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Vettel und Red Bull töten die Formel 1

 

Er ist der jüngste Vierfach-Champion aller Zeiten, gerade mal 26 Jahre und 116 Tage alt und schon eine Legende. Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat das Zeug dazu, ein Held der modernen (Sport)Geschichte zu werden. Oder doch nicht? Als vor einigen Jahren Michael Schumacher die Konkurrenz in der Formel 1 in Grund und Boden fuhr, da herrschte Begeisterung unter den Fans. Die Triumphfahrten des Sebastian Vettel werden registriert – und gut ist es.

Warum ist das so? Schumacher brachte den Mythos Ferrari wieder auf Kurs, er war der erste deutsche Rennfahrer, der die Formel 1 beherrschte und die Massen begeisterte. Vettel bemüht sich zwar, möglichst sympathisch rüberzukommen, aber er hat keineswegs das Charisma eines Michael Schumacher. Und er sitzt in einer „Dose“. Der Rennstall Red Bull macht zwar eine hervorragende Arbeit, aber er ist ein künstlich geschaffenes Produkt, der Mythos fehlt. Viele trinken die Brause Red Bull, aber keiner mag den Rennstall Red Bull so richtig. Nicht Siege machen ihn sympathisch, sondern es wären eher Niederlagen. Das gilt auch für Vettel: Er ist der Konkurrenz zu überlegen, da sind seine Siege nichts Besonderes mehr, sondern alltäglich. So wird man kein Held. Siege im Ferrari oder Mercedes würden ihn zum Liebling der Massen machen. Außerdem wirken seine Siegesgesten nach den Rennen immer sehr gekünstelt. Er ist kein Mann des Volkes.

Andere Rennfahrer wechselten die Rennställe, nicht immer waren diese Entscheidungen glücklich. Scheut Vettel deshalb diesen Schritt? Schumacher brachte Ferrari auf die Siegesstraße zurück, das machte ihn unsterblich, nicht nur in Italien und Deutschland. Vettel mag zwar viel zur positiven Entwicklung des Red Bull beigetragen haben, aber der Hauptanteil an dem unschlagbaren Fahrzeug gilt wohl dem Technikchef, dem Genie Adrian Newey. Bleiben aber Red Bull und Sebastian Vettel unschlagbar, dann töten sie die Formel 1. Gleichzeitig wird ihnen der Spaß an den Siegen vergehen.

Die Formel 1 befindet sich in der Krise. Boss Bernie Ecclestone hat eine Betrugsaffäre am Hals, vielen Veranstaltern werden die Rennen einfach zu teuer, die Expansion in Länder, die für die Konzerne in der Formel 1 attraktiv sind, hakt, weil die Begeisterung für den Rennsport dort fehlt. Siehe Indien. Die Formel 1 wird für die Ausrichter zum Verlustgeschäft. So hat Valencia aus finanziellen Gründen verzichtet, ist Indien 2014 nicht dabei, wird das Rennen in Bahrain von politischen Unruhen begleitet, sind die Rennen in den USA keine Offenbarung. Die Formel 1 in der Krise und dazu fehlt die sportliche Spannung. Teuer bezahlte Langeweile will sich keiner leisten und keiner anschauen.

Quasi die letzte Hoffnung ist das neue Reglement im nächsten Jahr. Die Turbomotoren kehren zurück, dazu gibt es große aerodynamische Veränderungen. Wenn da die Konkurrenz Red Bull nicht die Grenzen aufzeigt, hat die Formel 1 endgültig verloren. Die Fachwelt traut Sebastian Vettel zu, dass er Michael Schumachers Rekorde, die einst für die Ewigkeit vermutet wurden, pulverisiert. Die sieben WM-Titel Schumachers, die Vettel 2016 erreichen könnte, könnten allerdings doch als Rekord Bestand haben. Wenn es die Formel 1 bis 2016 nämlich gar nicht mehr gibt! Vielleicht haben Red Bull und Vettel die Formel 1 bis dahin getötet!

Raubbau mit den Kräften im Spitzensport

 

Egal, ob beim Film, in der Musik oder im Sport – die großen Stars werden umjubelt. Manchmal bricht allerdings ob ihrer hohen Gagen auch der Neid durch. Doch bemitleidet werden sie eigentlich nie. Dabei hätten zum Beispiel die Sportstars manchmal unser Mitleid durchaus verdient. Gut, die Spitzenleute verdienen zumindest in den populären Sportarten viel Geld, aber sie müssen auch mit einem Raubbau an ihrem Körper bezahlen. Oft ist es nach dem Karriere-Ende bis zur Invalidität nicht weit.

Die Athleten sind in der großen Unterhaltungsindustrie Sport zwar die Hauptdarsteller, andererseits allerdings auch der Teil, der nichts zu sagen hat, sondern nur funktionieren muss. Früher hat sich ein Terminplan nach den Möglichkeiten eines Verbandes und seiner Athleten gerichtet, heutzutage schaffen die Geldgeber an. Siehe zum Beispiel den alpinen Skisport. Seit einigen Jahren beginnt die Saison Ende Oktober auf dem Gletscher in Sölden, dann geht es nach einer Pause Ende November in Übersee weiter. Die Rennen in Sölden sind eine reine PR-Veranstaltung. Natürlich werden Weltcuppunkte vergeben, aber manche Sportler verzichten auf einen Start, weil der richtige Saisonaufbau gestört wird.

Immer mehr Termine, immer weniger Pausen, das ist das Los im Spitzensport. Beispiel Fußball-Bundesliga. Die Spieler der Spitzenclubs gehen am Stock. Erst ein Viertel der Saison ist vorbei, aber bei Borussia Dortmund und Bayern München häuft sich die Zahl der Verletzten in einem erschreckenden Ausmaß. Notwendige Ruhepausen fehlen und so holt sich der Körper sein Recht, sorgt für eine Zwangspause und stoppt so den Raubbau mit den Kräften. Dabei wollen die Verbände FIFA und UEFA den Terminkalender eher noch mehr füllen (Stichwort Nationscup für Nationalmannschaft), anstatt Termine zu streichen.

