Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Der Verkauf des Deutschen Eishockey-Bundes

Es geschehen manchmal seltsame Dinge im deutschen Sport. Es gibt Verbände, da wundert man sich über manche Entscheidungen, es gibt aber auch Verbände, da wundert man sich über gar nichts mehr. So einer ist der Deutsche Eishockey-Bund. Jahrelang hörte die Öffentlichkeit nur von Streit, Ruhe herrschte erst nach einer Entmachtung des Verbandes. Jetzt könnte es in naher Zukunft sein, dass der Deutsche Eishockey-Bund ganz von der Bildfläche verschwindet. Bei der Hauptversammlung am vergangenen Wochenende hat nichts anderes als der Verkauf an die DEL stattgefunden.

Also gut, der Verband als solcher kann nicht verschwinden, weil er Mitglied im Internationalen Eishockey-Verband (IIHF) ist und dort die Interessen des deutschen Eishockeys vertritt. National aber ist der DEB endgültig zu einem zahnlosen Tiger mutiert, weil die DEL die Macht übernommen hat. An der Spitze steht jetzt der langjährige Sportdirektor, Generalsekretär und ehemalige Nationalspieler Franz Reindl, der in seiner jahrzehntenlangen Arbeit für den Verband vor allem eines geschafft hat: Nichts auf den Weg zu bringen, aber eine weiße Weste zu behalten und gut dazustehen. Er hat sein Fähnchen immer rechtzeitig in den Wind gehängt und es geschafft, dem jeweiligen Präsidenten treu zu dienen und seine Pfründe zu sichern.

Jetzt hat es der 59jährige geschafft, er steht an der Spitze, ist selbst Präsident. Ein Weg, den auch Wolfgang Niersbach beim Deutschen Fußball-Bund gegangen ist, doch es gibt eben himmelweite Unterschiede. Da der Funktionär, der vorher schon durch hervorragende Arbeit geglänzt hat, dort der Strippenzieher, der eine Sportart nicht voran gebracht hat. Lachhaft die Äußerung von Reindl bei seiner Präsidenten-Kür: „Die anderen Nationen lachen sich doch über uns kaputt: Wir mit unseren 80 Millionen Einwohnern, als Organisationstalente, schaffen es nicht, konkurrenzfähig zu sein“. Er fordert: „Wir müssen uns neu aufstellen.“ Warum ist aber in den über 20 Jahren seiner Tätigkeit beim Verband nichts passiert? Außerdem: Die 80 Millionen in Deutschland interessieren sich vielleicht für die Fußball-WM, aber auf keinen Fall für Eishockey. Eishockey ist eher zur Randsportart verkommen.

Kläglich, dass der alleinige Kandidat nur 73,5 Prozent an Stimmen erhielt. Es gab also genug Bedenkenträger. Ihm zur Seite stehen zwei Mannheimer: MERC-Boss Daniel Hopp und Berthold Wipfler als Vizepräsident und Schatzmeister. Also hat die DEL deutlich das Sagen, sie wird künftig im Verband bestimmen, Reindl ist eher eine Marionette. Die Landesverbände vertritt Marc Hindelang, Journalist bei Sky und Präsident des kleinen EV Lindau. Hat man ihn als Sprachrohr und PR-Mann ins Boot geholt? Für einen unabhängigen Journalisten eine problematische Sache.

Wie auch immer, eines ist klar, der wieder einmal finanziell klamme Verband wurde geschwächt, die DEL gestärkt. Sie hat im deutschen Eishockey endgültig das Kommando übernommen und wird die Zukunft bestimmen. Das muss nicht schlecht sein, denn die Top-Liga funktioniert ja, eigentlich als einzige Liga im deutschen Eishockey. Allerdings hat sich die DEL um den Nachwuchs und die Basis nicht so viele Gedanken gemacht und deshalb ist zu befürchten, dass die bisher mangelhafte Basisarbeit des DEB unter der Ägide der DEL auch nicht besser wird. Verlierer sind auf jeden Fall die kleinen Vereine.

Und ob Franz Reindl als Präsident das schafft, was er lange Zeit als Sportdirektor und Generalsekretär versäumt hat, darauf darf man gespannt warten. Eher wird es auch in Zukunft so sein: Beim Eishockey wundert man sich über gar nichts mehr.

Weltmeister! Und was kommt danach?

Hurra, Hurra, der vierte Stern (1954, 1974, 1990, 2014) ist da! Eine Nation feierte die Weltmeister, die Fußballer wurden wieder einmal zu den Lieblingen der Nation. Keine andere Sportart kann die Massen so in ihren Bann ziehen, bei der WM in Brasilien purzelten fast alle Rekorde. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF werden sich die Hände reiben ob der Rekorde bei den Einschaltquoten. Die Spieler selbst feierten und wurden gefeiert, Berlin stand kopf. Jetzt aber dürfen sie in den wohlverdienten Urlaub. Drei Wochen lang, ehe wieder der Ernst des Lebens beginnt. Da stellt sich dann schon die Frage: Weltmeister! Und was kommt danach?

Keine Zweifel, die deutsche Mannschaft hat sich den Titel verdient, sie war das beste Team des Turniers und hatte am Ende halt das Glück des Tüchtigen. Endlich am Ziel nach zweiten und dritten Plätzen, davon hatten die Spieler genug. Viele Beobachter trauen der DFB-Elf jetzt eine Ära zu wie den Spaniern, die Europameister 2008 und 2012 wurden und dazwischen auch den WM-Titel 2010 holten. Die nächsten Ziele für Deutschland heißen also Europameisterschaft 2016 in Frankreich und Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Zweimal Weltmeister und dazwischen Europameister – das wäre eine Bilanz!

