Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Traum und Wirklichkeit im deutschen Eishockey

Im deutschen Eishockey wird wieder einmal geträumt, was natürlich schöner ist als die harte Realität. „Bis 2020 wollen wir den Weg an die Weltspitze finden“, hat der neue Verbandspräsident Franz Reindl vollmundig verkündet. Derzeit muss die Eishockey-Nationalmannschaft aber eher nach unten schauen als nach oben. Nummer 13 in der Weltrangliste, das ist nicht berauschend, früher war man Stammgast unter den besten acht.

Nach unten muss auch der Verband schauen. Sportlich läuft es nicht (Junioren und Damen sind zweitklassig), finanziell pfeift der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) aus dem letzten Loch, die öffentliche Wahrnehmung ist eher bescheiden. Eigentlich verbietet es sich da, von rosigen Zeiten zu träumen. Eher geht es schon ums Überleben. Seltsam ist, dass der DEB-Präsident jetzt ein Ziel ins Auge gefasst hat, dass er in 22 Jahren an verantwortlicher Position, u. a. als Sportdirektor und Generalsekretär, nicht verwirklichen konnte.

Vor kurzem wurden bei der Mitgliederversammlung die Weichen für eine bessere, vor allem aber ruhigere Zukunft gestellt. Die Klubs der Deutschen Eishockey Liga, die sich 1994 abgesondert hatten und schon damals den Verband an den Rand des Ruins gebracht hatten, kehrten in den Schoß des Verbandes zurück. Sie sind willens einen finanziellen Beitrag zur Rettung beizusteuern. Reindl nutzte seinen guten Draht zur DEL um die Wogen zu glätten.

Ein Fragezeichen bleibt allerdings, denn die Landesverbände müssen Macht abgeben und da steht die endgültige Zustimmung noch in den Sternen. Der Kampf um die Macht fällt nur dann aus, wenn auch die Landesverbände nicht den finanziellen Kollaps des Dachverbandes riskieren wollen. Eine gute Zukunft schaut anders aus.

Auch sportlich ist es eigentlich nicht die Zeit, um in Optimismus zu machen. Auch bei der Nationalmannschaft ging es zuletzt nur abwärts. Bei der WM ist der DEB gerade noch erstklassig geblieben, die Olympischen Spiele hat man erstmals verpasst. Bei der anstehenden Weltmeisterschaft in Tschechien vom 2. bis 17. Mai geht es vor allem darum, den Abstieg zu vermeiden und in der Weltrangliste möglichst ein bisschen nach oben zu klettern. Manche träumen auch vom Viertelfinale, doch da müsste Deutschland als Nummer 13 der Welt schon über sich hinauswachsen.

Sorgen vor der Weltmeisterschaft

Seit 2012 wird ja die Eishockey-WM mit 16 Nationen in zwei Gruppen gespielt, die vier besten Teams jeder Gruppe qualifizieren sich für das Viertelfinale. Gegner des DEB-Teams sind Schweden (Nummer 1 der Welt), Kanada (4), Tschechien(5), die Schweiz (7), Lettland (9), Frankreich (12)und Österreich (16). Vier Siege müssen also her, um Vierter zu werden. Und dabei hat Bundestrainer Pat Cortina keineswegs seine beste Mannschaft zur Verfügung. Der umstrittene Italo-Kanadier, der dringend ein Erfolgserlebnis braucht, um seinen Posten zu retten, muss auf viele verletzte Spieler und einige Stars aus der NHL verzichten. Die Vorbereitung war holprig, im Mittelpunkt standen die Play-Offs um die Deutsche Meisterschaft, die Spieler vom Meister Mannheim und Vize Ingolstadt sind müde. Ob da wirklich der erste Schritt in Richtung Weltspitze getan werden kann…

Uwe Krupp für Pat Cortina?

Beobachter glauben, dass die Ablösung von Pat Cortina nach Ablauf seines Vertrages sowieso schon feststeht. Über seiner Arbeit hängt der Schatten von Uwe Krupp, der einst als Bundestrainer Erfolge feierte und als Freund von Präsident Franz Reindl gilt. Allerdings hat Krupp bei den Eisbären Berlin einen Job. Doch was sagt dies schon aus in der heutigen Zeit. Krupp ist auch eine der letzten Galionsfiguren der heutigen Zeit des Eishockeys. Ihn kennt man in der Öffentlichkeit, die jetzigen deutschen Cracks aus der NHL sind einem breiten Publikum nicht geläufig. Es ist unter anderem das Problem des Eishockeys, das es im deutschen Sport eher ein Schattendasein führt. Und auch jetzt wird die Weltmeisterschaft nicht die große Aufmerksamkeit bekommen. Eishockey dann, wenn die Temperaturen steigen? Ist Eishockey wirklich noch eine Wintersportart?

Titelverteidiger in Prag und Ostrava ist übrigens Russland, das zusammen mit Finnland, der USA, Slowakei, Norwegen, Weißrussland, Slowenien und Dänemark die Gruppe B bildet.

Müller-Wohlfahrt und Co.: Ärzte haben die Macht

Der Abgang des Mannschaftsarztes sorgte beim FC Bayern München für mehr Wirbel als die peinliche 1:3-Niederlage gegen den FC Porto in der Champions League. Was lange gärte, kam zum Ausbruch. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Mann mit den „Goldenen Händen“, legte sein Amt nieder, als von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die Kritik erneuert wurde, dass wohl die Ärzte für die Verletzungsmisere der Münchner verantwortlich seien. Dies war eine Majestätsbeleidigung. Für „Mull“, so wird er von Freunden und Spielern genannt, war das „Müll“, er fühlte sich mit Dreck beworfen.

Seit Pep Guardiola Trainer in München ist gab es Spannungen mit dem Ärzteteam. So war der Spanier verwundert, dass kein Arzt beim Training anwesend war, die Spieler erst in die Praxis in die Stadt fahren mussten. Dieser Missstand wurde behoben. Nicht behoben werden konnten die unterschiedlichen Auffassungen über die Schnelligkeit der Heilung. Müller-Wohlfahrt vertraut auf eine langfristige Heilung und nimmt dafür einen längeren Ausfall in Kauf, der Trainer möchte den Spieler am liebsten sofort wieder zur Verfügung haben. Zwei Alphatiere standen sich gegenüber, zwei Koryphäen von Weltruf. Wer hat jetzt gewonnen? Pep Guardiola wird dann verlieren, wenn die Bayern in der Champions League scheitern. Müller-Wohlfahrt kann im Prinzip nicht verlieren. Er bleibt Arzt der Nationalmannschaft und Vertrauensmann der Spieler, die weiter bei ihm in Behandlung bleiben wollen.