Ähnliches gilt auch für Handball und Basketball. Dem Sport-Grantler ist aufgefallen, dass zum Beispiel im Basketball die nächste Zeit für die Spitzenteams in jeder Woche ein Europacupspiel neben der Bundesliga ansteht. An Training ist da fast gar nicht mehr zu denken. Vom Handball-Bundestrainer kennen wir die Klage, dass die Spieler überfordert sind. Die Bundesliga will in den für sie lukrativsten Zeiten spielen, die Nationalmannschaft bekommt nur ein paar Tage zugestanden, in denen der Bundestrainer sein Team kaum richtig in Form bringen kann. Doch Niederlagen werden nicht akzeptiert, Erfolge werden erwartet, egal, wie schlecht die Voraussetzungen auch sind.

Auch im Tenns oder Golf hören wir immer mehr von den Spitzenspielern, dass es einfach nicht mehr möglich ist, alle Turniere wahrnehmen zu können. Die Verbände setzen aber immer mehr Pflichttermine an, weil sie merken, dass die Sportler immer mehr Pausen einlegen wollen. Bald könnten Interessenskonflikte in einem Streik enden.

Viele sagen „selbst schuld, dafür kassieren sie auch“, aber auch der Sportfan ist der Dumme, weil er nicht die Leistungen sieht, die er erwartet. Manchmal sieht er auch nicht die Spieler, die er erwartet. Nehmen wir wieder den Fußball als Beispiel. Da wird für viel Geld eine Karte für ein Spiel von Bayern München erworben, aber Trainer Pep Guardiola bringt nicht sein bestes Team aufs Feld, sondern will einige Stars lieber schonen. Contento statt Alaba, kein Ribery oder Robben auf dem Feld, das hat sich dann mancher anders vorgestellt. Aber eine Garantie auf Stars und gute Leistungen gibt es nicht.

Eines ist aber sicher: Der Sport stößt an seine Grenzen.

TV-Werbung bei Sportübertragungen nervt nur

 

Werbung im Fernsehen ist ja nicht neu, wir müssen damit leben, seit des die privaten Sender gibt. Für den Sport-Grantler war die Werbung schon immer ärgerlich, ist sie doch meist so platziert, dass der Zuschauer kaum ausweichen kann und der Kunde eben eine entsprechende Aufmerksamkeit bekommt. Zum Beispiel kurz vor Schluss eines spannenden Filmes, wenn alle auf das Ende warten.

Besonders ärgerlich ist aber die TV-Werbung bei Sportübertragungen. Das ist dem Sport-Grantler wieder einmal am Sonntag bei der Übertragung der Formel 1 in RTL bewusst geworden. Normalerweise schaut der Sport-Grantler beim Bezahlsender Sky zu, weil dort das Rennen nicht durch Werbung zeitweise ausgeblendet wird. Diesmal war es ausnahmsweise RTL – und es war ärgerlich. Kaum hatte der Sport-Grantler verspätet eingeschaltet, um sich über den Stand des Rennens zu informieren, sah er – Werbung. Gut, dafür gibt es neben dem Internet auch den Videotext. Aber jetzt wartete er auf die ersten Bilder, die nach einiger Zeit kamen. Doch lange konnte er sich nicht an diesen erfreuen, dann wurde der Bildschirm für Werbung wieder unterteilt. Die Bilder vom Rennen waren allerdings so klein, dass nichts zu erkennen war. Der Reporter verhöhnte anschließend die Zuschauer: „Das Überholmanöver haben sie ja verkleinert gesehen.“ Nichts habe ich gesehen!

Schon oft hat RTL an der falschen Stelle ausgeblendet und musste entscheidende Szenen des Rennens nachliefern. Fast schon peinlich die Zwischendurch-Verabschiedung des Reporters: „Es ist weiter spannend, bleiben sie dran!“ Aber bitte, wenn es spannend ist, möchte ich auch Bilder sehen. Kaum ist das Rennen vorbei, gibt es – Werbung. Auf das endgültige Ergebnis muss der Zuschauer warten. Guter Service sieht anders aus. Besonders fies auch die unterschiedliche Länge der Werbeblöcke. Mal acht Minuten, mal nur vier, der Zuschauer kann sich nicht orientieren, muss quasi auf Sendung bleiben, damit er nichts verpasst. Unter anderem deshalb schaut der Sport-Grantler auch lieber bei Sky zu.

Werbung bei den Privaten nervt zum Beispiel auch beim Boxen. Gut, ARD und ZDF würden auch gern auf die Bilder in den Ringpausen verzichten und lieber Geld kassieren. Aber zu einem Boxkampf gehört halt auch dazu, wie die Boxer in den Pausen betreut werden, was der Trainer zu sagen hat. Der Zuschauer kann selbst sehen, in welchem Zustand sich der Kämpfer befindet. Bei den Privaten gibt es nur Werbung zu sehen, manchmal sogar zu lange, da stehen die Boxer nämlich schon wieder im Ring.

Die Werbung nervt aber auch bei Fußball-Übertragungen. Das Zuschauen wird fast zur Tortur, so oft gibt es bei manchen Sendern Werbeeinblendungen bzw. Hinweise auf weitere Sendungen bzw. Aktivitäten des Senders. Das Spiel selbst scheint nur Nebensache zu sein, dient allein zum Geldverdienen und um Zuschauer anzulocken. Für Zufriedenheit sorgt so eine Gehabe nicht.

Mit Schrecken denkt der Sport-Grantler schon daran, dass sich RTL die Übertragungsrechte für die künftigen EM- und WM-Qualifikationsspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gesichert hat. Wir „müssen“ zuschauen, weil es uns halt interessiert. RTL wird dafür sorgen, dass wir „gefoltert“ werden. Selbst der Pay-TV-Sender Sky (einst hieß es, Fernsehen ohne Werbung) muss sich u. a. über Werbung finanzieren, aber noch sorgt er nicht für Unterbrechungen von Spielen oder Rennen.

