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WM-Reigen: Medaillen-Lust oder Medaillen-Frust?

Wintersport-Fans müssen in diesem und in den nächsten zwei Jahren auf Olympische Spiele verzichten. Aber für Ersatz ist 2015 und 2017 gesorgt, alle zwei Jahre gibt es dafür Weltmeisterschaften, manche Verbände scheuen nicht einmal eine Inflation und richten jedes Jahr eine WM aus, damit werden die Titel entwertet. Auch deshalb, weil sie nur alle vier Jahre stattfinden, haben Olympische Spiele die weitaus größte Bedeutung. Aber auch ein WM-Titel ist nicht schlecht. Auf Schnee beginnt jetzt mit den Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Vail und Beaver Creek in den USA der WM-Reigen. Für die deutschen Sportlerinnen und Sportler heißt es: Medaillen-Lust oder Medaillen-Frust?

Sind wir ehrlich, im Sport zählen eigentlich nur Siege. Der Zweite ist der erste Verlierer. Bei internationalen Meisterschaften ist es ein bisschen anders, wenn Medaillen verteilt werden. Natürlich steht der Sieg über allem, aber erstes Ziel ist für viele eine Medaille. Da ist dann der Zweite immer noch der erste Verlierer, aber er erhält ein Trostpflaster. Der eigentliche Pechvogel ist da wiederum der Vierte. Nur Blech gewonnen, heißt es dann.

Der Sport-Grantler gibt einen Überblick über den WM-Reigen auf Schnee und welche Chancen die deutschen Sportler haben. Einen „Frühstart“ legten übrigens die sogenannten Fun-Sportarten hin, denn Snowboard und Freestyle kürten ihre Titelträger bereits in Kreischberg in der Steiermark/Österreich. Für Deutschland holte die 18-jährige Lisa Zimmermann im Slopestyle Gold. Ansonsten Medaillen-Frust. Ein paar Medaillen mehr sollten es in den nächsten Titelkämpfen schon werden. In den letzten Wochen trumpften ja viele deutsche Sportler im Weltcup auf. Interessant, dass hier manche Medien schon warnten: „Sind unsere Asse zu früh in Form?“. Gibt es keine Erfolge, dann wird gemosert, „wie soll das nur bei der WM werden?“ Wie es bei der WM werden kann, zeigt der Sport-Grantler auf:

Alpine Ski-WM (2. – 15. Februar in Vail und Beaver Creek/USA): Drei Medaillen sind das Ziel des Deutschen Ski-Verbandes. Das ist bescheiden, nimmt man Österreich mit acht zum Vergleich. Aber die Vorgabe des DSV ist realistisch: Bei den Frauen trägt allein Viktoria Rebensburg die Hoffnung, derzeit Sechste im Gesamtweltcup, die in der Abfahrt und im Super-G nach vorne fahren kann. Ausgerechnet in ihrer früher stärksten Disziplin, dem Riesenslalom, schwächelt sie ein wenig. Aber der Knoten kann ja platzen. Bei den Herren sind die Techniker Weltspitze, Felix Neureuther und Fritz Dopfer greifen im Slalom nach einer Medaille (Neureuther ist immerhin die Nummer 1 derzeit) und haben auch im Riesenslalom eine kleine Chance. Hoffnung auf eine Medaille macht sich der DSV außerdem im Teamwettbewerb. Die Favoriten sind freilich andere. Lindsay Vonn möchte sich bei der Heim-WM für die verlorenen Medaillen von Sotschi (verletzt) entschädigen, bei den Herren gibt es viele Anwärter in den Speed-Rennen, bei den Technikern muss zuerst einmal der Österreicher Marcel Hirscher geschlagen werden.

Rodeln und Bob: Die Rodler sind am 14. und 15. Februar in Sigulda/Lettland und eigentlich sollten es wieder deutsche Weltmeisterschaften werden. Aber Vorsicht: Immer werden schwächelten sogar die Asse Natalie Geisenberger und Felix Loch. Die Konkurrenz hat ein bisschen Hoffnung bekommen, dass nicht alle Siege nach Deutschland gehen. Wir hoffen dagegen, dass neben Geisenberger und Loch auch Doppelsitzer und Team Gold einfahren können. Wenn nicht Gold im Rodeln, wo dann?

Zum Beispiel im Bob? Möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, schön wären schon einige Medaillen bei der WM in Bob und Skeleton vom 23. Februar bis 3. März in Winterberg/Deutschland. Die Heim-WM sollte Flügel verleihen, aber vor allem die Bobs aus Lettland und Russland gelten als schneller. Am Ende werden die Deutschen vielleicht hauptsächlich gute Gastgeber sein.

Nordische Ski-WM (18. 2. – 1. 3. in Falun/Schweden): Was die deutschen Chancen angeht, so sind die Aussichten einfach zu beschreiben: Im Langlauf keine, in der Nordischen Kombination sehr gute und im Skispringen sind Medaillen möglich. Die großen Favoriten sind die Norweger, vor allem im Langlauf. Da hoffen wohl die Schweden auch darauf, dass der Heimvorteil Flügel verleiht. Die Norweger sind aber auch die großen Gegenspieler der deutschen Kombinierer, die mit dem Eric Frenzel die Nummer 1 dieser Saison stellen. Wenn alles glatt läuft, dann geht Gold nur über ihn. Im Skispringen hat der DSV zwei heiße Eisen: Severin Freund bei den Männern und Olympiasiegerin Carina Vogt bei den Frauen. Außerdem hofft das Männerteam auf eine Medaille. Aber im Skispringen gibt es ja viele Unwägbarkeiten und so wäre den Athleten zu wünschen, dass vor allem das Wetter faire Bedingungen zulässt. Nicht dass der Wind die Medaillen-Lust zum Medaillen-Frust umschlagen lässt.

Biathlon (3. – 15. März in Kontiolahti/Finnland): Nach einer kleinen Pause sind vor der WM noch die Weltcups in Nove Misto/Tschechien (6. – 8. 2.) und Oslo/Norwegen (12. – 15. 2.) zu absolvieren. Da darf man schon gespannt sein, ob der Formaufbau am Ende auch stimmt. Zuletzt haben die deutschen Athleten ja durchaus für positive Schlagzeilen gesorgt. Die Saison läuft besser als gedacht, die Frauen-Staffel holte ebenso Siege wie Simon Schempp bei den Herren. Medaillen sind also möglich, doch die Favoriten sind andere. Dajra Domratschewa (Weißrussland) und Kaisa Mäkärainen (Finnland) bei den Frauen sowie Martin Fourcade (Frankreich) bei den Männern. Und immer sind auch die Norweger dabei, vor allem bei den Männern mit Biathlon-Methusalem Björndalen. Durchaus möglich, dass es am Ende von einem der genannten Namen heißt, es war seine/ihre Weltmeisterschaft. Nicht zu erwarten, dass es eine deutsche Weltmeisterschaft wird. Aber ein wenig Medaillen-Lust darf schon sein. Auch hier gilt dreimal Edelmetall als Ziel.