Dies wirft die Frage auf, welche Macht denn die Ärzte haben. Genau betrachtet, liegt alle Macht bei den Ärzten. Welcher Trainer wird denn einen Spieler „gesundschreiben“, wenn der Arzt einen Einsatz ablehnt. Welcher Sportler wird dem Arzt widersprechen, wenn der ihm ein Mittelchen zur Heilung verschreibt. Nur so waren auch die diversen Dopingskandale möglich, weil Sportler verbotene Mittel verabreicht bekommen haben und gar nicht daran gedacht haben, zu hinterfragen. Der Wunsch, „mach mich schnell wieder fit“, ist für die Ärzte Befehl. Oder muss man heute sagen „war“? Das ist wohl nicht immer so.

Die Macht der Ärzte zeigte sich auch bei den früher renommierten Freiburger Professoren Joseph Keul und Armin Klümper, die weltweit den besten Ruf hatten. Heute wissen wir, sie waren in Doping-Skandale verstrickt. Sie hatten die Macht über Verbände und Sportler. Oder der Skandal um den spanischen Arzt Fuentes, der den Radsport (und nicht nur diesen) erschütterte. Fuentes hatte lange Zeit die Macht, ja, man kann sogar sagen, er machte Sieger.

Wer stellt die Mannschaft auf? Natürlich der Trainer, wird jeder sagen. Aber wie oft haben wir schon gehört, dass die Trainer seufzen und angesichts von vielen verletzten Spielern stöhnen, „die Mannschaft stellt der Arzt auf“. So war es zuletzt auch bei den Bayern, als ein Star nach dem anderen fehlte und sich die Mannschaft quasi allein aufstellte. In den entscheidenden Wochen der Saison konnte Pep Guardiola nicht rotieren und anfangs avisierte kurze Ausfälle erwiesen sich als Langzeitverletzte (siehe Franck Ribery). Kein Wunder, dass der Trainer auf den Arzt nicht gut zu sprechen war. Kein Wunder, dass ein Müller-Wohlfahrt mit Kritik nicht leben kann, schließlich schicken Klubs aus ganz Deutschland ihre Spieler zu ihm nach München, wenn sie nicht mehr weiterwissen.

Das Schweigen der Bayern

Unverständlich, dass für Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt 40 Jahre FC Bayern mit einer kurzen Presseerklärung – ohne vorher den Verein zu unterrichten – so stillos beendet werden. Unverständlich aber auch die Krisenbewältigung der Bayern, bei denen die Verantwortlichen hilflos wirkten. Sport-Vorstand Matthias Sammer zum Beispiel hätte hier eingreifen müssen, aber er schwieg. So sorgte eine peinliche Niederlage im schlechtesten Spiel des Jahres für eine Krise bei einem erfolgsverwöhnten Verein, der bis dahin noch auf Wolke sieben schwebte. Mal sehen, ob durch dieses Erdbeben am Ende die ganze Saison trotz Meistertitel als misslungen angesehen werden muss. Ob dann am Ende auch Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt glücklich ist?

Jürgen Klopp läuft vor den Problemen in Dortmund davon

Er ist 47 Jahre alt und eigentlich ein „gestandenes Mannsbild“, wie man in Bayern sagt. Doch das notwendige Rückgrat, um auch Krisen durchzustehen, hat Jürgen Klopp offensichtlich nicht. In der Krise nimmt er seinen Hut. Bei Borussia Dortmund läuft es nicht und Jürgen Klopp läuft den Problemen davon. Zum Saisonende wird der Trainer den Deutschen Meister von 2011 und 2012 verlassen.

Die Meldung von der Trennung überraschte einige nicht mehr und schlug doch wie eine Bombe in Fußball-Deutschland ein. Borussia Dortmund und Jürgen Klopp, das war zunächst mal eine Erfolgsstory wie sie es so schnell wohl nicht mehr geben wird. Als Klopp 2008 begann, da war Dortmund in den Niederungen der Bundesliga zu finden. Der von Mainz 05 gekommene Coach baute kontinuierlich eine Mannschaft nach seinem Gusto auf und hatte offensichtlich auch das Glück auf seiner Seite. Alles gelang, das Puzzle Mannschaft passte, die Erfolge stellten sich ein. Klopp war der „Macher“, stand im Mittelpunkt und gebärdete sich am Spielfeldrand als „Springteufel“ und furchteinflößende „Bestie“ zu gleichen Teilen. Seine Gesichtsausdrücke waren eines Frankensteins würdig. Bayern München zwei Jahre hintereinander den Titel gestohlen zu haben (2012 zudem das Double mit dem Pokalsieg) machte ihn im Ruhrpott unsterblich. Nur die Krönung fehlte: Das Finale der Champions League 2013 verlor Dortmund gegen die Bayern, die sogar das legendäre Triple schafften. Von da an ging es bergab.

Klopp und Dortmund hatten die Bayern gereizt, die holten mit Mario Götze und Robert Lewandowski nach und nach zwei Schlüsselspieler. Dortmund konnte sie nicht adäquat ersetzen. Außerdem hatten die Gegner das „System Klopp“ durchschaut und boten dem Hochgeschwindigkeitsfußball Paroli. In dieser Saison landete Dortmund statt an der Spitze am Tabellenende. Nicht nur die Bayern waren ihnen davongelaufen. In der Mannschaft wurden Auflösungserscheinungen erkennbar. Obwohl der Trainer seine Schützlinge wieder ins Mittelfeld der Tabelle führte, fühlte Klopp wohl, dass er dieses Team nicht mehr zu einer wirklichen Spitzenmannschaft formen konnte. Er wirkte in der Zeit der Krise auch seltsam teilnahmslos an der Seitenlinie, nichts mehr mit dem Springteufel, keine verzerrten Gesichter mehr, Klopp hatte wohl resigniert. Diesbezüglich eigentlich nur logisch, dass er von sich zum Saisonende den Hut nimmt.

Klopps Ziele: Italien, Spanien oder England?

Jürgen Klopp hat zwar einiges von seiner Reputation eingebüßt, aber begehrt bleibt er als Trainer über die Grenzen Deutschlands hinaus. Zunächst werden vor allem die Gerüchte kein Ende nehmen. In Deutschland gibt es keinen Verein für ihn, der so zu ihm passt wie Borussia Dortmund. Der Ruhr-Rivale Schalke scheidet von vornherein aus, für Bayern München müsste er sein Auftreten ändern, Klubs aus der zweiten Reihe werden für ihn nicht attraktiv sein. In Italien sehen sie ihn beim SSC Neapel oder AC Mailand, in Spanien ist sogar Real Madrid im Gespräch, obwohl es seltsam anmutet, dass er vom „Kumpel des Potts“ zum „Königlichen“ werden soll. Manchester City gilt als Favorit, hat Klopp angeblich schon lange im Auge, doch jetzt heißt es in England, dass City auf Pep Guardiola wartet, wenn dessen Vertrag 2016 in München ausläuft. Hat Klopp am Ende doch nicht die Qual der Wahl?