Es gibt immer wieder Kritik an den Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender. Zumindest der Sportfan weiß es zu schätzen, wenn er an den Abenden nicht von Werbung traktiert wird. Auch an den Sport-Nachmittagen ist die Werbe-Folter bei weitem nicht so groß wie bei den privaten Sendern.

Ob ein Zuschauer-Boykott helfen könnte? Das Problem: Interessante Spiele wollen wir halt einfach sehen.

Jogi Löw in der Medien-Falle

 

„Zauber-Fußball“ der Bayern und Erfolge der deutschen Klubs in der Champions League, Spannung in der Bundesliga und jetzt kommt auch noch die Nationalmannschaft hinzu, die wieder einmal für zwei Spiele die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Allerdings wird nicht über die Mannschaft als solche diskutiert, sondern vor allem über Spieler, die gar nicht dabei sind. Besonders Stefan Kießling hat es den Medien angetan. „Löw in der Kießling-Falle“ hieß eine Schlagzeile im kicker, aber eigentlich befindet sich Bundestrainer Joachim Löw in der „Medien-Falle“.

Erinnern wir uns: Das hat es schon immer gegeben, dass Bundesliga-Torjäger in der Nationalmannschaft keinen Fuß auf den Boden gebracht haben. Oder wurde nicht einst auch Sepp Herberger kritisiert, weil er an den Spieler aus Kaiserslautern festgehalten hat? Die Fans wollen Siege sehen, wollen Tore sehen und erfreuen sich an einem schönen Spiel. Siehe Bayern, das geht auch ohne einen echten Mittelstürmer, mit der im Fußball neu kreierten „falschen Neun“. Das müssen wir Jogi Löw zugute halten: Er hat sein Konzept und da passt eben Stefan Kießling nicht hinein. Steht die Mannschaft auf dem Platz, fallen Tore, ruft keiner (außer den Medien) nach dem Leverkusener Torjäger. Aber wehe, es fallen keine Tore…

Jogi Löw steht unter Druck, ein Bundestrainer steht immer unter Druck, aber der Freiburger derzeit besonders. Er hat viele talentierte Spieler zur Verfügung, die Vereine sorgen international für Furore, also warum die Nationalmannschaft nicht. Die Fans, aber vor allem die Medien, lechzen nach dem großen Wurf, ein Titel muss her. Bei der Europameisterschaft klappte es nicht, also bitteschön dann eben bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Da wird in den entsprechenden Fernsehsendungen und in den Zeitungen gern ausgeblendet, dass noch niemals eine europäische Mannschaft in Südamerika gewinnen konnte! Da wird ausgeblendet, dass es mit Gastgeber Brasilien, Titelverteidiger Spanien, Argentinien und Italien zumindest vier Teams gibt, die mit Deutschland auf eine Stufe gestellt werden können. Der Weg könnte auch für einen Außenseiter frei sein, bei einem Turnier braucht man auch viel Glück. Das kann Jogi Löw nicht beeinflussen.

In der Medien-Falle steckt Löw auch im Bezug auf die Dortmunder Spieler. Immer wieder werden Torhüter Roman Weidenfeller und Allrounder Kevin Großkreutz gefordert. Wetten, dass beide am Ende im WM-Aufgebot auftauchen? Für Löw sollte es eine Frage der Form sein (Torhüter) oder Verwendbarkeit bei einem Turnier (Allrounder), nicht eine Frage der Medien.

Eines muss der Sport-Grantler allerdings Jogi Löw ankreiden: Im Krisen-Management hat er sich nicht geschickt angestellt. Gespräche mit Kießling und in Dortmund hätten schon viel früher stattfinden müssen, eine klare Linie hätte festgelegt werden müssen, damit auch in den Medien alle Spekulationen nur noch Schall und Rauch sind.

Was viele vergessen: Noch ist Deutschland nicht in Brasilien. Mit einem Sieg am Freitag gegen Irland wäre die Fahrkarte gelöst. Wehe nicht! Es gibt zwar noch eine letzte Chance am 15. Oktober gegen Schweden, aber darauf sollte es das DFB-Team nicht ankommen lassen. Kein Tor gegen Irland – den Medien-Rummel möchte der Sport-Grantler sehen!

Basketball-Bundesliga: NIcht glücklich über den Glücksfall Bayern

 

Am Mittwoch, 2. Oktober, beginnt die neue Saison der Basketball-Bundesliga. Natürlich gibt es hier kein Ballyhoo wie im Fußball, aber gegenüber den Konkurrenten Handball und Eishockey hat sich Basketball hierzulande ziemlich sicher als Nummer zwei der Ballsportarten etabliert. Mitgeholfen hat dazu eine Galionsfigur wie Dirk Nowitzki, aber zuletzt auch das Engagement des FC Bayern München. Wo die Bayern dabei sind, sind auch Schlagzeilen garantiert, die Basketball-Bundesliga ist also im Gespräch.

Die Bayern haben zwar aktuell noch nichts gewonnen, aber sie sind bereits ein Zugpferd der Liga. Die Konkurrenz ist aber nicht nur glücklich über den Glücksfall. Die Bayern haben nämlich damit angefangen, bei den Konkurrenten zu wildern. So kamen allein vier Spieler von Alba Berlin, einst ungekrönter König im Basketball. Jetzt mussten die Berliner eine neue Mannschaft aufbauen (zwölf Spieler neu!) und Geschäftsführer Marco Baldi lästert Richtung München: „Das Scouting ist nicht sehr einfallsreich.“ Mit John Bryant aus Ulm haben die Bayern außerdem den besten Spieler der letzten Saison geholt und damit zählen sie fast schon logisch zum Favoritenkreis. Allein Titelverteidiger Brose Baskets Bamberg traut man zu, die Bayern zu stoppen. Schon im vergangenen Jahr lieferten sich die beiden bayerischen Konkurrenten heftige und reizvolle Duelle.