Von der Altersstruktur her könnte die deutsche Mannschaft für diese Ziele fast zusammenbleiben. Allein Miroslav Klose ist am Ende seiner Länderspielkarriere angelangt, der 36jährige sagte aber auch, „mal sehen, wie lange ich meinen Kadaver noch rumschleppen kann“. Allerdings: Gerade auf seiner Position tut sich in Sachen Nachwuchs nicht viel. Auf anderen Positionen sind Verstärkungen in Sicht oder können Ausfälle gut kompensiert werden, wenn wir nur daran denken, dass Marco Reus und die Bender-Zwillinge in Brasilien fehlten. Einige Nachwuchsstars wie Julian Draxler durften schon mal WM-Luft schnuppern. Was Deutschland braucht, sind Verteidiger (Lahm sollte es bleiben), ansonsten hat Bundestrainer Joachim Löw zumindest bis 2016 (so lange läuft sein Vertrag) wenig Sorgen.

Was aber macht die Konkurrenz? Spanien wurde vehement aus dem Turnier gekegelt, die Ära der Xavi und Iniesta ist vorbei, den behutsamen Neuaufbau hat Trainer del Bosque verschlafen. Talente sind vorhanden, doch wie schnell können sie die Lücken schließen? In Europa haben vor allem Frankreich und Belgien junge Mannschaften, die für die Zukunft einiges Versprechen. Aber ein Gerüst, wie es die deutsche Mannschaft vorweisen kann, ist bei beiden Nationen nicht vorhanden. Dazu befinden sich die großen Teams von Italien und England eher auf dem absteigenden Ast. Bleibt fast das Fazit: Deutschland hat auf absehbare Zeit kaum ernsthafte Konkurrenz. Aber bitte, man kann sich täuschen.

Für die Weltmeisterschaft schaut es auch nicht anders aus. Gerade die großen Nationen der Vergangenheit, Brasilien und Argentinien, haben den Zug der Zeit verpasst. Beide Länder haben in etwa das gleiche Problem: Schwache nationale Ligen, Korruption im Verband statt zukunftsträchtige Arbeit und ein Mangel an Nachwuchsförderung. Asien und Afrika werden auch in den kommenden Jahren nicht zu ernsthaften Konkurrenten heranwachsen, zu viele Schwächen hat die Infrastruktur. Vor allem die Afrikaner würden viel Talent mitbringen, aber sie scheitern einmal an der Korruption im Verband, zum anderen auch an ihrer Mentalität. Die Ernsthaftigkeit, die es für große Erfolge braucht, bringen sie nicht über ein Turnier hinweg auf den Platz. Bleibt also auch hier das Fazit: Deutschland hat auf absehbare Zeit kaum ernsthafte Konkurrenz. Aber bitte, man kann sich täuschen.

Für Deutschland gibt es nämlich für die Europameisterschaft auch ein großes Fragezeichen: Ist so eine Willensleistung wie im Endspiel von Rio wiederholbar? Sind die Spieler satt oder können sie sich noch einmal so auf einen Titelgewinn fokussieren? In Brasilien war jederzeit spürbar: Wir wollen den Titel holen! Schön, dass es geklappt hat. Neuer, Lahm, Schweinsteiger, Müller und Co. haben ihn sich verdient. Sie haben jetzt eine Ära geprägt, sind eine „goldene Generation“ und könnten noch einige Jahre strahlen. Ihre Vorgänger von 1974 haben zuvor 1972 den Titel Europas geholt (die 72er Mannschaft galt damals als die beste aller Zeiten), Lahm und Co. könnte es ja umgekehrt machen und 2016 nachlegen.

Das Wunder von Belo Horizonte

„Wunder gibt es immer wieder…“ sang einst Katja Ebstein und landete damit einen Hit. An ein Wunder glaubten auch die Millionen deutschen Fußball-Fans beim 7:1 der DFB-Elf gegen Brasilien. Aber dieser historische Sieg basiert nicht auf einem Wunder, sondern auf ganz irdischen Tatsachen. Der Sport-Grantler entzaubert das „Wunder von Belo Horizonte“. So kam das 7:1 zustande:

Dummheit: Es wurde viel über die Taktik bei der Fußball-Weltmeisterschaft geredet, über das Defensivkonzept der meisten Teams, über die Überfall-Kommandos, das Konterspiel und vieles mehr. Nichts von dem zeigte Brasilien gegen Deutschland, dafür aber eine gehörige Portion Dummheit. Die Mannschaft rannte führungslos in ihr Verderben, der erfahrene Trainer Felipe Scolari vermochte es nicht, seine Spieler zu beruhigen. Sie stürmten zunächst eindrucksvoll, machten aber in der Abwehr unverzeihliche Fehler, welche die Löw-Schützlinge gnadenlos ausnutzten.

Effektivität: Wenn man von einem „Wunder“ reden will, dann von der besonderen Effektivität, welche die deutsche Mannschaft vor dem gegnerischen Tor auszeichnete. Fast jeder Fehler des Gegners wurde bestraft, jeder Angriff fast schulbuchmäßig ausgespielt und abgeschlossen, die Mannschaft spielte sich in einen Rausch, der zu diesem historischen 7:1 führte, dem bisher höchsten Ergebnis in einem WM-Halbfinale. Miro Kloses Rekordtor, sein 16. WM-Treffer, machte das „Wunder von Belo Horizonte“ endgültig historisch.

Nervosität: Eines wurde deutlich, Brasilien konnte die Ausfälle von Kapitän Thiago Silva und Neymar nicht verkraften, es gab niemanden, an dem sich die Spieler auf dem Feld aufrichten konnten. Stattdessen zerbrachen sie an der Last des „Müssens“, an der Aufgabe Weltmeister werden zu müssen. Die Mannen auf dem Feld mussten einer Nation den Titel schenken und machten dabei Fehler wie Anfänger. Der Druck war einfach zu groß und so kam es zu dem Dilemma einer 1:7-Niederlage. Deutschland profitierte davon, dass Brasilien unter der WM-Last zusammenbrach. Torjäger Thomas Müller brachte es wieder mal auf den Punkt: „Solche Tage gibt es im Fußball“. Das ist Sport, kein Wunder.