In Dortmund wird Thomas Tuchel als doppelter Klopp-Nachfolger gehandelt. Er beerbte Klopp in Mainz, verließ den Verein aber im Vorjahr, weil er sich mit der Mannschaft am Ende der Entwicklung sah. Parallelen zu Klopp in Dortmund. Jetzt könnte der 41jährige in Dortmund wieder Nachfolger von Jürgen Klopp werden und dort eine neue Entwicklung einleiten. Der Sport schreibt manchmal wirklich seltsame Geschichten.

Formcheck Champions League

Im europäischen Fußball beginnen die entscheidenden Wochen. Es geht nicht nur in den nationalen Meisterschaften um die Titel oder gegen den Abstieg, es geht vor allem um die Krone: Den Sieg in der Champions League. Das Viertelfinale steht an (ebenfalls in der Europa League), die besten Klubs Europas sind unter sich, jetzt ist jedes Spiel ein Schlagerspiel. Echte Nobodys gibt es nicht mehr, wer es unter die besten acht Vereine geschafft hat, muss einfach gewisse Qualitäten haben. Die große Frage: Geht der Fluch für den Titelverteidiger weiter oder schafft es Real Madrid das „Gesetz der Serie“ zu durchbrechen? Bisher schaffte es noch niemand, den Titel erfolgreich zu verteidigen. Mit dem Lokalrivalen Atletico wartet ein gefährlicher Gegner. Der Sport-Grantler macht einen Formcheck für die Champions League.

Atletico Madrid – Real Madrid: Die Wiederholung des Finales vom Vorjahr, das Real nach zähem Kampf und Verlängerung mit 4:1 für sich entschied. Seitdem scheint Atletico eher schwächer geworden zu sein, doch der direkte Vergleich seit diesem Duell muss Real Angst und Schrecken einjagen: In sechs Derbys gewann Atletico viermal bei zwei Remis! Im Februar wurde Real mit 0:4 gedemütigt. Dem Kampfgeist von Atletico setzt Real spielerische Kunst entgegen, mit Modric-Kroos-James im Mittelfeld und „BBC“ im Angriff, nämlich Bale-Benzema-Cristiano Ronaldo. Die Schwächen hat Real in der Abwehr. Diese könnten in der nächsten Runde eher die anderen sturmstarken Mitfavoriten aufdecken. In zwei Spielen spricht mehr für Real, das sich zuletzt wieder in guter Form zeigte. Nur der Fluch des Titelverteidigers spricht gegen Real.

Juventus Turin – AS Monaco: Juve will die Ehre Italiens retten, Monaco ist der Überraschungsgast im Viertelfinale. Turin beherrscht die Meisterschaft in Italien, aber das will nichts heißen, das Niveau ist da nicht mehr so hoch wie früher. Monaco ist in Frankreich derzeit Dritter und hat sich mit knappen Siegen und Ergebnisse in der Champions League bisher als Minimalist gezeigt. Das dürfte also eine zähe Angelegenheit werden, aber die alte Dame Juve aus Italien kann auf ihre erfahrenen Stützen Buffon, Pirlo, Vidal und Tevez bauen und gilt deshalb als Favorit.

Paris St. Germain – FC Barcelona: Zweifellos das Schlagerspiel im Viertelfinale. Beide standen sich schon in den Gruppenspielen gegenüber, Barca siegte im letzten Spiel mit 3:1 (nach einem 2:3 im Hinspiel) und sicherte sich damit den Gruppensieg, was zum Vorteil des Rückspiels zu Hause führte. Ein Vorteil für die Spanier ist wohl auch, das Paris buchstäblich am Stock geht, mit David Luiz und Motta sind zwei Mannschaftsstützen verletzt, Ibrahimovic und Verratti fehlen im Hinspiel gesperrt. Nur Schadensbegrenzung wäre im Hinblick auf das Rückspiel für Paris aber zu wenig. Barcelona setzt vor allem auf den Angriff der Stars mit Messi-Suarez-Neymar. Gespannt sind wir in Deutschland, ob Marc-Andre ter Stegen weiterhin im Tor stehen darf, in der Torhüter-Rotation gehören Claudio Bravo ja die Ligaspiele, ter Stegen darf in Pokal und Champions League ran. Da aber griff er in Paris daneben… Wie auch immer, der Vorteil liegt bei Barcelona.

FC Porto – Bayern München: In Porto wird vor allem die Vergangenheit bemüht, um sich Mut zu machen. 1987 besiegte der FC Porto die Bayern im Finale mit 2:1 durch ein legendäres, düpierendes Hackentor. Porto träumt aber auch von 2004, als die Portugiesen sensationell den Titel gewannen. Doch auch Porto hat Verletzungsprobleme, Schaltstelle Tello fällt ebenso aus wie Torjäger Jackson. Die Bayern haben natürlich wesentlich mehr Ausfälle zu verzeichnen, neben Robben und Alaba werden wohl auch Ribery und Schweinsteiger zumindest für das Hinspiel nicht rechtzeitig fit. Das Häuflein der letzten, zuletzt in der Bundesliga nur 15 Aufrechten muss es wohl richten. Gefordert wird wieder Trainer Pep Guardiola, der ein Mittel gegen die konterstarken Portugiesen finden muss. Wir wissen, da haben die Bayern ihre Schwächen. Insofern kann sich der Außenseiter aus Porto als gefährlicher Gegner entpuppen.

Gespielt wird am 14./15. und 21./22. April. Halbfinale 5./6. und 12./13. Mai, Finale am 6. Juni in Berlin. Da träumen die Bayern von einer „Berliner Woche“, nachdem das deutsche Pokalfinale am 30. Mai in Berlin stattfindet.

Im Schatten der Champions League steht naturgemäß die Europa League. Auch hier steht das Viertelfinale am 16. und 23. April an. Letzter deutscher Vertreter ist der VfL Wolfsburg, der endlich wieder einmal dafür sorgen will, dass die Bundesliga auch in den entscheidenden Spielen noch vertreten ist. Nachdem die VW-Städter Inter Mailand rausgeworfen haben, steht die nächste italienische Hürde bevor, der SSC Neapel. Die Hürde dürfte auch ein bisschen höher sein, aber der Bundesliga-Zweite sollte gegen den Vierten der Serie A durchaus gute Chancen haben. Die ganz großen Namen sind in der Europa League nicht mehr dabei, Titelverteidiger FC Sevilla will wieder ins Finale, unmöglich ist da auch für Wolfsburg nicht. Das Finale findet am 27. Mai in Warschau statt.

Das Viertelfinale: FC Sevilla – St. Petersburg, Brügge – Dnipropetrowsk, Kiew – Florenz, Wolfsburg – Neapel.