Danach darf der Frühling eigentlich kommen. Nur die Eishockey-Cracks dehnen die Wintersaison bis in den Mai hinein aus, sie kämpfen vom 1. – 17. Mai in Tschechien um den Titel. Traditionell dürfen wir uns in dieser Zeit schon auf die ersten heißen Sommertage freuen…

Ein Hinweis in eigener Sache: In den nächsten Tagen noch ein Kommentar zur Hallenhandball-Weltmeisterschaft! Also immer wieder mal den Sport-Grantler anklicken.

Die Bundesliga blickt auf Dortmund

In vielen Ländern Europas schauen Trainer und Spieler oft neidisch auf die deutsche Bundesliga. Während sie im Winter, in England vor allem auch über Weihnachten, dem Ball nachjagen müssen, ruhen sich die Spieler in Deutschland aus. Die Winterpause hat in Deutschland Tradition, ursprünglich vor allem wegen der klimatischen Bedingungen. Durch die modernen Stadien mit Rasenheizung hat sich die Winterpause verkürzt, vor allem in den Jahren, wenn große Turniere anstehen. Doch rütteln will an der Winterpause generell niemand, zumindest die Weihnachtsruhe muss für Vereine und Fans sein. Es gibt Stimmen, die sagen, im Frühjahr haben die deutschen Mannschaften auf internationalem Parkett einen Vorteil, weil sie ausgeruhter in die entscheidenden Aufgaben gehen können. Doch internationale Meisterschaften garantiert das nicht.

Jetzt also beginnt am Freitag, 30. Januar, auch in der Bundesliga die Rückrunde. Und das gleich mit dem Schlager Zweiter gegen Erster, VfL Wolfsburg gegen Bayern München. Doch es ist ein ungleiches Duell. Da die verunsicherten Wolfsburger, die nach dem tödlichen Unfall ihres belgischen Nationalspielers Junior Malanda seelisch erst wieder in die Spur finden müssen, dort die selbstbewussten Münchner, deren Lazarett sich lichtet und die auch in der Vorbereitung kraftstrotzend deutlich machten, wir geben den Titel nicht mehr her. Bei elf Punkten Vorsprung hat das mit Arroganz nichts zu tun, das ist realistische Einschätzung. Wolfsburg muss aber den letzten Hoffnungsfunken entzünden, dass die Bayern doch nicht unverwundbar sind.

Kein Wunder, dass der Kampf an der Spitze nicht im Mittelpunkt steht. Die Bundesliga blickt eher auf Borussia Dortmund. Der Meister von 2011 und 2012, der Champions-League-Finalist von 2013 ist abgestürzt. Die Klopp-Schützlinge sind punktgleich mit Schlusslicht SC Freiburg mit 15 Zählern Vorletzter, stehen auf einem Abstiegsplatz. Die Beobachter haben sich ob dieser Entwicklung in der Vorrunde die Augen gerieben, jetzt stellen alle die Frage: Bekommt die Borussia die Kurve? Ist Jürgen Klopp noch der richtige Trainer? Steigt der einzige an der Börse notierte und umsatzmäßig zweitstärkste Bundesligist sogar ab?

Daran will keiner glauben, aber die Vorrunde zeigte, dass selbst gestandenen Nationalspielern die Beine schwer werden, wenn die Zweifel nagen. Und gezweifelt haben die Dortmunder und die Fachwelt an ihnen. Weg der Schwung der letzten Jahre, weg die Frische, die Gegner beeindruckte, weg die Selbstsicherheit, die in engen Spielen den Vorteil ausmachte. Die Borussia von der Vorrunde war verzweifelt, kraftlos, ratlos. Der Trainer machte Mut, „mit einer richtigen Vorbereitung werden wir das Feld von hinten aufrollen“, aber die Vorbereitung zeigte andere Anzeichen. Dortmund ist noch nicht in Schwung. Am Samstag (18.30 Uhr) wird sich zeigen, was Sache ist, da tritt die Borussia beim Tabellendritten Bayer Leverkusen an. In der Vorrunde wurden am ersten Spieltag schon die Weichen für den Weg nach unten gestellt: Leverkusen siegte 2:0 und steht heute da, wo man Dortmund erwartet hatte oder sogar eher noch auf Platz zwei. Der ist es heute auch, aber peinlicherweise nur von unten…

In der Rückrunde kann es auch eine Weichenstellung für die künftige Karriere von Jürgen Klopp geben. Der 47jährige Trainer, seit dem 1. Juli 2008 in Dortmund, gilt als „Mister Borussia“, er hat Mannschaft und Verein nach vorne gebracht, hat Erfolge gefeiert und galt als unantastbar. Jetzt werden natürlich erste Zweifel laut. So ist das Geschäft, im Erfolg gefeiert, im Misserfolg gefeuert. Noch hält Dortmund-Boss Watzke an Klopp fest, doch wenn die Wende nicht gelingt…

Auch international geht es um die Reputation von Jürgen Klopp. Er galt als einer der begehrtesten und erfolgreichsten Trainer Europas. Er gehörte zu den „Verfolgern“ vom erfolgreichen Pep Guardiola. In dieser Kategorie ist Klopp nicht mehr zu finden. Sollte es in Dortmund schiefgehen, könnte auch der Traum platzen, einmal einen Spitzenverein in der englischen Premier League zu trainieren.

Die Rückrunde der Bundesliga wird spannend werden, da schadet die Langeweile an der Spitze nicht. Da der Kampf um die Plätze in der Champions League, dort der Abstiegskampf, der die halbe Liga beschäftigt. Mitten drin Borussia Dortmund und die Frage, was kommt am Ende raus? Spätestens am 23. Mai wissen wir es.

Der Sport braucht seine eigenen Regeln

Die Welt des Sports könnte wieder einmal aus den Fugen geraten. So wie beim sogenannten Bosman-Urteil, als die damals gängigen Regeln im Fußball über Ablösesummen von heute auf morgen nicht mehr galten. Nun hat das sogenannte Pechstein-Urteil die Sportverbände erschüttert, weil das Oberlandesgericht München die Schiedsvereinbarungen, welche die Verbände mit den Sportlern als Grundlage für einen geregelten Betrieb treffen, für unwirksam erklärten. In diesen Vereinbarungen ist den Aktiven u. a. der Weg vor ein ordentliches Gericht versperrt. Dafür gibt es als oberste Instanz im Sport den Sportgerichtshof CAS.

Eines vorweg: Noch ist das Urteil aus München nicht rechtskräftig, weil der Weltverband ISU die nächste Instanz anrufen wird, den Bundesgerichtshof in Deutschland. Wie dort das Urteil ausfallen wird, ist zumindest noch offen. Allerdings hat auch die Europäische Kommission bereits moniert, dass die sogenannte Schiedsvereinbarung mit dem internen Sportgerichtsweg ungültig sei. Insofern könnte ein deutsches Urteil Auswirkungen nicht nur für Europa, sondern für alle Sportverbände der Welt haben. Dies allerdings könnte auch zum Chaos führen, ein geregelter Sportbetrieb womöglich nicht mehr durchführbar sein.