Selbstvertrauen: Auf der einen Seite die Nervosität der Brasilianer, auf der anderen Seite das Selbstvertrauen der Deutschen, die Waage neigte sich schnell auf Seite der Löw-Schützlinge. Die Schwäche des Gegners ließ die Deutschen ihre Stärke ausspielen, endlich mal wieder das schnelle Umschaltspiel, erfolgreiches Pressing selbstbewusster Deutscher gegen verunsicherte Brasilianer – das musste zur Katastrophe führen. Die Löw-Schützlinge zeigten, zu was sie fähig sind, voran Toni Kroos und Sami Khedira, Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger. Für das Selbstvertrauen steht vor allem aber auch Torhüter Manuel Neuer, ein Fels, an dem Brasilianer abprallten.

Der Weg zum Titelgewinn ist frei, wer Brasilien 7:1 schlägt, geht als Favorit ins Endspiel. Aber Vorsicht, so leicht wird es nicht. Jeder weiß, dass Deutschland nicht ins Rollen kommen darf, Algerien lieferte den Beweis und damit das Gegenstück zu Brasilien. Deutschland gewann gerade mal mühsam 2:1 nach Verlängerung. Ein Ergebnis, das auch für das Finale Gültigkeit haben könnte, egal, wer der Gegner ist. Fast so spannend ist aber auch die Frage, wie die Fußball-Nation Brasilien auf das ungeliebte und unnötige Spiel um Platz drei reagiert, nachdem der Traum vom Titel ausgeträumt ist.

Eine WM ist mehr als nur Fußball

 

Geltungssucht beherrscht die Menschen, das erleben wir im Alltag fast tagtäglich. Es gibt eine Spezies, die sucht die Öffentlichkeit, will im Mittelpunkt stehen. Da ist eine Fußball-Weltmeisterschaft, die Milliarden Menschen rund um den Erdball gespannt verfolgen, die richtige Bühne für die, die auch einmal groß herauskommen wollen. Der Sport gerät in den Hintergrund, denn eine WM ist mehr als nur Fußball. 

Machen wir das zunächst einmal am Gastgeber fest, der einer Weltöffentlichkeit zeigen will, wie schön es im Land ist und wie leistungsfähig die Nation ist. Das war in Brasilien nicht anders. Die Fußballer waren jahrelang voller Vorfreude in Erwartung auf eine überbordende Stimmung im „Fußball-Land“ Brasilien. Die Regierung in Brasilien wollte sich vor allem gut präsentieren und verlor dabei den Blick auf das Wesentliche. Im Überschwang der Gefühle wurde das Geld zum Fenster rausgeworfen und nicht dort angelegt, wo es wirklich sinnvoll gewesen wäre. Die Kosten stiegen ins Unermessliche, zwölf Stadien waren mindestens vier zu viel, nämlich genau die, die nach der WM nicht mehr sinnvoll genutzt werden. Manche Stadien wurden viermal so teuer, dafür mussten Abstriche in der Infrastruktur gemacht werden. Es hagelte Proteste im Land, aber während der WM zeigte sich Brasilien von seiner besten Seite. Wenigstens ein bisschen Werbung. 

Nehmen wir Afrika. Da wird deutlich, dass sich Sport und Politik nicht trennen lassen. Der Weltverband FIFA sperrt zwar hin und wieder verschiedene Verbände, weil sie sich von der Politik vereinnahmen lassen, aber das ist nicht mehr als Augenwischerei. Die FIFA, an der Spitze Präsident Joseph Blatter, buttert Geld nach Afrika, um die Funktionäre gnädig zu stimmen und dann eben für Blatter zu stimmen, wenn es zum Schwur kommt. Das Geld aber kommt zum größten Teil nicht dort an, für das es bestimmt ist, nämlich die Nachwuchsförderung. Typisch die Meldungen, dass afrikanische Präsidenten das WM-Aus ihrer Mannschaften untersuchen lassen. Typisch, dass Streiks der afrikanischen Fußballer im Vorfeld der Spiele beim Kampf um Prämien teilweise mit Geldern aus den Regierungskassen beendet wurden. Von wegen Selbstständigkeit des Sports. Lug und Trug und Korruption herrschen vor. 

Aber wir haben einiges auch schon in Deutschland erlebt. Als im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006 in unserem Lande die Mannschaft unter Jürgen Klinsmann offensichtlich in eine sportliche Krise geriet, da wollten Abgeordnete den Bundestrainer vor das Parlament zitieren, er sollte Rechenschaft ablegen! Danach wurde die WM das berühmte Sommermärchen und eine richtige Werbeveranstaltung für ein fröhliches, buntes und freies Deutschland. Die WM war mehr als nur Fußball und selbst der dritte Rang ein Gewinn. Aber auch in Deutschland sehnen sich nicht nur die Fans, sondern auch Wirtschaft und Politik danach, dass die DFB-Elf wieder einmal Weltmeister wird – eine bessere Werbung für die Industrienation Deutschland gibt es nicht! Und Bundeskanzlerin Angela Merkel sucht nicht nur als Fußball-Fan die Nähe der Nationalmannschaft bei einer WM. Fußball ist mehr! 

Deswegen ist das Ausscheiden einer Mannschaft bei der Weltmeisterschaft vielfach eine nationale Tragödie. Eine Nation trägt Trauer und fordert Konsequenzen, siehe England, Italien oder Spanien. Das Aus in den Gruppenspielen führte zu grotesken Kommentaren und Forderungen. Andererseits stärkten Länder wie Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Algerien oder Costa Rica ihr Selbstbewusstsein allein durch die Teilnahme (für Costa Rica war es sogar mehr). Auch hier zeigte sich: Ein WM ist mehr als nur Fußball.

Fußball-Nachwuchs leidet unter der WM

 

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist sportlich „das“ Ereignis in diesem Jahr. Nicht nur Fußball-Fans schauen nach Brasilien, eine ganze Nation zittert mit der Mannschaft – nicht nur in Deutschland. Aber es gibt auch noch ein Leben nach der WM. Die deutsche U 19 zum Beispiel steht vor der Europameisterschaft, die vom 19. bis 31. Juli in Ungarn ausgetragen wird. Zugegeben ein unglücklicher Termin, zumal er auch in die Vorbereitung der Bundesliga-Klubs fällt. Deshalb gibt es auch zu Hause in Deutschland Ärger. 