Ein hausgemachter Abstieg beim Hamburger SV

Er ist der Dino, das heißt, seit Start der Fußball-Bundesliga 1963 ist der Hamburger SV als einziger Überlebender noch dabei und noch nie abgestiegen. 52 Jahre wird der HSV nach Ende der Saison im Oberhaus verbracht haben. Doch es könnte am Ende der Saison das Ende der Herrlichkeit sein. In der ewigen Tabelle ist der HSV nach 51 Jahren mit 2588 Punkten noch Dritter hinter Bayern München (49 Jahre/3276) und Werder Bremen (50/2603). Die aktuelle Bilanz schaut dürftiger aus: Drittletzter mit 25 Punkten und gerade mal 16 Toren in 27 Spielen. Das sieht nach Abstieg aus.

Kommt es tatsächlich so weit, wird es ein hausgemachter Abstieg des Hamburger SV sein. Der HSV als typisches Beispiel des Ausdrucks „der Fisch stinkt vom Kopf her“. Seit Jahren schafft es die Vereinsführung nicht, den Klub in ruhiges Fahrwasser zu bringen und eine Mannschaft für die Zukunft aufzubauen. Vor einem Jahr ist man dem Tod (sprich Abstieg) gerade noch von der Schippe gesprungen, hat in der Relegation gerade mal mit zwei Unentschieden (0:0 zu Hause, 1:1 in Fürth, gewertet nach Europacupregel) gegen die SpVgg Greuther Fürth den Klassenerhalt geschafft. In der neuen Saison sollte alles besser werden. Zumindest sportlich ist nichts besser geworden.

Die letzten Jahre spielte sich zu Beginn einer Saison immer das Gleiche ab: Hoffnung, die Mannschaft angeblich verstärkt, der Europacup das Ziel. Am Ende Enttäuschung. Ein scheinbarer Aufbruch zu neuen Ufern auch in diesem Jahr, zumal die Organisationsstruktur verändert wurde: Die Fußball-Abteilung ausgegliedert, mit Dietmar Beiersdorfer ein neuer Kapitän, ein Hoffnungsträger, auf dem sinkenden Schiff. Geradezu tragisch, dass zuletzt wieder einmal eine hoffnungsvolle Zukunft an die Wand gemalt wurde: Millionen durch einen Sponsor sind avisiert, als neuer Trainer geistert das „Phantom“ Thomas Tuchel durch die Medien. Alle Welt reißt sich um ihn, RB Leipzig hat er abgesagt, Tuchel will nach seinem Sabbat-Jahr nicht in die 2. Liga. Es wäre ein Wunder, könnte er den HSV in der Bundesliga übernehmen.

15 Trainer in 10 Jahren

Zu oft griffen die HSV-Verantwortlichen in der Vergangenheit zum Allheilmittel der Vereine bei Misserfolg, dem Trainerwechsel. 15 Trainer waren es in den vergangenen zehn Jahren. In dieser Saison durften sich schon Mirko Slomka, Josef Zinnbauer und jetzt Sportdirektor Peter Knäbel als Trainer versuchen. Besserung? Fehlanzeige. Zinnbauer stabilisierte die Abwehr, aber es fehlten Tore und Punkte. Knäbel wollte jetzt das spielerische Element stärken und führte das Team beim 0:4 in Leverkusen ins Verderben. Die Mannschaft ist keine Mannschaft: Kampflos, willenlos, führungslos. Zuvor waren einige Spieler für die kommende Saison bereits ausgemustert worden, jetzt sollen sie die Kastanien aus dem Feuer holen. Ein grober Fehler von Beiersdorfer und Knäbel. Da hat auch der Klubboss erkannt: „Wenn wir uns so präsentieren wie am Samstag, werden wir keine Chance haben, die Klasse zu erhalten.“ Da winkt nicht mal die Relegation als letzte Rettung.

Das Restprogramm des HSV hat es in sich: Wolfsburg (zu Hause), Bremen (A), Augsburg (H), Mainz (A), Freiburg (H), Stuttgart (A) und Schalke (H) sind die letzten Gegner. Immerhin sind zwei direkte Rivalen im Abstiegskampf dabei, aber auch Gegner, die nach Europa schielen. In einer Umfrage der Fachzeitung kicker sahen 83,7 Prozent der Leser Neuling SC Paderborn wieder als Absteiger, dahinter aber schon 43,2 Prozent den HSV und den VfB Stuttgart (42,6 Prozent) in der Relegation. Sie könnten Fachwissen bewiesen haben.

Ein hausgemachter Abstieg müsste nicht das Ende des HSV bedeuten. Er bedeutete einen Einschnitt in der Bundesliga-Geschichte, dass dann keiner der Gründervereine ewig die Klasse erhalten hätte. Viele kamen zurück, aber nicht alle. Es zeigt sich auch in diesem Jahr, dass der sofortige Weg zurück der Absteiger mit vielen Stolpersteinen bepflastert ist. Eintracht Braunschweig hat nur geringe, der 1. FC Nürnberg gar keine Chance mehr. Auf den Aufstiegsplätzen Ingolstadt und Kaiserslautern, der SV Darmstadt 98 ginge in die Relegation. Der HSV wäre glücklich, dürfte er da Gegner sein. Der Rettungsanker wird aber noch gesucht, der Abstieg wäre keine Überraschung mehr.

Golf in Deutschland kämpft um Anerkennung

Die Leute sollen über Golf reden, sie sollen sich an sportlichen Erfolgen im Golf freuen und sie sollen vor allem Golf spielen. So sieht die Wunschliste des Deutschen Golf-Verbandes aus, der zwar seit Jahren eine Zuwachsrate an neuen Spielern zu verzeichnen hat, aber Golf noch nicht aus dem Schatten einer Nischensportart führen konnte. 640.000 Spieler zählt der DGV, 728 Anlagen stehen zur Verfügung. Golf gilt in Deutschland aber noch als elitär, als teurer Sport und nicht als Breitensport. Die Vorurteile sind groß, das Interesse gering, das Wissen winzig. Bei einer Umfrage nach dem bekanntesten Golfspieler in Deutschland wurde Franz Beckenbauer genannt, der „Kaiser“, die Lichtgestalt des Fußballs.

So eine Lichtgestalt braucht Golf auch, um stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu gelangen. Bernhard Langer ist zwar eine Ikone, aber zu seiner Zeit stand Golf quasi erst am Anfang. Martin Kaymer könnte in seine Fußstapfen treten, war wie Langer sogar die Nummer 1 der Welt, gewann im letzten Jahr sensationell die US Open, aber zum Publikumsliebling reicht es nicht. Da müsste er schon jede Woche gewinnen. Das macht Bayern München im Fußball, der Welt-Klub, das hat im Golf nicht mal Tiger Woods geschafft. Aber so einen wie den amerikanischen Star wünscht sich das deutsche Golf.