Der Sport-Grantler sagt es ganz klar: Der Sport braucht seine eigenen Regeln. Der Sport braucht natürlich auch Gerechtigkeit und dafür stand in letzter Instanz der Sportgerichtshof CAS. Moniert wird die Zusammensetzung des Gerichtes, weil da vor allem die Verbände ihre Hände im Spiel hätten, die Sportler als Kläger also im Nachteil seien. Das muss natürlich im Sinne der Gerechtigkeit geändert werden. Aber das CAS hat den Vorteil einer schnellen Regelung, im Sportbetrieb kann nicht über Jahre gewartet werden, bis ein endgültiges Urteil auf dem Tisch liegt. Sollen dann zum Beispiel in Mannschaftssportarten Auf- und Abstieg in Ligen wieder geändert werden, Klubs plötzlich ganz anderes eingestuft werden? Das geht nicht.

Die Vereinbarung zwischen Verband und Sportler ist sinnvoll, die Aktiven müssen allerdings die Möglichkeit haben, ihre Rechte gegebenenfalls durchzusetzen. Aber es muss manchmal schnell gehen. Ein Beispiel: In Sportarten mit Play-Offs steht meist schon zwei Tage später das nächste Spiel an. Eine umstrittene Entscheidung mit Sperre kann nicht auf die lange Bank geschoben und Monate später geklärt werden, da muss sofort für Klarheit gesorgt werden. Oder sollen Play-Off-Spiele im Eishockey im Sommer fortgesetzt werden…

Das Thema ist so komplex, wie es die Welt des Sports auch ist. Wir erleben aber immer wieder, dass die Regel nur solange bestehen, bis sich einer ungerechtfertigt gesperrt fühlt und auf die Barrikaden geht. So wie jetzt Claudia Pechstein. Die erfolgreichste (für den Sport-Grantler aber auch unsympathischste) deutsche Eisschnellläuferin hat die Schiedsvereinbarung unterschrieben. Der Weltverband hat ihre Sperre wegen zu hoher Retikulozyten-Blutwerte nach den gängigen Regeln ausgesprochen. Pechstein hatte bis dahin die Abweichungen ihrer Blutwerte nicht gemeldet, fühlt sich aber zu Unrecht gesperrt, obwohl das CAS die Sperre bestätigte. Pechstein kümmerte sich einen Druck um die Schiedsvereinbarung und ging vor ein ordentliches Gericht. Dort unterlag Pechstein in den ersten Instanzen, was deutlich macht, dass der Bundesgerichtshof durchaus zu einem anderen Urteil als das OLG kommen kann.

Was den Sport-Grantler verwundert: Wie viel verdient Pechstein mit dem Sport, wenn sie 4,4 Millionen Euro Schadenersatz einklagt? Und was sagt ihr Arbeitgeber, die Bundespolizei, der sie ja für ihren Sport finanziell unterstützt? Diese Annehmlichkeiten waren für sie selbstverständlich.

Was den Sport-Grantler ärgert, sind Äußerungen von Pechstein wie „den Betrügern von der ISU habe ich einen reingedrückt“. Von Anstand keine Rede, wie sie ja auch als Eisschnelllauf-Zicke schon des Öfteren Unfrieden in die deutsche Mannschaft gebracht hat. Jetzt sorgt sie für Unfrieden im internationalen Sport, hebelt vielleicht die Regeln so aus, dass ein organisierter Sport kaum noch möglich sein wird. Der Sport hat innerhalb Gesellschaft und Wirtschaft eine Sonderstellung und braucht deshalb seine eigenen Regeln. Er braucht natürlich auch Ehrlichkeit und Gerechtigkeit zwischen Verbänden und Sportlern.

Ronaldo-Sieg ein Zeichen für Blatter

Cristiano Ronaldo wurde Weltfußballer des Jahres. Wie zu erwarten, erhielt er am Montag in Zürich den „Ballon d’Or“, den „Goldenen Ball“. Der Portugiese ist sicherlich ein würdiger Sieger, ist eine „Tor-Maschine“, steht auf und neben dem Platz im Mittelpunkt. Mit 37,6 Prozent der Stimmen dominierte er deutlich vor Lionel Messi (15,76) und Manuel Neuer (15,72). Ronaldo ist eine Marke (CR7) und hat auch 2014 Titel geholt, gewann mit Real Madrid die Champions League und den spanischen Pokal. Die Mehrzahl der abstimmenden Nationaltrainer und Kapitäne aller FIFA-Länder plus einige ausgewählte Journalisten kann sich nicht irren und ist über jede Zweifel erhaben. Aber…

Aber in diesem Jahr der Weltmeisterschaft hätte der „Goldene Ball“ einem anderen gehören müssen, wie der Sport-Grantler schon in seinem Kommentar am 30. Oktober 2014, also noch vor dem Ende der Abstimmung am 21. November, angemerkt hat. Manuel Neuer war ein entscheidender Spieler bei Deutschlands Titelgewinn, der Weltmeisterschaft in Brasilien wohlgemerkt, bei der Ronaldo keine Rolle gespielt hat. Der Bayern-Spieler hat das Torwartspiel quasi neu erfunden. Im Turnen würde ein neues Element den Namen des Erfinders tragen. Im Fußball gibt es Lob, aber keinen „Goldenen Ball“. Es geht um die herausragenden Leistungen in einem Jahr und 2014 hat Neuer diesbezüglich die Tor-Maschine übertrumpft. Aber das ist der Nachteil der Torhüter: Tore zu erzielen ist spektakulärer (und passiert öfters) als sie zu verhindern. Eigentlich sollte die Wahl in Torhüter und Feldspieler aufgeteilt werden. Torhüter haben kaum eine Chance, Abwehrspieler nur eine geringe (auch Philipp Lahm wäre ein gerechter Weltfußballer gewesen).

Was im Hinblick auf die Fachleute in aller Welt ebenfalls zu denken gibt: Lionel Messis zweiter Platz. Der Argentinier ist ohne Frage ein hervorragender Fußballer, einer der Besten aller Zeiten und wurde auch entsprechend geehrt mit dem „Goldenen Ball“ von 2009 bis 2013 (sehr zum Leidwesen von Cristiano Ronald, der 2008 und 2013 gewann). Aber im Jahr 2014 hat Messi zwar auch Rekorde beim FC Barcelona aufgestellt, doch die Basis dafür früher gelegt. Das Jahr 2014 war für ihn eher ein schwächeres. Was beweist: Stars, die schon im Gespräch sind, haben es leichter als Newcomer. Es sorgte ja schon für Verwunderung, dass Messi von der FIFA zum besten Spieler der WM gewählt wurde.

Vielleicht ist Manuel Neuer 2015 wieder ein Kandidat für den „Ballon d’Or“. Dann nämlich, wenn es zu einem Finale in der Champions League zwischen dem FC Bayern München und Real Madrid kommt, dann, wenn Ronaldo sagen wir mal dreimal allein auf Neuer zusteuert und der Münchner dreimal Sieger bleibt und vielleicht auch noch den entscheidenden Treffer zum 1:0-Sieg erzielt!