Der gordische Knoten lässt sich wahrscheinlich nie lösen: Was ist der richtige Termin für eine Nachwuchs-Meisterschaft? Das gilt für die U 19, ganz besonders auch für die U 21. Manche Junioren stehen bereits auf dem Sprung in den Bundesliga-Kader, sollen also nicht in der Saison oder in der Vorbereitung fehlen. Andererseits sollen sie internationale Erfahrung sammeln, Bundesliga und DFB wollen zudem auch, dass die beste Mannschaft Deutschland repräsentiert und möglichst Titel gewonnen werden. Dies geht aber nur mit den besten Spielern. Im WM-Jahr ist die Terminplanung besonders schwierig, da leidet der Nachwuchs offensichtlich unter der WM.

Zwischen Anspruch und Wirklich besteht aber eine große Diskrepanz. Hier die Worthülsen („Wir fordern die stärkste Mannschaft“), da die Realität („Aber auf unsere Spieler können wir nicht verzichten“). Schalke 04 liefert das Beispiel, der Verein hat den Antrag auf Freistellung für Max Meyer und Leon Goretzka gestellt. Schalke braucht sie angeblich, die Spieler sollen die Vorbereitung mitmachen. DFB-Trainer Marcus Sorg braucht sie auch, ohne die besten Spieler keine Aussicht auf Erfolg. Für den DFB heißt es „wehret den Anfängen“, werden die Schalker freigegeben, dann muss Sorg womöglich auch auf Julian Brandt, Levin Öztunali (beide Leverkusen), Niklas Süle (Hoffenheim), Serge Gnabry (Arsenal London), Marian Sarr (Dortmund), Timo Werner (Stuttgart) oder Joshua Kemmich (Leipzig) verzichten. Dann heißt es „Titel ade“. Doch dies widerspricht dem Ziel, dass die Spieler bei den Junioren schon lernen sollen, wie Meisterschaften gewonnen werden. Wer in jungen Jahren nicht gefordert wird, kann später wohl keine Stütze einer WM-Mannschaft sein. 

Also, liebe Vereine, über den Tellerrand hinausblicken. Wenn die Spieler im August zum Bundesliga-Kader stoßen, sollten sie immer noch eine reelle Chance für einen Platz in der Mannschaft haben. Diesbezüglich sind nämlich auch die Spieler in einem Dilemma. So hat schon der Leipziger Joshua Kemmich betont, dass er auf die Europameisterschaft verzichte, wenn der Verein es will, er wolle schließlich um einen Platz in der ersten Elf kämpfen. In Leipzig wohlgemerkt, nicht in der Nationalmannschaft. 

Bulgarien, Titelverteidiger Serbien und die Ukraine sind die Gegner in Ungarn. Nach der Weltmeisterschaft ist also vor der Europameisterschaft. Die Frage also: Werden in Ungarn die Weichen für die WM 2018 bzw. 2022 gestellt oder müssen die Junioren eine Bruch in ihrer Entwicklung auf internationale Bühne hinnehmen? Es bleibt spannend, nicht nur in Brasilien.

Im Schatten des Fußballs

 

Die Fußball-Weltmeisterschaft hält uns im Bann. Man könnte in diesen Tagen wirklich meinen, Fußball bestimmt unser Leben. Die WM sorgt für Umsatz, jeder versucht vom WM-Kuchen ein Stückchen abzukommen. Kein Konsumzweig kommt ohne WM aus. Bei der WM interessieren sich plötzlich Leute für Fußball, die ansonsten gerade noch wissen, dass der Ball rund ist. Eine Nation versammelt sich vor dem Fernseher, auch wenn die 26,36 Millionen Zuschauer beim 4:0 der deutschen Mannschaft gegen Portugal noch nicht einmal Rekord für das erste WM-Spiel einer DFB-Elf waren. Der Fußball bringt die Menschen aber auch zusammen, Public Viewing wurde zum Kult, funktioniert so richtig aber auch nur bei der WM. 

Die TV-Einschaltquoten sagen alles über das Interesse. Keine andere Fernsehsendung kann mit WM-Spielen mithalten, selbst ein Match der Nobodys Iran und Nigeria sahen am Montag um 21 Uhr in Deutschland (!) 9,46 Millionen Zuschauer. Quoten, die höchstens noch der „Tatort“ erreicht oder früher „Wetten, dass…?“. Um Mitternacht schauten sich noch 3,61 Millionen die USA gegen Ghana an, verschenkten für so ein Spiel also eine große Mütze Schlaf. ARD und ZDF preisen ansonsten Shows wie von Silbereisen oder Carmen Nebel als „Knüller“ an, aber die haben oft nicht mehr Zuschauer. Wohlgemerkt an einem Samstagabend um 20.15 Uhr! 

Logisch eigentlich, dass auch die Bundeskanzlerin ein Stück vom Kuchen abhaben will und die WM besucht. Wer dies nicht verstehen kann, lebt nicht in der heutigen Zeit. Die Opposition wettert zwar pflichtgemäß, aber sie muss sich als von vorgestern schelten lassen. Ist doch klar, dass die Regierungschefin der deutschen Mannschaft den Rücken stärkt und „ihrem“ Volk zeigt, „ich bin eine von Euch“. Sie hätte allerdings mehr „Fans“ in ihrem Airbus mitnehmen können, angeblich waren nur 15 Personen dabei – auch von der Opposition. Aber Angela Merkel fliegt nicht nur als Fan, sammelt zwar Sympathiepunkte auf der Tribüne, traf sich aber auch mit Brasiliens Regierungschefin. Alles o. k. also. 