Im Golf-Verband ist man andererseits schon glücklich, dass die Zahl der Spitzenspieler langsam größer wird. Alex Cejka ist zuletzt wieder aus der Versenkung aufgetaucht und hat sein erstes PGA-Turnier gewonnen, Marcel Siem lässt immer wieder mit spektakulären Turnieren aufhorchen. Dazu wollen einige Jungspunde auf europäischer Ebene angreifen, mit Maximilian Kieffer, Moritz Lampert, Florian Fritsch und Dominik Foos ist in absehbarer Zeit zu rechnen. Es sah schon einmal schlechter aus.

Der Ryder Cup als Hoffnung

In diesem Jahr könnten im deutschen Golf die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt werden. Es ist ein Jahr der Chancen. Aktuell stehen die Damen im Mittelpunkt, denn Deutschland, genauer der GC St. Leon-Rot, ist Gastgeber des Solheim Cup, dem weiblichen Pendant des Ryder Cup, einem Vergleich zwischen Europa und den USA. Vom 18. bis 20. September sollen nicht nur die Golfer ein Fest feiern. Mit Sandra Gal und Caro Masson machen sich auch die beiden deutschen Spitzenspielerinnen Hoffnungen zum Team Europa zu gehören und das Lokalkolorit zu stärken. Notfalls sollte ihnen die Kapitänin Carin Koch (Schweden) eine Wild Card zugestehen.

Der Solheim Cup lief also in Deutschland dem Ryder Cup den Rang ab, denn die deutsche Bewerbung für 2018 scheiterte. Doch jetzt gilt der Ryder Cup wieder als Hoffnung. Die Stimmung hat sich geändert, zumindest bei der Politik hat Golf an Bedeutung gewonnen, sind die Politiker zu Zugeständnissen bereit. So macht sich Deutschland Hoffnung auf das Turnier 2022, das in Bad Saarow in der Nähe von Berlin ausgetragen werden soll. Dieses Weltereignis könnte Golf in Deutschland endgültig zum Durchbruch verhelfen. Golf würde endlich als Spitzensport wahrgenommen werden.

Da könnten auch die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro helfen. Golf hat ja das Olympia-Comeback geschafft. Doch um hierzulande wirklich Aufmerksamkeit zu erfahren, müssten Kaymer, Gal oder Masson um die Medaillen kämpfen. Das würde einen erheblichen Rückenwind bedeuten.

Alle Augen auf Tiger Woods, nicht auf Kaymer

Doch zunächst steht einmal vom 9. – 12 April das erste Major-Turnier des Jahres an. Das Masters in Augusta (Georgia) ist die Mutter aller großen Turniere. Alle Augen sind dabei auf Tiger Woods gerichtet, denn der Star der Szene hat seine Teilnahme kundgetan. Die Spannung ist groß, sein Leistungsvermögen ein Rätsel. Zuletzt hat er krankheitsbedingt wieder pausiert, davor ließ sein malader Körper kein gutes Golf zu. Er wollte erst wieder in Erscheinung treten, wenn er sein bestes Golf zeigen kann. Kann er wirklich?

Über Tiger Woods reden alle, dagegen ist Martin Kaymer der Nobody. Die deutsche Hoffnung ließ im letzten Jahr mit großen Erfolgen aufhorchen, doch 2015 ist er noch nicht in Schwung gekommen. Es muss ihm einen Knacks gegeben haben, als er ein Turnier mit zehn Schlägen Vorsprung anführte – und verlor. Zuletzt schaffte er zweimal den Cut nicht, Kaymer ist nicht in Form und in Augusta konnte er noch nie glänzen. Ginge es nicht um Golf, bei dem die These gilt, alles ist möglich, würde man zu Kaymer sagen, nichts ist möglich.

Da macht sich Altmeister Bernhard Langer schon eher Hoffnungen auf eine gute Platzierung. Der zweimalige Masters-Sieger spielt im Alter fast noch besser als in den früheren Jahren. Er dominierte zuletzt die Champions Tour der Senioren und war im letzten Jahr in Augusta im Vorderfeld zu finden. Doch wenn es um eine gute Zukunft des deutschen Golfs geht, dann kann die nicht mehr mit Bernhard Langer verbunden werden. Das müssen schon Kaymer und Co. richten. Gesucht wird eine Lichtgestalt.

Die weiteren Major des Jahres: US Open 18. – 21. Juni in University Place/USA, British Open 16. – 19. Juli in Fife/GBR, PGA Championship 13. – 16. August in Kohler/USA.

Deutschland hat zu bieten: BMW Open 25. – 28. Juni in München-Eichenried, European Open 24. – 27. September in Bad Griesbach, Senior Open 10. – 12. Juni in Schwerin.

DFB-Team: Ohne Weltmeister geht es nicht

Auf den ersten Blick sieht es so aus: Alles wieder gut, alles im Lot, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 Boden gutgemacht. Hat sie, aber sie hat beim 2:0-Sieg in Georgien keineswegs so gespielt, dass alle Zweifel beseitigt sind. Das 1:1 zwischen Irland und Polen spielte den Deutschen zwar in die Karten, aber nach wie vor ist das DFB-Team nur Zweiter (am Ende zählt der direkte Vergleich) punktgleich mit Schottland. Außerdem gab es nach dem 2:2 im Test-Länderspiel gegen Australien eine Erkenntnis: Ohne Weltmeister geht es nicht.

In Georgien waren sie alle wieder an Bord, Neuer, Boateng, Hummels, Schweinsteiger, Kroos und Müller. Sie bilden das Gerüst der Mannschaft und es scheint, als könnte Bundestrainer Joachim Löw die bekannten Schwachstellen vorerst nicht beseitigen. Sebastian Rudy (Hoffenheim) und Jonas Hector (Köln) bleiben als Außenverteidiger nur Notlösungen. Für den Herbst erhofft sich Jogi Löw zwar eine Blutauffrischung aus der U 21, die zunächst mal in stärkster Besetzung zur Europameisterschaft im Sommer fahren soll, doch gerade bei den Außenverteidigern gibt es auch da keine Lichtblicke. Emre Can (Liverpool) könnte in die Aufgabe eventuell hineinwachsen. Aber sonst? Kandidaten gibt es ansonsten eher im Tor (ter Stegen, Leno) oder im Mittelfeld (Meyer, Geis, Kimmich), aber da hat Löw aktuell keine Not. Bleibt für den Bundestrainer nach der Pflichtaufgabe am 13. Juni in Faro (Portugal) gegen „Zwerg“ Gibraltar im Herbst vor allem eine Aufgabe: Die Mannschaft in Form bringen. Wenn Löw davon spricht, „die Karten im Team werden neu gemischt“, dann fragt sich der Sport-Grantler, welche neuen Karten der Bundestrainer auf den Tisch legen will.