Beobachter fragen sich, ob das Engagement der Bayern aufgeht. Präsident Uli Hoeneß outete sich als Basketball-Fan, also sollte Basketball nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden wie einst Eishockey aus der Bayern-Familie vor Jahrzehnten unter Wilhelm Neudecker. Uli Hoeneß will Basketball in München nachhaltig etablieren und die Bayern haben es auch geschafft, dass die alte Rudi-Sedlmayr-Halle, heute Audi Dome, fast immer ausverkauft ist. Rund 6700 Zuschauer reichen allerdings nicht und die Bayern setzen diesbezüglich auf Red-Bull-Besitzer Mateschitz. Der Brause-König hat sich im Eishockey eingekauft und will im Olympiapark eine Mehrzweckhalle für 10.000 Zuschauer bauen – mit Bayern-Basketball als Untermieter.

Die Konkurrenz im Basketball beklagt, dass die Bayern viel Geld ins Basketball stecken, dass der Profi-Fußball hier als Geldgeber fungiert. Uli Hoeneß bestreitet dies: „Von den Profis gibt es keinen Euro, Basketball muss sich selbst tragen.“ Fakt ist, dass sich die Bayern auch Verluste beim Basketball leisten könnten. Fakt ist allerdings auch, dass Erfolge im Basketball für die Bayern notwendig sind, sollte der Namen keinen Schaden nehmen. Fakt ist auch, dass die Bundesliga von den Bayern profitiert. Sichtbar wird dies auch beim Fernsehen. Sport1 ist Partner der BBL und hat sich für den ersten Spieltag für Donnerstag gleich die Partie Bonn – Bayern ausgesucht. Es ist wie immer: Der Name Bayern garantiert hohe Einschaltquoten. Und ein Anreiz bleibt für die Konkurrenz: „Für uns gibt es nichts Schöneres, als solche Großen zu ärgern“, freut sich Ulms Geschäftsführer Stoll. Da befinden sich die Bayern-Basketballer also schon auf den Spuren der Fußball-Profis.

Übrigens hätten es die Bayern mit einer anderen Mannschaft im Verein leichter gehabt Titel zu holen: Das Team der Damen in der Frauen-Bundesliga aufzupäppeln wäre sicher billiger gewesen. Der VfL Wolfsburg hat es vorgemacht und innerhalb kürzester Zeit bei den Frauen das „Triple“ geholt. Die Bayern-Mädchen müssen da mit einem vergleichsweise geringen Etat leben. Aber Basketball schien den Bayern-Bossen reizvoller zu sein und findet wohl auch international mehr Beachtung. Auch der FC Barcelona und Real Madrid haben erfolgreiche Basketball-Abteilungen. Und zu den Klubs schielen die Bayern immer. Dass der Name Bayern auch international zieht, zeigt sich daran, dass die Bayern eine Wild Card für die Champions League im Basketball erhielten. Auch international erweisen sich die Bayern-Basketballer als Glücksfall. Mal sehen, wann der erste Titel fällig ist.

Gibt es bald keine Schiedsrichter mehr?

 

Nach dem Ausraster von Dortmunds Trainer Jürgen Klopp beim Champions-League-Spiel in Neapel sollte die Fußball-Welt nicht zum Alltag übergehen. Seine Bedrohung vom vierten Offiziellen in „Werwolf-Manier“ muss entsprechend geahndet werden und vor allem sollte Wiederholungen vorgebeugt werden. Allerdings ist fraglich, ob Jürgen Klopp wirklich eine harte Strafe erhält und damit ruhiger wird. Die UEFA hat ihn vorläufig mal für ein Spiel gesperrt und will das endgültige Urteil in der nächsten Woche fällen. Ein halbes Jahr Sperre wäre angebracht.

„Warum so hart?“, werden sich manche fragen. Ein Blick auf die Fußballplätze in Deutschland, auf den Spielbetrieb am Wochenende in den Dörfern gibt die Antwort: Sollte so eine Bedrohung eines Schiedsrichters nicht entsprechend geahndet werden, werden die Auswüchse auf den Dorfplätzen immer schlimmer. Schon heute müssen sich die Schiedsrichter dort oft wie Freiwild vorkommen, es ist ein Wunder, dass es noch genügend Unparteiische gibt. Es wäre kein Wunder, wenn es bald keine Schiedsrichter mehr gibt. Wer will sich denn freiwillig Beschimpfungen aussetzen, wer setzt schon freiwillig seine Gesundheit aufs Spiel? Das muss noch nicht einmal so weit gehen wie in den Niederlanden, als ein Unparteiischer zu Tode geprügelt wurde.

Wir sind nicht mehr weit davon entfernt. Schon heute haben viele Verbände Probleme, alle Spiele mit Unparteiischen zu besetzen. In Jugendligen ist man schon zu einer – auf den ersten Blick – abenteuerlichen, aber effektiven Regel gekommen: Die Jugendlichen entscheiden selbst, wann es ein Foul ist oder nicht. Meistens scheint das gut zu klappen, Probleme bereitet nur eine besondere Spezies – die Eltern! Sie versuchen von außen Einfluss zu nehmen. Da wären wir bei einem besonderen Problem der Gesellschaft: Die Erziehung und außerdem der Respekt.

Wer in der Öffentlichkeit steht, so wie Jürgen Klopp, der muss sich auch seiner besonderen Vorbildfunktion bewusst sein. Millionen sitzen an den Bildschirmen, darunter viele Kinder, und sie sehen einen beliebten Trainer, der einen Schiedsrichter bedroht. Schönes Vorbild! DFB-Abteilungsleiter Lutz-Michael Fröhlich sagt es deutlich: „Das Verhalten, das da zum Teil an den Tag gelegt wird, hat so ein aggressives Potential, dass daraus gewaltsame Exzesse entstehen können.“ Traurig darüber hinaus, dass es offensichtlich in Dortmund heißt, ohne diese Exzesse des Trainers könne auch die Mannschaft nicht ihr Potential abrufen, nicht ihr aggressives Spiel zeigen.