Im Licht des Fußballs gibt es aber auch viel Schatten. Die anderen Sportarten in Deutschland erleben wieder einmal, dass es sich nach Fußball, Fußball, Fußball nur schlecht leben lässt. Die WM füllt bei den Tageszeitungen Seiten, ein Sensationssieg wie von Golf-Profi Martin Kaymer bei den US Open ist manchen nur eine kleine Meldung wert, andere stoßen mit einem Drei-Spalter an ihre Grenzen. Für den Sport neben Fußball ist kaum Platz. 

Das merken vor allem die anderen Mannschaftssportarten wie Handball, Basketball, Hockey, Volleyball oder Eishockey. Sie können nicht einmal mit Erfolgen aus dem Schatten treten, aber leider bleiben derzeit die Erfolge auch noch aus. Wie wollen sie dann Schlagzeilen machen? Nur mit Streit? Die Handballer haben wieder einmal die WM-Qualifikation verpasst und versinken in der Zweitklassigkeit. Da nützen die Erfolge der Vereinsteams nichts, denn dort haben Ausländer das Sagen und sind so dafür verantwortlich, dass der deutsche Handball am Stock geht. Ähnlich sieht es im Basketball aus. Die Auswahlteams im Hockey waren bisher die große Ausnahme, jetzt aber haben sie sich aus der internationalen Spitze verabschiedet. Aber wer spricht auch schon – außerhalb von Olympischen Spielen – von Hockey? 

Da helfen auch Geldspritzen des Staates oder noch so gute Marketingkonzepte nichts – gegen den Fußball ist in Deutschland kein Kraut gewachsen. Alle zwei Jahre (EM und WM im Wechsel) kennt Deutschland im Sommer nur ein Thema – Fußball. Aber auch ansonsten ist Fußball zumindest im Sport Gesprächsthema Nummer 1. Alle anderen müssen im Schatten des Fußballs leben und versuchen zu überleben.

Chaos-Vorbereitung auf die Chaos-WM

 

Das passt doch wirklich zusammen: Chaotisch war die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die Fußball-Weltmeisterschaft mit zahlreichem Verletzungspech, organisatorischen Mängeln und einem schweren Unfall im Trainingslager. Chaotisch ging es auch im Vorfeld des Turniers in Brasilien zu, mit Stadien, die sehr spät oder auch gar nicht fertig gestellt wurden sowie mit Protesten statt WM-Vorfreude. Da kann am Ende eigentlich nur eines rauskommen: Der WM-Titel! 

Eigentlich waren die Fußball-Fans glücklich mit der WM-Vergabe nach Brasilien. Im Land des Fußballs musste das doch ein Fest werden. Aber der Weltverband FIFA ebenso wie der nationale Fußball-Verband sowie die Regierung in Brasilien haben alles getan, um die Freude auf das Turnier im Keim zu ersticken. Schon beim Confed-Cup vor einem Jahr haben Teile der Bevölkerung erkannt, dass Versprechungen für das Volk nicht eingehalten werden. Jetzt stehen zum Teil protzige Stadien in der Landschaft, aber weder Infrastruktur noch soziale Leistungen wurden verbessert. Die Kosten schnellten in die Höhe, dafür steht dann im Dschungel ein Stadion, das niemand mehr braucht. Dümmer geht es nimmer.

Unsicherheit aber auch im deutschen Team. Auffallend, dass Bundestrainer Joachim Löw immer mehr in die Schusslinie gerät. Das kann kein Zufall sein, dass gerade in diesen Tagen sowohl die Fachzeitschrift kicker, als auch die Süddeutsche Zeitung über Spannungen im Trainerteam des DFB berichten. Jogi Löw scheint die Bodenhaftung zu verlieren. So schreibt der kicker über Löw:„Seinen Führungsstil hat er gegenüber früheren Turnieren verändert, zum Leidwesen seines Funktionsteams. Dort reagiert man zunehmend mit Kopfschütteln auf die Sprunghaftigkeit des Sportlichen Leiters….Der, so heißt es aus seinem Umfeld, drohe allmählich die Bodenhaftung zu verlieren und in eine Parallelwelt abzugleiten.“ Die SZ titelte: „Zur Sphinx geworden. Joachim Löw strebt auf den Höhepunkt seiner Amtszeit zu – doch häufiger als früher erleben viele Begleiter den Bundestrainer als schwer durchschaubar und rätselhaft“. 

Das lässt nichts Gutes für das Turnier aus deutscher Sicht erahnen. Zerbricht der Trainer am Druck, dass die Öffentlichkeit endlich einen Titel fordert? Weltmeister war Deutschland zuletzt 1990, also vor 24 Jahren. Löw, dessen Vertrag bewusst bis 2016 verlängert wurde, um Ruhe bei der WM zu haben, droht als der Trainer in die Geschichte des DFB einzugehen, der zwar eine der talentiertesten Mannschaften zur Verfügung hatte, aber nichts aus den Talente machte. Diese Angst sitzt bei ihm offensichtlich tief. Eins ist klar: Das Aus sogar in den Gruppenspielen oder im Achtelfinale beendet auch die Ära Löw beim DFB. Was danach kommt, ist alles offen. 

Man hat auch nicht den Eindruck, dass Jogi Löw wirklich weiß, wie er spielen lassen will. Vor dem WM-Start gleicht die DFB-Elf eher eine Baustelle. Für Kopfschütteln hat auch die Nachnominierung von Abwehrspieler Mustafi für den verletzten Stürmer Reus gesorgt. Auch hier ist die Verunsicherung von Löw zu spüren, der den geforderten Kießling, Kruse oder Lasogga die kalte Schulter zeigte. Verunsicherung auch bei der Aufstellung. Wohin mit Lahm? Vier Innenverteidiger bilden offenbar die Viererkette, Schweinsteiger überzählig im Mittelfeld, Özil eher ein Sorgenkind als ein Leitwolf – Löw verzweifelt an den Problemen. 