Doppelte Angst in der EM-Qualifikation

Die unnötige Aufstockung der EM-Endrunde von 16 auf 24 Mannschaften sorgte dafür, dass die Qualifikation an Spannung verlor. Allerdings müssen einige Favoriten erkennen, dass es für sie kein Spaziergang wird und manche sogenannte „Kleine“ aufgeholt haben. Da steht Deutschland nicht alleine da. Dies gilt vor allem für die Niederlande, die in der Gruppe A hinter Tschechien (13 Punkte) und Island (12) mit mageren sieben Zählern nur auf Rang drei liegt. Auch da zeigte sich beim 1:1 gegen die Türkei, dass es ohne verletzten Torjäger Robben und van Persie eben nicht geht. Leichter dann schon ohne Trainer Guus Hiddink…

In vorderster Front stehen aber Belgien (derzeit nur Dritter), Europameister Spanien und Italien nicht, die zweiten Plätzen würden allerdings zur Qualifikation reichen. Probleme hat vor allem auch Russland, der WM-Gastgeber von 2018, in der Gruppe G mit nur fünf Punkten hinter Österreich (13) und Schweden (9).

Russland ist ein besonderes Beispiel, es geht in der EM-Qualifikation nicht nur die Angst vor dem sportlichen Scheitern um, sondern auch die Angst vor der Gewalt, vor Zuschauer-Ausschreitungen, vor mangelnder Sicherheit. Das Skandalspiel Montenegro – Russland war ein typisches Beispiel, als bereits nach 20 Sekunden eine Leuchtrakete den russischen Torhüter traf, der ins Krankenhaus musste. Später kam es nach weiteren Krawallen zum Spielabbruch. Die Unsitte der Leuchtraketen kann vor allem in Osteuropa offensichtlich nicht ausgerottet werden.

Überhaupt muss sich die UEFA mehr um die Sicherheit sorgen. Dass zum Beispiel beim deutschen Gastspiel in Georgien sogenannte „Flitzer“ im Training und vor allem Spiel fast ungestört auf den Rasen laufen können, ist ein Unding und wird von den Veranstaltern viel zu leicht genommen. Was, wenn das nicht „nette Kerle“, wie sie Thomas Müller bezeichnete, gewesen wären, sondern üble Gestalten, die Schlimmeres vorgehabt hätten? Was, wenn einer mit dem Messer auf die Spieler losgeht? Da gibt es nur eins: Wehret den Anfängen!

Das Risiko im deutschen Frauen-Team

Das war ja eine Überraschung, als Frauen-Bundestrainerin Silvia Neid ihren Rücktritt von der Nationalmannschaft für 2016 verkündete. Seit 2005 ist sie Chefin bei den Frauen und nichts deutete darauf hin, dass sie amtsmüde sei. Ihre schwierigste Zeit hat sie geradezu mannhaft überstanden, als sie Deutschland bei der Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land nicht den begehrten Titel liefern konnte, sondern sogar frühzeitig mit ihrem Team ausschied. Neid hatte damals aller Kritik getrotzt, die Wende geschafft und Deutschland wieder zum Europa-Titel geführt. Jetzt geht Deutschland im Sommer als einer der Favoriten in die Weltmeisterschaft 2015 in Kanada, die allerdings auf Kunstrasen ausgetragen wird und deshalb einige Unwägbarkeiten bietet. Außerdem ist jetzt schon sicher, dass Silvia Neid aus Verletzungsgründen nicht alle Stammspieler zur Verfügung haben wird.

Die große Frage aber ist: Was kommt danach? Die Nachfolgerin steht fest und ist überraschend Steffi Jones. Die 42jährige Frankfurterin hat zwar eine große internationale Erfahrung als Spielerin, aber keine als Trainerin. Neid wuchs als Co-Trainerin in die Aufgabe rein, jetzt galt die erfolgreiche Trainerin der Juniorinnen als logische Nachfolgerin. Doch Maren Meinert, gerade mit dem Trainerpreis des deutschen Fußballs ausgezeichnet, will sich der Aufgabe nicht stellen, sie scheut die Auftritte in der Öffentlichkeit. Steffi Jones ist dagegen in dieser Hinsicht erfahren, sie war die Organisationschefin für die WM 2011, reiste als Botschafterin durch die Welt, ist als Sportdirektorin beim DFB an verantwortlicher Stelle und wollte wieder in den Sport. Eine Mischung aus Jones und Meinert wäre wohl die ideale Lösung für die Zukunft. Aber bis 2016 könnte Steffi Jones auch an der Seite von Silvia Neid noch einiges lernen. Die hat immerhin den Gewinn von fünf Europa- und zwei Weltmeistertitel in ihrer Vita stehen. Das muss Steffi Jones erst mal schaffen.

Mein Gott, Blatter!

In Deutschland gab es mal ein erfolgreiches Schlagerliedchen vom Komiker Mike Krüger mit dem Titel und Inhalt „Mein Gott, Walter“. In Anlehnung daran möchte man seufzen, „Mein Gott, Blatter“. Joseph „Sepp“ Blatter, der selbstherrliche Präsident des Fußball-Weltverbandes, bringt es immer wieder fertig, seine Person in noch größeren Höhen anzusiedeln. Jetzt ist er Gott schon nahe…

In einem Interview mit einer Schweizer Zeitung hat Sepp Blatter deutlich gemacht, wo er sich und den Fußball wirklich sieht. „Die FIFA ist durch die positiven Emotionen, die der Fußball auslöst, einflussreicher als jedes Land der Erde und jede Religion. Wir bewegen Massen, das wollen wir nutzen, um mehr Frieden, Gerechtigkeit und Gesundheit auf der Welt zu schaffen.“ Die Worte hör ich wohl, doch welche Taten gibt es wirklich? Blatter sagte auch: „Ich glaube an Gott und ich glaube an mich selbst.“ Sieht er sich auf einer Stufe mit Gott? Sieht er sich als Gott? Mein Gott, Blatter…

Joseph Blatter ist (seiner Meinung nach erst) 79 Jahre alt und will sich am 29. Mai beim nächsten FIFA-Kongress erneut zum Präsidenten wählen lassen, obwohl er vor vier Jahren von seiner letzten Amtszeit sprach. Dem Alter gemäß müsste er eigentlich schon auf der „Abrufliste“ vom lieben Gott stehen, doch dort oben werden sie den Schweizer nicht wollen. Der liebe Gott wird fürchten, „der will ja wohl an meine Position, der sieht sich ja schon als Gott“. Und der Teufel in der Hölle wird auch klagen, „Blatter hier, nein, das ist mir zu heiß´“. So kann Blatter den Fußball-Weltverband wohl ewig führen. Korruption und negative Schlagzeilen werden in nächster Zeit im Zusammenhang mit dem Weltfußball vermutlich bleiben.