Aber der deutsche Fußball darf ja zufrieden sein, vor allem auch der FC Bayern München. Der Verein präsentierte sich als der erfolgreichste Klub der Welt mit seinen Spielern Neuer, Robben, Müller und Lahm auf den Plätzen vier bis sechs und zudem Toni Kroos (jetzt Real) auf Rang neun. Zudem sind Neuer, Lahm, Robben und Kroos auch in der Weltauswahl vertreten. Für den Fußball in Deutschland rundeten Bundestrainer Joachim Löw als Welttrainer sowie Ralf Kellermann als Welttrainer im Frauen-Fußball und Nadine Keßler als Weltfußballerin (beide VfL Wolfsburg) den Erfolg ab. Auch im Vorjahr gingen diese Titel an Deutschland (Jupp Heynckes, Silvia Neid, Nadine Angerer). Das ist dann wirklich bemerkenswert und lässt die Niederlage von Neuer verschmerzen.

Die Verleihung des „Ballon d’Or“ war wieder mal ein Fest der Selbstdarstellung des Fußball-Weltverbandes. Die Sportler wurden geehrt, die Funktionäre feierten sich selbst. Und für FIFA-Präsident Sepp Blatter war der Sieg von Cristiano Ronaldo ein Zeichen. Blatter gilt als Bewunderer von Ronaldo und vor allem in den kleinen Ländern in Afrika und Asien (aber nicht nur) bekam Ronaldo seine Stimmen. Dort aber holt der Schweizer auch seine Stimmen, um in diesem Jahr erneut zum Präsidenten der FIFA gewählt zu werden.

Katar hat den Sport als PR-Lokomotive entdeckt

Eines ist gewiss: Das Öl, das in der Erde schlummert, geht einmal zu Ende. Die Ölstaaten am Persischen Golf suchen für die Zukunft einen Ersatz, um ihren Reichtum erhalten zu können. Vor allem Dubai und Abu Dhabi haben schon vor einiger Zeit den Tourismus als Einnahmequelle entdeckt. Das kleine Scheichtum Katar, kleiner als Hessen, hat vor allem den Sport als PR-Lokomotive auserkoren. Welche Sportart auch immer Austragungsorte für ihre Meisterschaften sucht, Katar ist meist unter den Bewerbern zu finden – und hat „dicke Fische“ an Land gezogen.

Ins Gespräch kam Katar vor allem als Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2022. Dies leider nicht nur positiv, denn vor allem die klimatischen Bedingungen im heißen Sommer (bis zu 50 Grad) machen den Mannschaften zu schaffen, ein geeigneter Termin für die Ausrichtung wird gesucht, der vor allem in den Spielkalender der Europäer passt. Katar erregte allerdings auch traurige Aufmerksamkeit, weil die Arbeitsbedingungen an den Stadien-Baustellen offensichtlich teilweise menschenunwürdig sind und es wohl schon viele Tote gegeben hat. Schlagzeilen, welche die Scheichs in Katar natürlich nicht wollen. Es war eine Sensation, dass sich die Funktionäre der FIFA für Katar entschieden hatten, entsprechend wucherten schnell die Gerüchte, dass die WM-Vergabe erkauft wurde.

Aber der Drang nach Publicity ist in Katar ungebrochen. Für die Katarer ist es ein Fest, wenn jetzt der FC Bayern München dort sein Trainingslager abhält. Auf Einladung Katars und mit Unterstützung des Volkswagenkonzerns. Wenn die Bayern und Schalke 04 (derzeit Nachbar der Bayern, aber nicht so umjubelt) abreisen, sind die besten Handballer der Welt schon da. Sie tragen vom 15. Januar bis 1. Februar in Doha, der Hauptstadt Katars, ihre Weltmeisterschaft aus. Das wäre früher undenkbar gewesen, eine Handball-WM in der Wüste. Geld macht eben alles möglich. Aber Katar will buchstäblich alles. Die Kurzbahn-WM der Schwimmer fand bereits in Doha statt, die besten Reiter der Welt sind ständig zu Gast und 2019 folgt die Leichtathletik-Weltmeisterschaft. Auch hier schüttelten viele über diese Vergabe den Kopf. Katar muss als nächstes daran arbeiten, Welttitelkämpfe nicht nur zu bekommen und nicht nur mit Geld zu beeindrucken, sondern auch mit Konzepten.

Mit zwiespältigen Gefühlen schauen vor allem Umweltschützer auf die Bemühungen der Scheichs, der Hitze zu trotzen. So sollen die Fußballstadien heruntergekühlt werden, um ein angenehmes Klima zu schaffen. Aber zu welchem Preis geschieht das und was ist einem Aufenthalt außerhalb der Stadien? Und was ist noch möglich? Es gibt sogar schon Ski- und Eishallen in den Wüstenstaaten und deshalb kursiert immer schnell der Witz, dass der Wintersport, wenn die klimatischen Verhältnisse in den Alpen zum Beispiel immer schlechter werden, dann wohl in die Wüste umziehen werde. Katar könnte dann eine Sprungschanze in der Halle bauen. Zuzutrauen ist ihnen alles… Die Nachbarstaaten Abu Dhabi und Bahrain haben ja auch schon Autorennstrecken in die Wüste gestampft und Formel-1-Rennen an Land gezogen. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone füllt sich ja gern die Taschen.

Weltmeisterschaften in Katar werden jetzt mit besonders wachsamen Augen verfolgt. So natürlich auch die Handball-WM, für die Deutschland bekanntlich vom Internationalen Verband eine Wildcard erhielt, als die DHB-Auswahl in der Qualifikation durchfiel. Jetzt ist der damalige Gegner Polen wieder Kontrahent in der Gruppe. Ob sich die deutschen Handballer rehabilitieren können, ist die eine, die deutsche Frage. International werden die Beobachter vor allem ein Auge darauf haben, wie die Atmosphäre in den Hallen ist, ob es in Katar überhaupt ein Handball-Publikum gibt. Was die Zuschauer angeht, sind die Scheichs in Katar einfallsreich. Notfalls werden Zuschauer aus anderen Ländern herangekarrt. Geld spielt keine Rolle, die PR jedoch die Hauptrolle und der Sport dient als Lokomotive. Da wird mit allen Tricks für einen guten Eindruck gearbeitet.

Ein Streifzug durch die Fußball-Ligen Europas

In der Fußball-Bundesliga herrscht bis zum 30. Januar Weihnachtsruhe. Oder soll der Sport-Grantler eher schreiben „herrschte“? Denn in diesen Tagen beginnen überall wieder die Trainingslager, die Winterpause ist vorbei. Dennoch ist Deutschland für die Profis zum Jahreswechsel ein Schlaraffenland, denn in den anderen Topligen Europas ruhte der Ball nicht oder nur kurz. Für den Sport-Grantler die Gelegenheit, einmal einen Streifzug durch die Fußball-Ligen Europas zu machen, wobei er da natürlich vor allem die Topligen im Visier hat.