Was kann Deutschland dann noch erreichen? Trotzdem den Titel, wenn sich alles glücklich fügt. Favorit Nummer 1 bleibt natürlich Gastgeber Brasilien, aber die Tür steht für viele Nationen offen, es gibt derzeit keine überragende Mannschaft, die auch Titelverteidiger Spanien nicht stellt. Da könnte sich die Chaos-WM auch zu einer sportlich chaotischen WM entwickeln, nämlich insofern, dass viele vermeintliche Favoriten frühzeitig scheitern, dass Überraschungen an der Tagesordnung sind. Vielleicht erstmals mit einem Weltmeister aus Afrika! 

Es könnte also doch eine interessante WM werden und wenn die Brasilianer erst mal merken, hey, hier wird ja Fußball gespielt, vergessen wir unsere täglichen Sorgen, dann wird es vielleicht auch noch ein Fest.

Der Formcheck der deutschen WM-Auswahl

 

Bundestrainer Joachim Löw hat sich entscheiden und am Montag die 23 Spieler für die Fußball-Weltmeisterschaft nominiert. Große Überraschungen gab es keine, wenn man mal davon absieht, dass er bei dem Dortmunder Verteidiger Marcel Schmelzer nicht so großzügig verfuhr wie bei anderen Stammspieler und ihn wegen einer Verletzung zu Hause ließ. Derzeit sind Trainer und Spieler auf Heimaturlaub, zum Erholen, Abschalten und schließlich Koffer packen. Jogi Löw hat allerdings schlaflose Nächte, weil es rund um seine Auswahl zu viele Fragezeichen gibt. Kein Wunder deshalb, dass auch die deutschen Fußball-Fans im Hinblick auf den Gewinn der Weltmeisterschaft nicht mehr so zuversichtlich sind. Hier ein Formcheck der deutschen WM-Auswahl: 

Manuel Neuer: Der Bayern-Spieler gilt als bester Torhüter der Welt und ist deshalb auch die klare Nummer 1. Er steht normalerweise hinten wie eine Mauer, signalisiert dem Gegner, „an mir kommst Du nicht vorbei“. Manchmal leichtsinnig mit schlampigen Pässen. Genial, wie er Spielsituationen frühzeitig klärt. 

Roman Weidenfeller: Zuerst im Nationalteam links liegen gelassen, jetzt die Nummer 2. Profitierte von der Formschwäche von René Adler, zeigte aber selbst gute Form. Schwächen im Herauslaufen und in der Spielöffnung. Jederzeit aber ein guter Ersatz für Neuer, wenn der nicht rechtzeitig fit wird. 

Ron-Robert Zieler: Klar Torhüter Nummer drei, viele fragen sich, warum er den Vorzug vor Leno oder te Stegen erhielt. Wäre gut, wenn er nicht zeigen müsste, was er kann (oder nicht kann). 

Philipp Lahm: Schade, dass es den Kapitän nur einmal gibt, Löw hat verpasst ihn zu klonen. Doch wo stellt er ihn hin? Wird wohl rechter Verteidiger spielen, wenn Khedira fit ist. Immer eine feste Größe und der Anführer der Mannschaft. 

Per Mertesacker: An dem England-Legionär führt kein Weg vorbei, spielt solider als Boateng und Hummels, allerdings auch nicht frei von Schwächen. Die Innenverteidigung könnte dem Erfolg gemäß dem Motto „die Defensive gewinnt Titel“ im Wege stehen. 

Jerome Boateng: Bleibt wohl das schlampige Genie, schien auf einem guten Weg, endlich erwachsen und solide zu werden, doch er erlitt wieder einen Rückfall. Jetzt ist die Unsicherheit bei ihm und den Mitspielern wieder da. Könnte auch als rechter Verteidiger aushelfen (hat schon mal Ronaldo kalt gestellt). 

Mats Hummels: Auch er eher ein schlampiges Genie, gut im Aufbauspiel, oft leichtsinnig in der Abwehrarbeit. Hier braucht Löw bei der Auswahl ein glückliches Händchen. Könnte aber auch die große WM-Überraschung werden (oder Boateng!). 

Erik Durm: Der gelernte Stürmer wurde von Dortmunds Trainer Klopp zum Verteidiger umgeschult. Das macht alle glücklich, Dortmund, Durm und jetzt Löw. Nutzte die Schwächen der anderen (Schmelzer, Jansen) auf der linken Seite und erlebt ein Märchen. Hoffentlich spielt er auch märchenhaft. Solide hinten, mit Schwächen nach vorn. Hat aber noch Potential. Aufruf an viele Stürmer: Werdet Verteidiger! 

Benedikt Höwedes: Der Schalker ist die Allzweckwaffe Nummer 1 in den hinteren Reihen, kann in der Vierer-Kette alles mehr oder weniger gut spielen, notfalls sogar im defensiven Mittelfeld. Ein Mann auf der Warteliste, der selten enttäuschen wird. 

Kevin Großkreutz: Allzweckwaffe Nummer 2. Bei ihm ließ Löw Gnade vor Recht gelten, verwarnte ihn wegen der Pinkel-Affäre nur, aber Zweifel an seinem Charakter bleiben. Kann quasi alles spielen, sogar Torhüter. Hoffentlich fängt er nicht mitten auf dem Spielfeld zum pinkeln an… 

Bastian Schweinsteiger: Sorgenkind Nummer 1 im Mittelfeld. Er muss nicht nur rechtzeitig fit werden, sondern auch in Form kommen. Noch einmal kann ihn die Mannschaft nicht mitziehen. Großes Fragezeichen. 

Sami Khedira: Fast ein Wunder, wie schnell er wieder fit geworden ist, doch die Bestform ist noch nicht da, wird sich sicherlich steigern und könnte dann zu einem Trumpf werden. Könnte… 

Thomas Müller: An dem Mann mit den unorthodoxen Laufwegen führt kein Weg vorbei, immer für ein Tor gut, eine Wundertüte für den eigenen Trainer und den Gegner. Titelverteidiger als Torschützen-König. Mach’s noch mal Thomas! 