Bezeichnend, dass der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger, einst ein Verfechter von Ehrlichkeit und Gradlinigkeit, heute als einer der getreuesten Vasallen von Blatter gilt. Er hat sich wohl deshalb seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach, ein bekennender Blatter-Kritiker, als Zielscheibe ausgesucht. Vor allem mit der öffentlichen Diskussion über die Vergütungsregelung von Niersbach, der vom DFB-Generalsekretär zum Präsidenten aufstieg, hat sich Zwangziger selbst ein Eigentor geschossen. „Das ist nur peinlich“, bemerkte UEFA-Generalsekretär Infantino. Theo Zwanziger wurde praktisch zum falschen Zwanziger. Mein Gott, Theo…

Am 29. Mai endet die Ära von Zwanziger, 69 Jahre alt, im Exekutivkomitee der FIFA. Sein Nachfolger wird sein Nachfolger als DFB-Präsident, Wolfgang Niersbach, immerhin erst 64. Er ist der Vertreter Europas und wird im Gegensatz zu Zwanziger künftig mit dem wiedergewählten UEFA-Präsidenten Michel Platini Doppelpass spielen. Die beiden sind befreundet und liegen auf einer Linie. „Niersbach steht für Gradlinigkeit, Offenheit, Verlässlichkeit und Integrität“, lobte Platini. Eigenschaften, die man zuletzt bei der FIFA und Joseph Blatter vergeblich gesucht hat.

Dennoch gibt es an der Wiederwahl von Blatter keine Zweifel. Die 54 Nationen Europas sind zahlenmäßig zu schwach gegen Blatters Günstlinge in Afrika, Südamerika und Asien. Zumal sich Europa in der Unterstützung der Blatter-Konkurrenten Luis Figo, Michael van Praag und Prinz Ali bin al-Hussein nicht einig ist. Vielleicht bleibt zum Kongress auch nur ein Konkurrent übrig, was die Chancen verbessern würde.

Nicht zu rechnen ist damit, dass Joseph Blatter einsichtig wird. Er sieht sich noch nicht am Ende seines Lebenswerkes (auf Erden, muss man einschränken). Er sieht offensichtlich nicht, wie er der FIFA schadet. Er hat eher den Glanz des Geldes in den Augen und kann ja wirklich eine beeindruckende Bilanz vorweisen, mit einem Vermögen des Weltverbandes von 558,7 Millionen Euro. Jetzt müsste das Geld nur noch in die richtigen Kanäle fließen, nicht zum Stimmenfang des Präsidenten dienen und in den Taschen von irgendwelchen Präsidenten landen. Mein Gott, Blatter…

Immerhin wird jetzt in den Diskussionen um die Weltmeisterschaft 2022 in Katar Ruhe herrschen, nachdem der WM-Termin von 20. November bis 18. Dezember (Nationalfeiertag in Katar) festgelegt ist. Und in der ihm eigenen Art hat Blatter auch die Spitzenklubs ruhig gestellt. Sie werden mit rund 200 Millionen Euro Abstellgebühr für Russland 2018 und Katar besänftigt und erhalten damit das Dreifache als bisher. Auch hier gilt: Geld regiert die Welt.

Was allerdings bleibt, sind die Unwägbarkeiten um die weltpolitische Lage rund um Russland sowie die Durchsetzung von menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter in Katar. Die Öffentlichkeit muss wachsam bleiben, der Zündstoff geht nicht aus.

Deutsches Wintermärchen! Deutsches Sommermärchen?

Die Sportfans in Deutschland haben die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land noch gut in Erinnerung. Sie ist heute noch als „Sommermärchen“ in aller Munde und hat Deutschland in der Welt viele Sympathien eingebracht. Als Dritter ließ man ja zudem den Gästen noch den Vortritt! Zuletzt war aber Winter und Deutschland erlebte ein Wintermärchen. Nicht im eigenen Land, aber sportlich. Nach einer kleinen Delle bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi, trumpften viele Athleten im nacholympischen Winter auf. Und was besonders Hoffnung macht: Viele jungen Sportlerinnen und Sportler fanden in die Erfolgsspur.

Positives Beispiel ist vor allem Biathlon. Nach dem Rücktritt von Medaillensammlern wie Michael Greis und vor allem Magdalena Neuner war schon ein Abgleiten ins Niemandsland befürchtet worden. Die Angst: Keine Erfolge und keiner würde mehr von Biathlon Notiz nehmen. Das Gegenteil war der Fall. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern haben sich neue, starke Mannschaften entwickelt. Nach dem schwachen olympischen Winter gab es ein Umdenken: Die Mannschaft steht jetzt im Vordergrund, das neue Miteinander hat allen Beine gemacht, es gibt keine Einzelgänger mehr und beeindruckend zudem die Schießergebnisse.

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Die Frauen gewannen sogar die Nationenwertung vor Tschechien und Frankreich, Franziska Preuß die Wertung im Massenstart. Bei der Weltmeisterschaft holte Deutschland drei Titel und zweimal Silber, vor der Saison fast unvorstellbar. Aber Preuß und die anfangs einige Zeit noch verletzte Laura Dahlmeier wurden immer besser und zu Siegläuferinnen. Die beiden Freundinnen sind erst 21 Jahre alt. Franziska Hildebrand mischte zudem vorne mit. Bei den Männern gehörten nach einigen Anfangsschwierigkeiten Simon Schempp, Erik Lesser, Arnd Peiffer und Daniel Böhm zur Weltspitze, in die sich am Ende auch noch Benedikt Doll katapultierte. Die Männer waren Zweite in der Nationenwertung hinter Norwegen und vor Frankreich. Vor allem Staffelsiege bewiesen die tolle Mannschaftsleistung im DSV-Team.

Die größte Überraschung lieferten wohl die Skispringer, die anfangs bei der populären Vierschanzentournee noch hinterher sprangen. Am Ende stand aber der Weltcup-Gesamtsieg von Severin Freund und die deutschen Springer als beste Mannschaft der Saison. Wer hätte das gedacht. Severin Freund legte einen beeindruckenden Saison-Endspurt im Jahr 2015 hin und schaffte bei den letzten Springen in Planica/Slowenien buchstäblich eine Punktlandung: Punktgleich mit Peter Prevc (Slowenien) gewann er die Gesamtwertung durch mehr Siege. Den Weg dahin ebnete ihm ausgerechnet Prevcs Landsmann Tepes mit einem Erfolg im letzten Springen. Es war für Freund das Glück des Tüchtigen und des Sympathischen.