Ob in der Bundesliga oder international, solche Auswüchse müssen gestoppt werden, notfalls müssten die Trainer sogar ihre Lizenz verlieren. In Sachen Klopp wäre zumindest ein halbes Jahr Sperre für internationale Wettbewerbe angemessen. Außerdem sollte ihm eine Art „Zwangsjacke“ verpasst werden: Noch einmal, dann nie wieder Trainer!

Das es auch anders geht, zeigte Jürgen Klopp danach in Nürnberg, als er auch nach einer umstrittenen Entscheidung gegen Dortmund ruhig blieb. Außerdem hat er sich wieder einmal den Bart abrasiert, damit der Vergleich mit dem Werwolf zumindest nicht zutrifft. Bemerkenswert auch, dass Beobachter aufgefallen ist, dass sich Klopp vor allem dann so aufführt, wenn Dortmund zurückliegt. Andererseits hat sogar sein Torjubel ein großes Maß an Aggressivität. Die Losung aber muss lauten: Stoppt die Aggressivität! Der Respekt vor dem Gegenspieler oder dem Unparteiischen muss gefördert werden.

Das wäre doch mal einen Versuch wert: Sollen doch die Trainer in die Rolle des Schiedsrichters schlüpfen und entscheiden… Wäre wohl lustig anzuschauen!

Champions League: Die Bayern gegen den Fluch

 

Jetzt geht es wieder richtig los! Spieler und Mannschaften beklagen in den nächsten Wochen und Monaten die „englischen Wochen“, die Fußball-Fans freuen sich, es gibt kaum Tage ohne Fußball und Spannung ohne Ende. Am Dienstag und Mittwoch beginnt die Champions League, die große Geldmaschine des Sports, am Donnerstag zieht die Europa League nach.

Die Unterschiede könnten nicht krasser sein: Da die Champions League, die ja bei weitem nicht mehr ein Wettbewerb der Meister ist, sondern eine Ansammlung von prominenten Klubs. Dort die Europa League, die Franz Beckenbauer einmal respektlos den „Cup der Verlierer“ genannt hat. Was auch stimmt, schließlich finden da Mannschaften ihren Platz, die jetzt in der Qualifikation zur Champions League gescheitert sind, später Teams, die in der CL-Gruppenphase ausgeschieden sind. Die einzigen Sieger im Wettbewerb sind die nationalen Pokalsieger. Aber da kann es zum Beispiel sein, dass zweitklassige Vereine antreten. Attraktivität sieht anders aus.

Seltsam ist, dass sich im nationalen Wettbewerb die Vereine u. a. so positionieren, dass sie die internationalen Plätze als Ziel ausgeben. Ist das Ziel allerdings erreicht, beginnt auch schon das Klagen. Zum Beispiel darüber, dass die Belastung zu hoch sei oder, dass in der Europa League nicht so viel verdient werden kann, ja, dass sogar ein Verlust drohen kann. Der Unterschied ist frappierend: 8,6 Millionen Euro erhält in der Champions League allein jeder Klub bereits als Startgeld! So viel können die deutschen Vereine in der Europa League meist insgesamt nicht kassieren!

Erfreulich: In diesem Jahr sind wieder einmal vier deutsche Mannschaften in der CL dabei und sie sind alle nicht chancenlos die Gruppenphase zu überstehen. Allen voran natürlich Titelverteidiger Bayern München, der am Dienstag gegen ZSKA Moskau startet, außerdem Manchester City und Viktoria Pilsen als Gegner hat. Aber die Bayern kämpfen vor allem gegen den Sieger-Fluch: Kein Verein, nicht einmal der FC Barcelona, konnte bisher in der CL seinen Titel erfolgreich verteidigen. Der FC Chelsea schaffte im Vorjahr sogar ein Novum, als erster Cup-Inhaber die Gruppenphase nicht zu überstehen. Immerhin hielten sich die Londoner danach in der Europa League schadlos (Cup der Verlierer!) und holten dort den Pokal (im Supercup unterlagen sie Ende August bekanntlich den Bayern). Also, die Gruppenphase sollten die Bayern überstehen. Als Nahziel gilt das Halbfinale.

Wer könnte die Bayern ablösen? Der Kreis der Favoriten ist groß, es sind die üblichen Verdächtigen. Der FC Barcelona natürlich und Real Madrid, das wieder einmal Millionen für Spieler ausgegeben hat. Die englischen Teams wollen zurückschlagen, in vorderster Front Chelsea, Manchester United und Manchester City, das endlich mal über die Gruppenphase hinauskommen will. Sie alle haben neue Trainer und damit auch neue Hoffnung. Zu diesen Klubs gesellt sich noch Juventus Turin, als letzter italienischer Vertreter mit internationaler Klasse und das neureiche Paris Saint-Germain, wobei man hier erst mal warten muss, ob aus den teuren Stars auch eine Mannschaft wird.

Zu den Favoriten darf man aber auch Borussia Dortmund zählen. Logisch eigentlich als Finalteilnehmer des Vorjahres. Die Frage ist, welche Ziele Trainer Jürgen Klopp mit seinen Mannen angeht, bisher gelang es der Mannschaft nämlich nicht, Meisterschaft, Pokal und Champions League unter einen Hut zu bringen. Das Team scheint gut aufgestellt zu sein, ist bereits gut in Schwung (fünf Startsiege in der Bundesliga ist Vereinsrekord) und sollte sich auch in der zugegeben schweren Gruppe durchsetzen. Ein wichtiger Fingerzeig ergibt sich schon am Mittwoch beim SC Neapel, außerdem sind der FC Arsenal (mit Özil!) und Olympique Marseille die Gegner. Ein ausgeglichenes Feld, wo jeder jeden schlagen kann. Aber Vorteil Dortmund!