Mesut Özil: Kann alles, zeigt aber nicht immer alles, also auch eine Wundertüte. Es könnte sich zeigen, dass Löw besser fährt, wenn er auf Özil verzichtet! 

Marco Reus: Der Dortmunder Torjäger ist wohl links gesetzt, könnte aber in der Özil-Rolle sogar wertvoller sein. Hält er seine Form, könnte er Deutschlands WM-Star werden. 

Miroslav Klose: Der Torjäger steht als einziger Mittelstürmer im Aufgebot allein auf weiter Flur. Auch hier die Frage: Kommt der Routinier in Form? Wenn ja, kann er der ewige Torschützenkönig werden, zwei Treffer fehlen. Wenn nicht, muss eine „falsche Neun“ her (Müller, Schürrle, Götze). 

Toni Kroos: Pech für den Bayern-Spieler, dass er überall gut ist, aber immer einen noch wertvolleren Spieler vor sich hat. Könnte die Rolle von Schweinsteiger oder Özil übernehmen und Löw würde mit dieser Entscheidung nie schlecht fahren. 

Mario Götze: Technisch hoch veranlagt, aber leider ohne Schwung, ihm fehlt das letzte Quäntchen Durchsetzungsvermögen, um wirklich wertvoll zu sein. Wird über die Rolle als Einwechselspieler nicht hinauskommen. 

Lukas Podolski: Die Stimmungskanone im Team, sorgt immer für Schwung, wird also eine gute Alternative sein, wenn es im Vorwärtsgang hakt. Hat seine Stammposition verloren. 

André Schürrle: Steht Gewehr bei Fuß, kann Reus oder Klose ersetzten, ist leider nicht beständig, aber manchmal eben sehr wertvoll. Glückssache, ob er gerade in einem entscheidenden Spiel auch die entscheidenden Tore schießt. Er kann es zumindest. 

Christoph Kramer: Der Zufallstreffer im Team, steht nach den Ausfälle der Bender-Zwillinge Gewehr bei Fuß, wenn Khedira schwächelt. Das Laufwunder könnte in der Hitze von Brasilien zum Trumpf werden, denn das Tandem Kroos-Schweinsteiger wäre zu gefährlich. Für ihn wird ein Märchen wahr. 

Julian Draxler: Endlich darf der 20jährige Schalke dabei sein, gilt als großes Talent und Techniker, normalerweise aber eher zum Lernen in Brasilien. 

Matthias Ginter: Auch der Freiburger kann viele Rollen spielen und steht wohl deshalb im Aufgebot. Läuft alles normal, wird es hinterher heißen „auch Ginter war im Aufgebot“. Pech für Löw, wenn Ginter doch gebraucht wird. Nichtsdestotrotz ein Mann mit Zukunft (nicht umsonst wollen ihn Dortmund und Bayern). 

Die Weltmeisterschaft in Brasilien bringt viele Unwägbarkeiten mit sich, auf die sich jede Mannschaft erst einmal einstellen muss. Prognosen sind deshalb besonders schwer. Für die deutsche Mannschaft ist entscheidend – wie für alle Europäer –, wie die Spieler mit der Hitze zurechtkommen. 

Eine kleine WM-Vorschau nächste Woche: Chaos-Vorbereitung auf die Chaos-WM!

Altes Problem neu aufgelegt: Streit im Eishockey

 

Nostalgiker schwärmen von den alten Zeiten. Die fühlen sich sicherlich im deutschen Eishockey wohl, denn dort gibt es meist wenig Neues. Eine Weiterentwicklung ist nämlich kaum festzustellen, man macht heute noch die gleichen Fehler wie vielleicht vor 40 Jahren. Lernfähigkeit gleich Null. Und so darf es nicht verwundern, dass das deutsche Eishockey nur mit einem alten Leiden wieder in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird – mit Streit. Ein altes Problem wird neu aufgelegt. 

Den größten Streit gab es vor 20 Jahren, als die Deutsche Eishockey Liga (DEL) gegründet wurde und der Deutsche Eishockey-Bund sogar in seinem Bestand gefährdet war. Der Streit wurde vor Gericht ausgetragen und eskalierte derart, dass sich die Öffentlichkeit angewidert abwandte. Noch heute leidet das Eishockey darunter, auch wenn sich die DEL gut entwickelt hat und als attraktiv präsentiert. Ansonsten aber scheint die Zeit für den DEB und das Eishockey stehen geblieben zu sein. Nur eines bleibt immer aktuell: Streit. So zuletzt bei der Loslösung der Klubs der 2. Bundesliga vom DEB, die Klubs wollten lieber unter das Dach der DEL. Der DEB verliert immer mehr an Macht und sportlich hat man schon lange den Anschluss an die besten Nationen verloren. Vor allem auch im Nachwuchs. Eine positive Entwicklung ist nicht erkennbar. 

Verwunderlich deshalb, dass es jetzt Streit um die Position des DEB-Präsidenten gibt. Im Juli wird gewählt, aber der Wahlkampf ist in vollem Gange. Gegen den amtierenden Präsidenten Uwe Harnos, einem Rechtsanwalt aus Kaufbeuren, will jetzt der langjährige DEB-Angestellte und Ex-Nationalspieler Franz Reindl kandidieren. Ihn unterstützt vor allem die DEL, doch bei der Wahl des DEB-Präsidenten hat die DEL kein Stimmrecht! Sie mischt sich also massiv von außen in die Belange des Verbandes ein. 

Uwe Harnos ist sicherlich kein glanzvoller Präsident und einer breiten Öffentlichkeit nicht bekannt. Diesbezüglich hat Reindl zumindest die größere Bekanntheit und eine gute Verbindung zu den Medien auf seiner Seite. Andererseits muss sich der 59jährige Garmischer fragen, was er denn in der Zeit seiner Funktionärstätigkeit Positives geleistet hat? Seit 1992 ist er u. a. Sportdirektor, Verwaltungsdirektor und Generalsekretär im Verband, doch vorangebracht hat er den DEB weder organisatorisch noch sportlich. Es herrscht Stillstand. Jetzt will er plötzlich als Präsident zum Wohle des Verbandes wirken. Warum dann nicht als Sportdirektor oder Generalsekretär? Keiner hätte ihn gebremst. 