Eines ist sicher: Überall geht es an der Spitze spannender zu als in Deutschland. In der Bundesliga hat der FC Bayern München nach Ende der Vorrunde mit 45 Punkten elf Zähler Vorsprung vor dem Zweiten, dem VfL Wolfsburg. Erst dahinter wird es spannend, nur zwei Punkte trennen die nächsten fünf Mannschaften (Leverkusen, Mönchengladbach, Schalke, Augsburg, Hoffenheim). Gut also, dass es die europäischen Wettbewerbe gibt, dort will jeder hin, also ist trotz des Alleingangs der Bayern für Spannung gesorgt.

Ganz anders sieht es in Spanien aus, das in der Fünfjahreswertung der UEFA nach wie vor die Nummer eins ist, vor England, Deutschland, Italien und Portugal. In Spanien wurde in den letzten Jahr geklagt, dass Real Madrid und der FC Barcelona die Meisterschaft jeweils unter sich ausmachen würden. Doch das hat sich geändert. In diesem Jahr schien dennoch Real die Primera Division zu dominieren, aber am Sonntag wurden Cristiano Ronaldo und Co. vom FC Valencia mit 2:1 gestoppt. Der deutsche Weltmeister Shkodran Mustafi, seit dieser Saison im Dress von Valencia, hatte dies vorhergesagt! Da allerdings auch Barca beim Angstgegner Real Sociedad leer ausging, verteidigten die „Königlichen“ sogar die Tabellenspitze mit 39 Punkten vor Barca und Atletico Madrid, jeweils 38. Valencia (34) und der FC Sevilla (33) sehen sich in der Verfolgerrolle. Die Spannung dürfte den Fans in Spanien gefallen.

Den Fans in England gefallen die Weihnachtstage nicht nur wegen der Geschenke, sondern vor allem wegen dem intensiven Fußballprogramm. So hat der „Boxing Day“ an Weihnachten Tradition und die Stadien sind voll, weil es viele Familienausflüge zum Fußball gibt. Den Spielern und Trainern gefällt der Stress zum Jahreswechsel weniger. So klagte Chelseas Trainer Jose Mourinho: „Die Deutschen liegen am Strand und wir sind am Ende der Saison kraftlos“. In der Tat schien es in den letzten Jahren so, als ob Englands Klubs in der Endphase der Champions League die Puste fehlen würde. Gegen diese These spricht, dass genügend oft ein Klub der Premier League die Champions League gewann, zuletzt Chelsea 2012 in München. In der Meisterschaft machte es Chelsea mit der attraktiven Niederlage bei den Tottenham Hotspurs (3:5) spannend, denn Manchester City konnte aufschließen (je 48 Punkte). Allerdings liegt Manchester United (37) als Dritter schon deutlich zurück. Die Überraschung ist der FC Southampton als Vierter, die Enttäuschungen sind Arsenal London und der FC Liverpool, die ein bisschen den Anschluss verloren haben.

In Italien beherrschten Spielerwechsel zuletzt die Schlagzeilen, vor allem in Deutschland mit dem Wechsel von Weltmeister Lukas Podolski von Arsenal zu Inter Mailand. Inter spielt allerdings im Kampf um die Meisterschaft keine Rolle mehr, liegt als Elfter abgeschlagen im Mittelfeld. In den letzten Jahren dominierte Juventus Turin, doch in dieser Saison scheint der „alten Dame“ mit der „Roma“ wieder ein ernsthafter Konkurrent zu erwachsen. Die AS Rom liegt nur drei Zähler zurück(36 zu 39), deutlich dahinter Lazio Rom mit Miro Klose, der SSC Neapel und Sampdoria Genua (je 27). Italien litt zuletzt also an mangelnder Spannung, leidet aber auch an fehlenden internationalen Erfolgen. Für die Fans ist Besserung so schnell nicht in Sicht, Italien hat in punkto moderne Stadien und moderner Fußball den Anschluss verloren.

Das kann man von Portugal nicht sagen. Das kleine Land hält sich tapfer im Reigen der Großen und verweist Frankreich auf die Plätze. Jahr für Jahr beharken sich Benfica und Sporting Lissabon sowie der FC Porto an der Spitze und sie sind auch international erfolgreich. Derzeit hat Benfica wieder einmal die Nase vorn.

In Frankreich machte in den letzten Jahren vor allem Paris St. Germain von sich reden, weil von Scheichs Geld floss und Paris so zu einer Top-Adresse in Europa werden sollte. In der nationalen Meisterschaft läuft es derzeit allerdings nicht wie gewünscht, überraschend liegt Paris derzeit nur auf Rang drei hinter Tabellenführer Olympique Marseille und Olympique Lyon. Ob Paris dafür auf Europas Bühne auftrumpft? Man könnte aber sagen: Die Kleinen mucken auf.

Dies sollte in allen Ligen auch allen denjenigen Trost sein, die ein Einerlei an der Spitze befürchten. Die Überraschungen sterben im Sport nicht aus. Selbst in Deutschland hoffen sie, dass Bayern München nicht in jedem Jahr Meister wird. Für 2015 ist diese Hoffnung allerdings gering. Man stelle sich vor, in 17 Spielen hat Welttorhüter Manuel Neuer nur vier Gegentreffer hinnehmen müssen! So wenig Tore kassierte ansonsten kein Verein in Europa.

Ein Überblick über die Meister in Europas Ligen, die ihre Meisterschaft nach dem Kalenderjahr austragen und beendet haben (Quelle der kicker):

Estland: Levadia Tallin. Lettland: FK Ventspils. Litauen: Zaigiris Vilnius. Weißrussland: BATE Baryssau. Kasachstan: FK Astana. Schweden: Malmö FF. Norwegen: Molde FK. Finnland: HJK Helsinki. Irland: FC Dundalk. Island: Stjaman Gardabaer. Färöer: B36 Torshavn.

Was erwartet uns 2015? Überdeckt Streit den Sport?

Im Sport ist das kommende Jahr 2015 ein sogenanntes „Übergangsjahr“: Keine Olympischen Spiele, keine Großereignisse im Fußball, sprich Europa- oder Weltmeisterschaften (die Leser in Asien und Afrika mögen entschuldigen, dass ihre Kontinentalmeisterschaften nicht unter Großereignissen laufen). Doch Höhepunkte gibt es für die Sportfans genügend, zumal viele Verbände für eine Inflation an Weltmeisterschaften sorgen, Eishockey (sogar in Olympia-Jahren) und Biathlon tragen sie zum Beispiel jährlich aus. Der Sport-Grantler hat dies schon mal thematisiert, denn hier steht nicht die sportliche Wertigkeit im Vordergrund, sondern die Funktionäre gieren nach schönen Reisen!

