenleistung für die Zukunft waren. Sportlich wertvoller wäre es gewesen, einem Vorschlag zu folgen, lieber eine Vorqualifikation durchzuführen, bevor die stärksten Nationen eingreifen. Wer wird sich schon an einem Vergleich des UEFA-Neulings Gibraltar (der seine Heimspiele in Portugal austrägt!) mit Deutschland erfreuen?

Angesichts dieser Konstellation fehlte der Auslosung der Qualifikationsgruppen in Nizza auch der Glanz und die Spannung. Gleich zwei Mannschaften pro Gruppe kommen weiter, dazu der beste Dritte und die weiteren Dritten spielen noch Play-Offs um weitere vier Teilnehmer. Wenigstens gibt es in der einen oder anderen Gruppe zumindest drei Kandidaten für die zwei Plätze: Gruppe A mit Niederlande, Tschechien und der Türkei, Gruppe E mit England, Schweiz und Slowenien, Gruppe F mit Griechenland, Ungarn, Rumänien und Finnland, Gruppe G mit Russland, Schweden, Österreich und Montenegro, Gruppe I mit Portugal, Dänemark und Serbien.

Für die deutschen Fußball-Fans kommt ein weiterer Negativfaktor hinzu: Die Qualifikationsspiele werden künftig vom Privatsender RTL übertragen. RTL hat gegenüber ARD und ZDF das bessere Angebot abgegeben. Das bedeutet für die Zuschauer weniger Information (vor allem die Show zählt), weniger Qualität, dafür mehr Werbung, vor allem auch während des Spiels. Ein Vergnügen wird diese EM-Qualifikation also weder für die Spieler noch für die Zuschauer. Aber der Kommerz kommt vor dem Sport, so gibt es ja auch künftig Doppel-Spieltage, die variieren, in der neuen „Week of Football“ wird Donnerstag/Sonntag, Freitag/Montag oder Samstag/Dienstag gespielt, damit der Fußball immer auf den Bildschirmen Europas erscheinen kann.

 

Die deutschen Termine: Sa. 7.9. Schottland, Sa. 11.10. in Polen, Di. 14.10. Irland, Fr. 14.11. Gibraltar, So. 29.3. in Georgien, Sa. 13.6. in Gibraltar, Fr. 4.9. Polen, Mo. 7.9. in Schottland, Do. 8.10. in Irland, So. 11.10. Georgien.

Olympia schlägt Fußball

 

Wer hätte das gedacht: König Fußball muss sich mal mit der Rolle des Kronprinzen zufrieden geben. Das Hauptinteresse der sportbegeisterten Bevölkerung gilt offensichtlich den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Als Indiz können die Einschaltquoten des Fernsehens herhalten und da hat Olympia dem Fußball den Rang abgelaufen. Aber Achtung: Schon in dieser Woche wird der Fußball mit der Champions League (Arsenal London – Bayern München) Rang eins zurückholen und auf Dauer führt halt bei uns kein Weg am Fußball vorbei. Wenn am Jahresende abgerechnet wird, dann werden bei den Einschaltquoten die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft ganz vorne stehen.

Dennoch: Dieses Interesse an Olympia hat sogar die Verantwortlichen der Fernsehanstalten überrascht. Es ist ja wirklich ein Rätsel, warum sich plötzlich neun Millionen Zuschauer für den Rodel-Wettbewerb interessieren. An „normalen“ Tagen mit dem Weltcup sitzen dann nicht einmal zwei Millionen vor den Bildschirmen. Geht es um Gold, wird es eben für die Zuschauer goldig und da haben uns ja die Rodler nicht im Stich gelassen. Übrigens: Im DFB-Pokal sahen die Spiele von Dortmund und Bayern jeweils knapp über sieben Millionen Zuschauer.

Überhaupt sorgten die deutschen Athletinnen und Athleten in Sotschi in der ersten Woche für goldene Zeiten. Mit sieben Goldmedaillen führt Deutschland das Ranking im Medaillenspiegel an. Andere Nationen haben zwar mehr Medaillen geholt (Platz 1 die Niederlande mit 17, dahinter Russland und USA mit 16), aber mehr als fünf Goldene waren es nicht. Was den Deutschen die Rodler, sind den Niederländern ihre EisschnellläuferInnen. Sie laufen schnell mal zu Gold…

Es ist zu befürchten, dass der deutsche Gold-Rausch in der zweiten Woche nicht anhalten wird, zumal Olympiasieger Eric Frenzel (Nordische Kombination) erkrankt ist. Vor allem die vom Sportbund erwarteten 30 Medaillen (bisher zwölf) werden wohl kaum erreicht werden, weil vor allem die Biathleten (wie erwartet) schwächeln. Gerade die Russen und Amerikaner sowie Norwegen haben in vielen verschiedenen Disziplinen heiße Eisen im Feuer, da wird Deutschland den Platz an der Sonne im Nebel von Sotschi nicht verteidigen können. Da werden auch die Einschaltquoten sinken…

Dass Olympia seltsame Blüten der Begeisterung hervorbringt, können wir tagtäglich erleben. Vor allem bei verschiedenen Rundfunksendern dürfen sich offensichtlich Leute mit Olympia beschäftigen, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Den „Witz des Tages“ lieferte Antenne Bayern, angeblich der Sender mit bundesweit den meisten Hörern, als der Redakteur bei der Tagesvorschau mit dem Massenstart im Biathlon und 1500 m Eisschnelllauf der Damen ankündigte, dass vor allem Andreas Birnbacher und Claudia Pechstein die deutschen Medaillen-Hoffnungen tragen. „Hinsetzen, sechs“ kann der Sport-Grantler nur urteilen, aber er hat auch gelacht: Birnbacher ist gar nicht am Start (sportlich nicht qualifiziert), Pechstein lief zwar, aber es war klar, dass sie auch unter ferner liefen platziert sein würde (19.). Ihre Stärke sind die langen Strecken… Pech gehabt! Seltsam ist es aber schon, dass solche Unwissende vor das Mikrofon gelassen werden. Allerdings darf das bei Antenne Bayern nicht verwundern. Der Sender liefert auch ansonsten die wohl schlechtesten Nachrichten in Deutschland. Ist der deshalb so beliebt?

Egal, genießen wir auch die zweite Woche bei Olympia und außerdem Champions League und Europa League im Fußball.