Bayer Leverkusen und Schalke 04 haben je ein englisches Top-Team als Gegner, die anderen Mannschaften sind zwar mit Vorsicht zu genießen, aber schlagbar. Leverkusen trifft auf Manchester United und muss auf Schachtor Donezk aufpassen, Real Sociaded San Sebastian ist immer für eine Überraschung gut. Schalke sollte sich hinter Chelsea einreihen, aber den FC Basel und Steaua Bukarest auf Distanz halten können. Es sei denn, der neue Hoffnungsträger Kevin Prince Boateng verletzt sich…

In der Europa League fehlen die großen Namen, ein bisschen Glanz verbreiten allenfalls der AC Florenz, Lazio Rom, Tottenham Hotspurs, FC Valencia, Olympique Lyon und Dynamo Kiew. Große Gegner haben auch die deutschen Vertreter nicht. Frankfurt trifft auf Bordeaux, Nikosia und Maccabi Tel Aviv, Freiburg auf Estoril, Liberec und FC Sevilla.

Die Ausgangspositionen der beiden deutschen Klubs sind sehr unterschiedlich. In Freiburg geht fast ein bisschen die Angst um, Trainer Christian Streich spricht von „einem Abenteuer“. Logisch, die Mannschaft hat eher an Substanz verloren und muss nun noch eine doppelte Belastung verkraften. Eintracht Frankfurt ist da anders aufgestellt, Trainer Armin Veh auch optimistischer, „wir wollen weit kommen“. Mal sehen, ob die Klubs was für die Länderwertung beitragen können oder früh scheitern. Es war schon lange kein deutscher Verein mehr vorne dabei.

Wie auch immer, der deutsche Fußball war im Vorjahr auf Europas Bühne überaus erfolgreich, ein deutsches Finale wird sich sicher nicht wiederholen. Aber die Fußball-Fans dürfen darauf hoffen, dass sie recht lange zumindest eine deutsche Mannschaft im europäischen Wettbewerb verfolgen können. Schöne Fußball-Abende stehen bevor!

Im Eishockey hat man nichts gelernt

 

Am Freitag, 13. September, beginnt die neue Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Ein Datum, das fast schon Programm sein könnte, denn im Eishockey geht nach wie vor vieles schief. Freitag, der 13., als Unglückstag ist da seit Jahren quasi jeden Tag…

Wer das deutsche Eishockey über die Jahre hinweg verfolgt hat, muss leider anmerken, dass man nichts gelernt hat. Heute gibt es immer noch die gleichen Probleme und Debatten wie vor 40 Jahren. Im Unterbau stimmt nichts, die Nachwuchsarbeit wird vernachlässigt und an der Spitze gibt es keine Fortschritte. So hat die Nationalmannschaft u. a. die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi verpasst.

Auch die Querelen wiederholen sich. In diesem Sommer gab es Streit um die 2. Bundesliga, die meisten Vereine wollten als Unterbau zur DEL wechseln. Der Verband war dagegen, sah seine Felle davonschwimmen. Erinnerungen an 20 Jahre zuvor, bei der Einführung der DEL wurden wach. Damals drohte die DEL zur „wilden Liga“ zu verkommen, setzte den Deutschen Eishockey-Bund unter Druck und es kam zu einem langen und unerquicklichen Gerichtsstreit, der dem Eishockey schwer schadete. Diesmal drohte der DEB damit, die 2. Bundesliga ein Jahr pausieren zu lassen, ehe man sich einigte und die zweite Liga dem Verband jetzt verloren geht, sie formiert künftig als DEL 2, aber einen Auf- und Abstieg gibt es nach wie vor nicht. Ein Novum im deutschen Sport, eine Anlehnung an den Profi-Sport in Nordamerika, bei uns aber immer noch gewöhnungsbedürftig. Und im Sommer hieß es über das Eishockey nur: „Die streiten mal wieder.“

Fast ein Wunder, dass die DEL bereits ein Jubiläum feiern kann, sie geht in ihre 20. Saison, wie zuletzt mit 14 Vereinen. Für die Hannover Scorpions, die aus finanziellen Gründen aufgeben mussten, rückten aus der zweiten Liga die Schwenninger Wild Wings nach. Die Plätze werden nicht sportlich vergeben, sondern werden verkauft.

Überhaupt regiert in der DEL vor allem das Geld. Mäzene und Konzerne sorgen seit Jahren dafür, dass der Rubel rollt und die DEL gedeiht. Der Glücksfall für die DEL war vor Jahren, dass viele die Städte die Mehrzweckhallen entdeckten und Eishockey neben Konzerten und Shows als Hallen-Füller sahen. Das sicherte der DEL das Überleben, aber ohne Sponsoren geht an der Spitze nichts. Finanziell sind diese Mehrzweckhallen ein Wagnis. Köln braucht 11.000 Zuschauer, um auf die Kosten zu kommen. Berlin, Köln, Hamburg und Mannheim freuen sich über ihre Geldgeber und moderne Hallen – und damit ist der ständige Favoritenkreis schon genannt.

München will jetzt das Fliegen lernen, der Brause-Hersteller Red Bull hat sein Herz für das Eishockey entdeckt und will bald um den Titel mitspielen. Das möchte auch gern Thomas Sabo in Nürnberg, doch dort tritt man ebenso auf der Stelle wie in Ingolstadt, wo der Saturn-Eigner Euro locker macht. Der Rest gleicht eher einem Armenhaus, wobei jetzt ein Anachronismus beseitigt wird, in Augsburg gehört das einzige Freiluftstadion der Vergangenheit an, das Curt-Frenzel-Stadion ist jetzt eine Halle. Die anderen Teams müssen im Winter bei ihren Spielen in Schwaben buchstäblich nicht mehr zittern.