Harnos oder Reindl, das entscheiden die Landesverbände und die kleinen Vereine. Lautstark zu Wort melden sich vor allem die großen Klubs und bekannte Persönlichkeiten, vor allem Nationalspieler. Sie stehen auf Seiten von Reindl, der die Publicity für sich hat, aber ob er auch die Stimmen für sich hat, dass muss sich zeigen. In der Vergangenheit haben vor allem die starken Landesverbände von Bayern und Nordrhein-Westfalen den Präsidenten „gekrönt“. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sie auf Seiten von Harnos stehen. Warum auch sollten sie einen Präsidenten installieren, der offensichtlich von der DEL fremdbestimmt wäre… 

So zeichnete sich Reindl in all seinen Jahren beim DEB vor allem auch dadurch aus, dass er sein Fähnchen immer nach dem Wind hängte. Er war für den, der für ihn nützlich war, er wollte vor allem seinen Posten retten. Nur so konnte er sich so lange in seinem Job halten. Bis ihn jetzt allerdings Uwe Harnos quasi vor die Tür setzte. Seine Zeit als Generalsekretär endet im Juni, Reindl soll sich dann ganz um die Weltmeisterschaft 2017 in Köln und Paris kümmern. Reindl muss den DEB quasi durch die Hintertür verlassen, will aber als Präsident durch das Eingangsportal zurückkehren. Keiner fragt allerdings danach, ob dies ein Gewinn für den DEB wäre. Zunächst aber gilt das alte Motto: Streitet mal schön! Eishockey ist wieder im Gespräch – natürlich negativ.

Matthäus und Schuster haben keine Chance

 

Sie waren große Fußballer, haben aber auch mit einem großen Mundwerk von sich reden gemacht und sich mit ihre Eskapaden außerhalb des Spielfeldes ins Abseits gestellt. Sie wären ja so gern Trainer in der Fußball-Bundesliga, aber die Vereine zeigen ihnen die kalte Schulter. Eine Verpflichtung ist allen zu heiß. Die Rede ist von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und dem „blonden Engel“ Bernd Schuster. Zwei Stars, die sich oft in den Schlagzeilen wiederfinden, aber nicht als Trainer in der Bundesliga. 

Die Trainersuche von Eintracht Frankfurt war jetzt wieder typisch. Als Nachfolger von Armin Veh wurde, wie immer, über verschiedene Namen spekuliert. Ganz vorn dabei der Italiener Roberto di Matteo, der einst Chelsea gegen die Bayern zum Champions-League-Sieg führte. Aber wer einmal die Krone errang, will wohl nicht in die Niederungen der Bundesliga wechseln. Dementsprechend hielt er die Eintracht hin (wird wohl noch was Besseres kommen). Anders sah die Sache bei Bernd Schuster aus. Der Augsburger drängte sich förmlich auf, seine Mission in Malaga war sowieso beendet und Schuster machte deutlich, „ich würde die Eintracht gern übernehmen“. Wäre doch zu schön gewesen, ein Augsbureger als Nachfolger eines Augsburgers. Doch hier zögerte Frankfurt nach dem Motto „vielleicht gibt es noch Besseres“. Der Trainer immer in den Schlagzeilen und nicht die Mannschaft, nein, das hätte nicht zur Eintracht gepasst. 

Die Medien spielten noch einen dritten Namen: Thorsten Fink, als Spieler mit den Bayern erfolgreich, als Trainer Meister mit dem FC Basel in der Schweiz, aber beim Hamburger SV nicht glücklich. War er in Frankfurt wirklich im Gespräch, dann ein Mann mit dem Etikett „Notnagel, nach dem Motto „wenn wir nichts Besseres finden“. 

Die Medien spekulierten und wahrscheinlich haben sich Frankfurts Macher, Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Bruno Hübner, ins Fäustchen gelacht. Sie zogen plötzlich einen ganz anderen Trainer aus dem Hut, das Gegenstück zu di Matteo und Bernd Schuster – den bodenständigen Thomas Schaaf, einst der Inbegriff von Werder Bremen nach 17 Spieler- und 14 Trainerjahren. Sein einstiger „Zwilling“ in Bremen, Manager Klaus Allofs, lobte bereits, „Frankfurt bekommt einen ausgezeichneten Trainer“. Thomas Schaaf erklärte schmunzelnd, er könne sich 14 Jahre auch in Frankfurt vorstellen. Vielleicht wird der Vereinsname von Eintracht auf Werder Frankfurt umbenannt… 

Die Show-Stars Matthäus und Schuster sind wieder leer ausgegangen, wobei seltsamerweise Matthäus gar nicht gehandelt wurde, er hat sich nicht einmal selbst ins Gespräch gebracht, was er ja gerne macht. Aber eins ist deutlich: In der Bundesliga sind einmal junge Trainer „in“, sind die nicht zu bekommen, dann sind eher gestandene, bodenständige Fußballlehrer gefragt, die für Ruhe im Verein garantieren sollen. 

Die Frage wird allerdings sein, ob Thomas Schaaf in Frankfurt wirklich glücklich wird, weil er bei den Hessen eine neue Mannschaft aufbauen muss. Das kennt er zwar aus Bremen, aber das Umfeld des Vereins hofft natürlich auf eine Saison ohne Abstiegssorgen und langfristig ist Europa wieder im Blick. Zunächst aber müssen die Abgänge der Mannschaftsstützen Jung, Rode, Schwegler und wohl auch Torjäger Joselu verkraftet werden. Dazu war auch Barnetta (Schalke) nur ausgeliehen. Da brauchen Hübner und Schaaf jetzt erst mal ein glückliches Händchen oder Bernd Schuster kommt zur Weihnachtszeit doch noch nach Hessen…