Überhaupt waren die nordischen Skisportler Gewinner der Saison, vor allem die Kombinierer. Bei der WM in Falun war Deutschland Zweiter der Gesamtwertung hinter Norwegen mit insgesamt fünf Titeln und acht Medaillen. Allein im Langlauf hapert es, da müssen die Weichen neu gestellt werden. Ob die Kombinierer da Tipps geben können? An der Weltspitze tummeln sich auch Rodler und Bobfahrer, die das Wintermärchen abrundeten. Im alpinen Skisport lastet alles auf den Schultern von Viktoria Rebensburg, Felix Neureuther und Fritz Dopfer. Guter Nachwuchs ist in Sicht.

Natürlich gib es nicht nur Sonnenschein, zum Beispiel Eiskunstlauf und Eisschnelllauf haben einiges aufzuholen, aber die Gesamtbilanz des deutschen Wintersports ist schon beeindruckend. Die Sportfans lassen sich zudem vor den Bildschirm locken, ARD und ZDF haben bei den langen Wintersporttagen wesentlich mehr Zuschauer als sonst im normalen Programm am Samstag oder Sonntag am Nachmittag. Nummer 1 bleibt Biathlon, das allein noch Fußball den Vortritt lassen muss. Biathlon-Übertragungen hatten manchmal mehr Zuschauer als eine Unterhaltungssendung am Abend oder am Sonntag zuletzt Günther Jauch mit seiner Talkrunde! Nicht-Sportfans, die klagen, können mit einem Blick auf die Einschaltquoten eines Besseren belehrt werden.

Folgt dem deutschen Wintermärchen jetzt ein Sommermärchen? Ein Sommermärchen erhofft sich Deutschland mit der Olympia-Bewerbung von Hamburg für 2024 oder spätestens 2028. Doch da ist noch eine Weile hin. Aktuell ist, dass die Sommersportarten bei den TV-Einschaltquoten mit dem Wintersport nicht mithalten können. Zwar sorgen Tour de France, Wimbledon oder die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Peking für Highlights, aber das Sommermärchen der Deutschen findet eher am Badesee, am Grillplatz oder im Biergarten statt. Da kann nur Fußball locken. Insofern könnte man auch sagen, dass der Wintersport einen klimatischen Vorteil hat. Zu der Jahreszeit sitzen auch Sportfans gerne auf der Couch.

DFB und Jogi Löw: Keine Experimente

Außenstehende mögen sich wundern, Insidern war die Vertragsverlängerung allerdings schon lange klar: Ausgerechnet an einem Freitag, dem 13. (März nämlich), verlängerten der Deutsche Fußball-Bund und Bundestrainer Joachim Löw den Vertrag bis 2018. Der alte Kontrakt lief sowieso noch bis 2016, also bis nach der Europameisterschaft, aber beide Seiten wollten Ruhe haben, keine Diskussionen und vor allem keine Experimente.

Der DFB weiß, was er an Jogi Löw hat, durch den Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 wurde er für eine Zeit lang unangreifbar. Da gilt das Motto: Was Besseres kommt nicht nach. Jogi Löw hat den Spielstil der Nationalmannschaft entscheidend verändert, er kommt bei Spielern und Öffentlichkeit offensichtlich gut an, die Suche nach einem Nachfolger wäre wohl anstrengender gewesen, als alles beim alten zu lassen. Eine Erfolgsgarantie gibt es weder mit Löw noch einem anderen, doch ein Nachfolger müsste die entsprechende Reputation erstmal gewinnen.

Joachim Löw selbst hat wohl sicherlich damit geliebäugelt, noch einmal einen Bundesliga-Verein zu trainieren oder einen europäischen Spitzenklub. Aber wirklich attraktive Stellen sind in absehbarer Zeit nicht frei. Es gab sogar Spekulationen, er könnte 2016 bei Bayern München dem Spanier Pep Guardiola nachfolgen. Aber Nachfolger von Pep zu sein ist nicht unbedingt ein Traumjob. Also lieber keine Experimente und etwas ruhigeres Arbeiten. Nach der WM 2018 wäre Löw auch noch keine 60 Jahre alt, ein Karriere-Abschluss in einem Verein also nicht ausgeschlossen.

Wichtig für den Verband ist ebenso die Vertragsverlängerung der „Löw-Bande“. Bis 2018 bleiben auch Co-Trainer Thomas Schneider (42), Torwart-Trainer Andreas Köpke und Chef-Scout Urs Siegenthaler (67). Manager Oliver Bierhoff unterschrieb sogar bis 2022 und hat sich damit aus diesem Zirkel etwas gelöst. Für ihn kommt als Sonderaufgabe die Leitung für den Aufbau der DFB-Akademie in Frankfurt zu. Für dieses Projekt hat er sich stark gemacht, diese Vertragsdauer ist also nur logisch. Wobei auch für Bierhoff zählt – keine Experimente!

„Keine Experimente“ gilt allerdings nicht für die Nationalmannschaft. Ganz im Gegenteil, da ist Jogi Löw gefordert. Die Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 sollte für den Weltmeister eigentlich ein Kinderspiel werden, ist tatsächlich aber alles andere als ein Selbstläufer. Nach Rücktritten und Verletzungspech geriet das DFB-Team etwas außer Tritt und muss sich gewaltig steigern. Ende März rückt die Löw-Truppe wieder in den Blickpunkt, mit einem Freundschaftsspiel gegen Australien (25. März) und der Fortsetzung der EM-Qualifikation in Georgien (29. März). Dort muss ein Sieg her. Deutschland ist schließlich aktuell nur Dritter hinter Polen (10 Punkte) und Irland und vor Schottland (alle drei 7 Punkte). Alles ist also offen, aber die Aufgaben in Schottland (7. September) und in Irland (8. Oktober) werden kein Zuckerschlecken. Platz zwei reicht allerdings zur direkten Qualifikation, der Dritte muss in ein Play-Off.

Löw muss neue Spieler und neue Lösungen finden. Da darf man auf das erste Aufgebot im neuen Jahr gespannt sein und vor allem darauf, wie er die Zukunft angeht. Er könnte es mit der Dreierkette in der Abwehr probieren, da ihm geeignete Außenverteidiger sowieso fehlen. Für die neue Saison wird es wohl auch neue Kandidaten aus der U 21 geben, die zunächst erst einmal die Europameisterschaft im Sommer spielen soll. Erst danach könnte zum Beispiel auch Emre Can vom FC Liverpool ein Kandidat für die rechte Seite sein.

Zunächst also die EM-Qualifikation. Eigentlich ist es überheblich, wenn Trainer und Spieler schon über ihr Abschneiden beim Finalturnier in Frankreich fabulieren, aber noch gar nicht dort sind. Der Titel gilt als Ziel, man sollte darüber nicht vergessen, dass sich auch der Weltmeister qualifizieren muss. Auch für 2018 wird schon von einer erfolgreichen Titelverteidigung geträumt. Löw hat die Latte hochgelegt. Also: Keine Experimente, wir wollen Siege, Titel und keine Niederlagen!