Lustig ist, dass die Medien im Vorfeld der Meisterschaft nach Meister-Tipps fragen. Wer will das vor Saisonbeginn beantworten, wenn es nach 52 Spieltagen „Anlauf“ erst dann in den Play-Offs um die Entscheidung geht? Was bis zum 7. März passiert, ist danach nur noch Makulatur. Eine Tatsache, die die Fans der Vereine nicht schreckt, die aber auch dazu führt, dass Eishockey nur in den wirklichen Hochburgen ernsthaft wahrgenommen wird, aber bundesweit nur eine untergeordnete Rolle spielt und keineswegs mit Handball oder Basketball konkurrieren kann. Dazu kommt, dass die Weltmeisterschaft erst im Mai ausgespielt wird, diesmal vom 9. bis 25. Mai in Weißrußland. Eishockey ist fast keine Wintersportart mehr!

In den Anfängen der DEL machten die Verantwortlichen den Fehler, dem Lockruf des Geldes zu folgen. Sie verkauften die DEL für die Fernsehübertragungen an den Pay-TV-Kanal Premiere (heute Sky) und verärgerten so die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, die bis dahin immer ein Herz für das Eishockey gezeigt hatten. So verschwand Eishockey fast von der Bildfläche und die Bedeutung sank beträchtlich. Über Red Bull mit seinem Sender „Servus TV“ kam die DEL wieder ins frei empfangbare Fernsehen, aber auch der Spartensender kann die Zuschauer nicht locken. Manchmal nur 60.000 Zuschauer machen die DEL zu einer Liga nach dem Motto „ferner spielten“…

Fehler über Fehler also und das seit Jahren, ein Wunder, dass die DEL noch funktioniert und die Sponsoren ihre Lust nicht verlieren. So wird es ab Freitag in einigen Städten wieder eine Eishockey-Euphorie geben, mehrheitlich werden die Sportfans in Deutschland anmerken, „ach Eishockey gibt es ja auch noch“.

Nur wenige Fragezeichen im Löw-Team

 

Die Fußball-Bundesliga macht zwei Wochen Pause, die Nationalmannschaft rückt wieder einmal in den Blickpunkt. In den Länderspielen gegen Österreich am Freitag in München und Dienstag auf den Färöer Inseln sollen endgültig die Weichen Richtung Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien gestellt werden. Sorgenfrei ist Bundestrainer Joachim Löw nicht, denn die Abwehr patzte zuletzt und im Mittelfeld fehlen ihm mit Schweinsteiger und Gündogan gleich beide Strategen verletzt.

Dies ist allerdings auch die Gelegenheit für die Kontrahenten, sich zu zeigen und den WM-Kader zu empfehlen. Ein Blick auf die Auswahl zeigt jedoch, dass die Plätze fast alle vergeben sind. Im Löw-Team gibt es nur noch wenige Fragezeichen. So zum Beispiel die Frage nach Roman Weidenfeller. Wird Dortmunds Torhüter noch ein WM-Fahrer oder hält Löw an einem der jungen Keeper (Zeiler, ter Stegen oder Leno) fest.

Ein Überblick über die Zweikämpfe:

Neuer – Adler: Der Bayern-Torhüter ist die klare Nummer 1, die Frage bleibt (siehe oben), ob Roman Weidenfeller noch eingreifen darf oder nicht. Er könnte aber bestenfalls Adler als Nummer 2 verdrängen, die jungen Keeper müssten dann zu Hause bleiben. Wäre das sinnvoll oder sollten sie nicht lieber im Hinblick auf die Zukunft WM-Luft schnuppern?

 

Lahm – ?: Wenn der Kapitän einmal ausfällt, gibt es auf der Position des rechten Verteidigers nur ein großes Fragezeichen. Löw hat quasi keinen „Back up“, sondern höchstens Notlösungen parat (Boateng, Höwedes, L. Bender). Eigentlich ein Armutszeugnis. Gratulation an Philipp Lahm, er macht gegen Österreich sein 100. Länderspiel, ist die Nummer acht der ewigen Rangliste und kann auf den Färöer schon Thomas Häßler (101) und bald Franz Beckenbauer (103) einholen. Rekordmann ist Lothar Matthäus mit 150 Länderspielen.

Schmelzer – Janssen: Der Dortmunder Verteidiger galt zunächst als „Notnagel“, aber mangels Konkurrenz hat er jetzt einen Stammplatz. Fährt sicher zur WM, Marcel Janssen und als weiterer Kandidat Dennis Aogo (jetzt Schalke) sind nicht konstant genug in ihren Leistungen.

Mertesacker/Hummels – Boateng/Höwedes: Die erste Paarung ist wohl der Stamm für die Innenverteidigung, obwohl Per Mertesacker oft Schnelligkeitsdefizite offenbart und Mats Hummels durch Leichtsinn „glänzt“. Gerade Jerome Boateng hat bei Bayern zuletzt einen Schritt nach vorne gemacht und die Fehler minimiert. Er ist ein echter Herausforderer. Benedikt Höwedes kann auf allen Positionen in der Abwehr einspringen, ist überall ein Notnagel. Leider fehlt Holger Badstuber als echte Alternative verletzt.

Schweinsteiger – Gündogan: Beide fehlen in dieser Woche verletzt, beide sind aber sichere WM-Fahrer. Einen echten Konkurrenten für ihre Position gibt es nicht, Co-Kapitän Bastian Schweinsteiger sollte seinen Platz in der Stammelf behaupten, weil er mehr Erfahrung hat und die Mannschaft führen kann.

Khedira – L. Bender: Noch hat der Real-Star die besseren Karten, aber Lars Bender hat in den letzten Länderspielen gezeigt, dass er mehr als nur ein Ersatzmann ist, sondern eine echte Alternative. Jetzt muss er wohl Schweinsteiger ersetzen. Bruder Sven steht noch ein Stückchen dahinter.