Das WM-Jahr 2015 beginnt am 15. Januar mit der Handball-Weltmeisterschaft in Doha/Katar. Deutschland ist zwar dabei, aber die Bildschirme hierzulande werden wohl dunkel bleiben, weil die Rechtevergabe für das deutsche Fernsehen zum Fiasko wurde. Im Februar dominiert der Skisport, im März beginnt die neue Saison der Formel 1, im April starten mit dem Masters in Augusta die Major-Turniere im Golf, wie sinnig ist am 1. Mai der Beginn der Eishockey-Weltmeisterschaft in Tschechien (ist Eishockey noch Wintersport?), Tschechien ist im Juni auch Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft der U21, Kanada sieht dagegen die Frauen-Weltmeisterschaft (7. Juni bis 5. Juli). Im Juli gibt es auch wieder die Tour de France, was allerdings nicht die Jagd nach Tabletten bedeuten sollte. Davor bereits Wimbledon, der Saisonhöhepunkt im Tennis. Im August dann die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Peking/China und im September die Basketball-Europameisterschaft, die nach den Unruhen im vorgesehenen Ausrichterland Ukraine aufgesplittet wurde und in Frankreich, Deutschland (Berlin), Kroatien und Lettland ausgetragen wird. Danach bekommt schon wieder der Wintersport die Oberhand, Tennis trudelt aus und mit der Vierschanzentournee Ende des Jahres schließt sich der Kreis.

Der Sport-Grantler will auf einige Sportarten besonders eingehen, fürchtet aber, dass das Sportjahr 2015 von einigem Streit überschattet werden könnte. Möglicherweise reden wir im Laufe des Jahres mehr über Streit als über Sport.

Wintersport: In den ungeraden Jahren halten die Verbände im Wintersport ihre Weltmeisterschaften ab. Die alpinen Sportler finden sich vom 2. bis 15. Februar in Vail und Beaver Creek in den USA ein. Die deutschen Hoffnungen werden dabei nicht groß sein, ruhen vor allem Felix Neureuther und Fritz Dopfner bei den Herren sowie Viktoria Rebensburg bei den Frauen. Sie sollten eine totale Pleite verhindern. Mehr Ertrag ist bei der Nordischen WM vom 18. Februar bis 1. März in Falun/Schweden zu erwarten oder bei Bob- und Rodel-WM in Winterberg bzw. Sigulda/Litauen. Biathlon hat seine WM vom 4. bis 15. März in Kontiolahti/Finnland.

Formel 1: Der Start in die neue Saison erfolgt am 15. März in Melbourne/Australien. 21 WM-Läufe waren sogar vorgesehen, es wird aber wohl bei 20 bleiben, weil Südkorea erstaunt war, am 3. Mai überhaupt auf dem Terminplan zu stehen. Doch 20 Rennen reichen bis zum Finale am 29. November in Abu Dhabi auch. Im Mittelpunkt wird wieder das Duell zwischen Titelverteidiger Lewis Hamilton und seine Teamkollegen Nico Rosberg stehen. Mercedes gilt erneut als unschlagbar, aber genau das öffnet Spekulationen Tür und Tor. Anscheinend drängen Red Bull und Ferrari auf eine Änderung des Regelwerkes, um Mercedes einzubremsen. Sie sehen sich wohl nicht in der Lage, den Vorsprung der Stuttgarter bei den Motoren aufzuholen. Beobachter glauben, dass Mercedes aus der Formel 1 sogar aussteigen könnte, wenn sich die anderen Rennställe durchsetzen können. Der Sport wird in der Formel 1 nicht im Vordergrund stehen!

Fußball: Keine Angst, es gibt im Fußball auch in diesem Jahr international interessante Wettbewerbe. Das Finale der Champions League wird übrigens am 6. Juni in Berlin ausgetragen, Bayern München will nach dem verpatzten „Finale dahoam“ 2012 in der Allianz-Arena nun im „Finale daheim in Deutschland“ einiges besser machen. Aber zunächst einmal das Finale überhaupt erreichen… Deutsche Mannschaften könnten aber auch bei den Welt- und Europameisterschaften im Mittelpunkt stehen. Die U21 gilt bei der EM in Tschechien als einer der Titelanwärter und will zumindest mit Platz vier die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro/Brasilien schaffen. Die Frauen sind bei der Weltmeisterschaft in Kanada der Top-Favorit neben Brasilien und den USA. Ärger hier: Die Spiele werden alle auf Kunstrasen ausgetragen, was einige Spielerinnen sogar vor Gericht ziehen ließ. Aber sie werden es nicht verhindern können. Der Kunstrasen bietet allerdings einige Unwägbarkeiten, so ist auch hier Ärger vorprogrammiert.

Golf: Trotz der Erfolge von Bernhard Langer (weltbester Spieler der Senioren-Tour) und Martin Kaymer fristet Golf, international höchst angesehen, in Deutschland sportlich nach wie vor ein Schattendasein (Ist Golf Sport?). Immerhin wurde Martin Kaymer bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“ sogar Vierter, woanders wäre er Sieger gewesen nach seinem Rekordsieg bei den US Open. Frage: Was muss Martin Kaymer alles gewinnen, um in Deutschland anerkannt zu werden? Erfreulich, dass mit Marcel Siem auch die Nummer 2 wieder auf dem Weg nach oben ist und einige junge deutsche Spieler sich international bewähren dürfen. International wird Deutschland im Mittelpunkt stehen, wenn vom 18. bis 20. September in St. Leon-Roth bei Heidelberg der Solheim-Cup ausgespielt wird. Das ist das Pendant bei den Damen um Ryder-Cup bei den Herren. Die deutschen Spitzenspielerinnen Sandra Gal und Caro Masson hoffen auf eine Teilnahme. Hoffen wir, dass die deutsche Sportwelt von diesem Weltereignis überhaupt Notiz nimmt…

Wir sehen, es ist also auch 2015 im Sport einiges los. Der Sport-Grantler wünscht viel Vergnügen und generell allen Leserinnen und Lesern in aller Welt ein schöne Jahr 2015.

2014 war das Jahr des Fußballs

Gut, es gab auch die Olympischen Winterspiele in Sotschi oder den Ryder Cup, im Golf ein Weltereignis. Aber 2014 war dennoch das Jahr des Fußballs. Aus unterschiedlichen Gründen, positiv und negativ. Positiv natürlich die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, die trotz aller Bedenken im Vorfeld wegen der (berechtigten) Proteste im Volk zu einem echt brasilianischem Fest wurde, wenn auch die Gastgeber am Ende trauerten. Negativ durch den Korruptionsskandal beim Weltverband FIFA, der nicht nur den Fußball in Atem hielt und leider einen Schatten auf den Sport wirft. Der Sport-Grantler weist immer wieder darauf hin: Die Funktionäre schauen zunächst auf sich selbst und erst dann auf den Sport. Schade. Aber den Fußball kann nicht einmal Joseph Blatter zerstören, der egoistische FIFA-Präsident.

2014 war vor allem das Jahr des Fußballs in Deutschland. Endlich ist er da, der vierte Stern, stellvertretend für die vier Weltmeisterschaften 1954, 1974, 1990 und jetzt 2014. 24 Jahre lang mussten die Fans warten, ehe einmal wirklich alles passte. Weltmeister wird man bekanntlich nicht allein durch gute Leistungen, da muss es im Umfeld stimmen und auch das notwendige Glück darf nicht fehlen. Das hatte Deutschland zweifellos, nehmen wir das 2:1 nach Verlängerung im Achtelfinale gegen Algerien oder das 1:0 nach Verlängerung im Finale gegen Argentinien, mit Mario Götzes genialen, aber auch glücklichen Schuss ins Glück. Das Beste: Die Welt, von Brasilien (vor allem der Gastgeber war glücklich, dass die gehassten Argentiniern nicht gewonnen hatten, welche Tragödie wäre das gewesen!) über Titelverteidiger Spanien bis nach Asien und Afrika, gönnte den Deutschen den Titel, einfach, weil sie den besten Fußball gespielt hatten. Die DFB-Elf betrieb beste Werbung für das Land Deutschland, verschaffte der Nation einen Image-Gewinn!

Wann kann man das schon von einer deutschen Mannschaft sagen, dass die den besten Fußball spielt? Das schaffte nicht einmal Bayern München im Triple-Jahr 2013, da schwärmte alles vom FC Barcelona. Einzig die Europameister von 1972 mit Günther Netzer und Franz Beckenbauer bewegten sich in diesen Höhen, wurden jetzt aber übertrumpft. Der Titelgewinn und das 7:1 über Brasilien im Halbfinale hob die Mannen um Kapitän Philipp Lahm, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Torhüter Manuel Neuer auf den Olymp. Basis dafür war auch die von allen Beteiligten gelobte besondere Atmosphäre im Team und im vorher oft gescholtenen Camp in Brasilien. Es stimmte also alles.

Dass die Olympischen Winterspiele keine Chance gegen den Fußball hatten, zeigten die Fernseh-Einschaltquoten, weltweit und natürlich in Deutschland. Im Land des Weltmeisters zitterten alle mit, 34,57 Millionen saßen an den Bildschirmen, möglicherweise ein Rekord für die Ewigkeit. Nicht mitgerechnet sind die vielen Fans beim Public Viewing. Die Liste der TV-Hits im Sport führt der Fußball unangefochten an, erstes Nicht-WM-Spiel ist das Pokalfinale zwischen Bayern und Dortmund auf Rang 15 mit 14,25 Millionen Zuschauern. Meistgesehener Wettbewerb in Sotschi war das Rodeln der Männer mit Sieger Felix Loch und 9,21 Millionen Zuschauern. Fußball dominiert Deutschland.

2014 war auch das Jahr von Real Madrid, denn die „Königlichen“ traten in die Fußstapfen von Bayern München, lösten den Deutschen Meister sowohl als Titelträger in der Champions League ab, als auch als Sieger der Klub-Weltmeisterschaft. Nehmen wir es hin, Real unter Führung von Toni Kroos und Cristiano Ronaldo ist derzeit die beste Mannschaft der Welt. Umso interessanter wird die Champions League im Frühjahr 2015, wenn vor allem wieder die Bayern und Chelsea London sowie dazu noch der FC Barcelona, Manchester City und Paris St. Germain am Thron der „Königlichen“ rütteln werden. Vielleicht wird auch 2015 ein Jahr des Fußballs!

Leider wird uns vor allem auch die korrupte FIFA weiterhin beschäftigen. Der Rücktritt von Chefermittler Garcia brachte Joseph Blatter in die Bredouille. Nach außen hin wird Aufklärung um alle unangenehmen Begleiterscheinungen bei der WM-Vergabe für Russland 2018 und Katar 2022 versprochen, nach innen hin wird alles versucht, um Verfehlungen zu vertuschen und Aufklärung zu verhindern. Vor allem wohl deshalb will Blatter 2015 noch einmal als Präsident kandidieren. Er muss verhindern, dass belastendes Material an die Öffentlichkeit kommt. Interessant in diesem Zusammenhang wird sein, wie viel von dem Garcia-Bericht tatsächlich veröffentlicht wird. Es wird immer ein „Geschmäckle“ bleiben.

Die großen Fußball-Turnier fehlen 2015 und auch Olympische Spiele wird es nicht geben. Aber dies wird ein eigenes Thema sein. Die Fußballfans können sich zumindest auf die Europameisterschaft der U 21 freuen (hier geht es auch um die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro) und auf die Frauen-WM in Kanada. Da könnten wiederum Titel für Deutschland abfallen.

Der Sport-Grantler freut sich über die vielen Leser in der ganzen Welt und wünscht allen, zumindest dort, wo auch Weihnachten gefeiert wird, frohe Festtage. Danach meldet er sich wieder wie gewohnt.

Zum Jahresende die Qual der Wahl

In fast allen Ländern der Erde gibt es zum Jahresende hin die Qual der Wahl. Gewählt werden diesmal nicht Regierungschefs oder Parlamente, sondern es geht um die „Sportler des Jahres“. Ein beliebtes Spiel, auch wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden, denn wer will die Leistungen in den einzelnen Sportarten miteinander vergleichen. In einer Sportart kann es vergleichsweise viel leichter sein Weltmeister zu werden als in einer anderen. Dennoch sind die Wahlen beliebte Spielchen, erfreuen Sportler und Fans gleichermaßen. Allerdings gibt es, wie immer bei Wahlen, mehr Enttäuschte als Glückliche.

Unterschiedlich ist auch, wer überhaupt wählen darf. Manchmal kümmert sich eine Zeitung oder Zeitschrift darum, werden zum Beispiel Leser gefragt, in anderen Ländern entscheiden die Verbände selbst. In Deutschland sind die Sportjournalisten aufgerufen, Sportler, Sportlerin und Mannschaft des Jahres zu wählen. Hier gilt das Kalenderjahr, wobei damit auch schon klar ist, dass es Wintersportler vergleichsweise schwerer haben, weil ihre Erfolge schon länger zurückliegen als die von Leichtathleten oder Schwimmern. Der „Fußballer des Jahres“ wird dagegen in Deutschland im Sommer gekürt, nach der Saison.

Wer wird in Deutschland bei der Wahl vorne sein? An der „Mannschaft des Jahres“ kann es keine Zweifel geben, da bleibt nur die Fußball-Nationalmannschaft, der Weltmeister. Mit Bayern München und den Frauen vom VfL Wolfsburg, wieder Deutscher Meister und Champions-League-Sieger, ist der Fußball zudem stark vertreten. Dagegen wird Manuel Neuer wohl kaum „Sportler des Jahres“ werden, da haben es Fußballer als Mannschaftssportler gegenüber Einzelkämpfern schwer. Außerdem gilt: Athleten populärer Sportarten haben es leichter, die Krone zu erringen, als Aktive in Sportarten, die nur am Rande beachtet werden. Ein würdiger „Sportler des Jahres“ wäre zum Beispiel der Golfer Martin Kaymer, der drei große Titel gewann, sensationell mit acht Schlägen Vorsprung die US Open gewann, sich außerdem die Players Championship sicherte und mit Europa den Ryder Cup gewann. Geht noch mehr? Doch manche fragen auch heute noch: „Ist Golf eigentlich Sport?“ Wer sonst außer Kaymer? Eric Frenzel, Seriensieger bei den Nordisch Kombinierten? Robert Harting, der Diskus-König? Patrick Hausding mit den tollen „Dingern“ beim Wasserspringen? Felix Loch der schnelle Rodler? Oder Slalom-Ass Felix Neureuther? Wir sehen, viele hätten es verdient, nur einer kann es werden.