Müller – Schürrle: Der Münchner hat wohl die Nase vorn, er ist nicht so ausrechenbar wie Schürrle und immer für die besondere Aktion gut. Thomas Müller kann überall im Angriff eingesetzt werden – ideal für den WM-Kader.

Reus – Podolski: Der Dortmunder hat hier die besseren Karten, Lukas Podolski hatte zuletzt Probleme mit dem modernen Spiel, bleibt aber fester WM-Kandidat. Andre Schürrle ist auch Herausforderer auf dieser Seite, dazu kommt der Leverkusener Sidney Sam. Da darf sich keiner ausruhen.

Özil – Götze/Kroos: Noch ist Mesut Özil der „Platzhirsch“ als Spielmacher, aber eine Formschwäche darf er sich nicht erlauben. Mario Götze und Toni Kroos wollen ihn beerben, haben aber nicht unbedingt das Vertrauen von Jogi Löw. Dahinter wartet aber auch noch Julian Draxler.

Klose – Gomez: Löw lässt seit einiger Zeit nur mit einer Spitze spielen und seitdem duellieren sich die beiden Torjäger. Miro Klose hatte zuletzt die Nase vorn, weil er spielerisch stärker ist als „Tormaschine“ Mario Gomez. Beide kämpfen in Italien um die Nummer 1. Vielleicht gibt es einen lachenden Dritten? Max Kruse beeindruckte zuletzt im Nationalteam und bei Gladbach und passt eigentlich gut zur Taktik von Jogi Löw.

Der Bundestrainer sagt immer, für jeden sei die Tür für den WM-Kader noch offen, aber im Grunde genommen steht der Kreis der Kandidaten fest. Schmerzlich wird nur kurz vor der Weltmeisterschaft die endgültige Auswahl, wenn manche zu Hause bleiben müssen. Das am Ende alle zu Hause bleiben müssen, wird wohl nicht passieren. Vom Weg nach Brasilien sollte sich die Nationalmannschaft nicht mehr abbringen lassen.

Die Woche des FC Bayern

 

Hat Pep Guardiola da etwas missverstanden? „Im Frühjahr müssen wir in Form sein, da werden die Titel vergeben“, hat der Trainer leise Kritik am etwas schleppenden Saisonbeginn des FC Bayern München abgewehrt. Wer sagt’s dem Spanier? Bereits am Freitag geht es um den ersten Titel und das Finale um den UEFA-Supercup ist an Prestige kaum zu überbieten: Bayern gewann diesen Pokal noch nie und wieder steht Pep Guardiola seinem alten Kontrahenten Josè Mourinho gegenüber, wenn Champions-League-Sieger Bayern in Prag auf Europa-League-Sieger Chelsea London trifft. Außerdem geht es für die Bayern um eine Revanche für die Finalniederlage in der CL von 2012.

 

Es ist überhaupt die Woche des FC Bayern, ob es eine erfolgreiche und glückliche sein wird, wissen wir am Freitag. Zunächst steht am Dienstag, 27. August, das vorgezogene Bundesligaspiel beim SC Freiburg auf dem Programm. In der jetzigen Phase der Meisterschaft mehr als ein Pflichtprogramm, schließlich gilt es in der Bundesliga weiterhin mit vorne weg zu marschieren, nachdem auch Dortmund, Leverkusen und Mainz ebenfalls dreimal siegten. Wer strauchelt als Erster? Pep wird in seinem Personalpuzzle darauf achten müssen, dass am Freitag alle in Form sind (nicht erst im Frühjahr).

 

Am Donnerstag steht für die Bayern, vor allem aber für Stürmer-Star Franck Ribery ein weiterer wichtiger Termin an: Die Wahl zum „Spieler des Jahres“ in Europa. „Dieser Titel wäre mir sehr wichtig“ gestand Ribery im kicker. Pep Guardiola betrieb wohl auch ein bisschen Wahlwerbung, als er betonte, Ribery sei der beste und sein wichtigster Spieler. Konkurrenten sind die üblichen Verdächtigen, nämlich Messi und Ronaldo. Allerdings haben beide auf der internationalen Bühne nichts geholt – im Gegensatz zu dem Franzosen. Die Stimmung bei den Bayern ist eindeutig: „Wenn nicht jetzt, wann soll dann einmal ein Bayern-Spieler so eine Wahl gewinnen.“ Im Zweifel müsste halt noch einmal der Champions-League-Sieg her! Ein Nachteil: Im Vorjahr hatten Messi und Ronaldo schon gegen Iniesta vom FC Barcelona das Nachsehen. „Düpiert“ die Jury die Welt-Stars ein weiteres Mal? Immer Messi oder Ronaldo ist aber auch langweilig. Es wählen übrigens 53 Journalisten unter Federführung des kicker. Ein gutes Zeichen?

 

Franck Ribery wäre vielleicht ein persönlicher Sieg am Donnerstag wichtiger als ein Erfolg mit der Mannschaft am Freitag. Ein Bayern-Sieg würde aber nicht nur die geglückte Revanche bedeuten, sondern wäre auch ein Signal an die Spitzenteams in Europa bzw. in der Welt: Seht her, wir bleiben die (vermutlich) beste Mannschaft der Welt! Die Bayern hätten vor allem in der Champions League den Vorteil, dass ihnen die Gegner mit besonderem Respekt begegnen. Hat Pep Guardiola die richtige Taktik gegen seinen alten Kontrahenten aus Spanien? Als Pep und Mourinho in Barcelona und Madrid das Sagen hatten, gab es viele Spannungen, am Ende war Guardiola der erfolgreichere, Mourinho der lautere und ekelhaftere von beiden. Brisanz ist also gegeben!

 

Übrigens Herr Guardiola: Noch ein wichtiger Titel wird noch in diesem Jahr vergeben, bei der Klub-Weltmeisterschaft wollen ja die Bayern München Mitte Dezember auch untermauern, dass sie die beste Mannschaft der Welt sind! Jetzt aber erst mal Chelsea schlagen…