Bei den Frauen trat die Ski-Königin Maria Höfl-Riesch ab. Erhält sie ein Abschiedsgeschenk? „Legende des Sports“ wurde sie schon. Carina Vogt wäre eine Kandidatin, die sensationelle Skisprung-Olympiasiegerin von Sotschi. Wer in Sotschi siegte, hat einen Bonus. Das könnte auch für Natalie Geisenberger sprechen, die schnellste Rodlerin der Welt. Auch hier viele Kandidatinnen und nur eine Königin. Viele haben die Qual der Wahl. Sportlerinnen und Sportler feiern jedenfalls am Sonntag, 21. Dezember, ein Fest in Baden-Baden.

Noch ein bisschen warten müssen wir darauf, wer „Weltfußballer des Jahres“ wird. Drei Kandidaten stehen bekanntlich in der engeren Wahl und der Sport-Grantler hat darüber schon berichtet (Weltfußball des Jahres: Endlich ein Neuer? – vom 30. Oktober). Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Manuel Neuer müssen mit uns bis zum 12. Januar warten, ehe die Pokale verliehen werden. Der Sport-Grantler würde sich schon wundern, wenn das großartige Torwartspiel von Manuel Neuer, der die Position fast schon neu erfunden hat, mehr Gewicht erhalten hätte als die Treffer von „Tormaschine“ Ronaldo. Demgegenüber hätte Messi in diesem Jahr nicht einmal in der engeren Wahl sein dürfen. Seltsam ist, dass die Trainer und Kapitäne zusammen mit einigen ausgewählten Journalisten immer nur Tore im Visier haben und nicht für mehr Abwechslung sorgen. Aber hoffentlich hatten sie bei ihrer Wahl wenigstens ein bisschen die Qual.

Im Kampf ums Geld verliert der Sport

Die Meldung in der vergangenen Woche hat viele Sportfans in Deutschland aufgeschreckt: Keine Handball-Weltmeisterschaft im Fernsehen! Wenn die deutsche Nationalmannschaft vom 15. Januar bis 1. Februar in Katar um den Titel kämpft, bleibt der Bildschirm hierzulande dunkel. Der Rechte-Inhaber „beIN“ hat auf das Angebot der Öffentlich-Rechtlichen Sender ARD und ZDF nicht reagiert und diese haben nun einen Schlussstrich gezogen. Was wirklich dahinter steckt, ist bis jetzt nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

Es ist wie immer im Spitzensport, zunächst geht es einmal um das Geld. Leider verliert im Kampf ums Geld immer häufiger der Sport. Er dient nur noch als Mittel zum Zweck, das heißt, er soll die Zuschauer vor den Bildschirm locken und für gute Einschaltquoten sorgen. Ob dies für den Sport gut ist, bleibt zweitrangig.

Die Vergabe der Übertragungsrechte für die Handball-Weltmeisterschaft ist ein Beispiel von vielen. Die Funktionäre vom Weltverband IHF rieben sich wohl die Hände, als der Deal mit der Muttergesellschaft von „beIN“, Al-Jazeera, perfekt war und die Rekordsumme von angeblich 80 Millionen Euro in die Kasse spülte. Offensichtlich gibt es im Rahmen des Vertrages keine Einschränkungen, dass gewisse Nationen Übertragungsrechte erhalten müssen. Dass es gerade in Deutschland keine Übertragungen geben soll, mutet seltsam an, da Deutschland (eigentlich nicht qualifiziert) per Trick und Wildcard die Teilnahme an der WM verschafft worden war.

Aber nicht nur im Handball, vor allem im Fußball spielen ja die Übertragungsrechte eine besondere Rolle. Die Fernsehsender finanzieren heute zu einem großen Teil den Profi-Fußball, bezahlen horrende Summen für die Übertragungsrechte, in England und Spanien über eine Milliarde Euro. Die Leidtragenden sind die Fans, die teilweise hanebüchende Anfangszeiten in Kauf nehmen müssen. Da wird u. a. auch zur Mittagszeit um 12.00 Uhr gespielt. In Spanien hatten am vergangenen Wochenende alle zehn Spiele eine andere Anfangszeit!

Auch in Deutschland diktiert der Geldgeber weitgehend die Anfangszeiten. Ginge es nach den Fans, so würde die Bundesliga am Samstag einheitlich um 15.30 Uhr spielen. Der Pay-TV-Sender Sky als Hauptgeldgeber will die Spieltage aber entzerrt haben, schließlich sollen die Fußballfans nicht nur am Samstag vor der Klotze hocken. So wurde das „Spiel des Tages“ am Samstag um 18.30 Uhr erfunden, obwohl es oftmals gar keine Schlagerpaarung ist. Einen „Vorlauf“ gibt es am Freitag, seit einigen Jahren auch zwei Spiele nacheinander (früher zur gleichen Zeit als Konferenz) am Sonntag. Der Fußball hat sich verkauft, der Fan muss sich fügen.

Leider ist es so, dass Funktionäre oftmals keinen Weitblick zeigen. Dies war vor Jahren bei der Deutschen Eishockey-Liga der Fall, die ebenfalls nach dem Geld von Sky schielte und das schlechtere Angebot von ARD und ZDF ablehnte. Die öffentlich-rechtlichen Sender zogen sich daraufhin in den Schmollwinkel zurück und für Eishockey blieb der Bildschirm dunkel. So verschwand die DEL mehr und mehr aus dem Bewusstsein der deutschen Sportfans. Der Imageverlust setzte sich über Jahre fort und konnte erst in letzter Zeit mühsam wieder verbessert werden, nachdem auch ARD und ZDF zögerlich wieder berichten. Wenn Geldscheine locken, spielt der Sport nur eine untergeordnete Rolle.

Zumindest beim IOC scheint es allerdings langsam ein Umdenken zu geben. Das Internationale Olympische Komitee arbeitet derzeit in Monte Carlo an Reformen und im Mittelpunkt steht eine neue Bescheidenheit. Olympische Spiele sollen wieder finanzierbar sein, die Kosten reduziert werden. Die Spiele können in Zukunft sogar länderübergreifend organisiert werden, Rodeln und Bob auf den teuren Eisröhren sollen verlagert werden können. Auch hier gibt es den Kampf ums Geld, aber auch ums Image. Immerhin spielt auch der Sport eine Rolle. Wenigstens das.